 |
 |
Forum ybfans.chTreffpunkt der Fans des BSC Young Boys |
|
| Autor |
Nachricht |
|
Gonzo
|
Verfasst: Freitag 14. April 2006, 08:05 |
|
Registriert: Freitag 21. Mai 2004, 10:37 Beiträge: 3822 Wohnort: Bern
|
Am Ostermontag steht der FC Sitten zum zehnten Mal im Finale des Schweizer Cups
Ein ganzer Kanton im Ausnahmezustand
Wallis / Nur ein Thema beschäftigt derzeit die Walliser Fussballfans: Das Cupfinale vom kommenden Ostermontag zwischen dem FC Sitten und den Berner Young Boys. Können die Walliser ihre Ungeschlagenheit wahren und im zehnten Finalspiel den zehnten Erfolg feiern? Oder droht ein erstmaliges Scheitern bei der ersten Teilnahme im neuen Jahrtausend? Zusammen mit den ehemaligen Cupgrössen Jean-Paul Brigger, Georges Bregy, Dominique Cina und Raphaël Wicky begab sich die RhoneZeitung auf die Suche nach Antworten.
Von Markus Pianzola
Neun Finalteilnahmen, neun Siege – dies die beeindruckende Bilanz des FC Sitten, die schweizweit seinesgleichen sucht. 1965 beim 2:1-Sieg über Servette war es, als die Liebesbeziehung zwischen dem Walliser Club und dem Schweizer Cup seinen Lauf nahm. Es folgten Triumphe in den Siebziger- (1974), Achtziger- (1980, 1982, 1986) und Neunziger-Jahren (1991, 1995, 1996, 1997).
„Cupfinal passt zu den Wallisern”
Obwohl bei den bisherigen Finalteilnahmen oftmals als Aussenseiter angetreten, vermochte man den Pokal trotzdem jeweils ins Land am Rhonestrand zu entführen. „Das Cupfinale passt zu den Wallisern. Es ist ein Duell, das sich an einem Tag entscheidet. Zuerst wird hart für den Erfolg gearbeitet, danach folgt das grosse Fest“, weiss Jean-Paul Brigger, der insgesamt vier Mal zur siegreichen Sittener Equipe gehörte.
Die Stadt Bern in Rot und Weiss
Eine nicht zu unterschätzende Rolle bei all den Erfolgen spielte jeweils das begeisterungsfähige und enthusiastische Walliser Publikum. In der Stadt Bern herrschen am Finaltag jeweils bereits zur Mittagszeit die Farben Rot und Weiss vor. In Scharen strömen sie durch den Lötschberg in Richtung Bundeshauptstadt und sorgen bereits Stunden vor Spielbeginn für phantastische Stimmung im Stadion. War dies früher das altehrwürdige Wankdorf, so wird dies auch im neuen Stade de Suisse genau so der Fall sein. „Die Zuschauer können dich als Spieler beflügeln und den vielbeschworenenen zwölften Mann bedeuten. Ebenso können sie aber auch zusätzlichen Druck erzeugen“, berichtet Georges Bregy, der zwei Mal mit Sitten den Sieg erringen konnte und auch als Trainer mit Lausanne einen Cupsieg für sich verbuchen konnte. Aber er kennt auch das Gefühl, auf der anderen Seite zu stehen, spielte er doch 1991 mit den Berner Young Boys gegen die Walliser und verlor äusserst unglücklich mit 2:3. „Das sind natürlich weniger schöne Erinnerungen. Den FC Sitten begleitet im Zusammenhang mit dem Cup der Mythos der Unschlagbarkeit. Diese Tatsache kann auch die Fans und die Spieler beflügeln und dazu führen, dass auch verloren geglaubte Spiele noch gedreht werden können.“
„Keiner wollte der Erste sein”
Dass dieser Mythos der Unschlagbarkeit durchaus auch eine gewisse Belastung sein kann, beweist die Aussage von Raphaël Wicky nach dem Finale 1996 (3:2-Sieg über Servette): „Von uns wollte einfach keiner der Erste sein, der in einem Sittener Team steht, das den Cupfinal verliert. Es hätte mich schon gestört, wenn es in zwanzig Jahren heissen würde: Der Wicky war damals auch dabei...“ Seinen Teil zum damaligen Erfolg über die Genfer steuerte der Steger mit einem Tor zum zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich bei.
Immer spannende Spiele
Wer nun denkt, die Tatsache der Sittener Ungeschlagenheit bedeute gleichzeitig auch klare Finalsiege, der täuscht sich: Immer war für Spannung gesorgt und keines der neun Finalspiele konnte mit mehr als zwei Toren Unterschied gewonnen werden. Im Gegenteil: Gegen Luzern 1997 konnte man sich erst im Elfmeterschiessen durchsetzen und 1996 (gegen Servette) und 1991 (gegen YB) musste man erst einen 0:2-Rückstand drehen, um doch noch zu reüssieren. Auch am kommenden Ostermontag wird es wohl kaum ein Spaziergang für die Walliser werden. Erstmals tritt man gar als unterklassige Mannschaft gegen die Super League-Vertreter Young Boys an. „Die Ligazugehörigkeit wird kein Nachteil für Sitten sein. Die scheinbare Überlegenheit der Berner könnte für diese sogar zu einem vergifteten Stück Fleisch verkommen, falls sie die Angelegenheit zu locker angehen“, schickt Dominique Cina, der in den Achtziger-Jahren im Sittener Dress für Furore sorgte, eine Warnung an den Gegner.
„Der Cup hat eigene Gesetze”
Auch Jean-Paul Brigger glaubt an die Chance der Sittener: „Wichtig ist vor allem der Glaube an den Sieg. Auch zu meiner Zeit damals sind wir jeweils als Aussenseiter ins Spiel gestiegen, haben es aber dennoch jedes Mal aufs Neue geschafft.“ Wohl auch deshalb wird der Zaniglaser, der heute in Diensten der FIFA steht, das Spiel am Ostermontag live mitverfolgen: „Das will ich mir nicht entgehen lassen. Zudem muss ich doch schauen, ob der Geist des altehrwürdigen Wankdorfstadions auch im neuen Stade de Suisse präsent ist.“ Eine besondere Ehre kommt Georges Bregy zu: Der Rarner wird für das Schweizer Fernsehen das Spiel analysieren. „YB ist sicherlich der klare Favorit. Sie spielen in der höheren Liga und haben zudem den Heimvorteil. Aber der Cup hat seine eigenen Gesetze. Die Tagesform wird über Sieg oder Niederlage entscheiden“, wagt der Rarner eine Beurteilung.
Das Jahr der Wiederauferstehung?
Einige Zeit ist es her, seit die Sittener Fans einen grossen Erfolg ihrer Mannschaft bejubeln konnten. Mitte der Neunziger war es, als man noch zur (Fussball-)Spitze des Landes gehörte und die Titel gleich reihenweise sammelte. Danach folgte die Ernüchterung und der grosse Absturz mit dem Fast-Konkurs und dem Abschied aus der höchsten Liga des Landes. Nun könnte 2006 das Jahr der Wiederauferstehung werden. Denn nebst der Chance auf den Cupsieg bestehen nach wie vor reelle Chancen zum Wiederaufstieg in die Super League. Schaffen es die Spieler von Trainer Christophe Moulin am Ostermontag tatsächlich, bei der zehnten Cupfinalteilnahme den zehnten Sieg einzufahren, so könnte dies der Beginn einer neuen Fussballeuphorie in unserem Kanton werden.
RZ Oberwallis
_________________ 
|
|
 |
|
 |
|
roeschu
|
Verfasst: Freitag 14. April 2006, 11:47 |
|
Registriert: Montag 29. August 2005, 18:08 Beiträge: 641
|
|
hoffe das Everson spielt, wenn das resultat knapp zu unseren gunsten ausfällt und everson ein tor schiessen sollte gibt es keinen zweifel das CC vor Gericht gehen wird...trotzdem kann man sich nicht vom gegnerischen Präsidenten die Aufstellung diktieren lassen..
meine sonstigen wünsche für den montag sind sonst bescheiden:
1) keine falsch eingespielten Jingles vom Stadiontechniker
2) keine falschen Anzeigen auf den Monitoren z.b bei der Spieler vorstellung..
höhö....ich lass mich gerne korrigieren, ich kann mich aber nicht an ein Heimspiel in dieser Saison erinnern, wo es technisch keine solchen pannen gab....sind zwar nur details aber trotzdem..
_________________ Und so sprach Hakin zum Menschengeschlecht:
"E trener wäggsel isch immer positiv. mängisch aber ou negativ..."
|
|
 |
|
 |
|
YB_for_ever
|
Verfasst: Freitag 14. April 2006, 13:44 |
|
Registriert: Donnerstag 16. März 2006, 05:47 Beiträge: 496 Wohnort: Wankdorfstadion
|
Ach wie ich diesen constantin hasse, für mich persönlich ist dies die hä...chste Fratze im Schweizer Fussball.
Diser P...er wird wohl irgendwann noch die CL am grünen Tisch gewinnen. Für mich ist der ein ANTISPORTLER !
Zuletzt geändert von YB_for_ever am Samstag 15. April 2006, 14:11, insgesamt 1-mal geändert.
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Samstag 15. April 2006, 09:53 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
|
BZ, 15.04.2006
Die Y(B)-Frage: Yapi oder Yakin?
Bei YB dreht sich alles um die Frage, wer am Ostermontag im Cupfinal gegen Sion als Regisseur spielen wird. Die Kandidaten: Gilles Yapi und Hakan Yakin. Trainer Gernot Rohr wird sich wohl erst am Spieltag entscheiden.
Gernot Rohr sagt: «Zehn Positionen in unserer Aufstellung für den Cupfinal sind vergeben.» Alles dreht sich für den YB-Trainer noch um die Frage, wer gegen Sion als Regisseur der Young Boys auflaufen wird. In Rohrs 4-2-3-1-System sind vor Torhüter Wölfli die vier Abwehrspieler (Christian Schwegler, Tiago, Gohouri, Hodel), die beiden defensiven Mittelfeldspieler (Magnin und Everson), die beiden Flügelspieler (Varela, Raimondi) sowie der zentrale Angreifer João Paulo gesetzt.
Der zuletzt überragende Pirmin Schwegler, letztes Jahr im Cupfinal mit Luzern gegen Zürich (1:3) nach wenigen Minuten verletzt ausgeschieden, ist gesperrt. «Unser Captain Magnin wird Schwegler würdig vertreten», sagt Gernot Rohr.
Yakin ist fit und motiviert
Die Frage ist jetzt also: Gilles Yapi oder Hakan Yakin? Man könnte natürlich auch fragen: Gilles Yapi und Hakan Yakin? Zumal Sion als unterklassiger Verein möglicherweise Mühe bekunden könnte, den höheren Rhythmus eines angriffslustig eingestellten YB-Teams mitzugehen. Doch Rohr ist ein vorsichtiger Fussballlehrer. Die Balance zwischen Defensive und Offensive muss stimmen, und so dürfte es der Deutschfranzose für ein zu grosses Risiko halten, beide Spielgestalter zusammen einzusetzen. Er sagt: «Das Finalspiel kann ja auch 120 Minuten dauern. Dann haben wir mit Yakin oder Yapi eine starke Alternative für die zweite Hälfte oder sogar die Verlängerung.»
Am Mittwoch, beim 1:2 gegen Schaffhausen, durfte Yakin erstmals nach seiner Verletzungspause wieder 90 Minuten durchspielen und war neben Pirmin Schwegler noch der auffälligste YB-Akteur. Insbesondere seine überragenden Fähigkeiten bei Freistössen sprechen für den Individualisten. «Ich war zufrieden mit meiner Vorstellung. Natürlich war ich ein wenig nervös und hatte ungewohnte Ballverluste. Doch ich bin fit, spritzig und motiviert», sagt Yakin, der am Freitagmorgen ausführlich mit Rohr diskutierte. «Der Inhalt des Gespräches bleibt unter uns», sagt der Coach, der sich auch nicht konkret zur Leistung Yakins gegen Schaffhausen äussern möchte. «Jeder, der am Spiel war, soll selber beurteilen, ob Yakin gut war.»
Wahrscheinlich hat sich Gernot Rohr tatsächlich noch nicht entschieden, wer gegen Sion in der Rolle des YB-Regisseurs beginnen darf. «Entscheidend ist die Frage, wer mehr fürs Team leisten kann», sagt Rohr.
Yapi und Yakin zusammen?
Der YB-Trainer hat bislang noch keine leidenschaftlichen Plädoyers für Yakin, der noch zur WM möchte, gehalten. Und so ist Gilles Yapi, auf Grund seiner Vorteile in der Defensivarbeit, leicht zu favorisieren. «Ich weiss nicht, ob ich gegen Sion beginne», sagt der Nationalspieler von der Elfenbeinküste. «Es wäre für mich aber kein Problem, zusammen mit Yakin aufzulaufen. Er ist ein toller Fussballer. Letztlich bestimmt der Trainer, wer spielt», sagt Yapi. Auch Yakin verkündet artig, dass der Trainer entscheide. «Ich bin bereit. Und ich habe mit Basel bereits dreimal im Cupfinal gespielt. Zudem glaube ich nicht, dass ich ein idealer Jokertyp bin», sagt Yakin, der «sehr gerne» zusammen mit Yapi im Mittelfeld spielen würde.
Gilles Yapi? Hakan Yakin? Oder am Ende doch beide zusammen? «Ich werde mich wohl erst am Montagmorgen festlegen», sagt Rohr. Vielleicht findet er übers Osterwochenende im Trainingslager in der Ruhe von Spiez die Erleuchtung.
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Samstag 15. April 2006, 09:54 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
|
BZ, 15.04.2006
Young Boys: Grosser Druck und Chance
Mit einem Cupsieg könnte eine sportlich durchzogene Saison für YB zur erfolgreichsten Spielzeit seit 1987 werden.
Am Ostermontag wird im Wankdorf Fussballgeschichte geschrieben. So oder so. Entweder verliert der FC Sion erstmals einen Cupfinal – oder die Walliser sind der erste Schweizer Cupsieger, der nicht der obersten Spielklasse angehört. «Wir dürfen und werden Sion nicht unterschätzen», sagt YB-Trainer Gernot Rohr, «das ist die beste Mannschaft in der Challenge League und wäre auch in der Super League im Mittelfeld vertreten.»
Dort, im gehobenen Mittelmass der helvetischen Spitzenliga, sind derzeit auch die Young Boys anzutreffen. Der vierte Zwischenrang ist eine Enttäuschung für die Berner. Auch der Trainerwechsel von Hans-Peter Zaugg zu Gernot Rohr im letzten Herbst hat sich – trotz vereinzelter guter Auftritte – in der Meisterschaft noch nicht ausbezahlt. Rohr (1,47 Punkte) war in der Super League sogar weniger erfolgreich als Zaugg (1,58), obwohl er das Kader nach seinen Wünschen umbauen durfte. «Derzeit ist der falsche Moment, um über unsere Ausbeute in der Liga zu sprechen», sagt Rohr.
Auch der Coach weiss, dass er und sein Team am Montag zum festen Bestandteil der Vereinshistorie werden könnten. In zwei Tagen bietet sich YB die einmalige Gelegenheit, eine sportlich unbefriedigende Saison zur erfolgreichsten Spielzeit seit bald zwei Jahrzehnten zu veredeln. 1987 holte YB mit dem Cupsieg gegen Servette letztmals einen nationalen Titel. «Ich spüre aber keinen besonderen Druck. Und die Spieler sind auch nicht nervös», sagt Rohr. Vielmehr empfinde er diese Ausgangslage als «grosse Chance». Vor dem 4:1-Sieg im Halbfinal beim FC Zürich sei die Erwartungshaltung an die Seinen ebenfalls riesig gewesen. «Und dort haben wir unser bislang bestes Spiel gezeigt.» Nach dem schwachen Auftritt gegen Schaffhausen (1:2) am Mittwoch hat Rohr bei seinen Akteuren unbändige Entschlossenheit registriert. «Wir sind jetzt voll auf diesen Cupfinal fokussiert», sagt er. Auch seine Spieler seien bereit, am Montag Geschichte zu schreiben.
--------------------------------------------------------------------------------
Mögliche Aufstellungen. YB: Wölfli; Christian Schwegler, Tiago, Gohouri, Hodel; Magnin, Everson; Varela, Yakin (Yapi), Raimondi; João Paulo. – Gesperrt: Pirmin Schwegler. – Sion: Vailati; Sarni, João Pinto, Meoli; Gaspoz, Di Zenzo, Delgado; Bühler, Obradovic, Regazzoni; Vogt. – Abwesend: Schneuwly (von YB ausgeliehen, darf nicht eingesetzt werden). – SR: Reto Rutz.
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Samstag 15. April 2006, 09:55 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
|
BZ, 15.04.2006
Unter permanentem Siegzwang
Sion will am Montag bei seiner zehnten Cupfinalteilnahme zum zehnten Mal gewinnen. Trainer Christophe Moulin ist sich gewohnt, dauernd siegen zu müssen. Die Walliser erneuern im «Fall Everson» ihre Protestdrohung.
Geht es nach Frédéric Chassot, ist Sion-Trainer Christophe Moulin vor dem Cupfinal zu beneiden. «Mit der Ankündigung, YB werde im Falle eines Cupsiegs auf dem Balkon des Bundeshauses gefeiert, wurde es ihm leicht gemacht, unser Team zu motivieren», sagt der ehemalige Nationalspieler, der jetzt in Sion fürs Marketing zuständig ist. Sion wolle unbedingt verhindern, dass dieser Balkon zum ersten Mal seit 1945, als General Henri Guisan die Armeeangehörigen aus dem Aktivdienst entliess, benutzt werde.
Der 47-jährige Christophe Moulin wurde Mitte Oktober des letzten Jahres vom allmächtigen Sion-Präsidenten Christian Constantin zum Nachfolger des entlassenen Gianni Dellacasa bestimmt. Und Moulin ist erfolgreich. Mit ihm hat sich Sion für den Cupfinal qualifiziert und steht in der Tabelle der Challenge League auf Rang zwei. Der Trainer weiss aber, dass er mit Sion weiter reüssieren muss, will er seinen Posten behalten. «Wir müssen am Ostermontag den Cupfinal gewinnen», sagt er. Niemand wolle bei Sion, das bisher alle seine neun Finalteilnahmen erfolgreich gestaltete, jenem Team angehören, das zum ersten Mal in Bern verliert.
Grosse Pläne im Wallis
Wie seine Vorgänger auf Sions Trainerbank, Gilbert Gress und Dellacasa, steht auch Moulin stets unter Siegzwang. Gefragt, ob er mit der Arbeit seines Trainers zufrieden sei, antwortet der Präsident ohne Zurückhaltung: «Nur solange die Resultate stimmen.» Architekt Constantin hat nach eigenen Angaben in dieser Saison 400 000 und in der letzten Spielzeit sogar 720 000 Franken in die Mannschaft und den Ausbau der Infrastruktur des Trainingszentrums in Martigny investiert. Die Spieler finden dort geräumige Garderoben, je ein Natur- und ein Kunstrasenfeld, eine Sauna plus Whirlpool sowie einen Kraftraum vor. Neueste Akquisition Constantins ist eine alte Fabrikhalle neben den Trainingsplätzen. Darin wird bald ein zusätzliches Kunstrasenfeld errichtet. Der FC Sion funktioniert in jeder Beziehung wie ein Super-League-Vertreter.
Auch sonst lässt Constantin, der Walliser Zampano, nichts unversucht, Sion zum Erfolg zu führen. Auf der Webseite des Vereins bestätigt er nun offiziell, dass Sion den Cupfinal am Montag unter Protest spielen werde, falls YB-Mittelfeldspieler Everson auf dem Matchblatt figuriert. Constantin ist nach wie vor der Ansicht, der Brasilianer habe seine Sperren aus dem Halbfinal nicht abgesessen.
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Samstag 15. April 2006, 09:57 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
BZ, 15.04.2006
Die bitterste Niederlage ihres Lebens
Nach 15 Jahren hat YB die Chance, sich gegen Sion für die Cupfinalniederlage von 1991 zu revanchieren. Der damalige YB-Trainer Martin Trümpler und sein Captain Martin Weber fiebern mit – und schwelgen in Erinnerungen.
Der ehemaliger YB-Trainer Martin Trümpler (rechts) und sein Captain Martin Weber / Andreas Blatter
Die wichtigste Frage wird zu Beginn des Gesprächs geklärt: «War ich 1991 im Cupfinal gegen Sion wirklich Captain?» Martin Weber, 48-jährig, einst YB-Verteidiger und für die Anhänger eine Identifikationsfigur, sitzt im Restaurant Eleven im Tribünenbauch des Wankdorfstadions. Er versucht sich zu erinnern. Nach einer Weile schüttelt er den Kopf: «Ich glaube, es war Georges Bregy.» Sein damaliger Coach Martin Trümpler (57) unterbricht ihn forsch: «Du wärst aus Frust doch gar nicht eingelaufen, Tinu, wenn ich einen anderen zum Captain ernannt hätte.» Die zwei lachen. Es ist ein lautes, ein herzhaftes, ein ansteckendes Lachen.
Zwei Drittel aus dem Wallis
15 Jahre sind vergangen, seit YB letztmals im Cupfinal stand. Es war am Pfingstmontag, dem 20. Mai des Jahres 1991. «Die Stimmung war einmalig», sagt Weber, und Trümpler fügt an: «Es war extrem heiss.» Klar, denn die Sonne brannte vom Himmel, das Wankdorfstadion war ausverkauft. Menschen standen auf dem Totomat oder sassen auf den Ästen der Pappeln im Stadion. 50 000 Zuschauer waren da – zwei Drittel davon aus dem Wallis angereist.
Zur Pause führten die Berner 2:0. Sie hatten ihrem Anhang in den ersten 45 Minuten ein Offensivspektakel mit zwei sehenswerten Toren geboten. Nach dem Seitenwechsel hielt Trümpler an seiner Taktik fest, liess die Akteure weiterhin nach vorne spielen, suchte, wie es in der Fussballersprache heisst, das 3:0. Am Ende verlor YB 2:3. Für Trümpler hagelte es Kritik.
«Ach, wissen Sie», sagt Trümpler mit 15 Jahren Distanz zu seiner, wie er selber sagt, bittersten Niederlage. «Nach einem verlorenen Spiel gibt es viele selbst ernannte Experten.» Zudem habe ein Trainer in der zweiten Spielhälfte kaum noch Einfluss auf sein Team. «In diesem Cupfinal haben sich die Ereignisse überstürzt.» Seine Spieler hätten gute Chancen, das dritte Tor zu erzielen, vergeben.
Am Ostermontag werden Trümpler und Weber auf der Wankdorftribüne mitfiebern. Natürlich. YB – Sion sei ein Traumfinal, meint Trümpler. «Partien gegen die Walliser waren für mich immer Höhepunkte», sagt Weber, der bereits im Cupfinal von 1980 (1:2 gegen Sion) dabei war. Beide erwarten Spektakel und eine gute Stimmung. Doch Weber moniert, es sei schade, dass ein Drittel der Tickets an Sponsoren, oder wie er sagt «Cüpligiele», ging.
«Das Wankdorf erobern»
Diesmal, 19 Jahre nach dem Gewinn des letzten nationalen Titels (4:2-Cupsieg gegen Servette), werde YB den Pokal gewinnen. Davon ist Trümpler überzeugt. Er warnt aber, Sion sei eine Mannschaft auf Super-League-Niveau. «YB hat die einmalige Möglichkeit, dass der Funke von der Mannschaft endlich zum Publikum springt.» Bisher seien die Berner bloss die Nummer drei in ihrem neuen Stadion gewesen, hinter dem Nationalteam und Champions-League-Teilnehmer Thun. «Am Montag kann YB das Wankdorf zurückerobern.» Und sollten YB-Captain Joël Magnin und Trainer Gernot Rohr mit dem Pokal zur Ehrenrunde starten, werden Trümpler und Weber noch einmal wehmütig daran denken, was sie am Pfingstmontag vor 15 Jahren in der zweiten Halbzeit des Cupfinals verspielt haben.
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Samstag 15. April 2006, 10:00 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
|
Bund, 15.04.2006
Spiel der Spiele ohne Kompromisse
Klare Vorzeichen vor dem Swisscom-Cupfinal am Montag (15 Uhr) im Stade de Suisse: YB ist Favorit, Sion Aussenseiter
Noch nie hat ein unterklassiger Verein den Schweizer Cup gewonnen. Neun Mal standen Klubs aus der zweithöchsten Spielklasse im Final, neun Mal gewann der Favorit. Nun versucht Sion, das Schweizer Cupteam schlechthin, die Serie zu brechen: Die Walliser haben bisher neun Endspiele bestritten – und alle gewonnen.
Seit der Swisscom-Cup nach neuem Modus ausgetragen wird, genügen fünf Siege, um das Endspiel zu erreichen. Für den BSC Young Boys spielte auf dem Weg in den Final auch der Car-Chauffeur eine Rolle: Die Berner siegten fünf Mal auswärts. Sie starteten mit einem lockeren 8:0-Sieg beim regionalen Zweitligisten Orpund, hielten Challenge-League-Klub La Chaux-de-Fonds souverän auf Distanz (4:0), besiegten Kriens und Lugano sicher, aber glanzlos mit 2:1 und sorgten im Halbfinal gegen Titelverteidiger Zürich (4:1) für klare Verhältnisse. Der Exploit wird mit dem ersten Heimspiel im Stade de Suisse vor ausverkauften Rängen belohnt. Bisher blieben die Kassenhäuschen nur bei Länderspielen und an Thuner Festtagen in der Champions League geschlossen.
Sion mit Mühe in den Final
Sion dagegen hatte bedeutend grössere Mühe, sich die Teilnahme zu sichern. Vor allem in der zweiten Runde stand der «FC Wallis» vor dem Ausscheiden – gegen den Lausanner Zweitligisten Le Mont. Erst in der Nachspielzeit gelang dem Torschützen vom Dienst, Paulo Vogt, der 2:2-Ausgleich. In der Verlängerung, Vogt war nach zweiter Verwarnung des Feldes verwiesen worden, gelang Goran Obradovic nach fragwürdigem Penalty-Entscheid der Siegestreffer. Präsident Christian Constantin hatte der Mannschaft vor der Entscheidung einen Besuch abgestattet und in deutlichem Tonfall darauf hingewiesen, die Spieler müssten sich entscheiden, ob sie weiterhin die Finalteilnahme vor Augen haben möchten oder aber als Cup-Versager in die Geschichte eingehen wollten. Das Team entschied sich für die Variante 1 und blieb in den folgenden Runden nach gleichem Muster auf Kurs: 1:0 gegen Bellinzona, 1:0 in Locarno, 1:0 in Winterthur.
Die Walliser fahren in diesen Wochen zweigleisig. Sie wollen unbedingt den Wiederaufstieg in die Super League schaffen, gleichzeitig aber auch ihre Ungeschlagenheit in Endspielen im Wankdorf aufrechterhalten. Wer sollte jemals als Unterklassiger den Cup gewinnen, wenn nicht der FC Sion? In Deutschland, Frankreich und England kommt es gelegentlich vor, dass ein Verein aus der zweithöchsten Spielklasse den K.-o.-Wettbewerb für sich entscheidet und in den Uefa-Cup einzieht. In der Schweiz verliefen bisher alle neun Final-Anläufe unterklassiger Vereine im Sand.
An YB wird es liegen, dass die Kirche im Dorf bleibt bzw. der neue Pokal in der Bundesstadt. Jean-Paul Brigger, ein Vorzeige-Walliser, der mit Sion vier Mal und mit Servette ein Mal den Cup gewonnen hat, erklärt, für einen Walliser sei der Cupfinal viel mehr als ein Fussballspiel. Den Cupsieg setze ein Walliser fast auf die gleiche Stufe wie die andern Schweizer den Gewinn einer EM oder WM. Präsident Constantin sagt, der Final vom Montag erinnere ihn an die Endspiel-Ausgabe von 1995. Damals sei GC als Meister klarer Favorit gewesen. Sion aber habe dennoch den Cup gewonnen. Für die Zürcher galt: Ausser Spesen nicht viel gewesen.
Erster YB-Titelgewinn seit 1987?
Für die YB-Fangemeinde hätte der erste Titelgewinn seit 1987, als Zurbuchen, Conz, Weber und Co. Servette im Final mit 4:2 nach Verlängerung bezwangen, zwar nicht gerade weltmeisterliches Ausmass. Der Pokal würde aber die klubeigene Vitrine erstklassig aufwerten und die allgemeine Stimmungslage im Verein verbessern. YB erzielte unter Trainer Gernot Rohr in dieser Spielzeit Fortschritte, ohne freilich dafür zu sorgen, dass die Zuschauer im Stade de Suisse von den Sitzen gerissen worden wären. Mit klugen Transfers wurden die Perspektiven verbessert. Vor allem im spielerischen Bereich sollte es demnächst gelingen, einen weiteren Schritt vorwärts zu machen. Hakan Yakin, im Wettlauf mit der Zeit um einen WM-Startplatz, deutete nach überstandener Leidensgeschichte seine Absichten an. Das Zusammenspiel der Spielmacher Yakin und Gilles Yapi, von Nantes ausgeliehen, kann zwar durchaus noch verfeinert werden. Der oftmalige Alleinunterhalter im Sturm, Daniel João Paulo, erfreut sich neuerdings aber über vermehrte Unterstützung aus der zweiten Reihe. Trotz deutlichen Vorzeichen ist anzunehmen, dass Rohr auch im Endspiel seiner Linie treu bleiben wird: Dosierte Offensive dürfte angesagt sein. Auf dass YB von einer unliebsamen Überraschung verschont bleibe. Denn: Wer die einzigartige Cup-Geschichte des FC Sion zu wenig respektiert, könnte sein blaues Wunder erleben.
Die Wege in den Final
1. Runde: Orpund (2. Liga reg.) - YB 0:8. Giffers-Tentlingen (3.) - Sion 1:8.
2. Runde: La Chaux-de-F. (CL) - YB 0:4. Le Mont (2. Liga reg.) - Sion 2:3 n. V.
Achtelfinals: Kriens (CL) - YB 1:2. Sion - Bellinzona (CL) 1:0.
Viertelfinals: Lugano (CL) - YB 1:2. Locarno (CL) - Sion 0:1.
Halbfinals: Zürich - YB 1:4. Winterthur (CL) - Sion 0:1.
die finalspiele in Bern
Ostermontag. Frauen: LUwin.ch - Zürich Seebach (12.00). –Männer: YB - Sion (15.00).
Sion spielt unter Protest
Der FC Sion hat angekündigt, den Cupfinal nur unter Protest zu spielen. Die Walliser wehren sich gegen den Einsatz von YB-Spieler Everson; der Brasilianer müsste gemäss Sion gesperrt sein. Die Disziplinarkommission des SFV hat YB jedoch erlaubt, Everson einsetzen zu dürfen.
Streitpunkt ist eine längere Liste von Sperren, die Everson noch nicht abgesessen hat. Der Mittelfeldspieler erhielt wegen einer Tätlichkeit im Cuphalbfinal gegen den FC Zürich zwei Spielsperren. Die Young Boys legten darauf Rekurs ein, weshalb Everson in der Meisterschaftspartie gegen den FC Basel eingesetzt wurde und die vierte gelbe Karte kassierte, was eine weitere – allerdings nur für die Super League relevante – Sperre nach sich zog. Die beiden Suspensionen aus dem Cup, die für beide Wettbewerbe gelten, blieben bestehen, weil der Rekurs der Young Boys wegen eines Formfehlers nicht behandelt wurde.
Nach Auslegung des SFV hat Everson demnach die beiden Sperren aus dem Cuphalbfinal in den beiden Super-Leauge-Partien gegen Zürich (9. April) und Schaffhausen (12. April) abgesessen und muss die dritte Sperre, diejenige wegen der vierten Verwarnung in der Meisterschaft, erst im nächsten Super-League-Spiel verbüssen. Somit kann er im Cupfinal eingesetzt werden.
Andere Sicht der Dinge
Im Wallis sieht man dies freilich anders. Gegen Zürich (9. April) soll Everson wegen der vierten Verwarnung in der Meisterschaft (im Spiel gegen Basel) gesperrt gewesen sein. Somit würden jetzt die Sperren aus dem Cuphalbfinal laufen; die erste hätte Everson demnach am 12. April gegen Schaffhausen abgesessen, die zweite würde am Ostermontag im Cupfinal folgen.
Die Konsequenz aus diesem Rechtsstreit ist abzusehen. Sion würde im Fall einer Niederlage einen Forfaitsieg fordern, weil nach Walliser Auslegung mit Everson ein nicht qualifizierter Spieler eingesetzt worden ist. (si)
die finalisten im porträt
BSC YOUNG BOYS
Gründungsjahr: 1898. – Stadion: Stade de Suisse (32 000 gedeckte Sitzplätze). – VR-Präsident: Fritz Bösch. – Vereinspräsident: Peter Mast. – Sportchef: Marcel Hottiger. – Teammanager: Alain Baumann. – Trainer: Gernot Rohr. – Assistenztrainer: Erminio Piserchia, René Lobello, Michael Lindeman (Kondition) und Peter Kobel (Goalies). – Budget: rund 12 Millionen Franken.
Erfolge. Meistertitel: 11 (1903, 1909, 1910, 1911, 1920, 1929, 1957, 1958, 1959, 1960, 1986). – Cupsiege: 6 (1930, 1945, 1953, 1958, 1977, 1987). – Europacup: 1959 im Meistercup-Halbfinal.
FC SION
Gründungsjahr: 1909. – Stadion: Tourbillon (20 187, davon 8700 Sitzplätze). – Präsident: Christian Constantin. – Geschäftsführer: Domenicangelo Massimo. – Sportchef: Paolo Urfer. – Trainer: Christophe Moulin. – Assistenztrainer: Frédéric Chassot und Marco Pascolo (Goalies). – Budget: 5 bis 6 Millionen.
Erfolge. Meistertitel: 2 (1992, 1997). – Cupsiege: 9 (1965, 1974, 1980, 1982, 1986, 1991, 1995, 1996, 1997). – Europacup: Teilnahme Champions-League-Qualifikation 1992 und 1997 (jeweils gescheitert).
Mögliche Aufstellungen
YB: Wölfli; Christian Schwegler, Tiago (Portillo), Gohouri, Hodel; Magnin, Everson; Varela, Yapi (Yakin), Raimondi; João Paulo. – Gesperrt: Pirmin Schwegler.
Sion: Vailati; Skaljic (Sarni), João Pinto, Meoli; Gaspoz, Di Zenzo, Delgado; Bühler, Obradovic, Regazzoni; Vogt. – Abwesend: Schneuwly (nicht im Aufgebot).
Schiedsrichter: Reto Rutz
GC einsame spitze
Seit 1897 wird im Schweizer Fussball eine Meisterschaft ausgetragen, seit der Saison 1925/26 der Cupsieger ermittelt. 25 Klubs holten sich in diesen Wettbewerben mindestens einen Titel. In der Gesamtbilanz führt der Grasshopper-Club deutlich. YB ist der vierterfolgreichste Titelsammler der Schweiz, Sion belegt Platz 7, was umso bemerkenswerter ist, als die Walliser erst 1957 in die damalige Nationalliga B und erst fünf Jahre später in die höchste Spielklasse aufstiegen. (rk)
KlubMeister Cup Total
1. GC 271845
2. Servette17724
3. Basel11718
4. YB11617
5. Zürich 9716
6. Lausanne6915
7. Sion 2911
8. La Chaux-de Fonds3 69
9. Lugano 336
10. Aarau314
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Samstag 15. April 2006, 10:04 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
|
Bund, 15.04.2006
«YB hat die Chance, den Funken springen zu lassen»
Martin Trümpler
Er hat 1991 als letzter Trainer mit den Young Boys einen Cupfinal bestritten – und gegen Sion 2:3 verloren. YB habe aber «gute Voraussetzungen», um den Cupfinal zu gewinnen, sagt Martin Trümpler, der heute als Nachwuchstrainer arbeitet. Auch für die WM in Deutschland ist er optimistisch: Trümpler sieht die Schweiz im Achtelfinal.
«Bund»: Herr Trümpler, gehören Sie zu den Glücklichen, die ein Billett für den Cupfinal haben?
Martin Trümpler: Ja, ich habe mein Bestellrecht ausgenützt. Weil ich beim Fussballverband Nachwuchstrainer bin, habe ich Anrecht auf zwei Gratistickets.
Sie gehören zu den weniger glücklichen Trainern, die einen Cupfinal verloren haben. 1991 haben Sie mit YB gegen Sion 2:0 geführt und dann 2:3 verloren.
Trotzdem habe ich positive Erinnerungen. Es war ein toller Match bei wunderbarem Wetter vor einer imposanten Kulisse, aber leider mit dem falschen Sieger.
In der Rückschau können Sie die Niederlage gelassen nehmen, aber damals war das doch anders: In der 80. Minute schoss Sion das 2:3.
Klar hat das wehgetan. In der zweiten Halbzeit haben sich die Ereignisse überstürzt. Kaum hatte ich als Trainer auf eine Situation reagiert, war schon wieder eine neue Situation da. Aber Begegnungen, bei denen es in nur einem Spiel um Sieg oder Niederlage geht, haben immer eine spezielle Geschichte. Da kommt unter Umständen eine Mannschaft, die im Rückstand ist, in einen euphorischen Zustand, und die Mannschaft die in Führung ist, hat vielleicht Angst vor dem Sieg.
«Angst vor dem Sieg» – das müssen Sie näher erklären.
Das gibt es mit Sicherheit. Das hat man bei Zürich - YB oder Middlesbrough - Basel gesehen. Zuerst kommt Überheblichkeit, dann Unsicherheit. Die andere Mannschaft hat nichts mehr zu verlieren, spielt sich in einen Rausch hinein, und plötzlich dreht das Spiel.
Normalerweise gerät doch die Mannschaft, die in Führung liegt, in einen Spielrausch.
Dieser Gedanke bestimmte damals auch meine Taktik für die zweite Halbzeit: Ich wollte nicht bloss noch hinten stehen, sondern offensiv verteidigen. Wir hatten eine grosse Chance zum 3:0. Plötzlich kippte das Spiel. Ich habe mir diesen Cupfinal später ein paar Mal angesehen. Es sind ein paar krasse individuelle Fehler passiert. Da ist man als Trainer machtlos.
Geht ein Trainer anders an einen Cupfinal als an ein Meisterschaftsspiel heran?
Sicher. In der Vorbereitung waren wir in Oberhofen im YB-Hotel, das damals noch existierte. Es gab einen speziellen Cupfinal-Dress und neue Trainer. Die Aufmerksamkeit der Medien ist gross. Alles fokussiert sich auf das Spiel.
YB kann im Wankdorf spielen – gilt der Heimvorteil auch im Cupfinal?
Er ist sicher nicht so stark wie sonst. Die Walliser, die bekannt sind für ihre Euphorie, werden zu gleichen Teilen im Publikum sein. Der Cupfinal hat im Wallis so etwas wie eine Tradition.
Wie muss man sich das Phänomen Sion erklären: neun Mal im Cupfinal, neun Mal gewonnen?
Die ersten neun Mal waren Original-Walliser in dieser Mannschaft: Jean-Paul Brigger, Fernand
Luisier, Alain Balet als Mister Cupfinal, der umstrittene Goalie Pierre-Marie Pittier. Das waren echte Walliser. Weil das Wallis geographisch eine Einheit bildet, spürte man diese Einheit auch auf dem Platz. Am Montag ist das anders: Bei Sion gibt es nicht mehr viele Original-Walliser. Was die Spieler mitbekommen, sind Anekdoten, Heldengeschichten von früher. Selber erlebt haben sie das nicht.
Das heisst, die Wirkung dieser Geschichten ist gering?
Da bin ich überzeugt. Die Spieler hören das alles nur, und ich weiss nicht, wie weit sie das Gefühl «wir Walliser, FC Sion, wir sind in Bern unschlagbar» verinnerlichen.
Allerdings gibt es bei YB auch nicht manchen Berner.
(Lacht.) Das stimmt. Aber alle im Kader haben seit langem erstmals Gelegenheit, bei einem so wichtigen Spiel mitzumachen. Alle sind Profis. Und vor allem: YB hat in diesem Match die einmalige Chance, den Funken zwischen Mannschaft und Publikum springen zu lassen. Nach meinem Urteil ist dieser Funken seit dem neuen Wankdorf noch nie richtig gesprungen.
Ist das eine Kritik an der Art und Weise, wie die Mannschaft unter Trainer Gernot Rohr spielt?
Eigentlich nicht. Es hat bis jetzt einfach dieses eine Spiel nicht gegeben. Gernot Rohr ist ja noch nicht so lange da.
Man wirft YB-Trainer Gernot Rohr vor, zu defensiv zu spielen. Mit 1:0-Resultaten oder der Niederlage gegen Schaffhausen kann man die Leute nicht abholen.
Rohr hat seinen Schwerpunkt auf eine defensive Stabilisation gelegt. Da hat er absolut Recht. Wenn man die YB-Matches von vor ein paar Monaten anschaut, gibt es in der Offensive eine Steigerung.
Fänden Sie es falsch, würden Sie es nicht sagen – ein Trainer kritisiert einen Kollegen nicht gerne.
Das ist so. Wir werden von allen Seiten kritisiert, also hauen wir uns nicht gegenseitig in die Pfanne. Nochmals: Ich finde, das Grundprinzip von Herrn Rohr okay, aber jetzt sollte ein Schritt nach vorne kommen.
Die Young Boys sind keine gewachsene, sondern eine zusammengekaufte Mannschaft. Kann man im Fussball den Erfolg kaufen?
Man kann es zum Teil, das beweist zum Beispiel Chelsea. Letztlich definiert sich ein gutes Spiel durch die Qualität der Spieler, die man einsetzen kann. Und diese Qualität ist bei YB da.
Wenn man Sie von YB reden hört, fragt man sich, ob Sie YB gerne wieder trainieren würden?
Den BSC YB? (Lacht.) Sicher wäre das eine interessante Konstellation: neues Stadion, und offensichtlich ist ein bisschen Geld vorhanden. Wenn ich an meine Situation zurückdenke – das war brutal. Da gab es zwei, drei Monate keinen Lohn. Da kamen Spieler zu mir und sagten, sie könnten die Miete nicht mehr bezahlen. Von diesen Voraussetzungen her würde mich YB schon reizen. Aber ich bin Nachwuchstrainer beim Fussballverband. Das ist eine Arbeit, die mir ungemein Spass macht.
Sie waren auch Trainer bei Lausanne und Aarau. Zieht es Sie nicht zurück in den Klubfussball?
Man soll nie nie sagen – völlig ausgeschlossen ist das nicht. Aber es müsste eine gute Perspektive geben und ein gutes Umfeld.
Ist es richtig, anzunehmen, dass ein Trainer beim Fussballverband weniger verdient, aber einen sichereren Arbeitsplatz hat?
Ich kenne den Tarif von Herrn Rohr nicht und kann nur sagen: Ich bin mit meiner Situation in jeder Beziehung zufrieden. Mich fasziniert die Vielschichtigkeit meiner Aufgabe. Ich bin im Moment Trainer der U 20 und beginne danach wieder mit der U 18. Jede Mannschaft ist eine neue Herausforderung. Man arbeitet mit überaus willigen Spielern, die genau wissen: Wenn ich eine internationale Karriere oder eine Profikarriere in der Schweiz machen will, geht das nur über die Nationalmannschafts-Auswahl. Ich bin auch in der Trainerausbildung tätig und berate Klubs im Nachwuchsfussball. Und ich beobachte für Köbi Kuhn Gegner der Schweiz.
Ihr Ziel ist es nicht, noch einmal einen grossen Klub zu trainieren?
Die Nationalmannschaft ist ja auch ein grosser Klub. Im Ernst: Köbi Kuhn leistet hervorragende Arbeit, aber irgendeinmal hört auch er auf. Beim Fussballverband gibt es viele Nachwuchstrainer, die dann darauf hoffen, dass es vielleicht eine interne Lösung gibt.
Der Schweizer Fussball ist im Moment relativ erfolgreich. Wieso?
Seit zehn Jahren greifen unsere Nachwuchsarbeit und Ausbildungsphilosophie. Wir lassen uns von der Überlegung leiten, dass wir kein Riesenpotenzial an Superspielern haben, wir also zu denen, die wir haben, Sorge tragen und sie möglichst individuell weiterentwickeln müssen. Für uns ist jeder Spieler ein Projekt.
Hat auch in Ihrer Mannschaft die Mehrheit ausländische Namen?
Ja, aber praktisch alle sind hier geboren und haben eine Schweizer Mentalität. Konkret: Beim U-20-Spiel gegen Holland –
bei dem wir gut gespielt haben – waren Spieler aus acht Nationen im Einsatz: Portugal, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Spanien, Italien, Montenegro, Kroatien. Alle haben den Schweizer Pass, aber sind Doppelbürger. Es läuft phantastisch. Mit hundert Prozent Überzeugung kann ich sagen: Wir haben nie Probleme mit Rassismus oder verschiedenen Kulturen, die aufeinander prallen.
Was ist die Teamsprache?
Auch die Sprache ist kein Problem. Die Grundsprachen sind Deutsch und Französisch.
Warum gehören vor allem Secondos zu den Nachwuchstalenten – sind sie ehrgeiziger als Müllers und Meiers?
Die Bereitschaft, nach der neunten Klasse voll auf die Karte Fussball zu setzen, ist bei Secondos eher vorhanden. Bei uns gibt es immer noch mehr Sicherheitsdenken: Wenn ich es schaffe, Profi zu werden, super. Sonst habe ich immerhin noch einen Abschluss.
Spieler, die es nicht schaffen, Profis zu werden, aber voll auf Fussball gesetzt haben, haben ein Problem.
Da habe ich meine Einstellung etwas geändert. Nehmen wir an, es macht einer eine Berufslehre, schafft es aber als Profi – nach zwei, drei Jahren kann er doch alles, was er gelernt hat, über Bord werfen. Nehmen wir das Beispiel des GC-Spielers Scott Sutter. Mit 17 hat ihn sein Vater auf die Karte Profi setzen lassen und gesagt, falls das nicht klappe, könne Scott auch mit 20 noch eine Berufsausbildung beginnen. Das ist ein guter Ansatz.
Eine weitere Tendenz im Fussball ist die Zweiklassengesellschaft im Publikum: Cüpli-Zuschauer und das gemeine Volk. Was halten Sie davon?
Ich bedaure das. Im Wankdorf bin ich im Sektor C und nicht im A, weil ich den Puls des echten Fans spüren will. Sie haben mehr Verständnis für die Unberechenbarkeit des Fussballs, die es zum Glück noch gibt. Ich habe kein Problem mit den VIPs, aber häufig sind es nicht Leute, die das Gras und den Schweiss riechen und mit dem Fussball gross geworden sind.
Heute haben Credit Suisse und andere grossen Sponsoren beim Fussball das Sagen.
Das ist so. Auf der andern Seite verschaffen sie uns auch grosse Möglichkeiten. Ohne die Unterstützung der Credit Suisse für die Nachwuchsbewegung wären wir nicht so weit gekommen.
Was macht die Schweiz an der WM?
Ich glaube, die Schweiz hat eine gute Mannschaft mit viel Potenzial. Sie wird die Gruppenspiele überstehen. Vom Achtelfinal an wird es aber so oder so schwer.
Sind in dieser Mannschaft auch Spieler, die Sie trainiert haben?
Ja, zum Beispiel Barnetta und Senderos. Senderos allerdings nur kurz, er stieg gleich weiter auf. Mit ihm war es besonders eindrücklich: Er war nur fünf Minuten auf dem Platz und war schon Chef der Mannschaft. Barnetta war unser Musterschüler. Jeder Trainer, der mit ihm gearbeitet hat, schwärmt von ihm. Bei Johan Vonlanthen glaube ich, auch ein wenig mitverantwortlich zu sein, dass er sich für die Schweiz entschieden hat.
Und wie ging das?
Ich habe ihn einmal für ein U-19-Spiel mit dem Auto abgeholt, weil ich befürchtete, er würde sich plötzlich doch noch für Kolumbien entscheiden. Er hat mir immer gesagt, sein Herz schlage für Kolumbien. Meine Antwort war: Du kannst dein Herz behalten, musst aber auch den Verstand einsetzen. Kolumbien ist gefährlich, hier hast du bessere Perspektiven.
Sammeln Sie WM-Bildchen?
Ja – Sie werden es nicht glauben. Ich will mit meinen Grosskindern mitreden können. Das Album ist bei uns zu Hause, die Kinder können sich mit Bildern bedienen.
Wird YB am Ostermontag den Sion-Mythos durchbrechen?
Ich denke ja. YB hat gute Voraussetzungen, YB hat fünf Ausländer, Sion drei. Ich bin aber neutral. In meiner Mannschaft habe ich Spieler aus Sion. Gelson Fernandes ist Kapitän in der U 20, Didier Crettenand Stammspieler.
Martin Trümpler
Martin Trümpler, Jahrgang 1948, ist in Bern geboren und aufgewachsen. Er besuchte das Lehrerseminar und war von 1970 bis 1990 Primarlehrer an der Oberstufe im Liebefeld. Von 1990 bis 1994 war er Trainer bei YB, 1995 Trainer bei Lausanne und dann bis 1999 bei Aarau. Danach war er technischer Leiter des Fussballverbands Bern-Jura. Seit 2001 ist er Nachwuchstrainer beim Schweizerischen Fussballverband. Die Karriere als aktiver Fussballer begann er bei Sparta, dem heutigen FC Weissenstein. Als 22-Jähriger kam er zu YB, wo er als Vorstopper spielte und die Kapitänsbinde trug. Martin Trümpler ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Er wohnt in Bern. (bur)
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Samstag 15. April 2006, 10:08 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
|
Tagesanzeiger, 15.04.2006
Der Fall Everson als Cup-Vorspiel
Traditionsgemäss gewinnt der FC Sion den Cupfinal - die Young Boys wollen dies am Ostermontag in Bern verhindern.
Von Bernhard Brunner, Bern
Wie soll man es nennen? Juristisches Hickhack, die Suche nach gesetzgeberischer Wahrheit, inszenierte Eröffnung eines psychologischen Kleinkriegs als Vorspann zum Hauptereignis oder doch eher derx-te Akt der Fehde zwischen dem Schweizerischen Fussballverband und Sions streitbarem Präsident Christian Constantin.
Noch bevor im 81. Schweizer Cupfinal zwischen YB und Sion am Ostermontag die ersten Sicherheitspässe gespielt sind, liegt emotionale Hitze über einer Affiche, die besser nicht sein könnte. Constantin hat angekündigt, «den Final unter Protest zu spielen, falls die Mannschaftsliste der Berner den Namen Everson beinhalten wird».
Wird sie aber. Und der defensive Mittelfeldspieler wird im Stade de Suisse nicht nur auf dem Matchblatt erscheinen, sondern in der Anfangsformation stehen. So viel ist sicher.
Die Walliser finden, der Brasilianer müsste nach einer Tätlichkeit und zwei Spielsperren im Cup-Halbfinal gegen den FCZ und einer vierten gelben Karte im Meisterschaftsspiel gegen Basel während der Phase des Rekurses im Cupfinal noch gesperrt sein, YB hat am vergangenen Montag vom Verband jedoch die schriftliche Bestätigung erhalten, Everson einsetzen zu dürfen. Weil wegen eines Formfehlers (die Unterschrift des Spielers fehlte) der Rekurs gar nicht behandelt worden ist, geht es um die Frage, welche Spielsperre zuerst abgesessen werden muss und inwiefern ein Nichteintreten die Regel beeinflusst, dass zuerst ausgesprochene Sperren auch zuerst abgesessen werden. Everson hat gegen Zürich und Schaffhausen pausiert, die dritte Sperre - wegen der vier gelben Karten - wird er im nächsten Meisterschaftsspiel verbüssen.
YB-Sportchef Marcel Hottiger nennt das Vorgehen Sions einen «Sturm im Wasserglas», sie hätten nichts mehr mit der Sache zu tun, es sei nun eine Streitigkeit zwischen dem Verband und Sion.
Magnins Revanchegelüste
Karfreitag, Stade de Suisse, Mittag. Ruhe liegt über dem Quartier Breitenrain; das Stadion ist an allen Ecken mit Gittern verriegelt. Kinder, Journalisten und Fotografen warten, bis das letzte Training in der Heimstätte unter Ausschluss der Öffentlichkeit beendet ist. Heute Samstag und morgen Sonntag wird YB im Hotel Belvédère in Spiez verbringen. Trainer Gernot Rohr findet, dass man «das Team vor dem Rummel schützen muss»; Sion wird sich unweit dieses Ortes in Oberhofen vorbereiten. Der Walliser Klub strebt nach neun (9!) erfolgreichen Finalspielen «das Stängeli» an.
Rohr sieht sich auf Grund «der unglaublichen Statistik - wo sonst gibt es so etwas?» - höchstens als «halber Favorit. Pinto, Obradovic, Thurre, Vogt», zählt er auf, «die sind doch besser als manches Super-League-Team.» Nach dem 1:2 gegen Schaffhausen und dem Rückfall auf den 4. Rang hinter GC hat sich der Druck des Gewinnenmüssens verstärkt. Es wäre «wunderschön», nach 19 Jahren den Cup wieder zu gewinnen, meinte Rohr, und Captain Joël Magnin, der bereits zum fünften Mal im Final steht (viermal mit GC), sagt: «Wir werden uns anstrengen müssen, die Fans aus dem Wallis singen nach zwei Gläsern Fendant jeweils doppelt so laut.» Nur gegen Schaffhausen ging Magnin bisher als Sieger vom Feld. Gegen Lugano, Lausanne und Sion (1995) verlor er.
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 38 Gäste |
| |
|
|
Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.
|
|
 |