Der Bund, 23.09.2010
YB: Überschläge und Paraden YB gelang in St. Gallen ein wichtiger 2:1-Auswärtssieg. Matchwinner waren der zweifache Torschütze Mayuka und Goalie Wölfli, der mehrere Schlüsselparaden zeigte.
Emmanuel Mayuka hat innert weniger als einer Woche den Sprung ins Rampenlicht geschafft. Am letzten Samstag gelang dem Stürmer im Schweizer Cup gegen Spiez ein Hattrick. Gestern konnte sich der Sambier wieder zweimal feiern lassen. Nach dem 1:0 vollführte er vor Freude zwei Überschläge und einen perfekt gestandenen Salto. Etwas weniger ausgelassen war Mayukas Jubel nach seinem zweiten Tor. Diesmal beliess er es bei einem Freudentänzchen, in welches er Passgeber Raimondi miteinbezog.
Thierry Doubai muss nach der neuerlichen YB-Führung ein Stein vom Herzen gefallen sein. Der Ivorer befand sich in diesem Moment schon nicht mehr auf dem Feld. Er hatte in der 50. Minute in der St. Galler Platzhälfte ein taktisches Foul an Fernando begangen, welches vom gut postierten Schiedsrichter Bertolini mit der zweiten Gelben Karte bestraft wurde. Danach war YB die Spielkontrolle entglitten. Nach 56 Minuten nutzten die St. Galler die Verwirrung in der Gästeabwehr: Der schnelle Pa Modou setzte sich auf der linken Seite durch und flankte Richtung hinteren Pfosten. Dort kam Philipp Muntwiler angebraust und köpfelte den Ball aus kurzer Distanz ins Tor. Der eingewechselte Raimondi und Mayuka sorgten kurz darauf in einer Co-Produktion dafür, dass die aufgeputschten Platzherren nicht noch mehr Schaden anrichten konnten. «Dieses Tor war sehr wichtig für uns», sagte Trainer Vladimir Petkovic nach dem Spiel. Mit der Leistung seines Teams war er im Grossen und Ganzen zufrieden: Das Team habe wie von ihm verlangt agiert – und nicht nur reagiert. Weniger gut gefallen hatte Petkovic das Verhalten im gegnerischen Strafraum. «Wir waren nicht immer effektiv im Abschluss.»
Costanzos Rückkehr
Zu den YB-Akteuren, die beim Torschuss die Kaltblütigkeit vermissen liessen, gehörte Moreno Costanzo. Der Regisseur sündigte unmittelbar nach der Pause, als er nach einer feinen Einzelleistung den Ball Vailati in die Hände schoss. Für Costanzo, der erstmals nach seinem Wechsel zu YB wieder in der AFG-Arena spielte, war es ein «spezielles Gefühl, gegen meine ehemaligen Mannschaftskollegen anzutreten». Er wusste um die Wichtigkeit der drei Punkte. «Alles andere hätte bei uns für Unruhe gesorgt.»
Bester Mann bei YB war Marco Wölfli. Die aktuelle Nummer zwei der Schweizer Nationalmannschaft zeigte mehrfach hervorragende Paraden. Sein Meisterstück vollbrachte er nach einer halben Stunde, als er sich zuerst Frei in die Füsse warf, sich danach sofort wieder aufrappelte und mit einem spektakulären Hecht den Nachschuss von Winter an die Latte lenkte. Nicht minder stark reagierte Wölfli in der 81. Minute auf einen Fernschuss von Sutter. Der St. Galler schüttelte, wie kurz zuvor schon sein Teamkollege Frei, der mit zwei präzisen Flachschüssen am YB-Keeper gescheitert war, nur ungläubig den Kopf. Wie stark der Berner Captain an diesem Abend war, zeigte auch Petkovics Reaktion an der anschliessenden Pressekonferenz. Sein Team habe dank einem sehr guten Wölfli den Sieg über die Zeit retten können. Das ist deshalb erwähnenswert, weil es der schweizerisch-kroatische Doppelbürger in der Regel vermeidet, die Leistung Einzelner hervorzustreichen.
St. Gallens Trainer Uli Forte sprach zerknirscht von einer «sehr bitteren Niederlage». Eigentlich sei sehr viel für seine Equipe gelaufen, und doch stehe sie wieder ohne Punkte da. Der von etlichem Unvermögen und auch etwas Pech geprägte Auftritt des FC St. Gallen passt zur momentanen Befindlichkeit rund um den Klub. In der Ostschweizer Metropole stehen die Zeichen auf Sturm. Weit mehr als die Misserfolge ihrer Mannschaft ärgert die vielen St.-Gallen-Anhänger, dass sie aufgefordert werden, die vom Konkurs bedrohte Betriebs AG AFG-Arena retten zu helfen. Sechs Millionen sollen die Steuerzahler von Stadt und Kanton St. Gallen beisteuern an ein Rettungspaket von insgesamt 16,5 Millionen.
St. Gallen - Young Boys 1:2 (0:1)
AFG-Arena. – 10 827. – SR: Bertolini. – Tore: 27. Mayuka 0:1. 56. Muntwiler 1:1. 65. Mayuka 1:2. – St. Gallen: Vailati; Martic, Bakens, Schenkel (71. Nushi), Fernando; Muntwiler, Imhof (82. Cicek); Winter, Frei, Pa Modou; Calabro (71. Manuel Sutter). – Young Boys: Wölfli; Nef, Affolter, Jemal; Spycher, Doubai; Degen, Costanzo (82. Christian Schneuwly), Lulic (87. Marco Schneuwly); Bienvenu (62. Raimondi), Mayuka. – Bemerkungen: St. Gallen ohne Frick, Abegglen, Owona, Hämmerli, Knöpfel (verletzt). YB ohne Dudar, Sutter und Lingani (verletzt) und Hochstrasser (krank). 30. Wölfli lenkt Schuss von Winter an die Latte. 51. Gelb-Rote Karte für Doubai (Foul).
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