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BZ, 01.10.2005
«… deshalb wird YB bald ganz oben stehen»
Seit April ist Marcel Hottiger bei YB. Der Sportchef äussert sich über die Ziele, den Aufbau eines Teams und die Ungeduld in Bern.
Marcel Hottiger, sind Sie zufrieden mit dem YB-Saison-start?
Marcel Hottiger: Ich würde ihn als zufriedenstellend bezeichnen. Aber nicht mehr.
Was erwarten Sie denn von YB?
Ich erwarte, dass wir attraktiven und erfolgreichen Fussball zeigen. Das ist der Auftrag an Trainer Hans-Peter Zaugg, und zuletzt beim 3:2 gegen Xamax hat es gut geklappt. Es ist sehr wichtig, dass wir in den Heimspielen stärker und dominanter auftreten. Die Leute wollen im Wankdorf ein offensives YB sehen.
Gegen Xamax kamen knapp 10 000 Leute ins Wankdorf. Das ist sehr enttäuschend.
Das sehe ich anders. Diese 10 000 sind unsere treuen Fans, das ist eine stolze Zahl. Es muss jetzt unser Ziel sein, dass wir die anderen Leute, die zweifellos am Fussball interessiert sind, auch ins Stadion locken können. Man darf zudem nicht vergessen, dass wir am letzten Sonntag gegen Xamax gespielt haben, zwei Tage später kam der FC Thun mit der Champions League. Es ist doch nur logisch, dass die Leute auswählen. Und Xamax oder jetzt am Sonntag auch Yverdon sind nicht die besten Adressen.
Trotzdem: Man sprach bei YB einst von einem anvisierten Zuschauerschnitt von 19 000. Ist das überhaupt realistisch?
Das hängt stark von unseren Leistungen ab. Wir haben am Wochenende eine grosse Chance, uns vorne einzureihen. Wir müssen Yverdon schlagen, keine Frage, und dann spielt Basel gegen Thun sowie GC gegen Zürich. Ich erwarte, dass wir uns, je länger die Saison dauert, mit Basel und Zürich an der Spitze absetzen können. Allerdings ist der FCB noch unerreichbar.
Warum? Ihre Transferpolitik ist geglückt, die meisten Neuen sind bereits Leistungsträger.
Ja, das stimmt, wir haben das Team gut verstärkt und vor allem verjüngt. Viele Spieler wie Hodel, Tiago, Portillo, Schwegler, Joao Paulo, Raimondi, Varela und auch Yakin sind im besten Alter, dazu kommen starke Routiniers. Allerdings befindet sich YB im Aufbau, das ist ein langer Prozess und geht nicht von heute auf morgen. Basel ist deutlich gefestigter und vor allem erfahrener. Jetzt haben sie sich wieder für den Uefa-Cup qualifiziert. Und wir? Ich denke aber, dass die UI-Cup-Partien gegen Lokeren und Marseille unser Team bereits einen Schritt weitergebracht haben. Es muss unser Ziel sein, jedes Jahr im Herbst noch im Europacup vertreten zu sein.
So wie jetzt der FC Thun …
… genau. Aber auch dort hat man die Mannschaft Schritt für Schritt aufgebaut. Und wenn jetzt viele Spieler den Klub verlassen haben, blieb doch das Gefüge zusammen. In Thun sieht man, was mit seriöser Arbeit auch in der Schweiz möglich ist.
Ist es nicht schwierig, langfristig etwas aufzubauen? Sobald einer stark spielt, lockt das Ausland.
Na und? Alain Rochat ging doch im Sommer auch nach Rennes. Das hat uns nicht geschwächt, sein Nachfolger Hodel erledigt den Job als Linksverteidiger ausgezeichnet. Ich denke, dass wir bei YB zahlreiche Fussballer haben, die hungrig sind und noch einige Jahre bei uns bleiben wollen. In dieses Schema passen übrigens auch die beiden letzten Zuzüge Joao Paulo und Steve Gohouri. Beide sind 24 Jahre alt und wollen in ihrer Karriere noch viel erreichen. Das passt perfekt zu unseren Ambitionen.
Aber Schwegler wird bald ins Ausland wechseln. Und auch bei Yakin besteht diese Gefahr.
Pirmin Schwegler arbeitet derzeit bei uns auf dem Sekretariat, er will seine Lehre beenden, ehe er im Sommer 2007 zu Leverkusen geht. Zwei Saisons, das sind im Fussball eine halbe Ewigkeit. Und Yakin wird uns noch sehr viel Freude bereiten. Er weiss zu schätzen, was er bei uns hat.
YB verfügt also über eine starke Mannschaft, Trainer Zaugg spielt offensiver, die Perspektiven sind glänzend. Dennoch fehlt es am Rückhalt in der Bevölkerung.
Diese Beobachtung ist richtig. Die letzten Jahre waren in Bern sicher turbulent. Aber ich finde, man sollte uns eine faire Chance geben. Es herrscht bei YB ein frischer Wind, doch das Umfeld ist sehr kritisch und ungeduldig. Nach der Verpflichtung von Joao Paulo hiess es, wir wollten damit nur die Fans beruhigen. Bei Shi Jun kritisierte man, diese Verpflichtung sei nur aus strategischen Gründen passiert, um den asiatischen Raum zu erobern. Das stimmt nicht. Wir planen den Aufbau eines guten Teams, und wir sind dabei auf die Unterstützung aller angewiesen.
Vielleicht braucht es forschere Ziele wie den Meistertitel.
Soll ich etwa sagen, wir werden Meister? Das ist lächerlich. Wir geben uns Zeit, wir wollen den FCB herausfordern. Aber noch sind wir im Rückstand. Im Winter werden wir die Lage in aller Ruhe analysieren und entscheiden, was wir ändern wollen. Doch wir sind dank dem neuen Stadion auch finanziell in einer sehr guten Lage. Das können nicht alle Super-League-Vereine behaupten. Deshalb wird YB bald ganz oben stehen.
_________________ For Ever
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