Bund, 03.12.2005
Rohrs YB bleibt sich treu
Punkteteilung im Kantonalderby: Thun und die Young Boys spielen vor 5700 Zuschauern 1:1 (1:0)
Fünf Tage vor dem letzten Gruppenspiel in der Champions League, dem Auswärtsspiel gegen Sparta Prag, hat Thun gegen YB 1:1 gespielt. Mauro Lustrinelli brachte die Gastgeber in der ersten Halbzeit in Führung, Steve Gohouri glich für YB aus.
Dreimal sind die Young Boys unter Gernot Rohr auswärts zu einem Meisterschaftsspiel angetreten – und immer lautete das Schlussresultat gleich. Nach den Gastspielen bei GC und dem FCZ endete auch jenes vor 5700 Zuschauern im Thuner Lachenstadion 1:1 womit die Young Boys verdientermassen auch im sechsten Pflichtspiel seit dem Trainerwechsel ihre Ungeschlagenheit wahren konnten (3 Siege, 3 Remis). Entsprechend zufrieden zeigte sich Rohr mit dem Ergebnis des abwechslungsreichen, interessanten Spiels, das «die Thuner unbedingt gewinnen, wir nicht verlieren wollten und letztlich aufgrund des Spielverlaufs und des grossen Engagements beider Mannschaften keinen Verlierer verdient hatte», wie der YB-Trainer anmerkte. Nicht unglücklich zeigte sich nach dem Schlusspfiff auch sein Gegenüber. Dennoch dürfte Urs Schönenberger insgeheim auch bedauern, dass durch das Remis das allgemeine vereinsinterne Zwischenziel verpasste worden ist. Aus den letzten vier Heimspielen des Jahres (Xamax, Yverdon, YB, Schaffhausen) wollte man neun Punkte gewinnen. Nach der unnötigen 2:3-Niederlage gegen Xamax (nach 2:0-Führung) war diese Vorgabe schon in weite Ferne gerückt, seit gestern ist sie ausser Reichweite.
Lustrinellis zehnter Treffer
Dabei hatte es für Thun zur Pause noch sehr gut ausgesehen, hatte doch Mauro Lustrinelli sein Team in der 38. Minute per Foulpenalty in Führung gebracht und mit seinem zehnten Meisterschaftstreffer in dieser Saison die zurückgewonnene Treffsicherheit und den anhaltenden Aufwärtstrend seiner Formkurve unterstrichen. Noch vor Monatsfrist war der Nationalspieler von Schönenberger kritisiert worden und hatte der Trainer im Spiel gegen den FC Zürich Armand Deumi anstelle Lustrinellis zum Penaltypunkt beordert. Dieses Mal gab es keinen Zweifel über den Schützen, der Patrick Bettoni auch keine Chance liess. Der YB-Goalie stand aufgrund der Gelb-Sperre von Marco Wölfli erstmals in dieser Saison im Einsatz und zeigte eine gute Partie.
So glücklich das Führungstor zustande gekommen war – der Penaltyentscheid nach dem Rempler von Steve Gohouri an Lustrinelli schien etwas gar hart –, so verdient war es. Denn der FC Thun war in er ersten Halbzeit die klar bessere und aktivere Mannschaft. Die Stadtberner begannen erneut ausgesprochen defensiv, konnten das Spiel jedoch nicht derart neutralisieren, wie es ihnen beim 1:1 im FCZ geglückt war. Den Thunern gelangen einige gute Kombinationen, weshalb sie auch zu Chancen kamen – die beste davon vereitelte YB-Spieler Gürkan Sermeter, der nach einem Kopfball Silvan Aegerters auf der Linie rettete.
Gohouri: Wie im Training
Nach dem Gegentreffer zeigten die Young Boys eine heftige Reaktion, verpassten den Ausgleich aber bei erster Gelegenheit, als Pirmin Schwegler nach einem Fehler Eldin Jakupovics den Ball aus rund zwölf Metern übers leere Tor drosch. Besser machte es acht Minuten nach dem Seitenwechsel Steve Gohouri. Der 24-jährige von der Elfenbeinküste erzielte nach einem Corner von Mario Raimondi per Kopf den Ausgleich und stellte schon zum zweiten Mal im fünften Meisterschaftseinsatz mit YB seine Stürmerqualitäten unter Beweis – wie Rohr anschliessend erzählte, habe Gohouri genau einen solchen Treffer am Tag zuvor im Training erzielt. «Der Treffer, der überaus schön war, war also mitnichten Zufall», sagte Rohr lachend.
Gohouri nützte beim verdienten Ausgleich eine bei Thun zuletzt öfters aufgetretene Schwäche aus: die Zuordnung bei ruhenden Bällen. «Ich habe zwar auch gerne solche Treffer erzielt, hoffe nun aber, dass das gegen uns nicht zur Gewohnheit wird», sagte Schönenberger. Spätestens in der Vorbereitung (ein Teil davon findet möglicherweise in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt) auf die zweite Saisonhälfte wird Thun daran bestimmt feilen und in der Praxis allenfalls gegen prominente Gegner

en können. Sportchef Werner Gerber erwartet bis am Dienstag Antwort von Bayern München, das in der zweiten Januarhälfte ebenfalls am persischen Golf weilt.
Thun - Young Boys 1:1 (1:0)
Lachen-Stadion. – 5700 Zuschauer. – SR Wildhaber. – Tore: 38. Lustrinelli (Foulpenalty) 1:0. 54. Gohouri 1:1. – Verwarnungen: 28. Joao Paulo (Foul), 37. Varela (Foul, im nächsten Spiel gesperrt), 37. Gohouri (Foul, im nächsten Spiel gesperrt), 44. Magnin (Foul), 44. Milicevic (unsportliches Verhalten). 77. Jakupovic (Hands ausserhalb des Strafraums). 79. Sen (unsportliches Verhalten). 86. Schwegler (Foul, im nächsten Spiel gesperrt). – Bemerkungen: Thun ohne Duruz, Orman (beide verletzt), Gerber (beide Achillessehnen operiert) und Omar Faye (abwesend); YB ohne Wölfli (gesperrt), Neri, Häberli, Yakin, Friedli, Eugster (alle verletzt).
Thun: Jakupovic; Hodzic, Milicevic, Deumi, Gonçalves; Ferreira, Aegerter, Adriano, Leandro Vieira; Sen (82. Gelson), Lustrinelli.
YB: Bettoni; Gohouri (74. Aziawonou), Tiago, Portillo; Sermeter, Magnin, Schwegler, Hodel; Varela, Raimondi; Joao Paulo (82. Shi Jun).
YB erwartet rund 28 000 Fans
Noch das Heimspiel gegen den FC Basel in einer Woche, dann der Cup-Achtelfinal in Kriens am 17. Dezember: Auf die Young Boys warten im Gegensatz zu den Thunern, die nebst Meisterschaft (Schaffhausen h) und Cup (Servette a) am nächsten Mittwoch noch in der Champions League engagiert sind, bis Jahresende nur noch zwei Ernstkämpfe. Danach folgt eine gut dreiwöchige Winterpause. «Sie wird den Spielern gut tun», sagt Sportchef Marcel Hottiger, der vorerst allerdings noch nicht an die Ferien denkt: Zu wichtig sind die beiden nächsten Partien.
Zuerst der Match gegen Basel. Er soll im Stade de Suisse am übernächsten Sonntag für YB einen Zuschauerrekord bringen (die Thuner sind wohl noch nicht zu egalisieren . . .). Die bisherige Bestmarke für die Stadtberner datiert vom Gastspiel der Grasshoppers: Damals, am 8. August, sahen 22 670 ein 0:3. Aufgrund des bisherigen Verlaufs des Vorverkaufs – rund 22 000 Karten sind bereits abgesetzt – rechnet Hottiger bei YB - Basel mit über 28 000 Zuschauern.
Gegen Österreichs Leader
Bereits steht in groben Zügen das Vorbereitungsprogramm für die zweite Saisonhälfte im kommenden Frühjahr fest. Trainingsbeginn ist am 9. Januar, am 21. Januar ist ein Testspiel auf Kunstrasen in Salzburg (gegen den österreichischen Tabellenführer) geplant. Falls YB die Cup-Viertelfinals erreichen sollte, wartet am 4. oder 5. Februar der erste Ernstkampf – eine Woche vor Wiederbeginn der Meisterschaft.
Die Fälle Neri und Yakin
Dannzumal sollen bei den Bernern zwei Spieler wieder dabei sein, die in diesem Herbst oft schmerzlich vermisst wurden: Hakan Yakin und Francisco Neri. Neri war noch vor einem halben Jahr ein von anderen Klubs umworbener Top-Torschütze – doch seit seiner langwierigen Achillessehnenverletzung ist es um den Brasilianer zumindest bei YB still geworden. «Bis zur Wiederaufnahme des Trainings im Januar sollte Neri wieder gesund sein», meint Hottiger. Nichts geändert hat sich hingegen am Interesse anderer Klubs an Neri. Es liegen verschiedene Angebote vor. Die Young Boys möchten den Stürmer im Prinzip aber nicht veräussern.
Im Januar wieder fit: Das erhoffen sich die Berner auch im Fall Yakins. Doch die beim Nationalspieler immer wieder aufgetretenen Adduktorenprobleme lassen keine schlüssigen Prognosen zu. Doch Sportchef Hottiger ist überzeugt: Am 9. Januar wird Yakin bei Trainingsbeginn wieder voll dabei sein. Der Optimismus hat einen Grund: Nach einer längeren Pause wird der Spieler an der ETS Magglingen in der ersten Januarwoche u. a. auch von den Physiotherapeuten der Nationalmannschaft in einem Spezialtraining aufgebaut. (cb)