Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
19.08.2024
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Auf YB, FCSG und Lugano warten jetzt «türkische Wochen»
Ab dieser Woche geht es um die Wurst: Die Schweizer Europacup-Teilnehmer sind im Rennen um die Gruppenphasen gefordert. Fast alle reisen in die Türkei!
Das Wichtigste in Kürze
- Drei von vier Schweizer Klubs müssen in den Europacup-Playoffs gegen türkische Klubs ran. - YB trifft auf Galatasaray, der FCSG auf Trabzonspor und Lugano auf Besiktas. - Die Schweizer Bilanz gegen türkische Klubs ist emotional – aber durchzogen.
Gleich fünf Schweizer Teams starteten mit dem Ziel in die Saison, eine europäische Gruppenphase zu erreichen.
Während der FCZ an den Portugiesen aus Guimarães scheitert, bleiben vier Teams noch im Rennen. Kurios: Gleich drei davon treffen auf Klubs aus der Türkei. Nur Servette hat mit Chelsea einen Gegner aus einem anderen Land vor der Brust.
Für den FC Lugano ist das in dieser Saison keine Premiere: In der Champions-League-Quali scheitern die Tessiner an Fenerbahce mit Coach José Mourinho.
Nach dem Sieg über Partizan Belgrad geht es für das Croci-Torti-Team jetzt im Europa-League-Playoff gegen Besiktas weiter.
Setzen sich die Tessiner durch, stehen sie in der EL-Gruppenphase. Bei einer Niederlage wartet immerhin die Conference League.
Wie schlägt sich YB gegen Galatasaray?
Auch im Berner Wankdorf wird am Mittwoch Türkisch gesprochen. Meister YB ist im Playoff zur Champions League gesetzt, zieht aber gleich das happigste Los: Galatasaray Istanbul reist in die Bundesstadt.
Das Kader des türkischen Traditionsklubs ist gespickt mit grossen Namen: Allein in der Offensive tummeln sich Maruo Icardo, Michy Batshuayi, Hakim Ziyech oder Wilfried Zaha.
Nach dem schwachen Saisonstart muss YB zwei richtig starke Tage einziehen, um sich für die Königsklasse zu qualifizieren. Immerhin: Die Gruppenphase der Europa League haben die Berner bereits auf sicher.
Und weil aller guten Dinge drei sind, darf auch der FCSG gegen einen türkischen Vertreter ran: Die St. Galler treffen im Playoff zur Conference League auf Trabzonspor. Das Hinspiel in der Ostschweiz steigt am Donnerstag um 21 Uhr.
Schweizer Bilanz gegen Klubs aus der Türkei durchzogen
Von den drei Klubs hat nur YB eine positive Bilanz gegen türkische Vereine: 2010 werfen die Berner Fenerbahce Istanbul aus der Quali zur Champions League. Nach einem 2:2 zu Hause gelingt in der Türkei ein 1:0-Sieg, danke eines Treffers von Henri Bienvenu.
Der FC Lugano verliert in dieser Saison gegen Fenerbahce 1:2 und 3:4. Das Duell gegen Besiktas ist eine Reprise aus dem Vorjahr: In der Conference League trafen die beiden Teams bereits aufeinander. In der Türkei gewann Lugano mit 3:2, beim «Heimspiel» im Letzigrund setzte es eine 0:2-Niederlage.
Das letzte Kräftemessen mit einem türkischen Klub liegt für den FCSG bereits länger zurück: 2001 trafen die Espen in der Quali zur Champions League auf Galatasaray. Auf eine 1:2-Heimniederlage folgte ein 2:2 in Istanbul – und damit das Aus.
Erinnerungen an Nati-Duelle
Das Duell Schweiz gegen die Türkei war vor allem auf Nati-Ebene in der jüngeren Vergangenheit brisant. Zwar hat die Schweiz eine negative Bilanz (5 Siege und 3 Remis in 16 Spielen).
Doch das WM-Playoff 2005 sorgte weltweit für Schlagzeilen: Nach einem 2:0 in Bern reichte der Nati in Istanbul eine 2:4-Niederlage zur Quali für die WM 2006.
Die Ausschreitungen nach dem Spiel blieben lange als «Schande von Istanbul» in Erinnerung: Schon auf dem Platz kommt es zu Rudelbildungen, die Spieler rennen fluchtartig in die Katakomben. Schon auf dem Weg dahin kommt es zu Handgreiflichkeiten.
Beni Huggel wird für einen Tritt gar gesperrt. Er rächte Teamkollege Stephane Grichting, der nach einem Tritt in den Unterleib ins Spital muss.
2008 setzt es an der Heim-EM eine bittere 1:2-Niederlage gegen die Türkei. Für diese revanchierte man sich erst an der EM 2020 wieder: Im Gruppenspiel setzt sich das Petkovic-Team mit 3:1 durch.
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BSC Young Boys - Galatasaray Istanbul
Sandro Lauper vor dem Heimspiel gegen Galatasaray
Am Mittwochabend treffen die Young Boys im Hinspiel der Champions-League-Playoffs auf Galatasaray Istanbul. YB-Mittelfeldspieler Sandro Lauper blickt bei YB-TV auf die bevorstehende Aufgabe.
«Ich hoffe auf ein mutiges YB»
Hakan Yakin (47) stand 2005 bei Galatasaray unter Vertrag, danach wechselte er für drei Jahre zu YB. Der 87-fache Schweizer Nationalspieler warnt vor dem starken Gegner aus Istanbul – und hofft, dass sich die Berner selbstbewusst präsentieren.
Hakan, was macht die Mannschaft von Galatasaray aus? Im breiten Kader steckt unheimlich viel Substanz. Ich finde die Mischung spannend, und ein Merkmal ist neben der individuellen Qualität die Routine. Es kommt ja ab und zu vor, dass Spieler mit grossen Namen ihre Karriere zum Beispiel in der Türkei ausklingen lassen. Bei Galatasaray gibt es mehrere Stars, die langsam ins Alter kommen und trotzdem bemerkenswerte Leistungen zeigen. Dieses Team funktioniert sehr gut, was sicher auch mit Trainer Okan Buruk zu tun hat.
Welcher Spieler ist für Dich überragend? Ich könnte ganz viele Namen nennen – natürlich Mauro Icardi im Angriff, Dries Mertens im Mittelfeld oder Baris Yilmaz, der eine starke EM mit der Türkei absolviert hat. Im Tor steht seit vielen Jahren Fernando Muslera, vor sich hat er Verteidiger, die mit ihrer Physis überzeugen. Wenn ich aber einen herausheben muss, entscheide ich mich für Lucas Torreira.
Warum? Er ist die Lokomotive des Teams, ein Typ wie Gennaro Gattuso. Er ist kein Schönspieler, aber ein Wadenbeisser, der die Kollegen mit seiner Dynamik ständig antreibt. Torreira ist pausenlos unterwegs. Er ist für Galatasaray Gold wert.
Was spricht für YB? Für mich ist Galatasaray der klare Favorit in diesem Duell. Aber ich sehe schon einen Vorteil für YB: das Terrain im Wankdorf. Ich glaube nicht, dass der Gegner Spass hat, darauf antreten zu müssen. YB muss das zu seinen Gunsten ausnutzen und ein, zwei Tore vorlegen. Dann verspricht das fürs Rückspiel grosse Spannung.
Am nächsten Dienstag kommt es zum Rückspiel. Worauf muss sich YB in Istanbul einstellen? Auf ein Spiel in einer unvergleichlichen Atmosphäre. Vergangene Saison sah ich Galatasaray in Istanbul in der Champions League gegen Bayern München und Manchester United. Was da schon vor dem Anpfiff abging – Wahnsinn!
Mit welchen Emotionen wirst Du die zwei Spiele verfolgen? Als ehemaliger Spieler von YB und Galatasaray liegen mir beide Clubs am Herzen. Ich bin Fan von gutem, attraktivem Fussball und freue mich auf zwei tolle Spiele, die ich vermutlich beide live sehen werde. Aus Berner Sicht würde ich sagen: Die Mannschaft braucht sich nicht zu verstecken. Ich hoffe auf ein mutiges, selbstbewusstes YB. Und ich wäre eigentlich froh, wenn es mit der Qualifikation klappen würde – dann könnte ich bald wieder Champions-League-Abende im Wankdorf geniessen.
YB ist nicht so in die Meisterschaft gestartet, wie man sich das vorgestellt hat. Hat das einen Einfluss auf das Champions-League-Playoff? Das glaube ich nicht. Die Spieler sind sich bewusst, was für eine Chance sie haben. Und wer weiss, vielleicht ist genau dieser Match am Mittwoch so etwas wie ein Startschuss und der Beginn einer Zeit, in der sich YB wieder so präsentiert, wie sich das alle Bernerinnen und Berner erhoffen.
Das Schwergewicht aus Istanbul
Mit Galatasaray gastiert der Rekordmeister der Türkei im Stadion Wankdorf. Die Mannschaft ist makellos in die Meisterschaft gestartet.
YB bekommt es im Playoff zur UEFA Champions League mit einem Schwergewicht zu tun. Galatasaray ist mit 24 Titeln türkischer Rekordmeister und Stammgast in der Königsklasse des europäischen Clubfussballs. Die Mannschaft war auch vergangene Saison dabei und setzte in der Gruppe A vor allem gegen Manchester United zwei Ausrufezeichen: Im Old Trafford gewann sie 3:2, vor eigenem Publikum bot sie beim 3:3 ein Spektakel.
Klangvolle Spielernamen haben im Verein Tradition. Als «Gala» im Jahr 2000 den Uefa-Cup-Final gegen Arsenal gewann (4:1 n.P.), stand zum Beispiel der brasilianische Weltmeister Claudio Taffarel im Tor, im Mittelfeld dirigierte der rumänische Ausnahmekönner Gheorghe Hagi, und zum Team gehörte ausserdem ein türkisches Duo, das die Geschichte des Klubs mitprägte: Verteidiger Bülent Korkmaz und Stürmer Hakan Sükür, der heute noch Rekordtorschütze der Nationalmannschaft ist.
Das Kader der Gegenwart ist ebenfalls gespickt mit prominenten Spielern. Der argentinische Stürmer Mauro Icardi (31, unten im Bild) wechselte vor zwei Jahren von PSG zu Galatasaray und krönte sich 2023/24 mit 25 Treffern zum Torschützenkönig der Süper Lig. Der Belgier Dries Mertens bringt mit 37 Jahren eine Menge Erfahrung mit. Dasselbe gilt für Fernando Muslera: 38 ist der Goalie aus Uruguay – und seit 2011 bei Galatasaray unter Vertrag. Sein Landsmann Lucas Torreira (28) ist im Mittelfeld eine feste Grösse. Zu den Leistungsträgern zählen zudem türkische Nationalspieler wie die Verteidiger Kaan Ayhan (29, im Hinspiel gesperrt) und Abdülkerim Bardakci (29) sowie die Offensivspieler Baris Yilmaz (24) und Kerem Aktürkoglu (25).
Trainiert wird die Mannschaft von einem Mann, der als Spieler ebenfalls eine grosse Vergangenheit im Verein hat: Okan Buruk gewann mit «Gala» zahlreiche nationale Titel und auch den Uefa-Cup 2000. Vor zwei Jahren übernahm der heute 50-Jährige die Verantwortung und führte das Team zu zwei Meistertiteln in Folge.
Der Start in die Süper-Lig-Saison 2024/25 gelang optimal: Einem 2:1 daheim gegen Hatayspor folgte ein 2:1 bei Konyaspor. Danach sagte Buruk: «Natürlich ist es unser Ziel, in der Champions League wieder dabei zu sein. Wir stellen uns auf eine harte Aufgabe ein.»
Buruk wird Galatasaray bei den beiden Playoff-Spielen gegen YB nicht an der Seitenlinie betreuen können. Er wurde von der UEFA wegen unsportlichen Verhaltens in der letzten Europacup-Saison für zwei Spiele gesperrt.
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20.08.2024
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YB: Muss Galatasaray auf Stürmer-Star verzichten?
Galatasaray droht für das Playoff-Hinspiel zur Champions League gegen YB der Ausfall von Baris Alper Yilmaz. Dieser leidet an einer Lebensmittelvergiftung.
Das Wichtigste in Kürze
- Galatasaray reist ohne Baris Alper Yilmaz nach Bern. - Der türkische Nationalspieler leidet an einer Lebensmittelvergiftung. - Ob er im Wankdorf auflaufen kann, ist noch unklar.
Am Mittwoch um 21 Uhr trifft Meister YB zu Hause auf das Star-Ensemble von Galatasaray Istanbul. Doch dem türkischen Rekordmeister droht für das Playoff-Hinspiel zur Champions League ein gewichtiger Ausfall.
Wie die Türken auf Instagram schreiben, ist Baris Alper Yilmaz nicht mit dem Team nach Bern gereist. Der 24-jährige Nationalspieler klagt über Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Bei ihm sei eine Lebensmittelvergiftung festgestellt worden.
Yilmaz ist mit einem Marktwert von 20 Millionen Euro der teuerste Spieler im Kader von Galatasaray. Bei der EM 2024 kam er in jedem Spiel über die volle Distanz zum Einsatz.
Auch am Wochenende in der Süper Lig spielte Yilmaz bereits eine wichtige Rolle. Gegen Konyaspor erzielte er nach einer knappen Stunde den 2:1-Siegtreffer.
Ob der Flügelstürmer nachreist und gegen YB im Kader steht, werde morgen früh entschieden.
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20.08.2024
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Champions-League-Duell mit Galatasaray
«Diese Tendenz hat YB, und darunter leidet die Leistung der Spieler»
Baykal Bellusci war Profi und ist heute Spielerberater. Im Interview erzählt der 41-Jährige von seinem grossen Fehler als Fussballer und erklärt, warum Teams zusammenbrechen.
Baykal Bellusci, der früher Baykal Kulaksızoğlu hiess, wurde 2002 als junger Ergänzungsspieler mit den Grasshoppers Schweizer Meister. Die restlichen 14 Fussballerjahre verbrachte er bei elf verschiedenen Clubs, etwa beim FC Basel, den Young Boys oder in der Türkei bei Karsiyaka.
2016 hat er zusammen mit Philipp Degen die Agentur SBE Management gegründet, seither berät er Fussballer. Zu den Klienten des 41-Jährigen gehören Spieler von YB und von Galatasaray, die sich am Mittwoch im Champions-League-Playoff gegenüberstehen.
Baykal Bellusci, wissen Sie, welches Foto auf Ihrem Instagram-Profil besonders beeindruckt?
Keine Ahnung. Da gibt es das eine oder andere, das nicht uninteressant ist.
Es ist jenes, auf dem Sie mit Oscarpreisträger Denzel Washington Schach spielen.
Ha! Das ist natürlich nicht Denzel Washington. Ich traf in Kubas Strassen einen Schachspieler, der wirklich haargenau aussah wie Denzel Washington. Und dann habe ich mir diesen Scherz erlaubt.
Ferien in Kuba also. Sie reisen auch als Spielerberater viel. Bei Galatasaray Istanbul betreut Ihre Agentur den ehemaligen Basler Yusuf Demir. Wie gut ist der Gegner der Young Boys?
YB muss zweimal ausgezeichnet spielen, um diese Hürde zu überstehen. In der Türkei sind viele, die auch in einer Top-5-Liga unter Vertrag sein könnten, weil am Bosporus Geld vorhanden ist.
Sie selbst waren vor 14 Jahren bei Karsiyaka in der zweiten türkischen Liga. Woran erinnern Sie sich?
Ich bin in Istanbul geboren und sechsjährig mit meiner Mutter in die Schweiz gekommen. Ich habe alles in der Schweiz gelernt. Als ich in die Türkei zurückging, stiess ich auf Probleme. Die Leute funktionieren ganz anders. Ich konnte die Sprache, aber ich fühlte mich als gebürtiger Türke wie ein Fremder.
Wie zeigte sich das?
Wenn du 26 Jahre lang das Freitagsgebet nicht gemacht hast und dann die ganze Mannschaft betet, dann kommt es bei niemandem gut an, wenn du nicht mitmachst. Oder dann die Matchtage: Wir kamen zwei Tage vor dem Spiel zusammen und waren fast eingesperrt auf dem Trainingsgelände. Ich hatte damals schon Kinder und war eine halbe Woche weg von der Familie. Das sind Sachen, die du aus Europa nicht kennst.
Warum wollten Sie sich nicht anpassen?
Das wollte ich als Fussballer leider zu oft nicht. 15 Jahre später weiss ich, dass ich gewisse Sachen anders gemacht hätte. Für mich liegt darin der Grund, warum ich Berater geworden bin: Weil ich den Jungen beibringen kann, nicht die gleichen Fehler zu machen.
Sie sagten einmal, dass Sie als Spieler etwa 30 Prozent Ihrer Möglichkeiten ausgeschöpft hätten.
Etwas wird sich nie ändern: Du kannst talentiert sein, aber das reicht nicht. Man kann Cristiano Ronaldo mögen oder nicht, aber was er aus seinem 39-jährigen Körper herausholt, mit harter Arbeit, das ist der positive Wahnsinn. In die Top-5-Ligen kommst du nicht einfach mit ein bisschen «Schüttelen». Ich dachte immer, ich bin sowieso genug gut, besser als die anderen. Mit hätte jemand sagen müssen: «Junge, du hast noch absolut überhaupt gar nichts erreicht.»
Was ist der Schlüssel für junge Fussballer?
Vergiss das Geld. Das kommt automatisch, wenn du über Jahre gut spielst. Es geht um deine Bereitschaft, immer und immer wieder an deine Grenzen zu gehen. Und auf deinen Körper zu achten, gut zu essen, gut zu schlafen. Ich glaube zum Beispiel, dass Gögi (Gökhan Inler) nicht der bessere Fussballer war als ich. Aber er hatte mir etwas voraus: seine Einstellung. Ich mag ihm seine grosse Karriere sehr gönnen.
Wie gut hören die Jungen auf einen Berater wie Sie?
Das variiert. Aber ich glaube, dass wir mit unseren Karrieren, Philipp mit der grössten, glaubwürdig sind. Und ich glaube, dass die Spieler etwas aus Gesprächen mitnehmen, auch wenn sie nicht zuhören.
Sie haben 34-mal für YB gespielt. Woran erinnern Sie sich?
Ich kam im Winter zurück aus Köln in meine Heimatstadt Bern und machte gleich den ersten Fehler: Vor mir lag ein Vertrag über viereinhalb Jahre. Ich unterschrieb für eineinhalb. Weil ich dachte: Jetzt spiele ich hier eine Saison, dann geh ich eh wieder in die Bundesliga.
Stattdessen gingen Sie zum FC Aarau.
Was mir auch geblieben ist: die Finalissima 2008 gegen Basel. Wir hatten als YB so viel investiert, um endlich wieder Meister zu werden. Dieses letzte Saisonspiel, in dem der Stern von Valentin Stocker aufgegangen ist, ist mir als grösste Niederlage geblieben.
Wie erleben Sie den Berner Saisonstart?
Mich überrascht nicht, dass YB so gestartet ist. Ohne die Schwächephasen der anderen Teams hätte YB letzte Saison Mühe gehabt, mit diesem Kader Meister zu werden. Manchmal muss man Spieler ziehen lassen, obwohl der Preis nicht ganz den eigenen Vorstellungen entspricht. YB hat zuletzt Aurèle Amenda oder Fabian Rieder verkauft. Aber einen Meschack Elia oder Ali Camara oder Cheikh Niasse, Spieler, die schon länger da sind, die musst du im richtigen Moment abgeben, um eine Blutverjüngung zu erzielen. YB hat in den letzten Jahren sehr erfolgreich gearbeitet und super Transfers gemacht, aber diesen Moment hat YB zuletzt möglicherweise verpasst.
Ein Club will allerdings auch erfolgreich sein und kann nicht jeden Spieler abgeben.
Einerseits muss ein Club Spieler verkaufen, um sich zu finanzieren. Andererseits muss er ein Kader bauen, das ihm sportlichen Erfolg bringt. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld, in dem er ein Gleichgewicht finden muss. Transferiert ein Club zu viel, leidet das Kader. Der FC Basel hat gerade diese Tendenz, verkauft aber oft und zu sehr guten Preisen. Im schlimmsten Fall bricht dann das Team zusammen. Transferiert der Club zu wenig, hält er zum Beispiel an Spielern fest, die gehen wollen, dann hat er unzufriedene Fussballer im Kader. Diese Tendenz hat gerade YB. Darunter leidet die Leistung dieser Spieler, mit der Konsequenz, dass ihr Preis bestenfalls stagniert.
Sie beraten YB-Spieler Loris Benito. Wird er nach seiner Verletzung gegen Galatasaray auflaufen können?
Nein. Weder im Hin- noch im Rückspiel. Und bei allem Respekt: Es darf auch nicht passieren, dass Loris nach einem Kreuzbandriss diese Verantwortung tragen muss. Er wird zuerst mit der U-21 spielen und dann den Schritt in die erste Mannschaft machen.
Was muss YB tun, um gegen Galatasaray eine Chance zu haben?
Das wird wahnsinnig schwierig. Aber YB kann in der zweiten Minuten in Führung gehen und in der siebten das zweite Tor erzielen. Dann ist YB plötzlich wieder voll da. Und ich bin auch überzeugt, dass YB aus dem Tief in der Liga finden wird.
Dann bleibt noch eine Frage: Haben Sie das Denzel-Washington-Double am Schachbrett besiegt?
Ich spielte mit Schwarz und geriet unter Druck. Am Schluss gelang mir ein guter Angriff und ich konnte ihn aus guter Position eliminieren.
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20.08.2024
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Vor dem Spiel gegen Galatasaray
Bei YB fällt schon wieder ein Innenverteidiger aus
Am Mittwoch bestreitet YB im Wankdorf gegen Galatasaray Istanbul das Hinspiel der Champions-League-Playoffs. Vor einem Jahr waren die Sorgen kleiner.
Fast auf den Tag genau vor einem Jahr legten die Young Boys in Haifa mit einem Auftritt ohne Rokoko den Grundstein für ihre dritte Champions-League-Teilnahme. Vor dem 0:0 im Hinspiel gegen Maccabi Haifa hatte Trainer Raphael Wicky eine Überraschung bereit: Anstatt Aurèle Amenda spielte Loris Benito neben Mohamed Ali Camara im Abwehrzentrum.
Am Mittwoch beginnt für die Berner diese letzte Hürde zur Champions League erneut. Das Hinspiel gegen Galatasaray tragen sie im ausverkauften Wankdorf aus, das Rückspiel sechs Tage später in Istanbul. Und was gäben sie nicht alles, könnten sie für diese Affiche zwischen Amenda und Benito wählen. Amenda ist in die Bundesliga weitergezogen. Benito trainiert nach einem Kreuzbandriss wieder mit der Mannschaft. Aber er wird beide Playoff-Spiele gegen Galatasaray Istanbul verpassen, auch wenn er vor wenigen Tagen dieser Redaktion sagte, dass er auf das Rückspiel hoffe.
Für ihn wäre Patric Pfeiffer an Camaras Seite vorgesehen gewesen. Der neue Innenverteidiger, gekommen aus Augsburg, hat sich allerdings im Cup gegen Printse-Nendaz am rechten Oberschenkel verletzt und fällt sechs Wochen aus. Trainer Patrick Rahmen sagt: «Er hätte uns mit seiner Präsenz und seiner Kommunikation helfen können. Aber ich vertraue den Spielern, die hier sind.»
Zum Beispiel Tanguy Zoukrou, der die nächste Wahl für den Part neben Camara sein dürfte. Er hat noch keine Minute im Europacup gespielt.
Auf dem Spiel steht so viel Geld wie nie
Einerlei, wer das Berner Abwehrzentrum bildet, Galatasaray ist der deutlich kräftigere Türsteher als Maccabi Haifa vor einem Jahr. Der geschätzte Marktwert des türkischen Meisters liegt gut dreimal über jenem der Berner, auch wegen Spielern wie Mauro Icardi, einst Meister in Frankreich und zweifacher Torschützenkönig in Italien.
Vor zweieinhalb Wochen verlor Galatasaray den Supercup gegen Besiktas 0:5. Danach gewann das Team die ersten beiden Liga-Runden. Trainer Okan Buruk hat damit 61 seiner 74 Liga-Spiele mit Galatasaray gewonnen.
Die Türken skizzieren damit quasi die Gegenthese zum Saisonstart der Berner. Und angesichts der zwei Punkte aus fünf Spielen scheint in Bern der nationale Fussball höheres Gewicht zu haben als die Champions-League-Qualifikation. Andererseits: Die Uefa verteilt heuer so viel Geld wie noch nie. Die Startgage in der Champions League beträgt 18,85 Millionen Euro, und das ist nur ein Teil der möglichen Einnahmen. Insgesamt bringt die Uefa rund 20 Prozent mehr Geld an die Clubs in der Champions League, die erstmals in einer einzigen Liga mit 36 Mannschaften ausgetragen wird.
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20.08.2024
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CL-Playoffs gegen Galatasaray - Neuer Wettbewerb, neues Glück für YB?
YB empfängt am Mittwoch Galatasaray zum CL-Playoff-Hinspiel. Die Türken sind Favorit, doch die Young Boys glauben an sich.
Die Antwort von Patrick Rahmen war bereits vom Dolmetscher für die türkischen Anwesenden an der Pressekonferenz übersetzt worden, als der Trainer am Tag vor dem Champions-League-Playoff-Hinspiel gegen Galatasaray nochmals das Wort ergriff. «Ergänzend möchte ich sagen, dass wir eine Mannschaft mit Qualität haben. Wir müssen die Dinge so nehmen, wie sie sind und nicht mit dem Schicksal hadern. Wir werden gestärkt daraus hervorgehen.»
Dem 55-Jährigen war es offensichtlich wichtig, sein Statement auf einer positiven Note zu beenden. Und das, obwohl die Berner derzeit allen Grund zum Klagen hätten. Denn mit Patric Pfeiffer fällt neu ausgerechnet jener Verteidiger verletzt aus, den der Verein als Verstärkung für die angeschlagene Abwehr geholt hatte. Die Berner sind seit Saisonbeginn auf der Suche nach einer funktionierenden Viererkette und kassierten in fünf Meisterschaftsspielen 13 Gegentore.
Camara ist zurück, Benito noch nicht
Das lag auch daran, dass die nominellen Innenverteidiger Mohamed Ali Camara und Captain Loris Benito verletzungsbedingt fehlten. Während Camara gegen Galatasaray wieder eingesetzt werden kann, will YB bei Benito kein Risiko eingehen. Trotz der grossen Bedeutung der nächsten beiden Spiele soll Benito am Mittwoch und Samstag bei der U21 Spielpraxis sammeln.
Die angespannte Personalsituation macht die ohnehin schwierige Aufgabe gegen das Star-Ensemble von Galatasaray natürlich nicht leichter. Trotzdem sieht Rahmen das Positive: «Ich stelle bei uns einen klaren Aufwärtstrend fest und freue mich nun auf einen starken Gegner mit grossen Namen sowie ein ausverkauftes Stadion.» Die Vergangenheit habe gezeigt, dass YB durchaus wisse, wie man die europäische Königsklasse erreiche.
Von Ballmoos: «Ein neuer Wettbewerb»
Auch David von Ballmoos glaubt an einen Coup gegen den grossen Favoriten aus der Türkei. «Wir freuen uns auf die beiden Spiele und rechnen uns durchaus Chancen aus», sagt der Torhüter am Tag vor dem Heimspiel im ausverkauften Wankdorf.
Mit Blick auf den missglückten Saisonstart in der Liga meint Von Ballmoos: «Es ist ein neuer Wettbewerb, wir können quasi bei Null starten.» Die Karten würden neu gemischt und man könne «den Alltagsstress etwas zur Seite legen».
Die Champions-League-Playoff-Erfahrung der Young Boys ist gross. Bereits siebenmal stand man in dieser Runde. Viermal verpassten die Berner den Einzug in die Gruppenphase (zuletzt 2019), dreimal setzte man sich durch (zuletzt 2023).
Live-Hinweis
Das Playoff-Hinspiel in der Champions League zwischen den Young Boys und Galatasaray können Sie am Mittwoch ab 20:10 Uhr live auf SRF zwei und in der SRF Sport App mitverfolgen.
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20.08.2024
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Neue Champions League bringt mehr Kohle
Für YB gehts gegen Gala um viele Millionen
Der Gegner ist der bestmögliche. Und YB ist so schwach wie seit Jahren nicht mehr. Gegen Galatasaray Istanbul haben die Berner also rein gar nichts zu verlieren. Aber ganz viel zu gewinnen. Ruhm, Ehre – und sehr viel Geld. 42 Millionen Franken!
Die News war eigentlich gut: YB ist für die Auslosung der Champions-League-Playoffs gesetzt. Doch das ist dann nicht gut, wenn einem ein Klub wie Galatasaray Istanbul zugelost wird. Zuletzt zweimal türkischer Meister. Eine kleine Weltauswahl. Marktwert: über 200 Millionen. Für das in der Meisterschaft sieglose YB wohl eine Nummer zu gross. Der sportliche Anreiz ist also riesig, eine ähnliche Sensation zu schaffen wie 2010, als YB das grosse Fenerbahce Istanbul eliminierte. Aber auch der Finanzielle. Denn mit der Königsklassen-Reform lockt so viel Geld wie nie. Es werden neu fast 2,5 statt wie bisher zwei Milliarden Franken ausgeschüttet.
Der finanzielle Anreiz
Die Antrittsprämie liegt neu bei 18,6 Millionen Euro und damit drei Millionen höher als bisher. Für einen Sieg in der Ligaphase gibts 2,1 Millionen, für ein Unentschieden 700'000. Neu gibts eine Rangprämie. Der Letztklassierte, also das Team auf Platz 36, erhält 275'000 Euro. Der Nächstplatzierte zweimal diesen Betrag. Der davor dreimal etc. Dazu gibts für die Vereine auf den Rängen eins bis acht zwei Millionen und auf den Rängen 9 bis 16 eine Million. Und eine Million für die Quali für die Playoffs. Rechnen wir bei YB mal nicht mit diesen beiden Varianten. Aber sicher mit der Wertprämie. Diese löst die bisherigen Einzelbeträge aus Marktpool und Klubkoeffizient ab. Diese Wertprämie ist allerdings eine Blackbox. Sicher ist: Es werden 853 Millionen Euro über sie ausgeschüttet. Die Topklubs dürfen mit 50 Millionen rechnen. YB mit vielleicht zehn. Dazu gibts ja neu acht statt sechs Spiele. Heisst also: viermal ausverkauftes Wankdorf. Das macht dann acht Millionen. Unter dem Strich sieht die Rechnung so aus:
- 18,6 Millionen Antrittsprämie - 4,2 Millionen Punkteprämie (bei einem Sieg und drei Remis) - 3 Millionen Rangprämie (bei Rang 26) - 10 Millionen Wertprämie - 8 Millionen Matcheinnahmen
Macht also: 43,8 Millionen Euro. 41,7 Millionen Franken. In der Europa League würde YB auf etwa 17 Millionen kommen. Kein schlechtes Trostpflaster!
Kein Gala-Heimspiel
In solch schwierigen Situationen ist der Support mitunter entscheidend. Da wäre es lästig, wenn man zulassen würde, dass das eigene Stadion in türkische Hände fällt. Die Türken haben schon öfters demonstriert, dass sie Meister darin sind. Die Drähte liefen im YB-Sekretariat jedenfalls heiss, die Nachfrage der Türken nach Tickets war gross. Aber sie wurden enttäuscht. 1700 Tickets gingen an den Bosporus, jene fünf Prozent für die Gästefans. Der Rest wurde unter den YB-Mitgliedern verkauft. In einer ersten Phase an die Abonnierten. In einer zweiten Phase an weitere Mitglieder sowie nochmals an diejenigen mit einer Saisonkarte, die zwei weitere Tickets ergattern konnten. Was bedeutet: Es kam nie zu einem öffentlichen Verkauf. Ein Weiterverkauf war nur an Freunde und Bekannte zu regulären Preisen gestattet. Nicht aber das Anbieten auf Ticketbörsen und Auktions-Plattformen. Dort lagen die Startangebote bei 200 bis 250 Franken. Einzeltickets fand man ab 150. Auf Viagogo hingegen für sagenhafte 750 Franken! Das Wankdorf dürfte also nicht fallen.
Der sportliche Plan
Sandro Lauper sieht YB nach den letzten drei Spielen – in diesen blieb man ungeschlagen – auf einem guten Weg. «Die grossen Namen des Gegners gilts auszublenden. Wir hatten in der Vergangenheit in der Champions und Europa League andere grosse Namen immer wieder im Griff. Wir wollen Galatasaray überraschen, hoch attackieren und das Spiel in die Hand nehmen.» Richtig so. Den Mutigen gehört die Welt. So sagt Lauper auch folgerichtig, dass man den Heimvorteil auf dem Kunstrasen ausnützen wolle und mit einem Unentschieden nicht zufrieden wäre.
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21.08.2024
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«Das härteste aller Lose»
YBs hohe Hürde auf dem Weg in die Königsklasse
Vor einem Jahr war Cedric Itten im Champions-League-Playoff der YB-Held. Nun blickt der 27-Jährige auf den Gegner und sagt, warum die Berner trotz misslungenem Saisonstart bereit für die Aufgabe sind.
Cedric Itten, was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an die Champions League im vergangenen Jahr denken?
Mein Tor im Auswärtsspiel gegen Roter Stern Belgrad (2:2). Erstmals in der Champions League zu treffen, hat mir sehr viel bedeutet. Und natürlich die beiden Spiele gegen Manchester City, die neben Real Madrid beste Mannschaft der Welt. Das sind magische Momente für einen Fussballer.
Was ist Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben?
Das fängt schon bei der Hymne an: Wie viele andere habe ich als Bub immer Champions League geschaut und die Spieler im Fernsehen bewundert. Wenn man dann plötzlich selbst da steht und die Musik erklingt, bekommt man einfach eine Gänsehaut. Besonders in einem Stadion wie dem Etihad. Die Atmosphäre dort hat mich an meine schöne Zeit bei den Glasgow Rangers erinnert.
Sie haben noch ein wichtiges Tor geschossen. Mit dem 1:0 im Playoff gegen Maccabi Haifa haben Sie die Tür zur Champions League aufgestossen.
Das war wahrscheinlich eines der wichtigsten Tore meiner Karriere. Ich wusste, dass es dem Klub grosse Beachtung und viel Geld einbringen kann. Und wir Spieler hatten die Chance, die ganze Stadt auf höchstem Fussballniveau zu repräsentieren.
Um in die Königsklasse zurückzukehren, muss sich YB nun gegen Galatasaray durchsetzen. Eine hohe Hürde.
Es ist sicher das härteste aller möglichen Lose. Dazu kommt, dass wir zuerst daheim und dann auswärts spielen. Deshalb ist Galatasaray aus meiner Sicht der Favorit.
Vor vier Jahren trafen Sie mit den Glasgow Rangers ebenfalls in den Playoffs auf Galatasaray.
Das stimmt. Wir haben uns mit einem 2:1-Heimsieg für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert.
Was kommt auf YB zu?
Es ist schwierig, Vergleiche zu ziehen. Aber wir wissen genau: Das Kader von Galatasaray ist gespickt mit guten Spielern und auswärts wird die Stimmung aufgeladen sein. Da müssen wir dagegenhalten. Deshalb wäre es wichtig, mit einem guten Ergebnis und dem nötigen Selbstvertrauen nach Istanbul zu reisen. Dann müssen wir versuchen, deren Einzelspieler aus dem Spiel zu nehmen, keine Spiellust aufkommen zu lassen und als Team aufzutreten.
Ist YB bereit? Nach fünf Runden steht das Team in der Meisterschaft noch ohne Sieg da.
Der Start war sicher nicht wunschgemäss. Es ist aber auch vieles unglücklich gelaufen, wenn ich zum Beispiel an die Roten Karten in den Spielen gegen Sion und Yverdon denke. Dann fielen Spieler verletzt aus, andere kamen neu dazu – wir müssen uns noch finden. Aber wir sind auf dem richtigen Weg, das haben wir im Cup beim 10:0 gegen Printse-Nendaz gezeigt. Ausserdem kommt nun ein ganz anderer Wettbewerb. Wir können die Meisterschaft für zwei Wochen ausblenden, frei aufspielen und uns voll auf dieses grosse Ziel konzentrieren.
Bei Analysen des verpatzten Saisonstarts fällt immer wieder das Stichwort «Genügsamkeit». Was sagen Sie dazu? Fehlt in Bern nach Jahren der Dominanz das Feuer?
Nein. Wir hatten eine harte Vorbereitung und jeder Spieler arbeitet jeden Tag intensiv an sich. Aus meiner Sicht haben zu Beginn Kleinigkeiten gegen uns gesprochen und wir sind in eine kleine Negativspirale geraten. Das kann sich aber mit dem ersten Sieg schnell ändern und zu einer positiven Serie werden.
Negativspiralen sind für YB ungewohnt. Wie konnte es so weit kommen?
Das ist schwer zu sagen. Wir hatten letzte Saison Abgänge von wichtigen Spielern wie Fabian Rieder, Ulisses Garcia oder Jean-Pierre Nsame. Dazu kamen die Trainerwechsel zu Joël Magnin und im Sommer zu Patrick Rahmen. Neue Ideen umzusetzen, braucht etwas Zeit. Aber ich bin überzeugt, dass wir uns als Mannschaft finden und stärker werden.
Patrick Rahmen stellte nach drei Spielen das System um und Sie verloren Ihren Stammplatz. Wie gehen Sie damit um?
Ich mache mir keine Sorgen. Ich fühle mich gut, habe am Samstag im Cup drei Tore geschossen und gezeigt, was ich kann. Die nächsten Wochen werden zeigen, welches System für die Mannschaft das Beste ist. Ich konzentriere mich auf das, was ich beeinflussen kann.
Nicht beeinflussen konnten sie auch das Aufgebot für die EM in Deutschland, in dem Sie fehlten.
Ich gebe zu, dass es mir viel bedeutet hätte, dort dabei zu sein. Aber zu Beginn des Turniers war das schon abgehakt und ich habe der Mannschaft die Daumen gedrückt.
Haben Sie mit Nationaltrainer Murat Yakin darüber geredet, warum es nicht gereicht hat?
Nein, wir haben nicht miteinander gesprochen. Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl, nachdem ich in der Qualifikation immerhin in fünf von zehn Spielen zum Einsatz gekommen bin, davon viermal in der Startelf, und gute Leistungen gezeigt habe. Ich akzeptiere es natürlich, wie es ist. Jetzt versuche ich umso mehr, mich für die nächsten Aufgaben wieder aufzudrängen.
Sie hatten trotz verpasster EM einen schönen Sommer: Sie haben sich verlobt, herzlichen Glückwunsch.
Vielen Dank. Das war wirklich mein grösstes Highlight, besser geht es nicht.
Zum Abschluss noch einmal zum Europacup: Was halten Sie vom Ligaformat, das die Gruppenphase ablöst?
Ich finde es speziell, weil das Hin- und Rückspiel wegfällt und wir gegen die einen nur daheim und gegen die anderen nur auswärts spielen. Ausserdem kommen zwei Spiele mehr in den Terminkalender. Ich fand das alte Format gut und kenne die Ideen hinter den Änderungen nicht genau. Lassen wir das auf uns zukommen. Ein Urteil können wir in einem halben Jahr fällen.
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
21.08.2024
Zitat:
YB – Hakan Yakin: «Kunstrasen ein Plus – Vorsicht vor Gala-Achse»
Heute Abend ab 21 Uhr gilt es ernst für YB: Der Meister trifft im CL-Playoff auf Galatasaray. Hakan Yakin kennt den Gegner gut – und warnt vor dessen Achse.
Das Wichtigste in Kürze
- Um 21 Uhr empfängt YB im Wankdorf Galatasaray Istanbul zum CL-Playoff-Hinspiel. - Hakan Yakin sieht die Berner in der Aussenseiterrolle – mit dem Kunstrasen als Pluspunkt. - In der Liga traut «Hatsch» seinem Ex-Klub zu, den Rank wiederzufinden.
Meister YB ist schlecht in die neue Saison gestartet: Nur zwei Punkte holen die Berner aus den ersten fünf Spielen. Alles andere als ein Traumstart für Trainer Patrick Rahmen!
«Patrick tut mir leid», erklärt Hakan Yakin, der von 2005 bis 2008 für YB spielte. «Den miserablen Start hat er nicht verdient, am Schluss ist immer der Trainer verantwortlich. An den Resultaten wirst du gemessen.»
Immerhin: Im Cup setzten sich die Berner mit 10:0 gegen den Walliser Zweitligisten Printse-Nendaz durch. Und jetzt folgt der Knüller im Champions-League-Playoff gegen Galatasaray. Yakin, in der letzten Saison noch Trainer in der Süper Lig, kennt den Gegner bestens.
Einen Vorteil sieht «Hatsch» im Kunstrasen. «Aber in der Verfassung, in der YB momentan ist, wird es schwierig», so der Ex-Nati-Spieler. Könnte aber nicht genau das die Chance sein? «Das sagt man immer, es ist wie beim FCB, der plötzlich 6:0 bei Servette gewinnt.»
«Ich habe Galatasaray oft gesehen, das ist ein Team, das gut funktioniert. Sie hatten nicht viele Transfers, das Gerüst ist das gleiche und ist erst noch zusammengewachsen. Es wird schwierig für YB.»
Yakin: «Galatasarays Lucas Torreira frisst die Gegner!»
Der 47-Jährige, der 2005 leihweise für Galatasaray spielte, warnt bei den Türken vor allem vor der starken Achse. «Vorne spielt Icardi, hinten steht der 39-jährige Muslera im Tor, er ist seit zwölf Jahren im Verein. Dazu kommen Spieler wie Yilmaz oder Mertens. Ganz wichtig ist aber Lucas Torreira.»
Yakin erklärt: «Er ist eine Art Gattuso oder Abrashi im defensiven Mittelfeld. Er frisst die Gegner und hält den Stars den Rücken frei.» Schwierig für YB werde es auch gegen die Defensive: «Hinten spielen vier grosse Brocken, an denen ist es schwierig vorbeizukommen.»
Spricht also nicht viel für YB heute Abend? «Wenn sie zu Hause den Kunstrasen als Vorteil nutzen und sie von Galatasaray unterschätzt werden: Champions League ist Champions League! Jeder Spieler muss über sich hinauswachsen – und wenn du in die Gruppenphase willst, musst du solche Gegner schlagen.»
«Aber YB muss zu Hause vorlegen, auswärts wird es schwierig», ist «Hatsch» überzeugt. Trotzdem hofft er auf YB: «Dann kann ich Champions-League-Spiele in Bern schauen und wir kriegen ein paar Highlights im Herbst.»
Anpfiff heute Abend im ausverkauften Wankdorf ist um 21 Uhr.
Hakan Yakin: «YB fehlt ein Häuptling auf dem Platz»
Mit den bisher zwei geholten Punkten liegen die Berner nur auf Rang 11. Die Top 6 sollten für den Meister aber noch drin liegen? Hakan Yakin sagt: «Ich denke schon. Es braucht jetzt etwas Zeit, die neuen Spieler zu integrieren. Aber es fehlt bei YB derzeit ein Leitwolf auf dem Platz.»
Es bräuchte einen Häuptling im Zentrum, so Yakin: «Lauper ist kein Lautsprecher, Goalie von Ballmoos ist zu weit hinten und Filip Ugrinic ist noch nicht so weit.»
YB habe gute Spieler im Team, sie seien nicht einfach plötzlich schlechter geworden. «Aber vielleicht sind einige Spieler nach den vielen Titeln auch satt. Andere möchten vielleicht weg, haben aber kein attraktives Angebot erhalten.»
«Hatsch» sagt: «YB kann Fussball spielen, aber es ist kein Zufall, haben sie erst zwei Zähler. Die Gegner haben bisher die Punkte nicht gestohlen.»
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