Bund, 11.1.2005
Kurzes Leben für den Naturrasen
Die Betreiber des Stade de Suisse Wankdorf Bern wollen so rasch als möglich auf Kunstrasen umstellen
Kaum ausgerollt, wird für den Naturrasen im Wankdorf bereits wieder ein Abnehmer gesucht. Kunstrasen sei viel besser geeignet für verschiedenste Grossanlässe als eine natürliche Unterlage, sagen die Stadionverantwortlichen.
Die Betreiber des Stade de Suisse Wankdorf Bern haben ihre Affinität zu Kunstrasen nie verborgen. Lange bevor die Uefa im November grünes Licht für Wettbewerbsspiele auf einer künstlichen Unterlage gegeben hatte, schwärmten sie von den Vorzügen, die ein solches Spielfeld besitze: Kunstrasen sei viel robuster und pflegeleichter und deshalb besser geeignet für die Durchführung von verschiedensten Grossanlässen als ein Naturrasengeviert. Weil sich die oberste europäische Fussballbehörde mit der Zulassung von Kunstrasenfeldern Zeit liess, entschieden sich die Wankdorf-Betreiber im Sommer 2004 contre cœur, das neue multifunktionale Stadion mit einem herkömmlichen Rasen auszurüsten. Kostenpunkt: 400 000 bis 500 000 Franken. Der Rollrasen aus dem deutschen Ingolstadt dürfte in Bern allerdings nur zu einem kurzen Gastspiel kommen. Stade-de-Suisse-Eventchef Ralph Ammann gab gestern am Rande einer Pressekonferenz zur Mantelnutzung des Stadions bekannt, dass der Rasen möglichst rasch herausgerissen werden soll. Wobei herausgerissen das falsche Wort ist, denn die oberste Schicht des Rasens würde aufgerollt und anderswo wieder ausgerollt. Die Stadionbetreiber sind derzeit daran, Abnehmer für den Naturrasen zu finden.
Der Einbau eines Uefa-zertifizierten Kunstrasens ist nicht ganz billig. Laut Christian Moroge, Präsident der Sportplatzkommission im Schweizerischen Fussballverband, kostet ein Standardplatz rund 1,5 Mio Franken.
Bono unsicher, Kuno kommt
«Ein Kunstrasen würde mir das Leben vereinfachen», erklärte Ammann. Der Eventverantwortliche möchte im Wankdorf nach der Eröffnungsparty möglichst rasch Konzerte, Musicals und andere Sportveranstaltungen durchführen. So hat Ammann die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass die Rockband U2 im Rahmen der Europatournee im August 2005 in Bern einen Halt einlegt. Das Problem sei, dass Auf- und Abbau für die Show der Iren sehr zeitaufwändig seien, wodurch das Stadion über eine Woche lang nicht für Fussball genutzt werden könne.
Ob Weltstar Bono und seine Band 2005 im neuen Wankdorf spielen werden, ist unsicher. Hingegen ist klar, dass Lokalstar und YB-Fan Kuno Lauener die Fans betören wird – wenn auch nur mit den Sugar Babies. Die aus Fussballliebhabern bestehende Ad-hoc-Formation tritt im Rahmen des dreitägigen Eröffnungsfestes auf, das vom 30. Juli bis am 1. August über die Bühne geht. Wer nebst den Sugar Babies auftritt, wollte Ammann nicht verraten. Er kündigte für den 30. Juli ein rund dreistündiges Kulturhappening mit diversen Berner Bands aus den verschiedensten Musiksparten an. Diese umrahmen ein rund 70-minütiges «fernsehgerecht aufbereitetes Eröffnungsspektakel».
Am 31. Juli steht ein Blitzturnier mit YB und zwei ausländischen Equipen auf dem Programm. Ob eine der ganz grossen Mannschaften wie Real Madrid, Barcelona oder Juventus Turin dabei ist, lasse sich derzeit noch nicht mit Sicherheit sagen, sagte Ammann.
Der Nationalfeiertag ist als «Fest für das breite Publikum» überschrieben, an dem alle Besucherinnen und Besucher sämtliche Räumlichkeiten des neuen Fussballstadions besichtigen können. Sein Ziel sei es, «eine spannende Show auf die Beine zu stellen, die allen gefällt», sagte Ammann, der an der Expo.02 für das Programm auf der Arteplage Neuenburg verantwortlich zeichnete.
8500 Saisonabos verkauft
Zufrieden sind die Stadionbetreiber mit dem Vorverkauf für die Saison 2005/2006. 7500 gewöhnliche Sitzplätze, 165 Stehplätze, 150 Businessplätze, 570 Future-Club-Sitze und 9 von 13 Logen sind bis dato verkauft. Das unveränderte Ziel seien 15 000 Saisonabonnemente, sagte Ammann, der aber schon mit 12 000 verkauften Dauerkarten «gut leben» könnte.
[i] Eröffnungsfest
Tickets können ab dem 21. April auf der Webseite
http://www.stadedesuisse.ch bezogen werden.
Megastore und 35 Läden
Rund drei Wochen nach der Stadioneröffnung, am 24. August 2005, wird das zweigeschossige Einkaufszentrum im Stade de Suisse Wankdorf Bern in Betrieb genommen. Um ein «Coop Megastore» mit einer Verkaufsfläche von 5000 Quadratmetern sind 35 Einkaufsläden, zwei Restaraunts und ein Café gruppiert. Die grössten Mieter nebst Coop sind die Firmen Athleticum Sport Markets, Interdiscount, C&A (Mode), Dosenbach Ochsner (Schuhe) und Weltbild (Bücher, CDs). Erstmals auf dem Platz Bern vertreten sind die Firmen Fruit & Passion (Kosmetik), Coop Vitality-Apotheke und Bagatt (Schuhe). Im Wankdorf entstehe ein einzigartiger Mix von Sport und Kommerz, erklärte Peter Schmid, Leiter Coop Verkaufsregion Bern. Mit der Eröffnung des Einkaufszentrums entstehen rund 250 Arbeitsplätze. (ruk)