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 Betreff des Beitrags: Re: (6) Baykal
 Beitrag Verfasst: Dienstag 25. August 2009, 16:22 
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hätte ich drauf wetten können, aarau ist einfach yb2. :mrgreen:


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 Betreff des Beitrags: Re: (6) Baykal
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 28. Oktober 2009, 12:56 
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sportalplus.com, 28.10.2009

Baykal: Ein Schritt zurück, um vorwärts zu kommen

Baykal Kulaksizoglu galt einst als eines der grössten Talente im Schweizer Fussball - nun er beim FC Aarau um den Verbleib in der Super League. Frustriert ist er darüber nicht, er sieht die miserable Situation als Chance, sich weiterzuentwickeln...

''Ich kann meine Karriere vorantreiben''

Die Karriere von Baykal Kulaksizoglu verlief nicht so, wie es viele erwartet und erhofft hatten. In den den Listen Schweizer Junioren-Nati-Auswahlen war sein Name stets präsent, seine Leistungen waren für einen Jungspund erstaunlich. Nun ist Baykal, so nennen ihn alle, 26 Jahre alt und steht mitten im Fussballerleben. In den grossen Stadien dieser Welt spielt er aber (noch) nicht.

Das Brügglifeld in einem Aarauer Wohnquartier ist seine Welt - London, Barcelona, und München sind gefühlte Lichtjahre entfernt. Doch Baykal will nicht klagen: ''Ich kann mich hier weiterentwickeln, Verantwortung übernehmen und meine Karriere vorantreiben." Dabei betont er, dass es ihm immer um das Team geht, der FCA müsse in der momentan schwierigen Situation zusammenstehen.

Die ''Rüebliländer" haben momentan wenig zu lachen, die rote Laterne gehört schon fast zum Inventar in dieser Saison. Platz 10, 5 Punkte, 1 Sieg in 13 Spielen - man könnte die Liste der negativen Bilanzen beliebig weiterführen. ''Uns steht das Wasser bis zu Hals", gibt Baykal zu. Das Team benötige dringend ein Erfolgserlebnis, Selbstvertrauen sei schon beinahe ein Fremdwort unter den Spielern.

Baykal, der seit seinem Wechsel von YB immer zur Stammformation gehört, möchte dem nun mit seiner Erfahrung Abhilfe schaffen: ''Ich bin zwar noch nicht so alt, trotzdem habe ich schon viel erlebt. Ich versuche vor allem, auf die jungen Spielern einzureden."

Zwiespältige Zeit bei YB

Der Abwehrspieler, der bereits die Stationen Thun, Basel, Köln und YB durchlief, ist von der Rettung des FCA überzeugt. Auch, weil mit Martin Andermatt ein Trainer verpflichtet wurde, der viel Knowhow mitbringt. Andermatt und Baykal kennen sich bereits bestens aus vergangenen YB-Tagen, wobei sich Baykal damals nicht durchsetzen konnte. Einerseits, weil er von einer schweren Achillessehnen-Verletzung zurückkam, anderseits, weil es bei den Bernern lange Zeit sehr gut lief. Was paradox tönt, erklärt Baykal wiefolgt: ''Wir gewannen praktisch jedes Spiel, der Trainer hatte keinen Grund zu wechseln."

Teilweise sei es schon seltsam gewesen, denn auf der Bank habe man ''zum Teil bessere Spieler gehabt als auf dem Feld." Dies änderte sich auch bei seiner zweiten YB-Saison nicht, unter der Regie von Trainer Vladimir Petkovic kam er ebenfalls nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus.

Der Funke soll auf die Fans überspringen

Nun möchte Baykal mit seinem neuen, alten Coach auf die Erfolgsspur einbiegen. Nach der bitteren 1:2-Pleite gegen Bellinzona, als man in den letzten 10 Minuten den sicher geglaubten Sieg noch aus den Händen gleiten liess, sind drei Punkte gegen Sion schon fast Pflicht. Baykal blickt voraus: ''Wir werden kämpfen, die Fans sollen merken: Wir haben uns nicht aufgegeben!".

Von Mathias Germann

http://www.sportalplus.com/sportch/generated/article/fussball/2009/10/28/10016400000.html

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 Betreff des Beitrags: Re: (6) Baykal
 Beitrag Verfasst: Dienstag 27. Juli 2010, 16:54 
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Baykal spielt neu in der Türkei für Karsiyaka SK. Karsiyaka ist ein Stadtteil von Izmir.

http://www.transfermarkt.ch/de/baykal/profil/spieler_2873.html

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 Betreff des Beitrags: Re: (6) Baykal
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 29. Juni 2011, 09:47 
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29.06.2011

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Eine Karriere wie eine Achterbahnfahrt

Baykal glänzte 2004 an der U-21-EM, mit 22 Jahren war der Berner mit türkischen Wurzeln Stammspieler beim FC Basel. Nach einem missglückten Abstecher in die türkische Provinz sucht der ehemalige Thun- und YB-Spieler einen neuen Verein

Die U-21-Auswahl der Schweiz und der Einstand des neuen YB-Trainers Christian Gross standen zuletzt in Bern im fussballerischen Fokus. Die U-21 und Gross – das sind auch zwei zentrale Wegweiser in der Karriere von Baykal Kulaksizoglu, den alle nur Baykal nennen. 28 Jahre alt ist er mittlerweile, 1989 kam er aus Istanbul nach Bern. Derzeit weilt er in der Schweiz, bei der Familie seiner spanisch-italienischen Frau, die hier aufgewachsen ist – und arbeitet mit einem Personaltrainer an seiner Fitness, während er auf Jobangebote wartet. «Es ist unglaublich, wie schnell man im Fussball vergessen geht», sagt Baykal. «Das tut schon weh, aber ich bin in den letzten Jahren so oft auf die Schnauze gefallen, ich stehe auch diesmal wieder auf.»

Das tolle Tor an der U-21-EM

Einst galt Baykal als Supertalent, im Schach wie im Fussball. Er hat viel Geld verdient in den letzten Jahren, bei Basel, Köln und YB, und eigentlich gehe es ihm gut, er habe «eine sensationelle Familie» mit der bald fünf Jahre alten Tochter und dem zweijährigen Sohn. «Aber im Fussball lief zuletzt vieles nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte», sagt Baykal.

Im Sommer 2004 nahm er mit der Schweizer Equipe um Philippe Senderos und Tranquillo Barnetta an der U-21-EM in Deutschland teil, er schoss ein Traumtor gegen Portugal (2:2), doch nach der Vorrunde war der Titeltraum zu Ende. Dem kräftigen und spielstarken Ballverteiler standen die Türen der Fussballwelt offen, man hörte vom Interesse Hamburgs, Valencias und Hannovers. Und heute, sieben Jahre später, sagt er: «Ich habe eine schlimme Saison hinter mir.»

Das schwierige Jahr in Izmir

In der letzten Saison stand Baykal beim türkischen Zweitligisten Karsiyaka in Izmir unter Vertrag, fussballerisch betrachtet weit entfernt von Hamburg, Valencia und Hannover. Auch abseits des Rasens sei es kompliziert gewesen. «Man schätzt die Lebensqualität in der Schweiz erst, wenn man weg ist.» Auf dem Feld liefs dem Klub mit dem höchsten Budget der Liga nicht wie gewünscht, in neun Monaten versuchten sich vier Trainer, am Ende resultierte Rang 10 – und bei Baykal die Einsicht, dass er eine neue Herausforderung braucht. Noch schuldet ihm Karsiyaka einige Monatslöhne; die Fifa ist eingeschaltet, der Vertrag aufgelöst. «Taktik und Passspiel interessieren in der zweiten türkischen Liga keinen», sagt Baykal, ehe er bildhaft erklärt: «Man muss sich das vorstellen, wie wenn einer den Ball von oben aufs Spielfeld runterwirft, und alle rennen und grätschen wie wild dahin. Es ist wie bei einem Gladiatorenkampf.»

Der Gang ins Büro von Gross

Baykal ist ein schlauer Kerl, er spricht ausführlich über seine Karriere und erzählt viele Anekdoten. Mit 17 Jahren hatte der ehemalige Bethlehem- und Bümpliz-Junior zu GC gewechselt, später war er bei Thun einer der Leistungsträger auf dem Weg zu Rang 2 im Jahr 2005 – das bescherte ihm den gut dotierten Kontrakt beim FC Basel. Der Trainer hiess Christian Gross und setzte auf eine Raute im Mittelfeld. Baykal durfte auf seiner Lieblingsposition im defensiven zentralen Aufbau agieren, später musste er einige Partien links im Mittelfeld bestreiten. Also stolzierte Baykal ins Büro von Gross und erklärte dem Chef, es wäre besser, wenn er wieder im Zentrum spielen könnte. Gross reagierte ungehalten, wies den 22-Jährigen mit scharfen Worten aus dem Raum – und liess ihn nach weiteren Einsätzen auf der linken Seite links liegen. «Da war ich wohl zu forsch», sagt Baykal.

Gross sprach kaum mehr mit Baykal, doch als Hanspeter Latour, sein früherer Thun-Coach, den Fussballer 2006 zu Köln lotste, stand Gross am Hoteleingang, um Baykal zu verabschieden – am Morgen um 6 Uhr. «Das hat mich beeindruckt.»

Die fatale Absage 2009

Geduld und Demut gehörten früher nicht zu den Stärken Baykals. Er sagt: «Ich bin aber durchaus selbstkritisch, auch ich habe Fehler gemacht.» Er hat erkannt, dass nicht immer die anderen schuld am Zickzackkurs seiner Karriere sein können. In Köln jedenfalls setzte er sich – auch wegen Verletzungspechs – nicht durch, bei YB war er später ein solider Wert, lehnte aber vor zwei Jahren ein finanziell schwächeres Angebot ab. Bald war er sich vor zwei Jahren einig mit Bursaspor, lehnte diesen Transfer aber ab und ging zu Aarau. Bursaspor wurde 2010 türkischer Meister, Aarau stieg in die Challenge League ab. Nun ist Baykal auf Vereinssuche. Er meint: «Im Fussball ist vieles Schicksal, der Trainer spielt immer eine entscheidende Rolle für den Spieler.» Baykal macht sich viele Gedanken, vielleicht zu viele, er ist keiner, der sich einfach nur aufs Fussballspielen konzentrieren kann und will. «Ich möchte immer offen meine Meinung sagen können, und ich denke, Leute mit Führungsqualitäten sowie mit Ecken und Kanten sind gefragt.»

Das Probetraining in Lausanne

Baykal hat Kontakte zu Vereinen in der Türkei und in der Schweiz. St.Gallen zeigte Interesse; auch der ehemalige YB-Sportchef Alain Baumann, als Berater in Lausanne tätig, meldete sich. Baykal ist nicht zu stolz, derzeit ein Probetraining beim Super-League-Aufsteiger zu absolvieren. Und sein früherer YB-Trainer Vladimir Petkovic, neu bei Samsunspor in der ersten türkischen Spielklasse tätig, hat sich an Baykal erinnert. Er sei heute bereit zu Lohneinbussen, sagt der Fussballer, er wolle seine Laufbahn neu lancieren. Baykal beteuert, er werde dort spielen, wo ihn der Trainer aufstelle.

http://bazonline.ch/sport/fussball/Eine ... y/13330906

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 Betreff des Beitrags: Re: (6) Baykal
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 28. Dezember 2011, 11:25 
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Rechts oder links

Der Fussballer Baykal war talentiert und erfolgreich – nun spielt er vergessen in Sofia
Benjamin Steffen, Winterthur · Es gab Fussballländerspiele, in denen Baykal Kulaksizoglu, genannt Baykal, bester Schweizer war. Und es gab Zeiten, in denen sein Weg nur geradeaus zu führen schien, fast Tag für Tag.

Heute schlendert der 28-jährige Baykal durch den Stadtgarten von Winterthur, und als er auf eine Kreuzung trifft, sagt er: «Schauen Sie, das ist doch wie in meinem Leben.» Wohin des Weges? Links oder rechts? So lautet Baykals Frage heute, fast Tag für Tag.

Weisse Blätter, stille Normen

Ein Tag, als niemand zweifelte, dass der Weg geradeaus führt, war der 25. März 2005. Die Schweizer U-21-Auswahl trat gegen Frankreich an, gegen Franck Ribéry. Sie erreichte ein 1:1, für die Schweizer spielten etwa Diego Benaglio, Stephan Lichtsteiner, Valon Behrami, David Degen. Das Tor schoss Baykal. Der spanische Spitzenklub Valencia meldete Interesse an, obwohl Baykal erst gerade mit dem FC Basel einen Dreijahresvertrag unterschrieben hatte. Christian Gross, der damalige FCB-Trainer, sagte: «Ich war wohl nicht der Einzige, der gegen Frankreich sah, dass Baykal der beste Schweizer war.»

Als Junger stand er zweimal im GC-Meisterkader (2001, 2003), später wurde er viermal Liga-Zweiter, er war ein Motor des Thuner Höhenflugs 2004/05 – doch heute sieht ihn niemand mehr. «Ich fiel aus dem Schweizer Rampenlicht», sagt Baykal. Hiesige Klubs integrierten lieber junge Spieler, mit denen sich Geld verdienen lasse. Er selber spielt in Bulgarien, bei Lokomotive Sofia. Im Team stehen dreiundzwanzig Bulgaren. Ein Bosnier. Ein Schweizer. Ausser Baykal reden nur der Bosnier und zwei Bulgaren Englisch. Baykals Begleiter ist ein kleines Wörterbuch. Auf Bulgarisch kann er auf dem Feld die wichtigsten Anweisungen geben. Und er kann «Hallo» sagen und «Tschüss».

Er weiss nicht so recht, ob er zurückgehen möchte nach Bulgarien. Er verbringt die Winterpause daheim in Winterthur, mit seiner Ehefrau und den beiden kleinen Kindern. Und er spürt, dass er gern bliebe. «Ich möchte wieder Anschluss finden in der Schweiz. Denn die Schweiz ist das beste Land.» Nachdem er 2010 mit Aarau in die Challenge League abgestiegen war, spielte er ein Jahr in der Türkei, wo er geboren worden war. «Die Türkei ist eine andere Welt, aber ich beherrschte immerhin die Sprache.» In Bulgarien aber ist die Welt erstens anders und zweitens so, dass er fast keinen versteht. Und umgekehrt.

Baykal kam als Sechsjähriger mit seiner Mutter in die Schweiz; an den Wänden seines Zimmers in der Hochhauswohnung in Bern Bethlehem hingen früh weisse Blätter, auf denen Baykal Wünsche und Pläne niederschrieb. Er wollte in eine grosse Liga. Ins Nationalteam. Am liebsten wäre er ganz oft der beste Schweizer gewesen. Auf die Frage, warum er eigentlich noch spiele, sagt er: «Aus Leidenschaft. Und weil es zu früh ist, um aufzugeben. Ich könnte nach links gehen, ins normale Leben. Oder nach rechts.» Rechts sind der Fussball und die Hoffnung, dass es weitergeht wie bisher. Einfach etwas besser.

Baykal ist nicht der erste Schweizer Fussballer, für den sich nicht restlos erfüllt, was Talent, Träume, Trainer prophezeit hatten. Aber Baykal spricht so offen über seine Karriere, dass sie sich als Lehrstück darüber erkennen lässt, ob ein Mensch im Fussballgeschäft sich selber bleiben kann. Baykal macht sich Gedanken über seinen Charakter und überlegt, ob er daran gescheitert sein könnte. Er sagt, er sei ein normaler junger Mann, mit dem man lachen und essen gehen könne – «aber wenn es ungerecht wird, ist mir egal, wer vor mir steht». Und so kam es vor, dass er sich in Teamsitzungen zu Wort meldete, obwohl es um eine Angelegenheit ging, die nicht ihn selber betraf. Baykal sagt: «Ich war stets, wie ich bin – auch in Momenten, in denen ich hätte zurückstecken sollen.» Es kam vor, dass er bei einem Trainer vorsprach und fragte, warum er ihn nicht auf der angestammten Position im zentralen defensiven Mittelfeld spielen lasse – was, wie Baykal heute ahnt, schlecht ankam. Er glaubt, ihm hafte ein zweifelhafter Ruf an, und sagt: «Wenn ich mich besser hätte unterordnen können, wäre vieles einfacher gewesen.»

«Unterordnen» kann vieles bedeuten im Fussball. In der Branche gibt's stille Normen, die Aussenstehende nie erahnen würden. Als Baykal einmal etwas modisch gewandet im Training erschien, fragte ihn der Coach kritisch, ob er nachher gleich in den Ausgang wolle – Baykal aber hatte sich so angezogen, weil ihm die Kleider gefielen, schlicht und einfach. Die Episode erinnert an den früheren Luzerner Fussballer Lior Etter, der 2010 mit 20 Jahren zurückgetreten war. Bei Etter konnte es vorkommen, dass er nach der Schule nicht direkt ins Training, sondern zuerst nach Hause ging, um Hosen anzuziehen, die bei Fussballern gerade angesagt waren.

Baykal ist kein Querschläger, aber für Trainer kann er vielleicht anstrengend werden, weil er mitdenken will. Öffentlich zweifelt niemand an seinem Ruf, ausser er selber. Die Frage ist, ob alle ehrlich sind. Wegbegleiter sagen allenfalls, er sei physisch zu wenig stark gewesen. Er selber beschönigt nichts und sagt, er habe sein Talent nicht ausreichend bewiesen. «Ich hatte gute Spiele, aber auch schlechte.» Die meisten, die über Baykal reden, nennen ihn fast lieblich «Bayki»; es heisst, er sei freundlich, klug. Früher war er ein begabter Schachspieler; und weil er sich vorstellen kann, später als Trainer zu arbeiten, notiert er in einem Buch Trainingsübungen und Cornervarianten.

«So schlecht bin ich nicht»

Zwölf Jahre ist's her, dass Baykal in der Hochhauswohnung in Bethlehem sass und gefragt wurde, wer in seinen Augen der beste Schweizer mit Jahrgang 1983 sei. Er nannte weder sich selber noch Diego Benaglio oder David Degen, nein, er nannte ohne Zögern: Manuel Bühler, einen Mittelfeldspieler mit glänzender Technik. Doch Bühler, in Kolumbien geboren, von Schweizern adoptiert, kam sogar weniger weit. Baykals Weg führte über GC, Thun, Basel, Köln, YB, Aarau und Izmir nach Sofia; Bühler spielte in jüngeren Jahren für Xamax, GC oder Aarau und ist heute bei Nyon in der Challenge League engagiert.

Baykal würde es nichts ausmachen, bald in der gleichen Liga wie Bühler zu spielen. Er träumt nicht mehr von Basel oder YB, aber: «Ich verstehe nicht, warum ich in einem ambitionierten Challenge-League-Klub keine Chance erhalten sollte.» Er ist bereit, weniger zu verdienen als bisher; er ist bereit, ohne zu murren dort zu spielen, wohin ihn der Trainer schickt. «Ich kann mich anpassen, ich bin älter geworden», sagt er. «Und wissen Sie: Ich möchte im Herbst der Karriere einfach in die Schweiz zurückkommen und mich nochmals beweisen können. So schlecht bin ich nicht, weder fussballerisch noch charakterlich.»

Für Baykal ist nicht mehr am wichtigsten, der beste Schweizer zu sein. Er möchte einfach akzeptiert werden und weitergehen – auf dem Grat zwischen Anpassung und Sich-selber-Bleiben.


http://www.nzz.ch/nachrichten/sport/akt ... 16500.html

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 Betreff des Beitrags: Re: (6) Baykal
 Beitrag Verfasst: Dienstag 20. August 2024, 18:39 
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20.08.2024

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Champions-League-Duell mit Galatasaray

«Diese Tendenz hat YB, und darunter leidet die Leistung der Spieler»

Baykal Bellusci war Profi und ist heute Spielerberater. Im Interview erzählt der 41-Jährige von seinem grossen Fehler als Fussballer und erklärt, warum Teams zusammenbrechen.

Baykal Bellusci, der früher Baykal Kulaksızoğlu hiess, wurde 2002 als junger Ergänzungsspieler mit den Grasshoppers Schweizer Meister. Die restlichen 14 Fussballerjahre verbrachte er bei elf verschiedenen Clubs, etwa beim FC Basel, den Young Boys oder in der Türkei bei Karsiyaka.

2016 hat er zusammen mit Philipp Degen die Agentur SBE Management gegründet, seither berät er Fussballer. Zu den Klienten des 41-Jährigen gehören Spieler von YB und von Galatasaray, die sich am Mittwoch im Champions-League-Playoff gegenüberstehen.

Baykal Bellusci, wissen Sie, welches Foto auf Ihrem Instagram-Profil besonders beeindruckt?

Keine Ahnung. Da gibt es das eine oder andere, das nicht uninteressant ist.

Es ist jenes, auf dem Sie mit Oscarpreisträger Denzel Washington Schach spielen.

Ha! Das ist natürlich nicht Denzel Washington. Ich traf in Kubas Strassen einen Schachspieler, der wirklich haargenau aussah wie Denzel Washington. Und dann habe ich mir diesen Scherz erlaubt.

Ferien in Kuba also. Sie reisen auch als Spielerberater viel. Bei Galatasaray Istanbul betreut Ihre Agentur den ehemaligen Basler Yusuf Demir. Wie gut ist der Gegner der Young Boys?

YB muss zweimal ausgezeichnet spielen, um diese Hürde zu überstehen. In der Türkei sind viele, die auch in einer Top-5-Liga unter Vertrag sein könnten, weil am Bosporus Geld vorhanden ist.

Sie selbst waren vor 14 Jahren bei Karsiyaka in der zweiten türkischen Liga. Woran erinnern Sie sich?

Ich bin in Istanbul geboren und sechsjährig mit meiner Mutter in die Schweiz gekommen. Ich habe alles in der Schweiz gelernt. Als ich in die Türkei zurückging, stiess ich auf Probleme. Die Leute funktionieren ganz anders. Ich konnte die Sprache, aber ich fühlte mich als gebürtiger Türke wie ein Fremder.

Wie zeigte sich das?

Wenn du 26 Jahre lang das Freitagsgebet nicht gemacht hast und dann die ganze Mannschaft betet, dann kommt es bei niemandem gut an, wenn du nicht mitmachst. Oder dann die Matchtage: Wir kamen zwei Tage vor dem Spiel zusammen und waren fast eingesperrt auf dem Trainingsgelände. Ich hatte damals schon Kinder und war eine halbe Woche weg von der Familie. Das sind Sachen, die du aus Europa nicht kennst.

Warum wollten Sie sich nicht anpassen?

Das wollte ich als Fussballer leider zu oft nicht. 15 Jahre später weiss ich, dass ich gewisse Sachen anders gemacht hätte. Für mich liegt darin der Grund, warum ich Berater geworden bin: Weil ich den Jungen beibringen kann, nicht die gleichen Fehler zu machen.

Sie sagten einmal, dass Sie als Spieler etwa 30 Prozent Ihrer Möglichkeiten ausgeschöpft hätten.

Etwas wird sich nie ändern: Du kannst talentiert sein, aber das reicht nicht. Man kann Cristiano Ronaldo mögen oder nicht, aber was er aus seinem 39-jährigen Körper herausholt, mit harter Arbeit, das ist der positive Wahnsinn. In die Top-5-Ligen kommst du nicht einfach mit ein bisschen «Schüttelen». Ich dachte immer, ich bin sowieso genug gut, besser als die anderen. Mit hätte jemand sagen müssen: «Junge, du hast noch absolut überhaupt gar nichts erreicht.»

Was ist der Schlüssel für junge Fussballer?

Vergiss das Geld. Das kommt automatisch, wenn du über Jahre gut spielst. Es geht um deine Bereitschaft, immer und immer wieder an deine Grenzen zu gehen. Und auf deinen Körper zu achten, gut zu essen, gut zu schlafen. Ich glaube zum Beispiel, dass Gögi (Gökhan Inler) nicht der bessere Fussballer war als ich. Aber er hatte mir etwas voraus: seine Einstellung. Ich mag ihm seine grosse Karriere sehr gönnen.

Wie gut hören die Jungen auf einen Berater wie Sie?

Das variiert. Aber ich glaube, dass wir mit unseren Karrieren, Philipp mit der grössten, glaubwürdig sind. Und ich glaube, dass die Spieler etwas aus Gesprächen mitnehmen, auch wenn sie nicht zuhören.

Sie haben 34-mal für YB gespielt. Woran erinnern Sie sich?

Ich kam im Winter zurück aus Köln in meine Heimatstadt Bern und machte gleich den ersten Fehler: Vor mir lag ein Vertrag über viereinhalb Jahre. Ich unterschrieb für eineinhalb. Weil ich dachte: Jetzt spiele ich hier eine Saison, dann geh ich eh wieder in die Bundesliga.

Stattdessen gingen Sie zum FC Aarau.

Was mir auch geblieben ist: die Finalissima 2008 gegen Basel. Wir hatten als YB so viel investiert, um endlich wieder Meister zu werden. Dieses letzte Saisonspiel, in dem der Stern von Valentin Stocker aufgegangen ist, ist mir als grösste Niederlage geblieben.

Wie erleben Sie den Berner Saisonstart?

Mich überrascht nicht, dass YB so gestartet ist. Ohne die Schwächephasen der anderen Teams hätte YB letzte Saison Mühe gehabt, mit diesem Kader Meister zu werden. Manchmal muss man Spieler ziehen lassen, obwohl der Preis nicht ganz den eigenen Vorstellungen entspricht. YB hat zuletzt Aurèle Amenda oder Fabian Rieder verkauft. Aber einen Meschack Elia oder Ali Camara oder Cheikh Niasse, Spieler, die schon länger da sind, die musst du im richtigen Moment abgeben, um eine Blutverjüngung zu erzielen. YB hat in den letzten Jahren sehr erfolgreich gearbeitet und super Transfers gemacht, aber diesen Moment hat YB zuletzt möglicherweise verpasst.

Ein Club will allerdings auch erfolgreich sein und kann nicht jeden Spieler abgeben.

Einerseits muss ein Club Spieler verkaufen, um sich zu finanzieren. Andererseits muss er ein Kader bauen, das ihm sportlichen Erfolg bringt. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld, in dem er ein Gleichgewicht finden muss. Transferiert ein Club zu viel, leidet das Kader. Der FC Basel hat gerade diese Tendenz, verkauft aber oft und zu sehr guten Preisen. Im schlimmsten Fall bricht dann das Team zusammen. Transferiert der Club zu wenig, hält er zum Beispiel an Spielern fest, die gehen wollen, dann hat er unzufriedene Fussballer im Kader. Diese Tendenz hat gerade YB. Darunter leidet die Leistung dieser Spieler, mit der Konsequenz, dass ihr Preis bestenfalls stagniert.

Sie beraten YB-Spieler Loris Benito. Wird er nach seiner Verletzung gegen Galatasaray auflaufen können?

Nein. Weder im Hin- noch im Rückspiel. Und bei allem Respekt: Es darf auch nicht passieren, dass Loris nach einem Kreuzbandriss diese Verantwortung tragen muss. Er wird zuerst mit der U-21 spielen und dann den Schritt in die erste Mannschaft machen.

Was muss YB tun, um gegen Galatasaray eine Chance zu haben?

Das wird wahnsinnig schwierig. Aber YB kann in der zweiten Minuten in Führung gehen und in der siebten das zweite Tor erzielen. Dann ist YB plötzlich wieder voll da. Und ich bin auch überzeugt, dass YB aus dem Tief in der Liga finden wird.

Dann bleibt noch eine Frage: Haben Sie das Denzel-Washington-Double am Schachbrett besiegt?

Ich spielte mit Schwarz und geriet unter Druck. Am Schluss gelang mir ein guter Angriff und ich konnte ihn aus guter Position eliminieren.


https://www.bernerzeitung.ch/yb-galatas ... 0311369329

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