Blick, 20.04.2006
Rohr über Schiris, Journis und seine Motivation
VON FRANÇOIS SCHMID
20.04.2006 | 00:54:41
Nach der Pleite im Cupfinal gegen Sion unter Druck geraten: YB-Trainer Gernot Rohr.
BERN – Ist Gernot Rohr (52) der richtige YB-Trainer? Im BLICK gibt der Deutsche die Antwort.
BLICK: Wer ist für die Cupfinal-Niederlage verantwortlich?
GERNOT ROHR: «Der Trainer.»
Das klingt ziemlich zynisch.
«Nein, überhaupt nicht. Ich bin verantwortlich für die Resultate. Aber auch dafür, dass wir im Final standen.»
Nach dem Spiel machten Sie noch den Schiedsrichter für die Pleite verantwortlich.
«Uns sind zuletzt mehrere Ungerechtigkeiten widerfahren. Ich werde sie Ihnen noch in zehn Jahren aufzählen können. Ich habe mir erlaubt, darauf hinzuweisen.»
Als Sie zu YB kamen, bemühten Sie das Klischee des jovialen Bonvivants. Doch zuletzt wirkten Sie verbittert.
«Uns wurden mehrere reguläre Tore aberkannt. Da reagiert man selten mit einem Lächeln. Ich glaube, es gibt ein Schiedsrichter-Problem in der Schweiz.»
Wie und wo haben Sie Ihre Leichtigkeit verloren?
«Ich habe sie nicht verloren. Ich bin kämpferischer geworden.»
Sie kritisieren die Schweizer Presse. Sie prügeln verbal auf die Schiedsrichter ein und bemängeln das Niveau der Verteidiger in der Schweiz. So schafft man sich keine neuen Freunde.
«Die lokale Presse in Bern bietet wenig Unterstützung. Ein Verein kann nur mit den Fans harmonieren, wenn eine lokale Presse da ist, der es lieber ist, wenn YB gewinnt statt verliert. Ausserdem habe ich nur das Abwehrverhalten meines Teams kritisiert, was mir auch zusteht.»
Die «Berner Zeitung» rief zu einer Abstimmung auf: Ist Gernot Rohr der richtige Trainer für die Young Boys?
«Das stört mich nicht. Mich stört aber, wenn man eine kämpferisch starke Leistung unter den Tisch wischt und von einer Blamage schreibt.»
Die YB-Fans scheinen aber nicht hinter Ihnen zu stehen. Bis Mittwoch um 19.30 Uhr waren 62 Prozent gegen Sie.
«Ich kenne diese Abstimmung nicht. Nach der bitteren Niederlage im Cupfinal hätte ich erwartet, dass 90 Prozent gegen mich wären. Die Fans sind so enttäuscht, da ist es logisch, dass sie einen Hass auf mich haben.»
Ihr Vorgänger Bidu Zaugg realisierte im Durchschnitt 1,58 Punkte pro Spiel. Ihr Wert liegt bei 1,47. Das ist ziemlich bescheiden.
«Ja, einverstanden. Als ich kam, waren wir Fünfter, jetzt sind wir Vierter.»
Zauggs Zuschauerschnitt lag bei 15652. Ihrer bei 12315.
«In den Final zu kommen und das Stadion zu füllen – das ist doch schon mal was.»
Die Investoren wird das aber kaum befriedigen.
«Ich spüre keinen Druck.»
Irgendwie scheint es, als hätten Sie bereits Abwanderungsgelüste.
«Vielleicht kann dieser Eindruck entstehen. Aber es ist noch nicht so weit. Wenn man aber wie unsere lokale Presse nicht in der Lage ist, einer guten Leistung Respekt zu zollen, ist es schon frustrierend. Wenns so weitergeht, könnten Abwanderungsgelüste entstehen.»