 |
 |
Forum ybfans.chTreffpunkt der Fans des BSC Young Boys |
|
| Autor |
Nachricht |
|
Gonzo
|
Verfasst: Freitag 12. August 2005, 06:45 |
|
Registriert: Freitag 21. Mai 2004, 10:37 Beiträge: 3822 Wohnort: Bern
|
Stefan Niedermaier war gestern Gast im BZ-Donnerstags-Talk. Der Typ ist mir noch ziemlich sympathisch. Leider merkte man schnell, dass er ebenfalls von Jauch eine Schnellbleiche erhielt. Auf gewisse Fragen, wie zum Beispiel er den das neuen Stadion nennt: Stade de Suisse oder Wankdorf. Antwortete er mit einem leicht zögerlichen Stade de Suisse. Muss er ja logisch. Er sei aber den Leuten nicht böse, wenn sie es weiterhin Wankdorf nennen würden.
Zudem antwortete er auf untenstehende Punkte wie folgt:
Allgemeine Chaos
- Niedermaier gab zu, dass sie mit dem Marseille und dem Thun Spiel komplett überfordert waren. Diese Anlässe waren vor zwei Monaten noch nicht vorhersehbar gewesen. Wenn zudem noch eine Computerpanne wie im Thun Spiel eintrifft, sei das doppelt ärgerlich. Niedermaier verspricht aber Besserung, sobald man zur Tagesordnung übergehen kann.
Lange Wartezeiten vor dem Eingang:
- Da sollte es baldmöglichst eine Besserung geben. Die Beschilderungen seien zwar gross, jedoch noch zuwenig genau. Das die Tore der Ausgänge im Gegensatz zu den Eingängen extrem gross sind, sei eine Sicherheitsauflage (Das Stadion müsste im Notfall innert kürzester Zeit geräumt werden). Niedermaier deute jedoch an für die Zukunft den Einlass ins Stadion evt. auch ein Teil dieser Tore für den Ausgang nutzen zu können evt. mit baulichen Änderungen.
Hohe Ticketpreise
- Niermaier räumte ein, dass die Preise im Sektor C (Fr. 60.--) an der obersten Grenze seien. In der "Free Standing Zone" habe man aber die Preise um Fr. 80.-- gesenkt. Es ist ihm klar, dass die Preispolitik in der nächsten Spielzeit angepasst werden müsse (sprich billigere Tickets). Zurzeit könnte man aber keine Änderungen mehr vollziehen.
Abverkäufe
- Zurzeit seien knapp 10'000 Abos verkauft, Ziel seien 20'000. Die Abos seien gegenüber dem Einzeltickets massiv günstiger. Abo lohnt sich bereits ab 12 Spiele (Neufeld ab 15 Spiele).
Verkehr
- Das Verkehrskonzept rund ums Stadion müsse noch besser werden. Er werde persönlich den Kontakt zu den Leuten im Nordquartier suchen.
Fackeln beim GC Spiel
- Im so genannten Kontrollzentrum konnte man jeden der GC Fans welcher eine Fackel zündet identifizieren. Er erzählte dass man die Gesichter der in den Sektoren sehr gross und sehr genau auf den Monitor zoomen kann. Beim GC Spiel wurden daher auch einige der Fackelzünder identifiziert und während des Spiels aus dem Block genommen.
So denke mal, das war alles Wichtige. 
_________________ 
|
|
 |
|
 |
|
Bier_Boxer
|
Verfasst: Freitag 12. August 2005, 08:11 |
|
Registriert: Mittwoch 11. August 2004, 10:19 Beiträge: 87
|
i ha dr talk o gseh.  mi 1. idruck vo ihm isch sicher positiv. är isch bodeständig u überhoupt nid arogant
_________________ Langer Schwede - Kurzer Finn
|
|
 |
|
 |
|
El Buitre
|
Verfasst: Freitag 12. August 2005, 11:52 |
|
Registriert: Samstag 24. April 2004, 13:53 Beiträge: 184
|
Zitat: Beim GC Spiel wurden daher auch einige der Fackelzünder identifiziert und während des Spiels aus dem Block genommen.
Heikle Sache während des Spiels in den Block zu gehen um die "Sünder" rauszunehmen. Dies könnte unter Umständen zu grösseren Auseinandersetzungen kommen.
Es grüsst der Geier
|
|
 |
|
 |
|
oder so...
|
Verfasst: Samstag 13. August 2005, 15:49 |
|
Registriert: Samstag 30. Juli 2005, 14:02 Beiträge: 7
|
|
kann schon heikel werden, aber hauptsache man macht etwas!
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Mittwoch 14. September 2005, 10:18 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
|
Bieler Taglbatt, 14.09.2005
«Thun ist unser bester Kunde»
Das Stadion wird bereit sein, wenn im Wankdorf das erste Spiel der Champions League angepfiffen wird, sagt Stefan Niedermaier. Der Wankdorf-CEO äussert sich zur YB-Wurst und Thun-Euphorie.
Herr Niedermaier, Bern steht vor einem grossen Herbst mit drei Champions-League-Spielen des FC Thun. Was heisst das für Sie als CEO des Stade de Suisse?
Stefan Niedermaier: Es ist ein gutes Zubrot, das uns der FC Thun ins Haus bringt. Aber es bedeutet natürlich auch viel zusätzlichen Aufwand. Schliesslich ging niemand davon aus, dass wir dank dem FC Thun bereits fünf grosse Spiele im neuen Stadion haben werden - die beiden Qualifikationsmatches gegen Kiew und Malmö eingerechnet.
Nach all den Schwierigkeiten, die mit der Stadioneröffnung auftraten - gibt es nun also doch noch einen Traumstart?
Absolut. Es ist super. Wir hätten uns einen solch einmaligen Start nie vorgestellt.
Es gibt aber auch eine Kehrseite der Champions League: Die Uefa macht den Veranstaltern strenge Auflagen. Der Aufwand ist wahrscheinlich enorm?
Ja, der Aufwand ist extrem. Wir sitzen einerseits mit dem Veranstalter FC Thun, anderseits mit der Uefa zusammen. Da geht es um alles Mögliche: um die Sicherheit, den Verkehr, um das, was im Stadion abläuft, aber auch um die Werbung. Das ist der grösste Brocken. Der Auftritt der heutigen Stadionpartner wird nicht mehr sichtbar sein. $
Was heisst das konkret?
Die Werbung auf der Treppe muss abgeklebt werden, auf der Brüstung des Balkons oder bei den Cateringständen. Sogar auf der grossen Anzeigetafel verschwindet das Logo des Hauptpartners BKW. Es wird schlicht alles abgeklebt.
Aber die YB-Wurst gibts trotz Champions League noch?
Ja, sicher. Das Catering wird dasselbe sein. Es wird jedoch wie bei internationalen Spielen üblich nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt. Aber die 16 Cateringhäuschen im Stadion werden genauso bewirtet sein wie der VIP-Bereich. Aber natürlich mit anderen Gästen, die vor allem vom FC Thun und der Uefa eingeladen werden. Wir haben auch ein Kontingent für unsere Gäste. Aber nicht ganz in dem Ausmass, wie es unser Wunsch war.
Wie viele Plätze stehen zur Verfügung, gibts Einschränkungen?
Nein, wir werden das Kontingent von 31 783 Plätzen ausschöpfen. Wir gehen davon aus, dass der Run auf die Tickets sehr gross sein wird und alle drei Spiele ausverkauft sein werden.
Wie viele ausländische Fans erwarten Sie?
Der gegnerischen Mannschaft stehen fünf Prozent der Tickets zu, also rund 1500 Karten. Wir nehmen an, dass dies mit Ausnahme von Sparta Prag auch genutzt wird.
Wie geht ihr mit den Fans und den Hooligans um? Gerade die Ajaxfans sind als Heisssporne bekannt.
Im Grundsatz sind alle internationalen Spiele ein erhöhtes Risiko. Aber die meisten Fans - ob englische oder niederländische - kommen wegen dem Fussball. Wir rechnen deshalb nicht mit der grossen Hooliganszene. Es ist aber so, dass die Ajaxfans als rowdyhafter gelten. Die Verantwortlichen der Niederländer waren letzte Woche bereits hier und haben mit uns alle Sicherheits-aspekte besprochen. Nicht zu unterschätzen sind die Fanbetreuer. Sie spielen eine sehr wichtige Rolle. Wir gehen davon aus, dass beim Arsenal- und beim Ajaxspiel genügend Fanbetreuer anwesend sein werden.
Werden die Fans mit Extrazügen ins Wankdorf gefahren?
Das hat zuletzt bereits gegen Malmö funktioniert. Da kamen 20 000 Thunfans mit dem Zug. Das lief absolut reibungslos ab. Man muss auch immer betrachten, wer aufeinander prallt. Das Publikum des FC Thun ist extrem anständig. Die Fans haben keine «Fronten». Und wo diese fehlen, gibts keinen Grund zur Pöbelei. Wir nehmen die Spiele zwar sehr ernst, haben aber keine sonderlichen Bedenken.
Kommen die gegnerischen Fans nun mit Extrazügen. Oder werden sie eskortiert?
Für das Sparta-Spiel sicher nicht. Wenn die Fans in grösseren Gruppen anreisen, ist eine Begleitung möglich. Sie muss aber angemessen sein. Wenn die Fans in der Stadt etwas trinken gehen, muss man sie ja nicht mit einem Begleitschutz umgeben. Aber da hat die Polizei ein gutes Gespür.
Wer trägt denn die Verantwortung, wenn etwas schief läuft?
Der Veranstalter ist der FC Thun. Aber er delegiert uns gewisse Aufgaben, wie eben die Sicherheit. Für diese sind wir im Stadion verantwortlich, um das Stadion ist es die Polizei. Wir haben Massnahmen getroffen, damit es nicht zu politischen Manifestationen, wie im Spiel Schweiz gegen Israel kommen sollte, als Zuschauer lange ungehindert auf dem Feld ein Transparent zeigen konnten.
Sie setzen also mehr Sicherheitskräfte ein?
Nein, aber wir setzen sie so ein, dass sie bei Bedarf sehr rasch auf dem Platz sind. Dies ist zum Schutz der Sportler sehr wichtig. Zudem wollen wir im Stadion keine Plattform für politische Kundgebungen bieten.
Wie lange werden die Wartezeiten bei den Eingängen sein?
Die hohen Sicherheitsvorkehrungen führen unweigerlich zu längeren Wartezeiten. Doch bereits beim Thunspiel hatten wir 23 000 Zuschauer, aber niemand musste länger als fünf Minuten draussen anstehen.
Da haben Sie sich seit Saisonbeginn aber stark verbessert.
Absolut. Aber ich denke, bis zu zwanzig Minuten liegen drin. Wir empfehlen den Leuten , dass sie frühzeitig ins Stadion kommen. Zum Saisonstart haben wir noch ein wenig geübt. Das ist jetzt der Vorteil der vielen Spiele.
Haben Sie das Ticketing nun auch im Griff?
Ja. Zum Teil waren es einfach Pannen wie beim Kiew-Spiel. Die Unzufriedenen haben wir entschädigt, sofern ihr Unmut berechtigt war.
Man hört, dass wegen der Champions League das Einkaufszentrum früher schliessen müsse ...
... das hat sich die Uefa so vorgestellt. Aber das Wankdorf Center wird nicht früher zu machen. Das wurde so ausgehandelt. Auch die Uefa muss lernen, mit den neuen multifunktionalen Anlagen umzugehen.
Angesichts des hohen Aufwands: Wie viel Geld lässt sich da noch verdienen?
Wir haben mit den Thunern vereinbart, dass wir über diese Beträge nicht sprechen. Aber die Champions League ist für uns sicher mehr als ein Nebeneffekt. Da darf man auch das Catering nicht vergessen. Wenn fünf Mal rund 30 000 Leute ins Stadion kommen, dann ist das für uns schon sehr bedeutend. Der FC Thun ist mittlerweile unser bester Kunde. Wir wollen unseren Job gut machen und wir haben bewiesen, dass wir das können. Wir haben hier eine junge, kleine Truppe, die gelernt hat.
Wollen Sie die Thuner auch nächste Saison als Kunde bedienen?
Ja, sicher. Mich freut es, wenn in Bern internationale Spiele stattfinden. Aber natürlich schlägt mein Herz für YB. Und ich hoffe, dass YB von dieser Thun-Euphorie profitieren kann. Die Champions League ist aber auch eine hervorragende Hauptprobe im Hinblick auf die Euro 2008 - gerade im Bereich der Sicherheit und Organisation solcher Spiele.
Brauchts bei so viel Fussball überhaupt noch mehr Events?
Wir verdienen genauso Geld mit kleineren Events. Im September werden wir über 5000 Leute bei Führungen haben, im August hatten wir über 2500 Leute in Konferenzen. Wir bieten eine Topinfrastruktur und die Leute sind «gwundrig» aufs Stadion.
Und grosse Konzerte?
Ich denke, dass wir zwei grosse Konzerte und den einen oder anderen Sportevent haben werden. Die Champions-League-Spiele sind sicherlich eine Ausnahmesituation. Ein paar zusätzliche grosse Events pro Jahr brauchen wir. Aber wir wollen das in einem vernünftigen Rahmen tun und die Nachbarschaft nicht übermässig strapazieren.
Stefan Niedermaier
bz. Der 43-jährige gebürtige Thuner ist der neue starke Mann im Stade de Suisse. Per Anfang August löste er Peter Jauch als CEO der Stade de Suisse Wankdorf Nationalstadion AG ab. In Kürze nimmt Stefan Niedermaier Einsitz im Verwaltungsrat der YB Betriebs AG, die zu 96 Prozent im Besitz der Stade de Suisse ist. Niedermaier war die letzten sechs Jahre in Stuttgart als Geschäftsführer im Telekom- und IT-Sektor tätig. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Bern.
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
black_panther
|
Verfasst: Mittwoch 14. September 2005, 10:31 |
|
Registriert: Sonntag 14. August 2005, 12:25 Beiträge: 1122 Wohnort: Zollikofen
|
Zitat: Heikle Sache während des Spiels in den Block zu gehen um die "Sünder" rauszunehmen. Dies könnte unter Umständen zu grösseren Auseinandersetzungen kommen.
Dies ist nicht ganz richtig. Diese Fans werden nicht während dem Spiel, sonder in der Pause oder bei einer anderen Gelegenheit (Pinkelpause) in dem sich das Objekt nicht mitten in den Fans befindet, abgeführt. (interne Quelle)
_________________ 
|
|
 |
|
 |
|
Hotzenplotz
|
Verfasst: Mittwoch 14. September 2005, 22:52 |
|
Registriert: Donnerstag 13. Mai 2004, 21:46 Beiträge: 216
|
Zitat: Aber die YB-Wurst gibts trotz Champions League noch?
Ja, sicher.
Wärde tatsächlech YB-Würscht a Champions League Spiel vo Thun verchouft, das cha ig irgendwie fasch nid gloube!
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Sonntag 16. April 2006, 09:14 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
|
BZ, 15.04.2006
Das Oberhaupt der Wankdorf-Familie
Vermutlich wäre er sich nicht einmal zu schade, einen Nachmittag der Tanten zu organisieren. Stefan Niedermaier und sein schwieriger Job zwischen einem Museum, Rockkonzerten, VIP-Gästen und dem Cupfinal.
Das Wankdorf ist ja eigentlich kein Fussballstadion. Es ist eine als Fussballstadion verkleidete, multifunktionale Konstruktion mit Hunderten von Räumen, Gängen und Treppen. Eine dieser Treppen führt durch einen dieser Gänge in einen dieser Räume.
Dieses Zimmer ist speziell. Man spürt das schon beim Eintreten. Überall liegen Poster herum von früheren YB-Teams. Einmal posieren die Fussballer vor dem Bärengraben, einmal im Neufeld, einmal im alten Wankdorf selig. Es hat in diesem Raum Bilder und Zeichnungen, manchmal sind sie neu und farbig, manchmal alt und gelb und verblichen, es hat Pokale, grosse und kleine, schöne und hässliche, einer ist sogar aus dem Jahr 1906. Es hat jede Menge Trikots, es hat Wimpel von ganz vielen Teams und in allen Variationen, es hat Fussballschuhe von 1930 und von 1960, und es hat Fussbälle aus der Neuzeit und aus jener Ära, als Deutschland in Bern Weltmeister wurde.
Irgendwo liegen Skizzen auf. Sie zeigen, wie all diese Reichtümer aus vielen Jahrzehnten Fussballgeschichte verteilt werden sollen, hier, in diesem Raum irgendwo im Labyrinth dieser multifunktionalen Konstruktion, die ja als Fussballstadion verkleidet worden ist. Man sieht auf den Entwürfen, dass ein Kino vorgesehen ist, ganz hinten in der Ecke. Dort sollen die Besucher, teilweise auf verwackelten Bildern, die schönsten Tore, die grössten YB-Siege, die bittersten Niederlagen, die stärksten Akteure bestaunen können. Es wird ein Best-of-Wankdorf-Archiv sein, mit Geni Meier beim Torschuss oder Walter Eich bei der Parade oder Lars Lunde beim Torjubel.
Aufgestellt und positiv
Stefan Niedermaier strahlt. Er führt die Besucher durch diesen Raum, als wärs seine persönliche Wohlfühloase. Und man stellt sich vor, wie er vielleicht manchmal, wenn der Trubel drüben, in den Büros, zu gross geworden ist, wie er also den Schlüssel zu diesem Zimmer schnappt und sich für einige Minuten in dieses Refugium der Ruhe und Erholung zurückzieht. Im Wankdorf ist ja jetzt alles neu und modern und mondän, und da erscheint dieser Raum mit seinen Bildern und Trophäen früherer Epochen wie ein Anachronismus und wie eine Zeitmaschine zurück in die Anfänge dieser legendären und fantastischen Spielstätte.
Das YB-Museum öffnet seine Pforten Ende Mai. Stefan Niedermaier, der Geschäftsführer – neudeutsch CEO – der Stade de Suisse Nationalstadion AG, ist stolz. «Das wird grossartig», sagt er. Niedermaier benutzt oft Wörter wie «grossartig» oder «fantastisch» oder «genial.» Er ist ohnehin ein aufgestellter, positiver Typ, und irgendwie passt er damit nicht so recht in die oft steife Welt der Nadelstreifenträger. Niedermaier sagt: «Ich habe den besten Job der Schweiz.» Er meint das nicht arrogant, wirklich nicht, er meint es einfach so, wie er es sagt. «Für mich gibts keine spannendere, interessantere, schönere Tätigkeit.» Man steht nun, wenige Minuten später, auf der Tribüne. Niedermaier macht sich bereit fürs Foto, und wie er so dasteht und redet, selbstbewusst und optimistisch und mit ausgebreiteten Armen, kommt einem unweigerlich ein Vergleich in den Sinn. «Ich soll der König vom Wankdorf sein?» Niedermaier lacht. «Nein, ich bin bloss ein leitender Angestellter. Die Stadionkönige sind, wenn überhaupt, die Investoren.»
Einnehmend und freundlich
Diese sechs Investoren wollen mit der Wankdorf-Konstruktion Geld verdienen. Und Niedermaier muss dafür sorgen, dass das Geld fliesst. «Nüchtern gesehen ist das so», sagt er, «doch ich finde, man kann diesen Job dennoch mit Leidenschaft und Freundlichkeit ausüben.» Und das tut er jetzt seit bald einem Jahr offensichtlich mit grossem Erfolg. Mit wem man auch spricht über Stefan Niedermaier, ob mit dem Platzwart oder mit Angestellten auf dem Sekretariat, mit YB-Spielern oder mit Journalisten, mit Investoren oder Martin Kallen, dem Organisator der Euro 2008, sie alle schwärmen von Niedermaiers umgänglichem Wesen. Der 43-Jährige ist smart, er ist eloquent, er denkt schnell und redet schneller, er wirkt nett, er ist es auch, und er ist, das ist er in erster Linie, er ist einnehmend und leutselig. Damit ist er das Gegenteil seines Vorgängers Peter Jauch. Das tönt bösartig. Doch es ist die Meinung von vielen Leuten im inneren Zirkel der Nationalstadion AG und aus dem Umfeld. «Peter Jauch hatte einen schwierigen Job. Ich habe es einfacher. Ohne Jauch wäre vieles nicht so perfekt, wie es ist», sagt Niedermaier. Er ist wirklich ein freundlicher Mensch.
Beharrlich und knallhart
Man hat natürlich nicht erwartet, dass Niedermaier über seinen streitbaren Vorgänger herzieht. Das wäre, erstens, nicht korrekt und, zweitens, inhaltlich auch falsch. Mit seiner undiplomatischen und hemdsärmligen Vorgehensweise hat sich der Zürcher Jauch als Buhmann der YB-Fans etabliert – doch er hat auch den Weg geebnet, damit Niedermaier jetzt von den «hervorragenden Strukturen» profitieren kann. Und Jauch sitzt immer noch in allen entscheidenden Gremien dieses sehr komplizierten Gebildes, dem ja auch ein nicht unbedeutender Fussballklub angehört. Die tägliche Arbeit aber, die orchestriert seit Juni 2005 Stefan Niedermaier, 1962 in Thun geboren und dort aufgewachsen.
In der Jugend spielte Niedermaier zwei Jahre, «eher untalentiert», beim FC Dürrenast mit, doch bald schon, noch vor Beginn der Lehre als Elektromonteur, entdeckte Niedermaier seine Passion für den Laufsport. Er beendete den Marathon von Venedig («ein Lebenstraum»), und so zäh und unnachgiebig er zu sich selber ist, so fordernd und beharrlich ist er mit seinen Mitarbeitern. Er hat ein Pflichtenheft erstellt, runde 100 Seiten dick. «Darin sind die Spielregeln für unseren Betrieb festgelegt. Wer sich nicht daran hält, bekommt ein Problem mit mir», sagt Niedermaier. Er sitzt mittlerweile in seinem Büro, im dritten Stock des Hauptgebäudes. Es freue ihn, ziehen alle mit. «Wir sind wie ein Start-up-Unternehmen. Es ging von null auf hundert.» Anfänglich habe er nicht realisiert, wie stark er in dieser Funktion in der Öffentlichkeit stehe. «Dieses Stadion hat eine magische Anziehungskraft weit über die Landesgrenzen hinaus. Das habe ich unterschätzt.»
Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass er drei Jahre in Südfrankreich gelebt und gearbeitet hat. Dort, in Cannes, hat er seine Frau kennen gelernt. Später leitete Niedermaier eine Informatikfirma in Deutschland mit 500 Angestellten. Und just, als die Familie wegen der beiden Kinder, die ins Schulalter traten, in die Schweiz zurückkehren wollte, wurde er im Frühjahr 2005 von einem Headhunter angefragt, ob er sich vorstellen könnte, den Job des Wankdorf-CEO auszuüben. «Das war ein glücklicher Zufall. Doch eigentlich glaube ich nicht an Glück und Zufall. Man muss sich im Leben vieles erarbeiten.» Getreu diesem Motto fuhr Niedermaier jetzt vor Ostern – nach zehn Monaten Arbeit – erstmals mit der Familie in die Ferien nach Südfrankreich. «Ich verreise mit gutem Gewissen. Und wenn ich zurück bin, steht mit dem Cupfinal YB – Sion der Höhepunkt an.»
Salopp und burschikos
Niedermaier führt den Besucher, an einem Freitagmorgen Anfang April, weiter durch sein Reich. Man erreicht auf diesem Rundgang den höchsten Punkt des Stadions. Es ist ein Türmchen, das man ebenso für Anlässe mieten kann wie all die anderen Räume und wie jene Ebene auf dem Dach der Haupttribüne, auf der angeblich schon rauschende Feste gefeiert wurden. Man läuft durch den riesengrossen VIP-Bereich, wo bis zu 1000 Gäste verköstigt werden können und wo Firmen täglich Seminare oder Kundenanlässe durchführen. Niedermaier erreicht die VIP-Logen. Dort oben plant er etwas besonders Exklusives. Er nennt es den «Präsidentenklub». Elf ausserordentlich wichtige – und vor allem ausserordentlich reiche – Personen, De-luxe-VIP, sollen hier an den YB-Heimspielen residieren und dinieren und so jährlich einen siebenstelligen Betrag in die Kassen spülen. «Damit posten wir den nächsten Yakin», sagt Niedermaier salopp. Er spricht sowieso oft burschikos. «Hakan Yakin ist wichtig», sagt Niedermaier, der sich beeilt, zu erwähnen, er sei kein Fussballexperte. «Aber Yakin ist ein Türöffner. Seinetwegen kommen die Leute ins Stadion.» Und ohne YB funktioniere das Wankdorf nicht.
Im Trakt der Fussballer zeigt Niedermaier auf ein Bild, das es ihm angetan hat. Der brasilianische YB-Torjäger João Paulo ist darauf abgebildet, mit strahlendem Lachen und wie er mit jugendlichen Fans spielt. «Wir haben bei YB eine gesunde Truppe. Es geht vorwärts. Doch es fehlt der grosse Erfolg.» Auch Niedermaier ist nicht entgangen, dass sich die Identifikation der Tochtergesellschaft YB mit dem zahlenden Publikum nicht zu einer innigen Beziehung entwickelt hat. Im Schnitt besuchen in dieser Saison nur 14 000 Zuschauer die YB-Heimspiele. Niedermaier rechnet anders. «Wir hatten fünfmal ein ausverkauftes Stadion mit Thun in der Champions League. Und wir hatten zwei ausverkaufte Länderspiele im letzten Herbst. Der Schnitt liegt also weit über 20 000 Besuchern.»
Es ist alles eine Frage der Optik. Niedermaier ist kein Schönschwätzer, er kalkuliert knallhart. Er sagt: «Unser Betrieb war vom ersten Tag an profitabel. Auch YB gehts gut.» Ob quer subventioniert oder nicht, das spiele keine Rolle. «Letztlich gehört alles zusammen.» Es ist eine richtig hübsche Familie geworden, da draussen, im Norden Berns. Und er, Stefan Niedermaier, ist das Oberhaupt der Sippe. Er hat die Oldies Night bei YB-Heimspielen ins Leben gerufen, es gab die Ladies Night und den Kids Day, bald folgt der Tag der Lehrlinge, und vermutlich wäre sich Niedermaier nicht zu schade, einen Nachmittag der Tanten oder einen Tramfahrertag zu organisieren, um Leute ins Stadion zu locken. «Wenn nur einer wieder an ein YB-Spiel kommt, hat sich die Aktion gelohnt. Und im besten Fall nimmt er das nächste Mal den Kollegen mit», sagt er.
Innovativ und pragmatisch
Niedermaier ist Stück für Stück dabei, die Fehler seiner Vorgänger zu korrigieren. «Wir werden die zu hohen Eintrittspreise senken», sagt der innovative Pragmatiker. Zudem will er zwischen dem ersten und zweiten Ring zwei Beizen installieren. «Das ist den Leuten, gerade im Winter, ein Anliegen.» Niedermaier hat die Zeichen der unzufriedenen Kundschaft registriert. «Fussball ist ein gesellschaftliches Ereignis. Die Leute wollen an einem Spiel jubeln oder trauern, sie essen und trinken und treffen sich mit Freunden. Andere pflegen ihre geschäftlichen Kontakte. Sie alle sollen bei uns Platz haben.»
Niedermaier freut sich auch auf die Konzerte, im August tritt Robbie Williams auf. Vielleicht darf seine Tochter dem Megastar die Hände schütteln. Neulich begleitete ihn die Elfjährige einen Tag lang, um in einem Schulaufsatz zu schreiben, was der Vater denn so mache. «Als wir zu Hause waren, sagte sie meiner Frau, dass ich gar nicht arbeite, sondern nur am Telefonieren sei.»
Es gibt ja noch so vieles zu tun. Da sind die 25 000 Uhren, die von der unglücklich organisierten Eröffnungsfeier im Sommer 2005 übrig geblieben sind. Niedermaier hat sie neu einpacken lassen, es sind jetzt YB-Uhren, und wer eine kauft, erhält auch gleich ein Heimspielticket. Ausserdem gilt es, einen neuen YB-Trikotsponsor zu finden. Ein Cupsieger lässt sich natürlich besser vermarkten.
Ja, der Cupfinal. Wird der Klassiker YB – Sion zum Volksfest, es wäre ein Argument für den Austragungsort Bern. «Der Cupfinal gehört nach Bern», sagt Niedermaier. Das ist sein grosses Ziel.
Nervös und generös
Übermorgen, im Cupfinal, spielt YB erstmals eine grosse Partie im Wankdorf. Gastgeber Niedermaier wird nervös umhertigern, wie er es immer tut bei YB-Spielen. Er wird auf der Pressetribüne kurz vorbeischauen, bei den VIP-Gästen oben zum Smalltalk erscheinen, er wird in den Fansektor gehen, und wenn er es vor Spannung nicht mehr aushält, dann wird er sich zurückziehen, ganz nach oben, aufs Dach der Tribüne, wo er alleine sein wird. Er ist ja der Schlüsselmeister.
Am Ostermontagabend schliesslich dürfte Niedermaier beim Essen der YB-Familie eine kurze, prägnante Rede halten. Er wird der Fussball spielenden Belegschaft – bei Sieg oder bei Niederlage – ein Präsent überreichen.
Vielleicht steht irgendwo im Saal des feiernden Cupsiegers der Pokal. Stefan Niedermaier wird ihn anschauen und sich vorstellen, wie er ihn später ins YB-Museum stellt.Fabian Ruch
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Samstag 14. Oktober 2006, 12:39 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
|
Bund, 14.10.2006
«Ziehe mich zurück»
Wankdorf-CEO Stefan Niedermaier erklärt, warum die Verpflichtung Martin Andermatts so lange gedauert hat.
Haben Sie mit Martin Andermatt den Wunschtrainer für YB verpflichtet?
Stefan Niedermaier: Ja. Mit Andermatt haben wir nach dem Abgang von Gernot Rohr die ersten Gespräche geführt und jetzt haben wir unseren Erstkandidaten bekommen.
Was hat den Ausschlag für Andermatt gegeben?
Mit 44 Jahren steht er mitten im Leben. Andermatt ist eine Persönlichkeit, die über viel Erfahrung und Fachwissen verfügt. Und er ist mehrsprachig.
Wieso hat es bis zu Andermatts Verpflichtung so lange gedauert?
Die Länderspielpause hat für Verzögerung gesorgt. Als Nationaltrainer Liechtensteins war Andermatt in der EM-Qualifikation engagiert. Das mussten wir respektieren.
Konnten Sie in dieser Zeit wenigstens die Ablösesumme, die der Liechtensteiner Verband für Andermatt verlangte, ein wenig verkleinern?
Wir haben es versucht, aber es hat leider nicht geklappt. Den Versuch war es aber wert.
Welche Vorgaben hat Andermatt von der Vereinsleitung erhalten?
Er soll die Young Boys in der Tabelle Schritt für Schritt nach vorne führen. Ich bin überzeugt, dass er das schafft. Wir wissen wie akribisch und erfolgsorientiert er arbeitet.
Andermatt wird am Sonntag gegen Thun bereits die Verantwortung für die Mannschaft tragen. Kennt er das Team gut genug, um die Aufstellung zu bestimmen?
Ich sehe da kein Problem. Wir erwarten wegen dem Derby und dem Kids-Day über 18 000 Zuschauer. Hätte Andermatt da von der Tribüne aus zuschauen sollen? Die Fans wollen doch den neuen YB-Trainer sehen. Ausserdem hat Erminio Piserchia in den letzten Wochen hervorragende Arbeit geleistet und das Team optimal vorbereitet.
Sie haben an der Pressekonferenz absichtlich nicht neben Martin Andermatt und Erminio Piserchia Platz genommen. Warum?
Damit wollte ich unterstreichen, dass in sportlichen Belangen wieder andere das Sagen haben. Ich werde mich aus diesem Bereich zurückziehen und hoffe, dass bei YB endlich Ruhe einkehrt.
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Montag 26. März 2007, 11:40 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
|
Bund, 24.03.2007
Der Bund; 24.03.2007; Seite 26
sport
Fussball: Stefan Niedermaier
«Das ist ein Verrat am Verein»
YB bastelt an der Zukunft. Wankdorf-CEO Stefan Niedermaier über den fehlenden Sportchef, die Rückschläge, die Verantwortung der Spieler, die YB-Lohnsumme, Zdravko Kuzmanovic und eine Schachtel mit Hundekot.
Verstehen Sie viel von Fussball?
Stefan Niedermaier: Ich habe in den eineinhalb Jahren, in denen ich jetzt als Stadion-CEO arbeite, durch die Nähe zu YB einiges gelernt. Ich bin kein Experte, taktische Fachgespräche kann man mit mir nicht stundenlang führen. Ich mische mich selbstverständlich nicht in sportliche Angelegenheiten ein. Dafür haben wir eine sehr kompetente Crew.
Ein Sportchef fehlt immer noch.
Ist das ein Problem?
Ein Verein wie YB mit einem derart speziellen Konstrukt benötigt doch einen sportlichen Leiter. Trainer Martin Andermatt könnte sich auf die Arbeit mit dem Team konzentrieren.
Andermatt ist der Trainer, Alain Baumann ist der Teammanager, Bert Theunissen ist der Scout. Diese Leute machen sich viele und gute Gedanken. Andermatt und Baumann tauschen sich täglich aus, Baumann ist als ehemaliger YB-Spieler eine ideale Lösung. Er absolviert eine Sportmanagement-Ausbildung, und er beherrscht viele Sprachen.
Baumann ist aber noch ein Lehrling, der von einem routinierten Sportchef profitieren könnte. Sie haben noch im Herbst betont, dass ein erfahrener Sportdirektor bis im Februar angestellt werden soll. Nun passiert nichts. Wären Sie selber gerne «Mister YB»?
Um Himmels willen, nein. Mein Job besteht eigentlich zu 80 Prozent aus Stadionangelegenheiten und zu 20 Prozent aus YB. Derzeit liegt das Verhältnis bei 50:50. Ich trage die wirtschaftliche Verantwortung, und ich will keinen Schnellschuss produzieren. Unsere Strukturen sind ausgezeichnet und im Vergleich mit anderen Super-League-Vereinen beispielhaft. Das hat mir unser juristischer Berater Thomas Grimm, der jahrelang bei der Fifa gearbeitet hat, bestätigt.
Aber Sie haben immer gesagt, es brauche einen «Mister YB».
Das habe ich gesagt, ja. Aber wir lassen uns nicht stressen. Wir brauchen derzeit keinen Sportchef, doch wir sind nicht naiv. Wir hatten die Idee, dass Martin Andermatt nach einem erfolgreichen Saisonende, verbunden möglicherweise mit dem Cupsieg, im Sommer zum Sportchef befördert wird und einen Trainer sucht. Nun gilt die Konzentration vorerst dem Erreichen des europäischen Wettbewerbs.
Also sind Sie sich bewusst, dass YB einen Sportchef benötigt?
(überlegt lange): Derzeit sind wir gut aufgestellt. Wir wollen nicht zu abhängig von einzelnen Personen sein, das hat in der Vergangenheit nicht funktioniert. Früher oder später wird ein «Mister YB» kommen, egal ob er Geschäftsführer, Sportchef oder Sportdirektor heissen wird.
Trainer Hanspeter Latour und Sportchef Ilja Kaenzig werden mit YB in Verbindung gebracht.
An diesen Gerüchten besteht null Prozent Wahrheitsgehalt.
Wer bearbeitet bei YB die vertraglichen Angelegenheiten?
Andermatt, Baumann, Grimm, Finanzchef Perroulaz und ich. Wir haben die teilweise fragwürdigen Vertragswerke mit einzelnen Spielern aus der Vergangenheit jetzt endlich alle bereinigt. Wir arbeiten sauber.
Und warum wird das YB-Budget nicht kommuniziert?
Kein Problem. Es beträgt rund zehn Millionen Franken im Jahr, knapp einen Drittel machen die Spieler-Grundlöhne aus.
YB soll zuletzt beim Transfer des ehemaligen YB-Juniors Zdravko Kuzmanovic von Basel zu Fiorentina rund 500000 Franken Ausbildungsentschädigung erhalten haben. Stimmt das?
Wir haben einen kleinen Teil der Ablösesumme (4,6 Millionen Franken, die Red.) erhalten.
YB kommt trotz grosser Investitionen sportlich nicht vorwärts.
Wir sind heute in der Tabelle nicht weiter, als wir es mit Trainer Gernot Rohr waren. Aber wir sind mit Andermatt trotz des Ausscheidens im Cupviertelfinal in Wil auf einem guten Weg.
Ähnliche Worte vernimmt man von YB-Exponenten seit Jahren.
Wir haben finanziell einiges unternommen, um das Team zu verstärken. YB hat sieben Nationalspieler, es muss mir keiner sagen, dass damit nicht mehr als Rang fünf möglich ist. Trainer und Team stehen in den nächsten Wochen in der Pflicht, Platz drei noch zu erreichen. Ich habe in den letzten Tagen mit den Spielern Klartext gesprochen.
Was haben Sie gesagt?
Im Kern ging es darum, dass solche Auftritte wie in Wil peinlich und völlig inakzeptabel sind. Das war ein riesengrosser Rückschlag für uns alle. Die Spieler stehen nicht nur den Zuschauern und den Sponsoren gegenüber in der Pflicht, sondern auch den 100 Mitarbeitern hier im Stadion und im Verein. Diese Leute sind stolz auf YB. Und dann gibt es Fussballer, die das YB-Signet auf ihren Autos entfernt haben. Das verstehe ich nicht, das ist ein Verrat am Verein. Ich verlange Identifikation und Stolz.
Wichtige Spiele verliert YB oft,
der Funken zum Berner
Publikum ist nicht gezündet
worden. Die Zuschauer laufen davon.
Wir haben einen Zuschauerschnitt von 15800, pro Heimspiel verkaufen wir 17000 Tickets. Das sind gute Zahlen, zum Beispiel im Vergleich zu den Zürcher Vereinen. Und es zeigt auf, was in Bern möglich wäre, würde YB an der Spitze mitspielen.
Die Fans haben zuletzt sehr
ungehalten reagiert und ihren Unmut mit Plakaten zum
Ausdruck gebracht. Erhalten
Sie viele Reaktionen erzürnter
Anhänger?
Nach der Niederlage in Wil erreichten uns natürlich einige Zuschriften verärgerter Fans. Einer hat mir eine Schachtel mit Hundekot geschickt, darin war ein YB-Wimpel vergraben…
Die Entwicklung vom Fussballverein zum nüchternen Wirtschaftsbetrieb gefällt nicht allen.
Entscheidend im Sport sind die Resultate und die Leistungen. Ohne das Stade de Suisse würde es YB kaum mehr geben, und ohne YB würde das Stade de Suisse nicht in dieser Form funktionieren. Es ist eine erfolgreiche Symbiose. Und es ist klar, dass YB der wichtigste Faktor ist. Wir müssen die Strukturen weiter verbessern und gleichzeitig die Fans stärker einbinden.
Das hört sich wie die Quadratur des Kreises an.
Im Gegenteil. Nachdem Peter Jauch kein Amt mehr ausübt, wurde die Mibet aufgelöst (siehe Kasten, die Red.). Damit sind die Wege kürzer. Wie kaufen den Kleinaktionären auch die vier Prozent Aktien ab, die sie an der YB-Betriebs-AG besitzen. Wir gründen einen Botschafterrat. Und wir rufen ein neues Mitgliederkonzept ins Leben.
Mit welchem Zweck?
Wir haben uns intensiv mit Vereinen wie Barcelona oder Bayern befasst und einiges gelernt. Jeder Dauerkartenbesitzer wird in Zukunft automatisch YB-Mitglied. Derzeit hat YB 2000 Mitglieder, unser Ziel sind 10000.
Und was bringt diese Mitgliedschaft den Leuten?
Sie nehmen an zahlreichen Verlosungen mit interessanten Preisen teil, sie erhalten das YB-Magazin gratis nach Hause, sie geniessen Rabatte im Fanshop, es sind diverse Aktivitäten mit Spielern geplant, sie haben ein Vorkaufsrecht für wichtige Spiele. So wird auch der Verein BSC YB aufgewertet, der in Zukunft als Mitgliedermantel fungieren wird. Im Übrigen haben wir das Konzept mit Fans und verschiedenen Mitgliedern besprochen.
Was passiert mit den Junioren?
Wir wollen die U12- bis U18-Teams in die YB-Betriebs-AG integrieren. Darüber werden die Vereinsmitglieder abstimmen. Es ist ein sinnvoller Weg, denn wir investieren pro Jahr zwei Millionen Franken in die Nachwuchsausbildung. Erfolgreiche Beispiele aus dem Ausland zeigen, dass es ideal ist, wenn die Junioren einheitlich auftreten und eine gemeinsame Spielphilosophie vertreten. Das muss von oben gesteuert werden. Denn wir haben trotz einiger Rückschläge nach wie vor hohe Ziele. Diese haben wir in einem Strategiepapier ausgearbeitet.
Dann erfahren wir jetzt, wann YB erstmals seit 1986 Meister wird?
(lacht) Nein. Im Fussball kann man den Erfolg nicht kaufen. Er ist auch weniger planbar als in der Wirtschaft. Wir wollen die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen, dass YB bald wieder einen Titel feiern kann.
Interview: Fabian Ruch
Änderungen bei YB
Botschafterratund Fan-Nähe
Die YB-Strukturen werden schlanker: Nach der Auflösung der Mibet AG, die für die Finanzierung der Transfers zuständig gewesen war, kauft die YB-Betriebs-AG jetzt auch jene vier Prozent Aktien zurück, die nicht bereits in ihrem Besitz sind. Die Kleinaktionäre erhalten den Nominalwert der Aktie zurück plus 25 Prozent des Wertes für den Erwerb von YB-Eintrittskarten. Bald wird ein rund 15-köpfiger Botschafterrat gegründet. Vertreter aus Fankreisen, Kultur, Wirtschaft, Medien und ehemalige YB-Spieler sollen in diesem Beirat regelmässig debattieren. Das neue Mitgliederkonzept soll die Fans und Zuschauer wesentlich näher an den Verein binden (siehe Interview).
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 37 Gäste |
| |
|
|
Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.
|
|
 |