Berner Zeitung, 19.08.2010
Ein YB-Fan radelt nach London Auf seinem Rennvelo strampelt YB-Fan Simon Klopfenstein 900 Kilometer weit – ans «Spiel der Spiele» gegen Tottenham.
Sein YB-Trikot ist durchnässt von Schweiss und Regen, er trägt es jeden Tag. Es riecht so übel, dass sich Simon Klopfenstein Gedanken macht, ob er am Mittwoch die Eingangskontrollen an der White Hart Lane passieren darf. Vorausgesetzt, er erreicht das Stadion in London zum Anpfiff des Champions-League-Playoff-Spiels zwischen Tottenham und YB.
Zurzeit kommt der 22-Jährige mühsam voran, weil ihn wegen der Bekanntschaft mit einem Randstein ein schmerzendes Knie sowie ein verbogenes Hinterrad an seinem treuherzigen Maier-Rennvelo plagen. Doch das steckt der tapfere Klopfenstein weg wie nichts, nach gefühlten tausend Niederlagen, die er als Anhänger seines Lieblingsklubs erlebt hat.
«YB spornt mich an»Losgefahren ist er am Dienstagmorgen. Noch vor dem YB-Sieg gegen die Engländer im Hinspiel. «Diesen Verzicht musste ich eingehen», sagt Klopfenstein am Telefon während einer Verschnaufpause in den Vogesen. Seine 900 Kilometer lange Route geht über Saarbrücken, durch Luxemburg und Belgien und mit der Fähre nach England. «Ich fahre gerne Velo», antwortet Klopfenstein, danach gefragt, was ihn zu dieser Auswärtsfahrt bewogen hat. Ein internationaler YB-Auftritt sporne ihn zu gewagten Aktionen an.
Legales Doping im GepäckZum Übernachten gönnt er sich «den Luxus einer Herberge». Seine Nahrung ist «Brot, Brot und Saft». Sein Doping: Bündnerfleisch, «zu Ehren des YB-Bündners Senad Lulic». In seinem Gepäck sei «nur das Nötigste»: Ersatzhose, Flickzeug, Regenschutz, Apotheke, YB-Schal.
Sollte er London tatsächlich erreichen, dürften ihn die anderen YB-Fans mit gespendeten Bieren überschütten. Wie heiter er reagiert, hört man auf dem Fan-Radio
www.radio-gelb-schwarz.ch. Klopfenstein moderiert mit seinem Radiopartner das Spiel.