1. FC Union Berlin: Der zweite Anlauf von Jordan SiebatcheuEin Jahr war Jordan Siebatcheu nach Gladbach ausgeliehen, jetzt ist er zurück in Köpenick. Trainer Bo Svensson will den Stürmer wieder ins Rollen bringen.
Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, da wechselte in Jordan Siebatcheu ein in Deutschland noch weitgehend unbekannter Stürmer zum 1. FC Union Berlin. 22 Tore hatte er in der Saison zuvor für Young Boys Bern erzielt, in der Gruppenphase der Champions League gegen Manchester United und Atalanta Bergamo getroffen. In der Bundesliga wollte er den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen, sich in einer der Top-Ligen Europas beweisen.
Und tatsächlich: Der Amerikaner benötigte quasi keine Anlaufzeit, traf im ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal, zum Saisonauftakt im Derby gegen Hertha BSC und zwei Wochen später gegen RB Leipzig. Oliver Ruhnert, seinerzeit noch Geschäftsführer Profifußball an der Alten Försterei, schien einen echten Glücksgriff gemacht zu haben.
Das Glück war aber letztlich nur von kurzer Dauer. Seinen Torriecher hatte Jordan auf einmal verloren, auf dem Platz wirkte er nicht selten wie ein Fremdkörper. Zwei weitere Treffer gelangen ihm bis Saisonende lediglich noch. Ex-Trainer Urs Fischer, der ihm lange den Rücken gestärkt hatte, setzte an der Seite von Sheraldo Becker irgendwann auf Kevin Behrens. Beim triumphalen Einzug in die Champions League spielte der 1,91 Meter lange Hüne allenfalls noch eine Nebenrolle.
Jetzt, nach einer einjährigen Leihe zu Ligakonkurrent Borussia Mönchengladbach, steht Jordan Siebatcheu wieder auf dem Trainingsplatz in Köpenick. Fischer ist nicht mehr Trainer, nach dem Intermezzo von Nenad Bjelica, das Jordan nur aus der Ferne verfolgen konnte, hat Bo Svensson nun das Sagen übernommen. Genau das könnte für den inzwischen 28-Jährigen ein großer Pluspunkt werden.
Svensson baut auf Jordan: „Kann sehr wertvoll für uns sein“Nimmt man das erste Testspiel am vergangenen Wochenende bei Regionalligist BSG Chemie Leipzig (4:0) als Maßstab, könnte es durchaus sein, dass genau ein Spieler wie er ins Stürmer-Anforderungsprofil von Svensson passt. Jordan spielte als alleinige Spitze, um ihn herum sollten Yorbe Vertessen und Tim Skarke wirbeln und den Mittelstürmer vor allem aufgrund ihres Tempos mit Zuspielen und Flanken versorgen. Svensson war im Anschluss an den Aufgalopp im Leipziger Westen zufrieden: „Jordan macht einen guten Eindruck, auch in den Gesprächen, die ich mit ihm führe. Er ist ein Spieler, der sehr, sehr wertvoll für uns sein kann.“
Die Konkurrenzsituation in der Spitze ist mit Blick auf das noch acht Wochen geöffnete Transferfenster natürlich noch nicht abzusehen, Stand jetzt hat Jordan allerdings die Chance, sich als Stürmer Nummer eins in Position zu bringen. Behrens ist schon seit einem halben Jahr nicht mehr da, Mikkel Kaufmann wurde gerade an den 1. FC Heidenheim verkauft. Bleibt vom Typ Brecher im Aufgebot momentan nur Zugang Ivan Prtajin übrig, der sich in der Vorbereitung aber wohl erst mal darauf konzentrieren muss, dauerhaft auf Bundesliga-Niveau mithalten zu können.
Am Montag, im einzigen öffentlichen Training in dieser Woche, machte Jordan einen aufgelockerten Eindruck. In seiner ersten Saison bei Union sah man ihn nicht selten etwas bedröppelt über den Platz schleichen, später sicher auch in dem Wissen, dass er in der Rückrunde einfach nicht mehr in Tritt kam. Gleich zu Beginn des Jahres hatte er im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim einen Elfmeter verschossen. Eine Aktion, die ihm auch das letzte Selbstbewusstsein zu nehmen schien. Unter Svensson will er das neu in ihn gesetzte Vertrauen zurückzahlen.
Aus Mönchengladbach hört man nicht wenige Stimmen, die sich sicher sind, dass die Borussia mit einem durchgehend fitten Jordan in der vergangenen Spielzeit nicht so lange im Abstiegskampf gesteckt hätte. Sieben Treffer erzielte er in insgesamt 27 Einsätzen für die Fohlen wettbewerbsübergreifend. Wenn ihn nicht zwischenzeitlich ein Muskelfaserriss und eine Oberschenkelverletzung gestoppt hätten, wäre seine Toranzahl vermutlich in den zweistelligen Bereich gestiegen. Zum Vergleich: Unions bester Torschütze 2023/24, Robin Gosens, kam auf insgesamt sechs Treffer.
Beim Training zu Wochenbeginn stand derweil auch wieder Michael Gspurning auf dem Rasen. Mit Österreich vor einer Woche aus dem EM ausgeschieden, machte der Torwarttrainer vor seinem Urlaub noch einen Abstecher an die Alte Försterei und schoss den Keepern die Bälle um die Ohren. Zumindest denen, die da waren, denn im Vergleich zur Vorwoche fehlte neben Frederik Rönnow, der nach dem Achtelfinal-Aus mit Dänemark erst am 23. Juli wieder ins Training einsteigt, auch Alexander Schwolow auf dem Platz. Der 32-Jährige musste beim Test in Leipzig noch vor der Pause angeschlagen ausgewechselt werden. Wann er zurückkehrt, ist noch offen.
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