Der Bund, 28.08.2009
«YB kommt uns gelegen»Mit der Einstellung von Thorsten Fink wurde in Basel ein neuer Fussballstil ausgerufen. Bisher war der FCB aber weit von seinen Ansprüchen entfernt. Der Trainer glaubt trotzdem an den Aufschwung – und zwar schon gegen YB.
Thorsten Fink, stehen Sie als FCB-Trainer bereits unter Druck?
Thorsten Fink: Wenn die Punkte nicht in dem Ausmass vorhanden sind, wie man sich das vorstellt und dann den Erwartungen hinterherhinkt, ist man als Trainer schnell einmal unter Druck. Das gilt auch für mich. Und mir darf das auch nicht einfach egal sein. Ich stehe gegenüber der Mannschaft, dem Verein und den Fans in der Verantwortung. Mir ist auch bewusst, dass ich in erster Linie an den Resultaten gemessen werde.
Aber der Druck lähmt Sie nicht.
Nein, keineswegs. Und es ist ja auch nicht so, dass beim FC Basel intern bereits Unruhe oder Uneinigkeit herrschen würde. Ich spüre vielmehr, dass die Verantwortlichen geschlossen hinter der neuen Politik stehen. Ich bin auch überzeugt, dass wir den richtigen Kurs eingeschlagen haben.
Woher nehmen Sie den Optimismus?
Wenn wir wie zuletzt in Neuenburg auftreten, kann ich mich vollumfänglich mit dem Weg identifizieren. Die letzten Tage stimmen mich sehr positiv.
Aber die Resultate in den ersten sieben Runden...
...damit können wir unter dem Strich sicher nicht zufrieden sein. Und es muss jedem bei uns auch klar sein, dass es so nicht weitergehen kann. Nein, es ist nicht alles in Ordnung. Nur sollte man trotz allem eines nicht vergessen: Wir haben das ganze System gewechselt, auch die Spielanlage ist neu. Dass es am Anfang holperig sein würde, darauf wies ich vor dem Start hin. Es ist genau so gekommen. Von heute auf morgen lässt sich ein solch totaler Umbruch nicht vollziehen.
Überrascht haben Sie jüngst mit der Behauptung, der FC Basel verfüge über das beste Kader der Liga. Das passt nicht ganz mit der aktuellen Tabellenlage zusammen.
Ja. Ich kann doch nicht lügen.
Haben Sie beim Vorstand auch nicht den Wunsch nach Verstärkungen deponiert?
Nein. Meine Meinung ist die, dass wir ein wirklich sehr gutes, ausgeglichenes Kader besitzen. Und mein Gefühl sagt mir, dass es in der Liga kein besseres gibt.
Aber die Abwehr mit Atan Cagdas als neuem Chef war bis jetzt ziemlich instabil.
Dieses Problem haben wir natürlich erkannt. Die Stabilisierung der Verteidigung ist ein vordergründiges Anliegen. Aber jetzt steht Abraham vor der Rückkehr und bietet sich als Variante für die Innenverteidigung an. Unser Spiel nach vorne funktioniert schon ganz gut. Ich habe das Ziel, der Mannschaft eine neue Spielkultur zu vermitteln. Und optimal wäre es natürlich, wenn wir letztlich nicht nur schön, sondern schön und erfolgreich wären. Bevor ich nach Basel kam, hat man ja bemängelt, dass zu oft nur mit langen Bällen das Glück gesucht wurde. Jetzt hält etwas Neues Einzug, das sich zuerst noch entwickeln muss. Und wenn es nicht läuft, sollten wir nicht gleich wieder auf das Mittel mit den langen Bällen zurückgreifen.
Den Eindruck von Unzufriedenheit vermittelte Alex Frei besonders gegen Zürich, als er im Frust die gelb-rote Karte abholte. Will er zu viel?
Er setzt sich selber am meisten unter Druck und will sehr viel. Er nimmt enorm viel Verantwortung auf sich. Dass er noch nicht aufspielt wie ein Weltmeister, das ist doch ganz normal. Aber mit seiner Quote ist er absolut im Soll. Und er wird für uns noch sehr wichtig sein.
Am Sonntag droht dem FCB ein Rückstand von 13 Punkten auf die Spitze. Ist YB der Gegner, den Sie sich in der aktuellen Situation wirklich wünschen?
YB kommt uns gelegen. Wir empfangen den Leader, der gut im Schuss ist und noch keine Partie verloren hat. Uns bietet sich aber die ideale Gelegenheit, in der Liga ein Ausrufezeichen zu setzen, und es ist sicher kein Nachteil, dass wir auf eine Mannschaft treffen, die ganz sicher mitspielen und auch offensiv ausgerichtet sein wird. Für den FC Basel ist es das richtige Spiel gegen den richtigen Gegner, um Punkte einzufahren. Was gibt es Schöneres für einen Fussballer als solche Begegnungen? Aber wir wissen auch, dass es darum geht, YB von einem Alleingang abzuhalten. Und das geht nur, indem wir YB am Sonntag schlagen.
http://www.derbund.ch/bern/dossier/alles-zu-den-berner-young-boys/YB-kommt-uns-gelegen/story/19133401