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 Betreff des Beitrags: (Matchthread) FC Thun - YB
 Beitrag Verfasst: Samstag 7. August 2004, 10:45 
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Berner Derby fast ohne Berner
Heute um 17 Uhr wird im Lachenstadion das erste Kantonalderby dieser Saison angepfiffen. Von den 22 Spielern, die in den Startformationen erwartet werden, sind aber nur drei «echte» Berner.

Beim allerersten Aufeinandertreffen der Berner Young Boys und dem FC Thun auf höchster Fussballebene im Sommer 1954 war alles noch anders. Damals durfte man das «Berner Derby» noch als ein solches bezeichnen. Bei YB spielten zwar mit dem deutschen Spielertrainer Albert Sing und den Ostschweizern Walter Eich und «Geni» Meier bereits drei Nichtberner mit. Aber der Aufsteiger Thun setzte damals vollumfänglich auf bernische Spieler.


Nur noch neun Berner

Der Blick auf die beiden jetzigen Spielerkader von YB und Thun ergeben ein völlig anderes Bild. Beim BSC Young Boys stammen von den 24 Kaderspielern nur noch deren drei aus unserem Kanton: Johan Berisha, Nicolas Kehrli und Fabian Geiser. Allerdings wird keiner von ihnen heute im Lachenstadion das 15. Derby der «Neuzeit» bestreiten können, weil sie durch Verletzungen ausfallen.

Beim FC Thun ist die Situation ein bisschen anders. So dürfen sich immerhin sechs Spieler als Berner bezeichnen, nämlich Andres Gerber, Mario Raimondi, Adrian Moser, Lukas Schenkel, Nelson Ferreira und Baykal. Von Beginn weg dabei sein dürften Gerber, Ferreira und Baykal, wobei einzig Captain Gerber ein «waschechter» Berner ist. Baykal hat türkische und Ferreira portugiesische Eltern.


Einer wie Ferreira

Der 22-jährige Nelson Ferreira gilt beim FC Thun als «Aufsteiger der Saison». Seit er von Trainer Hanspeter Latour zu Beginn der Frühjahrsrunde vom Mittelfeldspieler zum Aussenverteidiger umfunktioniert worden ist, hat er sich zu einer festen Grösse in der Thuner Abwehr entwickelt. Seinen rasanten Aufstieg schreibt Ferreira in erster Linie der vorzüglichen Stimmung im Team und der guten Resultate zu. «Wenn eine Mannschaft erfolgreich spielt, steigt das Selbstvertrauen und auch die Leistung eines jeden einzelnen Spielers automatisch. So verhält es sich auch bei mir», verrät der Interlakner sein persönliches «Erfolgsgeheimnis».


Folgt der 3. Streich?

Die beiden letzten Kantonsrivalenspiele konnte der letztjährige Vizemeister YB nicht gewinnen. Nach dem 0:0 in Bern siegte Thun zuletzt glatt mit 3:0. «Natürlich wird es unser Bestreben sein, die Serie der Ungeschlagenheit fortzusetzen», so Ferreira auf das heutige Spiel vorausblickend.

Trotz dem Scheitern in der Champions-League-Qualifikation erwartet Ferreira ein sehr ausgeglichenes und daher für die Zuschauer auch ein interessantes Spiel. «In solchen Derbys gibt es keinen Favoriten. Häufig entscheidet die Tagesform.» Ferreira freut sich auf den heutigen Match, weil er die Ambiance von solchen Derbys liebt. Er erhofft sich zudem, dass die Oberländer in grossen Scharen dem Spitzenspiel beiwohnen und für eine tolle Stimmung im Stadion sorgen werden.
Noch hat Trainer Latour die taktische Marschroute nicht bekannt gegeben. «Aber ich gehe davon aus, dass mein Gegenspieler nicht Stéphane Chapuisat, sondern Gabriel Urdaneta sein wird», so Ferreira. Verständigungsprobleme wird es keine geben. «Hoffentlich komme ich auch auf dem Spielfeld gut mit ihm zurecht», so Ferreira.
Peter Voegeli

BZ, 07.08.04


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 Beitrag Verfasst: Samstag 7. August 2004, 11:26 
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«Der Bund»: Sport Ausgabe vom 07.08.2004

Lust auf den zweiten Streich

Der «kleine» FC Thun liegt in der Tabelle vor dem heutigen Berner Derby vor den «grossen» Young Boys

Mit dem Schwung und Selbstvertrauen des guten Saisonstarts peilt der FC Thun heute im Lachenstadion gegen die Young Boys den dritten Derbysieg seit seiner Rückkehr in die höchste Spielklasse an. Spielbeginn ist um 17.00 Uhr.

Die Statistik der Kantonalderbys in den letzten beiden Saisons zwischen den Young Boys und dem FC Thun spricht eine klare Sprache zugunsten der Stadtberner: Bei einem Remis stehen fünf Siegen der Young Boys zwei Erfolge der Berner Oberländer gegenüber. Doch in den letzten beiden Direktvergleichen gelang es dem «Kleinen» nicht nur, dem favorisierten «Grossen» beim 0:0 im Neufeld einmal erfolgreich Widerstand zu leisten, sondern ihm am 16. April eine kleinere Abreibung zu verpassen. Thun dominierte die Gäste von A bis Z und feierte dank Toren von Mauro Lustrinelli, Reto Zanni und Mario Raimondi einen verdienten 3:0-Heimsieg.

«Dieses Erfolgserlebnis hat uns gezeigt, dass wir durchaus berechtigte Hoffnungen hegen können, gegen YB erneut drei Punkte zu gewinnen», sagt Andres Gerber, in Belp aufgewachsener Captain des FC Thun und ehemaliger YB-Spieler. Er weist zudem darauf hin, dass der Moment für einen zweiten Erfolg gegen die Stadtberner in Serie nicht der schlechteste ist. «Einerseits haben wir einen guten Start verzeichnet und befinden uns in einer guten Verfassung, anderseits hat YB ein schweres Spiel in Belgrad hinter sich und nach der 0:3-Niederlage das Ausscheiden aus der Champions-League-Qualifikation zu verkraften.»
Die gut eingespielten und harmonierenden Thuner ihrerseits haben die erste ruhigere Phase seit Wochen dazu genutzt, die Batterien wieder aufzuladen. An der Moral musste nicht gearbeitet werden, sie war auch durch das 0:1 beim FC Zürich nicht erschüttert worden. Gerber sagt, schade an jener Niederlage sei, dass Thun dadurch nicht mindestens Ex-aequo-Leader geblieben sei. Mit dem intakten Selbstvertrauen will Thun denn auch heute unbekümmert auf Sieg spielen: «Die Leute im Lachenstadion erwarten doch, dass wir in der Offensive etwas bieten. Da wollen wir sie nicht enttäuschen», sagt Gerber. Ein wichtiges Element im Angriff wäre Raimondi, dessen Einsatz nach der vor zweieinhalb Wochen erlittenen Bänderverletzung im Knöchel aber noch ungewiss ist.


Neri: Gesprengtes Eckgelenk

Aber auch die Young Boys haben in der Offensive Absenzen zu verkraften (siehe auch «Bund» vom Freitag) – was gegen die defensiv bisher sehr stabilen Thuner (erst ein Gegentreffer in drei Partien gegen Servette, Aarau und Zürich) stark ins Gewicht fallen könnte. Francisco Neri wurde gestern von YB-Klubarzt Rudolf Roder operiert. Bei der Verletzung, die sich der Brasilianer in der Champions-League-Qualifikation am Mittwoch in Belgrad bei seinem Sturz auf die Schulter zugezogen hatte, handelt es sich nicht wie zuerst vermutet um einen Bänderriss, sondern um eine komplette Sprengung des Schulter-Eckgelenks, welches operativ rekonstruiert wurde. Da der dreifache Saisontorschütze, dessen Einstand bei den Bernern verheissungsvoll ausfiel, erst in rund zwölf Wochen das Mannschaftstraining wieder wird aufnehmen können, wird er den Young Boys während des Grossteils der Vorrunde nicht zur Verfügung stehen.


Erwarteter Grossandrang

Wie schon beim letzten Derby, welches 7200 Zuschauer ins Lachenstadion zu locken vermochte, rechnen die Verantwortlichen des Berner Oberländer Super-League-Vereins mit einem Grossandrang. Weil in der Umgebung des Stadions nur eine beschränkte Anzahl Parkplätze verfügbar sind, wird den Matchbesuchern empfohlen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benützen. Die mit dem Auto anreisenden Fans werden ersucht, unbedingt den Wegweisern mit der Aufschrift «FC Thun – PR» zu folgen und vom organisierten Park+Ride (Parkplätze P7 und P8) Gebrauch zu machen.


Einseitiger Spitzenkampf in Basel

Im vorgezogenen Spiel der 4. Runde der Super League verpasste der FC Zürich den erstmaligen Sprung an die Ranglistenspitze seit fast drei Jahren. Im Basler St.-Jakob-Park gab er gegen den Meister bei der 1:2-Niederlage eine schwache Figur ab. Christian Gimenez (16.) und Scott Chipperfield (49.) schossen Basel 2:0 in Führung, Artur Petrosjan gelang für die Zürcher lediglich noch der Anschlusstreffer. Der Gastgeber liess den Ball ansatzweise wie in den beeindruckenden Auftritten in der Champions League 2002/03 zirkulieren. In physischer Hinsicht mussten die Beobachter wie im Boxen quasi von zwei verschiedenen Gewichtsklassen sprechen. Kopfball-Duelle gingen meist zu Gunsten der Basler aus, die von einer überaus gelungenen Hauptprobe für die Champions-League-Qualifikation gegen Inter Mailand am kommenden Mittwoch sprechen können. Der in jeglicher Hinsicht unterlegene FCZ wies insbesondere auf den Aussenpositionen erhebliche Mängel auf.
Nach dem geplatzten Transfer von Gimenez zu Sochaux sieht sich Basel erneut mit dem möglichen Abgang eines ausländischen Leistungsträgers konfrontiert. Linksverteidiger Thimothée Atouba befindet sich zwecks Probetraining und Transferverhandlungen bis am Sonntag im Ausland. (gui/siz)


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 Beitrag Verfasst: Samstag 7. August 2004, 19:31 
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diese niederlage schmerzt !!!!

Das positive an der Niederlage ist.......















..., dass vielleicht nun mal gewisse herren der chefetage in frage gestellt, und ich meine dabei nicht "bidu zaugg", denn er muss mit dem arbeiten was er zur Verfügung gestellt bekommt.


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 Beitrag Verfasst: Sonntag 8. August 2004, 02:19 
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 Beitrag Verfasst: Sonntag 8. August 2004, 11:24 
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NZZ, 8.8.2004

Berner Wegweiser gedreht

FC Thun gewinnt gegen lustlose Young Boys 3:1
Nach der deftigen 0:3-Niederlage in Belgrad kommt YB mit krassen Eigenfehlern auch national nicht mehr weiter.

Peter B. Birrer, Thun

So kann es nicht aufwärts gehen. Nach dem Besuch im Vorzimmer der Champions League, der nie über das Flirt- Stadium hinausgekommen ist, muss YB als Nächstes im nationalen Wettbewerb eine Neuorientierung vornehmen. Die Stadtberner bezwangen sich im Derby gegen Thun selber und bäumten sich gegen das sich früh anbahnende Schicksal nicht einmal auf. Das war aus ihrer Optik die Enttäuschung des Abends, wohl (auch) auf Verirrungen in Sachen europäischer Zielsetzung zurückzuführen, und führte schliesslich dazu, dass YB-Trainer Hans-Peter Zaugg den Auftritt sowohl als «schwach» wie auch als «lustlos» bezeichnete.

Das gelb-schwarze Unglück in Kurzform: Nach elf Minuten flog Torhüter Marco Wölfli an einem Flankenball vorbei, worauf der furchtlose Mauro Lustrinelli per Kopf das 1:0 erzielte. 52 Minuten waren absolviert, als Innenverteidiger Fernando Carreño halbwegs neben den Ball trat und Thun- Captain Andres Gerber das 2:0 schoss. Als die 80. Minute lief, stoppte YB- Aussenverteidiger Rochat «für den Gegner» den Ball, wie Zaugg später beschrieb, und Gerber sah seinen allerdings noch abgelenkten Schuss abermals im Tor - 3:1. Das war's, weil die Young Boys darauf keine Antwort wussten, wie sie schon zuvor auf fast gar nichts Antworten parat gehabt hatten. Schön war ihr Tor, als Thomas Häberli den Freistossball Elvir Melunovics per Kopf ins Tor lenkte (61.). Einzigartig waren zudem ein paar wenige Finten Stéphane Chapuisats, auch ein paar Versuche per Kopfball (Joël Magnin) liessen sich sehen.

Ansonsten wurde der Wegweiser im Kanton Bern wuchtig gedreht. Der homogene FC Thun sah die eindrückliche Bereitschaft samt Laufarbeit belohnt und reist als Tabellenzweiter zum nächsten Spiel nach Schaffhausen. Es ist erstaunlich, was diese Mannschaft Jahr für Jahr in der obersten Schweizer Liga zu leisten imstande ist. Obschon noch viele Hürden warten, zeichnet sie sich bereits wieder durch Solidität und Solidarität aus, die sie in dieser Liga ziemlich weit nach vorne bringen. Aber Trainer Hanspeter Latour weiss, dass «wir sofort im letzten Drittel der Tabelle sind, wenn wir auch nur ein bisschen nachlassen». Auf der anderen Seite geht es für die Young Boys zuerst einmal darum, auf den richtigen Weg zurückzufinden: am nächsten Sonntag gegen den FC Basel.

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 Beitrag Verfasst: Sonntag 8. August 2004, 11:26 
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fussball.ch, 8.8.2004

Thun gewinnt Berner Derby

Fussball - Die Nummer 1 im Berner Fussball heisst derzeit Thun. Die Oberländer bezwangen die Young Boys im neunten Berner Derby der Neuzeit sicher mit 3:1, bleiben weiter unbesiegt und rücken auf Platz 2 in der Tabelle auf.
Mauro Lustrinelli (11.) und zweimal Andres Gerber (52. und 80. Minute) schossen die entscheidenden Tore in einem schwachen Derby vor 6800 Zuschauern. Thun hat damit im neunten Duell zum dritten Mal gewonnen und brachte den Stadtbernern die erste Saisonniederlage bei. Die Oberländer verfügten über mehr Klasse, wirkten frischer und nutzten vor allem die Sorglosigkeit und Unsicherheit in der YB-Abwehr kaltblütig aus.

Beim Führungstreffer eilte Torhüter Marco Wölfli zu spät aus seinem Tor heraus, beim 2:0 konnte Gerber aus 14 Metern ungehindert abschliessen, und beim 3:0 traf der einzig "echte" Berner in diesem Derby mit einem Weitschuss aus 18 Metern, den Alain Rochat noch unhaltbar für Wölfli abfälschte.

Thun - Young Boys 3:1 (1:0) =

Lachen. -- 6800 Zuschauer. -- SR Rutz. -- Tore: 11. Lustrinelli 1:0. 52. Gerber 2:0. 62. Häberli 2:1. 80. Gerber 3:1.

Thun: Coltorti; Ferreira, Deumi, Hodzic, Cerrone; Gerber, Baykal, Renggli, Aegerter (76. Ojong); Dos Santos (71. Zanni), Lustrinelli (88. Adrian Moser).

Young Boys: Wölfli; Eugster, Knez, Carreño (74. Boban Maksimovic), Rochat; Joël Magnin, Aziawonou (83. Friedli), Urdaneta (46. De Napoli), Melunovic; Häberli, Chapuisat.

Bemerkungen: Thun ohne Sinani, Milicevic und Raimondi (alle verletzt). YB ohne Neri, Berisha, Sermeter, Geiser, Disler und Kehrli (alle verletzt) und Coubageat (gesperrt). Verwarnungen: 32. Dos Santos, 36. Baykal, 73. Aziawonou, 87. Lustrinelli (alle Foul).

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 Beitrag Verfasst: Sonntag 8. August 2004, 12:37 
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Es war eine himmeltraurige Vorstellung!!! Es kann wohl nur noch besser kommen, denn schlechter gehts kaum noch.


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 Beitrag Verfasst: Montag 9. August 2004, 16:30 
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BZ, 9.8.2004

Thun stürzt YB ins Elend

Und wieder triumphiert der «Kleine»: Im Berner Derby bezwingt der FC Thun die Young Boys sicher mit 3:1 und etabliert sich in der Tabelle auf Rang zwei. Derweil schlittert YB langsam, aber sicher in die Krise.
Thuns Lustrinelli erzielt im Derby das 1:0.

«Das werden wir schon noch korrigieren.» YB-Trainer Hans-Peter Zaugg war schlagfertig genug, um – angesprochen auf die veränderten Kräfteverhältnisse im Fussballkanton Bern – sofort zu kontern. Noch ist die Saison erst einige Spieltage alt. Aber sonst war es dem bodenständigen Schaffer am Samstag nach der 1:3-Derbyniederlage seines Teams gegen den FC Thun nicht ums Sprücheklopfen. Er analysierte nüchtern, sachlich – und sichtlich desillusioniert. «Thun hat sich den Sieg absolut verdient, war kämpferisch und spielerisch besser als wir. Aus unserer Sicht war dieses Spiel eine einzige Enttäuschung. So geht es nicht.»

Thun rackerte, YB patzte
Während die Thuner allesamt fleissig rackerten, lange Wege gingen, ihren Gegner früh störten und unerschrocken in die Zweikämpfe stiegen, blieben die Young Boys einiges schuldig – oder fast alles. Von hinten bis vorne floppten die Berner, dass es für Trainer und Fans ein Graus war. Gleich allen drei Thuner Toren gingen krasse individuelle Patzer voraus. Beim 1:0 durch Mauro Lustrinelli blieb YB-Goalie Marco Wölfli auf der Torlinie kleben, ehe er – zu spät und unentschlossen – doch noch aus dem Kasten eilte. Beim 2:0 durch Andres Gerber lieferte YB-Innenverteidiger Carreño mit einem missglückten Befreiungsschlag im eigenen Straf-raum eine perfekte Vorlage für den Thuner Torschützen. Und beim 3:1, wieder durch Gerber, stoppte Rochat einen weiten Abschlag von Thun-Goalie Fabio Coltorti erst für seinen Gegenspieler ab, ehe er unglücklich den Abschlussversuch von Gerber ins eigene Tor ablenkte. Zauggs Kommentar fiel vernichtend aus: «Wenn wir uns so anstellen, ist es kein Wunder, dass wir nie zu null spielen können.»

Die schwache Darbietung der Berner allerdings nur mit der guten Leistung der Thuner und mit den eigenen individuellen Fehlern zu begründen, wäre zu einfach. Der Wurm scheint tiefer im YB-Spiel zu stecken. Es ist das Kollektiv, welches versagt. Die fehlende Abstimmung in der Innenverteidigung ist längst bekannt. Im Mittelfeld vermisst man jenen Spieler, der Rhythmus und Spielfluss diktieren könnte. Der erneut enttäuschende Gabriel Urdaneta scheint es nicht zu sein; Gürkan Sermeter, der nach seiner Verletzung bald ins Team zurückkehren soll, schon eher. Ganz vorne in der Spitze fehlt – nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Francisco Neri – eine valable Ergänzung zu Stéphane Chapuisat. Denn, das wurde am Samstag allen wieder einmal mit aller Deutlichkeit vorgeführt: Ohne passenden Sturmpartner ist Oldie Chappi nur noch ein Schatten seiner selbst.

YB in der Minikrise
Eine 0:3-Pleite in der Champions-League-Qualifikation in Belgrad, nun eine 1:3-Schlappe in Thun: YB befindet sich zumindest in einer Minikrise. Anspruch und Realität klaffen bei den Gelb-Schwarzen zurzeit weit auseinander. Derweil geht der Thuner Höhenflug weiter. Vier Spiele, neun Punkte, Rang zwei – ein toller Meisterschaftsauftakt für den «Kleinen» aus dem Berner Oberland. Doch für Trainer Hanspeter Latour ist das kein Grund, um abzuheben. «Meine Spieler dürfen diesen Sieg feiern. Aber meine Gedanken sind schon beim nächsten Spiel in Schaffhausen.» Nach dem Sieg gegen YB hat sich das Team von Latour überraschend als erster Verfolger Basels etabliert.

Telegramm
Thun - Young Boys 3:1 (1:0)
Lachen. - 6800 Zuschauer. - SR Rutz. - Tore: 11. Lustrinelli 1:0. 52. Gerber 2:0. 62. Häberli 2:1. 80. Gerber 3:1.
Thun: Coltorti; Ferreira, Deumi, Hodzic, Cerrone; Gerber, Baykal, Renggli, Aegerter (76. Ojong); Dos Santos (71. Zanni), Lustrinelli (88. Adrian Moser).
Young Boys: Wölfli; Eugster, Knez, Carreño (74. Boban Maksimovic), Rochat; Joël Magnin, Aziawonou (83. Friedli), Urdaneta (46. De Napoli), Melunovic; Häberli, Chapuisat.
Bemerkungen: Thun ohne Sinani, Milicevic und Raimondi (alle verletzt). YB ohne Neri, Berisha, Sermeter, Geiser, Disler und Kehrli (alle verletzt) und Coubageat (gesperrt). Verwarnungen: 32. Dos Santos, 36. Baykal, 73. Aziawonou, 87. Lustrinelli (alle Foul).

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 Beitrag Verfasst: Montag 9. August 2004, 16:32 
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BZ, 9.8.2004

Gertschen: «Keine faulen Ausreden»

In einem Punkt waren sich alle Beteiligten einig: Der Sieg des FC Thun war hochverdient, weil die Young Boys zu wenig Siegeswillen zeigten. YB-Sportchef Reto Gertschen war sehr enttäuscht über sein Team.

Während sich die Thuner Spieler nach Spielschluss vom eigenen Anhang feiern liessen, verschwanden die Berner so rasch wie möglich in die Kabine. Einer, der das Spiel und die Gründe für die Niederlage zu analysieren versuchte, war Sportchef Reto Gertschen: «Der Spielrhythmus der Thuner war nach der Pause sehr hoch. Vielleicht zu hoch für uns. Bei uns habe ich einige Mängel feststellen müssen, die es zu besprechen gilt.» Angesprochen auf die beiden wichtigen Absenzen von Gürkan Sermeter und Francisco Neri, gab Gertschen unmissverständlich zu Protokoll, «dass YB über ein Spielerkader von 24 Profis verfüge und ein Fehlen von nur zwei Spielern doch nicht als faule Ausrede herhalten darf».

Einer, der sich seine Rückkehr ins Lachenstadion auch ganz anders vorgestellt hatte, war der Ex-Thun-Spieler Yao Aziawonou. «Das Spiel in Belgrad hatte viel Kraft gekostet, so waren wir physisch gar nicht bereit. Thun war in jeder Beziehung frischer und auch besser», so der Togolese.

Gerbers 2. «Doppelpack»

Dem Thuner Captain Andres Gerber waren schon im Frühjahr gegen Aarau (6:3) zwei Tore geglückt. Nun doppelte er am Samstag nach. Dazu liess er sich auch noch einen Assistpunkt gutschreiben. Der «Mann des Spiels» schrieb den Sieg der tadellosen kämpferischen Leistung seines Teams zu. «Nun dürfen wir ja nicht euphorisch werden.» Und Gerber weiter: «Wer ein derart brisantes Derby zu Hause gewinnt, darf zufrieden sein. Und wenn man sich zudem als zweifachen Torschützen feiern lassen kann, umso mehr.»

Auch Mauro Lustrinelli strahlte übers ganze Gesicht. «Der Trainer sagte uns vor dem Spiel, dass wir im gegnerischen Strafraum mit mehr Risiko spielen müssen. Bei Gerbers Flanke, die zum 1:0 führte, ging ich auf volles Risiko, und es hat sich gelohnt. Über dieses Tor freue ich mich deshalb ausserordentlich.»


Rengglis Traum vom 3:1

Michel Renggli, der wie immer ein grosses Laufpensum im Thuner Mittelfeld abspulte, hatte im Vorfeld einen Thuner Sieg prognostiziert. Er traf gleich doppelt ins Schwarze: «Ich träumte von einem 3:1-Sieg», so Renggli lachend. Dass dieses «Traumresultat» zu Stande kam, schreibt Renggli dem unbändigen Siegeswillen der Thuner zu. «Am Schluss konnte YB froh sein, dass die Niederlage nicht sogar noch deutlicher ausfiel.» Dem pflichtete Thuns Goalie Fabio Coltorti bei. «Allerdings war ich beim Gegentor nicht unschuldig, weil ich die Mauer nicht richtig platzierte.» Es dürfte dem Keeper nach dem Sieg egal gewesen sein.

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 Beitrag Verfasst: Montag 9. August 2004, 16:36 
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Der Bund, 9.8.2004

Drei Punkte für das Kollektiv

Sicherer Thuner 3:1-Sieg im Kantonalderby: Die Oberländer waren klar besser als die Young Boys

Selten war in den letzten Jahren ein Berner Derby so einseitig verlaufen: Der FC Thun hätte die Partie im heimischen Lachenstadion auch noch höher gewinnen können; selbst ein 5:1 hätte den gebotenen Leistungen entsprochen.

Charles Beuret

Die Thuner Mannschaft war wirklich eine Mannschaft. Dank guter Organisation und viel Laufarbeit, sowohl in der Verteidigung als auch im Angriff, agierte sie fast immer in Überzahl. In Hanspeter Latours Team gab es keine Einzelkämpfer, sondern zehn Verteidiger und zehn Angreifer, wobei jeder einzelne wusste, was er zu tun und was zu lassen hatte. Das Resultat: Ein sicherer und völlig ungefährdeter 3:1-Sieg über die schwer enttäuschenden Young Boys, die – offensichtlich mit bös angeschlagenem Selbstvertrauen angetreten – im Lachenstadion wie ein Abstiegskandidat aussahen.

Endlich einmal «zu null» spielen – das war nach dem missglückten Europacup-Abenteuer und den ersten Liga-Spielen der Wunsch und die Absicht der Young Boys gewesen. Es war ein unrealistisches Vorhaben, denn die Hintermannschaft beziehungsweise das Defensivverhalten der ganzen Equipe genügt zurzeit den Anforderungen, die in der obersten Spielklasse gestellt werden, schlicht nicht. Schon nach elf Minuten musste YB über die Bücher, nachdem die Thuner die hinlänglich bekannten Schwächen im Abwehrzentrum planmässig ausgenützt hatten: Genaue Flanke in die Mitte (Andres Gerber), Panik in der Stadtberner Innenverteidigung, Fehlgriff Marco Wölflis, Tor durch den ungemein wirbligen Mauro Lustrinelli – Euphorie bei Thun, Konsternation bei YB.

Die Weichen waren gestellt

Das Tor war sehr früh gefallen – eigentlich hätten die Young Boys noch alle Zeit dieser Welt gehabt, sich neu zu sammeln, den Rückstand wegzustecken und zu reagieren. Nun, es hat in der Tat ein paar Ansätze zur Reaktion gegeben (so kam Joël Magnin vor dem zweiten Gegentor immerhin dreimal in Abschlussposition), aber die Thuner schienen ihren auf dem Papier höher eingestuften Gegner auch in dieser Spielphase sicher im Griff zu haben. Ihre Abwehr blieb stets souverän, ruhig, und im direkten Kampf Mann gegen Mann (etwa Armand Deumi gegen Stéphane Chapuisat oder Selver Hodzic gegen Thomas Häberli) waren die Gastgeber dank grösserem Selbstvertrauen ohnehin klar überlegen. Das frühe 1:0 hatte für die Oberländer die Weichen in die richtige Richtung gestellt.

Für die desolaten Young Boys aber führte das 1:0 direkt in die Sackgasse. Es war nur schwer verständlich, wie sich die Mannschaft schliesslich gehen liess. In der letzten Viertelstunde, nachdem YB-Trainer Hans-Peter Zaugg ähnlich wie in Belgrad alles auf eine Karte gesetzt hatte (ein Stürmer für einen Verteidiger), trafen die Oberländer kaum mehr auf Widerstand. Eigentlich hätten sie in dieser Phase noch zwei Treffer mehr erzielen müssen.

Aber immerhin schossen die Thuner erneut drei Heim-Tore: Das zweite (2:0) erzielte der ehemalige YB-Stürmer Gerber nach einem unverständlichen Ballverlust der Stadtberner in der Vorwärtsbewegung (Fernando Carreño Fehlpass, anschliessend keine Zuordnung mehr in der Abwehr). Ein Fehler in der Hintermannschaft der Gelb-Schwarzen – diesmal hiess der «Sünder» Alain Rochat – führte schliesslich erneut durch Gerber zum alles entscheidenden 3:1. Es war irgendwie Ironie des Schicksals, dass Rochat den Schuss des Thun-Captains noch ins eigene Tor ablenkte. Vorher hatte YB nach dem schönen Kopfballtreffer Häberlis (Freistossflanke Elvir Melunovic’) zwischenzeitlich neue Hoffnung geschöpft.

Dass sie im Finale nicht noch das eine oder andere Tor mehr erzielten, war so ziemlich der einzige Vorwurf, den man den Thunern in dieser Partie machen konnte. Sie bestätigten gegen YB ihren 3:0-Erfolg gegen Servette, der mancherorts mit dem frühen Saisonzeitpunkt (UIC-Rhythmus, neues Team der Genfer) in Zusammenhang gebracht worden war. Inzwischen ist aber klar: Die guten Leistungen der Thuner sind nicht Zufallsergebnisse und schon gar nicht Eintagsfliegen, sondern Produkt von seriöser Arbeit und Teamwork.

Viele «Absenzen» bei YB

Gewiss wird auch bei den Young Boys seriöse Arbeit geleistet, aber zweierlei wurde in den letzten zehn Tagen offensichtlich. Erstens: Die Mannschaft wurde nach gutem Saisonstart und guter Vorbereitung überschätzt (auch von den Spielern selbst). Zweitens: In Sachen Teamwork ist sie noch sehr steigerungsfähig.

Damit ist gesagt, dass es im Lachen-Stadion bei YB am Samstag nicht nur die effektiven Absenzen gab (schon wird Newcomer Francisco Neri schmerzlich vermisst), sondern dass ziemlich alle der eingesetzten Spieler auch Absenzen hatten und fast gar nichts zusammenpasste. Kein einziger Stadtberner Akteur erreichte die Normalform, am besten zog sich noch der unermüdliche Rackerer Magnin aus der Affäre. Ganz klar: Die Lektion von Belgrad hat die YB-Mannschaft insbesondere moralisch geschwächt und verunsichert, und auch das Manko an Stürmern (Häberli musste in die Spitze) hat ein keckes Angriffsspiel – wie in der letzten Saison auch auswärts verschiedentlich praktiziert – verunmöglicht. Dennoch: Die Thuner hätten in der Rolle der Young Boys ganz sicher mehr aus diesem Match herausgeholt.


Thun - Young Boys 3:1 (1:0) Lachen. – 6800 Zuschauer. – SR Rutz. – Tore: 11. Lustrinelli 1:0. 52. Gerber 2:0. 62. Häberli 2:1. 80. Gerber 3:1. – Verwarnungen: 32. Dos Santos, 36. Kulaksizoglu, 73. Aziawonou, 87. Lustrinelli (alle Foul). – Bemerkungen: Thun ohne Sinani, Milicevic und Raimondi (alle verletzt); YB ohne Neri, Berisha, Sermeter, Geiser, Disler, Kehrli (alle verletzt) und Coubageat (gesperrt).


Thun: Coltorti; Ferreira, Deumi, Hodzic, Cerrone; Gerber, Kulaksizoglu, Renggli, Aegerter (76. Ojong); Dos Santos (71. Zanni), Lustrinelli (88. Adrian Moser).

Young Boys: Wölfli; Eugster, Knez, Carreño (74. Boban Maksimovic), Rochat; Magnin, Aziawonou (83. Friedli), Urdaneta (46. De Napoli), Melunovic; Häberli, Chapuisat.

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