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 Betreff des Beitrags: Wankdorf im Kopf – Krise vor Augen
 Beitrag Verfasst: Freitag 15. Oktober 2004, 11:33 
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BZ, 15.10.2004

Wankdorf im Kopf – Krise vor Augen

Wirtschaftlich vernünftig, sportlich fragwürdig – die YB-Transferpolitik im letzten Sommer. Dem Vizemeister läufts miserabel. Nun wird an allen Fronten eifrig gebastelt. Es kommt zu einigen Veränderungen.

Quo vadis, YB? In weniger als 300 Tagen ziehen die Berner ins Nationalstadion Wankdorf ein, die schönste Arena Helvetiens. Der Verein aber vermag mit den Ansprüchen nicht Schritt zu halten. «Wir sind vielleicht ein Opfer des eigenen Erfolgs», sagte Stéphane Chapuisat letztes Jahr, als YB mit zwanzig Punkten vor dem Dritten die Saison hinter Basel als Vizemeister beendete. Der Stürmer orakelte, dass diese Platzierung wohl ein Jahr zu früh gekommen sei.

Die Vorzeichen nach der tollen Spielzeit waren im Sommer dennoch ausgezeichnet. YB ritt auf einer Welle der Euphorie, der Goodwill in der Bevölkerung schien grenzenlos zu sein. YB machte glücklich. Heute, drei Monate später, siehts düster aus. Warum?


Billigtransfers als Motto

Gründe für den schwachen Saisonstart gibts einige. Aber auch wenn die Berner derzeit viele Verletzte zu beklagen haben, ein Punkt muss scharf kritisiert werden: die Transferpolitik. Trainer Hans-Peter Zaugg, das ist bekannt, hatte seine Wunschspieler: Gerardo Seoane (jetzt GC), Mihai Tararache (Zürich) oder Mario Raimondi (Thun) absolvierten in Bern im Sommer alle bereits umfangreiche medizinische Tests. Allein, sie waren zu teuer.


Rund 40 Millionen Franken kostet die Stadioninvestoren das vierjährige YB-Exil im Neufeldstadion insgesamt. Deshalb entschied man sich vor dieser Saison zum Sparen. «Wir wurden Zweiter, so schlecht kann das Team nicht sein», verteidigt Reto Gertschen die Philosophie. Auch der Sportchef ist aber letztlich nur ein Befehlsempfänger der mächtigen Stadionbetreiber des Wankdorfs um Chef Peter Jauch.
Gertschen sagt, dass man sich im Rahmen des Budgets (9,3 Millionen Franken) bewegt habe. «Wir haben Spieler geholt, die Verstärkungen sein können», erklärt der Sportchef, «aber ich erwarte eine krasse Leistungssteigerung.» Anders würde Gertschen auch heute nicht handeln. «Ein Superstar garantiert nicht den Erfolg», sagt er, und er fragt: «Was ist, wenn er sich schwer verletzt?»
Trotzdem: YB hat eine riesige Chance verpasst – anstatt sieben Mitläufer drei echte Leistungsträger zu holen, das wäre wesentlich sinnvoller gewesen. Nun aber steht Zaugg, der doch eigentlich andere Spieler wollte, in der Kritik. «Wir haben Vertrauen in den Trainer», beteuert Gertschen. Kann er das Versprechen geben, mit Zaugg ins neue Stadion zu gehen? «Das kann ich nicht. Fussball ist ein Tagesgeschäft. Ich bin aber von den Fähigkeiten Zauggs überzeugt. Wir werden im Frühling mit ihm über einen neuen Vertrag verhandeln. Er ist unser erster Ansprechpartner.»
Zaugg selber will und darf zur Transferpolitik nichts mehr sagen. Als er sich im Sommer öffentlich beschwerte, wurde er scharf gerügt. Er sagt: «Wir werden, auch wenn sehr viele Akteure fehlen, wieder besser spielen. Es ist eine Frage der Zeit.»


Koller und Latour

Was aber ist, wenn YB in den schwierigen nächsten Wochen mit Partien gegen GC, Thun und Basel weiter patzt? «Der Trainer ist kein Thema», sagt Gertschen trotzig. Unter den Lauben Berns aber wird der Name Marcel Koller hartnäckig genannt. Der ehemalige St.-Gallen- und GC-Meistertrainer soll demnach Zauggs Nachfolger werden. «Ich habe mit niemandem gesprochen», sagt Gertschen dazu. Auch nicht mit Hanspeter Latour, dem Thuner Erfolgstrainer, der sowieso besser nach Bern als zu GC passen würde? «Nein», sagt Gertschen, «nein, nein, nein.»


Streitpunkt Obradovic

Im Hintergrund aber rumort es. Vorstandsmitglieder äussern sich negativ über Zaugg – dem aber der letztjährige Höhenflug auch zu verdanken ist. Zaugg arbeitet unter der Woche mit dem Team gut und sehr intensiv, das bestätigen auch die Spieler. Jüngster Streitpunkt mit dem Vorstand war eine mögliche Verpflichtung von Goran Obradovic, der YB Ende August angeboten wurde, als die Berner ebenfalls zahlreiche Absenzen in der Offensive beklagten. Zaugg wollte den technisch versierten ehemaligen Servette-Spieler, doch auch hier wurde kein Geld zur Verfügung gestellt. «Die Forderungen von ihm waren schlicht überzogen», erklärt Gertschen, «wir zahlen einem Arbeitslosen doch nicht 150 000 Franken Handgeld und mehr als 20 000 Franken Monatslohn.» Präsident Peter Mast ergänzt: «Wir wollen die Lohnstruktur im Kader nicht zerstören. Das wäre schlecht fürs Team.» Nun, Obradovic spielt jetzt in St. Gallen –ob er dort wirklich ein Direktorengehalt einstreicht?


Verwaltungsrat: Wechsel

Es sind schwierige Wochen für YB. «Wir müssen ruhig bleiben», fordert Mast, «dann kehrt der Erfolg wieder zurück.» Mast und seine Mitstreiter stecken in einer delikaten Situation – ihr Einfluss ist gering. Und wird noch geringer. Am 25. Oktober findet in Bern die Generalversammlung des Vereins und der YB-Betriebs-AG statt. «Es wird Änderungen geben», sagt Mast vage, «aber definitiv ist nichts.» Die Machtfülle der Stade de Suisse Wankdorf Nationalstadion AG dürfte weiter verstärkt werden. Aus dem Verwaltungsrat der Betriebs-AG werden wohl Mast, Matthias Remund und Mauro Santona austreten. Im (wenig einflussreichen) Vereinsvorstand bleibt Mast aber zusammen mit Bernhard Welten und Reto Gertschen – dort wird Rolf Bachmann durch Karl-Heinz Born ersetzt.

Peter Jauch, Marco Steiner und Ralph Ammann werden als designierte neue Verwaltungsräte der Betriebs-AG den Einfluss der Nationalstadion-AG bei YB vergrössern. Und: Auch Reto Gertschen dürfte in den VR einziehen. In den nächsten Wochen soll zudem bekannt werden, wie der neue CEO und Nachfolger von Rolf Bachmann heisst – auch er wird in seiner Tätigkeit direkt der Nationalstadion-AG unterstellt sein.
Das macht durchaus Sinn, da die YB-Betriebs AG zu 95 Prozent der Nationalstadion-AG gehört. Aber die Arena braucht ein starkes YB-Team, das vorne mitspielt. Auch deshalb wird der Druck auf Zaugg zunehmen. Er ist zum Siegen verurteilt – eine Qualifikation für einen europäischen Bewerb ist Pflicht.


Neun Verträge laufen aus

Nicht nur der Trainer spielt um sein Ticket für den Einzug in die Erlebniswelt Wankdorf, auch zahlreiche Spielerverträge laufen aus. «Wir werden die Leistungen in Zukunft ganz genau beobachten», sagt Gertschen drohend, «denn es soll eine Ehre für die Fussballer sein, später im Wankdorf für die Young Boys spielen zu dürfen.»

Die Kontrakte von Johan Berisha, Patrick De Napoli, Yao Aziawonou, Fernando Carreño, Ivan Knez, Stéphane Chapuisat, Elvir Melunovic, Roman Friedli (mit Option) und Alain Rochat laufen laut Gertschen aus. Insbesondere Linksverteidiger Rochat ist als Fixpunkt weiter vorgesehen. «Wir lassen uns nicht stressen», sagt Gertschen. Eines sei klar: «YB wird im Wankdorf ein gutes, aber kein überteuertes Kader haben.» Das Budget in der ersten Saison dürfte laut Gertschen zwischen 12 und 15 Millionen Franken betragen. «Doch wir werden unserer Philosophie treu bleiben und keine finanziellen Risiken bei Spielerverpflichtungen eingehen.»

Quo vadis, YB? Der Prachtsbau im Berner Norden nimmt ständig mehr Gestalt an, bereits schimmert der Rasen unten auf dem Spielfeld grün. Derzeit aber ist das Wankdorf wirklich der einzige YB-Trumpf.

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 Beitrag Verfasst: Freitag 15. Oktober 2004, 16:35 
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Koller und Latour

Was aber ist, wenn YB in den schwierigen nächsten Wochen mit Partien gegen GC, Thun und Basel weiter patzt? «Der Trainer ist kein Thema», sagt Gertschen trotzig. Unter den Lauben Berns aber wird der Name Marcel Koller hartnäckig genannt. Der ehemalige St.-Gallen- und GC-Meistertrainer soll demnach Zauggs Nachfolger werden. «Ich habe mit niemandem gesprochen», sagt Gertschen dazu. Auch nicht mit Hanspeter Latour, dem Thuner Erfolgstrainer, der sowieso besser nach Bern als zu GC passen würde? «Nein», sagt Gertschen, «nein, nein, nein.»

ich sage auch NEIN - und zwar zu Koller!!! :againstit:


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 Beitrag Verfasst: Freitag 15. Oktober 2004, 16:43 
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ein recht guter bericht muss ich da mal eingestehen :roll:

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 Beitrag Verfasst: Sonntag 17. Oktober 2004, 11:41 
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Hier noch ein Bericht aus der NZZ.

YB profitiert vom Exempel FC Basel

In neun Monaten ziehen die Berner Fussballer ins Stade de Suisse ein

Von Peter B. Birrer

Ende Juli 2005 beginnt für den BSC Young Boys das Zeitalter im Stade de Suisse. Der Wechsel ins neue Stadion bedeutet einen Quantensprung, der alles Dagewesene in den Schatten stellen wird. Dass in der multifunktionalen und teuren Anlage nicht nur das Shoppingcenter, sondern auch der Fussballklub funktionieren muss, versteht sich von selbst. Deshalb fordern Berner Medien schon jetzt Verstärkungen, YB- Trainer Hans-Peter Zaugg glaubte unlängst, dass der Verein vom Weg ins neue Stadion abweiche, und Sportchef Reto Gertschen wollte mit Transfers «eine Schippe drauflegen».

Doch die Stadion-Investoren um Benno E. Oertig (Generaldirektor des Inkasso-Unternehmens Intrum Jutitia) und Urs Meile (langjähriger Vögele-Manager) beschleunigen nur sanft. Auf die laufende Saison hin wurde das Budget auf 9,3 Mio. Franken angehoben, in der ersten Saison im neuen Stadion soll es auf 12 bis 15 Mio. erhöht werden. Wenn der Brasilianer Leandro - wie im Sommer geschehen - in die Bundesliga will, so soll er gehen. Wenn das Team ins Stolpern gerät, so soll es stolpern. Der Klub verpflichtete nicht Alex Frei, sondern Aziawonou, Neri, Urdaneta und De Napoli.

«Wir haben Zeit», sagen die Investoren und YB-Geldgeber. Wären sie nicht Zürcher und St. Galler, würden sie sagen: «Nume nid gschprängt.» Wer den Anlauf des FC Basel auf den St.-Jakob-Park Revue passieren lässt, zieht das gleiche Fazit. Sportlich war der FCB anlässlich des Stadion-Bezugs im März 2001 noch nicht sehr weit. Er hatte Murat Yakin und Goalie Zuberbühler (vorerst) an die Bundesliga verloren und hielt sich generell zurück. Im ersten St.-Jakob-Park-Spiel kamen Ceccaroni, Knez, Quennoz, Tum und Tchouga zum Einsatz. Im Rückblick sagt der frühere FCB-Präsident René C. Jäggi, dass «wir nur so lange Schritte machten, wie es die Beine zuliessen». Er habe sich von den Stimmen, die «jetzt müsst ihr!» schrien, nicht beeinflussen lassen. Jäggi verfolgt auch als Chef in Kaiserslautern den Leitsatz: «Wer etwas fordert, muss das bezahlen.» Obschon die Mäzenin Gigi Oeri seit Oktober 1999 dem Vorstand angehört, liess sich der FCB im neuen Stadion Zeit: Zuerst kam Murat Yakin zurück, erst nach drei und vier Monaten holte man Chipperfield und Giménez; erst nach einem Jahr kamen Zwyssig, Atouba und Rossi. Kurz: Das Champions-League-Team entstand im neuen Stadion. Keinen Tag früher, schon gar nicht neun Monate zuvor.

Die YB-Protagonisten sind sich dessen bewusst, weil es Peter Jauch, der Vertreter der Investoren, der schon in Basel an gleicher Stelle tätig gewesen war, allen einimpft. Reto Gertschen, wo war der FCB neun Monate vor dem Stadion-Einzug? «Noch nirgends», antwortet er. Zaugg zeigt sich davon überrascht, weiss aber, dass der FCB «nicht wahnsinnig» weit gewesen sei. Als er sich zu beschweren begann, folgte das einzige Treffen mit den Investoren. Seither hält sich Zaugg, dessen Vertrag bis 2005 läuft, ruhig. Nun ist auch klar, dass die Gebilde «Stadion» und «YB» vereint werden. Die Investoren wechseln wohl den YB-Verwaltungsrat aus und ersetzen ihn durch den Sportchef und Vertreter des Stadions. Nur einer bleibt: Jauch. Die Machtfülle der Stadion-Leute wird noch grösser.

YB profitiert vom Exempel Basel. Der Ticketvertrieb soll besser werden, auch das Sicherheitspersonal wird gezielter auf die nicht einfache Aufgabe vorbereitet. Bis jetzt wurden in Bern 7000 Saisonkarten abgesetzt, in Basel waren es drei Monate vor dem Startschuss etwas über 4000. Auch der YB- Zuschauerschnitt im «Ausweich-Stadion» Neufeld ist höher als derjenige des FCB in der Schützenmatte. Dennoch ist Vorsicht geboten: Mit dem SCB ist die Konkurrenz für YB enorm; es gibt zudem keine Hausbank Oeri; und der Basler Sturmlauf in die Champions League ist nicht zu kopieren. Jäggi sagt: «Im neuen Stadion beginnt die Märchenwelt. Man darf nicht alles neu erfinden, man muss ein Team präsentieren, das zumindest zusammenspielen kann. Man sollte auch den Trainer nicht wechseln.» Laut FCB-Coach Christian Gross muss man national «von Beginn weg» vorne mitspielen, «sonst wird es gefährlich». Doch die Berner nehmen einiges in Kauf, im ersten Jahr scheint der Reiz «Stadion» zu genügen. Insider sagen sogar, dass YB bis 2006 nicht unbedingt im Europacup spielen müsse. «Durchseuchen» nennt Zaugg die aktuellen Phase.

YB sollte den Weg nicht gehen, den Servette seit der Eröffnung des Stade de Genève im März 2003 beschreitet. Zuerst waren weder Geld noch Konzept da, nach dem Stadion-Auftakt wurde der Trainer Morinini entlassen. Im Februar 2004 übernahm der frühere französische Spielervermittler Marc Roger sowohl die Stadion- wie auch die Servette-Führung - und stellte alles auf den Kopf, indem er 21 Transfers tätigte und Morininis Nachfolger Marco Schällibaum entliess. Das immer noch nicht fertig erstellte Stadion, das partiell der öffentlichen Hand gehört, ist zu einem desaströsen Sanierungsfall geworden. Im Frühjahr befindet der Genfer Souverän über einen weiteren Kredit von 3,5 Mio. Franken.


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