BZ, 10.6.2005
«Ich will den FC Basel angreifen»
Hakan Yakin wechselt für drei Jahre zu den Berner Young Boys. Im Interview spricht der 28-jährige Spielmacher über seine neue Equipe, seine Ziele in Bern, das Nationalteam, Bruder Murat – und über die Rückennummer 10.
Hakan Yakin will mit YB Pokale gewinnen. Der 28-Jährige blickt optimistisch auf die Zeit bei den Young Boys / Keystone
Hakan Yakin, das ging plötzlich schnell mit Ihrem Transfer zu YB.
Hakan Yakin: Ja, das stimmt. Ich habe in den Gesprächen mit Trainer Hans-Peter Zaugg und Sportchef Marcel Hottiger gemerkt, dass die Verantwortlichen in Bern hinter mir stehen. Das hat letztlich den Ausschlag für meinen Wechsel gegeben.
Gab es noch andere Angebote?
Ja. Erik Gerets, der neue Trainer von Galatasaray Istanbul, wollte mich unbedingt behalten. Hätte ich aufs Geld geschaut, ich wäre in der Türkei geblieben. Aber ich will unbedingt wieder regelmässig Fussball spielen. Bei YB spüre ich das Vertrauen. Ich freue mich auf die Young Boys.
Warum?
Weil ich Trainer Zaugg aus meiner GC-Zeit und auch Sportchef Hottiger bereits länger kenne. Und weil ich bei YB Verantwortung auf und neben dem Spielfeld übernehmen kann.
Ist der Wechsel in die Schweiz nicht ein sportlicher Rückschritt?
Ich habe bei meinen Auslandstationen in Paris, Stuttgart und Istanbul leider kein Glück gehabt. Das heisst aber nicht, dass ich es mir nicht zutraue, im Ausland zu reüssieren. Doch mit dem Wechsel zu YB gehe ich garantiert keinen Schritt zurück. Im Gegenteil. Ich will so schnell wie möglich wieder zurück ins Nationalteam. Und ich will mit YB viele Erfolge feiern und den FC Basel angreifen.
Also lautet das Ziel Platz 1?
Das habe ich nicht gesagt. Wir haben in Bern eine sehr gute Mannschaft, die geschickt verstärkt worden ist. Der FCB ist die Nummer 1 in der Schweiz. Aber wie lange noch? Bei YB wächst mit dem neuen Stadion ein grosses Team heran. Ich freue mich, darf ich ein Bestandteil davon sein. Mein Ziel ist, mit YB sofort vorne mitzuspielen.
Wie schätzen Sie die Spielstärke der Young Boys ein?
Wie gesagt, das Team ist stark. Ich habe mit Patrick De Napoli, Gürkan Sermeter und Carlos Varela gute Freunde bei YB. Deshalb bin ich bestens über die Vorgänge informiert. Ich passe zum Team und kann mithelfen, eine erfolgreiche Epoche zu prägen.
Man sagt, Sie hätten bei Stuttgart rund 1,5 Millionen Franken im Jahr verdient. Ihr Vertrag dort wäre noch zwei Saisons weitergelaufen. Hat YB so viel Geld? Oder sind Sie derart spendabel?
Wir können über alles reden, nur nicht über Zahlen, auch nicht bezüglich der Ablösesumme. Wir haben Stillschweigen vereinbart. Klar ist aber: Ich verzichte auf sehr viel Geld.
Also haben Sie sich garantiert eine Ausstiegsklausel im Vertrag festsetzen lassen?
Kein Kommentar.
Das heisst ja …
Ich will doch YB nicht nach einem Jahr schon wieder verlassen, sonst hätte ich auch einen Einjahresvertrag unterschreiben können. Ich will langfristig in Bern bleiben. Ich habe in den letzten Jahren oft genug den Verein gewechselt. Diese Zeiten sind jetzt endgültig vorbei.
Sie werden bei YB die Rückennummer 10 tragen. Die Erwartungen an Sie sind riesig.
Das bin ich mir gewohnt. Ich habe mit der Nummer 10 meine grössten Erfolge bei Basel und mit der Schweiz gefeiert. Ich verspüre keinen Druck, ich will einfach wieder Fussball spielen und Spass haben. Es ist wichtig, dass ich jetzt die Saisonvorbereitung voll mitmachen kann.
Mit Ihnen und auch Youngster Pirmin Schwegler hat YB das zentrale Mittelfeld massiv verstärkt. Jetzt fehlt aber noch ein sehr guter Torjäger.
Wir haben mit Francisco Neri und Patrick De Napoli zwei routinierte und treffsichere Angreifer. Ich bin sicher, dass der Trainer und der Sportchef noch einen weiteren starken Stürmer verpflichten werden.
Und was ist mit Murat Yakin, der ebenfalls schon mit YB in Verbindung gebracht worden ist?
Kein Kommentar …
Das lässt Raum für Spekulationen.
Okay, es wäre natürlich ein grosser Traum von mir, wieder zusammen mit meinem Bruder zu spielen. Derzeit spielt Murat beim FC Basel, doch im Fussball ist alles möglich.