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 Betreff des Beitrags: NZZ Bericht - Ein Bulldozer geworden
 Beitrag Verfasst: Sonntag 26. Februar 2006, 13:36 
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Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08
Beiträge: 29376
NZZ, 26.02.2006

Ein Bulldozer geworden

Young Boys haben innert 10 Monaten alles erneuert - dieser Rekord kostet


Von Peter B. Birrer

Im Kabinengang hämmert Musik. Der BSC Young Boys hat vor dem Spiel am Sonntag gegen den GC im Stade de Suisse trainieren dürfen, obschon der Rasen im Winter leidet. «Wir schaffen die besten Voraussetzungen», sagt Stefan Niedermaier, der YB-Verwaltungsrat und der CEO des Stadions. Im Gang steht als Ansporn ein grosser Bär, an der Wand hängen schwarzweisse Bilder als Zeugen goldener Zeiten. 1986 holte YB den letzten Meistertitel, 1987 die letzte Cup-Trophäe.

YB ist Anfang 2006 (noch) kein Meister und erst Cup-Halbfinalist. YB ist kein maroder Klub mehr, der täglich Hilfeschreie ausstösst wie während der neunziger Jahre. YB riecht nicht mehr nach Bratwurst, Bier und Holz wie im Übergangsstadion Neufeld. YB ist ein unübersichtlicher Apparat, ein Bulldozer geworden, der nichts stehen lässt. Innert zehn Monaten summieren sich 45 Mutationen. Alles wurde ausgewechselt, nachdem zuvor nichts geschehen war und jene getadelt worden waren, die im Hinblick auf das neue Stadion Investitionen gefordert hatten. Zehn Monate, 45 Veränderungen - das ist Schweizer Rekord und nur mit dem Aktionismus zu vergleichen, der Christian Constantin 1997 mit dem FC Sion und Marc Roger 2004 mit Servette veranstalteten. Bis in den Untergang.

In Bern wird der Um- und Aufbruch als Aufgang gepriesen. Der YB-Sportchef Marcel Hottiger schöpft aus dem Vollen, wie dies in der Schweiz höchstens der FCB-Trainer Christian Gross tun kann. Zum Gesprächstermin bittet Hottiger ungefragt Niedermaier hinzu, was Geschlossenheit demonstrieren soll. Die YB-Seele ist sensibilisiert, die Darstellungen werden beäugt. Sagt der frühere YB-Trainer Hans-Peter Zaugg in der Zeitung, dass er als Sportchef Xamax schrittweiser ans neue Stadion heranführen will, als dies in Bern geschehen ist, gerät dies in der Hauptstadt in den falschen Hals. Die Sensoren reagieren auf jedes Lüftchen, überall lauern Gegner und Verfolger. Denn der Einsatz und das Risiko, ob die teure YB-Kiste in Schwung kommt, sind hoch. Die Ungewissheit quält.

Rohr erhält, wen er will
Hottiger spricht von einem «sauberen Aktionismus», der als Verjüngung des Teams einzuordnen sei. Alles wolle man dem Team ermöglichen, tut derweil Niedermaier kund: «alles». Der Trainer Gernot Rohr hatte in Nizza mit Everson zusammen gearbeitet, der Wunschspieler des Coaches kam unlängst als x-ter Hottiger-Transfer nach Bern. «Wenn der Trainer Everson will, erhält er ihn», sagt Niedermaier.

Rohr sitzt im Büro «Cheftrainer» und kühlt die gereizte Achillessehne. Der Trainer ging die Aufgabe, YB nach oben zu führen, mit dem Primat des Sicherheitsdenkens an. Die defensive Spielweise, die dem Vorgänger Zaugg noch vorgeworfen worden war, wurde in extremis gelebt. Auch dank Everson soll es jetzt buchstäblich vorwärts gehen. Rohr will «Kraft aus der Veränderung» schöpfen. Das Neue müsse man positiv sehen, so Rohr, «die interessanteste Zeit in der Beziehung zu einer Frau ist auch jene am Anfang - nachher wird es schwieriger». Der 53-jährige Rohr erlebte in Klubs schon zweimal nach wirtschaftlichen Kollapsen radikale Zäsuren, 1991 in Bordeaux und 2002 in Nizza. Rohr weiss jedoch, dass in Bern die «Gnadenfrist» läuft - «viel Zeit haben wir nicht mehr».

Das YB-Ziel ist der Titel
Peter Jauch, der frühere Stadion-CEO, amtet zwar immer noch als verlängerter Arm der Stadion-Investoren, als Reizfigur wurde er aber aus der medialen Schusslinie genommen. Warum vor dem Stadionbezug zuerst so lange nichts und nachher alles auf den Kopf gestellt wurde, ist die Frage an ihn. Doch er mag nichts sagen. Dafür antwortet mit Benno Oertig ein anderer Investor - aber nur per E-Mail und via Kommunikations-Büro von Sacha Wigdorovits. Oertig streitet den Aktionismus ab, da habe es «überhaupt keinen Wechsel» im Verhalten gegeben, es gehe um Prioritäten: «Zuerst das neue Stadion beziehen, dann die Weichen für einen erfolgreichen Betrieb in der Zukunft stellen.» Null Problem, die Richtung ist gegeben und der Rückweg verbaut. Laut Oertig muss YB mittel- und langfristig «Schweizer Meister werden und auf der internationalen Bühne auftreten»; man werde auch künftig personelle Veränderungen vornehmen, wenn dies nötig sei.

Die Kosten sind nicht transparent. Teilweise sind die Widersprüche offen. Hottiger sagt, die Lohnsumme habe sich nicht verändert. Niedermaier geht im Vergleich zur letzten Saison von einer «rechten Steigerung» aus. So viel steht fest: Hakan Yakin ist teuer, weil er Yakin heisst. Der Stürmer João Paulo kostet nur schon deshalb, weil er im Servette FC des Marc Roger spielte. Everson verdient viel, weil er den Benfica-Lissabon-Lohn bezieht. Die Berner sind zurzeit auch nicht bekannt dafür, Angebote anderer zu unterbieten. Zahlen sollen im Sommer kommuniziert werden. Oertig kündigt für YB «schwarze Zahlen» an. Das ist eine Frage der Sichtweise. Welcher Posten wird unter der verästelten Stadion- Holding über wen abgerechnet?

Gürkan Sermeter ist einer der wenigen YB-Spieler, die die Radikalkur überlebt haben. Über den Wandel hält er sich nicht lange auf, weil er in seinen Profi-Jahren gelernt habe, dass der Fussball nur eine Blickrichtung biete: «vorwärts». In der nächsten Saison gelte es, «voll anzugreifen», die Zeit der Ausreden sei vorbei. Von dem, was früher war, ist nichts mehr da. Der Klub hat sich vom Volk entfremdet, vorübergehend die Identifikation verloren und sucht Halt. Yakin war als Stadion-Promoter vorgesehen. Doch er ist an den Leisten verletzt, erleidet Rückschläge und taucht im Kabinengang in Jeans auf. Jetzt lässt er sich bei einem Spezialisten in Paris behandeln. Spritzen werden gesetzt. Yakin glaubt an die WM und an eine glorreiche YB-Zukunft. In diesem Geschäft dürfe man nicht verzweifeln, sagt er, «sonst musst du nach jeder Verletzung aufhören».

Am besten hält sich auch Yakin an dem, was im neu bepflanzten YB-Biotop eingetrichtert wird: Alles kommt gut. Etwas anderes gibt es nicht.

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 Betreff des Beitrags:
 Beitrag Verfasst: Sonntag 26. Februar 2006, 21:16 
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Beiträge: 87
:bravo: guter artikel!!!!

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Langer Schwede - Kurzer Finn


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 Beitrag Verfasst: Montag 27. Februar 2006, 12:06 
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Beiträge: 489
dieser artikel umschreibt die situation rund um yb wirklich sehr gut. schade das bz und bund nicht auch kritischer sein dürfen!


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