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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2009/2010
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 12. Mai 2010, 08:59 
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sport.ch, 11.05.2010

YB's ''Angst'' vor der verfrühten Feier

Alles in der Super League scheint darauf hinauszulaufen, dass die Entscheidung um den Meistertitel in der "Finalissima" zwischen YB und Basel am Sonntag in Bern fällt. Eines rückt dabei in den Hintergrund: YB könnte schon am Donnerstag den Kübel in die Höhe stemmen...

Erste besorgte Fans meldeten sich bereits in den Foren des BSC YB. Es geht um Tickets für das Spiel in Luzern, welches aufgrund des Exils in Emmenbrücke nur eine sehr begrenzte Anzahl Zuschauer zulässt. Die zweite grosse "Sorge" ist die Live-Übertragung des Spiels.

Keine Live-Übertragung auf Grossleinwand

Zwar wird das Spiel von SF live übertragen, doch eine Public-Viewing-Veranstaltung oder eine Grossleinwandübertragung sind gemäss YB-Medienchef Albert Staudenmann nicht geplant: "Wir haben nicht die nötige Infrastruktur, um so einen Event zur Zufriedenheit der Zuschauer aufzuziehen."

Auch eine Übertragung im Stade de Suisse schliesst Staudenmann aus: "Es ist ja nicht so, dass wir einfach das Stadion öffnen könnten, da würden personelle und materielle Ressourcen nötig." Ausserdem will man hinsichtlich des Kunstrasens nichts riskieren, "schliesslich steht am Sonntag noch ein wichtiges Spiel bevor." Das Aufstellen einer Grossleinwand und die Zuschauer könnten den Plastik beschädigen.

YB ein gebranntes Kind

Auch eine Meisterfeier ist nicht geplant. Aus Aberglaube? "Sicherlich auch deswegen. Es geht um den sportlichen Gedanken", sagt Staudenmann, "man sollte erst feiern, wenn es soweit ist." Den Fehler hätten die YB-Verantwortlichen und der Stadtpräsident 2006 schon einmal begangen, als bereits der Balkon für die Cup-Feier reserviert worden war. Schliesslich verloren die Young Boys gegen die damals unterklassigen Sittener im Penaltyschiessen.

So will man also nichts verschreien, "die schönsten Feiern sind schliesslich die spontanen", meint Staudenmann. Ausserdem hätten die Fans und der Verein ja noch ein, zwei Stunden Zeit, etwas auf die Beine zu stellen, bis die Spieler aus Luzern zurück wären. Und über die Lokalradios und das Fernsehen könne man ja informieren, wo die Fete steigen würde.

Die Meister-Szenarien

Wie stehen eigentlich YB's Chancen, bereits am Donnerstag Meister zu werden? Die möglichen Szenarien: Sollte Basel zuhause gegen Xamax gewinnen, wird die Entscheidung auf Sonntag vertagt. Sollte Basel nur Unentschieden spielen, würde YB ein Sieg in Luzern reichen. Und sollte der FCB gar verlieren, würde den Berner ein Punkt im Gersag reichen.

In Basel hingegen ist man fest überzeugt, dass der Kampf um den Titel bis zur letzten Runde dauern wird. Und der FCB hat bereits angekündigt, das Spiel im "Joggeli" auf Grossleinwand zu zeigen, sollte es zur Finalissima kommen...

Von Daniel Bossi

http://www.topsport.com/sportch/generated/article/fussball/2010/05/11/11935900000.html

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2009/2010
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 12. Mai 2010, 09:01 
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20min.ch, 12.05.2010

Neugeborene als YB-Fans

von Alessandro Meocci - Keiner zu klein, ein YB-Fan zu sein: Im Berner Salem-Spital bekommen Neugeborene YB bereits in die Wiege gelegt – mit einem Traubenkernkissen.

Während bei YB-Spielern und -Fans die Nervosität vor der Meisterschafts-Finalissima steigt, bleibt Lynn Küpfer cool, denn sie hat das Gröbste bereits überstanden. Lynn ist am 8. Mai im Berner Salem-Spital auf die Welt gekommen – und das Fussball-Titelrennen lässt sie (noch) völlig kalt. Trotzdem sorgen die Young Boys bei der Kleinen für ein wohlig warmes Gefühl – dank des YB-Traubenkernkissens, das alle Neugeborenen in der Hirslanden-Klinik seit April erhalten. «Der Input kam von unseren Hebammen», sagt PR-Leiterin ­Adriana Palermo. Die Berner Hirslanden-Kliniken sind medizinischer Partner der Young Boys. «Wir wollten Neugeborene beschenken und fanden die Idee ideal», sagt YB-Sprecher Albi Staudenmann.

Am Donnerstag gilt es für die Stadtberner Kicker wieder ernst – sie treten auswärts gegen Luzern an, bevor es spätestens am Sonntag dann gegen den FC Basel um die Wurst geht. Auf YouTube und der YB-Homepage bedanken sich die ­Spieler bereits jetzt bei ihren Fans, indem sie im Chor die Fan-Schlusshymne «We Love You» zum Besten geben. Ein sehenswertes «Making of» von Doumbia & Co ist auch dabei: «Das ist ein Dank der ganzen Mannschaft für unsere treuen und grossartigen Fans», sagt YB-Goalie Marco Wölfli.

http://www.20min.ch/news/bern/story/18708474

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2009/2010
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 12. Mai 2010, 09:05 
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Der Bund, 12.05.2010

Die treuen Fans im Sektor D

Sie sorgen für die Stimmung im Stadion – die YB-Fans im Sektor D. Erfolgsbedingt hat ihre Zahl weiter zugenommen. Wie funktioniert die Szene, die in den letzten Jahren in Verruf geraten ist?

Fussballfans stehen unter Generalverdacht. Wird über sie gesprochen, dann geht es häufig um Pyros, Schlägereien und Randale. Dabei wird vergessen, wie wichtig die Unterstützung von den Rängen für eine Sportmannschaft ist. Und der grösste Teil dieser Unterstützung kommt von ebendiesen Leuten mit dem schlechten Image. Sie singen, klatschen und schreien, was das Zeug hält. Und sie treiben ihre Mannschaft an, auch wenn es einmal nicht gut läuft.

Die Heimat der eingefleischten YB-Fans ist der Sektor D hinter dem östlichen Tor im Stade de Suisse. In der Mitte des unteren Teils von Sektor D wurden in der Winterpause auf Wunsch der Fans die Klappstühle abmontiert, sie waren ohnehin nicht benutzt worden. Seit April gibt es keine Tickets mehr für die 3170 Stehplätze, der Bereich ist dank der Jahreskarten immer ausverkauft. Die Fans organisieren sich in rund 40 Fanclubs und Fangemeinschaften, Tendenz steigend. Dem Fanclub-Dachverband «gäubschwarzsüchtig» sind laut Vorstandsmitglied Adrian Werren alleine in dieser Saison vier neue Clubs beigetreten.

Die Masse machts aus

Dass die YB-Fanszene so aktiv ist wie kaum je zuvor, zeigt sich zum Beispiel an den aufwendigen Choreografien, die jeweils vor Spielbeginn dargeboten werden. Bei den Choreos hilft die ganze Fankurve mit. Zum Beispiel werden Hunderte Plastikstücke in den YB-Farben Gelb und Schwarz an die Zuschauer verteilt, die, im richtigen Moment in die Höhe gehalten, ein riesiges Muster ergeben. Oder es werden prächtige Transparente präsentiert und über die Köpfe der Fans hinweggerollt. Bei solchen Aktionen wird sichtbar, was der griechische Philosoph Aristoteles mit seinem berühmten Emergenz-Gesetz «das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile» gemeint haben könnte. Die Masse der Fans schafft etwas ganz Eigenes.

Doch wer organisiert, koordiniert und steuert das Ganze? Der Kern dieser Gruppe sei relativ klein, sagt Adrian Werren, der auch Co-Präsident der Berner Fanarbeit ist. In die Öffentlichkeit treten wollen diese Leute nicht. Mehrere Versuche, mit ihnen in Kontakt zu treten, scheiterten. Wie die Abläufe vonstattengingen, sei ein «interner Prozess, zu vergleichen mit dem in einer normalen Firma. «Diese Prozesse werden auch dort nicht öffentlich gemacht», antwortete ein Exponent per Mail auf die Anfrage des «Bund» um ein Interview.

Diese Zurückhaltung habe verschiedene Gründe, erklärt Werren. «Man will beispielsweise verhindern, dass Fangruppen anderer Teams frühzeitig Choreografien ausspionieren oder sabotieren können», sagt Werren. Die grösste Schmach ist es, wenn verfeindete Fans Fahnen oder anderes Material stehlen und im gegnerischen Stadion wie eine Trophäe zur Schau stellen und verbrennen. Daneben wolle man sich vor Überwachung und Repression durch die Polizei schützen, so Werren. «Je weniger Mitwisser desto besser.» Die öffentliche Fan-Diskussion der letzten Jahre habe viele sehr vorsichtig gemacht.

Der Kopf der Szene

Während der Spiele werden die Fans vom sogenannten Capo geleitet. Capo (italienisch: Kopf) bezeichnete ursprünglich den Chef einer Mafiagruppe und wurde von der Ultra-Bewegung (siehe unten) übernommen. Der Capo steht mit dem Rücken zum Spielfeld vor der Kurve, spornt die Fans an und gibt per Mikrofon und Lautsprecher vor, was gesungen wird. «Der Capo hat einen gewissen Status in der Szene», sagt Werren. Seine Stellung habe sich zusammen mit der Ultra-Bewegung noch zu Neufeld-Zeiten vor knapp zehn Jahren entwickelt. «Die Koordination der Fangesänge gehört zur Ultra-Bewegung und hat zum Ziel, dass die Stimmung 90 Minuten lang gut ist, und nicht nur dann, wenn das eigene Team vorne liegt», sagt Werren. Durch die straffe Organisation habe zwar die Spontanität der Fans etwas gelitten, unter dem Strich komme es der Atmosphäre aber zugute, so Werren. Und das übertrage sich auf die Mannschaft.

Die Fankurve ist voller Rituale, die sich zum Teil über Jahre hinweg entwickelt und gefestigt haben. So wird beispielsweise immer in der 75. Spielminute die YB-Viertelstunde zelebriert oder ein bestimmtes Lied wird bei jedem Match mit einem neuen, der Aktualität angepassten Text gesungen. Besonders wichtig ist ein Ritual nach Abpfiff, bei welchem sich die YB-Spieler vor der Fankurve versammeln. Beide Seiten setzen sich hin, die Fans singen «we love you, we love you, we love you, and where you play we follow, we follow, we follow ...». Dann springen alle gleichzeitig in die Höhe und feiern. Welchen Stellenwert solche Rituale auch für die Mannschaft haben, zeigt nicht zuletzt das Video, das seit kurzem auf der YB-Homepage aufgeschaltet wurde. Darin singen die Fussballer selber die Hymne und bedanken sich so bei ihren Anhängern.

Wenn am Auffahrtsabend um 20 Uhr der Anpfiff für YB - FCL in Emmenbrücke ertönt, ist die Jansen-Gastrogruppe laut Ralf Jansen bestens gerüstet: Die Lokale Beach Club, Art Café, Eclipse und Gut gelaunt werden als inoffizielle Fanzone von den Farben schwarz-gelb dominiert sein, und die Fernseher laufen. Auch im Aarbergerhof wird televisionär gekickt, vielleicht sogar mit Grossleinwand. Im Mr. Pickwick läuft der Match, sofern nicht ein wichtiges englisches Spiel in die Quere kommt. Im Café Kairo gibt es zwar ein Jassturnier, der eine oder andere Fernseher wird aber trotzdem laufen. Nicht gezeigt wird das Spiel im Luna Llena, doch sind spontane Feiern mit Gesangseinlagen nicht ausgeschlossen. (mdü)

Ultras und Hooligans

Die besonders treuen und fanatischen Fans von Sportvereinen werden als Ultras bezeichnet. Sie haben ein eigenes Verständnis der Fankultur, organisieren sich und stellen die bedingungslose Unterstützung ihres Teams an erste Stelle. Häufig sprechen sie sich klar gegen die Kommerzialisierung des Sports aus. So heisst zum Beispiel das Stade de Suisse bei ihnen nach wie vor Wankdorf. Entstanden ist die Ultra-Bewegung vor gut 50 Jahren in Italien. Seither entwickelten sich in den meisten europäischen Ländern ähnliche Szenen. Neben Fangesängen und Choreografien sind auch bengalische Feuer und Pyros ein wichtiger Bestandteil dieser Fankultur. Unter anderem deshalb geriet die Ultra-Szene in den letzten Jahren stark in die Kritik.

Im Gegensatz zu den Hooligans steht die Gewalt gegen andere Fans oder gegen die Polizei bei den Ultras nicht im Vordergrund. Beide Szenen werden in der öffentlichen Diskussion aber häufig vermischt. Deshalb fühlen sich viele Ultras in eine falsche Ecke gedrängt. In einschlägigen Internet-Foren der Ultras wird berichtet, dass in der Schweiz die Szene derjenigen, die Fussballspiele ausschliesslich wegen Schlägereien besuchen – Hooligans oder sogenannte C-Fans – in den letzten Jahren stetig kleiner geworden ist. Dem gegenüber habe die Zahl der B-Fans, die der Gewalt je nach Situation nicht abgeneigt sind, eher zugenommen.


http://www.derbund.ch/bern/dossier/alles-zu-den-berner-young-boys/Die-treuen-Fans-im-Sektor-D/story/29945094

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2009/2010
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 12. Mai 2010, 09:16 
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Martin Weber: «Einfach keine Angst haben»

«Natürlich hoffe ich, dass YB Meister wird. Aber das wird schwer.» Der das sagt ist Martin Weber, mit 499 Partien YB-Rekordspieler, und Mitglied des Meisterteams von 1986.

Der Druck ist enorm. Auf die Mannschaft, auf den Verein. Kommt es am Sonntag zum Finale, sehe ich dort leichte Vorteile für Basel. Sie sind erfahrener in solchen Situationen.

1986 hatten wir fast die gleiche Ausgangslage, hätten in der vorletzten Runde Meister werden können. Aber von uns wurde es nicht erwartet. Heuer war YB hingegen die ganze Saison voraus, hatte 13 Punkte Vorsprung, jetzt kommt es zum Showdown. Wir spielten locker, weil wir als Aussenseiter auftraten. Wir hatten auch Druck, aber nur jenen, den wir uns selber auferlegten.

Man muss sehen: Das ist nicht eine einmalige, aber eine spezielle Chance, die sich jetzt bietet. In den nächsten Jahren wird es nicht einfacher, Meister zu werden – ohne Doumbia, ohne Yapi.

Am Sonntag bin ich im Stadion, klar. Den einen oder anderen aus unserem Meisterteam werde ich sicher treffen. Aber kaum alle, wir sitzen ja im Stadion zerstreut. Zudem wurde das alte Meisterteam von YB auch nicht eingeladen.

Ich kann mich noch gut erinnern an die zwei verlorenen Cupfinals in den letzten Jahren – und an die Finalissima in Basel. Von dem her wissen wir, dass diese Mannschaft in solchen Momenten versagt hat, bis jetzt. Das muss sich ändern. Die Spieler dürfen keine Angst haben. In jenen Partien in der Rückrunde, die ich gesehen habe, spielten sie verhalten – ob gewollt oder nicht. Das kann nie das Ziel sein. Das Ziel muss sein: angreifen, um zu gewinnen. In diese Richtung wird der Trainer auch arbeiten, denke ich. Petkovic gibt ihnen die Vorgabe: «Wir wollen gewinnen am Sonntag.» Er hat viel bewegt diese Saison. Aber das Tüpfelchen auf dem i, das fehlt noch. Sonst kommt die Depression in Bern. Das wäre ein herber Rückschlag für alle. Aber jetzt glauben wir dran.

Doch vielleicht machen sie es ja bereits am Donnerstag – das würde mich nicht einmal überraschen. Plötzlich schiessen die Xamaxien ein Tor – und die Basler werden nervös. Das haben wir alles schon erlebt! (Aufgezeichnet: ebi)

Heute trainiert der Versicherungsfachmann den Erstligisten Düdingen.

http://www.derbund.ch/sport/fussball/Martin-Weber-Einfach-keine-Angst-haben/story/31544642

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2009/2010
 Beitrag Verfasst: Freitag 14. Mai 2010, 09:46 
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Die Meisterschaft im Rücken

Hans Schneider erlebt die Spiele von YB hautnah mit: Als Steward steht er am Spielfeldrand. Nur schauen darf er nicht. Ein armer Cheib sei er, sagen seine Kollegen. Sie wissen nicht, wie glücklich Schneider ist.

Jetzt muss Hans Schneider selber ein bisschen schmunzeln. So sehr ist er ins Schwärmen geraten über seine Aufgabe. «Wahnsinnig spannend» sind die YB-Spiele für ihn. Auch wenn er während der 90 Minuten zwischen An- und Schlusspfiff keine einzige Flanke, keinen Zweikampf und schon gar keinen Torschuss sieht. Sondern immer nur das Publikum. Und dies, obwohl sein Stammplatz doch nur zwei Meter von der Seitenlinie des Spielfelds entfernt ist. Schmunzeln tut er also, der Hans Schneider, 63. Aber nur, um unversehens noch überzeugender zu betonen, wie toll es ist, Steward im Stade de Suisse zu sein. «Es macht mich stolz, dieser Sache anzugehören. Auch wenn ich nur ein kleines Rädchen im grossen Räderwerk bin – ich gehöre dazu.»

Dann greift er – wie um das Gesagte zu unterstreichen – beherzt zur Tasse und nimmt einen kräftigen Schluck «Grosi-Tee».

Nur wer nichts von Fussball versteht, schaut beim Spiel auf den Ball, sagt ein altes Bonmot. So gesehen hat Hans Schneider aus Münchenbuchsee es zu meisterhaftem Spielverstand gebracht. Er braucht noch nicht mal das Feld zu sehen, um ein Spiel zu verfolgen. «Ich weiss immer ganz genau, was sich auf dem Platz abspielt», sagt er. Wie das? «Ich lese das Publikum.»

«Ich verpasse nichts»

Schneider holt Luft: Das Publikum sei für ihn wie ein Spiegel. Es reagiere sehr sensibel auf alles, was sich auf dem Platz ereigne. Tore, Penaltys, grobe Fouls – diese Dinge erkenne er sofort. Aber auch brenzlige Strafraumszenen, Rückpässe und Fehlentscheide des Schiedsrichters könne er anhand der Reaktionen des Publikums nachvollziehen. «Ich habe nie das Gefühl, dass ich irgendwas verpasse.» Einzig darüber, welcher Spieler welchen Pass gespielt hat, muss er sich nach den Spielen aufklären lassen. Für Schneider ist das «überhaupt kein Problem».

Umso erstaunlicher, zumal Hans Schneider seit über 50 Jahren ein bekennender Fan der Berner Young Boys ist. Schon zu Zeiten von Geni Meier verfolgte er jedes Spiel im Wankdorf. «Mein Platz war im heutigen Sektor C auf Höhe der Mittellinie.» Damals brauchte es noch keine Sicherheitskräfte im Stadion. Der Anstand und eine kleine Mauer hinderten das Publikum daran, das Spielfeld zu betreten. Heute sind es Stewards im Felddienst wie Hans Schneider.

Schon seit drei Jahren ist er immer wieder am Spielfeldrand zu finden. Wenn sich das Publikum erhebt, dann steht auch Hans Schneider auf. Wenn es im Sektor einen Unruheherd gibt, versucht Hans Schneider, Blickkontakt mit den betreffenden Personen aufzunehmen. Sie sollen wissen, dass er sie im Auge hat. Und wenn tatsächlich mal jemand die Absicht hegt, aufs Spielfeld zu gelangen, dann wird Hans Schneider sich ihm in den Weg stellen und versuchen, mit ihm ins Gespräch zu kommen. «Mehr können wir nicht tun», sagt Schneider. «Wir sind Stewards. Unsere Aufgabe heisst: Deeskalation. Wenn es hart auf hart kommt, sind die Spezialisten gefragt, die Sicherheitskräfte.»

Wirklich kritische Situationen hat Hans Schneider, Steuerbeamter im Ruhestand, aber noch nie erlebt. Dafür einige wunderschöne: An der Euro 08 wurde er bei neun Spielen als Steward eingesetzt. Unter anderem beim Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei in Basel. Ebenso bei den Gruppenspielen der Holländer im Stade de Suisse. Einmalig sei die Stimmung gewesen, sagt Schneider. Das werde er nie vergessen. So etwas wie die Euro werde er in der Schweiz ja ohnehin nicht mehr erleben. «Aber vielleicht in der nächsten Saison die Champions League.»

Schneiders Traum vom Titel

Vorerst aber hofft er inständig auf den Meistertitel für YB. Und Hans Schneider weiss auch, wie dieser zu erreichen ist: «Wenn alle im YB-Team eine Topleistung zeigen – und mit ‹alle› meine ich sämtliche Leistungsträger von Doumbia bis zu den Stewards am Spielfeldrand – dann stehen die Chancen gut.» Und wenn es dieses Jahr nicht reichen sollte, dann halt im nächsten. Hans Schneider hat noch genügend Zeit. Der älteste Steward im Stade de Suisse hat dieses Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert.

http://www.derbund.ch/bern/dossier/alles-zu-den-berner-young-boys/Die-Meisterschaft-im-Ruecken/story/11976018

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2009/2010
 Beitrag Verfasst: Freitag 14. Mai 2010, 09:47 
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Lars Lunde ist wieder zu Hause

Lars Lunde schoss YB 1986 zum letzten Meistertitel. Nach einem schweren Verkehrsunfall wurde er Lagerungspfleger. Am Sonntag will er mit YB den nächsten Titel feiern.

Am 19. November 1984 kam Lars Lunde aus Dänemark angefahren, fuhr am Grauholz vorbei und sah aus dem Fenster seines Ford Escort heraus auf die Dächer Berns. «Das ist meine Stadt», dachte er sogleich. So zumindest erinnert er sich bei einem Gespräch im Wankdorf. Hier lief er bald darauf erstmals auf und erzielte gegen Lausanne-Sport gleich zwei Tore. Knapp zwei Jahre später wurde YB zum bisher letzten Mal Schweizer Meister. Unter der Regie des Schweden Robert Prytz spielte die Mannschaft eine beinahe perfekte Rückrunde, Lunde war einer der Stars und wurde zudem Torschützenkönig. Steen Thychosen von Lausanne hatte wie Lunde 21 Tore erzielt, den goldenen Schuh jedoch habe er erhalten. Warum? «Ich war schöner», sagt Lunde trocken. Da ist er, der Schalk, der ihm in Bern zu Kultstatus verholfen hat. Denn Lunde machte sich nicht nur als wendiger Dribbler und kaltblütiger Vollstrecker einen Namen, sondern auch als vorlauter, eigenwilliger Bursche. Eine Diva sei er nie gewesen, stellt der Däne klar, «eher ein kleines Kind. Ich habe mir einfach erlaubt, zu sagen, was ich denke. Und ja, ich habe auch Müll rausgelassen.» Der damals 22-Jährige lebte in der Bundesstadt das unbeschwerte Leben eines Fussballdarlings. «Die Rathausgasse war mein zweites Zuhause», erzählt er. Lunde war beliebt und umschwärmt, kurz: «Bern hat mir Wärme gegeben.»

Ein Unfall als Wendepunkt

Nach dem Meistertitel erhielt der Däne einen Anruf von Uli Hoeness. Bayern München lockte, und Lunde ging. Doch sein Engagement beim deutschen Branchenprimus scheiterte. Anders als in Bern, wo er gehätschelt und umsorgt wurde, sei er in München «nur noch eine Nummer» gewesen. Lunde verlor seine Unbekümmertheit: «Wenn ich alleine auf der Torlinie einen Ball bekam, traf ich die Cornerflagge.» In 30 Spielen für die Münchner erzielte er drei Tore, und als er die Partien nur noch von der Tribüne aus erlebte, entschied er sich dafür, beim FC Aarau seine Karriere neu zu lancieren.

Das wäre vielleicht gelungen, hätte Lundes Leben am 12. April 1988 nicht eine dramatische Wendung genommen. Nach einem Spiel gegen YB erreichte er in seinem VW Golf im aargauischen Oberentfelden zeitgleich mit der Wynental-Suhrental-Bahn den Bahnübergang und lag darauf zehn Tage im Koma. Trotz immensen Anstrengungen gelang es ihm in den Folgejahren nicht mehr, sein früheres Leistungsvermögen zu erreichen. Die Folgen des Unfalls schränken Lunde noch heute ein. Wenn er die Augen schliesse, sei das «wie ein Flugzeug ohne Pilot». Beim Treppensteigen muss er auf die Stufen schauen, um nicht zu stolpern. Ab und zu spielt er noch Fussball, für die Veteranen des FC Köniz. Von der Feinmotorik her sei sein Leistungsvermögen nicht mehr das von früher, gesteht er ein. Bei Freistössen aber, da mache ihm noch immer keiner etwas vor.

«Ich bin etwas balltotschig»

Das zweite Berufsleben des Lars Lunde begann am 19. Mai 1994. Seit diesem Tag arbeitet er als Lagerungspfleger im Kantonsspital Aarau. Er bereitet Menschen auf Operationen vor, rasiert Rücken und Köpfe, zudem ist er für die technischen Geräte im Operationssaal zuständig. «Eine verantwortungsvolle Aufgabe, für die nicht jedermann geeignet ist», sagt der heute 46-Jährige. Man müsse es ertragen können, viel Leid zu sehen. Doch, eigentlich sei er zufrieden mit seinem jetzigen Leben. Hin und wieder aber sei er traurig. Ob er noch jahrelang als Pfleger arbeiten möchte, weiss Lunde nicht so genau. Manchmal verstehe er sich selbst nicht. «Irgendwie», sagt er, «bin ich immer noch ein Kind.»

Das Schicksal hat ihn zu einem Kind gemacht, das viel nachdenkt und Dinge sagt wie: «Ich bin manchmal etwas balltotschig.» «Tollpatschig» ist das Wort, das er eigentlich gesucht hatte. Was er damit meint: «Es fällt mir schwer, zu erkennen, wann genug ist.» Das sei ihm als Fussballer zugute gekommen, im Leben sei es hin und wieder hinderlich. Er ecke häufig an, verletze manchmal Menschen, ohne es zu wollen. «Mir wurden kaum je Grenzen gesteckt», erklärt Lunde. Schon als Vierzehnjähriger verbrachte er die meiste Zeit im Fussball-Internat, genoss viele Freiheiten. Sein Vater, vor dem er «grossen Respekt» hatte, ist gestorben, als Lunde 20 Jahre alt war. Damals habe er sich gesagt: «Von nun an entscheidest du selbst.» Sich selbst vernünftige Grenzen zu setzen, schien zunächst nicht nötig. Niemand wies ihn zurecht, wenn er wieder einmal zu weit ging. Denn Lunde war ein Star.

«YB verdient den Titel»

Vor eineinhalb Jahren ist Lars Lunde aus dem Aargauischen zurück nach Bern gezogen, «in meine Heimat», wie er sagt. Warum erst jetzt? «Ich hatte Respekt davor, die Leute könnten anders zu mir sein als früher.» Was ihm in seiner Wahlheimat fehlt, ist sein 15-jähriger Sohn. Der lebt in Dänemark bei seiner Mutter. «Trotz der grossen Distanz haben wir ein gutes Verhältnis», beteuert Lunde. Für seine Zukunft wünscht er sich «keine grossen Kämpfe, etwas Ruhe». Doch erst einmal soll am Sonntag endlich der nächste YB-Meistertitel her. «YB spielt schön, in der Vorrunde waren sie dominant, in der Rückrunde hatten sie auch Glück», resümiert Lunde, für den bei jedem Heimspiel der Berner zwei Tickets bereitliegen. «Wenn sie den Titel jetzt nicht verdienen, wann dann?» Seinen kontemporären Nachfolger als stürmischer Alleinunterhalter, Seydou Doumbia, hält er für einen Ausnahmespieler. «Er kann die Finalissima entscheiden.» Dass er selbst im Falle eines YB-Sieges nicht mehr zur bisher letzten Meistermannschaft gehören würde, das sei ihm, mit Verlaub, «scheisswurst».

http://www.derbund.ch/bern/Lars-Lunde-ist-wieder-zu-Hause/story/31250868

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2009/2010
 Beitrag Verfasst: Freitag 14. Mai 2010, 09:56 
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NZZ, 14.05.2010

Denkpausen statt Freinächte

YB ist mitten im «Play-off»

bir. Emmen ⋅ Das Eishockey pflegt im Finish die Play-off-Formel. Ob man 1:2, 1:5 oder 0:10 verliert, ist schon drei Tage später belanglos. Man kann ein schlechtes Spiel abhaken und schnell zur Korrektur schreiten. Vorbei ist vorbei. Es gilt, den Kopf zu lüften und den Schalter zu drücken. Die YB-Fussballer finden sich jetzt mitten im Play-off wieder. Der Ausflug nach Emmen war von meisterlichen Hintergedanken begleitet, aber nach der 1:5-Niederlage beim FC Luzern sind in Bern nicht Freinächte, sondern Denkpausen im Programm.

Die Eishockeymeister des SC Bern können den gebeutelten Fussballern ins Ohr flüstern, wie am Sonntag gegen den FC Basel alles anders sein kann. Die Young Boys spielen im eigenen Stadion, sie haben Dudar, Bienvenu und den Kunstrasen, sie geraten nicht nach 78 Sekunden 0:1 in Rückstand, sie diskutieren nicht ständig untereinander und mit dem an der Seitenlinie gestikulierenden Trainer, sie haben Wettkampfglück, sie bleiben ruhig, sie verzichten auf Sololäufe, sie rennen nicht mehr mit dem Kopf durch die Wand, und sie bringen den Penalty ins Tor. Das alles kann sein am Sonntag, obschon dies an Auffahrt und im Regen von Emmen äusserst schwer vorstellbar war.

Einiges drückt auf die Berner Seele. Wie ist das seit geraumer Zeit mit den YB-Spielen um alles oder nichts? YB verlor das Finalspiel 2008 in Basel sang- und klanglos 0:2, YB liess sich 2006 und 2009 im eigenen Stadion den Cup-Sieg vom FC Sion wegnehmen. Die YB-Psyche steht im Ruf, an finalen Anforderungen zu zerbrechen. Nach den Resultaten vom Donnerstag steht fest, dass am Sonntag im Stade de Suisse nicht Basel, sondern YB unter Siegzwang sein wird. Das ist alles etwas viel. Doch die Berner Hoffnung lebt mit dem temporären «Play-off». Das Luzern-Spiel hinterliess den Eindruck, als hätte sich YB schon zuvor aufgegeben. Das kann man sich im Play-off aber nur leisten, wenn man zur Korrektur fähig ist. Die in Emmen bemitleideten Young Boys können allerdings nicht die neuen Meister sein. Da muss irgendwo ein anderes Team versteckt sein.

http://www.nzz.ch/nachrichten/sport/fussball/denkpausen_statt_freinaechte_1.5714334.html

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2009/2010
 Beitrag Verfasst: Samstag 15. Mai 2010, 08:52 
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Berner Zeitung, 16.05.2010

Der Fan mit der lauten Stimme

Es ist ein schlechter Tag, um mit Tönu Reinhard über Fussball zu sprechen. «Sein» YB ist am Vorabend gegen Luzern mit 5:1 untergegangen, Basel hat YB im Kampf um den Meistertitel überholt. Unruhig sitzt er auf dem schwarzen Sessel im

Fumoir des Restaurants Beaumont in Bern und zieht an seiner Zigarette. In kurzen Abständen wird er sein Päckchen hervorziehen, um eine neue herauszufischen – Tönu Reinhard ist nervös. Er will am Sonntag endlich wieder Meister werden. Dafür muss YB gegen Basel gewinnen.

Erlösung in Neuenburg

«Ich sage mir selber: Wenn es jetzt nicht klappt, wann dann?» Wenn Reinhard über YB spricht, den Verein, den er seit fast vierzig Jahren unterstützt, dann spricht er über seine grosse Leidenschaft. Er war dabei, als die Young Boys 1977 den Cup zum fünften Mal nach Bern holten, er jubelte, als Urs Bamert mit seinem Kopfballtreffer den Sieg über Real Madrid besiegelte, und er litt mit, als seine Lieblinge 1997 den Gang in die Zweitklassigkeit antraten.

Und doch gibt es ein Ereignis, ein Spiel, das alle anderen überragt: Es ist der 25.Mai 1986, YB spielt in der zweitletzten Runde in Neuenburg um den Titel – und gewinnt. «Wir flippten aus, waren wie elektrisiert», erinnert sich der YB-Fan. «Nach 26 langen Jahren waren wir endlich wieder Meister.»

Als Tönu Reinhard Anfang der 70er-Jahre sein erstes YB-Spiel besuchte, wollte sein Vater in der Pause gehen. Die Berner lagen gegen Lausanne 0:3 zurück, an einen Punktegewinn glaubte niemand mehr. «Ich überredete ihn, zu bleiben. Wir hatten ja für 90 Minuten bezahlt.» Es war die richtige Entscheidung: YB gewann das Spiel mit 4:3 und kann sich seither Tönu Reinhards Liebe sicher sein. Bald fuhr der junge Mann aus Bümpliz an Auswärtsspiele in der ganzen Schweiz und im Ausland. Manchmal alleine: «Als YB in Norwegen spielte, flog ich als einziger Fan mit dem Team mit.»

Lied für die YB-Wurst

Egal wie es lief, Tönu Reinhard unterstützte sein Team immer an vorderster Front: «Ich hatte nun mal eine laute Stimme, da habe ich oft die Lieder angestimmt.» Mittlerweile sind wieder 24 Jahre vergangen seit dem letzten Meistertitel, und Tönu Reinhard verpasst nach wie vor kein Spiel im Wankdorf. Ab und zu hört man ihn vom Balkon des Sektor D in die Menge hinunterschreien: Er stimmt das YB-Wurst-Lied an, und die Fankurve unter ihm antwortet. Nur er darf das, man kennt den Mann mit der lauten Stimme. «Ab und zu sprechen mich Leute auf YB an, die bis vor kurzem nicht wussten, dass der Ball rund ist», sagt Reinhard amüsiert. «Was meinst du, schaffen sie es?», sei die häufigste Frage. Eine Antwort darauf hat er auch nach fast vierzig Jahren nicht: «Ich hoffe auf einen Sieg, aber ich habe Angst, dass es nicht reichen könnte.» Wenn es am Sonntag klappen sollte, dann will er ein letztes Mal sein Lied anstimmen. Wenn nicht, wartet er auf den nächsten Titel – wenns sein muss weitere 24 Jahre.

http://www.bernerzeitung.ch/region/gemeinde/Der-Fan-mit-der--lauten-Stimme/story/17256708?dossier_id=449

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Der Bund, 18.05.2010

«Wankdorf nicht am falschen Ort»

Ausgerastete Schlachtenbummler tummeln sich nach dem Fussballspiel YB gegen FCB in der Berner S-Bahn-Station Wankdorf auf den Schienen. Der Zugverkehr wird massiv gestört. Erfüllt der Bahnhof seinen Zweck überhaupt? Ja, finden die SBB.

Die Durchsage im Regionalzug von Burgdorf nach Bern am Sonntag kurz nach 19 Uhr klingt ungewohnt: «Liebe Passagiere, wir können derzeit nicht weiterfahren wegen Chaoten auf den Gleisen.» Nicht nur Fahrgäste aus Burgdorf stecken fest: Nach dem Meisterschaftsspiel zwischen den Berner Young Boys und dem FC Basel gelangen Dutzende Fussballfans bei der S-Bahn-Station Wankdorf auf die Gleise und legen den Betrieb lahm.

Zwischen 19.15 und 19.30 Uhr ist die Strecke gesperrt, dann fahren die Züge während 20 Minuten mit beschränkter Geschwindigkeit – «auf Sicht», wie das in der Bähnlersprache heisst. Betroffen sind Verbindungen nach Basel, Zürich, Thun, Biel und ins Wallis.

«Die Lage der Station ist ideal»

Der neue Bahnhof im Wankdorf werde das Quartier, die Innenstadt und den Hauptbahnhof bei Fussballspielen stark entlasten, versprachen Politiker, Stadionbetreiber und die Polizei einst. Nach dem Vorfall vom Sonntag stellt sich die Frage, ob das wirklich zutrifft.

Die Station Wankdorf sei nicht nur für Fussballfans gebaut worden, sagt SBB-Mediensprecher Reto Kormann. Auch BEA-Messebesucher, Eishockeyfans und Angestellte mit Arbeitsplätzen in der Industriezone hätten dadurch kurze Anmarschwege. «Ihr Standort ist ideal.» Es könne nicht sein, dass wegen 200 militanter Fans der Standort des Bahnhofs angezweifelt werde.

Kurze Wege vermindern Schäden

Er fände es nicht sinnvoll, künftig auf Extrazüge ab dem Wankdorf zu verzichten. Dank des kurzen Weges würden Sachbeschädigungen und Ausschreitungen in der Innenstadt und beim Hauptbahnhof zumindest teilweise verhindert. Mit dem Einsatz von Extrazügen investiere die Bahn indirekt in die Regelkunden, die nicht zusammen mit Fussballfans reisen sollen. Dennoch: «Der Einsatz von Extrazügen nach Fussballspielen ist ein zweischneidiges Schwert.» Jedes Jahr entstünden den SBB dadurch ungedeckte Kosten von über drei Millionen Franken. Dies, weil die SBB zusätzliches Personal einsetzen müssen. Aber vor allem, weil die Fussballfans die Züge oft in einem desolaten Zustand zurückliessen. Sitzpolster würden aufgeschlitzt, Petarden gezündet, Fenster eingeschlagen und Wände versprayt; dies alles müsse repariert werden. Dazu kämen die immensen Reinigungskosten: «Von Bier über Essensreste bis zu Exkrementen wird in den Waggons alles zurückgelassen.»

Kein «hermetischer Käfig»

Viel zu tun hatte am Sonntag auch die Polizei: Ihre Aufgabe sei es gewesen, dafür zu sorgen, dass das Fussballfest friedlich über die Bühne geht. «Und das ist uns in Anbetracht des grossen Gewaltpotenzials verhältnismässig gelungen», sagt Polizei-Sprecher Michael Fichter auf Anfrage. Die Einsatzkräfte hätten verhindern können, dass es innerhalb des Stadions zu Ausschreitungen gekommen sei. Was ausserhalb des Fussballstadions geschehe, sei viel schwieriger zu kontrollieren, sagt er. Die Polizei habe den Bereich um die Winkelriedstrasse weitläufig abgeriegelt und sei mit Wasserwerfern und Gitterfahrzeugen vor Ort gewesen. Dennoch: Die Strecke vom Stadion bis zur S-Bahn-Station sei kein «hermetischer Käfig» gewesen. Es habe immer noch «zahlreiche Schlupflöcher» gegeben, durch die Fans auf die Gleise gelangen konnten, so Fichter. Dort hätten sie Steine gegen die Polizei geworfen, was den Einsatz erschwert habe. Trotz dieses Ereignisses ist Fichter überzeugt, dass die S-Bahn-Station Wankdorf «ein guter Bahnhof für solche Anlässe» sei. Denn: «Es ist der kürzeste Weg vom Stadion zu den Zügen.»

Gute «Wankdorf-Lösung»

Auch YB-Sprecher Albert Staudenmann spricht von einem «einigermassen reibungslosen» Ablauf nach dem Meisterschaftsspiel. So hätte der grösste Teil der YB-Anhänger das Stade de Suisse auf der Seite Papiermühlestrasse verlassen und der Gefahrenzone ausweichen können. Die «Wankdorf-Lösung» habe sich bewährt, da die Anhänger der gegnerischen Klubs voneinander getrennt und die Menschenmassen besser verteilt würden. Es sei eine Ausnahme, dass am Sonntag FCB-Fans auf die Gleise gelangten: Das habe es in der ganzen Saison nie gegeben. Allerdings sei es bei 30 000 Menschen sehr schwierig, Ausschreitungen und Sachbeschädigungen ganz zu verhindern. «Das Gewaltpotenzial ist leider einfach vorhanden», sagt er.

Ähnlicher Vorfall im 2007

Die S-Bahn-Station Wankdorf geriet seit ihrer Inbetriebnahme Ende 2004 schon einmal in die Schlagzeilen: 2007 kam es nach einem Fussballmatch zwischen YB und dem FC Basel zu einem tragischen Unfall. Ein Basler Fan, der in einem Extrazug die Heimreise antreten wollte, öffnete verbotenerweise eine Wagentüre auf der Seite zu den Gleisen, stürzte hinaus und geriet unter einen einfahrenden Zug. Dabei erlitt er schwere Fussverletzungen.

Der Bahn wurde damals von verschiedener Seite vorgeworfen, die Sicherheitsnormen des Bahnhofs Wankdorf entsprächen nicht dem üblichen Standard im Eisenbahnverkehr. Die Kantonspolizei teilte jedoch mit, dass der tragische Unfall ausschliesslich auf das Fehlverhalten des FCB-Fans zurückzuführen sei.

http://www.derbund.ch/bern/Wankdorf-nicht-am-falschen-Ort/story/29238834

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