RZ Oberwallis, 09.11.2006
FC Sitten-Trainer Marco Schällibaum vor dem Cupfight in der Bundeshauptstadt
Mentale Stärke entscheidet
Sitten / Martigny / Gleich zwei Mal innert acht Tagen trifft der FC Sitten auf die Berner Young Boys. Konnten sich die Walliser am vergangenen Sonntag zuhause mit 1:0 durchsetzen, so folgt am Wochenende die Neuauflage des diesjährigen Cupfinals im Stade de Suisse. FC Sitten-Trainer Marco Schällibaum kann auf glanzvolle Zeiten in der Bundeshauptstadt zurückblicken, doch nun gilt für ihn nur eine Devise: Den ex-Club aus dem Cup schmeissen.
Von Markus Pianzola
„Meine ersten Erfahrungen beim FC Sitten waren eigentlich durchwegs positiv. Die vergangenen Wochen waren zudem sehr intensiv. Einzig die 1:5-Niederlage in St. Gallen fällt negativ ins Gewicht“, beurteilt Marco Schällibaum. Der 44-Jährige übernahm vor genau einem Monat den Job als Trainer des Walliser Fussball-Aushängeschilds, nachdem sein Vorgänger Nestor Clausen entnervt seinen Rücktritt gegeben hatte. Tagelang war danach der autoritäre Führungsstil von Präsident Christian Constantin Thema in der Schweizer Medienlandschaft. „Ich hatte vor meinem Engagement im Wallis einige gute und konstruktive Gespräche mit Constantin. Er ist ein angenehmer Mensch“, betont Schällibaum. „Während den Spielen ist er anders, zeigt Emotionen. Er fordert sehr viel von seinen Angestellten und das ist gut so.“
„Jedes Spiel ist wichtig“
Zwei Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage – dies die derzeitige Zwischenbilanz des neuen Mannes an der Seitenlinie beim FC Sitten. Zuletzt konnten die Berner Young Boys im heimischen Tourbillon mit 1:0 besiegt werden. Für Schällibaum ein besonderes Spiel, war er doch während vier Jahren Trainer der Stadtberner. Dabei führte er das Team 2001 zurück in die höchste Schweizer Spielklasse, im darauffolgenden Jahr realisierte er gar die Qualifikation für den Uefa-Cup. „Natürlich ist es speziell gegen YB zu spielen. Aber jedes Spiel ist wichtig und ich bin Angestellter des FC Sitten. Das hat Vorrang vor eventuell aufkommenden Emotionen und Erinnerungen.“
Vorbereitung auf Kunstrasen
Der Zufall will es, dass der FC Sitten am kommenden Sonntag erneut auf YB trifft. Diesmal im Cup-Achtelfinale und im Stade de Suisse. „Bereits das Spiel am letzten Sonntag war teilweise schon sehr emotional. Das Team muss vor allem mental bereit sein für diesen Fight, denn YB wird sicher auf eine Revanche für die Cupfinal-Niederlage im Frühling brennen.“ Kommt hinzu, dass in der Berner Arena auf ungewohntem Kunstrasen gespielt wird. „Hier kommt uns zugute, dass der FC Sitten wirklich sehr professionell organisiert ist. Gestern und heute konnten wir in Crans-Montana auf einer künstlichen Unterlage trainieren und am Freitag und Samstag wird uns in Vevey ein Kunstrasenplatz zur Verfügung stehen“, erklärt Schällibaum.
Dieses Mal auf der anderen Seite
Das Team scheint also bestens gerüstet für einen weiteren Cupfight. Doch wie sieht es mit Marco Schällibaum aus? Was erwartet er für einen Empfang von den Berner Fans, bei denen er Kultstatus geniesst? „Man wird mich sicher nicht auspfeifen. Aber ich darf auch keine Begeisterungsstürme erwarten. Denn die YB-Fans wollen natürlich, dass ihr Team gewinnt und ich bin dieses Mal der Trainer auf der Seite des Gegners.“