29.03.2014

Zitat:
In Schieflage
Die kriselnden Young Boys treten heute in Aarau an. Dort feierten sie im August 2013 einen 4:0-Sieg. Seither sind die Berner nur das achtbeste Team der Liga.
In 231 Tagen kann viel passieren. Der 10.August 2013 war ein wunderbarer Sommertag, YB siegte in Aarau mit «Paukenschlägen und Traumtoren» (Berner Zeitung) 4:0 und führte die Rangliste nach dem fünften Erfolg in der 5.Runde deutlich an. Einen Tag später wurde YB-Coach Uli Forte für seine Erfolge bei GC in der Saison zuvor (Cupsieger, Rang zwei knapp hinter Basel) als «Trainer des Jahres» geehrt – und Serienmeister Basel verlor zu Hause gegen Zürich 1:2 und lag damit bereits 7 Punkte hinter den Young Boys. FCB-Goalie Yann Sommer sprach genervt: «Der Abstand zu YB ist mir Wurst.»
Der rasante Niedergang
Das alles ist 21 Super-League-Spieltage her, die Entwicklung der Young Boys in den letzten 231 Tagen ist besorgniserregend. In einer Tabelle seit dieser 5.Runde belegt YB Rang 8 (siehe Kasten unten). Das ist eine miese Bilanz für einen Verein mit hohen Ambitionen, Millioneninvestitionen und mit der zweitteursten Belegschaft der Liga. Seit den Berner Festspielen in Aarau hat YB mehr verloren als gewonnen, wobei die Talfahrt äusserst unglücklich begann. Am 6.Spieltag empfingen die Berner GC, die Euphorie in Fussballbern war gross und das Stade de Suisse prächtig gefüllt. Vor über 25000 Zuschauern unterlagen die Young Boys 1:2, obwohl sie stark gespielt hatten und das bessere Team gewesen waren.
Milan Vilotic, mittlerweile bei YB engagiert, sowie Caio hatten Ende August 2013 die Tore für GC erzielt. Und Caio war es auch, der am letzten Sonntag mit seinem Kopftor zum 1:0 für die Grasshoppers die brutale 0:4-Niederlage der Young Boys einleitete. Danach tobten die Berner Vertreter, sie kritisierten den Schiedsrichter heftig. Das belegte eindrücklich, unter welchem Druck YB steht. Verein und Team sind – mal wieder – in Schieflage, die Unruhe ist spürbar, auch der amtierende «Trainer des Jahres» hat die Verlierermentalität noch nicht aus dem Stadion vertreiben können. «Wir haben am letzten Sonntag nach der bitteren Niederlage gegen GC etwas überreagiert», sagt Uli Forte am Freitagmittag. «Aber grundsätzlich finde ich immer noch, dass der Schiedsrichter nicht seinen besten Tag erwischt hat. Und wir werden unsere Meinung weiter vertreten, aber mit Anstand.»
Die Young Boys fühlen sich ja – nicht einmal zu Unrecht – gegenüber Basel latent ein bisschen im Nachteil. Das ist auch an dieser Stelle thematisiert worden. Und nachdem die Berner im Februar in Basel mal wieder nach mehreren Fehlentscheidungen der Referees 2:3 verloren hatten, schworen sich die YB-Verantwortlichen, nicht mehr so nett zu sein. «Wir wollen uns mehr wehren», sagt Forte am Freitag erneut. Zu dieser Strategie gehört es, mehr Einfluss zu nehmen auf Schiedsrichter und Liga.
Noch 30 Punkte zu vergeben
In erster Linie aber müssen sich die Young Boys nach teilweise sehr schwachen Vorstellungen mit mehreren Platzverweisen auf dem Rasen wieder steigern. YB liegt immer noch auf Rang 3, erhielt aber zuletzt viele Gegentore und wirkte in der Vorwärtsbewegung zu berechenbar. «Wir können es besser», sagt Forte, «und das werden wir beweisen.» Noch seien 10 Runden zu absolvieren und 30 Punkte zu vergeben.
Nach einer intensiven Arbeitswoche mit zahlreichen Besprechungen will YB am Samstag den Weg zurück in die Erfolgsspur finden. Im Sommer 2013 legten die Berner ihre Siegesserie jedoch nahezu ohne personelle Veränderungen hin. Jetzt gibt es keine Stammelf, aber viele Langzeitverletzte und Angeschlagene, zudem regelmässig Sperren und Änderungen in der Aufstellung.
Heute treten die Young Boys nach 231 Tagen zum zweiten Mal in dieser Saison in Aarau an. Diesmal stecken sie in der tiefen Krise. Immerhin: Am Tag vor Beginn der Sommerzeit ist wunderbares Wetter angekündigt.
Aarau - YB: Costanzo wieder dabei
Martinez vorne? YB muss heute in Aarau auf 7 gesperrte und verletzte Akteure verzichten. Mit Alexander Gerndt und Michael Frey fehlen die zwei stärksten Stürmer, Josef Martinez wird im 4-2-3-1-System wohl vorne agieren. Moreno Costanzo kehrt im Mittelfeld nach Sperre zurück. Forte ist überzeugt, dass die Defensive besser stehen wird als zuletzt: «Milan Vilotic trainiert stark. Und ich bin sehr froh, steht uns Christoph Spycher wieder zur Verfügung.»
So könnte YB spielen: Mvogo; Sutter, Vilotic, von Bergen, Spycher; Costanzo, Gajic; Zarate, Kubo, Nuzzolo; Martinez. – Ohne Frey, Steffen (gesperrt), Wölfli, Bürki, Doubai, Simpson und Gerndt (alle verletzt). – Wüthrich und Bertone sind fraglich.
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