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 Beitrag Verfasst: Montag 16. April 2012, 10:36 
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16.04.2012

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Die Noten zum Spiel YB gegen GC (14. April 2012)

Raúl Bobadilla überzeugte gegen GC, andere YB-Spieler waren schwach.

Marco Wölfli: Note 4
Zwei sehr starke Paraden, meistens sicher. Aber beim ersten Gegentor (Weitschuss von Daniël de Ridder) sieht er schlecht aus.

Elsad Zverotic: Note 3,5
Relativ solid, nach vorne aber erneut ohne viel Einfluss.

Dusan Veskovac: Note 3,5
Zwei grobe Aussetzer vor der Pause. Oft zweikampfstark, doch insgesamt mit zu vielen Fehlern, auch im Stellungsspiel.

Michael Silberbauer: Note 2,5
Durfte diesmal in der Innenverteidigung spielen, weil Alain Nef gesperrt fehlte. Überzeugte nach gutem Start auch auf dieser Position nicht. Wurde mehrmals überlaufen, zudem mit Fehlpässen und Ballverlusten.

Jan Lecjaks: Note 4,5
Ersetzte den verletzten Christoph Spycher hinten links – und zeigte viele erfreuliche Ansätze. Dynamisch, selbstbewusst und kräftig im Spiel nach vorne, diesmal aber waren die Flanken nicht immer gut. Zudem war YB auf der (nach vorne auffälligen) linken Seite deutlich anfälliger.

Matias Vitkieviez: Note 3
Eifrig, aber ihm gelang rechts im Mittelfeld fast nichts.

Pascal Doubaï: Note 4
Bemüht und robust, mit guten Szenen. Doch der junge Ivorer gönnte sich im zentralen Aufbau immer wieder Auszeiten – und leistete sich auch einige Fehler.

Alexander Farnerud: Note 4
Der Schwede ist weiter nicht in Bestform. Sicher im Passspiel, doch es gelang ihm nicht, prägend ins Aufbauspiel der Young Boys einzugreifen.

Moreno Costanzo: Note 4,5
Spielte links im Mittelfeld, aber es zog den Spielmacher immer wieder ins Zentrum. Starker Beginn, holte den Freistoss vor dem 1:0 heraus – und schlug den Eckball vor dem 2:1. Costanzo baute jedoch stark ab und steigerte sich auch nicht, als er in der Schlussphase im neu formierten 4-2-3-1-System im Zentrum agierte. Vergab das 3:1 aus wenigen Metern.

Josef Martinez: Note 2,5
Erhielt erneut eine Chance in der Startformation. Doch der junge Venezolaner war in der Offensive kein Faktor und enttäuschte wie in den letzten Wochen stark.

Raúl Bobadilla: Note 5,5
Der herausragende Spieler auf dem Rasen. Stark im Zweikampf, schoss ein herrliches Freistosstor und einen weiteren Treffer. Bobadilla war kaum zu bremsen. Die Bestnote hätte er sich verdient, wenn er eine der drei weiteren Topchancen verwertet hätte.

Josh Simpson: Note 3,5
Kam nach 57 Minuten für Martinez. Der Kanadier war fleissig, gab einen guten Pass auf Costanzo, insgesamt aber unglücklich, mit zu wenig Präsenz.

David Degen: Note 3
Kam nach 73 Minuten für Vitkieviez. Ohne nennenswerte Aktionen, kam nicht in die Partie.

Raphael Nuzzolo (82. Minute für Costanzo) war zu kurz im Einsatz, um benotet zu werden.

6 = herausragend; 5 = gut; 4 = solid; 3 = ungenügend; 2 = schlecht; 1 = sehr schlecht.


http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/26627046

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 Beitrag Verfasst: Montag 16. April 2012, 10:43 
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16.04.2012

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Rascher Abgang von Gross, versöhnlicher Abschied für Sforza

Im Regenspiel YB - GC treffen mit Christian Gross und Ciriaco Sforza zwei schillernde Trainerfiguren aufeinander – die gerade sehr schwere Zeiten durchleben.

Zwei Männer stehen im Regen. In sich gekehrt, die Arme verschränkt der eine; lebendig, mit höherer Schrittkadenz, mit einer Geste hier und einem Zeichen da der andere. Das trübe Wetter dient am Samstagabend als Sinnbild vor der Partie YB - GC, die nicht nur zwei Vereine in der Krise, sondern auch zwei unterschiedliche Trainerfiguren zusammenführt.

Christian Gross und Ciriaco Sforza zeigen sich im pünktlich zu Spielbeginn einsetzenden Regen wetterfest und verlassen ihren Platz ganz vorne an der Coachingzone in den ersten 45 Minuten nie. Die Partie beginnt mitreissend, entsprechend laut ist Gross’ Stimme zu vernehmen, entsprechend hektisch gestikuliert Sforza. YB führt bald 1:0, präsentiert sich wie die Trainer engagiert, stürmisch, in den Startminuten «sogar einen Tick zu offensiv», wie Gross später sagen wird. Sportlich lief es beiden Trainern zuletzt gar nicht rund. Die Jobsituation der Fussballlehrer aber könnte unterschiedlicher nicht sein. Nachdem sein Trainerstuhl ständig gewackelt hatte, ist Sforza unterdessen, wie es offiziell heisst, aus freien Stücken, davon aufgestanden (in Wahrheit aber zum Rücktritt gedrängt worden); in Bern dagegen kämpft Gross verbissen um seine Arbeitsstelle.

Am Samstag läuft die 38.Minute, als YB-Goalie Marco Wölfli den Schuss Daniël de Ridders zum 1:1 passieren lässt. Sforzas junges Team, mit ebenso wenig Erfahrung wie Furcht, hat sich zurückgekämpft. «Der Einsatz meiner Spieler war», sagt Sforza in seiner Analyse, «läuferisch und leidenschaftlich so, wie ich es mir gewohnt bin.» In seiner letzten Partie als GC-Coach äussert der Aargauer diese Worte ohne Ironie, er ist bis zuletzt überzeugt, mit dem Team auf dem richtigen Weg gewesen zu sein. Im Spiel ertönt der Pausenpfiff: durchatmen, Zeit nutzen, trocknen. Sforza applaudiert kurz und heftig und gönnt sich nach dem vielen Wasser auf den Kopf einen Schluck davon aus der Flasche; Gross verschwindet rasch.

Rund eine Stunde später haben Trainer und Spieler eine intensive Begegnung hinter sich – wer die Coaches bei der Aufarbeitung des Geschehens beobachtet, ortet trotz des Remis Sieger und Verlierer. «Die Entscheidung muss in dieser Phase fallen», spricht Gross die YB-Überlegenheit in Halbzeit zwei an. Knapp fügt er an: «Bei uns war aber Dynamik vorhanden.» Wie einen Sieg bewertet hingegen Sforza das 2:2. «Das war beiderseits ein gutes Niveau», ist einer seiner versöhnlichen Sätze, und zu seinem Abschied meint Sforza: «Wehmut verspüre ich nicht, ich bin mit mir zufrieden und gehe auch so von hier weg.» Heute dürfte Sforzas Nachfolger Uli Forte vorgestellt werden.

Während Gross nach dem Schlusspfiff innert 20 Sekunden die Kabine erreicht hat, sucht Sforza Kontakt zu den Fans, die ihn sogar mit einem Transparent ehren und mit ihm am Tribünenrand abklatschen. Er selbst wirkt gelöst, gefasst, zufrieden. Und derweil Gross auch nach der Pressekonferenz sofort verschwindet, weicht Sforza geschmeidig Fragen zu seiner Zukunft aus. «Jetzt fahre ich erst mal runter», sagt er irgendwann, bemüht sein x-tes Dankeschön des Abends und verlässt den Raum. Die Männer sind am Trockenen. Der eine für unbestimmte Zeit, der andere vorerst für diesen Abend.


http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/17581157

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 Beitrag Verfasst: Montag 16. April 2012, 14:44 
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15.04.2012

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Die Einladung von YB

Das 2:2 erfreute nur Ciriaco Sforza zu seinem Abschied als Trainer von GC

bern Einen Umweg brauchten die Grasshoppers nicht zu machen, als die 88. Minute anbrach, dafür war die Einladung ihres Gegners zu offensichtlich. Was die Zürcher brauchten, um zum 2:2 zu kommen, waren ein präzises Zuspiel von Fejzulahi und der Abschluss von Hajrovic, war aber auch das Entgegenkommen der sorglosen Young Boys. Den Betrieb in der Defensive hatten sie eingestellt, als könnten sie sich das leisten. Aber wer so verteidigt, braucht sich nicht zu wundern, wenn der Tag mit einer Enttäuschung endet.

Die ganze Woche über hatten sie in Bern nur von einem geredet: die Anzeichen einer Krise mit einem Sieg gegen GC aus der Welt schaffen zu wollen, nur das. «An alles andere denken wir lieber nicht», hatte CEO Ilja Kaenzig gesagt. Er spürte die wachsende Unruhe rund um YB, das mittlerweile seit 25 Jahren auf einen Titel wartet und diese Saison weit hinter den Erwartungen bleibt.

Der Trainer heisst zwar Christian Gross, aber so willkommen der 57-jährige Zürcher im letzten Sommer war, so sehr haben sich die kritischen Stimmen ihm gegenüber gemehrt. YB kam auch mit ihm nicht vom Fleck: Aus 27 Spielen resultierten lediglich 10 Siege. Es ist nicht die Bilanz eines Meisteranwärters.

Die grossen Chancen von GC vor der Pause

Im 28. Auftritt näherte sich die Mannschaft dem elften Erfolg dank Raul Bobadilla. Der argentinische Stürmer hatte mit einem wunderbaren Freistoss das 1:0 erzielt. Und mit seinem fünften Treffer seit seiner Ankunft im Winter glückte ihm gleich nach der Pause das 2:1, das YB schmeicheln musste.

GC hatte nach einer halben Stunde angefangen, Chance um Chance zu erarbeiten, es war eine bemerkenswerte Fülle. Callà, Pavlovic mit einem Lattenschuss, Toko und De Ridder, sie alle liessen beste Möglichkeiten fahrlässig aus. Der Minimallohn war De Ridders Ausgleich, begünstigt von Wölfli, der zuvor stark gehalten hatte. Der Ball sprang zwar leicht auf, aber der YB-Goalie sah trotzdem schlecht aus.

YB schaffte es, den Schaden in Grenzen zu halten, verpasste danach die Entscheidung – und erlebte seine nächste Enttäuschung. Die Leistung war gewiss kein Vergleich mit der beschämenden Vorstellung am Montag gegen Lausanne. Kaenzig sprach von einer «Reaktion» und «Pech», aber auch von «Labilität». YB scheiterte beim Versuch, zum Befreiungsschlag anzusetzen, weil die Abwehr zu viele Aussetzer hatte, weil sich gerade ein Routinier wie Silberbauer Fehler erlaubte, die Gross zu denken geben müssen.

Ein 2:2 gegen GC ist nicht das, was dem Anspruch der Berner entspricht. Gross aber fasste das keineswegs als Rückschlag auf. «Ich habe viel Positives gesehen. Das Wettkampfglück fehlte», bilanzierte er und dachte an den Lattenschuss von Farnerud in der Nachspielzeit. Das Unentschieden ändert jedenfalls nichts an der Überzeugung der YB-Verantwortlichen, mit Gross in die Zukunft zu gehen. Das Projekt abzubrechen, das kommt für Kaenzig nicht infrage: «Wir stehen erst am Anfang der Zusammenarbeit und denken bestimmt nicht an einen Wechsel.»

Sforzas Abschied nach 99 Spielen – Forte steht bereit

Die Rochade auf diesem Posten findet dafür bei GC statt. Ciriaco Sforza verabschiedete sich nach fast drei Jahren und 99 Super-League-Spielen bei den Zürchern. Am Freitag erklärte er seinen Rücktritt, zumindest ist das die offizielle Version für die Trennung. Der 42-Jährige durfte sich in Bern noch ein letztes Mal an die Seitenlinie stellen und kostete das richtig aus. Er dirigierte, als wäre die Arbeit bei GC noch lange nicht beendet, und später fand er fast überschwängliche Worte. 95 Minuten habe er ein Team gesehen, das dominant und mit Leidenschaft aufgetreten sei, «das war spielerisch und läuferisch auf sehr gutem Niveau».

Sforza verabschiedete sich mit einem 2:2, das für ihn versöhnlich sein mag. Aber für GC, das in der Nachspielzeit Hajrovic wegen versuchter Tätlichkeit verlor, hat sich die Situation damit überhaupt nicht verbessert, im Gegenteil: Lausanne liegt seit gestern nur noch einen Punkt zurück.

Den Kampf um Platz 7 führt ab morgen Montag ein neuer Trainer fort. GC-Präsident André Dosé muss nach der Absage von Murat Yakin die Ersatzvariante forcieren. Vieles deutet darauf hin, dass Uli Forte der Nachfolger Sforzas wird. Der bald 38-Jährige, gewöhnlich ein mitteilungsfreudiger Mensch, war in den letzten Tagen nicht zu erreichen. Genügend Arbeit kommt auf ihn zu: Er muss GC vor der Barrage bewahren.

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 Beitrag Verfasst: Montag 16. April 2012, 14:47 
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Erst Liebesbeweis, dann Wutausbruch!

Vulkan Bobadilla

Der Patient YB ist auf dem Weg der Besserung. Ein steiniger Weg allerdings, gespickt mit GC-Minen, in die YB immer wieder tritt. Zum Ärger von Doppel-Torschütze Raul Bobadilla!

Es scheint alles gut zu werden für die Berner. Wiedergutmachung nach der 1:3-Blamage gegen Lausanne. Noch zwei Minuten. YB führt gegen ein erstaunliches GC 2:1, als Farnerud und Veskovac den sich im Rücken der Berner Abwehr davonschleichenden Hajrovic vergessen. Der Stürmer verwertet Fejzulahis Laserpass – 2:2!

Und weil Farnerud in der Nachspielzeit bloss die Latte trifft, bleibts auch dabei. «Wir können mit diesem Punkt gut leben», sagt Roman Bürki, der Berner im GC-Tor, «auch wenn wir durchaus hätten gewinnen können.» Womit er absolut Recht hat. Und nur schon das veranschaulicht die YB-Probleme. Tore schiesst man zwar wieder. Aber die Defensive ... GC hat gestern sieben Grosschancen. Für einen Titelaspiranten ist diese Zahl bei einem Heimspiel gegen das mit Abstand schwächste Team 2012 schlicht inakzeptabel.

Wölfli: «Uns fehlt das Wettkampfglück!»

Wie drei weitere Zahlen aus der Rückrunde: Gegen Lausanne und GC holte YB von zwölf möglichen Punkten gerade mal zwei! GC errang von seinen fünf Pünktchen vier gegen YB. Und mit 13 hat YB gerade mal einen Zähler mehr gemacht als Lausanne.

«Wichtig war, dass wir anders auftreten als gegen Lausanne», bilanziert Captain Marco Wölfli. Das war der Fall. Doch eine unterirdische Leistung ist ja auch leicht zu überbieten … «Allerdings war klar, dass es nicht einfach sein würde, nach solch einem Auftritt befreit aufzuspielen», fügt Wölfli hinzu. «Zudem fehlt uns das Wettkampfglück.»

Richtig angefressen ist Doppeltorschütze Raul Bobadilla. Das 2:1 bejubelt er noch mit einem Herzgruss an seine Freundin Joy Lasic, Miss Argentinien 2009. Wenn noch Fragen zur Beziehung der beiden bestanden, so hat er diese eindrucksvoll beantwortet. Weniger romantisch der Abgang des Gauchos: Fluchend betritt er die Katakomben und lässt seinen Frust an der Garderobentür aus. Egal. Genau solche Typen braucht YB. Typen, die sich gegen lasche Auftritte wehren.

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 Beitrag Verfasst: Montag 16. April 2012, 14:49 
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2 Trainer 2 Schicksale

Sforza Versöhnung mit Fans

Gross bleibt im Regen

Ciri Sforza und Christian Gross – zwei Trainer stehen im Regen. Der Himmel weint. Schon vor dem Spiel. Das 2:2 ist ein Abschiedsgeschenk für den scheidenden GC-Trainer. YB-Gross bleibt im Regen.

Es ist 19.41 Uhr im Nieselregen zu Bern. Nach 119 Meisterschaftsspielen kommt für GC-Trainer Ciri Sforza (42) der definitive Schlusspfiff. Am Freitagmorgen hat er der Mannschaft nach der Teamsitzung eröffnet, dass nach dem Match im Stade de Suisse Schluss sein wird.

In der Fan-Kurve wird ein Transparent entrollt. «Ciao Ciri, danke für dis GC-Herz», steht in hellblauer Schrift auf weissem Grund. Die Versöhnung mit den Fans zum Schluss. Beim letzten Match, dem 0:2 am Ostersamstag gegen Sion, gabs noch «Sforza raus!»-Rufe.

Ein Spiel später geht Sforza gestern in seinem beigen, kurzen Trenchcoat Richtung GC-Fankurve. 300 sind zu seinem Abschied nach Bern gekommen. Er springt gekonnt über die Bande, lässt sich am Gitter feiern. Ein Fan hängt ihm einen GC-Schal um. Sforza bedankt sich, schüttelt Hände. Auf dem Rückweg übers Feld Richtung Garderobe schreien sie in der Kurve «Sforza, Sforza!» Er dreht sich nochmals um. Zum letzten Gruss an seine Fans. Er hebt die Hände in den Regen-Himmel, klatscht. «So eine Leistung musst du zuerst einmal bringen», sagt er zu SonntagsBlick sichtlich erleichtert, «wir müssten ja fünf oder sechs Tore schiessen.»

Szenen, die sein Gegenüber Christian Gross (57) nicht mehr mitbekommt. Der angeschossene Zürcher bei YB, der gestern nach zweimaliger Führung noch den Ausgleich hinnehmen muss, ist schon seit Minuten in den Katakomben des Stade de Suisse.

Später sagt Gross an der Medienkonferenz: «Ich habe viel Positives gesehen. Ein neu formiertes Team von YB mit viel Dynamik, das hat mir gefallen.» Und dann sagt er nach einem Handshake zu Sforza: «Machs gut, Ciri!»

Vor 19 Jahren hatten sich die beiden bei GC die Klinke in die Hand gegeben. Sforza wechselte als 23-Jähriger zum 1. FC Kaiserslautern. Wurde später mit Bayern unter anderem Champions-League-Sieger. Gross kam als unbeschriebenes Blatt als Trainer des NLB-Klubs Wil zu GC, schaffte bald darauf als erster Schweizer Trainer den Einzug in die Champions League.

Gestern kreuzen sich ihre Wege wieder. Zum vorläufig letzten Mal. Doch für wie lange?

Uli Forte wird Sforza ablösen. Der Ex-St.-Gallen-Trainer soll morgen vorgestellt werden. Er schaut sich gestern in Lausanne den FC Thun an, den nächsten Gegner von GC. Und Gross kaut in Bern, wo sie seit 26 Jahren vom Meistertitel träumen, weiter hartes Brot. Wie lange noch?

Beim Ankick steht Polizistensohn Gross gestern breitbeinig wie ein Bauer an der Seitenlinie. Die Hände in den Hosentaschen vergraben. Eine Regenjacke schützt ihn gegen die Nässe. Nach neun Minuten wischt er sich erstmals das Regenwasser von der Glatze.

Zehn Meter neben ihm schreit Sforza. Keiner hört ihn.

18. Minute. Ein Freistoss von YB-Gaucho Bobadilla senkt sich ins Netz. 1:0 für die Berner. Gross verpasst es zu jubeln. Er spricht mit dem Dänen Silberbauer, dem an der Seitenlinie ein Turban um den Kopf verpasst wird. Auch Sforza zeigt äusserlich keine Regung.

34. Minute. GC-Verteidiger Pavlovic trifft mit seinem Gewaltsschuss die Latte. Sforza klatscht. Gross, mittlerweile mit Däcklikappe, zuckt nicht mit der Wimper.

Auch vier Minuten später, als De Ridder mit einem Aufsetzer der Ausgleich gelingt, zeigen die beiden Trainer keine Emotionen.

Erst als De Ridder aus spitzem Winkel das mögliche 2:1 aus Zürcher Sicht verpasst, zeigt Sforza in seinem letzten Spiel Gefühle. Er dreht sich um, schaut Richtung Tribüne, schüttelt den Kopf und schlägt dann mit der flachen Hand aufs Dach, das die Ersatzspieler vor dem Dauerregen schützt.

Bei Bobadillas 2:1 vier Minuten nach der Pause schlägt Gross seinem Assistenten Hagist auf den Rücken, Goalietrainer Zuberbühler übernimmt die Jubelsprünge. Sforza? Ganz gefasst. Muss er sich mit einer weiteren Pleite, es wäre die 18. im 27. Spiel diese Saison, verabschieden?

88. Minute. GC-Einwechselspieler Fejzulahi auf Hajrovic, der Wölfli keine Chance lässt. 2:2. Sforza kickt in den Boden, haut aufs Dach, und schiesst mit dem Fuss zwei PET-Flaschen weg. Er denkt: Da wäre doch mehr dringelegen als nur ein Punkt.

Keine Minute später explodiert Gross zum ersten Mal: Sein Verteidiger Zverotic fällt im GC-Strafraum, Gross will einen Elfer. Der hervorragende Ref Sascha Amhof zeigt dem Montenegriner Gelb für eine Schwalbe.

91. Minute. YB-Farnerud trifft die Latte. Gross muss es schlucken. Wieder kein Sieg.

19.41 Uhr. Es regnet im Stade de Suisse immer noch bis in die 17. (!) Sitzreihe hoch. Schlusspfiff. Das Aus für Sforza. Sein Team hat ihn nicht im Stich gelassen.

Vor den Medien sagt er: «Wir haben 95 Minuten lang ein GC gesehen, das dominant aufgetreten ist. Wir haben eine Mannschaft gesehen, die 95 Minuten auf sehr gutem Niveau mit Herz und Leidenschaft aufgetreten ist. Und die immer dagegen gehalten hat.»

«Ich bin mit mir im Reinen», erklärt Sforza dem Staatsradio. Und dann macht er sich von dannen Richtung Garderobe. Nach fast drei Jahren neigt sich sein letzter Tag als GC-Trainer dem Ende zu.

Was macht er heute, am freien Sonntag? «Ich geniesse die Familie. Und mein Sohn hat einen Match.» Wann räumt Sforza im Campus in Niederhasli sein Büro? Ciri zu SonntagsBlick: «Das habe ich bereits gemacht.»

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