Registrieren    Anmelden    Forum    Suche    FAQ

 

 

 

     

 

 

Foren-Übersicht » www.ybfans.ch » Ehemalige Spieler & Trainer




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 6 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Marco Schällibaum
 Beitrag Verfasst: Montag 16. August 2004, 17:26 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 01:08
Beiträge: 19960
Blick, 16.8.2004

Jetzt hätts gschället! Servette feuert Schällibaum


GENF – Das war zu erwarten: Servette-Trainer Marco Schällibaum (42) ist heute von Teamboss Marc Roger gefeuert worden.

Nach Martin Rueda, der in Aarau nach einem 4:0-Sieg (!) ausgerechnet gegen Schällibaums Servette den Trainersessel für Andy Egli räumen musste, ist Marco Schällibaum der zweite Trainer in der jungen Super-League-Saison, der seinen Job los ist.
Die Bilanz der Millionarios, mit drei Minuspunkten in die Saison gestartet, ist erbärmlich: 6 Spiele, 5 Niederlagen, zuletzt ein 0:3 bei Xamax! Und im Uefa-Cup-Hinspiel bei Ujpest Budapest setzte es letzten Donnerstag eine 1:3-Pleite ab. Zu viel Negativ-Schlagzeilen für Servette-Boss Marc Roger, der in diesem Sommer nicht weniger als 20 neue Spieler verpflichtet hat.

Nach einer Besprechung mit dem Gesamtvorstand informierte Marc Roger heute Morgen das Team, dass Marco Schällibaum nicht mehr Trainer ist. Interimistisch wird das SL-Schlusslicht von Adria Ursea geführt. Marc Roger soll aber bereits Gespräche mit einem Franzosen mit klingendem Namen geführt haben.

Der Rumäne Ursea war bisher Assistent von Schällibaum, der im Sommer 2003 von YB an den Genfersee gewechselt war. Seine Bilanz in der Meisterschaft: 41 Spiele, 15 Siege, 8 Unentschieden, 18 Niederlagen. «Ich kenne das Geschäft», erklärte ein geschlagener Schällibaum. «Für den schlechten Saisonstart trage ich die Verantwortung.»


Statistiken:

http://www.transfermarkt.ch/de/marco-schaellibaum/aufeinenblick/trainer_536.html

http://www.football-lineups.com/coach/609

_________________
Bild For Ever


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
 Beitrag Verfasst: Montag 16. August 2004, 22:37 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Donnerstag 13. Mai 2004, 22:46
Beiträge: 216
Viu Glück witerhin Schälli. Bi überzügt dr Schälli het scho gli wieder äs Team.

Tippe mau ufe FC Zürich.


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Marco Schällibaum
 Beitrag Verfasst: Montag 13. Mai 2013, 16:21 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 01:08
Beiträge: 19960
13.05.2013

Bild

Zitat:
«Ich habe im Leben einen neuen Sinn gefunden»

Nach 20 Monaten Arbeitslosigkeit hat Trainer Marco Schällibaum beim Fussballclub Montreal Impact sein neues Glück gefunden. 6000 Kilometer trennen ihn nun von seiner Familie. Man könne eben nicht alles haben, sagt Schällibaum, der sich zurzeit ganz auf das Abenteuer Kanada konzentriert.

Marco Schällibaum, am 6. April wurden Sie 51. Wie haben Sie Ihren Geburtstag gefeiert?

Ich war für vier Tage in der Schweiz und feierte mit meiner Frau, meiner Tochter und meinem Sohn. Das ergab sich so, weil LA Galaxy uns anfragte, ob wir das Spiel von jenem Wochenende verschieben könnten, da die Mannschaft wenige Tage zuvor noch in der Champions League gespielt hatte. Davor war ich drei Monate lang nicht mehr zu Hause.

Am 6. Januar 2013 flogen Sie ganz alleine nach Kanada. Haben Sie sich nie einsam gefühlt?

Ich bin ein sehr eifriger Familienvater — da ist es nie einfach, von Frau und Kind getrennt zu sein. Ich hatte ein mulmiges Gefühl, rund 6000 Kilometer von meiner Familie entfernt zu sein. Gleichzeitig muss ich sagen, dass ich in Montreal bisher jeden Tag genossen habe. Meine Arbeit ist unglaublich interessant. Und das weiss ich zu schätzen, zumal ich kein einfaches Jahr hinter mir habe.

Sie waren insgesamt während 20 Monaten arbeitslos und am Ende gar ausgesteuert.

Obwohl ich viel Zeit mit meiner Familie verbringen konnte, fühlte ich mich irgendwann nur noch als halber Mann. Deshalb tut mir diese Herausforderung unglaublich gut: Ich habe im Leben einen neuen Sinn gefunden. Die bisherige Zeit war sehr reich an Erfahrung. Es ist toll, in diesem Umfeld zu arbeiten.

Wie schnell wächst der Fussballsport in Nordamerika?

Klar, hat er noch lange nicht den Stellenwert wie etwa Eishockey oder American Football. Aber die Major League Soccer ist sehr gut organisiert, davon können wir uns in der Schweiz eine Scheibe abschneiden. In den Sportteilen der Tageszeitungen wird zwar erst etwa ab der vierten oder fünften Seite über den Fussball berichtet. Aber wir haben unsere Fangemeinde und spielen regelmässig vor 20 000 bis 40 000 Zuschauern.

Beim Training der Montreal Impact sollen täglich bis zu 50 Journalisten vor Ort sein.

Tatsächlich sind täglich viele Medienschaffende und drei bis vier Fernsehteams im Training. Man spürt einen gewissen Boom. Aber wir sind hier auch nicht in der Schweiz — Amerika ist riesig, und wir erhaschen ein kleines Stück von einem ganz grossen Kuchen.

Inwiefern gibt es sportliche Unterschiede zu Europa?

Der Fussball ist hier einiges physischer. Jede Mannschaft betreibt ein offensives Pressing und versucht, den Gegner zu zermürben. Taktisch ist das Spiel zwar noch nicht auf dem Niveau von Klubs wie Bayern oder Barcelona. Aber jede Mannschaft gibt Vollgas, und darauf muss man vorbereitet sein. Ansonsten sind die Tore und Spielfelder genau gleich gross wie in Europa (lacht).

Sie haben in der Schweiz insgesamt neun Klubs trainiert. Welche Erfahrung hat Sie am meisten geprägt?

Ich war fast 15 Jahre lang als Trainer tätig, ein Business, das einem sehr viel gibt. Ich hatte vier geniale Jahre bei YB, spielte mit Servette im Uefa Cup, und auch meine Zeit in Bellinzona oder Lugano war toll. Aber nicht jeder Trainer kann Erfolg haben, und jeder erlebt auch Durststrecken. In Genf war es der Konkurs oder in Lugano die Entlassung als Tabellenführer. Im Fussball gibt es die Ups genauso wie die Downs, doch Letztere machen einen stark. Ich erlebte zuletzt in der Schweiz eine sehr schwierige Zeit. Deshalb bin ich nun besonders motiviert und hungrig...

… und besonders erfolgreich. Montreal stand nach fünf Spieltagen an der Spitze der Eastern Conference.

Der Start ist uns sicherlich geglückt. Doch von unserem Ziel, den Play-offs, sind wir noch weit entfernt. In der Major League Soccer gibt es wie in der Eishockey-oder Basketballliga ein Drafting-System und einen Salary Cap (Lohnobergrenze, Red.). Deshalb sind alle Teams sehr nahe beisammen und ­alles ist sehr ausgeglichen.

Für Sie sind die Play-offs die Grundlage dafür, eine Vertragsverlängerung zu erhalten.

Das ist in den Medien falsch rüber- gekommen. Beide Seiten haben sich zunächst für einen einjährigen Vertrag entschieden. Schliesslich wollte auch ich erst einmal sehen, was da auf mich zukommt. Wenn ich Erfolg habe und mich wohlfühle, ist es irgendwann schon denkbar, dass ich einen Vertrag mit längerer Laufdauer unterschreibe.

Sie können sich also vorstellen zu bleiben?

Das kann man nie sagen. Aber das bisher Erlebte ist unglaublich reichhaltig, das Trainingslager in Orlando, die Reisen an die Auswärtsspiele — da mache selbst ich als 51-Jähriger noch grosse Augen. Ich kannte Amerika zwar schon, aber nicht so intensiv. Das ist auch für mich Neuland, und es macht riesig Spass mit diesem Team und in diesem Umfeld.

Haben Sie sich mit Ihrer Familie schon über ein längeres Engagement unterhalten?

Noch nicht gross. Die Play-offs sind nun das Ziel, das am weitesten in der Zukunft liegt. Auch die Champions League wäre reizvoll, und sie wäre auch über den Gewinn des kanadischen Cups erreichbar. Da stehen wir momentan im Halbfinal, da es nur drei kanadische MLS-Klubs gibt. Aber ich will im Moment nicht von Titeln reden. Zuerst wollen wir die Play-offs erreichen — es wäre ein Novum in der Geschichte der Montreal Impact.

Mit welchem Spieler aus der Raiffeisen Super League würden Sie Ihre Mannschaft gerne verstärken?

Das ist aus dem Stegreif schwierig zu beurteilen. Und es wäre nicht sehr seriös, wenn ich hier einen einzelnen Kandidaten herauspicken würde. Wir werden auf dem Transfermarkt erst im Juli wieder aktiv — bis dahin kann noch viel passieren, und es muss noch viel mehr zusammenpassen. Aber klar gibt es Kandidaten — das ist nur logisch, wenn ja auch der Trainer ein Schweizer ist. Viel wichtiger ist für mich aber, dass die Arbeit mit meinem Team erfolgreich ist.

Bleibt bei so viel Fussball eigentlich auch Zeit für andere Sportarten?

Ich geniesse den Fussball immer noch sehr intensiv. Aber ich war auch schon bei einem Eishockeyspiel der Montreal Canadiens, wenn ich einen Tag oder einen Abend frei hatte. Ich will mich auch in anderen Dingen weiterbilden und geniesse meine Freiräume. Ich bin keiner, der vor dem Fernseher einschläft — dafür ist das Leben zu kurz.

Sie scheinen in Kanada sehr glücklich zu sein.

Absolut, das bin ich. Es ist ein Abenteuer. Und manchmal überkommt mich auch der Blues, weil mir meine Familie fehlt. Aber dann denke ich an das letzte Jahr zurück, als ich keine Arbeit hatte und sogenannte Freunde mich im Stich liessen. Dann ist mir sofort wieder klar, dass ich mich wirklich glücklich schätzen darf.


Erster Schweizer Trainer in der Major League Soccer

Marco Schällibaum (geboren am 6. April 1962) gab sein Debüt als Spieler 1980 in der Nationalliga A bei den Zürcher Grasshoppers. Fünf Jahre blieb er dem Klub treu, dann wechselte er zum FC Basel, später kickte «Schälli» sechs Jahre in Genf bei Servette. Seine Karriere als aktiver Spieler beendete er 1995 beim FC Luzern. 31 Mal stand der Verteidiger für die Schweizer Nationalmannschaft im Einsatz. Nach seiner Spielerkarriere wurde Schällibaum Trainer. Er begann als Assistenztrainer beim FC Basel, 2001 führte er die Berner Young Boys zurück in die höchste Spielliga. Weitere Stationen des Zürchers waren Servette, Concordia Basel, der FC Sion, FC Schaffhausen und die AC Bellinzona. Zuletzt trainierte er den FC Lugano, wo er im Mai 2011 entlassen wird, obwohl der Klub zu jenem Zeitpunkt an der Tabellenspitze der Challenge League steht. Danach kommt lange nichts. Schällibaum findet keinen Trainerjob mehr, muss stempeln gehen. Im Januar 2013 wendet sich das Blatt: «Schälli» wird Cheftrainer des kanadischen Vereins Montreal Impact, der in der nordamerikanischen Profiliga Major League Soccer spielt.

_________________
Bild For Ever


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Marco Schällibaum
 Beitrag Verfasst: Montag 21. September 2015, 23:24 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 01:08
Beiträge: 19960
20.09.2015

Bild

Zitat:
Der Kult-Trainer mit den verschiedenen Gesichtern

Sportchef Fredy Bickel hat nach und nach seine Vertrauten bei YB installiert. Nur für einen hatte er keine Verwendung: Marco Schällibaum (53), Trainer beim heutigen Gegner Chiasso.

Ist es euch wirklich recht, wenn wir ins Valle di Muggio hochfahren?» Doch, doch. «Es dauert aber mindestens 25 Minuten. Und die Strasse ist eng und kurvenreich.» Kein Problem. «Wir könnten auch in eine normale Pizzeria in Chiasso.» Nein, normal passt nicht zu Marco Schällibaum. «Aber ihr werdet sehen. Es ist fantastisch da oben. Auf der Wiese unter meiner Wohnung seht ihr Füchse, Hasen und Rehe. Ich muss aber erst anrufen, ob die Wirtin für uns kocht. Denn normalerweise hat sie am Mittwochabend geschlossen», sagt Schällibaum.

30 Minuten später sind wir in Scudellate. Das zweitletzte Dorf im Valle di Muggio. 912 Meter über Meer. Eine Beiz. 28 Einwohner. Grandiose Aussicht. Stille. Und zur Begrüssung zeigt sich ein Fuchs unterhalb des Rusticos, welches Schällibaum bewohnt. Die Wirtin verzichtet mit Freude auf den freien Abend. Schliesslich hat sie Schällibaum zwei Tage nicht mehr gesehen, weil dieser in Gelterkinden bei seiner Frau, seiner Tochter (14) und seinem Sohn (11) war. Es gibt Ossobuco mit Polenta und etliche Geschichten aus dem Leben von Marco Schällibaum.

Es sind einerseits Geschichten aus einer unvollendeten Trainerkarriere. Aber auch aus einem Leben ausserhalb des Fussballs, das den 53-Jährigen mit grossen Aufgaben konfrontierte.

Vulkan, Kumpel oder Alkoholiker

Für die einen ist Schällibaum der Vulkan, weil er leidenschaftlich und impulsiv ist. Für die anderen ist er der Kumpel, weil er bodenständig und volksnah ist. Und für eine kleine Gruppe, die ihm nicht gut gesinnt ist, ist er der Lebemann mit der rauchigen Stimme, dem nachgesagt wird, er trinke gerne und zu viel Alkohol. Doch kaum wird er je charakterisiert, wofür er eigentlich steht: für richtig gute, ehrliche Trainerarbeit. Vielleicht hat die Welt schon bessere Taktiker gesehen als Schällibaum. Aber selten haben wir einen Trainer mit so viel Ehrlichkeit, Feuer und Empathie gesehen. Einen Trainer auch, der es vorzüglich versteht, eine gute Ambiance im Team zu schaffen, und die Spieler besser macht. Oder: Menschlichkeit als Führungsprinzip.

Doch Schällibaums Weg als Trainer ist begleitet von Intrigen, falschen Versprechungen, falschen Hoffnungen und Pech. Und von bösen Gerüchten. Als er sich vor neun Jahren mit Dieter Fröhlich, dem damaligen Präsidenten des FC St. Gallen bereits einig war, soll Erich Vogel das Gerücht gestreut haben, Schällibaum habe ein Alkoholproblem. Fröhlich distanzierte sich von seinem Wunschkandidaten. Dem blieb später nichts anderes übrig, als sich auf den Schleudersitz in Sion zu setzen, wo er nach nur vier Spielen entlassen wurde. «Weil ich zwei, drei Spieler aus disziplinarischen Gründen nicht mehr wollte. Leider waren diese Spieler die Spezis des Präsidenten. Trotzdem: Constantin ist ein guter Mensch. Leider fehlt ihm die Geduld, um auch ein guter Präsident zu sein.»

Nie ein Alkoholproblem gehabt

Schällibaum schwört, «dass ich in keiner Phase meines Lebens ein Alkoholproblem hatte. Dieses falsche Gerücht hat mich mehrere Jobs gekostet. Sicher, es gab eine Zeit, da drohte ich abzudriften. Aber das war zehn Jahre vor der Episode in St. Gallen.» Damals, Mitte der 90er, startete Schällibaum in Nyon seine Trainerkarriere. Doch dann die Tragödie.

Sein zehn Monate alter Sohn stirbt, weil ein bösartiger Virus nicht entdeckt worden ist. «Der Schmerz war unerträglich. Während eines Jahres fühlte ich mich nicht mehr als Teil dieser Welt.» Erst die Trennung von seiner damaligen Lebenspartnerin («andere schweisst eine solche Tragödie zusammen, uns hat sie getrennt») sowie das Angebot aus Basel als U21-Trainer lenkten ihn wieder zurück auf die Bahn.

Was auf Basel folgte, war märchenhaft. Schällibaum wurde von YB gerufen, rettete den Traditionsklub vor dem Abstieg in die 1. Liga und entfachte in Bern zusammen mit seinen WG-Kumpels Bickel und Harald Gämperle (Assistenztrainer) neues Fussball-Feuer. Aufstieg, Europacup. Und das alles mit höchst bescheidenen Mitteln und einem Ballenberg-Stadion (Neufeld).

Als Bickel die Fehde gegen den mächtigen Stadion-Boss Peter Jauch verlor und gehen musste, solidarisierte sich Schällibaum 2003 mit seinem Kumpel und heuerte bei Servette an. Ein Fehler? «Nein», sagt Schällibaum. «Sicher war der Konkurs von Servette ein trauriges Kapitel. Umso mehr, weil mich Marc Roger mit grossen Versprechungen nach Genf gelockt hatte. Ausserdem wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen, ehe mich Jauch entlässt.»

Ruf gerettet - dank Bellinzona

Weil er als Fussballer (31 Länderspiele) die fetten Jahre noch nicht erlebt hat, von Servette keinen Lohn mehr kassierte, die Rechnungen gleichwohl zahlen musste und die Familie «von etwas leben muss», musste er in der Folge jeweils das nächstbeste Angebot annehmen. «Dabei wäre es gut gewesen, wenn ich hätte warten können.» Concordia, Sion, Schaffhausen waren seine nächsten Destinationen. Und dann kam Bellinzona. Nicht die grosse Fussballwelt. Aber immerhin Super League. Und ein Umfeld, das nicht allzu schnell nervös wurde. Schällibaum brillierte. Führte den Aufsteiger umgehend in den Europacup. Sein Ruf war wieder intakt. Insbesondere im Tessin.

Lugano war die nächste Station. Auch dort war seine Zeit begrenzt. Nach nur einem Jahr wurde Schällibaum entlassen. Obwohl er zu jenem Zeitpunkt die Tabelle in der Challenge League anführte. «Es gab einen Präsidenten-Wechsel. Und der neue Präsident wollte seinen Trainer installieren.» Danach wurde es ruhig um Schällibaum. Eineinhalb Jahre blieb er ohne Job. Was ihn daran zweifeln liess, ob es für einen wie ihn im Spitzenfussball mit diesen durchgestylten, stromlinienförmigen Trainern überhaupt noch einen Platz gibt.

Doch es gab einen Platz für ihn. In Kanada. Mit Schällibaum als Trainer gewinnen die Montreal Impact den kanadischen Cup und qualifizieren sich erstmals in der Klubgeschichte für die Playoffs. Doch nach einem Jahr ist wieder Schluss. Warum? «Im letzten Monat war ich nicht mehr in Form. Denn ich habe elf Monate praktisch durchgearbeitet und meine Familie in der Schweiz kaum gesehen. Und: Ich habe einen Machtkampf gegen die starke italienische Fraktion in der Organisation verloren.»

Wieder arbeitslos. Wieder warten. 15 Monate lang. Bis im April dieses Jahres das abstiegsbedrohte Chiasso kommt. Ein unprätentiöser Klub in einer unprätentiösen Stadt und mit dem tiefsten Zuschauerschnitt in der Challenge League. Doch Schällibaum ist sich dafür nicht zu schade. Er sagt sogar: «Ich bin dem FC Chiasso unendlich dankbar, dass er mir nochmals die Türe zum Schweizer Fussball geöffnet hat.» Und was macht er aus dieser Chance? Sehr viel. Er rettet die Tessiner vor dem Abstieg und mischt in der aktuellen Saison überraschenderweise ganz vorne mit.

Längst hat sich die Dunkelheit über das Muggiotal gelegt. Vereinzelt ist ein Rascheln zu hören. Ansonsten nur – Stille, Frieden, Harmonie. Als hörte man Schällibaums Seele singen.


http://www.aargauerzeitung.ch/sport/fus ... -129571818

_________________
Bild For Ever


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Marco Schällibaum
 Beitrag Verfasst: Dienstag 22. September 2015, 10:13 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Donnerstag 6. Mai 2004, 15:28
Beiträge: 4537



Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Marco Schällibaum
 Beitrag Verfasst: Samstag 20. Februar 2021, 22:17 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Montag 24. Mai 2004, 19:21
Beiträge: 2493
Wohnort: In der Brauerei
Als Marco Schällibaum mit Polo Hofer «Alperose» sang

Der 58-Jährige war von 1999 bis 2003 Trainer von YB, danach eine Saison bei Servette. Heute ist er Ausbildungsleiter im Nachwuchs des FC Basel.

***

Marco, was kommt Dir in den Sinn, wenn Du an Deine Zeit bei YB zurückdenkst?
Viel Schönes. Natürlich bleibt der Aufstieg 2001 unvergessen, die emotionalen Momente, das Fest, an dem Polo Hofer auftrat und wir alle «Alperose» sangen… Diese Glücksgefühle waren sehr intensiv. Das werde ich nie vergessen. Ausserdem erreichten wir zweimal die Finalrunde und 2002 den Cup-Halbfinal.

Was bleibt sonst aus Deiner Berner Zeit haften?
Freundschaften. Ich durfte Trainer in einer tollen Stadt und fussballbegeisterten Region sein. Heute noch kommt es vor, dass ich von Menschen auf die damalige Zeit angesprochen werde. Oder neulich traf ich Erich Hänzi (YB-Talentmanager, die Red.), der damals zu unseren Leistungsträgern im Team zählte, am Rande einer U-18-Partie. Solche Wiedersehen sind immer wieder herzlich. Ich bin schon ein bisschen stolz auf das, was wir damals gemeinsam hinbekamen.

Gibt es einen Spieler, der Dich besonders beeindruckt hat?
Es wäre nicht korrekt, einen über alle anderen zu stellen. Hänzi. Gürkan Sermeter, Thomas Häberli, natürlich Stéphane Chapuisat, Artur Petrosyan, Harut Vardanyan, Didier Tholot… Ich könnte noch viele Namen aufzählen. Was mir imponierte, war der starke Teamgeist. Das heisst, es stimmte innerhalb der Mannschaft.

Gleich danach warst Du in der Saison 2003/04 Verantwortlicher bei Servette.
Diese Erfahrung möchte ich nicht missen. Bei Servette war ich sechs Jahre Spieler, nun durfte ich auch Trainer sein, und wir beendeten die Meisterschaft auf Rang 3. Kurz darauf wurde ich entlassen, weil die neue Klubführung ihre eigenen Vorstellungen hatte. Trotzdem: Servette war, wie YB, ein bedeutendes Kapitel in meiner Karriere als Trainer.

Welchen Blick hast Du heute auf Deine beiden ex-Vereine?
YB verdient grosse Anerkennung. Da wird einfach hervorragend gearbeitet, der Apparat funktioniert und dank des Erfolgs herrscht auch absolute Ruhe. Servette entwickelt sich gut, ich glaube, dass in Genf etwas Schönes entstehen kann. Präsident Pascal Besnard kenne ich aus der gemeinsamen Aktivzeit bei Servette - er ist ein feiner Mensch, der sich mit dem Verein total identifiziert.

Ist es denkbar, dass Marco Schällibaum noch einmal eine Mannschaft übernimmt?
Grundsätzlich soll man im Leben nie etwas ausschliessen. Aber derzeit gibt es keinen Anlass, an einen Jobwechsel zu denken. Ich habe als Ausbildungsleiter im Nachwuchs des FC Basel einen Job, der mich ausfüllt. Die Zusammenarbeit mit jungen Trainern und jungen Fussballern macht mir enorm Spass. Und hält mich jung.


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
 
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 6 Beiträge ] 

Foren-Übersicht » www.ybfans.ch » Ehemalige Spieler & Trainer


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Bing [Bot] und 21 Gäste

 
 

 
Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de