17.06.2024

Zitat:
Mama war Putzfrau, Papa Kellner: So kämpfte sich Nati-Hoffnung Duah hoch
Mit einem starken Startelfdebüt gegen Ungarn schiesst sich Kwadwo Duah in die Herzen der Schweizer Fans. Wir stellen den Berner Spätzünder vor, der für den Nati-Traum dem Heimatland seiner Eltern absagte.
Darum gehts
- Kwadwo Duah ist der Mann der Stunde in der Schweizer Nati.
- Vor vier Jahren kickte der Berner noch in der Challenge League.
- Ghana, dem Heimatland seiner Eltern, gab Duah einen Korb.
«Jetzt kennt ihn ganz Europa», meint Murat Yakin nach dem Sieg gegen Ungarn über Kwadwo Duah. Den 27-Jährigen hatte vor wenigen Wochen noch kaum jemand auf dem Zettel, nun ist er der offensive Hoffnungsträger einer ganzen Nation. Doch wer ist der Mann, der bei Ludogorets Rasgrad in Bulgarien sein Geld verdient? Wir stellen ihn vor.
1997 kam Duah als Sohn ghanaischer Eltern in London auf die Welt, ehe die Familie drei Jahre später in die Schweiz übersiedelte. Im Berner Bethlehem-Quartier wurden die Duahs heimisch. Kwadwos Vater fand einen Job als Kellner, später arbeitete er in einer Fleischfabrik. Die Mutter verdiente als Putzfrau Geld und kümmerte sich mit ihrem Mann darum, dass Kwadwo und seine drei Geschwister wohlbehütet in einfachen Verhältnissen aufwachsen konnten. Noch heute wohnt die Familie dort.
Von Bern-Bethlehem zum EM-Held
Für den heutigen Nati-Stürmer stand früh im Leben der Fussball im Zentrum. Nach ersten Schritten für die Quartierclubs AS Italiana und FC Bethlehem gings für Duah schon als Zehnjähriger zu YB, wo er sämtliche Nachwuchsstationen bis in die erste Mannschaft durchlief.
Im Fanionteam der Young Boys knipste der Offensivspieler im Oktober 2016 im dritten Spiel zum ersten Mal, doch der Durchbruch bei Gelbschwarz blieb aus. Es folgten Wanderjahre mit durchzogenen Leih-Stationen bei den damaligen Challenge-League-Clubs Xamax, Winterthur und Servette. Das sportliche Glück fand Duah erst in der Ostschweiz.
Ghana gab er einen Korb
Bei Wil erzielte er unter Ciriaco Sforza in einer Saison 17 Skorerpunkte in 35 Spielen, bevor ihn der FCSG zurück in die Super League holte. Bei den Espen machte der schnelle Stürmer weiter Fortschritte und landete so erst 2022 in der zweiten Bundesliga bei Nürnberg und später beim bulgarischen Liga-Primus Ludogorets Rasgrad.
Auf Nationalmannschafts-Ebene ist Duah für die Schweiz lange kein Thema. Für Ghana hätte er derweil schon vor zwei Jahren auflaufen können. Doch der «Berner Giu» lehnt es mehrfach ab, für das Heimatland seiner Eltern aufzulaufen. «Ich bin voll schweizerisch aufgewachsen. Ich bin Berner, aber nicht so langsam wie ihr Ruf», erklärte Duah einst dem «St. Galler Tagblatt».
Lausbübisch und gleichzeitig sensibel
Dass der 1,85 Meter grosse Mittelstürmer einen guten Antritt besitzt, weiss nun ganz Europa. «Ich bin immer noch am Träumen. Zweites Länderspiel, erstes Tor. Innerlich bin ich am Explodieren», freute sich Duah nach dem Ungarn-Spiel. Der Shootingstar bleibt dabei äusserlich ganz cool.
Als Person wird Duah von Beobachtern und Wegbegleitern auch als lausbübisch und äusserst lebensfroh bezeichnet. Er hat aber auch eine andere Seite an sich. «Ich bin sensibel. Ich glaube, Stürmer sind allgemein so», sagt die Fussballer-Biografien lesende Nati-Hoffnung selbst über sich.
Mit 27 Jahren gelingt Duah der Durchbruch auf der grossen Bühne verhältnismässig spät. Legt er an dieser EM noch weitere solche grossen Auftritte wie gegen Ungarn hin, könnte der Chelsea-Fan aber vielleicht doch noch den Sprung in eine Top-Liga wie die Premier League schaffen. Weitere Tore und Sonntagsschüsse würden dafür helfen – auch wenn Duahs Vorname Kwadwo in Ghana «an einem Montag geboren» bedeutet.
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