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Bund, 28.8.2004
Chapuisats Dilemma
YB-Stürmer Stéphane Chapuisat hat sich nicht erweichen lassen und Köbi Kuhn eine Absage erteilt
Soll er? Soll er nicht? Stéphane Chapuisat ist in den letzten 36 Stunden von den Verantwort-lichen des Nationalteams regelrecht bekniet worden, dem Aufgebot für die WM-Qualifikationsspiele gegen die Färöer und Irland Folge zu leisten. Seit gestern Abend ist (fast) sicher: Der YB-Stürmer wird verzichten.
charles Beuret
Der Entscheid lag bei Stéphane Chapuisat, dem 103fachen Nationalspieler. Er, der vor wenigen Monaten vom Verband zum besten Schweizer Spieler aller Zeiten erkoren und in der Presse entsprechend gefeiert worden war, erlebte in Portugal eine enttäuschende EM-Endrunde mit zwei vorzeitigen Auswechslungen und einem schmerzenden Nicht-Einsatz. Die Kommentare über seine Leistungen waren mitunter bissig und überzogen, Chapuisat empfand sie jedenfalls als ungerecht: Er spielte damals in Portugal in einer defensiv eingestellten Mannschaft ohne Eigeninitiative – und erhielt kaum vernünftige Bälle. Seine Zeit sei endgültig vorbei und international habe er keine Chance mehr, musste der 35-Jährige in vielen helvetischen Gazetten lesen. Das hat den sensiblen Spieler, der als Fussballer so viel erreicht hat wie in der Schweiz kein anderer, sehr getroffen. Es hat ihn auch geschmerzt, dass Nationalcoach Köbi Kuhn nicht öffentlich für ihn eingetreten ist.
Und nun rief man ihn bei erstmöglicher Gelegenheit zurück. Als Notnagel, weil andere Stürmer (Frei infolge der Spuckaffähre, Streller und Muff infolge Verletzung) nicht zur Verfügung stehen.
Es war kein leichter Entscheid
Chapuisat kannte die Überlegungen und Nöte Kuhns seit mehreren Tagen. Als er am Mittwoch offiziell vom Nationalcoach angefragt wurde, ob er sich noch einmal zur Verfügung stelle, hat er sich trotzdem Zeit zum Überlegen ausbedungen – um dann, nachdem er mit verschiedenen Beratern gesprochen hatte – dem SFV eine Absage zu erteilen.
Verständlich. Obschon er sich in guter Form befindet, kann Chapuisat selbst gegen die Färöer nicht eine Garantie abgeben, dass er Tore schiessen wird. Nach einem schwachen Schweizer Spiel stünde er sofort wieder in der Kritik. Das wollte sich der YB-Stürmer ersparen. Er sei schliesslich kein Masochist und habe es nicht nötig, irgendwem noch irgendetwas zu beweisen.
Anderseits: Dem Spieler bot sich auch die Chance, bei einem Erfolg gegen die Färöer als «Retter der Nation» dastehen zu können und so doch noch zu einem würdigen Abschied aus dem Nationalteam zu kommen. Doch solche Überlegungen interessieren Chapuisat wenig. Er ist, wie erwähnt, schon oft gefeiert worden . . .
Übrigens: Die YB-Verwantwortlichen liessen ihrem Spieler bei der Entscheidungsfindung «absolut freie Hand», wie sich Sportchef Reto Gertschen und Trainer Hans Peter Zaugg übereinstimmend ausdrückten. Man habe Chapuisat allerdings schon gesagt, dass er dem Schweizer Fussball einen grossen Dienst erweisen könnte . . .
Die Wiedererwägung
Mit Chapuisats erster Absage, die am Donnerstagabend erfolgte, wollte sich Nationalcoach Kuhn nicht abfinden, gestern Nachmittag wurde der Spieler zu einer Besprechungsrunde mit dem Nationalmannschaftsdelegierten Ernst Lämmli sowie Köbi Kuhn aufgeboten. Das Resultat ist inzwischen klar: Chapuisat blieb bei seiner Absage. Ganz aufgegeben hat Kuhn die Hoffnung allerdings nicht.
Das Schweizer Aufgebot. Tor: Zuberbühler (Basel/22 Länderspiele), Roth (Servette/–). –Abwehr: Grichting (Auxerre/ 1/–), Haas (West Bromwich Albion/32/3 Tore), Henchoz (Liverpool/69/–), Magnin (Bremen/15/1), Müller (Mallorca/48/2), Spycher (GC/11/–), Murat Yakin (Basel/46/4). – Mittelfeld und Sturm: Barnetta (Hannover/–), Cabanas (GC/21/3), Gygax (Zürich/7/1), Huggel (Basel/11/–), Lonfat (Sochaux/18/1), Rey (Xamax/15/2), Vogel (Eindhoven/67/2), Vonlanthen (Eindhoven/4/1), Wicky (Hamburg/57/–), Hakan Yakin (Stuttgart/36/13).
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