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 Beitrag Verfasst: Montag 29. September 2014, 22:40 
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29.09.2014

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Eine FCZ-Niederlage als Kunststück

1:2 statt 4:1 oder 5:1 – der FC Zürich brachte es gegen die Young Boys fertig, trotz totaler Dominanz zu verlieren.

Davide Chiumiento hatte Geduld und ­erzählte immer und immer wieder das Gleiche. Sein Kernsatz hiess: «Wir müssen uns selbst an der Nase nehmen.»

Urs Meier war so anständig, wie er das im Erfolg auch ist. Er redete und redete. Sein Kernsatz hiess: «Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht.»

Der Spieler und sein Trainer gaben sich alle Mühe, etwas zu erklären, was eigentlich unmöglich schien: dass der FCZ diesen Match verlor, statt ihn zu gewinnen, nicht irgendwie zu gewinnen, sondern 4:1, 5:1. «So ist Fussball», fügte YB-Trainer Uli Forte bei, als er daran ging, das 2:1 seines Teams zu erklären.

So ist Fussball also: Am Mittwoch hatte der FCZ bereits den FC Aarau dominiert wie kaum einen Gegner diese Saison und dennoch nur 0:0 gespielt. Und hatte YB in Sitten eine Leistung geboten, die höchstens ein 0:0 wert war, aber dank eines geschenkten Elfmeters trotzdem mit einem 1:0 belohnt wurde. Und darum heisst es am Ende der Woche: FCZ ein Punkt, YB sechs Punkte.

Mit drei Punkten müsste der FCZ jetzt die Rangliste anführen, unter normalen Umständen. So aber liegt er zwei hinter einem FC Basel zurück, der sich, wie schon in der Vergangenheit, auf die Schwächen der Konkurrenz verlassen und dank deren Mithilfe die eigenen ­Unzulänglichkeiten in der Selbstfindung unter Paulo Sousa kaschieren kann. «Wir müssen einfach schauen, dass wir bis im Winter oben dran bleiben», sagte Meier, gezeichnet von dieser Niederlage.

Chancen, Chancen, Chancen . . .

Die Zürcher hatten in Bern das, was sie Déjà-vu nannten, diese unerfreuliche Erinnerung an den Match zehn Tage zuvor in Nikosia gegen Apollon Limassol. Schon damals holten sie einen Rückstand auf, schienen dann alles unter Kontrolle zu haben, zumal der Gegner nach einem Platzverweis nur zu zehnt war, und verloren ihr erstes Gruppenspiel der Europa League doch noch 2:3.

Gestern lagen sie nach fünf Minuten und einer sträflichen Unachtsamkeit in der Defensive 0:1 zurück. Begannen ­aufzudrehen und den mehr und mehr konzeptlosen Gegner zurückzudrängen. Waren nach einer Stunde und Nuzzolos Platzverweis personell im Vorteil, schafften endlich den Ausgleich – und brachten es fertig, sich noch übertölpeln zu lassen. Im Zusammenspiel mit Milan Gajic, dem Ex-Zürcher, arbeitete sich Guillaume Hoarau an fünf Gegnern vorbei und schob den Ball durch die Beine von Goalie David Da Costa. «Eiskalt», urteilte Forte. Man könnte auch sagen: Gut sah Da Costa nicht aus.

Das hätte keine Rolle gespielt, wenn Da Costas Teamkollegen ihre Arbeit ­besser verrichtet hätten. Chiumiento, ­Rikan, Chikhaoui, Etoundi, Etoundi, Schönbächler, Rikan, Etoundi, Etoundi – in dieser Reihenfolge vergaben sie zwischen der 12. und 52. Minute aus besten Positionen. Und immer wieder war es Etoundi, der im Abschluss sündigte, wie auch in der 56. Minute, als er, der Schwerarbeiter, sich nach seinem eindrucksvollen 50-m-Sprint nicht mit einem Tor belohnte, sondern am fliegenden Goalie Yvon Mvogo scheiterte.

Danach brachte es eben Nuzzolo fertig, innert einer Minute zweimal so lange zu reklamieren, bis er mit der Gelb-Roten Karte in die Kabine geschickt wurde. Nach 66 Minuten drückte Chi­khaoui den Ball irgendwie über die Linie. Es war ein Tor, wie es so gar nicht zum spielerisch leichtfüssigen Auftritt des FCZ passte. Und weil es auf so mühsame Art fiel, hätte sich Meier gewünscht, seine Spieler hätten genau das als Zeichen verstanden und sich mit dem einen Punkt zufrieden gegeben. Aber sie wollten mehr, wollten den Sieg und wurden dabei «ungeduldig» (Chiumiento) und liefen «in den Hammer» (Meier).

Meiers Trost

Forte konnte strahlend zugeben, als Trainer von YB noch nie mit derart viel Glück gewonnen zu haben. Und ja, er wäre schon mit einem Punkt glücklich gewesen. Meier blieb dafür die bittere Erkenntnis: «Die Mannschaft lernt, dass sie lernen muss.»

Der FCZ bestätigte gestern, an einem guten Tag eine Attraktion sein zu können. Er lieferte aber zum dritten Mal ­innert zehn Tagen, nach Limassol und Aarau, ebenso den Nachweis, dass ihm das Entscheidende zum durchschlagenden Erfolg weiterhin fehlt. Die Schnelldiagnose von Meier in der Zusammenfassung: Die Spieler müssten «effizienter» und «brutaler im Kopf» werden und den «Killerinstinkt» finden.

Am Donnerstag trifft der FCZ in der Europa League auf Mönchengladbach. Eines sieht Meier schon einmal als Trost: «Da müssen wir nicht dominieren. Wir sind nur der Aussenseiter.»


http://www.tagesanzeiger.ch/sport/fussb ... y/14512676

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