|
NZZ, 02.12.2006
Die Anwesenden bejubeln
Die Young Boys nehmen Hakan Yakin in die Verantwortung und schöpfen neue Hoffnung
bir. Bern, 1. Dezember
Auf der Ebene der Investoren, die den BSC Young Boys und das Stade de Suisse zum Blühen bringen (wollen), kursierte unlängst der Satz: «Es gibt Trainer, die reden immer von dem, was nicht da ist. Und es gibt Trainer, die arbeiten mit dem, was da ist.» In die erste Kategorie reihe sich der im September entlassene YB-Trainer Gernot Rohr ein, der zusammen mit dem ebenfalls freigestellten Sportchef Marcel Hottiger während teurer Monate das Theaterstück «Trainer Nimmersatt» aufgeführt habe. Hiess es. In die zweite Kategorie wird Rohrs Nachfolger Martin Andermatt eingeordnet. Man habe in Bern zu lange über nicht anwesende Spieler gesprochen, sagt Andermatt. Er sehe dies anders: «Diejenigen, die ich habe, sind die besten.» Die Diktion der Investoren hat auch Stefan Niedermaier, den CEO des Stadions und Andermatts direkten Vorgesetzten, erfasst: «Der Trainer spricht jetzt von denjenigen, die da sind.» Es ist nach Zäsuren oft so: Was war, war schlecht; was ist, ist gut.
Yakin will «voll angreifen»
Als Andermatt in Bern mit der Arbeit begann («Es war der 13. Oktober»), traf er sich mit Yakin zum Gespräch. Der Coach überlegte sich, welche YB-Leibchen im Fan-Shop die begehrtesten sind. Er lotete Yakins Befindlichkeit aus. Er versuchte, dies «wertfrei» zu tun. Er kam zum Schluss, Yakin sofort zum Captain zu befördern, ihn «in die Verantwortung zu nehmen», zu schauen, «ob und wie viel Stolz vorhanden ist». Yakin spielte in der neuen Hauptrolle in etwa so wie die Equipe. Zu Hause auf dem Kunstrasen mit fünf Siegen nicht schlecht bis sehr gut, auswärts mit zwei Niederlagen und einem Remis nicht gut bis schlecht. Die Ansprüche bleiben hoch. Die Young Boys erfüllten mit dem neuen Trainer bis jetzt die temporäre Pflicht, die da heisst, den Anschluss an die Tabellenspitze nicht zu verpassen. Am Sonntag im Hardturm gegen den GC will Yakin jedenfalls «voll angreifen». Das klingt selbstbewusst.
Zu Yakin ist zu sagen, dass er sich in der Winterpause einer Operation am Fussgelenk unterzieht. Es soll ein «kleiner Eingriff» sein. Überhaupt geht Andermatt davon aus, dass die Young Boys und Yakin (mit deblockiertem Fussgelenk) im nächsten Jahr ein Frühlingserwachen erleben. Damit dieses auch eintritt, bestellt der Trainer vorsorglich das Feld. So begann er, in der Öffentlichkeit Transferwünsche anzukündigen. Darauf angesprochen, entgegnet er, dass er sich «Gedanken macht» und das Team «weiterentwickeln will». Doch der Handlungsspielraum ist begrenzt. Alle Spielerverträge laufen bis mindestens 2008, Milicevic, João Paulo, Gohouri und Wölfli sind bis 2009, Chiumiento und Marcos bis 2010 an YB gebunden. Nur Magnins und Häberlis Kontrakte laufen 2007 aus. Doch Ersterer wird Juniorentrainer, und für Letzteren verlängert sich der Vertrag, wird er in 60 Prozent der Spiele eingesetzt.
Mit Andermatts Verpflichtung ging der Beginn der Suche nach einem «Mister YB» einher. Davon ist bis dato nicht viel übriggeblieben. Der Trainer ortet im Moment keinen Bedarf an einer YB-Integrationsfigur, weil er die Entscheidungswege möglichst kurz halten will, «sonst redet wieder der mit dem und dieser mit jenem». Man müsse im Stadion den Sport, den Kommerz und das Entertainment unter einen Hut bringen, gibt Andermatt im Sinn der Stadion-Investoren zu bedenken. Niedermaier ist in diesem Bereich ganz Ohr. Er will Andermatt stärken und erwähnt als Trainer-Beistand den langjährigen YB-Spieler Alain Baumann. Niedermaier will zuerst den Verwaltungsrat erweitern: «Wir gehen von oben nach unten vor.»
Wie der FC Basel
Eineinhalb Jahre nach dem Bezug des Stade de Suisse wandeln die Berner wieder etwas mehr auf dem Pfad des FC Basel. So sind ein YB-Fernsehmagazin und ein regelmässig erscheinendes Hochglanzmagazin in Planung. Und wie in Basel (Josef Zindel) und in Zürich (GC, Eugen Desiderato) arbeitet fortan in Bern mit Charles Beuret ein Journalist in der Stadion- und Klub-Kommunikation, der YB jahrelang für die Lokalzeitung «Bund» sehr nahe begleitet hat. Dank den Neuerungen besteht noch mehr Gewähr, dass diejenigen YB-Protagonisten besprochen, beschrieben und bejubelt werden, die anwesend sind.
_________________ For Ever
|