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 Betreff des Beitrags: Dunkle Wolken über Muri
 Beitrag Verfasst: Freitag 30. Juli 2004, 13:18 
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Registriert: Mittwoch 5. Mai 2004, 15:29
Beiträge: 1036
Dunkle Wolken über Muri

von Florian Raz, Redakteur Baslerstab / Donnerstag, 29. Juli 2004

Fast schien es so, als ob die Oberen des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) nach der Affäre Frei ungeschoren davon kommen würden. Das hoffte zumindest Präsident Ralph Zloczower, nachdem die Uefa den Verband von jeglichen Fehlern in der leidigen Angelegenheit frei gesprochen hatte.
Auch vor der selbst angeordneten internen Untersuchung war dem SFV-Boss nicht bange. Schon sprach Zloczower davon, "zur Tagesordnung überzugehen".

Aussitzen heisst die Devise beim SFV, bei dem jegliches Verständnis dafür fehlt, dass man manchmal nicht nur für lügen und spucken, sondern auch für dilettantisches Auftreten bestraft werden kann.

Glaubt man dem "Tagesanzeiger", dann werden die kommenden Monate doch nicht so ruhig, wie sich das der Berner Fürsprech vorgestellt hat.

Der "Tagi" will herausgefunden haben, dass sich eine breite Front gegen die SFV-Spitze formiert hat. Ihr einstiger Triumph könnte nun zum Stolperstein für die Verbands-Oberen werden. Weil der SFV zusammen mit dem Österreichischen Fussball Bund die EM 2008 austragen darf, steht er unter besonderer Beobachtung.

Die Sponsoren sind mit dem negativen Image alles andere als glücklich. Vor allem die Credit Suisse nimmt dabei eine wichtige Position ein.

Für sie ist die EM ein Prestige-Objekt, in das sie bereits Millionen investiert hat. Jede Panne könnte für sie zum Problem werden. Insbesondere nachdem ihr eigenes Stadionprojekt in Zürich nur für Negativ-Schlagzeilen gesorgt hat.

Wer die Macht der Bank unterschätzt, hat sich getäuscht. Bereits ein halbes Jahr nachdem die CS 2001 Hauptsponsor der EM-Kandidatur geworden war, war sie massgeblich an der Nicht-Wiederwahl des damaligen ÖFB-Präsidenten Beppo Mauhart beteiligt. Mauhart musste nach 18 Jahren seinen Sitz Friedrich Stickler überlassen, weil die CS in ihm ein Problem für die erfolgreiche Kandidatur sah.

Zur Anti-SFV-Front kommen die grossen Vereine der Super League (Basel, GC und die Young Boys), die schon seit längerer Zeit mit den herrschenden Verhältnissen im Schweizer Fussball unzufrieden sind.

Zu ihrem Sprachrohr hat sich Peter Jauch gemacht. Wer den Präsidenten der Stade de Suisse Wankdorf AG kennt, weiss, dass er mit harten Bandagen zu kämpfen pflegt. Derzeit befindet sich der YB-Schatten-Präsident in einer Schlammschlacht mit dem ehemaligen YB-Sportchef Fredy Bickel.

Jauch weiss genau, wie er die Medien für seine Zwecke einsetzt und könnte deswegen für Zloczower zu einem äusserst unangenehmen Gegner werden. Dass ihn ehemalige Kontrahenten hinter vorgehaltener Hand nur "Gülle" nennen, zeigt, wie heftig Jauch Machtkämpfe auszutragen pflegt.

Dunkle Wolken ziehen also über dem Haus des Fussballs in Muri auf. Gut möglich, dass sich der SFV zu früh über das Ende der Affäre Frei gefreut hat. Doch eigentlich müsste die Verbandsspitze längst selber erkennen, dass sie mit ihrem dilettantischen Auftreten dem Schweizer Fussball immensen Schaden zufügt - und darum von alleine die nötigen Konsequenzen ziehen sollte.

Zitat:
Dass ihn ehemalige Kontrahenten hinter vorgehaltener Hand nur "Gülle" nennen, zeigt, wie heftig Jauch Machtkämpfe auszutragen pflegt.

:asshole:


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 Betreff des Beitrags:
 Beitrag Verfasst: Samstag 31. Juli 2004, 17:51 
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Registriert: Mittwoch 5. Mai 2004, 15:29
Beiträge: 1036
Tages-Anzeiger vom 31.07.2004

Zloczower wehrt sich

Klubs und Sponsoren wollen Ralph Zloczower als Präsident des Schweizer Fussballverbandes stürzen. Er aber kritisiert seine Gegner und sagt, die Sponsoren seien mit seiner Führung zufrieden.

Ralph Zlozcower, haben Sie Angst um Ihre Position als Verbandspräsident?

Darüber möchte ich nicht diskutieren, zumindest nicht öffentlich. Es ist auch nicht der Augenblick, sich gross zu äussern. Wir wollen erst den Bericht Fässler und die Urteilsbegründung der Uefa abwarten. (Ulrich Fässler untersucht den Fall Frei im Auftrag des Schweizer Verbandes, und die Uefa wird noch schriftlich begründen, warum sie Frei für drei Spiele sperrte.) Wenn uns das vorliegt, werden wir uns zu Wort melden.

Klubs und Sponsoren sind mit Ihrer Amtsführung unzufrieden. Sie wollen Sie aus Ihrem Amt kippen.

Ich kann nur so viel sagen: Von Sponsoren habe ich gegenteilige Meinungen gehört. Und wenn Sie Klubs sagen, reden Sie von ein paar wenigen. Wer kritisiert, soll sich zuerst einmal selbst beweisen, soll beweisen, dass er seine Arbeit versteht und dass er mit dem Erfolg arbeitet, wie wir das im Verband tun.

Sie meinen GC.

Ich nenne keine Namen. Was den FC Basel betrifft, weiss man von diesen Plänen nichts.

Wobei das wohl immer davon abhängt, wer danach gefragt wird.

Das mag sein, ja. Und bei YB ist es ein Mann, der kritisiert, und er kommt nicht einmal vom Verein selbst. (Er meint Peter Jauch, der in der YB Betriebs AG die Geldgeber vertritt.) Man kann sich einmal bei anderen Leuten erkundigen, was sie von ihm halten.

Ihre Gegner wollen zudem das Dreikammersystem des Verbandes mit Swiss Football League, 1. Liga und Amateurliga abschaffen.

Wissen Sie was? Das höre ich, seit ich im Fussball bin. Nie ist etwas passiert. Wir hatten einmal eine Probeabstimmung, ob wir eine Abteilung für die Profis schaffen und 1. Liga und Amateurliga zusammenlegen sollten. Nicht einmal alle Klubs der SFL waren für eine Einführung von zwei Kammern. Und was haben wir im Verband in den letzten zehn Jahren so falsch gemacht? Das soll man uns erst einmal sagen. Natürlich haben wir uns bei der Kommunikation im Fall Frei nicht mit Lorbeer bekränzt. Aber deshalb gleich einen ganzen Verband in Frage stellen?

Ihrem Verband wird ebenfalls vorgehalten, keine Stimmung und keine Werbung für die EM 2008 zu machen.

Uefa-Generalsekretär Lars-Christer Ohlsson sagte in Portugal, dass wir mit den Vorbereitungsarbeiten weiter sind, als es Portugal vor vier Jahren war.

Den Kritikern geht es um die emotionelle Seite und um die Nachhaltigkeit dieses Anlasses. Der Schweizer Fussball soll wirtschaftlich, gesellschaftlich und sportlich besser dastehen, wenn die EM vorbei ist.

Wir wollen ein Feuer legen, und mit diesem Feuer wollen wir einen Brand entfachen, damit unser Land ein so guter, wenn nicht noch besserer Gastgeber wird als Portugal. Auch das ist in Vorbereitung. Die Uefa hätte es gar nicht zugelassen, dass wir schon vor der Euroapmeisterschaft in Portugal etwas mit Blick auf 2008 unternommen hätten. Wir werden im Herbst unsere Ideen präsentieren, die wir am Erarbeiten sind. Die Projekte sollen ab 1. Januar 2005 anlaufen, das ist noch immer früh genug. Wir haben auch das Geld dafür bereit gestellt, was nicht wenig ist. In den ersten beiden Jahren sind es je 500 000 Franken, im dritten gar 750 000. Und wenn die andere Seite von Sponsoren redet, die sich dafür engagieren sollen: Die Uefa duldet nur Sponsoren, die mit ihr offiziell verbunden sind.

Der Kommunikationsberater Sacha Wigdorovits propagiert den früheren Swiss-Chef André Dosé als Botschafter für die EM 2008. Er schlägt einen runden Tisch mit Vereinen, Sponsoren, Verband und Medien vor, wie am besten von diesem Turnier zu profitieren ist. Von Credit Suisse, Swisscom, Axpo und Sunrise hat er positive Signale erhalten. Würde der Verband auch mitmachen?

Mit mir kann man immer über alles reden, wenn man das richtig angeht, wenn man sagt, um was es geht, wenn man eine Traktandenliste erstellt und wenn man sagt, wer das bezahlt.

Die Angriffe auf Ihre Person und Position wollen Sie weiterhin nicht kommentieren?

Nein.

Die müssen Sie doch treffen.

Es ist auch nicht so, dass mich das nicht berührt. Trotzdem sage ich nicht mehr dazu. (Interview: Thomas Schifferle)


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