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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 10. Juni 2004, 07:44 
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Registriert: Dienstag 20. April 2004, 22:39
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Der «Spitzbueb» wird erwachsen

Mit 16 Jahren schoss er sein erstes Tor für YB. Mit 17 Jahren wechselte er zum PSVEindhoven. Und nun, mit 18 Jahren, steht Johan Vonlanthen im EM-Kader der Schweiz. Das Talent ist reifer geworden.

Fabian Ruch, Obidos

An den Wänden hingen wie bei jedem anderen Teenager die Leibchen seiner Fussball spielenden Idole -der 15-jährige Johan Vonlanthen stand im Kinderzimmer in Bümpliz und sagte: «Ich möchte einmal an einem grossen Turnier mitspielen. »

Rund drei Jahre, ein Vereinswechsel und ein gewaltiger Karrieresprung später steht der Stürmer nach einer Trainingseinheit des Schweizer Nationalteams inmitten von interessierten Medienvertretern in Obidos und gibt Auskunft über sein Befinden. «Alles ist super», sagt das Riesentalent. Und: «Ich bin in erster Linie froh, dass ich hier dabei sein darf. » Es sei für ihn ein grossartiges Gefühl: «Für mich geht ein Traum in Erfüllung. »

Die wundersame Wandlung

Ruhiger ist Vonlanthen geworden, bedachter in den Äusserungen, souveräner und reifer als früher. Weit weg sind jene hektischen Tage, als er sich im letzten Herbst geweigert hatte, bei einem U21-Spiel der Schweiz auf der Bank Platz zu nehmen. «Spitzbueb», nannte ihn Alex Frei damals. Vonlanthen wurde in eine Schublade gesteckt, versehen mit der Aufschrift «arrogant und überheblich».

Wenige Monate später hat sich sein Bild in der Öffentlichkeit drastisch verändert. Aus dem schnoddrigen Grossmaul («Ich habe es doch nicht nötig, auf der Bank zu versauern»)ist ein zurückhaltender junger Mann geworden. Mit dem 18. Geburtstag am 1. Februar hat Vonlanthen scheinbar auch eine wundersame Verwandlung durchgemacht. «Es ist eine grosse Ehre, mit der Schweiz an der EMteilzunehmen», sagt er nun, «ich kann sehr viel von den anderen Nationalspielern lernen. »

Verändert allerdings hat sich nur sein Auftreten neben dem Feld. Auf dem Fussballplatz ist Vonlanthen seiner unbekümmerten Art treu geblieben. «Er tut dem Team mit seiner frechen Spielweise sehr gut», sagt beispielsweise Raphaël Wicky. Der gebürtige Walliser nahm vor acht Jahren als 19-jähriges Talent an der Euro 1996 in England teil. Wicky erinnert sich: «Ich war der Benjamin in der Mannschaft und hätte mich niemals getraut, so unerschrocken aufzutreten wie Vonlanthen heute. »

Das Selbstvertrauen Vonlanthens definiert sich über seine Leistungen. In dieser Saison absolvierte er für den PSV Eindhoven 19 Partien in der holländischen Liga, er schoss drei Tore und wurde sporadisch auch schon in der Champions League eingesetzt. «Es läuft gut in Eindhoven», sagt Vonlanthen, «ich habe mich bestens eingelebt. » Die Mutter komme einmal im Monat für eine Woche zu Besuch, das sei sehr wichtig für ihn, sagt der Familienmensch.

Der Gedanke an YB

Sein vertrautes Umfeld in Bern verliess er mit 17 Jahren, als er von YB zum PSV Eindhoven wechselte. Das war im Februar 2003, und seither fungiert der Schweizer Nationalspieler Johann Vogel, ebenfalls in Diensten des Philips-Vereins, in Eindhoven als «Götti». Auch Vogel gab dem ungeduldigen Youngster den Tipp, lockerer zu sein. «Ich bin noch immer jung und will mir jetzt nächste Saison einen Stammplatz erkämpfen», sagt Vonlanthen, der bis 2008 an Eindhoven gebunden ist.

In der U21 ist er nach seinem üblen Aussetzer in Basel längst zu einer festen Grösse geworden, überzeugte jüngst auch an der EM in Deutschland. Und am letzten Sonntag gab er nach seiner Nachnomination ins helvetische Euro-Kader gegen Liechtenstein sein Länderspieldebüt. Zuvor hatte der gebürtige Kolumbianer lange mit sich gerungen, ob er nicht lieber für sein Heimatland spielen möchte. «Ich denke, ich habe vieles richtig gemacht», sagt Vonlanthen. Er blickt um sich, zeigt auf den herrlichen Rasen des Trainingsplatzes und auf die wunderbare Anlage im Marriott-Hotel: «Die Entscheidung gegen Kolumbien habe ich bislang jedenfalls noch keine Sekunde bereut. »

Respekt vor Chapuisat

Genauso wenig wie den Weggang aus Bern. «Ich verfolge den Weg von YBintensiv», sagt Vonlanthen. Er fügt lachend hinzu: «Vielleicht treffen wir ja bald in der Champions League aufeinander. » Mit Stéphane Chapuisat gab es bereits im Nationaldress ein Wiedersehen. Vonlanthen hat riesigen Respekt vor seinem einstigen Vorbild und YB-Sturmpartner: «Ich muss sehr viel leisten, um einmal so viel zu erreichen wie er. » Der Luftibus ist definitiv erwachsen geworden.

BZ-Sport, 10. Juni 2004

PDF-Format:
http://194.209.226.170/pdfdata/bz_neu/2004/06/10/BZST1330354c10061_1.pdf


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