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NZZ, 16.7.2004
YB-Sportchef Gertschen: «Keine Rückschritte»
Was denken Sie, wenn Sie einen Blick auf die Transferübersicht werfen?
Ich schaue zwar, wie sich die Konkurrenz verhält, mache mir darüber aber nicht zu viele Gedanken. In erster Linie muss ich mich um unsere Angelegenheiten und gute Transfers kümmern.
Die Young Boys verhielten sich eher zurückhaltend. Andere Vereine waren wesentlich aktiver.
Wir hatten das Ziel, die Mannschaft zusammenzuhalten. Lange Zeit sah es aus, als würde uns dies gelingen, ehe Leandro zu Hannover wechselte. Doch mit Bettoni, Carreño, Urdaneta, Neri und De Napoli verpflichteten wir fünf Spieler, die ich als sehr gute Verstärkungen erachte.
Dennoch erinnert die Situation an den Herbst 1993, als YB vor dem Uefa-Cup-Rückspiel gegen Celtic Glasgow mit Pjotr Nowak den besten Spieler verkaufte. Nun gaben Sie mit Leandro den stärksten Stürmer ab.
So einfach ist das nicht - von «abgeben» kann keine Rede sein. Weil Leandro nach den guten Leistungen in der zweiten Meisterschaftshälfte Angebote anderer Vereine besass, offerierten wir ihm eine Lohnerhöhung. Als der neue Vertrag unterschrieben war, kam das Angebot aus Hannover. Wir baten ihn zu bleiben, weil wir mit ihm in die Zukunft gehen wollten. Er akzeptierte dies, doch wenige Tage später signalisierte er erneut, dass er YB unbedingt verlassen möchte. Immerhin erhielten wir eine Ablösesumme.
Aber Leandros Abgang schmerzt, oder?
Jeder Abgang schmerzt - der eine mehr, der andere weniger. Nachdem wir in der letzten Saison mit grossem Vorsprung Zweite geworden waren, hätten wir das Kader gerne zusammengehalten. Das ist uns nur knapp nicht gelungen.
Ist YB denn einen Schritt weiter gekommen?
Sagen wir es so: Wir haben keine Rückschritte gemacht. Die Engagements teurer Spieler geben keine Garantie, dass es auch auf dem Platz besser läuft - sie erhöhen lediglich die Chancen.
Da sich YB im Neufeld-Stadion nicht selber refinanzieren kann, wird der finanzielle Spielraum stark von der Stade de Suisse Wankdorf Nationalstadion AG vorgegeben. Wären Sie auf dem Transfermarkt gerne offensiver vorgegangen?
Nicht offensiver, aber anders. Mit Sicherheit hätte ich nicht drei Spieler für jeweils zwei Millionen Franken verpflichtet. Wahrscheinlich hätte ich vielversprechende Testspieler aus Tschechien oder der Slowakei nach Bern kommen lassen.
Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit der Nationalstadion AG?
Vor einem Jahr war zu einem früheren Zeitpunkt bekannt, wie viel Geld mir zur Verfügung steht. Diesmal wusste ich es erst relativ spät, was meine Situation erschwerte. Ich verhandle nicht gerne mit Spielern, um ihnen drei Wochen später sagen zu müssen, die Lage habe sich verändert.
Wohin geht YB heuer - welche Ziele verfolgen Sie?
Ich habe zwar ein Gefühl, wo wir hinkommen könnten, möchte momentan aber keine klare Zielsetzung formulieren. In der Vorbereitung fielen vorübergehend wichtige Spieler aus, weshalb wir zurzeit vielleicht etwas weniger weit fortgeschritten sind als im Vorjahr.
Interview: bsn.
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