Bund, 11.9.2004
Rückkehr in den Letzigrund
YB-Spieler Gürkan Sermeter: Vorfreude und ein «spezielles Gefühl» vor der heutigen Partie gegen Zürich
Nach zweiwöchiger Länderspielpause treffen die Young Boys heute Abend auswärts auf den FC Zürich (19.30 Uhr). Erstmals seit fünf Monaten wieder in der Startaufstellung dabei sein wird Gürkan Sermeter.
Guido Lichtensteiger
12. Mai 2004, Letzigrundstadion: Gürkan Sermeter wird wenige Minuten vor Ende der Partie zwischen dem FC Zürich und den Young Boys verletzt ausgewechselt. Wenige Tage später erfolgt die ernüchternde Diagnose: zwei Bänder gerissen im linken Sprunggelenk, Operation und mehrere Wochen Pause. Damit ist für den Mittelfeldspieler nicht nur die Meisterschaft zwei Runden zu früh zu Ende, sondern Sermeter verpasst auch die gesamte Vorbereitung sowie die ersten Partien der Saison 2004/05 und, was noch viel bedeutender ist, die Qualifikationsspiele zur Champions League gegen Roter Stern Belgrad. Letztere verfolgt er als Studiogast von SF DRS in Zürich. «Ich wäre gerne in Belgrad mit dabei gewesen, aber es gehört auch zum Job, dass ich mich bei Bedarf auf andere Weise für meinen Verein einsetze», meint Sermeter rückblickend.
Comeback gegen GC
Seit jener erzwungenen Auswechslung im Letzigrund sind fast auf den Tag genau fünf Monate vergangen; fünf Monate, welche für Sermeter nicht immer einfach waren, weil er während vieler Wochen auf das Spiel mit dem Ball verzichten musste und nicht auf dem Rasen um Punkte kämpfen konnte. Es seien sehr intensive Momente gewesen, auf der Tribüne zu sitzen müssen und von dort mitzufiebern respektive mitzuleiden. Es war aber auch die Zeit, in welcher Sermeter hart und diszipliniert an der Rückkehr gearbeitet hat. Dabei ging er aber auch behutsam vor, weil er eben nicht riskieren wollte, durch unbedachtes forcieren länger auszufallen als nötig.
Das Comeback im Fanionteam hat Sermeter schon hinter sich: Am 25. August wurde er gegen den Grasshopper-Club nach der Pause eingewechselt. Das gleiche Szenario spielte sich am 28. August gegen Servette ab. Danach gelangte er in den Testspielen gegen Sochaux und Niederbipp zweimal über 90 Minuten zum Einsatz. Gegen den Zweitligisten schoss er am Diens-tag fünf Tore. In einer Partie habe er wohl noch nie so viele Treffer erzielt, meint der 30-Jährige. Aber das sei nicht wirklich wichtig. Was zählte, sei einzig das Sammeln von Spielpraxis gewesen. «Nach der langen Pause muss ich den Rhythmus wieder finden. Daher bin ich um jede Minute Einsatzzeit froh.»
Nun ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass der offensive Mittelfeldspieler heute Abend erstmals wieder in einem Pflichtspiel von der ersten Minute an zum Einsatz gelangt. In die Vorfreude darauf mischt sich bei Sermeter das «spezielle Gefühl», dass seine Rückkehr in die Startformation ausgerechnet in jenem Stadion stattfindet, in welchem er sich verletzte. Aber das sei nur zusätzliche Motivation, zu beweisen, dass wieder mit ihm zu rechnen sei.
Für Sermeter muss ein anderer Offensivspieler auf die Ersatzbank – welchen es treffen wird, will Trainer Hans-Peter Zaugg erst heute bekannt geben. Aber es muss nicht zwingend Joel Magnin sein, der zuletzt im rechten Mittelfeld agierte aber auf mehreren Positionen einsetzbar ist. Verzichten muss Zaugg mit Bestimmtheit auf Patrick De Napoli, der wegen einer Wadenmuskelquetschung zehn Tage pausieren muss. Der Trainer hat seinem Team ohnehin eingebläut, in der ersten Phase des heutigen Spiels das Hauptaugenmerk auf eine solide Defensivleistung und die Sorgfalt im Umgang mit dem Ball zu legen. «Gelingt uns dies, werden wir im Verlauf der Partie mit Sicherheit auch zu unseren Chancen kommen. Andernfalls könnte es sehr schwierig werden, den FC Zürich zu bremsen.»
http://www.ebund.ch/artikel_38681.html
http://www.ebund.ch/pdf/21348Sportletzte20040911_.pdf