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#YBFOREVERYONE
YB setzt ein Zeichen für Vielfalt und Frieden
Am 19. März, dem Start der Aktionswoche gegen Rassismus der Stadt Bern, werden die Young Boys die Begegnung gegen den FC Zürich in Spezialtrikots bestreiten. Die schwarzen Trikots mit regenbogenfarbigen Nadelstreifen sowie gelben Sponsorenaufdrucken setzen ein starkes Zeichen für Frieden, Offenheit und gegen Diskriminierung. Ebenso findet sich der Claim #ybforeveryone im Nacken des Trikots. Die Regenbogenfarben gelten als Zeichen für Frieden, Toleranz und Akzeptanz der Vielfalt diverser Lebensformen – Werte, für die der BSC Young Boys seit Jahren aktiv einsteht.
Die originalen YB-Matchtrikots aus dem Spiel vom 19. März gegen den FCZ werden anschliessend auf der YB-Auktionsplattform zu Gunsten der Glückskette versteigert. Mit dem Erlös aus der Auktion werden ukrainische Flüchtlinge in den Nachbarländern unterstützt. Mit dem Geld werden unter anderem warme Mahlzeiten, Hygieneartikel, medizinische Soforthilfe und Notunterkünfte finanziert. Die Unterstützung der Glückskette wird laufend an die humanitären Bedürfnisse angepasst und auf Hilfsprojekte innerhalb der Ukraine ausgeweitet, wenn die Sicherheitslage dies zulässt.
Wir sind nach wie vor schockiert von den Ereignissen in der Ukraine und rufen unsere Fans weiterhin zum Spenden via unser Formular bscyb.ch/spende auf.
Vom 19. bis 26. März findet zudem die Aktionswoche gegen Rassismus der Stadt Bern statt. Mit verschiedenen Veranstaltungen wird das Thema «struktureller Rassismus» aufgegriffen. YB setzt sich gemeinsam mit dem GGGFON, der Fanarbeit Bern, der Halbzeit und dem Dachverband gäubschwarzsüchtig für den Stopp von Rassismus und Diskriminierung im Netz ein. Wem Hass im Netz begegnet, der kann auch handeln. Sei es durch Gegenrede, Aufforderung der Quellenangabe, Opferunterstützung, Dokumentation, Meldung oder sogar Anzeige. Zu diesem Thema wird es am Spieltag einen Infostand auf dem Quartierplatz sowie eine Flyer-Aktion im Stadion geben. Wir alle können unseren Beitrag zu einer toleranteren Welt beisteuern.
Die limitierten Spezialtrikots sowie YB-Regenbogenschals werden am Donnerstag, 17. März, ab 18:30 Uhr im YB-Onlineshop erhältlich sein. Ab Freitag, 18. März, können die Shirts auch im YB-Fanshop im Wankdorf Center erworben werden. Am Samstag beim Spiel YB – Zürich werden die Trikots im YB-Fanshop-Wagen auf dem Quartierplatz erhältlich sein (solange Vorrat). Die Trikotnummern sind wie bei den originalen Matchtrikots mit den Regenbogenfarben veredelt – so setzen YB-Fans ein starkes Zeichen für die YB-Werte und eine friedliche Welt!
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17.03.2022
Zitat:
YB läuft gegen FCZ im Spezial-Trikot auf
YB empfängt am Samstag (20.30 Uhr) Leader FCZ im Wankdorf. Die Berner setzen bei der Partie in der Super League ein Zeichen gegen Rassismus.
Das Wichtigste in Kürze
- YB spielt am Samstag gegen den FC Zürich in einem limitierten Trikot. - Damit setzt sich der Verein für den Frieden und für ukrainische Flüchtlinge ein. - Spielbeginn im Wankdorf ist um 20.30 Uhr.
Der fünfte Meistertitel in Serie ist für YB in weite Ferne gerückt. Die Berner liegen zehn Runden vor Schluss vierzehn Punkte hinter Leader FCZ zurück.
Am Samstag (20.30 Uhr) kommt es im Wankdorf zum Direktduell. Wollen sich die Young Boys eine minimale Chance auf den Titel bewahren, muss ein Sieg her.
Zeichen für Frieden
Klar ist bereits: Gelb-Schwarz wird das kapitale Spiel mit einem speziellen Trikot bestreiten. Die Partie ist der Startschuss zur Aktionswoche gegen Rassismus der Stadt Bern. Dafür wird extra ein Shirt lanciert.
«Die schwarzen Trikots mit regenbogenfarbigen Nadelstreifen sowie gelben Sponsorenaufdrucken setzen ein starkes Zeichen für Frieden, Offenheit und gegen Diskriminierung.» Das schreibt YB in einer Medienmitteilung.
Die Regenbogenfarben würden als Zeichen für Frieden, Toleranz und Akzeptanz der Vielfalt diverser Lebensformen gelten. «Werte, für die der BSC Young Boys seit Jahren aktiv einsteht», heisst es.
Geld aus Auktion geht an Glückskette
Die von den Spielern getragenen Leibchen werden im Anschluss der Partie versteigert. Der Erlös gehe an die Glückskette und soll ukrainischen Flüchtlingen in Nachbarländern helfen, so der Club. «Mit dem Geld werden unter anderem warme Mahlzeiten, Hygieneartikel, medizinische Soforthilfe und Notunterkünfte finanziert.»
Die Spezial-Trikots werden in limitierter Auflage auch im Fanshop verfügbar sein.
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Alles zum Spiel YB - Zürich
Nur noch wenige Tickets
Für das Spiel YB - FC Zürich vom Samstag (20:30 Uhr) sind nur noch ein paar hundert Tickets im Sektor A erhältlich. Der BSC YB rechnet mit einem ausverkauften Stadion Wankdorf (31'120 Zuschauerinnen und Zuschauer). (Stand: Freitag, 17:00 Uhr)
Stefan Knutti war sowohl bei YB als auch beim FC Zürich Goalie und Goalietrainer – nun bildet der 56-Jährige unter anderem die ganz jungen Torhütertalente bei YB aus. Die Credit Suisse Super League verfolgt er aus der Distanz.
Stefan, nach insgesamt 16 Jahren bei YB war für Dich im vergangenen Sommer der Zeitpunkt reif, um kürzerzutreten. Wie sieht Dein beruflicher Alltag seither aus? Ich kümmere mich im Nachwuchsbereich von YB um die Ausbildung der 10- bis 14-jährigen Goalies, das Pensum beträgt 30 Prozent. Daneben arbeite ich als Personal-Trainer. Für mich war der Moment tatsächlich ideal, um noch einmal etwas anderes zu machen nach all den wunderbaren Jahren als Goalietrainer bei den Profis von YB.
Wie verfolgst Du das Geschehen in der Super League? Mehrheitlich aus der Distanz. Ich schaue vorwiegend Spiele der Junioren, aber ich werde sicher auch wieder auf der Tribüne im Wankdorf sitzen. Ich schätze mich glücklich, dass ich weiterhin für YB im Einsatz darf. Das Wohl des Vereins liegt mir enorm am Herzen.
Der ersten Mannschaft läuft es in dieser Saison nicht so gut wie in den letzten vier Jahren. Woran liegt es? Ich bin ziemlich weit weg, und eine Ferndiagnose masse ich mir nicht an. Wenn ich aber die Spiele sehe, muss ich sagen: Es war viel Pech dabei. Die Mannschaft erarbeitet sich viele Chancen, aber die Effizienz ist nicht mehr die gleiche wie in der Vergangenheit. Vor einem Jahr hätte YB in der Nachspielzeit nicht einen Treffer kassiert, sondern einen erzielt, vielleicht sogar den entscheidenden. Aber der Club wird von kompetenten Leuten geführt, die genau wissen, welche Massnahmen jetzt zu ergreifen sind.
Was ist in dieser Saison noch möglich? Mit der Titelverteidigung dürfte es zwar schwierig werden. Aber wenn der FC Zürich noch zweimal bezwungen werden kann, liegt doch noch einiges drin. Das Potenzial, das in diesem Team steckt, ist nach wie vor sehr gross. So oder so ist für mich klar: YB wird die richtigen Schlüsse ziehen, sich wieder aufbäumen und gestärkt in die neue Saison gehen.
Der FC Zürich führt die Super League deutlich an. Bist Du überrascht? Anfänglich war ich es noch. Ich bin es aber längst nicht mehr. Wer sich einen solchen Vorsprung erarbeitet, macht sehr vieles richtig. Da kann man nicht von Glück oder Zufall reden. Und mit André Breitenreiter haben die Zürcher einen Trainer, der auf mich mit seinen Äusserungen einen sehr überlegten, geerdeten Eindruck macht. Und der offensichtlich alles im Griff hat.
Die starke Serie des FC Zürich
Nach 26 Runden führen die Zürcher die Tabelle mit deutlichem Vorsprung an. Vor einer Woche verloren sie erstmals seit Ende September wieder ein Spiel, aber das löste bei Trainer André Breitenreiter keine Nervosität aus.
Als der FC Zürich am 3. Oktober 2021 den FC Sion 6:2 bezwang, war das der Anfang einer beeindruckenden Serie. 17-mal blieb die Mannschaft von Trainer André Breitenreiter ungeschlagen – und von diesen 17 Spielen gewann sie deren 14. Am vergangenen Samstag gingen die Zürcher erstmals wieder als Verlierer vom Platz. Im heimischen Letzigrund verloren sie gegen St. Gallen 0:3.
Trotz der dritten Saisonniederlage bleiben sie aber unangefochten an der Tabellenspitze. Ihr Vorsprung auf den FC Basel beträgt zwölf Punkte, jener auf YB gar 14. Entsprechend gelassen reagierte Breitenreiter nach dem Match gegen die Ostschweizer: «Ich bin entspannt. Wir können nicht für uns in Anspruch nehmen, unantastbar zu sein.»
Zehn Runden vor Schluss ist die Situation für den Leader weiterhin komfortabel, aber vom Titel spricht niemand im Verein, der 2009 unter Trainer Bernard Challandes zum zwölften und bislang letzten Mal Meister geworden war. Breitenreiter und Sportchef Marinko Jurendic betonen immer wieder, wie wichtig es ist, bei allen Ambitionen bescheiden zu bleiben. Letzte Saison noch sicherte sich der FCZ erst spät den Ligaerhalt, danach kam es zu einem grossen Umbruch. Breitenreiter formte ein Team, das mit Konstanz und Stilsicherheit überzeugt. «Nach den vielen Wechseln im Sommer war der Erfolg so nicht zu erwarten. Aber André Breitenreiter schaffte es, der Mannschaft eine Handschrift zu geben und eine klare Spielidee zu vermitteln», sagt Jurendic.
Die bisherige Bilanz gegen YB in dieser Spielzeit ist ausgeglichen. Der Meister setzte sich im ersten Duell im heimischen Wankdorf 4:0 durch; in der 6. Runde hiessen die Torschützen Christian Fassnacht, Michel Aebischer (2) und Meschack Elia. Ende November gewann der FCZ im Letzigrund 1:0, den entscheidenden Treffer erzielte Wilfried Gnonto nach 83 Minuten.
Nach 26 Runden weisen der FCZ und YB fast das identische Torverhältnis auf. Beide Teams erzielten 59 Tore, was Bestwert in der Liga bedeutet. Zürich musste bislang 33 Treffer hinnehmen, YB 34. In der Skorerliste führt Jordy Siebatcheu mit 17 Toren, dahinter folgt FCZ-Stürmer Assan Ceesay mit 14 (wie der im Januar von Basel zu Fiorentina transferierte Arthur Cabral). Antonio Marchesano war bislang 11-mal erfolgreich.
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18.03.2022
Zitat:
Wie YB fiel und der FC Zürich aufstieg – es ist auch die bemerkenswerte Geschichte der Trainer Wagner und Breitenreiter
Sie kamen fast zum selben Zeitpunkt in die Schweiz, beide trainierten einst den FC Schalke 04 – mittlerweile ist André Breitenreiter mit dem FCZ dem Titel nahe und David Wagner entlassen. Im Gegensatz zu Wagner schaffte es Breitenreiter, dass an seiner Arbeit keine Zweifel aufkamen.
«Wo ist die Realität dieses FCZ, Erster oder 0:4 oder irgendwo dazwischen?», fragte ein Journalist den Trainer des FC Zürich, André Breitenreiter. Es war Mitte September 2021, die Zürcher hatten in Bern gegen YB 0:4 verloren, standen aber an der Spitze. Breitenreiter lachte und sagte: «Das ist eine super Frage.» Neben ihm sass der YB-Trainer David Wagner und nahm einen Schluck Wasser.
Die beiden deutschen Trainer arbeiteten noch nicht lange in der Schweiz, Breitenreiter war am 9. Juni vorgestellt worden, Wagner am Tag danach.
Breitenreiter hatte zum Start gesagt, er freue sich darauf, den FCZ zu unterstützen «und wenn möglich auch eine bessere Platzierung zu erzielen als in den vergangenen Jahren». Zuvor hatte der FCZ die Plätze 4, 7, 7 und 8 belegt.
Auch Wagner hatte sich gefreut und gesagt: «Wenn man so Grossartiges geleistet hat, ist relativ simpel, was man als Nächstes machen will.» Zuvor hatte YB die Plätze 1, 1, 1 und 1 belegt. Wagner sagte auch: «Die Gegner werden mehr machen. Und das bedeutet: Wenn wir das Gleiche anbieten, was wir bisher angeboten haben – das könnte nicht mehr langen.» Für Wagner schien das Terrain geebnet, aber auch die Erwartungshaltung grösser. Bei ihm und seiner Aufgabe gab es keine Luft nach oben, für Breitenreiter und den FCZ ganz viel.
Wo die Realität von YB ist? Super Frage. Aber das wollte Mitte September niemand wissen. Den Bernern stand das erste Champions-League-Spiel gegen Manchester United bevor. Sie gewannen. Wagner habe «mutig» gewechselt, hiess es. Er sei in Bern angekommen.
Und am Samstag treffen sich YB und der FCZ wieder in Bern, der FCZ steht weiterhin an der Spitze, 12 Punkte vor Basel, 14 vor YB. Vor knapp zwei Wochen ist Wagner entlassen worden.
Wagners Bilder gleichen sich
Niemand hielt diesen Fall und diesen Aufstieg für möglich – und dass sich YB und der FCZ treffen würden auf diesen Reisen runter und hoch, beide unter einem Trainer, der einst schon den FC Schalke 04 betreut hatte, diesen Jubel-Trubel-Klub.
Es ist nicht falsch, auf die Arbeiten in der Bundesliga zu verweisen, weil es Parallelen gibt. Wagner steht für Extreme, mit Schalke startete er gut in die Saison 2019/20, bald war er Gast im ZDF-«Sportstudio», und der Moderator sagte: «Es heisst immer, David Wagner hat Schalke wachgeküsst, wiederbelebt, aufgeweckt – was gefällt Ihnen am besten?» Und Wagner sagte: «Um ganz ehrlich zu sein: gar nichts davon.»
«Um ganz ehrlich zu sein» – mit diesen Worten fiel Wagner in der YB-Anfangszeit auf. Bei Interviews sass der Medienchef neben ihm und klopfte mahnend auf den Tisch, wenn Wagner diese Formulierung brauchte.
Breitenreiters FCZ-Refrain lautete so: «Wir bleiben schön demütig, wir wissen, wo wir herkommen» – immer wieder sagte er es, bis der Vorsprung so gross war, dass die Journalisten lachten.
Der YB-Trainer wusste, was Breitenreiter meinte. Nach dem ZDF-Auftritt hatte Wagner mit Schalke noch vier Ligaspiele gewonnen. Im September 2020 unterlag Schalke dem FC Bayern 0:8, bald darauf musste Wagner gehen. Er hatte immer mehr den Eindruck hinterlassen, nicht mehr zu wissen, was zu tun war; in Bern war es ähnlich. Als ihn YB entliess, sagte der Sportchef Christoph Spycher, Wagner habe «nicht recht gewusst, wo er den Hebel ansetzen» solle.
Es soll nicht heissen, man habe es kommen sehen. Aber die Bilder der Abschiede von Schalke und YB gleichen sich verblüffend.
Auch Breitenreiter hat schon Klubs verlassen müssen, 2016 Schalke, später Hannover, aber nach einem Aufstieg und einer guten Bundesligasaison. Es scheint, Breitenreiter drehe in einem Team rasch mal die richtigen, wichtigen Rädchen. Im FCZ geht es sogar so weit: dass er wachküsste, wiederbelebte, aufweckte.
Der FCZ wirkte wie eingeschlafen, in der zweiten Tabellenhälfte, unter dem Trainer Massimo Rizzo, der an Temperament zu wenig hatte, was zuvor Ludovic Magnin zu viel verströmt hatte. Mit Ancillo Canepa traf Breitenreiter auf einen engagierten Präsidenten; aber er kannte die Konstellation mit starken Klubchefs aus Hannover mit Martin Kind, von Schalke mit Clemens Tönnies, aus Paderborn mit Wilfried Finke. Er wusste, dass die Möglichkeiten gross sind, wenn er Canepa und dessen Frau Heliane für sich gewinnt – die Möglichkeiten zu Entfaltung und Gestaltung, nicht unbedingt für einen Meistertitel, aber zumindest: um so viel besser zu werden, dass es auffällt.
Und so flickte Breitenreiter wie ein erfahrener Handwerker am FCZ herum. Er brauchte nicht einmal ein Märchen zu schreiben, wie es über Wagner erzählt wird, weil er einst Huddersfield in die Premier League führte. Es klingt fast banal, wenn erklärt wird, wie Breitenreiter die Spieler stärkte: mit den richtigen Worten und den richtigen Aufgaben auf der richtigen Position. Aber darum geht es, wenn es ein Konstrukt erst einmal zu festigen gilt: ums Wesentliche.
Im FCZ kamen keine Zweifel
Es war, wie der YB-Trainer Wagner prophezeit hatte: Die Gegner machten mehr, und der FCZ machte sogar das Richtige. YB hingegen hatte alles erreicht – und musste noch mehr anbieten. Auf der Suche danach drohte YB die Identität zu verlieren, den Stil aus Dynamik und Dominanz.
Ob es an Wagner liegt oder auch an Glück und Pech, an Gegentoren, Platzverweisen und Verletzungen, an Wechseln, die alsbald nicht mehr als «mutig» galten, sondern als «seltsam» – einerlei. Es ist auch nicht entscheidend, ob Breitenreiter so etwas wie der bessere Trainer ist. Aber Breitenreiter war dieser Trainer, der es schaffte, dass an seiner Arbeit keine Zweifel aufkamen. Wagner gelang es nicht – und Zweifel sind Gift für die Arbeit eines Trainers, in der Wirkung nach aussen und innen.
Es gibt die grossen deutschen Trainer, die so gut wie überall Erfolg haben, Jürgen Klopp, Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann. Und es gibt eine andere Kategorie mit den Trainern für Momente, für Aufstiege und Ligaerhalte, für Weckdienste und Meistertitel in kleineren Ligen. Dazu gehören Wagner und Breitenreiter. Breitenreiter ist für den FCZ der richtige Trainer zur richtigen Zeit – bei Wagner war es am ehesten die falsche Zeit, aber es reichte für ein paar gute Augenblicke. Und als er nach seinem letzten Spiel gegen Luzern Auskunft gab, an der Pressekonferenz, im TV – da sagte er kein einziges Mal «um ganz ehrlich zu sein».
Es sei «eine super Frage», hatte Breitenreiter nach dem 0:4 gegen YB gesagt. Seine Antwort dauerte recht lange, und einmal sagte er: «Hier wachsen überhaupt nicht die Bäume in den Himmel.» Die Realität ist, dass die demütigen FCZ-Bäume dem Himmel schon ziemlich nahe sind.
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18.03.2022
Zitat:
Kriselnde Young Boys empfangen den «Fast-Meister»
Der Einstand ist Matteo Vanetta, der bei den Young Boys die Nachfolge von David Wagner als Trainer antrat, definitiv missglückt. Ein 2:2-Unentschieden gegen Schlusslicht Lausanne war fast schon eine Blamage. Nun wartet am Samstag im Wankdorf das Duell mit dem FC Zürich, der auf gutem Weg ist, sich den Meistertitel zu holen. Doch auch die Zürcher schwächelten zuletzt …
17 Spiele in Folge blieb der FC Zürich unter Trainer André Breitenreiner ungeschlagen. Letzte Woche gegen die wiedererstarkten St. Galler war es dann soweit und es gab nach langer Zeit wieder mal eine Niederlage. Der FCZ war gegen die Ostschweizer derweil nicht zwingend das schlechtere Team, aber St. Gallen agierte wie schon die gesamte Rückrunde eiskalt vor dem Tor und siegte letztlich deutlich mit 3:0.
Es war eine Niederlage, die sich der FCZ im Meisterschaftsrennen definitiv leisten durfte. Noch immer beträgt der Vorsprung auf die Konkurrenz zwölf und mehr Punkte. Dass im Kampf um den Titel noch so etwas wie Spannung aufkommen könnte, daran glauben wohl die Wenigsten.
YB kommt nicht vom Fleck
Das liegt auch an der Konkurrenz. Zwar konnte der FC Basel den Ausrutscher der Zürcher ausnutzen und drei Punkte gutmachen. Anders der letztjährige Meister YB: Unter Neutrainer Matteo Vanetta gab es gegen das abgeschlagene Schlusslicht Lausanne nur einen Zähler – wieder einmal kassierten die Berner in den Schlussminuten einen Treffer.
Der Spitzenkampf gegen den FCZ am Samstag wäre, hätte YB wie Basel einen Sieg eingefahren, sicherlich etwas spannender gewesen. So aber verkommt das Spiel um 18.00 Uhr für den BSC YB eher zu einem Fernduell mit dem FC Basel um Platz zwei – nichts mit Spitzenkampf!
Nur ein Ausrutscher?
Zumindest im Moment noch nicht, denn der Vorsprung des FCZ ist einfach zu gross. Dennoch könnte das Spiel YB – Zürich der Anfang einer vielleicht doch noch spannenden Saison-Schlussphase werden. Allerdings nur, wenn YB endlich wieder aus der Negativspirale herausfindet und zum Siegen zurückkehrt. Die Zürcher, bei denen teamintern momentan so ziemlich alles stimmt, werden aber sicherlich dagegenhalten und zeigen wollen, dass die 0:3-Pleite bei St. Gallen lediglich ein Ausrutscher auf dem Weg zum 13. Meistertitel, dem ersten seit dem Jahr 2009, war.
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18.03.2022
Zitat:
Gefahren des Erfolgs
Zürich kann YB stürzen – reicht es gleich für eine FCZ-Ära?
Der FC Zürich kann in Bern einen riesigen Schritt Richtung Titel machen. Paradoxerweise erschwert der Höhenflug die Zukunftsplanung.
Marinko Jurendic lebt zwischen zwei Zeitzonen. Mindestens. Da ist das aufregende Hier und Jetzt: also das Spiel seines FC Zürich bei den Young Boys, in dem der FCZ den wankenden Meister endgültig aus dem Titelrennen werfen kann. Aber weil Jurendic als Zürcher Sportchef amtiert, muss er mit dem Kopf auch schon in der kommenden Transferperiode sein.
Dort steht er vor einer paradoxen Situation. Der sportliche Erfolg macht seine Arbeit nicht einfacher, sondern schwieriger. Leistungsträger wie Ousmane Doumbia oder Assan Ceesay haben auslaufende Verträge. Weil sie bislang die Saison ihres Lebens spielen, steuert der FCZ auf seinen 13. Meistertitel zu. Ihre Leistungen machen sie aber auch begehrt und lassen ihre Lohnvorstellungen steigen.
Jurendic erzählt von «Gesprächen schon früh im Herbst» mit Ceesay und Doumbia. Davon, dass der Club «gern mit beiden weitermachen würde». Dass trotzdem bislang keine Einigung verkündet wurde, zeigt, wie kompliziert die Verhandlungen sein dürften.
Der Fall Doumbia zeigt die Kräfte, die nun wirken
Der Fall von Doumbia steht dabei exemplarisch für die Kräfte, die nun wirken. Der Mittelfeldspieler, der im Mai 30 Jahre alt wird, hat zum ersten und wohl auch letzten Mal in seiner Karriere die Chance auf einen grossen Vertrag. Natürlich wünscht er sich eine lange Laufzeit mit einem möglichst hohen Lohn.
Ebenso logisch, dass der FCZ bei den Verhandlungen nicht nur Doumbias aktuelle Leistung im Blick haben darf. Sondern auch, dass mit einem neuen Kontrakt Geld in jene Jahre investiert wird, in denen die körperliche Leistungsfähigkeit eines Profifussballers zumindest nicht zunimmt.
Jurendic spricht vom «Rahmen», der eingehalten werden muss: «Dazu gehören die Qualität des Spielers und die Finanzen, aber auch, wie die Kaderplanung insgesamt aussieht.»
Der FCZ scheint also nicht mehr wie früher bereit, seine finanzielle Schmerzgrenze zu überschreiten, wenn ein Fall akuter Verliebtheit vorliegt (Stichwort: Yassine Chikhaoui). Klingt vernünftig. Gestaltet aber die Kaderzusammenstellung nicht einfacher.
Für Europa investieren? Das liegt für den FCZ nicht drin
Zumal der FCZ im Fall des Meistertitels im Sommer mindestens sechs Spiele auf europäischer Ebene bestreiten wird. Eine zusätzliche Belastung, auf die Jurendic nicht mit einer Vergrösserung des Teams reagieren will: «Die Hauptaufgabe ist, ein kompetitives Kader für die Super League zu bilden und dieses weiter zu stärken.»
So stellt sich die Frage: Wie nachhaltig kann der Zürcher Höhenflug sein? Nur drei Clubs sind in den letzten 18 Jahren in der Schweiz Meister geworden. Zwei von ihnen haben in dieser Zeit eigentliche Dynastien errichtet. Der FCB mit acht, YB immerhin mit vier Titeln in Serie.
Könnte der FCZ einen Titelgewinn für den Beginn einer eigenen Ära nutzen? Jurendic muss ein wenig lächeln. Dann sagt er: «Diese Frage kommt mindestens drei Jahre zu früh. Natürlich haben wir längerfristige Pläne, wie wir Stabilität entwickeln wollen. Aber sportlich kannst du unmöglich so weit vorausblicken.»
Die finanzielle Lücke zu Bern und Basel ist immens
Fredy Bickel war Sportchef, als Zürich seine letzten Meisterschaften gewonnen hat. Doch trotz der drei Titel von 2006 bis 2009 sagt er: «Der FCZ hatte damals die Voraussetzungen nicht, um Serienmeister zu werden. Und so sehr ich es ihm gönnen würde: Ich sehe sie heute auch nicht.»
Bickel redet von einem finanziellen Grundvolumen, das ein Club mitbringen müsse, um nach einem Titel abheben zu können: «Zürich fehlen die Sponsoren, es fehlt das eigene Stadion, das Basel und Bern viel mehr Geld einbringt.»
Kommt dazu: Der FCB war als Meister mehrfach direkt für die Gruppenphase der Champions League mit ihren Millionenprämien qualifiziert. Der FCZ dagegen müsste im Sommer drei Qualifikationsrunden überstehen. Und das Besitzerpaar Heliane und Ancillo Canepa mag vermögend sein. Es kann und will aber nicht wie die Familie Rihs in Bern über Jahre Millionendefizite im zweistelligen Bereich decken.
Wie weit die finanziellen Möglichkeiten der Zürcher von der Konkurrenz entfernt sind, zeigt der Blick auf die zuletzt veröffentlichten Lohnsummen. Da stand der FCB bei 36 Millionen Franken, YB bei 27 – und der FCZ bei 14.
«Brutal nüchtern betrachtet, müsste der Trainer sagen: ‹Im Sommer bin ich weg.›» Fredy Bickel, ehemaliger Sportchef des FCZ
Umso bemerkenswerter ist der aktuelle Höhenflug des FCZ. Bickel hat darum «richtig Freude an dieser Mannschaft und ihrem Zusammenhalt». Aber er fürchtet zugleich, dass auch Trainer André Breitenreiter das Gefühl haben könnte, eine absolute Ausnahmesaison zu erleben: «Brutal nüchtern betrachtet, müsste der Trainer sagen: ‹Im Sommer bin ich weg.› Er hat sich für die Bundesliga interessant gemacht und weiss selbst, wie schwierig es wird, dieses Niveau zu halten.»
Jurendic weiss natürlich, dass Breitenreiter Interesse in seiner Heimat wecken könnte. Aber er verweist auf den bis Sommer 2023 laufenden Vertrag mit dem Trainer. Er glaubt auch, dass es Argumente gibt, die für den FCZ sprechen: «André hat sich für den FCZ entschieden, weil er vom Projekt überzeugt war. Wir bieten ihm ein Umfeld, in dem er sich wohlfühlt.»
Und dann ist Marinko Jurendic wieder im Heute angekommen. «Jetzt konzentrieren wir uns erst mal gemeinsam auf die aktuelle Saison.» Und auf das wichtige Spiel in Bern.
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18.03.2022
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Torjäger-Duell Siebatcheu vs. Ceesay
Das ist der einzige Titel, den YB noch holen kann
Dass YB dem FCZ im Meisterrennen nochmals gefährlich werden kann, glaubt niemand mehr. Dennoch gibt es einen Berner, der vor den Zürchern klassiert ist: Jordy Siebatcheu.
Ein Blick auf die Torschützenliste reicht, um zu sehen: Basels weggezogener König Arthur Cabral (23) liegt immer noch auf Platz zwei. Und wäre wohl mit einem Bein Torschützenkönig geworden. Hätte, wenn und aber. Cabral ist in Florenz. Und so führt ein Berner diese Tabelle nun an: Jordy Siebatcheu (25) hat drei Längen Vorsprung auf Cabral und Zürichs Assan Ceesay (28).
Das könnte der einzige nennenswerte Titel sein, den YB nach dieser bislang völlig verkorksten Rückrunde noch gewinnt. «So ist der Fussball», sagt der US-Franzose zum Jahr 2022. «Ich bin jetzt die zweite Saison hier und stelle fest: In der letzten Spielzeit liefen die kleinen Dinge für uns. Jetzt aber schiessen wir zu wenig Tore. Wir bringen Vorsprünge nicht über die Zeit. Und mit VAR-Entscheiden haben wir auch noch Pech. Das alles summiert sich dann.»
Siebatcheu glaubt, dass noch viel möglich sei
Trotz des blamablen 2:2 in Lausanne – YB war das einzige Team, das den Tabellenletzten in seinem letzten Spiel nicht bezwingen konnte – hat YB einen Punkt aufgeholt und liegt noch 14 Längen zurück. «Jetzt wollen wir gegen den FCZ gewinnen», sagt Siebatcheu. «Doch ob 11, 12, 13 oder 15 Punkte – wenn die Zürcher diesen Vorsprung haben, verdienen sie ihn. Aber das ist der Stand jetzt. Was wirklich interessiert, ist der Stand Ende Saison. Und da ist noch viel möglich.»
Die Familie erinnert den Knipser an die Krone
Im Rennen um die Torjäger-Krone hingegen liegt Siebatcheu auf der Pole-Position. Wie stark hat er das im Kopf, Nachfolger von Jean-Pierre Nsame zu werden? «Ich denke nicht gross daran. Aber ich werde regelmässig daran erinnert durch Freunde und Familie …» Natürlich wolle er da oben stehen und das sei auch schön. «Aber mein Hauptziel ist es, in jedem Spiel zu treffen, um das Team zum Sieg zu schiessen.»
Seinen letzten verbliebenen Rivalen Ceesay skizziert der 17-fache Saison-Torschütze als technisch und physisch starken Stürmer, der im Strafraum gut stehe. «Aber ich bin nicht der Typ Spieler, der sich auf andere Mannschaften oder Spieler fokussiert. Mein Kopf ist immer bei unserem Team.»
«Keine Klassengesellschaft in der Mannschaft»
Das ist auch bei FCZ-Coach André Breitenreiter nicht viel anders. In der Kabine sei Ceesays Rennen um die Torjägerkrone kein Thema. «Bei uns steht der Teamspirit an erster Stelle. Es gibt keine Klassengesellschaft in der Mannschaft aufgrund von geschossenen Toren! Auch Assan selber ist total bodenständig geblieben.»
Historisch wäre Ceesay als Torschützenkönig gleichwohl. Seit Alhassane Keita 2006 war kein FCZ-Stürmer mehr Liga-Topskorer.
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19.03.2022
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Vor dem Spiel gegen den FCZ
YB im Tief – «wer wollen wir sein?»
Die Young Boys verhandeln nach vielen verspielten Punkten in der Schlussphase auch ihre Identität als Spitzenteam. Steve von Bergens erste Erkenntnisse von der Seitenlinie.
Am 3. August 2014 sass Steve von Bergen vor dem Fernseher, womöglich auch im Letzigrund auf der Tribüne, so genau weiss er das nicht mehr. Der Neuenburger kurierte damals eine komplizierte Gesichtsfraktur von der WM in Brasilien aus, sein aktueller Club YB spielte gegen seinen früheren Club FCZ und verlor 1:3, es war bis zu einem 0:1 im vergangenen November die letzte Niederlage der Young Boys in der Meisterschaft gegen den Leader aus Zürich.
Es sind Erinnerungen und Statistiken, die vergessen machen, dass der Vergleich am Samstag eigentlich mehr als Ablösezeremonie denn als Spitzenkampf firmiert. Denn der Erste FCZ ist dem Dritten YB um 14 Punkte voraus, zehn Runden sind noch zu gehen, und gerade beim noch amtierenden Meister spricht die Form nicht dafür, dass er dem designierten Champion noch gefährlich werden könnte. Die Fähigkeit, einen Sieg als Team nach Hause zu tragen, an schlechten, durchschnittlichen, ja gar an guten Tagen, sie ist YB in dieser Rückrunde abhandengekommen. «Sie ist seit ein paar Spielen weg, aber sie wird bestimmt wieder kommen», sagt von Bergen, der durch seine Nomination als Interims-Assistenztrainer auf einen Schlag wieder nahe an die Mannschaft gerückt ist.
Erinnerungen an Berlin
Und diese Mannschaft zeigt sich verunsichert, auch Leistungsträger wie Fabian Lustenberger liefern nicht in gewohntem Masse ab. «Die Situation ist für niemanden zufriedenstellend», sagt der Innerschweizer. «Doch es gibt keinen Schalter, den man einfach umlegen könnte.»
Zur YB-Schwäche in der Schlussphase gibt es eine Rechnung, natürlich ist sie Spielerei, doch viel mehr lassen die klaren Verhältnisse an der Spitze derzeit auch nicht zu. Acht Punkte könnte YB mehr haben, wenn man auf die letzten Wochen schaut. 3:3 in St. Gallen, 2:2 bei GC, 2:2 gegen Luzern, 2:2 in Lausanne – viermal lagen die Berner in Führung, viermal erhielten sie ein spätes Tor zum Ausgleich. Sechs Punkte lägen sie mit ein wenig mehr Abgeklärtheit in der Schlussphase vor dem Spiel am Samstag hinter dem FCZ, drei Zähler wären es noch bei einem Sieg. Das Meisterrennen wäre so was von lanciert.
Der Konjunktiv ist das eine, der Istzustand ein anderer. «Die Überzeugung hat zuletzt gefehlt», gibt von Bergen zu, «aber es ist enorm schwierig, das an irgendetwas festzumachen.» Der Neuenburger sieht im Training Qualität, «daran liegt es nicht, die ist vorhanden und gehört zur höchsten der Liga». Er sieht, seit einer Woche zumindest, wie dort «mit voller Konsequenz, immer bis zum Schluss» gearbeitet werde, was zumindest der Ansatz einer Erklärung für die unablässige Serie von Blessuren wäre. In der Abschlusseinheit vor der Partie in Lausanne hat sich Christian Fassnacht verletzt – als 26. Ausfall bei YB in dieser Spielzeit.
Auch solchen Widrigkeiten haben die Young Boys in früheren Meistersaisons getrotzt, von Bergen war bis zu seinem Rücktritt 2019 ein Gesicht dieser Widerstandskraft, des YB-Aufschwungs überhaupt. Jetzt soll er der aktuellen Belegschaft wieder in die Spur helfen. Im neu formierten Trainerstab mit Chef Matteo Vanetta (43) und Harald Gämperle (53) ist der 38-jährige von Bergen der Jüngste, und ja, es sei ungewöhnlich, wenn er mit Fabian Lustenberger, seinem Kumpel und Nachfolger als Captain, nun plötzlich eine Video-Analyse im Abwehrverhalten mache.
Die beiden kennen sich seit 15 Jahren, waren ab 2007 in der Bundesliga bei Hertha der verlängerte Arm des Schweizer Trainers Lucien Favre, Lustenberger war 19, von Bergen 24, an der Seitenlinie war Gämperle Favres Assistent. Lustenberger, von Bergen, Gämperle – es ist ein weiteres Trio mit gemeinsamer Vergangenheit in der aktuellen YB-Besetzung, wie es mal Sportchef Christoph Spycher, Vanetta und der damalige Trainer Gerardo Seoane waren, wie es Spycher, Vanetta und von Bergen sind.
«Es war eine andere Zeit damals», sagt Lustenberger, «die Hierarchien waren ausgeprägter, weniger flach als heute.» Deswegen gehe das ganz gut, als Freunde in dieser Trainer-Spieler-Beziehung. «Wir sind beide erfahren und klug genug», sagt von Bergen. «Es ist vertraut und doch professionell», sagt Lustenberger.
Und während der einstige Captain als Co-Trainer am Samstag auf seinen ehemaligen Club FCZ trifft und ihn «verdientermassen kurz vor dem Titel» sieht, so spricht der aktuelle Captain noch tapfer von einem «Spitzenspiel, in dem wir als amtierender Meister den Tabellenführer noch einmal richtig ärgern wollen».
YB stellt keinen Schweizer A-Nationalspieler
Die Affiche jedenfalls war schon prickelnder. Die Young Boys müssen sich in der Standortbestimmung zum FCZ an den Meriten der Vergangenheit orientieren, und der FCZ selber kann nach der ungewohnten Niederlage vor einer Woche gegen St. Gallen in Ruhe seine Form austarieren.
Nach dem Wochenende ist Länderspielpause, das Nationalteam testet gegen England und den Kosovo, aus der Super League darf einzig Basels Fabian Frei dabei sein, den Exponenten von YB und dem FCZ bleibt die Pikettliste. Der Trainer ist bei YB bereits gewechselt, der Personalfahrplan bis im Sommer steht. Von Bergen will nach dem Interimseinsatz wieder ausschliesslich im Nachwuchs tätig sein, er möchte möglichst bald sein A-Diplom machen. In naher Zukunft sieht er bei den Young Boys eine Frage im Zentrum stehen: «Wer wollen wir sein? Die Antwort ist einfach: YB soll wieder die heimstarke Mannschaft sein, bei der es in der Regel nichts zu holen gibt.» Vielleicht ist es das, worum es im Spiel gegen den FCZ noch gehen könnte: um die alte Identität.
YB - FCZ
20.30 Uhr, Stadion Wankdorf. – SR: San.
So könnte YB spielen: von Ballmoos; Blum, Lustenberger, Zesiger, Garcia; Fernandes, Rieder, Lauper, Ngamaleu; Elia, Siebatcheu. – Es fehlen: Camara, Sulejmani, Fassnacht, Petignat, Maceiras, Monteiro (alle verletzt).
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19.03.2022
Zitat:
Letzter «Dreier» vor 8 Jahren
FCZ: Reif für den Titel – aber auch für einen Sieg bei YB?
Im SRF-TV-Spiel der 27. Super-League-Runde kann der Meisteraspirant aus Zürich bei seinem Vorgänger das Reifezeugnis ablegen. Und es geht auch noch um eine Krone.
Es gab Zeiten, da watschte YB den Stadtrivalen aus Zürich regelmässig und verlässlich mit 4:0 ab. So geschehen früh in der Saison 2018/19 im Nachgang der anhaltenden Euphorie um den 1. Meistertitel seit 32 Jahren. Die Folgesaison hielt das Standard-Resultate gleich dreimal (inklusive Cup-Achtelfinal) bereit – und beim 5. Sieg im 5. Duell erhöhte «Gelb-Schwarz» dieses gar auf ein 5:0.
Einmal «nur» ein 4:1 und zweimal wiederum ein 4:0 liessen die Hauptstädter gegen den FCZ in 3 von 4 Anläufen bis zum letzten Wiedersehen folgen. Dann kam es zum Bruch, verbunden mit dem Beginn einer neuen Hierarchie in der Fussball-Schweiz.
Man muss volle 8 Jahre zurückblättern
Denn das Team von Trainer André Breitenreiter landete Ende 2021 einen 1:0-Heimsieg. Es waren dies die ersten Punkte überhaupt nach zuvor 11 Meisterschafts-Pleiten de suite gegen die Berner und sogar der erste Sieg seit dem 3. August 2014. Seither marschiert der Spitzenreiter ungefährdet weiter und hat beruhigende 14 Punkte Vorsprung auf den Tabellendritten.
Ungeachtet der ersten Niederlage nach 167 Tagen vor Wochenfrist gegen St. Gallen (0:3) wollen die Zürcher selbstredend an den letzten Erfolg gegen YB anknüpfen. Dabei orientieren sie sich auch am 9. März 2014, als sie letztmals mit der vollen Ausbeute aus Bern abreisten (3:1 nach Rückstand). Seither kamen im Wankdorf nur einmal Glücksgefühle auf, als der FCZ im Cup-Final den Favoriten mit 2:1 düpierte.
Ein Auswärtssieg gegen die Young Boys wäre für den FCZ deshalb so etwas wie die Reifeprüfung. Die prestigeträchtige Zugabe gewissermassen für den Meistertitel, der ihm kaum mehr zu nehmen ist.
Wir liefern je einen Fakt, aus dem die Gäste Mut für ihr Vorhaben schöpfen können bzw. der ihnen in die Quere kommen könnte.
- YB und die Negativspirale: Der Titelhalter kommt weiter nur harzig durch die Rückrunde. Auch der Wechsel an der Seitenlinie hat mit dem 2:2 in Lausanne nicht den gewünschten Effekt gezeigt. Im Gegenteil: Der neu installierte Matteo Vanetta ist der erste YB-Trainer seit 2013 und Bernard Challandes, der zu Beginn seiner Amtszeit in der Super League nicht reüssieren konnte. - YB und die Tormaschine: In der Super League erzielte «Gelb-Schwarz» gegen kein anderes Team so viele Tore (143) wie gegen den FCZ. Nach Sion (43) wurden die Zürcher am zweitmeisten bezwungen (39).
Und dann wäre da noch die andere Krone
Im Direktduell am Samstag dürfte YB nichts mehr an der Regentschaft des FC Zürich ändern können. Dagegen spielt namentlich Jordan Siebatcheu (17 Goals) noch um die Torjäger-Krone.
Der Sturmtank trifft dabei auf Herausforderer Assan Ceesay (14). Dank der aktuell bessern Chancenauswertung (30 vs. 26 Prozent) könnte der Gambier wenigstens in dieser Wertung nochmals Spannung erzeugen.
YB vs. FCZ live bei SRF
Den Super-League-Spitzenkampf hat SRF am Samstag live im Programm. Wir zeigen Ihnen die Vorberichterstattung zur Partie Young Boys vs. FC Zürich ab 20:10 Uhr auf SRF info oder in der Sport App (inkl. Stream und Ticker). Der Anpfiff im Wankdorf erfolgt um 20:30 Uhr. Die 2. Hälfte können Sie schliesslich auf SRF zwei verfolgen.
Alle anderen Spiele der 27. Runde begleiten wir mittels Liveticker. Die Zusammenfassungen gibt es wie gewohnt zeitnah auf unserer Webseite oder am Samstag ab 22:35 bzw. am Sonntag ab 19:00 Uhr in der Sendung «Super League–Highlights».
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