Dunkle Wolken über Muri
von Florian Raz, Redakteur Baslerstab / Donnerstag, 29. Juli 2004
Fast schien es so, als ob die Oberen des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) nach der Affäre Frei ungeschoren davon kommen würden. Das hoffte zumindest Präsident Ralph Zloczower, nachdem die Uefa den Verband von jeglichen Fehlern in der leidigen Angelegenheit frei gesprochen hatte.
Auch vor der selbst angeordneten internen Untersuchung war dem SFV-Boss nicht bange. Schon sprach Zloczower davon, "zur Tagesordnung überzugehen".
Aussitzen heisst die Devise beim SFV, bei dem jegliches Verständnis dafür fehlt, dass man manchmal nicht nur für lügen und spucken, sondern auch für dilettantisches Auftreten bestraft werden kann.
Glaubt man dem "Tagesanzeiger", dann werden die kommenden Monate doch nicht so ruhig, wie sich das der Berner Fürsprech vorgestellt hat.
Der "Tagi" will herausgefunden haben, dass sich eine breite Front gegen die SFV-Spitze formiert hat. Ihr einstiger Triumph könnte nun zum Stolperstein für die Verbands-Oberen werden. Weil der SFV zusammen mit dem Österreichischen Fussball Bund die EM 2008 austragen darf, steht er unter besonderer Beobachtung.
Die Sponsoren sind mit dem negativen Image alles andere als glücklich. Vor allem die Credit Suisse nimmt dabei eine wichtige Position ein.
Für sie ist die EM ein Prestige-Objekt, in das sie bereits Millionen investiert hat. Jede Panne könnte für sie zum Problem werden. Insbesondere nachdem ihr eigenes Stadionprojekt in Zürich nur für Negativ-Schlagzeilen gesorgt hat.
Wer die Macht der Bank unterschätzt, hat sich getäuscht. Bereits ein halbes Jahr nachdem die CS 2001 Hauptsponsor der EM-Kandidatur geworden war, war sie massgeblich an der Nicht-Wiederwahl des damaligen ÖFB-Präsidenten Beppo Mauhart beteiligt. Mauhart musste nach 18 Jahren seinen Sitz Friedrich Stickler überlassen, weil die CS in ihm ein Problem für die erfolgreiche Kandidatur sah.
Zur Anti-SFV-Front kommen die grossen Vereine der Super League (Basel, GC und die Young Boys), die schon seit längerer Zeit mit den herrschenden Verhältnissen im Schweizer Fussball unzufrieden sind.
Zu ihrem Sprachrohr hat sich Peter Jauch gemacht. Wer den Präsidenten der Stade de Suisse Wankdorf AG kennt, weiss, dass er mit harten Bandagen zu kämpfen pflegt. Derzeit befindet sich der YB-Schatten-Präsident in einer Schlammschlacht mit dem ehemaligen YB-Sportchef Fredy Bickel.
Jauch weiss genau, wie er die Medien für seine Zwecke einsetzt und könnte deswegen für Zloczower zu einem äusserst unangenehmen Gegner werden. Dass ihn ehemalige Kontrahenten hinter vorgehaltener Hand nur "Gülle" nennen, zeigt, wie heftig Jauch Machtkämpfe auszutragen pflegt.
Dunkle Wolken ziehen also über dem Haus des Fussballs in Muri auf. Gut möglich, dass sich der SFV zu früh über das Ende der Affäre Frei gefreut hat. Doch eigentlich müsste die Verbandsspitze längst selber erkennen, dass sie mit ihrem dilettantischen Auftreten dem Schweizer Fussball immensen Schaden zufügt - und darum von alleine die nötigen Konsequenzen ziehen sollte.
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Dass ihn ehemalige Kontrahenten hinter vorgehaltener Hand nur "Gülle" nennen, zeigt, wie heftig Jauch Machtkämpfe auszutragen pflegt.
