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 Betreff des Beitrags: Bund & BZ - Interview mit Bidu Zaugg
 Beitrag Verfasst: Dienstag 12. Juli 2005, 08:00 
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Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08
Beiträge: 29376
Bund, 12.7.2005

«Mindestens Rang 3 müsste es werden»


Die Young Boys vor der neuen Fussballsaison: Trainer Hans-Peter Zaugg beurteilt die Lage nach fünf Wochen Vorbereitung
Morgen Mittwoch ist für die Young Boys in La Chaux-de-Fonds gegen Xamax bereits Meisterschaftsstart zu einer besonderen Saison: Erstmals können sie in der neuen Spiel-zeit im Stade de Suisse antreten. Ein Gespräch mit Trainer Zaugg über Ziele, Einschätzungen und Erwartungen.


«BUND»: Nach vier Jahren im Exil im Neufeldstadion kann YB nun ins neue Stade de Suisse einziehen. Die Erwartungen der Öffentlichkeit vor der morgen Mittwoch beginnenden Fussballsaison sind entsprechend hoch . . .

Hans-Peter Zaugg: Das ist gut so. In der Tat ist in Bern in den letzten Monaten und Wochen fussballerisch etwas passiert. In Sachen Transfers ist ja einiges unternommen worden.


Jetzt verfügen Sie praktisch über zwei Mannschaften. Wie steht es mit dem Verhältnis von Qualität und Quantität?

Wir sind auch qualitativ klar stärker geworden – das heisst: Die Auswahl an guten Spielern ist jetzt grösser, eine Verletzung oder eine Sperre wird uns kein Bauchweh verursachen.


Wie werden Sie spielen? Mit einer Stamm-Elf? Oder wird es immer wieder Wechsel geben?

YB wird sicherlich nicht Runde für Runde in der gleichen Formation antreten, aber Fixstarter wird es schon geben. Das grössere und bessere Kader bietet nun die Möglichkeit, auch mit verschiedenen Spielsystemen zu operieren. Je nach Ausgangslage und zurechtgelegter Taktik können wir mit einem 4-4-2 antreten oder einem 4-3-3. Das sind zwei völlig unterschiedliche Spielweisen – mit Auswirkungen auf die personelle Besetzung.


Auswärts – etwa in Belgien gegen Lokeren – stand mit Neri vorne nur eine Spitze. War das das angesprochene 4–3–3?

Ja, denn bei diesem defensiveren System haben die Spieler auf den Aussenbahnen nicht nur defensive Pflichten, sondern auch die Aufgabe, immer wieder vorzustossen und für offensive Gefahr zu sorgen. Wir haben diese Spielvariante in der Vorbereitung oft geübt und damit gute Ergebnisse erzielt.


Im neuen Stadion erwartet man von YB vor allem Angriffsspiel . . .

Das ist auch richtig so. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass wir nach wie vor einen abschlussstarken Stürmer verpflichten möchten und daran arbeiten. Aber auch ohne diesen grossen Unbekannten sollten wir in der Lage sein, offensive Zeichen zu setzen.


Der Vergleich mit dem YB-Kader der letzten Jahre: In welchen Bereichen ist Ihre Mannschaft stärker geworden – und wo orten Sie die Schwächen?

Wir brauchen, wie gesagt, noch einen treffsicheren Stürmer. Auf der anderen Seite sind wir stärker, weil wir jetzt variantenreicher auftreten können und nicht anfällig auf Ausfälle sind. Ferner dürften wir spielerisch einen klaren Schritt vorwärts gemacht haben.


Die Gegnerschaft: Wen erwarten Sie vor und wen hinter YB?

Unser Ziel ist definiert: Mindestens Rang 3 müsste es werden. Ich denke, der FC Basel wird es noch einmal schaffen, Meister zu werden. Auf den vorderen Rängen sehe ich auch GC und den FCZ.


Sprechen wir über die neuen YB-Spieler bzw. ihre möglichen Positionen. Nach fünf Wochen Training interessiert vorab Ihre Meinung zur Verfassung von Hakan Yakin. Wird er das grosse Comeback schaffen?

Ich hoffe es und ich bin ehrlich optimistisch. Ich erwarte von Yakin, dass er bei uns überraschende Elemente ins Spiel bringt, dass er öffnende Pässe schlägt. Im bisherigen Vorbereitungsprogramm ist mir die erwartete Kreativität noch zu wenig aufgeblitzt, Yakin ist in unserem Spiel noch nicht präsent genug. Aber er bemüht sich in jedem Training, seine alte Spritzigkeit wieder zu erlangen.


Heisst das, er ist bei Hans-Peter Zaugg kein Fixstarter?

Wer Fixstarter ist und wer nicht, wird sich im Lauf der Saison ergeben. Yakin muss seine Leistung bringen, dann spielt er auch – und das weiss er. Der Vorteil für ihn im Vergleich zu den Engagements in Paris, Stuttgart und Istanbul ist, dass diesmal der Trainer seine Qualitäten und seinen Charakter kennt. Im Grunde ist Yakin ein ruhiger und liebenswürdiger junger Mann – zu viele und falsche Berater hatten ihm vielleicht ein wenig den Kopf verdreht, aber bei uns wird er ein Spieler unter vielen sein. Und das will er auch.


Ein anderer Name: Tiago. Er wurde als grosser Star angekündigt, bei Barcelona hat der Brasilianer aber kaum gespielt. Was kann er?

Er ist ein ausgezeichneter Spieler und für uns ganz klar eine Verstärkung. Ich hatte ihn nur vom Studium von Video-Sequenzen gekannt – jetzt kann ich feststellen: Er ist alles andere als ein Floptransfer.


Im Mittelfeld auf den Seiten spiel-ten zuletzt Raimondi und Varela. Sind Sie mit ihnen zufrieden?

Ja, sie erfüllen die Erwartungen und geben uns die Möglichkeit, unser Spiel zu variieren. Aber insbesondere Varela müsste noch etwas präsenter im Spiel sein und seine Schnelligkeit noch vermehrt ausspielen.


Nach dem Match in Belgien gegen Lokeren waren Sie des Lobes voll über Schwegler. Hat er Friedli, Aziawonou oder Portillo auf der zentralen Defensivposition im Mittelfeld schon verdrängt?

Das sicherlich noch nicht, aber ich muss sagen: Schwegler hat mich total überrascht, und zwar in positiver Hinsicht. Die Konkurrenz wird es gegen ihn schwer haben, aber der interne Kampf muss aufgenommen werden.


Portillo und Hodel sind die weiteren Zuzüge. Ihr Urteil?

Eigentlich hatte ich daran gedacht, Portillo neben Tiago in der zentralen Abwehr spielen zu lassen – aber heute muss ich sagen: Im Training hat sich auf dieser Position vor allem der Routinier Disler aufgedrängt. Der will es offensichtlich wissen. Dennoch: Portillo ist stark, vif, schnell, technisch gut, er schlägt einen guten weiten Pass – und er ist erst 22-jährig. Eine gute Zukunft hat auch Hodel, den wir als Rochat-Ersatz transferiert haben. Nach einem Faserriss muss er vorerst aber pausieren, weshalb Steinsson links statt rechts zum Einsatz kommt.


Und Sermeter plötzlich als rechter Aussenverteidiger gebraucht wird . . .

Ja, das stimmt, und ich muss sagen: Er kann das spielen. Ich bin froh, dass wir neben Eugster, der ja oft verletzt war, auf dieser Position eine weitere Alternative besitzen. Sermeter kann aber auch im Mittelfeld eingesetzt werden – dort können wir auf den Aussenpositionen pro Spiel vier Leute gebrauchen: Die Starter geben 50 bis 60 Minuten Vollgas, dann kommt die zweite Staffel . . .


Dennoch: Das grosse Kader führt wohl dazu, dass auf der YB-Ersatzbank prominente Leute sitzen werden. Ein paar Namen: Magnin, Friedli, Urdaneta, Aziawonou, Eugster, Häberli . . .

Eine Mannschaft besteht nicht nur aus elf Spielern – und ich verlange von jedem Profi, dass er im Interesse des Teams auch mal auf der Ersatzbank Platz nimmt. Das ist bei den grossen Mannschaften noch viel ausgeprägter. Aber wie gesagt, wir werden nicht immer mit dem gleichen System operieren, anderseits ist unser Programm schon jetzt zu Saisonbeginn infolge des UI-Cups und der Marseille-Partien sehr gedrängt. Wir sind auf jeden einzelnen Spieler angewiesen.


Der Erwartungsdruck im neuen Stadion ist gross. Spüren Sie ihn?

Ich denke in keiner Sekunde an den Druck, hingegen empfinde ich zusammen mit meinen Spielern grosse Freude, im Stade de Suisse antreten zu können. Das ist für uns alle eine grossartige Herausforderung, die wir auch annehmen wollen. Aber Wunder werden wir nicht erbringen können – ich hoffe, unsere vielen Fans zeigen sich geduldig: Von einem Tag auf den anderen sind wir trotz allem Optimismus und trotz guten Transfers nicht zu einer europäischen Spitzenmannschaft geworden.

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 Beitrag Verfasst: Dienstag 12. Juli 2005, 08:04 
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BZ, 12.7.2005

Stolzer Anführer der neuen Mannschaft

Am Mittwoch startet YB bei Xamax in die Saison. Trainer Hans-Peter Zaugg über den Druck, das neue Wankdorf, den Titel, sein Kader, den fehlenden Stürmer – und über den genialen, aber streitbaren Spielmacher Hakan Yakin. (mit Video)


Hans-Peter Zaugg, wie hoch ist die Meisterprämie in Ihrem Vertrag bei den Young Boys?

Hans-Peter Zaugg (lacht): Ich habe eine Meisterprämie. Aber die Höhe gehört natürlich nicht in die Öffentlichkeit.


Aber Sie glauben an den Titel?

Auf jeden Fall. Ich bin ein Optimist. Aber ein realistischer Optimist. Wenn sich der FC Basel nicht allzu dumm anstellt, wird er erneut das Mass aller Dinge darstellen. Doch wir trauen uns zu, stärker als zuletzt zu sein.


Mit Murat Yakin, Scott Chipperfield, Christian Gimenez, Julio Hernan Rossi und Kleber sind zahlreiche FCB-Spieler im Ausland im Gespräch. Und auch die Stimmung im Basler Kader soll nicht unbedingt die beste sein …

Natürlich registrieren wir diese Dinge. Aber ich kann ja sagen, was ich will, es ist gefährlich für mich. Wenn ich behaupte, der FCB sei unerreichbar, dann heisst es hier in Bern, ich sei zu wenig mutig. Wenn ich aber erkläre, wir wollten Meister werden und wir seien jetzt stärker als Basel, dann hängt dieses Interview am nächsten Morgen in der Kabine des FCB. Also sage ich noch einmal: Basel ist klarer Favorit – doch ich glaube daran, mit YB vorne mitzuspielen.


Bei YB ist in diesem Sommer kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Trainiert wird neu neben dem Wankdorf, gespielt bald in der neuen Arena

… ja, und das ist wirklich wunderbar. Die Trainingsbedingungen im Leichtathletikstadion neben dem Wankdorf sind ausgezeichnet. Unsere Kabinen hier in der Arena sind geräumig, die Infrastruktur ist auf höchstem Level. Und dann dieses Stadion!


Wir sitzen hier in der Trainerkabine gleich neben dem Wankdorf-Rasen. Denken Sie manchmal, wenn Sie alleine hier sind, dass Sie Ihr Lebensziel jetzt erreicht haben – als Berner dürfen Sie Trainer der Young Boys im neuen Wankdorfstadion sein?

Es gefällt mir hier, das ist doch keine Frage. Doch ich habe auch in Schönbühl, in diesem engen, unpraktischen Container, gerne gearbeitet. Ich freue mich in erster Linie darüber, dass ich in der höchsten Schweizer Liga Fussballtrainer sein darf. Das ist für mich der Traum. Ich war zum Beispiel bei GC oder in Luzern genauso engagiert wie jetzt bei YB. Es ist schlicht Zufall, dass ich genau jetzt bei den Young Boys bin – aber ein sehr schöner.


Der Druck auf Sie ist aber riesig.

Das bin ich mir bewusst. Die Euphorie rund um die neue Arena ist gewaltig, ich spüre das jeden Tag. Aber ist der Druck wirklich grösser als letzte Saison? Damals erwarteten nach unserem sensationellen zweiten Platz im Jahr zuvor alle eine Steigerung.


Herausgekommen ist eine sehr mittelmässige Saison von YB. Denken Sie oft an die heftigen «Bidu raus»-Rufe vom Frühling?

Nein, eigentlich nie. Das war eine Minderheit von Fans, das weiss ich. Ich wurde auch in den Medien scharf kritisiert. Doch für mich ist es wichtig, dass ich auf dem Platz täglich gut mit dem Team arbeite. Es bringt mir doch als Trainer wenig, wenn der Präsident sagt, er stehe hinter mir. Das wichtigste für einen Trainer ist die Mannschaft. Ohne Spieler kann ich nicht gewinnen. Doch ich habe stets den Rückhalt des Teams gespürt. Und wir haben nach unseren drei brutalen Heimniederlagen im Frühling toll reagiert und gegen Ende der Saison neun Mal in Serie nicht verloren …


… und dennoch den Uefa-Cup verpasst. Sie sind nun zum Erfolg verdammt. Und diesmal durften Sie – im Gegensatz zum Vorjahr – die neuen Spieler auswählen.

Ja, wir haben fast die halbe Mannschaft ausgewechselt. Ich wollte das Team jünger, schneller, aggressiver, williger machen. Ich denke, das ist uns nicht schlecht gelungen. Spieler wie Carlos Varela, Mario Raimondi, Ronny Hodel oder Pirmin Schwegler stehen für diese Philosophie. Alle Neuen passen perfekt zu unserer Mentalität. Und es stimmt auch, dass diesmal meine Wünsche berücksichtigt worden sind.


Das YB-Kader scheint nicht nur besser besetzt zu sein, sondern auch wesentlich breiter.

Genau, wir brauchen viele Spieler, auf uns wartet eine anstrengende Saison. Es ist sehr gut, dass wir jede Position doppelt besetzt haben. Schauen Sie schon nur einmal die nächsten drei Wochen an. Alle drei Tage ein Spiel: UI-Cup, Meisterschaft, Eröffnungsfest. Wir haben eine sehr gute Vorbereitung gehabt, die Neuzugänge sind integriert, die Stimmung ist gut, die Vorfreude gross. Es kann losgehen.


Allerdings wurden die Abgänge von Alain Rochat und Stéphane Chapuisat nicht kompensiert.

Das stimmt nur bedingt. Rochat ist ein sehr, sehr talentierter Fussballer, er wird seinen Weg im Ausland machen. Es ist auch besser für seine Entwicklung, dass er nun bei Rennes ist. Aber war er letzte Saison bei uns so überragend? Mit Ronny Hodel haben wir einen starken Ersatz geholt, er fehlt leider in den nächsten Wochen verletzt.


Und wer schiesst die 15 bis 20 Tore, die Chapuisat gemacht hat?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich weiss es auch nicht. Wir sind uns alle bewusst, dass es noch einen Stürmer braucht. Das freut mich. Keine Angst, YB wird schon bald einen sehr, sehr guten Stürmer präsentieren.


Sie sitzen aber vor allem mit Hakan Yakin in einem Boot. Und Sie haben ein Dilemma: Yakin ist zwar unbestritten der talentierteste Schweizer Fussballer. Doch ihm fehlt die Spielpraxis, und er läuft nicht immer rund. Aber Sie müssen sofort auf ihn setzen.

Hakan Yakin ist ein Spieler, der jederzeit den Unterschied ausmachen kann. Nur mit ihm können wir hohe Ziele anvisieren. Er ist einfach genial. Und er ist viel reifer als früher, hat sich problemlos ins Team eingefügt. Wir werden in Bern noch jede Menge Spass an ihm haben. Korrekt ist aber, dass es teilweise den Anschein macht, er hinke leicht. Seine Fitnesswerte sind jedoch gut, er hat auch keine Verletzung. Wir müssen ihm jetzt Zeit geben. Hakan hat seit zwei Jahren kaum gespielt, ihm fehlt der Rhythmus, die Richtungsänderungen, die Spielpraxis. Er wird diese Zeit von mir erhalten. Das können Sie mir glauben.

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