Peter Jauch nimmts gelassen
Vizemeister YB geht am Stock und liegt nur noch drei Punkte vor einem Abstiegsplatz. In einem halben Jahr gehts ins Wankdorf. Peter Jauch, CEO der neuen Arena und der starke Mann im Klub, nimmt Stellung zur Krise.
Wankdorf-CEO Peter Jauch / Keystone »YB-Dossier
Nein, so hat man sich das in Bern nicht vorgestellt. Ein halbes Jahr vor dem Einzug ins wunderschöne Wankdorfstadion gehts YB sportlich dreckig. Schlechte Leistungen, fehlende Punkte, der Fall Richtung Tabellenende – YB steckt in der Krise. In der höchst mittelmässigen Super League mit kriselnden Grossvereinen wie Servette oder GC sollte YB hinter dem ebenfalls keineswegs souveränen Basel eine wichtige Rolle einnehmen müssen. Die YB-Fans machen sich Sorgen. Auf einem Internetforum wird intensiv über Trainer Hans-Peter Zaugg, die ungenügenden Leistungen der Spieler oder den drohenden Fall in die Challenge League diskutiert. Noch bleiben 19 Runden zu spielen. Peter Jauch, der Wankdorf-CEO und mächtiger Mann im Verein, nimmt Stellung.
Saison. «Wir können nicht zufrieden sein mit Rang sechs», sagt Jauch, «aber wir dramatisieren nichts.» Die vielen verletzten und kranken Spieler seien die Hauptursache, sagt ein erstaunlich zahmer Jauch, der keine Polemik entfachen will. «Wenn man Leistungsträger wie Francisco Neri oder Gürkan Sermeter und andere über Wochen ersetzen muss», erklärt Jauch ruhig, «dann gibts Rückschläge.»
Aber auch andere Teams haben Absenzen zu beklagen, so fehlten Zürich beim 4:2-Sieg in Bern viele Stammspieler. «Das stimmt, und irgendwann werden wir wieder siegen», sagt Jauch. Und: «Wir haben auch gute YB-Vorstellungen gesehen, bei den Erfolgen beim FC Zürich und bei GC zum Beispiel.»
Dort allerdings duselten sich die Berner zweimal zum Sieg, auch das 2:1 im Heimspiel gegen Thun war sehr glücklich. Und die Unentschieden bei St. Gallen (3:3) sowie gegen Servette und Aarau (je 1:1) wurden durch Tore in der Nachspielzeit erreicht. Insofern dürfen sich die Berner über fehlendes Glück nicht beklagen – es könnte sogar noch schlimmer aussehen.
Transferpolitik. Mit Ausnahme von Neri haben sich alle neuen Spieler bei YB (noch) nicht durchgesetzt: Torhüter Patrick Bettoni, Fernando Carreño, Yao Aziawonou, Patrick De Napoli oder Gabriel Urdaneta. «Wir haben uns mehr erhofft», sagt Jauch. Aber: «Auf Grund der Absenzen waren wir froh, über ein breites Kader zu verfügen.» Der Macher im Hintergrund erklärt, dass auch eine «grosse Nummer wie Hakan Yakin» den Erfolg nicht garantiert hätte. «Was ist, wenn sich ein so teurer Starspieler bald verletzt hätte?», fragt Jauch hypothetisch.
Trainer. Hans-Peter Zauggs Vertrag läuft Ende Saison aus. «Wir haben uns unterhalten», sagt Jauch, «und derzeit gibt es keinen Grund, unruhig zu werden.» Die weitere Entwicklung soll abgewartet werden. Letzte Saison hat Zaugg hervorragende Arbeit abgeliefert. Doch in dieser Saison hat der Coach noch kein Rezept gefunden, um den Abwärtstrend zu stoppen. Natürlich, die ständigen Umstellungen und die fehlende Praxis wichtiger Akteure erschweren seine Arbeit. Aber am Sonntag gegen Zürich wars erschreckend, wie emotionslos sich YB dem Schicksal ergab. «Ein Trainer wird an seinen Resultaten gemessen», sagt Jauch knallhart. «Jetzt aber bringts nichts, über einen neuen Kontrakt zu sprechen.» Er schiebt erneut eine Frage nach: «Was nützt es einem Trainer, der siebenmal in Serie verliert, wenn er einen Zehnjahresvertrag hat?» Die Gerüchte, welche der provozierende Fussballexperte Erich Vogel gestreut hatte, wonach Jauch nicht mit Zaugg ins Wankdorf wolle, beantwortet er auch mit einer Fragestellung: «Ist Vogel mein Mentor?»
Verstärkungen. Ob der Isländer Steinsson, der im Winter kommt, als Innenverteidiger eine gute Lösung ist, wird sich zeigen. Noch kann Jauch nicht sagen, wie viel YB im Sommer in Neue investieren wird. «Basel war im ersten Jahr im St.-Jakob-Park bloss Fünfter», sagt er, «Fünfter!» Erst danach seien die Erfolge gekommen. «Es macht Sinn, erst im neuen Stadion Geld in die Hände zu nehmen», sagt Jauch. Das Beispiel Servette zeige, was passiere, wenn man Dutzende von mittelmässigen Akteuren verpflichte. Servette allerdings hat mittlerweile einen Punkt mehr als YB geholt …
Stadion Wankdorf. Jauch also nimmt das derzeitige Malaise gelassen. «Rund ums Stadion läufts bestens», erklärt er. 15 000 Dauerkarten und einen Schnitt von 20 000 Zuschauern strebe YB im ersten Jahr an. «Im nächsten Sommer gibt es neben dem Eröffnungsfest einige grosse Spiele im Wankdorf», sagt Jauch. Das Abschiedsspiel von Stéphane Chapuisat, wohl das WM-Qualifikationsspiel Schweiz gegen Frankreich im Oktober, dazu vielleicht europäische YB-Auftritte (…) – «uns wird die Arbeit nicht ausgehen», sagt Jauch lachend. Details zum Eröffnungsfest im Sommer 2005 werden bald bekannt. Laut Gerüchten sollen die irischen Popgiganten U2 im nächsten Jahr in Bern auftreten. «Wir sind mit einigen Headlinern am Verhandeln», sagt Jauch, «es kommt gut.»
Nach diesem Motto scheint er auch bei YB zu denken. Ob der als gradlinig bekannte Jauch ebenfalls so handeln wird, ist eine andere Sache. Der Öffentlichkeit soll Ruhe vermittelt werden. Ein Freifahrtsschein für Trainer und Spieler ist das dennoch nicht.Fabian Ruch
BZ, 7.12.2004