BZ, 10.2.2005
Schönenberger: «Ich liebe Derbys über alles»
Am Sonntag spielt Thun im Cupviertelfinal bei YB, eine Woche später in der Liga gegen den gleichen Gegner in Bern. Urs Schönenberger über seine schwierige und interessante Aufgabe als neuer Coach im Berner Oberland.
Der neue Thun-Trainer: Urs Schönenberger / Andreas Blatter
Urs Schönenberger, als Nachfolger Hanspeter Latours können Sie als Thun-Trainer nur verlieren.
Urs Schönenberger: Latours Vorgaben sind in der Tat sehr hoch. Der aktuelle zweite Rang ist kaum noch zu toppen. Ich muss damit leben, dass ich mit meinem erfolgreichen Vorgänger verglichen werde. Ich spüre aber, dass die Spieler hinter mir stehen. Sie wollen beweisen, dass es auch ohne Latour geht.
Zuerst gehts zweimal zu YB. Hätten Sie sich nicht einen einfacheren Start gewünscht?
Ich sehe das positiv. Ich liebe Derbys über alles. Das war schon zu meiner Zeit beim FCZ so. Ich spiele lieber vor vielen Zuschauern im Neufeld als auswärts gegen Schaffhausen.
Thun hat seit dem Aufstieg in die oberste Spielklasse in Bern noch nie gewonnen. Ändert das nichts an Ihrer Meinung?
Nein, dann gewinne ich in meinem ersten Spiel mit Thun halt zum ersten Mal in Bern. Obschon YB der klare Favorit ist, können wir gewinnen.
Was haben Sie der starken YB-Offensive entgegenzusetzen?
Stéphane Chapuisat, Thomas Häberli und Francisco Neri sind Spieler, die eine Partie im Alleingang entscheiden können. Doch wir haben eine starke Abwehr. Das war schon in der Vorrunde der Fall. Mit der Rückkehr des lange verletzten Innenverteidigers Ljubo Milicevic ist die Verteidigung noch stärker geworden. Milicevic ist wieder sehr gut in Form.
Müssen Ihre Spieler überhaupt noch speziell für die zwei Spiele in Bern motiviert werden?
Die Affiche an sich ist motivierend genug. Trotzdem habe ich in der Garderobe sieben grosse Fotos der neuen Cuptrophäe aufgehängt. Ich habe meinen Spielern gesagt: Schaut ihn an, diesen Pokal. Ihr könnt ihn aus eigener Kraft gewinnen. Jetzt wollen sie, dass der FC Thun der erste Verein ist, der auf diesem Pokal eingrafiert wird.
Wie würden Sie wählen: lieber einen Derbysieg am Sonntag im Cupviertelfinal oder eine Woche später in der Meisterschaft?
Für mich zählt immer nur das nächste Spiel …
… damit haben Sie aber die Frage nicht beantwortet.
Ein Sieg im Cupviertelfinal zählt nur dann etwas, wenn wir danach auch den Cupfinal erreichen. In der Meisterschaft aber gibts wichtige Punkte zu gewinnen. Wir wollen ja auch in der Liga weiterhin vorne mitspielen.
Also ist Ihnen das zweite Spiel gegen YB wichtiger?
Ich will beide Spiele gewinnen. Doch wenn ich mich umhöre, beim Management und bei den Fans, dann habe ich den Eindruck, dass den Leuten ein Sieg im Cup mehr bedeuten würde.
Torhüter Fabio Coltorti ist zurzeit mit der A-Nati und Mittelfeldspieler Baykal mit der U21-Auswahl im Trainingslager in Dubai. Ist das ein Problem für Sie?
Oh ja. Ein solches Trainingslager mag für FCB- und GC-Spieler ja schön sein. Aber für die Teams, die noch im Cup sind, ist es mühsam. Coltorti und Baykal kommen erst am Donnerstagabend zurück, und sie werden müde sein. Beim jungen Baykal besteht zudem die Gefahr, dass er etwas überheblich zurückkehrt. Ich muss ihn sofort wieder auf den Boden zurückholen.
Auch Thun war im Trainingslager. Sportchef Werner Gerber hat gesagt, es sei lockerer zu und her gegangen als jeweils unter Latour.
Meine Spieler müssen auf dem Fussballplatz voll konzentriert sein. Aber ihre Freizeit sollen sie so gestalten, wie sie wollen.
Hat bei so viel Freiheit wirklich keiner die Grenze überschritten?
Bis jetzt nicht.Wenn es aber einmal vorkommen sollte, dann müsste ich sofort eingreifen.
Wo liegen bei Ihnen die Grenzen?
Auf dem Platz kenne ich kein Pardon. Da will ich hart arbeiten und Fortschritte erzielen. Deswegen müssen die Spieler zu 100 Prozent bei der Sache sein. Und pünktlich – mit der Pünktlichkeit nehme ich es sehr genau.
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Hanspeter Latour tippt 1:2
«Nach wenigen Wochen bei GC hängt mein Herz natürlich auch noch an Thun. Meine ehemaligen Spieler werden am Sonntag 2:1 nach Verlängerung gewinnen. Warum? Wer Basel ausschaltet hat es verdient, den Final zu erreichen. Als ehemaliger YB-Spieler freut es mich aber, dass auch bei einer Thun-Niederlage ein Berner Team weiterkommt.»