|
Berner Zeitung; 04.11.2006; Seite 29
BZ Oberaargau, 04.11.2006
In der Super League angekommen
Weite Wege geht der Langenthaler Fabian Geiser (23), um in der Super League spielen zu können. Beim FC Schaffhausen hat er jetzt den Durchbruch geschafft. Trotzdem bleibt er nachdenklich und selbstkritisch.
Es sind angenehme Tage für Fabian Geiser (23). Nicht nur, weil draussen die Sonne scheint und seine Freundin Michela De Meo (23) ein paar Tage in Schaffhausen zu Besuch ist. Der Langenthaler hat endlich geschafft, wovon er jahrelang geträumt hatte: Regelmässig in der Super League kicken wollte er, am liebsten für den BSC Young Boys, den er schon als kleiner Junge im Wankdorfstadion angefeuert hatte. Bei den Stadtbernern schaffte er den Durchbruch zwar nicht, dafür jetzt beim FC Schaffhausen. Als rechter Aussenverteidiger gehört er zur Stammelf, mit seinen Leistungen hat er sich kürzlich sogar den Titel «Spieler des Monats» von den Fans verdient.
«Wir sind weniger stark»
«Von dieser Auszeichnung hat mir meine Mutter am Telefon erzählt», sagt Geiser nur und lächelt kurz. Der smarte Fussballer sitzt in einem Bistro am Schaffhauser Bahnhof und sucht nach Worten, die seine aktuelle Situation am besten beschreiben würden. Dass er regelmässig spielt und seine Mannschaft zuletzt mit Siegen gegen Basel und Zürich überraschen konnte, mache seine Situation zwar ein bisschen einfacher, mehr aber auch nicht. «Wir sind ein kleiner, familiärer Verein, der technisch weniger stark ist als zum Beispiel der FC Zürich. Deshalb müssen wir jeden Punkt hart erkämpfen.»
Fabian Geiser bleibt Realist. Grosse Sprüche sind nicht sein Ding, auch nicht in diesen sonnigen Herbsttagen. «Wenn es auf dem Fussballplatz rund läuft, dann hinterfrage ich mich und meine Leistung weit weniger als sonst.» Vor allem für seine Freunde und Familie sei das angenehm, weil er in schlechten Phasen oftmals stark mit sich selbst beschäftigt sei und lange den eigenen Gedanken nachhänge.
Dass er ein sensibler Typ ist, gesteht Fabian Geiser ohne zu zögern. Die Erfahrungen und Enttäuschungen der letzten Jahre haben ihn geprägt. Als 18-Jähriger schaffte er den Sprung ins erweiterte YB-Kader, besuchte das Sportgymnasium in Münchenbuchsee und träumte von einer grossen Karriere im Ausland. Die Realität sah anders aus: Verletzungen zwangen ihn zum Pausieren, später war er überzählig, weil YB bestandene Profis aus dem In- und Ausland für den Einzug ins neue Stade de Suisse verpflichtete.
Chapuisat als Fürsprecher
Geiser war frustriert, trennte sich im Sommer 2005 von seinem Lieblingsverein und wechselte für eine Saison zu Lausanne-Sports in die Challenge League, wo er mit Stéphane Chapuisat einen prominenten Fürsprecher hatte. «Doch ich wollte zurück in die höchste Spielklasse und habe deshalb das Angebot des FC Schaffhausen angenommen.»
In der Munot-Stadt am Rhein wohnt er seit diesem Sommer in einem kleinen Studio, weit weg von seiner Freundin. «Sein Umzug war schwierig für mich», gesteht Michela De Meo. Wenn immer möglich reist die 23-Jährige seither mit dem Zug von Yverdon nach Schaffhausen. «Ich bin Fabians grösster Fan und besuche so gut wie jeden Match von ihm», sagt die junge Westschweizerin.
Kennen gelernt haben sich der Fussballer und die Krankenschwester während Geisers Zeit in Bern. Wie ihre gemeinsame Zukunft aussehen könnte, bestimmt in den nächsten Jahren vor allem der Fussball. Bis 2008 steht Geiser als Vollprofi bei Schaffhausen unter Vertrag. Für Job oder Studium nebenbei reicht die Zeit nicht. «Ich will mich voll auf den Sport konzentrieren können, alles andere muss warten», sagt der Langenthaler. Er weiss nur allzu gut, dass der Fussball ein schnelllebiges Geschäft ist, in dem Gewinner rasch auch zu Verlierern werden können. Heute Samstag zum Beispiel, wenn der Gegner auswärts FC Aarau heisst (17.45 Uhr, Brügglifeld). «Wir werden hart kämpfen müssen», sagt Geiser, dem niemand erklären muss, wie das gehen könnte. Denn gekämpft hat er schon mehr als genug, seit er im Fussballgeschäft mitmischt.
_________________ For Ever
|