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 Beitrag Verfasst: Freitag 27. Mai 2005, 10:52 
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Bund, 27.5.2005

«Das zu erleben, war riesig»

YB-Stürmer Stéphane Chapuisat bestreitet am Sonntag im Neufeld sein letztes Pflichtspiel auf europäischem Rasen
Nach 27 Jahren, die ihn von den Junioren des FC Red Star über diverse Stationen bis ins Fanionteam der Young Boys geführt haben, setzt Stéphane Chapuisat am Sonntag einen Schlusspunkt hinter seine Karriere. Oder angesichts des aus dem Nahen Osten signalisierten Interesses doch nur einen Strichpunkt?

Das Palmarès von Stéphane Chapuisat ist lang, beeindruckend und hierzulande unerreicht: Champions-League-Sieger (1997 mit Dortmund), zweimal deutscher Meister (1995 und 1996 mit Dortmund), Schweizer Meister (2001 mit GC), zweimal bester Torschütze in der Schweiz (2001 und 2004), insgesamt 516 Partien und 241 Tore in den obersten Ligen Deutschlands und der Schweiz, 103 Spiele (21 Tore) mit der Nationalmannschaft und Teilnahme an drei Endrunden (WM 1994, EM 1996 und EM 2004). «Ich hatte das Glück, sehr viele schöne Momente zu erleben», sagt der Stürmer, der am 28. Juni 36-jährig wird. Bevor Chapuisat am Sonntag im Neufeld gegen Schaffhausen sein letztes Pflichtspiel bestreitet, blickt der erfolgreichste Schweizer Fussballer aller Zeiten noch einmal auf die Stationen seiner glanzvollen Karriere zurück.
Red Star Zürich (1978–80): «Mein Vater war damals in Zürich engagiert und meldete mich beim FC Red Star an, welcher für die gute Juniorenabteilung bekannt war. Ans erste Training mag ich mich wohl nicht mehr erinnern, jedoch daran, dass ich schon damals riesige Freude am Fussball hatte.»
Lausanne (80–85): «Wir zügelten mit meinem Vater, der zu Lausanne zurückging, in die Romandie, wo ich mit den Junioren von Lausanne eine sehr schöne Zeit verbrachte – und dreimal Schweizer Meister wurde: mit den Junioren E, D und C.»
Malley (85–87): «Dies war eine sehr wichtige Station für mich, denn mit Malley habe ich den Schritt von den Junioren zum Erwachsenen-Fussball gemacht. Dabei habe ich viel von den Erfahrungen meines Vaters profitiert. Wir stiegen in die NL B auf und klopften auch an die Tür zur NL A.»
Lausanne (87 bis Dezember 1990): «Lausanne machte damals unter Trainer Umberto Barberis einen Neuanfang. Wir waren eine junge, aufstrebende Truppe. Es war mein Glück, dass Barberis auf die Jungen setzte. Dadurch gelang mir ein weiterer, grosser Schritt nach vorne. In gewisser Hinsicht war es schade, dass ich im Dezember 1990 das Team verliess. Wir waren Leader, und es wäre bestimmt noch viel dringelegen. Aber ich erhielt ein Angebot aus der Bundesliga, und das musste ich einfach annehmen. Da blieb mir keine andere Wahl, denn Angebote dieser Art waren sehr selten. Zu jener Zeit spielten nur zwei andere Schweizer im Ausland.»
Uerdingen (Januar 1991 bis Juni 1991): «Der Start verlief harzig, erlitt ich doch bereits nach einer Woche einen Innenbandriss und fiel drei Monate aus. Acht Runden vor Schluss, als ich wieder fit war, belegte Uerdingen den letzten Platz. Mir glückten einige gute Partien. Dennoch stiegen wir ab. Aber dank meinen Leistungen kam der Wechsel zu Dortmund zustande.»
Dortmund (91–99): «Ich profitierte davon, dass Dortmund im Sommer 1991 Ottmar Hitzfeld als neuen Trainer engagierte. Er kannte mich aus seiner Zeit in der Schweiz. Für ihn war die Verpflichtung eines Schweizers ein Risiko, zumal er zwar Deutscher war, aber zu Beginn als Schweizer Trainer galt. Gegenüber mir war in Dortmund eine gewisse Skepsis vorhanden. Aber ich hörte nicht darauf, was die Leute sagten, sondern konzentrierte mich auf meine Leistung auf dem Platz. Das gelang mir zum Glück gleich von Beginn weg, was vieles vereinfachte. In der ersten Saison wurden wir beinahe Meister, aber Stuttgart fing uns auf der Zielgeraden ab. Darauf konnten wir jedoch aufbauen. Der Höhepunkt war der Meistertitel 1995. Dortmund war zuvor während mehr als 30 Jahren nicht mehr Meister geworden –das zu erleben, war riesig. Auch der Gewinn der Champions League bleibt natürlich unvergesslich. Wir waren gegen Juventus Turin klarer Aussenseiter. Deshalb konnten wir den Sieg noch mehr geniessen.

Die schwierigste Zeit in Dortmund erlebte ich sicherlich während meiner Verletzung. Aber dies hat mir auch geholfen. Der beschwerliche Weg zurück macht einem bewusst, wie schön und wichtig es ist, gesund zu sein. Man schätzt es noch mehr, fit zu sein und spielen zu können.»

Grasshopper-Club (99–02): «Der Schritt zu GC war mit der Rückkehr nach Hause verbunden. Der Vertrag mit Dortmund wäre wohl noch ein Jahr gültig gewesen, aber es befanden sich sehr viele Stürmer im Kader und ich wollte spielen, schliesslich war ich auch schon 30. Ich denke, der Zeitpunkt für einen Wechsel war richtig. Ich wurde bei GC 2001 Torschützenkönig und erstmals bei der Elite auch Schweizer Meister.»
Nationalmannschaft (89–04): «Im Kreis des Nationalteams habe ich in den 103 Länderspielen sehr viele schöne Momente erlebt. Der wohl grösste war 1993 der 4:0-Sieg zuhause über Estland, dank welchem wir uns für die WM 1994 qualifizierten. Zwei Jahre zuvor hatten wir im letzten Spiel in Rumänien die EM-Teilnahme verpasst. Doch dieses Mal klappte es.»
Young Boys (02–05): «Meine letzte Station in der Schweiz. Ich habe den Wechsel von GC zu YB nie bereut und mich in Bern wohl gefühlt. Es waren nochmals drei schöne Saisons. Wer hätte 2002 erwartet, dass wir uns zweimal in Folge für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren würden und auch in der dritten Saison im letzten Spiel noch eine kleine Chance auf die Uefa-Cup-Teilnahme hätten?»


Abschied im Neufeld

Am Sonntag wird Stéphane Chapuisat von den Young Boys nach Spielschluss mit einer speziellen Zeremonie in würdigem Rahmen verabschiedet, wobei die Verantwortlichen die Fans bitten, auf den Rängen zu bleiben. Aber wird es für den Stürmer auch definitiv das letzte Spiel sein? Im Raum steht noch immer das Interesse aus Katar, Chapuisat für ein Jahr zu verpflichten. Darauf angesprochen, sagt der Stürmer, der während seiner Lausanne-Zeit «petit prince» genannt wurde: «Es liegt noch kein konkretes Angebot vor. Erst wenn dieses auf dem Tisch ist, werde ich mich damit ernsthaft befassen. Zuvor gilt meine Konzentration dem letzten Spiel mit den Young Boys. Darauf freue ich mich sehr. Dann schaue ich weiter.»

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 Beitrag Verfasst: Freitag 27. Mai 2005, 11:24 
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Danke Chappi für deine geleisteten Dienste für YB!

:chapuisat:


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 Beitrag Verfasst: Freitag 27. Mai 2005, 11:53 
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Danke chappi für deine verdienste bei dortmund! der schweizer nati! und natürlich bei YB!
:merci:

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 Betreff des Beitrags: hmm
 Beitrag Verfasst: Freitag 27. Mai 2005, 16:22 
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auch von meiner seite MERCI CHAPPI, bisch dr best spieler woni je im yb-dress ha gse spielä (ha jahrgang 1987, had zitä vo lunde und co. haut nid miterläbt :( )

ich hoffe, dass ihm morgen nochmals ein grosses spiel gelingen wird und er nochmals ein tor für yb schiessen wird und uf dä räng heisst es 90 minutä lang: CHAPPI, CHAPPI, CHAPPI, CHAPPIIIISAAAAA, CHAPISAAAA, CHAPPIISAAAAA AAAA AAA.....

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 Beitrag Verfasst: Freitag 27. Mai 2005, 22:31 
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:merci:

Gelb-Schwarz stand Dir immer am besten! :wink:


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 Beitrag Verfasst: Samstag 28. Mai 2005, 07:37 
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BZ, 28.5.2005

Wenn die Kobra zuschlägt

Besonders schnell ist er nicht. Aber wenn Stéphane Chapuisat über den Rasen schleicht, dann kann er plötzlich explodieren. Tore: Das sind seine Statements. Die besseren als Worte, die der introvertierte «Chappi» hasst. Am Sonntag beendet Helvetiens bester Fussballer aller Zeiten seine Laufbahn.

Stéphane Chapuisat / KeystoneAlso, der Trick geht so: Stéphane Chapuisat führt den Ball, er streichelt ihn mit dem Fuss, einmal, zweimal, täuscht dann eine Flanke oder einen Schuss an, zieht das Spielobjekt vor dem Standbein durch und rauscht auf der anderen Seite am ausgespielten Gegenspieler vorbei. Simpel? Nein, effizient. Und ein Täuschungsmanöver mit langer Haltbarkeit. Der Chappi-Haken, weltweit gefürchtet, wird seinen Erfinder locker überleben. Chapuisats Zeit als Spitzenfussballer läuft ab, die biologische Uhr tickt unerbittlich. Das ist hart für einen bald 36-Jährigen, der im Grunde immer noch ein kleiner Junge ist. Wirf ihm einen Ball hin, und er ist glücklich. Morgen Sonntag, ein letztes Mal für die Berner Young Boys, schnürt sich Chapuisat im Neufeld die Fussballschuhe, geht raus auf den Rasen, zum Einlaufen, missmutig der Gesichtsausdruck, schlurfend die Schritte, langsam die Bewegungen.

Wenn man Stéphane Chapuisat zuschaut, kommt man nicht auf die Idee, dass dieser zurückhaltende Mann auf dem Fussballplatz derart explodieren kann. Von Null auf Tausend. Als würde er beim Betreten des Spielfelds alle Sorgen abwerfen, wie Ballast, und einfach nur noch das tun, was er schon als Bub immer wollte: Fussball spielen.

Viele Tore, kein Spektakel

Es gibt kaum einen bekannten Fussballer, der so introvertiert ist wie Stéphane Chapuisat. Schüchtern, fast ängstlich wirkt er, der doch auf Grund seiner überragenden fussballerischen Leistungen selbstbewusst, souverän, leicht überheblich sein könnte. Sogar eine gewisse Arroganz würde man ihm nachsehen. Aber Chapuisat ist der geborene Langweiler. Um ihn hat es nie einen Hype gegeben. Und doch ist er mit seiner konsequenten Verweigerung der Geschäftsmechanismen ein Rebell. Sein Marktwert definiert sich über Tore und nicht übers Medienspektakel.

Ein kurzer Blick in die sportliche Biographie zeigt, wie einzigartig erfolgreich der Stürmer gewesen ist: 103 Länderspiele, WM- und EM-Teilnehmer, Deutscher Meister, Schweizer Meister, Champions-League-Sieger, Torschützenkönig in Deutschland und der Schweiz. Und das sind nur die Höhepunkte eines Akteurs, der sich in der Blüte seiner Karriere bei Borussia Dortmund auf Weltklasseniveau bewegte. Chapuisat hätte damals zu Real Madrid, Juventus, Barcelona gehen können. Er aber blieb im Ruhrpott, in einer einfachen Gegend. Und er hat sich eindrucksvoll in der Bundesliga durchgesetzt. Chapuisat war ein erster grosser helvetischer Deutschland-Export, viele Jahre vor Joe Ackermann, Roger Schawinski oder Roger Köppel. Doch er hat den Ruf, die Schweizer seien ein zurückhaltendes Volk, in Deutschland kaum zwingend widerlegt.

Meister der Plattitüden

Ein Interview mit Stéphane Chapuisat geht so (Ausgangslage: Chapuisats Team hat 3:1 gewonnen, und Chapuisat hat zwei Tore geschossen): «Steph, wie hast Du das Spiel gesehen?» «Wichtig ist, dass wir gewonnen haben.» «War das die beste Saisonleistung Deines Teams?» «Das ist schwierig zu sagen. Wichtig sind die drei Punkte.» «Deine beiden frühen Tore haben Ruhe in Euer Spiel gebracht.» «Ach, wichtig ist der Sieg. Es ist egal, wer die Tore schiesst.» – Nach einer Partie mit Chapuisat ein ergiebiges Interview zu führen ist die ultimative investigative Herausforderung im Journalismus. Der Romand ist ein Champion der Plattitüden.

Es ist eine Schutzhülle, die dieser stille Mensch um sich gelegt hat. Eine Schutzhülle, die Chapuisat im Laufe seiner Karriere perfektioniert hat. Er mag nicht in der Öffentlichkeit stehen, doch er steht mitten im Fokus der Gesellschaft. Deshalb läuft er sehr oft mit dem Handy an den wartenden Journalisten vorbei. Kaum vorstellbar, dass ein Schweiger wie Chapuisat so oft telefoniert. Und weil er doch immer wieder nach seiner Meinung gefragt wird, schaltet der Fussballer bei Interviews den sprachlichen Autopiloten ein. Er funktioniert nur noch nach dem Schema Chapuisat: Nichts sagend und bescheiden.

Ein lässiger Filou

Das ist berechnend. Und clever. Chapuisat weiss um seine Macht, die er dank seiner Tore besitzt. Mitspieler erzählen, hinter vorgehaltener Hand, von Sonderbehandlungen für den zuweilen egoistischen Star. Und wehe jenem Trainer, der es wagt, den Torjäger auf die Bank zu setzen. Nationaltrainer Köbi Kuhn verscherzte es sich einst für ein Jahr mit Chapuisat. Hans-Peter Zaugg hats zuletzt gewagt. Der YB-Trainer musste einsehen, dass die Klasse des alternden Stürmers locker ausreicht, um in der mediokren Super League zu brillieren. Einen Chapuisat nicht spielen zu lassen, das ist, wie wenn man die irische Superband U2 am Gurtenfestival nur auf der Zeltbühne und weit nach Mitternacht auftreten liesse. Es ist eine Majestätsbeleidigung. Chapuisat ist zwar nicht besonders schnell, kein Filigrantechniker, kein beidfüssiger Schütze, kein eleganter Stratege, kein wuchtiger Kopfballspieler, er ist nicht übermässig robust und seine Defensivarbeit ist sogar ein Desaster, wie teilweise der Trainingseinsatz. Aber Chapuisat ist ein lässiger Filou mit exzellentem Torriecher und phantastischem Spielverständnis. Er schleicht über den Rasen, um dann – unbemerkt und blitzschnell wie eine Kobra – zuzuschlagen. Tore, Tore, Tore. Das sind seine Statements.

Man darf Chapuisat aber nicht aufs Toreschiessen reduzieren. Er war immer auch einer der besten Passeure. Er schiesst herrlich gezirkelte Freistösse und gefährliche Eckbälle. Chapuisat lebt Fussball. Chapuisat ist Fussball. Er ist in dieser kommerzialisierten Sportart ein Anachronismus. Wo jeder, der zweimal jonglieren kann, gnadenlos vermarktet wird, sollte einer wie Chapuisat in der Schweiz auf der Kommerzstufe von Glamourboy David Beckham stehen. Aber kennt jemand eine Marke, die mit Chappi ihre Produkte beworben hat?
Dabei lässt Chapuisat keinen Fussballaficionado kalt. Man ärgert sich über seine fehlende Leidenschaft, freut sich aber Sekunden später, wenn er mit einem spitzbübischen Geniestreich ein Spiel entschieden hat. Alle fieberten vor zehn Jahren mit, als eine schwere Knieverletzung seine Karriere bedrohte. Chapuisat kehrte zurück. Langsam, aber stetig. Und schoss bald wieder Tore wie am Fliessband.


Ein verlässlicher Wegweiser

Vor 20 Jahren galt er als Jahrhunderttalent. Im zarten Alter von 17 wechselte er zu Lausanne. Das war 1986. Damals wurde Diego Armando Maradona mit Argentinien Weltmeister, es gab noch den kalten Krieg, die DDR und die Lüge vom Waldsterben. Chapuisat ist immer noch da. Er war all die Jahre ein wunderbarer und verlässlicher Wegweiser durch strube Zeiten. Egal, wie schrecklich die Schlagzeilen auf den Titelseiten waren – Golfkrieg 1, Balkankrieg, Ruanda, Somalia, Nine-Eleven, Golfkrieg 2 –, blätterte man in der Zeitung einige Seiten nach hinten, im Sportteil wurde garantiert Chapuisats Instinkt gefeiert.

Und so geht am Sonntag eine famose Laufbahn zu Ende. Es ist Zufall, und dennoch symbolisch, dass der Gegner in Chapuisats 100. und letztem Einsatz für YB nicht Real Madrid sondern Schaffhausen, das Stadion nicht Bernabeu heisst, sondern Neufeld. Ein Abschiedsspiel hat sich nicht realisieren lassen. Also tritt der grösste helvetische Fussballer aller Zeiten am Sonntagnachmittag von der ganz kleinen Fussballbühne ab. Vielleicht aber hängt Chapuisat noch ein Jährchen in der Wüste, in Katar, an. Der Haken wird auch dort funktionieren. Antäuschen, zurückziehen, vorbei rauschen. Wäre doch auch das Leben so einfach zu meistern.

Fabian Ruch. Der Autor ist BZ-Sportredaktor

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 Beitrag Verfasst: Samstag 28. Mai 2005, 07:59 
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Bieler Tagblatt, 28.5.2005

18 Jahre voller Tore

Morgen verabschiedet sich Stéphane Chapuisat vom Schweizer Fussball. Rund 750 Spiele auf höchstem Niveau und knapp 300 Tore sind die aussergewöhnliche Ausbeute aus seiner 18-jährigen Karriere.

Julien Oberholzer


Es ist an diesem Donnerstag eines der letzten Trainings, die Stéphane Chapuisat mit den Young Boys absolviert. Übungseinheiten mit dem Ball und ein kurzes Spiel auf reduziertem Feld stehen auf dem Programm. Der 36-Jährige lässt es ruhig angehen, er hat im Alter gelernt, seine Kräfte einzuteilen. Zu einem Tor reicht es dennoch: Chapuisat nimmt einem Verteidiger den Ball ab, umspielt den Torhüter und schiebt ein.

Nach 75 Minuten unter der prallen Sonne geht es vom Sportplatz Moos in Schönbühl rund 100 Meter querfeldein zu den Umkleideräumen, die sich in einer Baracke, wenige Meter von der Autobahn entfernt, befinden. Ein ungewöhnlicher, fast unwürdiger Tag für den erfolgreichsten Schweizer Fussballer. Ein wenig speziell sei die Situation hier schon, gibt Chapuisat zu; doch Fussball ist Fussball, und seine Leidenschaft dafür ist im Berner Vorort so gross wie einst in Dortmund.

Fussballer-Familie

Stéphane Chapuisat machte nie viel Aufhebens um sich selber. Wesentlich gesprächiger ist sein Vater Pierre-Albert «Gabet» Chapuisat (57): «Fussball ist Stéphanes Leben. Schon als Bub war er fanatisch, verrückt nach dem Ball», sagt Gabet, der heutige Assistenz-Trainer von Lausanne-Sport. Während der Vater in der Nationalliga A die Seitenlinie auf und ab hetzte, wuchs auf Nebenplätzen das grösste Talent der Familie heran. In jeder freien Minute hatte Stéphane einen Ball am Fuss, spielte zum Teil in zwei Vereinen gleichzeitig und eiferte als Teenager seinem Idol Diego Maradona nach. Spätestens nach seinen ersten Auftritten in der 1. Liga wurde klar, dass nach dem Grossvater Henri, einem kopfballstarken und gefürchteten Verteidiger, und Gabet ein dritter Chapuisat sich einen Vornamen machen würde.
«Wir haben den Fussball in den Genen», ist Gabet überzeugt. Der Grossvater von vier Mädchen lieferte aber nicht nur das Talent, sondern beriet Stéphane auch während seiner Karriere und erlebte den Aufstieg seines Sohnes hautnah. Denn richtig auf sich aufmerksam machte der aufstrebende Junior als 17-Jähriger ausgerechnet in einer Partie gegen seinen Vater. In einem Erstliga- Spiel im Juni 1986 schoss er für Malley ein Tor gegen Renens, wo Gabet damals seine Karriere ausklingen liess.

1991 in die Bundesliga

Es war die Stabübergabe innerhalb der Fussball-Dynastie Chapuisat. In Malley und später bei Lausanne-Sports schoss der neue Chapuisat als linker Flügelstürmer in viereinhalb Jahren 56 Meisterschaftstore, ehe er im Winter 1991 in die Bundesliga wechselte. Das Bosman-Urteil war noch nicht gesprochen und das Ausländerkontingent in den Vereinen deshalb auf drei Spieler beschränkt. Schweizer Skepsis begleitete Chapuisat zu Bayer Uerdingen, wo der heutige Bayern-München-Coach Felix Magath als Manager den Transfer eingefädelt hatte. Bereits im folgenden Sommer und trotz einer Verletzung, die ihm das Bundesliga-Debüt erschwert hatte, tat er den bedeutensten Schritt in seiner Karriere. Ottmar Hitzfeld holte ihn zu Borussia Dortmund.
Hitzfeld war in der Bundesliga damals genauso unerfahren wie Chapuisat und genoss wenig Kredit. Doch die beiden machten sich quasi im Gleichschritt einen Namen und brachten die Borussia an die nationale und europäische Spitze. «Stéphane hatte Glück. Hitzfeld vertraute ihm, kannte ihn und wusste, wie er das beste aus ihm heraus holen konnte», erinnert sich Gabet. Das Vertrauen des Trainers war für Chapuisat immer wichtig, sei es in Lausanne, in Dortmund, bei GC oder bei YB. Vermisste er es, verliess er den Klub.

Eine Ikone im Ruhrgebiet

Dass er seine beste Zeit unter Hitzfeld hatte, einem uneingeschränkten Bewunderer seiner Fähigkeiten sowohl auf als auch neben dem Platz, ist deshalb keine Überraschung, obwohl das explosive Dortmunder Publikum so wenig zum stillen Schweizer zu passen schien. In acht Jahren im Ruhrgebiet wurde Chapuisat mit dem Gewinn zweier Meistertitel, der Champions League und dem Weltcup zur Ikone. Mit 106 Toren ist er nach Giovanne Elber der erfolgreichste Legionär in der Bundesliga-Geschichte und nur sechs Spieler waren im Dortmunder Dress treffsicherer als er.

Abschiedsspiel mit BVB?

Gern erinnert sich Chapuisat an die Zeiten bei Dortmund. Ein allfälliges Abschiedsspiel möchte er im Westfalenstadion bestreiten, doch Nostalgie kommt dabei nicht auf. Er bereut seinen Wechsel zurück in die Schweiz nicht, erzählt vom Meistertitel mit den Grasshoppers und den drei Jahren bei den Young Boys. Dass er seit seiner Rückkehr in die Super League 97 Tore erzielt hat, erwähnt er nicht. «Stéph» war nie ein Mann der grossen Worte. «Sein Vater hat zu viel geredet. Wahrscheinlich hat er daraus seine Schlüsse gezogen», mutmasst Gabet, das ehemalige «enfant terrible» des Schweizer Fussballs.
Laut wurde Stéphane Chapuisat nur dann, wenn er nicht spielte. Als er in Dortmund unter Hitzfelds Nachfolger Michael Skibbe nicht mehr regelmässig zum Einsatz kam, wurde er wegen unüberlegter Äusserungen sogar mit 20 000 Mark gebüsst. Auch sein jetziger Trainer «Bidu» Zaugg hat erfahren müssen, dass Chapuisat seinen Gleichmut verliert, wenn er nicht nach Toren jagen kann. Dennoch schätzt der Berner genau diese Leidenschaft, die «Liebe zum Fussball» an seinem prominentesten Spieler.
Hanspeter Zaugg hofft morgen, wenn es um ein Uefa-Cup-Ticket für YB geht, noch ein letztes Mal auf die Treffsicherheit und die unwiderstehlichen Haken des 103-fachen Nationalspielers. Auch Chapuisat spricht vom Spiel gegen Schaffhausen, von der Bedeutung für YB, in der nächsten Saison international vertreten zu sein. Und danach? Im Nachwuchsbereich zu trainieren, könnte er sich vorstellen, doch festgelegt hat er sich noch nicht. Vielleicht sucht er doch noch eine letzte Herausforderung im Nahen Osten, weil die Liebe zum Fussball auch nach 18 Profijahren nicht erloschen ist.

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 Beitrag Verfasst: Sonntag 29. Mai 2005, 23:00 
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DANKE CHAPPI

Bisch ä geile Siech !


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 Beitrag Verfasst: Sonntag 29. Mai 2005, 23:23 
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NZZ, 29.9.2005

Einmal ist der letzte Haken geschlagen
Stéphane Chapuisats Dernière mit YB


Von Peter B. Birrer

Zu den besten Zeiten musste der Fussballer Gabriel Omar Batistuta für seinen Ruf gar nichts tun. Ein Blick auf die Serie-A-Statistik genügte, um zu sehen: Der ist nicht gut, sondern sehr gut. Batistuta schoss Tore, viele Tore, immer, überall und jedes Jahr. Auch für Stéphane Chapuisat sprechen die Zahlen: 40 Tore für Lausanne-Sports, über 100 in der Bundesliga für Borussia Dortmund, fast 50 für den GC, über 50 für YB. Die Kontinuität frappiert, sie erstickt Gegenargumente im Ansatz.

Dass der Romand Qualitäten hat, bedarf keiner Abhandlung. Warum dem so ist, schon eher. Denn Chapuisat ist nicht schnell, nicht mit Dutzenden von Tricks gesegnet, kein Blender, kein flinker Fussball-Ästhet, kein wuchtiger Kopfball-Spieler, kein eloquenter Medienstar. Trotzdem urteilt der Trainer Ottmar Hitzfeld, der dem Spieler so viel zu verdanken hat wie der Spieler ihm, ohne Zögern: «Er ist Weltklasse.»

Das bestätigen die Verteidiger, die mit ihm oder gegen ihn gespielt haben: Jürgen Kohler, früher Dortmund, Thomas Helmer, früher Bayern München, Stefan Wolf, Abwehrchef in St. Gallen, Urs Fischer, langjähriger FCZ-Abwehrchef, und der YB-Captain Mark Disler.

In Fussball-Europa bekannt ist der zwar einfache, aber umso effizientere «Chapuisat-Haken», den er 10 000-mal angewandt hat. «Er zieht den Gegenspieler auf den linken Fuss, täuscht an, klemmt ab, täuscht - und irgendwann zieht er rechts vorbei, immer wieder», erinnert sich der langjährige Mitspieler Kohler. Die Aussenansicht sagt, dass es nicht so schwer sein kann, das zu unterbinden. Die Innenansicht ist anders. «Ich stellte mich darauf ein», sagt Fischer, «doch ich weiss nie, wann er ihn macht.» Für Wolf war klar, «ja nicht zu Boden zu gehen, weil er sonst vorbei ist». Disler hatte sich vor Trainings vorgenommen, nicht mehr auf den Haken hereinzufallen - vergeblich: «Ich falle heute noch darauf herein.»

Chapuisat sitzt drei Tage vor seinem finalen (YB-)Spiel auf dem Trainingsgelände in Schönbühl. Der Haken wird zum Thema, weil alle früher oder später davon reden. Chapuisat lächelt. Schon als Junior sei er linker Flügel gewesen, da er habe er ihn, den Haken, gelernt und später entwickelt, «ohne zu überlegen». Können Sie den Trick schildern? «Ich täusche einen Schuss oder eine Flanke an - stattdessen gehe ich rechts weg.» Nichts einfacher als das. (Nicht so schnell) laufen, irgendwann die Richtung ändern - und weg. Umberto Barberis, der erste Chapuisat-Trainer, sagt: «Zidane hat 50 Tricks. Chapuisat 3 oder vielleicht 4 - aber die beherrscht er in Perfektion.» Thomas Helmer ergänzt: «Er war nicht schnell. Aber kein Stürmer versteht es zum Beispiel besser, dem Gegner den Ball durch die Beine zu spielen.»

Eigene Stilstudien wert sind auch die Laufwege des Stürmers. Wie er sich auch im späten Fussballer-Alter bewegt, wie er antizipiert, spekuliert, wie er sich scheinbar herumdrückt, wie er sich auf die Intuition verlässt, wie er aus wenig viel macht. «Den Gegner in Sicherheit wiegen, ihn einlullen - und eiskalt zuschlagen», heisst das in Kohlers Terminologie. Als Wolf die Ausführungen beendet, lässt er den Ausdruck «huere eklig» folgen. Will heissen: «Andere Stürmer laufen steil, er nicht. Das Spiel hast du vor dir, ihn im Rücken. Oft ist er fast abseits, immer an der Grenze, es geht um einen halben Meter. Er verunsichert. Das ist nicht lernbar, das hast du einfach.» Auch hier. Chapuisat lächelt. Können Sie das Verhalten erklären? «Das ist schwierig zu sagen», entgegnet er, «ich löse mich von den Verteidigern, indem sie mich nicht sehen.» So einfach ist das.

Einzigartig ist auch, wie der Stürmer in der ihm eigenen Art den Ball abschirmt, wie er sich wehrt - mit dem Rücken zum Tor und mit den Händen am Gegner. Der Körper ist gebeugt, Chapuisat dreht sich, spitzelt den Ball im richtigen Moment am Gegner vorbei, wird gefoult. «Ball halten» ist vor allem in Top-Spielen gefragt. Nationaltrainer Köbi Kuhn schildert die Spielweise so: «Er ist immer anspielbar und führt den Ball ‹unter› dem Körper.»

Wer sich während eines Jahrzehnts als Stürmer auf allen Plätzen in Europa behauptet, ist kein Kind von Traurigkeit. Chapuisat, die personifizierte Unschuld? Die NZZ schrieb einmal, dass Chapuisat auf eine «liebevolle Art gelangweilt» wirke. «Ja, ja», sagt Barberis, man solle sich nicht täuschen. Obschon Chapuisats Haltung, das verlegene Lächeln, der Blick und die Zahnlücke Unschuld suggerieren, ist das nicht alles. «Er kennt die Mätzchen.» (Wolf); er weiss, «wann und wie er sich fallen lassen muss» (Fischer); er wisse sich zu wehren, sei mit allen Wassern gewaschen (Kohler). Er hält den Gegner «unsichtbar» am Trikot zurück, er schubst, wie das alle tun; er schimpft den Gegenspieler «Dreck-Jugo» und stellt sich gleichzeitig einer Antirassismus-Kampagne zur Verfügung; er nahm (auch) desinteressiert und borstig Gesprächstermine wahr, als seien das ungeliebte Pflichtübungen.

Jetzt geht der beste Schweizer Fussballer der letzten 15 Jahre in Pension. In unseren Breitengraden wird man ihn nicht mehr sehen. Sagt er zumindest. «Ich habe das Privileg, aufzuhören, wann ich das bestimme. Zudem kann ich weiterhin ohne Beschwerden Sport treiben.» Er war dreimal am Knie schwerer verletzt, fiel neun, sechs und drei Monate aus. Die Trainer heben hervor, dass der Schweizer auch vor Top-Spielen ruhig geblieben sei. «Ich habe es geschafft, zu denken: Das ist nur ein Spiel», sagt Chapuisat. In den Medien hat er kaum Sprüche geklopft. Er sei langweilig, repetitiv, sage «nichts», heisst es. Er war kein Liebkind der Boulevardzeitungen. Aber auch hier drückte die Schlauheit durch. Wenn der Trainer ihn nicht einsetzte, erfuhr das die Welt schnell. Nicht nur wegen des Mediums.

«Schwierig zu sagen» ist ein wiederholter Chapuisat-Ausdruck, wenn's um seinen Karrieren-Rückblick geht. Irgendwann sagt er: «Fussball ist deshalb interessant, weil man nie weiss, wie es kommen wird.» So hat er gespielt.


Chapuisat in Kürze
Jahrgang: 1969. Klubs: Red Star, Malley, Lausanne-Sports. Uerdingen, Dortmund, GC, YB. Meistertitel: 1995, 1996 mit Dortmund. 2001 mit GC. Uefa-Cup-Final: 1993 gegen Juventus. Champions-League-Sieg: 1997 mit Dortmund gegen Juventus. Endrunden: WM 1994, Euro 1996, 2004. Torschütze: Hinter Elber mit 106 Toren zweitbester ausländischer Bundesliga-Torschütze. Wichtigstes Tor: «1:0 in der Verlängerung (109. Min.) des Champions- League-Viertelfinals gegen Bayern 1998».

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 Beitrag Verfasst: Dienstag 31. Mai 2005, 07:42 
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BZ, 31.5.2005

Der erste Tag im neuen Leben

Seit gestern ist der Fussballer Stéphane Chapuisat Vergangenheit. Oder? Ein Blick zurück und in die Zukunft – am Tag nach dem rauschenden Abschied im Berner Neufeldstadion. Zu Besuch bei Chapuisat in Murten.

Bild
Stéphane Chapuisat und seine Team-Leibchen / Andreas Blatter

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Chappis exklusive Auswahl (31.5.2005)
Trüb ist das Wetter in Murten. Es regnet leicht, und unten, an der herrlichen Seepromenade, hats nur wenige Spaziergänger mit ihren Hunden. Beschaulich ists, als Stéphane Chapuisat an diesem Montagmorgen aus seinem Mercedes aussteigt, die Augen noch ein wenig klein. «Es ist spät geworden gestern», sagt der bald 36-Jährige lachend. Gestern – das war am Sonntag, der Abend nach Chappis emotionalem Abschied im Neufeldstadion beim 4:1 gegen Schaffhausen. «Das YB-Mannschaftsessen auf dem Gurten war witzig», sagt Chapuisat, «und einige Spieler sind später noch in die Stadt in eine Bar gegangen.» Chappi war dabei. Er wird in Zukunft mehr Zeit für solche Ausflüge haben. Seine famose Laufbahn als aktiver Fussballer ist vorbei. Oder? Der Altmeister sitzt im Restaurant des ehemaligen Wankdorf-Stadionbeizers Daniel von Känel – und nimmt Stellung zu zahlreichen Stichwörtern.


Ferien. «Ja, jetzt habe ich Ferien. Wobei, ich wohne ja in Muntelier, und in dieser wunderschönen Region rund um Murten fühlt man sich eigentlich immer wie in den Ferien.»

Glückwünsche. «Ich habe in den letzten Tagen zahlreiche SMS, Briefe und Anrufe erhalten. Der Abschied im Neufeld war perfekt, ich werde das nie mehr vergessen. Viele Kollegen von mir waren im Stadion. Unglaublich war das Medieninteresse, ich habe unzählige Interviews gegeben. Es freut mich, dass meine Karriere so umfassend gewürdigt wird.»

YB. «Ich hätte ja eigentlich schon im letzten Sommer aufhören wollen. Aber wir haben bei YB einen derart guten Teamgeist, deshalb habe ich mich entschieden, noch eine Saison dranzuhängen. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.»

Karriereende. «Derzeit ist offen, ob ich noch weiterspiele. Es gibt Kontakte nach Katar, und ich wäre nicht abgeneigt, noch eine Saison dort zu spielen. Das ist eine neue Erfahrung für mich. Auch die USA würden mich reizen, ich könnte dort – wie auch in Katar – mein Englisch verbessern. Ich werde die Angebote mit meiner Familie in aller Ruhe prüfen. In rund zehn Tagen werde ich mich mit Vertretern aus Katar treffen. Übrigens hätte ich längst unterschreiben können, wenn Ottmar Hitzfeld das Angebot angenommen hätte, in Katar Trainer zu werden. Klar war für mich, dass ich in der Schweiz nicht mehr weiterspiele, das waren falsche Spekulationen gewisser Medien.»

Abschiedsspiel. «Es ist schade, dass es in Bern nicht geklappt hat. Aber ich denke, ich werde schon noch eine Partie austragen. Vielleicht in Zürich. Es hängt davon ab, ob ich im Ausland weiterspiele. Das Gleiche gilt für mein Buchprojekt, welches bildlastig sein sollte. Es sind Ideen vorhanden, jetzt habe ich endlich Zeit, diese zu konkretisieren.»

Zukunft. «Ich habe noch keine Pläne über meine berufliche Zukunft gemacht. Es gab da diese Abmachung mit YB über einen Anschlussvertrag. Die habe ich allerdings mit dem damaligen Sportchef Fredy Bickel getroffen – er ist leider nicht mehr in Bern. Deshalb hat sich das erledigt.»

Trainer. «Das ist eine Option für mich. Ich werde so schnell wie möglich das C- und das B-Diplom machen. Ich würde gerne mit Jungen zusammenarbeiten oder spezifisches Stürmertraining machen.»

Zukunft von YB. «Ich bin gespannt, ob das Wankdorf gefüllt wird. Es braucht noch Verstärkungen. Ein Hakan Yakin wäre sicher schön für YB. Aber ob er bereit ist, auf so viel Geld zu verzichten? Er hat in Stuttgart noch zwei Jahre einen gut dotierten Kontrakt. Ich verstehe nicht, warum Thuns Armand Deumi nicht schon lange bei YB spielt. Er ist der perfekte Innenverteidiger. Es würde mich freuen, könnte YB den FC Basel herausfordern.»


Chapuisat sitzt vor seinem Kaffee. Offen wie selten äussert er sich. Die Karriere als Spitzenfussballer ist zu Ende – man spürt, dass der ehemalige Weltklassespieler darüber froh ist. «Ich habe im richtigen Moment aufgehört, konnte selber über meinen Rücktritt bestimmen. Das ist mir wichtig. Ich wollte mir meinen Ruf nicht zerstören.» Chapuisat blickt zurück auf die letzten zwanzig Jahre: auf die Anfänge in Malley, wo er ungeduldig gewesen ist; auf die Zeit als «petit prince» in Lausanne, wo sein Stern am Fussballhimmel hochschoss, und wo er heute noch viele Freunde besitzt; auf den Wechsel nach Deutschland, er dankt Felix Magath, dem damaligen Trainer Bayer Uerdingens, der ihn in die Bundesliga holte; auf den Karrieresprung zu Borussia Dortmund, wo er die schönsten und erfolgreichsten Jahre erlebte; auf die Rückkehr in die Schweiz, zu GC, wo er wie überall viele Tore schoss und bewies, dass er noch nicht ausgebrannt war; und natürlich auf YB, wo es dem früheren Weltstar gut gefallen hat. «Ich bin sehr glücklich über den Verlauf meiner Karriere, auch über die Erfolge mit dem Nationalteam.»


Stéphane Chapuisat hat die Trikots all seiner Vereine mitgenommen («nur jenes von Malley habe ich im Keller nicht mehr gefunden»). Und er erzählt von den Kisten voller getauschter Shirts, die er ebenfalls im Keller hat. Vom Champions-League-Final 1997 hat Chappi übrigens ein Leibchen von Juves Angelo Di Livio.

Beim Abschied wirkt Chapuisat zufrieden. Noch haben ihn keine Entzugserscheinungen heimgesucht, weil er nie mehr mit dem Auto nach Bern zum Training fahren wird. Nun fährt er zurück ins grosszügige Haus, direkt am Seeufer. An diesem Morgen beginnt nach zwei Jahrzehnten ein neues Zeitalter. Auch wenn der Vollblutstürmer noch eine verdiente Ehrenrunde im Ausland drehen dürfte.

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