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 Beitrag Verfasst: Montag 28. Mai 2018, 00:35 
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YB-Noten: Schwache Stürmer

Kein Berner Akteur brilliert im Cupfinal, einige sind sogar ungenügend.

Marco Wölfli, Note 4:
Starke Parade gegen Adrian Winter in der Startphase. Das 1:0 Zürichs durch Michael Frey war jedoch nicht unhaltbar. Und auch danach nicht immer stilsicher.

Jordan Lotomba Note 3:
Ersetzte den gesperrten Kevin Mbabu. Agierte solid. Zu solid, weil nach vorne zu wenig vom Youngster kam. Und in den Zweikämpfen nicht immer griffig genug. Wurde bereits zur Pause ausgewechselt.

Kasim Nuhu, Note 3:
Eigentlich eine ordentliche Partie, rieb sich in den vielen harten Duellen auf. Beim zweiten Zürcher Treffer aber lässt er sich von Torschütze Antonio Marchesano viel zu einfach düpieren.

Steve von Bergen, Note 4:
Auch der Captain erwischte nicht seinen besten Tag gegen die sehr aufsässigen Zürcher. So griff er ­etwa Frey vor dem 1:0 nicht an.

Loris Benito, Note 3,5:
Vor der Pause noch einigermassen agil nach schwierigen Startminuten. Aber auch er vermochte wenige Impulse zu verleihen.

Christian Fassnacht, Note 4:
Probierte es mit Dribblings. Blieb jedoch oft hängen, und wenn er sich mal durchgesetzt hatte, entschied er sich nicht immer richtig. Schoss überhastet, übersah besser postierte Mitspieler.

Leonardo Bertone, Note 3,5:
Bekam wie seine Mitspieler nie richtig Zugriff. Und in der Offen­sive fehlten die Ideen, um gefährliche Angriffe zu konstruieren.

Sékou Sanogo, Note 5:
Mal wieder der dominanteste, beste YB-Akteur. Vor der Pause noch unglücklich, hätte für seinen Schlag gegen Frey Rot sehen können –wobei Gelb das angemessene Strafmass war. In der zweiten Hälfte riss er das Spieldiktat an sich, war nur mit Fouls zu bremsen, holte mehrere Verwarnungen heraus. Auch jene zwei gegen Sangoné Sarr. Wollte in der Schlussphase mit wilden Aktionen fast zu viel.

Miralem Sulejmani, Note 4,5:
Gefährlichster YB-Akteur. Setzte als erster Akteur der Young Boys Akzente, erzielte mit dem Kopf (!) das späte Anschlusstor.

Roger Assalé, Note 2,5:
Kam nie auf Touren, wie oft in den letzten Wochen mit enttäuschender Darbietung. Von seiner grandiosen Hochform Mitte der Saison enorm weit entfernt. Einmal wehrte Rasmus Thelander einen Schuss Assalées auf der Linie ab.

Guillaume Hoarau, Note 3
Setzte sich auch in den Kopfballduellen kaum durch, physisch nicht in Bestverfassung. Bei seiner besten Chance scheiterte er an FCZ-Goalie Yanick Brecher.

Thorsten Schick, Note 3,5
46. Minute für Lotomba. Engagiert, aber letztlich auch glücklos.

Jean-Pierre Nsame, Note 3,5
60. Minute für Assalé. Setzte seinen wuchtigen Körper ein, aber blieb ohne Einfluss.

Nicolas Ngamaleu ohne Note 76. Minute für Benito.

Noten:6 = herausragend; 5 = gut; 4 = solid; 3 = ungenügend; 2 = schlecht; 1 = sehr schlecht.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/21192077

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 Beitrag Verfasst: Montag 28. Mai 2018, 00:42 
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Fans sind ruhig abgereist

Der Cuptag in Bern ist ohne grössere Vorkommnisse über die Bühne gegangen.

Die Kantonspolizei Bern war am Sonntag mit einem Grossaufgebot im Einsatz für den Cupfinal. Dies vor allem rund um das Stadion, wo die Polizistinnen und Polizisten dafür sorgten, dass die Fans von YB und jene aus Zürich getrennt blieben.

Sechs Extrazüge nach Zürich

Wie die Kantonspolizei Bern meldet, bestiegen die FCZ-Fans die Züge im Bahnhof Bern Wankdorf weitgehend ruhig. Sechs Extrazüge standen für sie bereit.

Auch in der Berner Innenstadt kam es bis nach Spielende zu keinen grösseren Zwischenfällen. Auch das Public Viewing auf dem Bundesplatz verlief ruhig.

Die Sachbeschädigungen, zu denen es bei den Fanmärschen kam, werden durch die Polizei abgeklärt.

Viel Feuerwerk

Die Fans der Berner Young Boys und des FC Zürich bewegten sich am Vormittag auf strikt voneinander getrennten Routen zum Stade de Suisse. Mit einem Grossaufgebot stellte die Polizei auch da sicher, dass sich die beiden Fanlager nicht in die Nähe kamen.

Beide Umzüge wurden von Lärm und Gestank durch Knallpetarden und Rauchbomben begleitet. Dabei meldeten sich laut der Kantonspolizei auch zwei unbeteiligte Personen wegen Verdachts auf Hörtraumata.

Während der Umzüge von der Innenstadt zum Stadion gingen bei der Polizei Meldungen über öffentliches Urinieren, Klebereien und Sprayereien sowie Diebstähle in einem Tankstellenshop durch Zürcher Fans ein. Zudem waren bereits vor Abmarsch der Fanumzüge vereinzelte Meldungen über versprayte Fahrzeuge in der Stadionregion eingegangen.

Marsch mit Bewilligung

Die Behörden hatten die Fanmärsche bewilligt. Der Zürcher Fanwalk führte vom Bahnhof-Hinterausgang durch das Wohnquartier Länggass, dann via Reitschule in die Lorraine und von dort zum Stadion. Unterwegs zündeten die Fans zahlreiche teils ohrenbetäubende Lärmpetarden.

Die Anhänger der Young Boys hatten sich ab 8 Uhr auf dem Bärenplatz in der Nähe des Bundeshauses versammelt. Um 10:30 Uhr setzte sich der Fanmarsch in Bewegung. Mehrere tausend Fans folgten der gleichen Route durch die Altstadt wie beim Meisterumzug vor einer Woche. Gelbschwarze Petarden wurden gezündet. Bereits gegen 11:30 Uhr traf der Umzug beim Stadion ein.


Cupfinal wieder in Bern

Der Cupfinal findet erstmals seit 2014 wieder in Bern statt. Damals war es zu Gewaltexzessen randalierender Fans aus Zürich und Basel gekommen. Danach wollten die Stadtberner Behörden mehrere Jahre nichts mehr vom Cupfinal wissen. Die neue Stadtregierung machte nun eine Kehrtwende.


https://www.srf.ch/news/regional/bern-f ... -abgereist

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 Beitrag Verfasst: Montag 28. Mai 2018, 00:44 
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Enttäuschung bei YB-Fans

«Wir sind ja noch immer Meister!»

YB geht im Cupfinal leer aus. Ein herber Dämpfer für die derzeit erfolgsverwöhnten Berner.

Der BSC YB kann sich das Double – Meistertitel und Cuppokal – nicht sichern. Wie traurig ist das YB-Herz? «Ich bin sehr enttäuscht, habe ich mich doch auf eine grosse Feier gefreut», sagt eine Frau. Ihre Begleitung ergänzt: «Die YB-Spieler haben schlicht zu wenig fürs Spiel gemacht.» Ein Gedanke tröste sie: «Wir sind Schweizer Meister!»

YB-Fan, Autor und Kabarettist Bänz Friedli sagt: «Wir YB-Fans pflegen einen Zweckpessimismus.» Das habe man auch am Cuptag gespürt. «Die Einstellung ist: Platz 2 ist auch gut. Aber nein: Eigentlich ist das nicht mehr in Ordnung!»

So oder so bilanziert Bänz Friedli: «Es war eine tolle Saison.» Und er erinnert daran: «Es gibt auch noch Wichtigeres als Fussball.»


https://www.srf.ch/news/regional/bern-f ... er-meister

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 Beitrag Verfasst: Montag 28. Mai 2018, 00:47 
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Tränen nach der Niederlage

Die Enttäuschung nach dem verpassten Cupsieg war gross beim Public Viewing auf dem Bundesplatz.

Auf dem Bundesplatz bietet sich ein trauriges Bild: Überall sieht man enttäuschte Gesichter, ein Bub mit schwarz-gelbem Trikot tritt wütend in einen Haufen leerer Bierdosen am Boden, ein weinender junger Mann lässt sich von seinen Freunden wieder auf die Füsse helfen. Kaum war die Niederlage der Young Boys im Cupfinal 2018 Realität, verliessen enttäuschte Fans den Bundesplatz, wo ein Public Viewing übertragen wurde. Auf dem Bildschirm sieht man die jubelnden Spieler des FCZ, was von den Leuten mit Buhrufen quittiert wird. Eine Flasche wird gegen die Leinwand geschmissen. Aus dem Lautsprecher tönt: «Mis Härz schlaat gäub-schwarz», doch die Fans antworten nur halbherzig.

Die Reaktionen auf die Niederlage tönen alle ähnlich, nur sind die einen Fans gefasster als die anderen. «Die Young Boys haben nicht alles gegeben», sagen Markus und Sandra, die beide das Spiel auf dem Bundesplatz mitverfolgt haben. «Aber wir überleben die Niederlage.» Ein Fan mit YB-Fanschal und Bier in der Hand ist auch enttäuscht, aber sieht das Positive: «Meister sein ist viel wichtiger, als Cupsieger zu werden.» Vor dem Restaurant Entrecôte Fédéral lässt sich ein weinender junger Mann von Freunden trösten. Seine Freundin ist auch nicht gerade begeistert vom Match: «Sie haben nicht gut gespielt, aber immerhin sind wir Meister.»

Während sich der Platz leert, letzte Tränen vergossen werden und man sich noch ein Bier genehmigt, um die Trauer runterzuschlucken, dröhnt aus den Lautsprechern «Scharlachrot» der Berner Band Patent Ochsner. Fans, die noch ausharren, heben ihre Schals in die Höhe und singen mit.


https://www.derbund.ch/bern/nachrichten ... y/17411115

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 Beitrag Verfasst: Montag 28. Mai 2018, 08:32 
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Steve von Bergen: «Das ist Quatsch»

Der YB-Captain liefert Erklärungen für die Cupniederlage. Und sagt, warum er nicht mehr versuche, Mitspieler vom Verbleib zu überzeugen. Und reagiert genervt auf ­Fragen nach Michael Frey.

Man hatte den Eindruck, dass YB im Cupfinal nie wirklich ins Spiel fand, warum?
Steve von Bergen: Die Zürcher ­haben uns mit ihrer physischen Gangart vor Probleme gestellt. Sie waren aggressiver, wir kamen zu oft zu spät. Und doch hatten wir vor der Pause durch Hoarau und Assalé zwei gute Chancen zum Ausgleich. Aber insgesamt erreichten wir nie die Dominanz wie etwa beim Heimspiel gegen Luzern, als wir in der Schluss­phase enormen Druck hatten entwickeln können.

Woran lag das?
Zürich war einfach bereiter als wir. Wir verloren den Ball zu oft zu schnell und mussten danach dem Gegner nachrennen.

Spielten die Feierlichkeiten der letzten Wochen eine Rolle?
Das ist Quatsch. Jeder sagt jetzt, wir hätten zu ausgiebig gefeiert. Nein, daran lag es wirklich nicht. Den Meistertitel zu gewinnen, war unser grosses Ziel, darauf ­haben wir lange hingearbeitet. Es war menschlich und richtig, ­haben wir den Titel gemeinsam mit unseren Fans ausgiebig gefeiert. Der Gegner war diesmal einfach besser.

Die Meisterschaft war seit Ende April entschieden. Hatte vielleicht dies einen Einfluss?
Beim 1:5 in Basel waren wir nicht bereit, erhielten eine Ohrfeige. Aber gegen Lugano haben wir ­sofort reagiert und gesiegt, wir ­haben auch bei GC gewonnen. Ich glaube nicht, dass dies einen Einfluss hatte. Der FCZ war diesmal besser, das müssen wir akzeptieren. Auch wenn es wehtut.

Trübt diese Niederlage die ganze Saison?
Wir wollten unbedingt zum ersten Mal seit 60 Jahren das Double gewinnen, das wäre fantastisch gewesen. Jetzt gerade überwiegt die Enttäuschung, diese Niederlage zu verdauen, braucht Zeit.

Aber der Moment wird kommen, in dem wir sehr stolz auf unser Erreichtes sein werden. Wir haben in der Super League und im Cup nur fünfmal verloren, wir ­haben erstmals seit 32 Jahren die Meisterschaft gewonnen, das ist ausserordentlich. Zudem ist der Meistertitel der deutlich wertvollere Erfolg.

Inwiefern?
Eine Meisterschaft dauert 36 Spieltage, da muss man ein ganzes Jahr lang konstant seine Leistungen erbringen. Der Cup hingegen wird in einem Spiel entschieden, da ist alles möglich.

Beeinflussten der bevorstehende Abgang von Trainer Adi Hütter, die Gerüchte um den neuen Trainer und die sich ­abzeichnenden Abgänge von ­Spielern die Leistung?
Als Profi kann man das problemlos ausblenden. Das wäre eine schlechte Ausrede.

Das Team wird in dieser Konstellation nie mehr zusammenspielen. Verspüren Sie Wehmut?
Klar wünschte ich mir, dass die Mannschaft zusammenbleibt. Aber ich bin kein Träumer. Zuerst gehe ich jetzt in die Ferien, leere den Kopf, lade die Batterien auf. Danach werden wir sehen, wie sich die Lage präsentiert. Wir haben einen Sportchef, der kümmert sich um solche Dinge.

Aber versuchen Sie nicht, den einen oder anderen Akteur von einem Verbleib bei YB zu überzeugen?
Wir haben in den letzten Wochen und Monaten oft darüber gesprochen. Aber der Trainer geht weg, einige Spieler werden uns auch verlassen, andere werden kommen. So ist das Geschäft.

Als sich Ende August der Abgang von Ravet zu Freiburg abzeichnete, sagten Sie, Sie könnten dessen Entscheid nicht nachvollziehen, da die Champions League in dem Moment greifbar nahe war. Wie sieht es nun aus, da YB im Sommer nur eine ­Hürde zur Königsklasse nehmen muss?
Ich kann nicht sagen, dahin oder dorthin zu wechseln, sei der falsche Schritt. Jeder muss das für sich entscheiden.

Sie hingegen verlängerten ­kürzlich Ihren Vertrag.
Ich bin glücklich und stolz, kann ich eine weitere Saison bei YB bleiben. Wir wollen uns unbedingt für die Champions League qualifizieren, das wäre noch ­einmal ein grosser Traum, der in Erfüllung gehen würde.

Letzte Frage: Hätte YB heute ein Akteur wie Michael Frey, der spielte, als gäbe es kein ­Morgen, gutgetan?
Haben Sie die Torschützenliste gesehen? Also, danke schön.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/12034460

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 Beitrag Verfasst: Montag 28. Mai 2018, 08:34 
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YB darf den Herausforderungen mit Optimismus begegnen

Der Kommentar von Sportredaktor Fabian Ruch nach der Niederlage der Young Boys im Cupfinal.

Adi Hütter verlässt die Schweiz als Meister. Aber nicht wie sein Heimatland Österreich als Doublesieger. Mit Salzburg war er zum Abschied auch Cupsieger geworden, mit YB verlor der Trainer gestern den Final gegen Zürich 1:2.

Hütter hat vieles verändert und verbessert bei den Young Boys, er hat Team und Club eine Siegermentalität vermittelt und die Berner Genügsamkeit aus dem Stade de Suisse vertrieben. Aber auch ein Wunderwuzzi stösst an seine Grenzen. Vor dem Endspiel gegen den FCZ gelang es Hütter nicht mehr, genügend Leidenschaft im Team aufzubauen.

Das Gemisch aus Partymarathon und Auslandangeboten hat den einen und anderen YB-Spieler in letzter Zeit zu stark absorbiert. Gegen Zürich fehlte es den Young Boys an Entschlossenheit und Spielfreude – und so warten sie weiter seit 1987 auf den siebten Cupsieg der Vereinsgeschichte.

Der Spannungsabfall gestern kam angesichts der ausgelassenen Feierlichkeiten nicht überraschend – und ist nachvollziehbar. Genauso wie das Verlangen der besten Kräfte, wie ihr Trainer in eine Topliga weiterzuziehen.

Im kleinen Fussballland Schweiz können sie kaum mehr erreichen als zuletzt, den Stellenwert der Super League illus­triert nichts besser als die Tatsache, dass Christian Fassnacht lieber zum HSV in die 2. Bundesliga gehen würde als mit YB die Champions League anzupeilen. Sportchef Christoph Spycher steht nach dieser grossartigen Saison vor sehr intensiven Wochen – der Verlust von mehr als der Hälfte aller Stammkräfte droht.

Hütter geht, Spycher bleibt, und weil Hütter geht, hat Spycher ein Problem. Schon oft sind Nachfolger von erfolgreichen Trainern gescheitert, weil sie fast keine Chance hatten, nicht zu scheitern.

Die Ansprüche an den YB-Coach sind gestiegen, und so gesehen ist der verlorene Cupfinal für den nächsten Fussballlehrer in Bern keine schlechte Nachricht. In den nächsten Tagen, wohl gegen Ende Woche, werden die Young Boys den neuen Trainer präsentieren, das Kandidatenfeld hat sich auf ein paar wenige Namen reduziert.

Pierluigi Tami wäre einer, der die zwei wichtigsten Kriterien erfüllt: Er würde mit seiner ruhigen und angenehmen Art menschlich ins gefestigte YB-Gefüge um Baumeister Spycher passen – und hat bewiesen, talentierte Fussballer ausbilden zu können.

Der langjährige U-21-Nationaltrainer besitzt aber wenig Erfahrung auf Vereinsebene und wurde zuletzt nach vielversprechenden Starts bei GC und Lugano entlassen. René Weiler wiederum wäre die logische Wahl, er ist jung, dynamisch, erfolgreich, gilt aber als einer, dessen Ego anstrengend sein kann.

Den perfekten Trainer gibt es nicht. Als der in der Schweiz relativ unbekannte Hütter 2015 engagiert wurde, schüttelten viele den Kopf. Heute besitzt er in Bern den Status des Heilsbringers.

Doch ab heute ist der 48-Jährige bei YB Vergangenheit. Und die Zukunft der Young Boys verspricht gleichfalls interessant zu werden. Branchenprimus Basel wird nächste Saison eingespielter sein als der Meister – und ganz bestimmt sehr hungrig. Der FCZ wiederum hat im Cupfinal bewiesen, mit seiner Philosophie, auf junge Fussballer zu setzen, ein ernsthafter Konkurrent für die mit dem gleichen Geschäftsmodell operierenden Giganten aus Basel und Bern sein zu können.

Ihr junger Trainer Ludovic Magnin hinterliess am Sonntag im Stade de Suisse dank des mutigen Auftritts seines Teams eine beeindruckende Visitenkarte. Bleibt zudem Sions Präsident Christian Constantin für einmal ein bisschen ruhiger, ist seinem ausgezeichnet besetzten Team viel zuzutrauen.

YB darf den Herausforderungen trotz erheblichen Veränderungen mit Optimismus begegnen. Der Höhenflug hat für zusätzliche Sponsoren, VIP-Gäste und Dauerkartenbesitzer und reichlich Glaubwürdigkeit gesorgt, zudem dürften durch die zu erwartenden Spielerverkäufe im Sommer mindestens 30 Millionen Franken eingenommen werden.

Und im Europacup sind mit der Teilnahme an der Europa League in der nächsten Spielzeit auch rund 10 Millionen Franken garantiert – gelingt gar der Sprung in die Champions League, kann sich dieser Betrag locker verdreifachen.

Den Young Boys geht es sportlich und wirtschaftlich ausgezeichnet. Nun gilt es, in den nächsten Wochen die Meistermannschaft sinnvoll umzubauen. Trotz den ausserordentlichen Einnahmen wird das keine einfache Aufgabe.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/11788887

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 Beitrag Verfasst: Montag 28. Mai 2018, 08:37 
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28.05.2018

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Ein Sonntag wie ein Frey-Tag

Ein Tor und tausend Nickligkeiten: Für den Berner Stürmer in Diensten des FC Zürich war der Cupfinal gegen YB eine wilde Begegnung mit seiner fussballerischen Heimat.

Er kommt einfach nicht weg. Nicht jetzt, nicht nach diesem Auftritt, nicht in der Stunde des Triumphs, seines bisher grössten. Michael Frey zieht es langsam Richtung Garderobe, er hat mit dem FC Zürich eben den Cup gewonnen, «wir wollen feiern», ruft er den Journalisten zu.

Doch alle wollen etwas wissen von ihm, etwas haben von ihm, es ist kein normaler Nachmittag, es war kein normales Spiel. Aber normal, das hat noch nie zu Michael Frey gepasst.«Michi, Michi», klingt es, und natürlich kommt er noch einmal zurück und strahlt und erzählt, wie das für ihn ist, den Berner, der an diesem Abend auch ein Sieger ist, weil er vor einem Jahr die Young Boys zum zweiten Mal verliess.

«Michi, Michi», aber auf dem Platz ist er an diesem Nachmittag der Michael, impulsiv, energisch, ein bisschen böse, ein bisschen unanständig und am Ende mit der Bilanz: ein Tor und tausend Nickligkeiten. Am Abend zuvor gab Sergio Ramos, Verteidiger von Real Madrid, im Endspiel der Champions League eine Kostprobe davon, was man mit «Spielern, die man lieber in den eigenen Reihen hat», meinen könnte.

«Ich war ziemlich geladen»

Und so steigt Frey in diesen Final, als gäbe es kein Morgen. Keine 20 Sekunden dauert es bis zu seiner ersten Grätsche, etwas mehr als 60 Sekunden bis zu seiner ersten Chance. Frey ist heisser als die ganzen YB-Reihen zusammen, es ist ein Feuer, mit dem er gerade zu Beginn den ganzen FCZ anzustecken vermag.

«Ich war ziemlich geladen», gibt er später zu. Und sein Trainer Ludovic Magnin meint: «Diese Mentalität war unsere beste Qualität.» Also ist es Michael Frey aus Münsingen, dieser breitschultrige Berner im weissen FCZ-Leibchen, der von Beginn an im Mittelpunkt eines mitreissenden Finals steht. Nach zehn Minuten zieht Frey schon zum zweiten Mal Richtung YB-Tor, er schiesst diesmal sofort und trifft flach unten links, erwischt Steve von Bergen mit einem Beinschuss und Marco Wölfli in der tiefen Ecke.

Es ist kein Kunststück, mehr das Werk eines Filous. Und sein Jubel fällt so aus, wie man das bei seiner Spielweise erwarten darf: hart an der Grenze zum Vertretbaren. Vor der YB-Kurve ballt er demonstrativ die Fäuste, dann rennt er los, und als er an YB-Trainer Adi Hütter vorbeikommt, kann er es nicht lassen und schreit in seine Richtung, eine Sekunde ist es nur, und doch scheint es, als würde er in diesem Moment Gefühle von mindestens einem Jahr los.

Es ist das Bild, das bleibt von ihm an diesem Tag. «Im Nachhinein würde ich das vielleicht nicht mehr machen», sagt er später, «und geplant war das nicht. Aber es hat sich im Vorfeld auch einiges angestaut.»

Im Vorfeld, da beschloss Michael Frey ausnahmsweise, für einmal einfach nichts zu sagen. Leicht dürfte ihm das nicht ge­fallen sein. Erzählen hätte er können, von einer schwierigen, durch eine schwere Verletzung geprägte Zeit in Frankreich oder vom empfindlichen Abgang im Sommer 2017, seinem bereits zweiten bei YB, als es für ihn unter Hütter keinen Platz im Team mehr gab.

Jetzt ist 2018, und im Cupfinal geht es weiter mit Frey, er rennt vom einen Schauplatz zum nächsten, Frey und Sanogo, Frey und von Bergen, er teilt aus und steckt ein, aber niemals auf, er spürt, das könnte sein Spiel werden, der Frey-Tag am Sonntag. Und tatsächlich reicht es am Ende, auch wenn seine Kräfte nachlassen.

Frey hat den FCZ mit seiner Energie mit zum Titel ge­tragen. Im Vorfeld schnitten die Angehörigen der Profis ein Video mit Motivationsbotschaften zusammen. «Schon da gab es Tränen», sagt Frey, «und schon deswegen war ich hoch motiviert.»

Wie das Gestern so zum Heute steht, ist ja manchmal ganz erstaunlich. Und im Fall von Michael Frey steht noch immer ein wenig dieser 17-jährige Bub vor einem, dem 2012 mit YB sein erstes Tor in der Liga glückte. «Das war gerade ein Wahnsinnsgefühl», sagte er damals und dankte seinem Förderer Thomas Häberli – heute U-21-Trainer bei Basel – mit einem artigen «Herr Häberli».

Sechs Jahre später dürften sie längst per Du sein, und Frey stemmt jetzt diesen Pokal in die Luft – mit dem FCZ. «Ich hatte eine gute Zeit bei YB. Aber hey, es ist auch Business, ich bin jetzt hier.» So redet Frey, neben ihm steht von Bergen, fast Rücken an Rücken geben die beiden Auskunft, nachdem sie sich zuvor auf dem Platz hart bekämpft hatten.

Voten zwischen Witz und Wahn

Frey hat sich wieder in Fahrt geredet, man möchte ihn jetzt auch gar nichts mehr fragen, aus Angst, er könnte sich wieder in irgend­eine Parole versteigern. Noch auf dem Feld sagt er: «Mit mir hätte YB das Double geholt.» Es sind vollmundige Voten, für die Presse Bonmots, für die Zürcher Witz, für die Berner Wahn.

«Hätte ich für YB Spalier stehen sollen?», fragt er und lacht laut. «Michi, Michi», noch ein letztes Mal, dann ist er weg. Der «Michi» ­feiert jetzt. Und der Michael wird an seinen Aussagen gemessen werden.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/26575712

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Geschlagene Helden

Die Young Boys zeigen sich nach dem Cupfinal schwer enttäuscht. Stürmer Roger Assalé sorgt für ein unschönes letztes Bild.

Es ist die finale Wende und ein neues Gefühl für YB: Die Young Boys sind ganz am Ende einer historischen Saison die Verlierer. «Der Schock sitzt tief», sagt Flügel Christian Fassnacht. «Die Enttäuschung ist riesig», meint der linke Verteidiger Loris Benito.

«Es ist schwierig, sich nun ­wieder aufzurichten», sagt Zen­trumsspieler Leonardo Bertone. Unter den blonden Haaren sind diesmal keine lachenden Ge­sichter zu sehen: Welch Kontrast zu den ausgelassenen Feierlichkeiten der vergangenen Wochen.

Es sind ungewohnte Bilder, die der Sonntagnachmittag im Stade de Suisse liefert. Auf der rechten Seite fliegen keine Rastas durch die Luft, Kevin Mbabu sitzt gesperrt auf der Tribüne. Guillaume Hoarau vergibt allein vor FCZ-Torhüter Yannick Brecher. Marco Wölfli ballt nicht die Jubelfaust.

Und der kleine Energieriegel Roger Assalé, mit Finten und Toren zum Publikumsliebling aufgestiegen, agiert blass, bei seiner Auswechslung läuft er schnurstracks auf die Bank – kein Abklatschen mit Trainer Adi Hütter, keine motivierenden Worte für seinen Freund und Einwechselspieler Jean-Pierre Nsame. Der Joker sticht diesmal nicht. «Assalé Nsame (FCB ke Chance me)» schafft es nicht in die Playlist des Stadion-DJs.

Keine Beschönigung

Man hätte vom Meistermacher mit wunderbar tiefer Stimme gern erfahren, wie er diese Szene beurteile, doch der Bass bleibt stumm. Und Assalé verabschiedet sich bei seinem wohl letzten Auftritt im YB-Trikot durch den Hinterausgang.

Andere YB-Spieler reden. Und sie tun dies, ohne zu beschönigen. Fassnacht meint: «Der FCZ hat das gut gemacht. Wir fanden gegen sein kampfbetontes Spiel kein Rezept.» Und Benito sagt: «Es hat die Mannschaft gewonnen, die den Sieg mehr wollte.»

FCZ-Offensivakteur Adrian Winter formuliert es so: «Heute hätten wir auch Liverpool und Real Madrid geschlagen.» Die Sterne der Königsklasse sind für die Zürcher dennoch nicht greifbar, mit dem Sieg am Sonntag haben sie sich aber immerhin den Einzug in die Gruppenphase der Europa League gesichert.

«Stand jetzt bin ich in Bern»

Als Meister werden auch die Young Boys europäisch vertreten sein, offen ist, ob in der Champions- oder Europa League. Und vor allem: Mit welchem Personal? «Stand jetzt bin ich in Bern», sagt Fassnacht, dem von deutschen Vereinen eifrig Avancen gemacht werden. Er verreise nun erst einmal in die Ferien.

«Und dort denke ich nicht an Fussball.» Und Benito meint: «Klar, haben uns die Erlebnisse der letzten Monate zusammengeschweisst. Aber es ist normal, stehen am Ende einer Saison Veränderungen an. So ist nun einmal das Fussballgeschäft.»

Und so gehört die YB-Ausgabe 2017/2018 der Vergangenheit an, sie hat eine grossartige Geschichte geschrieben – ohne Happy End. «Ich gebe uns dennoch die Note 6», sagt Fassnacht. «Unser wichtigstes Ziel, den Meistertitel zu holen, haben wir schliesslich erreicht.» Und Benito kündet an, er werde am Montag mit einem Lächeln aufstehen können. «Den Meistertitel kann uns niemand nehmen. Wir sind immer noch Helden.»

Vielleicht schwingt ein bisschen Trotz in Benitos Worten mit, aber es hat ja etwas Wahres: Mbabus fliegende Rastas, Hoaraus Tore, Wölflis Jubelfaust, Assalé und Nsame, es sind Bilder für die YB-Ewigkeit.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/20933706

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Cupsieg: Dieser Wille! Dieser FCZ!

Die Zürcher besiegen in einem emotionalen Cupfinal Meister YB 2:1. Der Sieg des Aussenseiters ist verdient.

Das Hemd hängt hinten aus der Hose. Die Krawatte sitzt locker. Die Coachingzone ist für Ludovic Magnin ein Käfig. Er ist gefangen darin. Er schreit herum, er glaubt, seine Mannschaft werde vom Schiedsrichter benachteiligt, zumindest dann und wann, die Emotionen stauen sich. Es ist ein Gemisch aus Stolz und Ärger, aus Hoffen und Bangen.

2:0 führt der FCZ, Magnins FCZ, als die Young Boys das Anschlusstor erzielen. Die FCZ-Abwehr sieht dabei nicht sonderlich gut aus. Zehn Minuten sind noch zu spielen, an der Seitenlinie sagt Magnin zu René van Eck, seinem Assistenten: «Wenn wir in die Verlängerung gehen, sind wir tot.»

Der FCZ hält sich weiter auf den Beinen, Thelander stoppt Nsames Konterchance mit einem Bodycheck. Rustikal geht es zu, nicht filigran – es ist nicht die Zeit dazu. Kurz vor vier Uhr an diesem Nachmittag in Bern ertönt dann der Pfiff, der das Hoffen der Berner und das Leiden der Zürcher beendet.

Der Schlusspfiff wird für Magnin zum Anpfiff. Er stürmt los. Die Emotionen müssen raus, alles muss raus. Magnin peilt die Kurve der FCZ-Anhänger an, «ich habe den Spielern nur zeigen wollen, dass ihr Trainer noch der Schnellste ist», sagt Magnin. Ganz entkommt er ihnen nicht. Sie holen ihn ein und stürzen sich auf ihn. Er spürt es nachher im Rücken: «Ich glaube, ich kann heute nicht tanzen.»

2016 wurde der FCZ Cupsieger, nachdem er vier Tage zuvor abgestiegen war. Es war eine wilde Zeit damals, die Spannungen zwischen Verein und Fans waren gross, der Pokal wurde als Opfergabe vor die Südkurve gesetzt, gefeiert hat man nicht. 2018 ist der FCZ wieder Cupsieger, nachdem er die Saison als Aufsteiger begonnen hat. Diesmal ist die Stimmung anders. Es ist ein wahres Fest, sofern man für einen Moment ausblendet, dass Querulanten während des Spiels mit Böllern das Stadion erzittern lassen und mit Rauchpetarden vernebeln.

Der zehnte Cupsieg

Im elften Final gewinnt der FCZ zum zehnten Mal, eine respektable Bilanz. Oben auf der Ehrentribüne strahlt mit Köbi Kuhn einer der Baumeister dieser FCZ-Geschichte. Er hat es noch rechtzeitig ins Stadion geschafft, obschon er auf der Fahrt nach Bern wegen eines defekten Zuges stecken geblieben war. Herr und Frau Canepa posieren mit den frischen Cupsieger-Medaillen, die sind klein, aber an diesem Tag unbezahlbar.

Bei den ersten Interviews sprudelt es aus den Spielern heraus. Michael Frey sagt: «Vielleicht hätte YB das Double geholt, wenn ich da gewesen wäre.» Adrian Winter sagt: «Heute hätte kommen können, wer will, auch die Mannschaften vom Champions-League-Final – wir hätten alle weggeputzt.»

So ist das im Überschwang der Gefühle. Gerade bei Frey erreichen sie Magnin-Niveau. Als er noch ein «kleiner Giel» war, stellte er sich vor, wie er in diesem Berner Stadion einen Titel gewinnt. Jetzt hat er das geschafft, «einfach in anderen Farben», sagt er.

Bis vor einem Jahr war er noch bei YB, er war der Stürmer, der alles für den Verein gab, weil er immer alles gibt und dabei manchmal überdreht. Er wollte ein Leader sein und scheiterte daran, sich gegen Hoarau durchzusetzen. Dabei hatte er sich einmal zum Ziel gesetzt, der beste Stürmer der Welt zu werden.

Die Trennung war das Beste: für YB, für ihn. In Zürich bezeichnete ihn der damalige Trainer Uli Forte als «Mentalitätsmonster».

Wer damit nicht viel anfangen konnte, kann es vielleicht nach diesem Cupfinal. Frey steht für all das, was Magnin will und der FCZ ist: Er kämpft und rennt, schont sich nicht und den Gegner erst recht nicht, es muss für einen Steve von Bergen schrecklich unangenehm sein, gegen ihn zu spielen. Frey sagt: «Was denken Sie? Dass ich ihm sage, spaziere an mir vorbei? Nein, so funktioniere ich nicht.»

Nach elf Minuten drängt Cédric Brunner nach vorn und spielt einen Ball in die Tiefe, Frey nimmt ihn irgendwie und samt Pirouette an, läuft noch zwei Meter und schiesst. Der Ball schlägt unten in der linken Ecke ein. Ganz kurz zögert er, aber nur ganz kurz. Dann legt er einen Sprint hin, als wäre er Magnin. Der Weg führt ihn an Adi Hütter vorbei, der an der Seitenlinie steht. Frey schreit ihn an, schreit den Trainer an, der ihn vor einem Jahr nicht mehr wollte.

Die Reaktion ist überflüssig, aber typisch Frey. Hütter erträgt sie stoisch. Er sagt über Frey, seinen einstigen Stürmer: «Er hat vorgezeigt, wie man von der ersten bis zur letzten Minute einen Cupfinal bestreitet. Aber wir sind ohne Michi Frey Meister geworden.»

Ein Spiel voller Gift

Auf dem Platz brodelt es. Es ist intensiv, es ist ein mitreissendes Spiel. Gerade während der ersten halben Stunde ist es eine Partie voller Gift. Sanogo schlägt gegen Frey aus und trifft ihn am Mund. Der gleiche Sanogo wird gefühlte dreissigmal gefoult. Von Bergen führt harte Zweikämpfe. Die Zürcher geben nicht nach. Dieser Biss. Dieser Wille. Diese Aggressivität!

Es ist, als würde Magnin noch selbst mitspielen. Und weil er das nicht mehr kann, hat er in den letzten Tagen nochmals alles getan, seine Gefühle auf die Spieler zu übertragen. Während des kurzen Trainingslagers in Thun spürt er, dass «die ganze Luft besonders ist». So sagt er das und meint damit, dass die Spieler bereit für die Aufgabe sind, dass sie an den Sieg glauben.

Zur Motivation hat der FCZ für sie ein Video zusammengeschnitten, in dem ihre Partnerinnen und Eltern ihnen allerlei nette Dinge wünschen. Frey kommen die Tränen, als er es sieht. Die Stimmung in der Kabine ist vor dem Spiel so aufgeladen, dass Frey sagt: «Es hat gebrannt.»

Der FCZ hat eine Schwäche: Ihm gelingt trotz vieler Chancen bis zur Pause nur ein Tor. Dass das zur Führung reicht, liegt auch an der grossartigen Rettungstat von Thelander auf der Linie bei einem Schuss von Assalé. Thelander ist stark, Brunner ist sehr stark, beide verlassen den Verein. YB dagegen tut es weh, dass seine Sturm-Asse Hoarau und Assalé nur je eine gute Szene haben.

Dabei wäre es beim FCZ beinahe zum Bruch gekommen. Magnin wechselt zur Pause Sangoné Sarr ein. Ein Entscheid mit Folgen. 22 Minuten später sieht Sarr Gelb-Rot. Er hat zweimal zu viel gefoult. Doch auch in Unterzahl verliert der FCZ seinen Mut nicht. Antonio Marchesano zieht mit einem Übersteiger an Nuhu vorbei, der YB-Brocken kann nur noch nachschauen, wie Marchesano seine Aktion mit dem zweiten Tor krönt.

Dann, kurz vor vier, stürmt Magnin los. Und YB wird zum traurigen Verlierer, der die Fairness wahrt und Spalier für die Sieger steht. Adi Hütter geht vor die Kurve und verneigt sich zum Abschied. Er sagt: «Der FC Zürich ist ein verdienter Cupsieger.»


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/10720317

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Frühes Zürcher Feuer, zu spätes Berner Echo

Drei Tore, ein Platzverweis und jede Menge Zündstoff: Der Cupfinal zwischen dem FCZ und YB war eines der attraktivsten Schweizer Fussballspiele in diesem Jahr.

Und plötzlich kam Adi Hütter doch noch zu einem Spalier an diesem Cupfinalnachmittag. Es war gut eine Stunde nach Spielschluss, die Niederlage gegen den FCZ Tatsache, die Trophäe gestemmt, als der YB-Trainer zur Pressekonferenz durchs Stadion schritt. Immer wieder wurde er von Fans aufgehalten, erhielt Umarmungen, Glückwünsche, Handschläge.

«Natürlich wäre ich lieber als Sieger gegangen», sagte Hütter, «aber diese Anerkennung ist trotzdem schön.»Dass Hütter in seinem letzten Spiel als YB-Trainer vor dem Abgang nach Frankfurt keinen Sieg feiern konnte, lag auch, aber nicht nur am Gegner, und es lag auch, aber nicht nur an seiner Mannschaft.

Aggressiv und wach zeigte sich der FCZ von der ersten Sekunde an, angeführt vom hoch motivierten, schier überbordenden Michael Frey. Lethargisch und behäbig zeigten sich die Young Boys phasenweise, so, dass man sich unweigerlich fragte, ob die Berner in den Wochen der Feierlichkeiten rund um den Gewinn des Meistertitels an Biss verloren hätten.

Frey traf Sanogo im Gesicht

«Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Mannschaft in den letzten Tagen unkonzentriert ans Werk ging», sagte zwar Hütter. Aber in den ersten dreissig Minuten des Cupfinals, da war sie nicht bereit.

Frey nach zwei, Adrian Winter nach fünf, wieder Frey nach elf Minuten – drei Top­chancen hatte der FCZ, und eine davon nutzte Vorkämpfer Frey zur Führung. Aus knapp 20 Metern zog er ab, sein Schuss zischte erst YB-Captain Steve von Bergen durch die Beine und schlug dann präzise im linken Eck ein. Wumm, ein Paukenschlag, 1:0.

«Natürlich wäre ich lieber als Sieger gegangen, aber diese Anerkennung ist trotzdem schön.»
Adi Hütter


Keine drei Minuten später musste YB-Goalie Marco Wölfli nochmals gegen Winter retten, zwischendurch hatte Christian Fassnacht für YB eine Kopfballchance. Gut und gern vier Tore hätten in dieser Startviertel­stunde fallen können, es blieb beim einen für den FCZ.

Aber das Feuer war gelegt in der Partie. Von Bergen und Frey, die früheren Teamkollegen, gerieten aneinander, dann waren es Frey und Sanogo, wobei der Berner den Ivorer im Gesicht traf. Schiedsrichter Adrien Jacottet entschied sich in dieser heiklen Szene für je eine Verwarnung. Das Tempo blieb hoch, Roger Assalé kam zum Abschluss – Rasmus Thelander rettete für den FCZ spektakulär auf der Linie.

Längst war YB aus seinem Startschlaf erwacht, hatte jetzt mehr Anteile und war mehr am Ball. Aber Ludovic Magnin hatte seine Mannschaft hervorragend eingestellt, Zürich blieb in seinen wenigen Aktionen gefährlich, und so entwickelte sich ein munteres Hin und Her, das erst mit dem Halbzeitpfiff beschlossen wurde.

Für Durchgang zwei war die Berner Marschroute klar. Viel lief bei YB übers Zentrum, über den unwiderstehlichen Sanogo. Der zur Pause eingewechselte Sangoné Sarr wusste sich gegen ihn Mal um Mal nur mit einem Foul zu helfen, sah schnell einmal die Gelbe Karte – und flog in der 67. Minute nach einem erneuten Vergehen gegen Sanogo mit Gelb-Rot vom Platz.

Sulejmani für einmal per Kopf

Das schaffte Raum für das letzte Aufbäumen der Berner – welches jäh vom Zürcher 2:0 unterbrochen wurde: Antonio Marchesano liess Kasim Nuhu elegant aussteigen, traf stilsicher und stürzte den FCZ eine Viertelstunde vor Schluss schon fast in den finalen Titeljubel.

Keine fünf Minuten später glückte Sulejmani aus dem Nichts der Anschluss, der kleine Serbe traf für einmal per Kopf. Thelander blockte noch einmal einen Schuss im Strafraum, dann eilte Wölfli mit nach vorn, die Zeit lief den Bernern davon, es lief die 91., dann die 92. Minute, es wurde noch einmal hitzig, dann war alles vorbei.

Für den FCZ begann die grosse Feier, den Young Boys blieb als Letztes die Ernüchterung und ihrem Trainer die Erkenntnis, in Bern dennoch einiges bewirkt zu haben. Nur sein letztes Ziel, das erste Double seit 1958, verfehlte Adi Hütter mit YB.


https://www.derbund.ch/sport/fussball/F ... y/30171155

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