|
«YB braucht jetzt Topspieler»
Marcel Hottiger hat mit den Young Boys grosse Ziele. Im Interview spricht der neue YB-Sportchef über die Herausforderung in Bern, das neue Stadion, den Rivalen FC Basel, seine Ambitionen – und über neue Spieler.
Marcel Hottiger, holt man Informationen über Sie ein, heisst es, Sie seien ein Fussballbesessener, der jeden Tag an einem Spiel sei und alles über Fussball wisse …
Marcel Hottiger: (lacht) … das ist nicht ganz richtig. Manchmal leite ich auch ein Training …
Weil Sie als Trainer Concordia Basels ins YB-Sportchefamt wechseln, müssen Sie das in Zukunft nicht mehr tun. Haben Sie Respekt vor der Aufgabe in Bern?
Natürlich. Respekt ist immer ein guter Ratgeber. Der Aufstieg von einem kleinen Challenge-League-Verein zu einem der grössten Fussballklubs in der Schweiz ist eine gewaltige Herausforderung. YB wird in den nächsten Jahren zu den besten Vereinen in der Schweiz zählen.
Warum sind Sie da so sicher?
In erster Linie wegen dem neuen Stadion, das eröffnet uns neue Möglichkeiten. Ich bin überzeugt, dass wir vor wunderbaren Zeiten stehen.
YB ist eine Topadresse. Deshalb haben wir eine komfortable Situation. Die Spieler wissen, dass die Löhne pünktlich kommen. Wir versprechen nichts, was wir nicht halten können. Auf dem Transfermarkt werden in diesem Sommer Hunderte von Spielern sein. Es ist nun meine Aufgabe, zusammen mit Trainer Hans-Peter Zaugg die richtigen auszuwählen.
In Bern ist aber die Defensivstrategie der Young Boys vielen ein Ärgernis. Gute Fussballer sind nicht billig – und mittelmässige Challenge-League-Kicker will im Wankdorf niemand sehen.
Das ist korrekt. Ich habe in den Gesprächen mit Peter Jauch (Geschäftsführer Stade de Suisse, die Red.) und YB-Präsident Peter Mast gemerkt, dass allen klar ist: nur echte Verstärkungen bringen uns weiter. YB hat bereits ein gutes Team. Will man einen Schritt nach oben gehen, braucht es nun Topspieler.
Denken Sie an Nationalspieler wie Christoph Spycher, Hakan Yakin, Johan Vonlanthen oder Armand Deumi – und nicht an einen Akteur wie Luzerns Pascal Castillo?
Auch das ist richtig. Ohne jetzt auf Namen einzugehen.
Warum nicht? Man hört, dass YB an Vonlanthen stark interessiert sei. Und Spycher sowie Deumi gelten wie Mario Raimondi als Wunschspieler von Zaugg.
Ich habe meinen Job hier bei YB gerade angefangen. Und auch wenn ich mit Zaugg ausführlich über mögliche Transfers gesprochen habe, ist es für mich noch zu früh, um darüber in der Öffentlichkeit zu spekulieren. Ich darf aber wiederholen: Wir werden starke Spieler wie Mario Raimondi holen. Ich bin froh, dass dieser Transfer geklappt hat.
Wie würden Sie Ihre Philosophie beschreiben, mit der Sie YB an die Spitze führen wollen?
Sie ist mit jener von Hans-Peter Zaugg deckungsgleich. Ich will einen frischen und erfolgreichen Offensivfussball von YB sehen. Mit möglichst vielen jungen Spielern im Kader.
Also sind auch Spieler der sehr talentierten Schweizer Jahrgänge 1985 und 1986 ein Thema?
Natürlich. Wir brauchen jetzt ein wenig Zeit. Ich hoffe, dass wir diese erhalten. Ich komme in ein unbekanntes Umfeld, und ich muss mir zuerst über alles ein Bild verschaffen. Wichtig ist, dass ich mich mit Peter Jauch, Peter Mast und Hans-Peter Zaugg gut verstehe. Das ist eine funktionierende Einheit, die mir vieles erleichtern wird.
Das sind schöne Worte. Doch auch Sie werden am Erfolg gemessen. Fehlt er, heisst es bald, der Hottiger sei eine Fehlbesetzung und habe den Job nur erhalten, weil er ein Kollege von Peter Jauch aus Basler Zeiten sei.
Das bin ich mir bewusst. Ich denke aber, dass ich mithelfen kann, YB weiterzubringen. Und wenn einige das Gefühl haben, das sei eine Nummer zu gross für mich, dann darf ich sagen, dass ich auch beim FC Basel einige Jahre in diversen Funktionen mitgearbeitet habe. Übrigens auch in der Übergangszeit, als das neue Stadion gebaut wurde.
Bis wann soll YB den FC Basel überholt haben und die Nummer 1 in der Schweiz sein?
Basel wird in den nächsten eineinhalb Jahren uneinholbar sein. Der FCB hat einen riesigen Vorsprung auf uns, das kann man nicht von heute auf morgen aufholen. Mittelfristig wollen wir bei YB aber um den Titel mitspielen, eine andere Zielsetzung wäre mit diesem Stadion auch nicht vertretbar.
Vorwärtsstrategie bei YB
Marcel Hottiger wird bis Ende Woche bei Concordia Basel noch «sauber die Arbeit zu Ende führen» – und parallel auch bereits für YB im Einsatz stehen. Der 53-Jährige hat in der Region Basel während rund 25 Jahren für diverse kleinere Vereine als Trainer gearbeitet. Zuletzt war er beim FC Basel Sportchef, Nachwuchschef und Trainer der U21, ehe er als Coach zu Concordia Basel in die Challenge League wechselte. Der Basler gilt als grosser Kenner der Schweizer Fussballszene und als akribischer Arbeiter.
In all den Jahren habe er viele Kontakte pflegen können, sagt Hottiger, der als Mitentdecker der einstigen Basler Talente Oumar Kondé, Marco Streller und Benjamin Huggel gilt. Hottiger will bei YB «eine Vorwärtsstrategie» einschlagen.
Marcel Hottiger lebt in einer Beziehung ohne Kinder und wohnt in Solothurn, will aber bald in die Nähe von Bern zügeln. Er möchte ein Hauptaugenmerk auf den YB-Nachwuchs legen und auch bei der Suche nach einem neuen U21-Trainer mitarbeiten.fdr
Quelle: BernerZeitung, 06.04.05
----------------------------------------------------
«YB muss die klare Nummer 2 werden»
Der neue Sportchef der Young Boys, Marcel Hottiger, verfolgt ehrgeizige Ziele
Gestern wurde es offiziell: Der 53-jährige Basler Marcel Hottiger, bisher Trainer bei Concordia, wird mit einem Zweijahresvertrag neuer Sportchef bei YB und damit Nachfolger von Reto Gertschen.
BUND: Warum werden Sie Sportchef bei YB?
Marcel Hottiger: Es gibt im Schweizer Sport zurzeit kaum eine reizvollere Aufgabe. In Bern wird nicht nur ein neues Stadion eröffnet, sondern damit im Bereich Fussball einiges bewegt – das ist eine Riesenchance für YB.
Dieses YB hält sich zwar wacker meist im vorderen Teil der Rangliste – aber reicht das, um das Stade de Suisse zu füllen?
Dank dem neuen Stadion wird in Bern eine Fussball-Euphorie entstehen, davon bin ich überzeugt. Das war auch in Basel vor ein paar Jahren so – ich habe damals beim FCB aktiv mitgearbeitet und gesehen, was dank der Begeisterung im Volk alles möglich wird. In Bern dürfte das kaum anders sein.
In Basel gibt es keine namhafte Konkurrenz durch die Sportart Eishockey . . .
Das Wort Konkurrenz ist falsch. Es muss zwischen Eishockey und Fussball ein Miteinander geben – denn die Fans sind weitgehend die gleichen. Basel und Bern haben ein ähnliches Hinterland an begeisterungsfähigem Sportpublikum.
Ein anderer Einwand: YB ist nicht der FC Basel, man muss aus finanziellen Gründen kleinere Brötchen backen.
Ja, aber beim FCB konnte man damals beim Umzug ins neue Stadion auch nicht mit einem Riesenbudget operieren. Die Entwicklung hat dann erst stattgefunden. Solches geht nicht von heute auf morgen.
Was ist bei den Young Boys kurzfristig möglich?
Einiges – das hat Zauggs Mannschaft ja schon mehrmals bewiesen. Für mich wird es nun zuerst einmal darum gehen, die Spieler und deren Qualitäten noch besser kennen zu lernen – und dann müssen wir schauen, was auf die nächste Saison hin zu unternehmen ist. Ich werde bestimmt die Meinung meines Vorgängers Reto Gertschen, den ich von vielen Trainer- und Instruktorenlehrgängen sehr gut kenne und dessen fussballerischen Sachverstand ich hoch einschätze, einholen. Es ist keineswegs so, dass ich bei YB einen Scherbenhaufen vorfinde. Das Gegenteil ist der Fall – aber jeder weiss, dass wir im Sommer einen Schritt weiter kommen müssen und wollen.
Und was können Sie dafür tun?
Es wird darum gehen, die zur Verfügung stehenden Mittel zur Verstärkung des Kaders auf optimale Weise einzusetzen. Ich kann dafür garantieren, dass dies auch geschehen wird. Es ist nicht meine Absicht, irgendwelche Spieler ungezielt zu YB zu holen: Wenn wir jemanden holen – sei es aus einem Nachbarland, der Super League oder der Challenge League – müssen wir von diesem Spieler auch überzeugt sein.
Müsste man diese Transferaktivitäten nicht längst schon eingeleitet haben?
Einiges ist ja schon eingeleitet, bzw. vorbesprochen. Aber es ist nicht so, dass wir heute oder morgen alles in der Schublade haben müssen. Panik ist nicht am Platz, denn der Markt ist viel grösser als man denkt; er ist riesengross. Es gibt viele junge und talentierte Spieler, die auf ihre Chance warten. Sicherlich werden wir uns nicht auf den Ersatzbänken der anderen Schweizer Spitzenklubs bedienen.
Gibt es eine sportliche Zielsetzung, die Sie erreichen müssen?
Nein, so ist das nicht formuliert worden. Es ist eher so, dass bei YB alle das Gleiche wollen und das heisst: Wir wollen so weit wie möglich vorne mitmischen. Es ist vorerst illusorisch, die Position des FC Basel anzutasten, aber die Young Boys müssen die klare Nummer 2 der Schweiz werden. Dieses Ziel zu erreichen, ist im Übrigen nicht eine Frage des dicken Portemonnaies.
Sondern?
Auf die richtige Mischung kommt es an – da gibt es eine hundertprozentige Übereinstimmung mit Trainer Zaugg. In dieser Beziehung hat YB der Konkurrenz in den letzten Jahren schon etwas vorgemacht. Mit dem neuen Stadion wird noch mehr möglich.
Und wann nehmen Sie Ihre Arbeit beim BSC Young Boys auf?
So schnell es geht – aber eigentlich schon sofort. Als Trainer von Concordia liegt es mir aber daran, dass ich mich in Basel in allem Anstand und mit aufgearbeiteten Dossiers verabschiede. So gesehen, bin ich wohl erst in zehn Tagen am ersten YB-Match.
Quelle: DerBund, 06.04.05
|