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 Betreff des Beitrags: Steve Gohouri
 Beitrag Verfasst: Samstag 26. November 2005, 10:25 
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Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08
Beiträge: 29376
BZ, 26.11.2005


Das Warten hat sich gelohnt

Nach einigem Warten ist Steve Gohouri seit einigen Wochen für YB spielberechtigt. Der 24-Jährige träumt nach guten Leistungen von der WM. Damit es dort mit einem Einsatz klappt, ist aber erneut Warten angesagt.
Am Anfang von Steve Gohouris Engagement bei den Young Boys stand das lange Warten. Nachdem die Berner am 27. September die Verpflichtung des 24-Jährigen vom FC Vaduz bekannt gaben, dauerte es drei Wochen, bis die Swiss Football League Gohouri die Spielberechtigung für YB erteilte. Der Grund lag in den verschiedenen Interpretationen von Gohouris Ausstiegsklausel durch die Young Boys, Vaduz und vor allem Gohouris Beratern.

Nachdem die Formalitäten erledigt waren, zeigte sich rasch, dass sich das Warten gelohnt hat. Gohouri war in seinen ersten Partien ein würdiger Ersatz für den nach Alkmaar abgewanderten Aussenverteidiger Gretar Steinsson.


Auf dem Feld ein «Killer»

Als solcher wurde der Franzose, der von der Elfenbeinküste stammt, von Sportchef Marcel Hottiger eigentlich verpflichtet, Gohouri selbst gibt aber zu, lieber als Innenverteidiger zu agieren: «In der Achse fühle ich mich wohler. Aber egal, wo mich der Trainer aufstellt: Ich gebe immer mein Bestes.» Für die Gegenspieler kann das zu einer harten Erfahrung werden. So erzielte der 1,90-Meter-Hüne Gohouri vor drei Wochen sein erstes YB-Tor, indem er sich in Schaffhausens Torhüter Marcel Herzog warf und dieser den Ball fallen liess. Eine Szene, wie Gohouri sie von sich erwartet: «Auf dem Feld will ich ein ‹Killer› sein.» Schmutzige Dinge seien nicht sein Ding, er gehe aber immer hochmotiviert und auch aggressiv ins Spiel. Das Bild vom «Killer» pflegt Gohouri auch abseits des Platzes: So überwindet er sich beim Fototermin erst nach mehrfacher Aufforderung dazu, ein wenig in die Kamera zu lächeln. «Ich bin in dieser Hinsicht zurückhaltend, weil ich mein Image nicht ankratzen will», sagt er dazu. Angekratzt wird dieses Selbstbild hingegen durch die Aussage von YB-Sportchef Marcel Hottiger, Gohouri habe nach der Vertragsunterzeichnung Freudentränen in den Augen gehabt. «Natürlich habe ich mich sehr gefreut, den Sprung zu einem grossen Klub wie den Young Boys geschafft zu haben, aber zu sagen, ich sei von meinen Gefühlen überwältigt worden, das ist übertrieben», sagt Gohouri mit Vehemenz.


In der Banlieue gelebt

Im Alter von viereinhalb Jahren hat Gohouri mit seiner Familie die Elfenbeinküste verlassen und ist in einen Pariser Vorort, eine Banlieue, gezogen: «Was in den letzten Wochen in den Medien über die Jugendunruhen in Frankreich berichtet wurde, ist mir nicht fremd», sagt Gohouri. Entsprechend intensiv hat er die Berichterstattung verfolgt. Allerdings glaubt er nicht, dass er zu den Randalierern gehört hätte, wenn er nicht durch den Fussball einen anderen Weg gegangen wäre: «Meine Familie hätte dafür gesorgt, dass ich nicht in die Kriminalität abgleite. Andrerseits kann man natürlich nie genau voraussagen, wie die Dinge sich entwickeln.»


Der Traum von der WM

Bei YB könnte sich für Gohouri einiges entwickeln. Trainer Gernot Rohr lobt seinen Spieler in höchsten Tönen: «Er ist kopfballstark, schnell und dazu noch polyvalent», sagt Rohr, der sich Gohouri auch verbunden fühlt, weil sie beide zeitgleich bei YB angefangen haben. «Steve hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert und gegen Schaffhausen gar überragend gespielt.»

Mit seinen Leistungen möchte Steve Gohouri auch Henri Michel auf sich aufmerksam machen. Der Franzose hat die Elfenbeinküste als Trainer an die Weltmeisterschaft in Deutschland gecoacht. «Mit meinem YB-Teamkollegen Yao Aziawonou spreche ich oft darüber, wie es wäre, an der WM zu spielen», erzählt Gohouri. Im Unterschied zu seinem Freund, der mit Togo die Qualifikation mitgemacht hat und gute Chancen hat, in Deutschland zum Einsatz zu kommen, fehlt Gohouri, der trotz seiner Herkunft nur die französische Staatsbürgerschaft besitzt, ein wichtiges Dokument: «Noch habe ich keinen Pass der Elfenbeinküste», sagt er, «das Verfahren läuft aber und sollte in naher Zukunft abgeschlossen sein.»
Noch wartet er also auf eine internationale Einsatzmöglichkeit. Sieht das Ergebnis danach ähnlich aus wie nach dem Warten bei YB, könnte es sein, dass Gohouri den nächsten Sommer in Deutschland verbringt.

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