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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2020/2021
 Beitrag Verfasst: Donnerstag 11. Februar 2021, 17:52 
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«Vielleicht bringe ich Nsame und Siebatcheu»

Wohl dem, der solche Sorgen hat: YB-Trainer Gerardo Seoane muss immer wieder aufs Neue entscheiden, welchen von seinen zwei Topskorern er bringen soll – bringt er bald beide zusammen?

Es sind Luxusprobleme, mit denen sich YB-Meistercoach Gerardo Seoane (42) vor jedem neuen Spieltag auseinandersetzen muss. Sein Kader ist dermassen gut und ausgeglichen bestückt, dass er die Qual der Wahl hat.

Da wird zum Beispiel sein Toptorschütze Jean-Pierre Nsame im Spiel gegen Vaduz nach einer zugegebenermassen ziemlich dämlichen Aktion vom Platz gestellt und fehlt dem Meister für zwei Spiele.

Was also macht Seoane?

Er bringt Jordan Siebatcheu. Und der dankt es dem Trainer mit einem Hattrick. Den FCZ schiesst der französisch-amerikanischen Doppelbürger beim 4:1 vor einer Woche im Alleingang ab. YB hatte den Stossstürmer im letzten Herbst verpflichtet, um gewappnet zu sein, für den Fall, dass Nsame die Berner im Winter verlassen würde.

Rolex oder Omega?

Aber noch sind beide im Wankdorf. Und Seoane hat die Wahl: Es ist, als ob man sich am Morgen beim Aufstehen für Rolex oder Omega entscheiden müsste. Luxusprobleme halt.

Am vergangenen Wochenende gegen Lausanne, als Nsame wieder spielen darf, erzielt er einen Hattrick. Der Corona-Spielplan will es so, dass YB am Mittwochabend erneut auf Lausanne trifft.

In der Startformation steht aber nicht Dreifachtorschütze Nsame, sondern Stellvertreter Sibatcheu, und dieser entscheidet das Spiel mit seinem Treffer zum 1:0.

«Joker, das ist ein Wort für die Medien»

Wer den nun Joker und wer Stammspieler sei, will der Journalist der «Berner Zeitung» von YB-Trainer Seoane nach dem Sieg gegen Lausanne wissen.

«Joker», sagt Seoane und zieht die Gesichtsmaske hoch, «Joker, das ist ein Wort für die Medien. Für uns ist jeder Spieler ein potentieller Stammspieler. Wir haben einen positiven Konkurrenzkampf. Wir brauchen Nsame und Siebatcheu. Es kommen noch viele Spiele auch europäische. Sowohl Nsame als auch Siebatcheu haben diesen letzten Touch, diese Fähigkeit, den Ball ins Tor zu setzen. Aber sie sind auch darauf angewiesen, dass die Bälle kommen. Unsere Tore fallen immer auf ähnliche Art und Weise, durch Vorstösse über die Seiten. Und dann braucht es dort einen, der sie verwertet.»

Zwei Strafraumstürmer? «Das ist schon eine Variante»

YB hat derzeit das Privileg, dass sowohl Nsame (10 Meisterschaftstore) als auch Siebatcheu (8) die Vorlagen der Mitspieler zuverlässig ins Tor setzen.

Ob er sich vorstellen könne, die beiden auch mal gemeinsam laufen zu lassen, wird Seoane dann noch gefragt. «Es kommt auf die Situation drauf an. Wenn du plötzlich zwei Strafraumstürmer brauchst, wenn du mit hohen Bällen operieren musst, dann ist das schon eine Variante. Das müssen wir sicher im Auge behalten, das müssen wir trainieren. Gut möglich aber, dass wir Nsame und Siebatcheu auch mal zusammen spielen lassen.»

Es ist eine unverhohlene Drohung an die Konkurrenz.


https://www.blick.ch/sport/fussball/sup ... 42520.html

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2020/2021
 Beitrag Verfasst: Freitag 12. Februar 2021, 23:24 
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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2020/2021
 Beitrag Verfasst: Samstag 13. Februar 2021, 20:41 
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YB-Skorer Nsame und Siebatcheu

Müssen die Young Boys ihr Top-Duo jetzt zusammen bringen?

Jean-Pierre Nsame und Jordan Siebatcheu sind die gefährlichsten Stürmer der Liga, standen aber noch nie zusammen in der Startformation.

Das Duo der Stunde in der Super League hat seine Gemeinsamkeiten: gross, kräftig, kopfballstark. Jean-Pierre Nsame und Jordan Siebatcheu sind beides Franzosen mit kamerunischen Wurzeln. Und beide haben einen echten Lauf: Im neuen Jahr haben sie je vier Tore und davon drei per Hattrick erzielt, in der Liga ist Nsame bei zehn und Siebatcheu bei acht Saisontreffern angelangt. Zusammen totalisieren sie 18 Skorerpunkte, einzig Basels Arthur Cabral und Pajtim Kasami haben einen mehr.

Ein Sturmduo mit dieser Schlagkraft, der Traum für jeden Trainer. Nur: Gleichzeitig auf dem Platz standen Nsame und Siebatcheu selten. Seit Siebatcheus Ankunft im Sommer in Bern sind es etwas mehr als 100 Minuten, von Beginn weg spielten sie noch nie gemeinsam. «Sie haben ähnliche Stärken und ähnliche Schwächen», sagt Trainer Gerardo Seoane. Nsame oder Siebatcheu ergänzt er jeweils mit den flinken, kleineren Meschack Elia oder Felix Mambimbi und behält sich somit eine gewisse Variabilität im Angriff vor.

Doumbia: Erfolgreich trotz doppeltem Kulturschock

Kongeniale Konstellationen gab es immer wieder bei den Young Boys. Leandro und Stéphane Chapuisat verblüfften in den Zeiten nach dem Aufstieg, Hakan Yakin und Thomas Häberli waren mal nahe dran an einem Titel. Und die Liga sah Richard Núñez und Chapuisat bei GC, Julio Hernán Rossi und Christian Giménez beim FCB, Alhassane Keita und Raffael beim FCZ – und natürlich Alex Frei und Marco Streller wiederum in Basel. «Es muss passen zwischen den Stürmern, auch menschlich», sagt Thomas Häberli. «Und ganz wichtig ist, dass die Rollen klar verteilt sind.»

Häberli hat für YB 283 Spiele gemacht und 75 Tore geschossen. In den Nullerjahren haben die Young Boys so manchen Stürmer geholt – Häberli hat sich immer behauptet. Er konnte sich neben vielen entfalten, profitierte von der Routine von Chapuisat, harmonierte später vor allem mit Hakan Yakin. «Wir verstanden uns blind.»

Und Häberli erlebte auch den Atem des erfolgreichen Jokers im Rücken. 2008 schlug eine Rakete namens Seydou Doumbia in den Schweizer Stadien ein. Mehrheitlich als Joker erzielte der Ivorer in seiner ersten Saison 20 Tore. Der damals 21-jährige Doumbia kam aus Japan nach Bern, er war zum ersten Mal in Europa und erlebte innerhalb von wenigen Jahren den zweiten Kulturschock. Und startete sofort durch. In der Startformation stand trotzdem meist Marco Schneuwly oder Thomas Häberli. «Es war klar, dass er sich mit seinen Auftritten Minuten verdiente. Und es war auch für mich klar, dass ich Abstriche machen musste», sagt Häberli.

«Gerade Stürmer müssen in der Mannschaft wissen, woran sie sind.»
Thomas Häberli

Die aktuelle Situation bei YB ist komplizierter. Seit Anfang Jahr ist nicht mehr so klar, wer nun Joker und wer Stammstürmer ist. Dreimal begann Nsame, auch wegen einer Sperre gegen Nsame war dann dreimal Siebatcheu dran, funktioniert hat es immer: YB gab einzig in Vaduz (0:0) Punkte ab. Den Begriff Joker verschmäht Seoane ohnehin, «mir ist wichtig, wer welche Leistung zeigt».

Für Häberli fängt eine erfolgversprechende Stürmer-Hierarchie schon in der Saisonvorbereitung an. Der einstige Luzern-Coach und Basler U-21-Trainer ist heute 46 Jahre alt, jüngst übernahm er die estnische Nationalmannschaft und bereitet sich für die ersten Spiele im März vor. «Gerade Stürmer müssen in einer Mannschaft wissen, woran sie sind.» Für sie gebe es in der Regel die wenigsten Plätze in der Aufstellung, es brauche ein gewisses Abstecken der Hierarchie.

Die grosse Figur im Sturm bei YB ist nach wie vor Jean-Pierre Nsame. Der 27-Jährige, Überflieger mit 32 Liga-Toren schon in der vergangenen Saison, musste sich in seinen Anfängen bei YB auf ähnliche Weise ins Team kämpfen wie im Sommer Siebatcheu. Nsame stand lange Zeit im Schatten des damaligen Berner Goalgetters Guillaume Hoarau, verdrängte ihn aber dann ab Herbst 2019 auf die Bank. Zu seinem Mentor pflegte er immer einen freundschaftlichen Umgang. «Ich habe immer von ihm profitiert», sagt Nsame.

Heute ist er für Siebatcheu eine ähnliche Bezugsperson. «Wir vergleichen und diskutieren viel, gerade weil wir so ähnliche Anlagen haben», sagte Siebatcheu schon im Januar, bevor er seine Bilanz in der Schweiz weiter verbesserte. Der 24-Jährige hat ein Profil, nach dem die Young Boys immer wieder suchen. YB ist sein zweiter Anlauf, mit 17 Toren in der Ligue 2 für Reims und einem Wechsel in die Ligue 1 zu Rennes hatte Siebatcheu einen ersten Höhepunkt schon hinter sich, bevor seine Karriere ins Stocken geriet. «Das Kader von YB ist gut zusammengestellt, das zeigt sich exemplarisch im Sturm», sagt Häberli.

Doch wie reizvoll wäre es für Seoane, die beiden «Tormaschinen» einmal zusammen auf den Gegner loszulassen?

Vergangenen Sonntag gegen Lausanne (4:2) war es mal wieder so weit: Nsame und Siebatcheu standen zusammen auf dem Feld. Passiert ist in den rund 20 Minuten nicht viel, für Trainer Seoane war die Schlussphase dennoch aufschlussreich. «Sie standen etwas nah aufeinander. Wenn sie zusammen spielen, müssen sie ihre Laufwege anpassen.»

Die YB-Tore folgen in dieser Saison nicht selten einer gewissen Choreografie. Von den Flügelspielern kommen die Zuspiele scharf zur Mitte, oft von der Grundlinie in den Rücken der Abwehr. Nsame und Siebatcheu sind dort fast immer zur Stelle, mit ihren Treffern entschieden sie die Spiele für YB: Nsame am Sonntag, Siebatcheu am Mittwoch, jeweils gegen Lausanne.

Womöglich bräuchte das Sturmduo Nsame/Siebatcheu mehr Zeit im Training. Zeit, die es im noch auf Wochen hinaus eng getakteten Spielplan mit Partien im Dreitagesrhythmus nicht gibt. «Wenn wir die beiden vorne drin haben, müssen wir anders spielen», sagt Seoane.

Noch kommt zumindest in der Super League kein Team gegen das Berner Erfolgsrezept an. Und im Sechzehntelfinal der Europa League nächste Woche gegen Bayer Leverkusen fehlt Nsame gesperrt. Aus dem Duo, das noch keines ist, dürfte vorerst auch keines werden. Aber für eine Überraschung gut wäre es allemal. Warum nicht schon am Sonntag beim Spiel in Lugano?


https://www.bernerzeitung.ch/muessen-di ... 8273169012

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2020/2021
 Beitrag Verfasst: Samstag 20. Februar 2021, 19:47 
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YB so dominant wie nie

«Dann können wir die Saison ja beenden»

Die Young Boys sind so gut wie Meister, und ihr Vorsprung provoziert die Frage nach der Qualität der Super League. Einspruch kommt von Servette-Trainer Alain Geiger.

Wer wird Meister, Christoph Spycher? Der Sportchef der Young Boys könnte sagen: Wir. Und keiner würde denken, er sei abgehoben. Aber Spycher bleibt Spycher, der Mahner und Realist. Darum sagt er: «Wir haben nicht das Gefühl, die Welt sei rosarot, bei uns ist sie ohnehin gelb-schwarz. Die Ausgangslage ist gut, und wir wollen unbedingt Meister werden, das haben wir schon Anfang Saison gesagt. Aber es lauern erst dann keine Gefahren mehr, wenn der Titel mathematisch sicher ist.»

2018, 2019 und 2020 waren die Berner Meister. Derzeit sind sie wieder so überlegen, dass man sich fragt: Wann haben sie den vierten Titel in Folge auf sicher? Und haben sie am Ende 15 oder 30 Punkte Vorsprung? Noch eines fragt sich: Wie gut ist diese Meisterschaft eigentlich?

Die Berner können bereits diverse Schutzkonzept-Varianten für eine Meisterfeier auf dem Bundesplatz ausarbeiten, sofern Publikum überhaupt zugelassen ist. Der Rest der Super League spielt in einer eigenen Liga. Basel als Zweiter und Vaduz als Letzter sind nur durch 13 Verlustpunkte getrennt. «In anderen Ligen ist das nicht anders», wehrt sich Servettes Trainer Alain Geiger für die Schweizer Liga.
YB winkt sogar das erneute Double: Trainer Gerardo Seoane mit dem Cup- und dem Meisterpokal Ende August 2020.

Der langweilige Kampf um den Titel, der eigentlich gar keiner mehr ist, verleitet zur Ansicht, die Liga habe an Klasse verloren. Seit Einführung der Super League im Sommer 2003 gab es zwar auch schon einen langweiligeren Titelkampf. Das war vor zwei Jahren, als YB zu diesem Zeitpunkt der Saison 19 Punkte Vorsprung aufwies. Andererseits hat es noch nie einen Zweiten gegeben, der wie Basel jetzt erst 31 Punkte gewonnen hat. Und erst einmal einen Dritten, der so wenig Punkte gesammelt hat wie jetzt der FCZ. Das war der FCZ selbst vor drei Jahren.

Wer sich in der Liga umhört, der bekommt meist andere Rückmeldungen, was das Niveau angeht. Allen voran geht Christoph Spycher. Er sagt: «Das ist eine gute Meisterschaft.»

Ciriaco Sforza: Der Einfluss von Corona

Winterthur ist vorbei, die Schmach des 2:6 vom Mittwoch im Cup-Achtelfinal. Am Freitag kann sich Ciriaco Sforza auch anderen Themen widmen als seiner Situation. («Mit Kritik muss ich umgehen können.») Als der FC Basel zwischen 2010 und 2017 achtmal Meister wurde, war Sforza Trainer bei GC, Wohlen sowie Thun und auch im Ruhestand.

Jetzt ist Sforza mit dem FCB der Beste des Rests in der Liga. Ein paar nette Worte zu YB fallen ihm wohl ein: «Qualität, eingespielt, kompakt, breites Kader.» Aber es ist gerade Sforzas FCB, der trotz aller finanziellen und personellen Mittel so weit hinter YB zurückhängt und darum die Frage nach dem Niveau der Super League provoziert. «Das Bild der Tabelle hat mit der ganzen Situation zu tun», sagt Sforza, «mit Corona, mit der Tatsache, dass wir keine richtige Vorbereitung hatten.» Deshalb seien die Spiele diesmal weniger gut als in anderen Saisons.

Massimo Rizzo: Angriff auf Platz 2

Für FCZ-Trainer Massimo Rizzo ist klar: «Die Meisterschaft ist gelaufen. YB müsste ja noch brutal einbrechen. Ich glaube, dafür sind sie zu stark.» Er sah die Berner gegen Leverkusen und war beeindruckt. Von der ersten Halbzeit vor allem, aber auch davon, wie sie trotz heftiger Rückschläge noch gewonnen hatten. Diese Stärke und diesen Willen spüre man auch in der Liga. «Sie können am besten mit den Schwierigkeiten dieser Tage umgehen», sagt Rizzo. Er meint die kurze Vorbereitung und die vielen Spiele innert weniger Tage.

Der FCZ peilt den 2. Rang an. «Wir sind ambitioniert. Doch das sind die anderen auch», sagt Rizzo. Die übrigen Mannschaften seien sehr ausgeglichen, jeder könne jeden schlagen. Trotzdem ist der Trainer zuversichtlich, dass eben der FCZ am Ende Zweiter ist: «Wenn alles passt, ist für uns sehr viel möglich.» Er weiss aber auch, was geschehen kann, wenn eben nicht alles passt: die beiden Niederlagen gegen Vaduz. Die haben ihn so richtig geschmerzt und ihn in seinem Credo gestärkt: von Spiel zu Spiel denken. Alles andere wäre übermütig.

Peter Zeidler: Nie allein gehen

Es kann vorkommen, dass sich Peter Zeidler auch am Nachmittag vor einem Spiel ins Feuer redet. Wo andere schon abtauchen, ist St. Gallens Trainer noch bereit, übers Leben zu reden. Erst am Tag zuvor habe er seiner Frau gesagt: «Lasst uns leben.» Er will sich von Corona die Lebensfreude nicht nehmen lassen. Und beginnt vom Privileg zu reden, in diesen Zeiten Fussballer zu sein.

Wenn er Aufmunterung braucht, was selten vorzukommen scheint, hört er «You’ll Never Walk Alone». Oder das wunderbare «S erscht Mol» von Manuel Stahlberger über dessen ersten Besuch eines Fussballspiels.

Davon erzählt Zeidler am Mittwoch, bevor seine Mannschaft am Abend gegen Luzern trotz eines 0:1 noch 2:1 gewinnt. Sie holt Punkte, die in dieser Meisterschaft so wichtig sind, weil alles eng zusammen liegt. Sie fliegt nicht mehr wie letzte Saison, die Abgänge von Demirovic, Itten und Hefti haben Spuren hinterlassen, trotzdem leugnet sie ihre Identität nicht, kurz: Sie spielt weiter mit Tempo und Offensivdrang.

Während St. Gallen wichtige Spieler verliert, spielt es bei YB keine Rolle, ob Lauper oder Aebischer spielt, Sulejmani oder Fasnacht, Nsame oder Siebatcheu. «Wo ist da der Unterschied?», fragt Zeidler. St. Gallen hat eine andere Ausgangslage, es muss auch einmal damit rechnen, nur Siebter zu sein oder fünf Spiele nicht zu gewinnen. «Dann müssen wir ruhig bleiben», sagt Zeidler, «ich weiss, das ist leicht gesagt. Aber wir machen das.»

Und wer wird Meister, Peter Zeidler? «YB ist vermutlich einfach zu gut, um es nicht zu schaffen.»

Maurizio Jacobacci: «Die Liga ist spannend»

Als Trainer des FC Lugano ist Maurizio Jacobacci mittendrin in diesem Pulk von acht Teams, für die mit jedem Spiel die Ausgangslage ändern kann. Mit einem Sieg am Mittwoch gegen Servette wäre Lugano jetzt Dritter, mit dem 1:1 ist es nur Fünfter und muss schauen, am Sonntag Luzern im Direktduell auf Distanz zu halten.

«Jeder kann jeden schlagen in dieser Meisterschaft», sagt Jacobacci, «ausser YB.» Die Young Boys müssten da schon einen schlechten Tag erwischen und mit der «zweiten Garnitur» antreten: «Wobei man bei ihnen gar nicht von zweiter Garnitur reden kann.»

Und sonst ist es für ihn halt so, dass bei keinem Spiel der Ausgang vorhersehbar und das alles immer hart umkämpft sei: «Vaduz gewinnt zweimal gegen den FCZ, der FCZ gewinnt dafür dreimal gegen Basel.» Oder St. Gallen: Das sei eine gute Mannschaft, sie spiele offensiv, und trotzdem habe sie zuletzt fünfmal nicht gewonnen. Oder der FC Luzern: Der sei besser, als der 9. Platz es ausdrücke.

So kann Jacobacci gedanklich durch die ganze Liga gehen. Natürlich ist auch für ihn Basel schwächer als letzte Saison und St. Gallen nach dem Abgang seiner beiden Torjäger auch. Dafür hält er den FCZ für erstarkt, sein Lugano auch, bei Aufsteiger Lausanne sieht er eine höhere Qualität als bei Absteiger Xamax, und mit Vaduz erkennt er einen hart kämpfenden Tabellenletzten. Und am Ende heisst das: «Die Liga ist spannend.»

Alain Geiger: Schwärmen für den Meister

Wenn Alain Geiger von den Young Boys redet, dann ist das eine einzige Lobeshymne. «Sie haben diese Saison nur einmal verloren», sagt der Trainer von Servette, «gegen uns.» Servette gelang an jenem 13. Dezember ein starker Match, der mit einem 2:1 belohnt wurde. Und YB? Hat darauf eindrücklich reagiert: 8 Siege, 2 Remis, 22:8 Tore, nicht mehr nur 2 Punkte Vorsprung auf Basel, sondern 16.

Ist YB also schon Meister, Alain Geiger? «Das sagen die Medien. Dann können wir die Meisterschaft ja beenden.» Er will das nicht, für ihn ist es eine gute Meisterschaft mit einem guten Niveau. Nur weil YB so dominant auftritt, lässt er sich von dieser Meinung nicht abbringen.

Die Berner haben es ihm angetan: bestes Kader, grösste individuelle Klasse, der stärkste Club, der mit Abgeklärtheit und Ruhe auftritt. «Sie haben Ruhe, weil keiner reklamiert», sagt Geiger, «die Spieler haben den Stolz, dieses Leibchen tragen zu dürfen.» Und sie haben Ziele: Meister werden, die Champions League erreichen, ins Ausland wechseln – «alles wie beim FC Basel zu seinen besten Zeiten», erklärt Geiger.

Für den Rest bleiben die Ziele, die klein scheinen und doch gross sind. Für Servette heisst das: Ligaerhalt. Servette hat zwar die Stiftung des Rolex-Gründers im Rücken, «sie erlaubt uns zu überleben», sagt Geiger, «mehr auch nicht». Die Mannschaft liegt da, wo sie laut Geiger ungefähr auch in der Budgetrangliste liegt. Auf Platz 6.

Mario Frick: Zwei Prognosen aus Vaduz

Am untersten Ende der Nahrungskette liegt der FC Vaduz. Keinen kann das überraschen, er ist der klare Aussenseiter, der das kleinste Budget und nur ein Dorf mit 6000 Einwohnern im Rücken hat.

Trainer Mario Frick wollte zu Saisonbeginn sein Spielsystem so «durchdrücken» wie in der Challenge League, er musste es an die Super League anpassen, weil hier die Qualität höher ist. Letzte Saison hatte seine Mannschaft noch 20 bis 25 Abschlüsse pro Spiel, jetzt ist ihr Wert auf 5 bis 15 gesunken. Keiner hat weniger Tore erzielt als sie.

Deshalb sollte sie keiner abschreiben, auch nicht wegen des Rückstandes von fünf Punkten auf den Barrageplatz und Luzern. «Gegen uns spielt keiner gerne», sagt Frick, «eine Niederlage gegen uns ist für jeden eine Blamage.» Jüngst gewannen sie acht Punkte in vier Spielen, sie besiegten den FCZ zweimal und spielten gegen YB und Lugano jeweils unentschieden. «Das war extrem wichtig», sagt Frick. Und lässt ihn, den munteren Gesprächspartner, anfügen: «Ich bin zu hundert Prozent überzeugt, dass wir es schaffen.» Schaffen heisst: Ligaerhalt.

Noch eine Prognose wagt er, und die ist etwas weniger mutig: «Die Meisterschaft ist für YB entschieden.»


https://www.bernerzeitung.ch/dann-koenn ... 7345536705

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2020/2021
 Beitrag Verfasst: Samstag 20. Februar 2021, 19:50 
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YB-CEO Greuel kritisiert Hilfsgelder: «Für mich ist es diskriminierend»

Mit A-fonds-perdu-Beiträgen will der Bundesrat dem Schweizer Mannschaftssport unter die Arme greifen. YB-CEO Wanja Greuel erklärt im Interview mit «blue Sport», wieso die angebotene Hilfe aus seiner Sicht nicht ausreicht.

Seit dem 31. Januar ist die Frist für die Beantragung der angebotenen A-fonds-perdu-Beiträge abgelaufen – jedenfalls für die erste Periode vom 29. Oktober bis zum 31. Dezember 2020. Je nach Sportart und Liga verhalten sich die Klubs aber sehr unterschiedlich. Auffallend ist vor allem auch die Kluft zwischen Eishockey- und Fussballklubs.

Während in der National League elf von zwölf Teams sowie neun von zwölf Swiss-League-Vertreter auf die Bundesgelder setzen, nehmen in der Super League nur drei von zehn Klubs die Hilfe an. Auch der amtierende Meister aus Bern verzichtet. «Wir schauen die Kriterien für uns als nicht erfüllbar an. Das Geld würde uns mehr schaden als helfen», begründet YBs CEO Wanja Greuel im Gespräch mit «blue Sport».

Greuel: «Das ist für mich weltfremd»

Das Problem sieht er in den scharfen Auflagen: «Vorab: Es gibt Geld für den Sport, das ist eine gute Sache. Die Grundidee und der Entscheid ist grundsätzlich richtig. Aber für mich ist es diskriminierend, dass man derart scharfe Kriterien mit diesen Geldern verknüpft.» Denn das werde in anderen Bereichen oder im Ausland anders gehandhabt: «In anderen Ländern, zum Beispiel Österreich, ist das nicht der Fall. In anderen Branchen, zum Beispiel Kultur, ist das auch nicht der Fall. Warum kompensiert man quasi Einnahmeverluste, stellt aber gleichzeitig Bedingungen an die Kostenstruktur? Das ist für mich weltfremd», wählt Greuel deutliche Worte.

Zudem bemängelt er, dass mit den aktuellen Auflagen einige Vereine bevorzugt würden. «Ich muss ehrlich sagen: Wir betteln ja nicht um Geld. Wir wollen keine Gelder geschenkt. Aber wenn gewisse Klubs das beantragen können und andere nicht, das ist für mich dann auch ein wenig Wettbewerbsverzerrung.»

Aus diesem Grund hofft Greuel auf eine noch adäquatere Lösung: «Ich wünsche mir von der Politik, dass man das ganze wirklich differenziert und genau anschaut – und am Schluss eine faire Lösung macht, die entweder allen oder niemandem hilft.»


https://www.bluewin.ch/de/sport/fussbal ... 91620.html

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2020/2021
 Beitrag Verfasst: Dienstag 23. Februar 2021, 17:48 
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YB: Materialwart rennt in Heimspielen mehr als Messi und Mbappé

YB-Materialwart Bruno Bielesch ist in Topform. Für die YB-Heimspiele benötigt der 52-Jährige eine gute Kondition. Er rennt nämlich 8,5 Kilometer!

Das Wichtigste in Kürze

- Bruno Bielesch (52) ist Materialwart bei YB.
- Während der YB-Spiele desinfiziert er in der Corona-Zeit die Bälle.
- Und Bielesch läuft, läuft und läuft. Mehr als Messi und Mbappé!

In der Corona-Pandemie erfinden sich viele Menschen neu. Auch bei YB gibt es mit Bruno Bielesch ein solches Beispiel.

Bei den Bernern ist der YB-Materialwart zusätzlich zum begnadeten Läufer avanciert. Während des 2:0-Sieges am Sonntag gegen Servette spult der 52-jährige Seeländer Kilometer um Kilometer ab. Wie bitte?

Seine Story erzählt sich so: Aus Sicherheitsgründen sind zurzeit in der Super League die Ballboys gestrichen. Bei YB müssten die Spieler also über die Werbebanden steigen, um den Ball zu holen. Da kann wertvolle Zeit verloren gehen, vor allem dann, wenn ein Team im Rückstand liegt.

Nur Materialwart Bielesch ist es erlaubt, während der YB-Partie Runden um das Spielfeld zu drehen. Bielesch ist mit Herzblut bei der Sache, desinfiziert die Bälle, stellt sie auf Hütchen bereit.

So müssen die Profis nie auf die Bälle warten, ein toller Service!

Auch im Spiel gegen Servette ist Bielesch im Dauereinsatz, Pausen gibt es für ihn keine. 22 Bälle stehen am Spielfeldrand zur Verfügung, gefordert wären zwölf. So stellt Bielesch sicher, dass nie ein Spieler auf einen Ball warten muss.

Für Nau.ch trägt der Bayern-Fan eine Polar-Pulsuhr am Handgelenk. Und seine Bilanz ist eindrücklich: Bielesch läuft im Servette-Spiel 8,5 Kilometer!

Kleiner Vergleich: Das ist mehr, als die Superstars Lionel Messi (33) oder Kylian Mbappé (22) in den bisherigen Champions-League-Spielen gelaufen sind.

Lionel Messi absolviert in fünf Spielen 38,2 km, was einem Schnitt von 7,6 km pro Spiel entspricht. PSG-Star Mbappé kommt auf 8,3 km/Spiel.

Bruno Bielesch: «Wenn YB am Drücker ist, habe ich es einfacher. Gegen Servette musste ich nicht so viel laufen. Da hat es schon ganz andere Spiele gegeben.»


https://www.nau.ch/sport/fussball/yb-ma ... e-65873694

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2020/2021
 Beitrag Verfasst: Dienstag 23. Februar 2021, 17:53 
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Heute genau vor einem Jahr: Als wollte man das Leicester der Schweiz nicht – Analyse zum 3:3 im Spitzenkampf zwischen dem FCSG und den Young Boys

Es war das Beste, was der Schweizer Fussball zu bieten hatte. Es war ein Spiel der tausend Emotionen, der erhitzten Gemüter hüben wie drüben. Und es zeigte einen FC St.Gallen, der nach dem 3:3 gegen YB mit sich, der Welt und den Schiedsrichtern haderte.

Und dann steht in der Schlussminute Schiedsrichter Alain Bieri plötzlich im Fokus. Mit ihm der Videoschiedsrichter Sandro Schärer, der irgendwo in Volketswil vor dem Bildschirm sitzt und Bieri anweist, den von Lawrence Ati Zigi gehaltenen Handselfmeter der Young Boys wiederholen zu lassen.

Weil der Goalie der Ostschweizer nicht, wie es das Regelwerk vorschreibt, mit einem Fuss die Torlinie berührt. Die Emotionen kochen über im mit 19'024 Zuschauern ausverkauften Kybunpark. Die St.Galler verstehen die Welt nicht mehr, weil viele verschossene Penaltys so wiederholt werden müssten, sie umzingeln Bieri, und noch immer führen sie 3:2. Im zweiten Versuch trifft Guillaume Hoarau nun natürlich – 3:3.

Das Spiel ist aus und Alain Sutter, der sonst so besonnene Zeitgenosse, eilt an die vorderste Front zu Bieri – bemerkenswerterweise ein Berner –, der später sagt:

«Es stinkt mir auch als Schiedsrichter, diesen Elfmeter wiederholen zu lassen, aber so sind nun mal die Regeln.»

Dabei hat dieser im wahrsten Sinne des Wortes aufregende Spitzenkampf dieses Ende nicht verdient und der FC St.Gallen deutliche Vorteile: Er spielt wie ein Meisterkandidat. Aber es sind die nur körperlich überzeugenden Young Boys, die sich auf ihr starkes Sturmduo Jean-Pierre Nsame/Nicolas Moumi Ngamaleu verlassen können, unmittelbar vor der Pause nach seinem Doppelschlag der Partie eine erste Wende geben und den sich eingehandelten Rückstand in eine 2:1-Führung umwandeln.

Weil St.Gallen aber nicht aufsteckt, Ermedin Demirovic seinen Gegenspieler Jordan Lefort in der 73.Minute zu einem Eigentor «zwingt» und Lukas Görtler mit Beginn der Nachspielzeit für den FC St.Gallen das 3:2 per Kopf erzielt, sind die Szenen mit dem Handspenalty – notabene per VAR-Entscheid erst gegeben – überhaupt möglich und so entscheidend.

YB-Mittelfeldspieler Christian Fassnacht sagt später, der VAR sei nun halt da, mit dem Punktgewinn aber ist er nicht zufrieden. «Wir haben hohe Ambitionen, wollen Meister werden.» Und genau das ist der springende Punkt. So mir nichts dir nichts holt die Mannschaft von Trainer Gerardo Seoane in dieser Saison diesen Pokal nicht, weil sich der FC St.Gallen als ebenso aufmüpfiger wie hartnäckiger Gegner erweist. Und dahinter, mit fünf Punkten Rückstand, lauert auch noch der FC Basel.

Früher musste der Stadionsprecher im Espenmoos gefühlt bei jedem Heimspiel der Ostschweizer ausrufen, der Halter mit dem St.Galler Nummernschild so und so müsse dringend umparkieren. Und heute kommt für die Ligakrösusse Basel und Young Boys der FC St.Gallen nun wie ein Falschparker daher. Doch sein junger, schnittiger Wagen lässt sich irgendwie nicht so leicht wegbringen vom besten Platz, dem Sehnsuchtsort der Super League.

Weit in den Hintergrund rückt die aktuelle, spannende Tabellensituation damit auch die Diskussion um eine mögliche Modusänderung in der Super League, die vor allem aus dem Blickwinkel einer langweiligen, weil früh entschiedenen Meisterschaft entstanden ist.

Der St.Galler Stürmer Cedric Itten nennt die Punktverluste «sehr bitter», und die Berner müssen sich fragen, wie ihre Heimfahrt wohl ausgesehen hätte, würden sie jetzt Zweite sein mit drei Zählern Rückstand. Ob Seoane dann auch noch davon sprechen würde, «beste Werbung für den Schweizer Fussball erlebt zu haben»? Doch anstatt dass dieses Wahnsinnsspiel an sich das dominierende Thema ist, fragt sich nun die ganze Schweiz, was der VAR aus dem Fussball macht.

Fürs Erste verunmöglicht er, dass es mehr Nahrung gibt für ein immer realistischer werdendes Leicester der Schweiz, und wenn man die Worte von St.Gallens Trainer Peter Zeidler umdeuten will, dann kann man sogar meinen, als wollte der VAR dieses Leicester der Schweiz, diese Cinderella-Geschichte nicht; 2016 ist der englische Aussenseiter-Club ja Sensationsmeister der Premier League geworden. Zeidler jedenfalls sagt:

«Ich kommentiere Schiedsrichterleistungen nicht. Ich frage mich aber, weshalb Herr Bieri die Szene beim wiederholten Penalty nicht nochmals anschaut. Man sollte sich im Leben nicht immer auf Herrn Schärer verlassen.»

Fakt ist, dass St.Gallen den Bernern nach dem 2:3 und 3:4 in der Hinrunde nähergekommen und damit auf die nächste Stufe gelangt ist. Spätestens nach diesem 3:3 muss der Leader der Super League als ernstzunehmender Meisterkandidat gelten, der mit seiner Power und Juvenilität, mit seiner Euphorie im und rund um den Verein, mit seinem Zusammenhalt und Selbstvertrauen beeindruckt.

Favorit Nummer eins auf den Titel bleiben wohl aber weiter die verletzungsgeplagten, vom afrikanischen Element geprägten Young Boys. Nur schon wegen ihrer wirtschaftlichen Dominanz wären sie ein Meister der Logik, St.Gallen aber ist jetzt schon ein Meister des Herzens.

Die Abrechnung erfolgt am 21. Mai in Bern, wenn die Young Boys den FC St.Gallen im letzten Saisonspiel empfangen. Dabei wollten ihre Stadtpolitiker eine Finalissima im eigenen Stadion tunlichst vermeiden. Sie hatten da aber den FC Basel im Kopf.


https://www.tagblatt.ch/sport/fcstgalle ... ld.2105180

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 Beitrag Verfasst: Dienstag 23. Februar 2021, 17:55 
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Vor genau einem Jahr wurde der Kybunpark zum Hexenkessel: Es war, als der FC St.Gallen die Meisterprüfung bestand, ein Beigeschmack aber blieb

Das St.Galler Fussballfest beim 3:3 gegen die Young Boys wurde vom Entscheid des Videoschiedsrichters zwar getrübt. Dennoch konkretisierten sich damals die Meisterambitionen des FC St.Gallen.

2:3, 3:4 und nun also ein 3:3. Die Spiele des FC St.Gallen gegen die Young Boys sind in dieser Saison nicht nur das Torreichste, sondern auch das Aufwühlendste, was der Schweizer Fussball zu bieten hat. Dies hat damit zu tun, dass die jungen St.Galler konstant offensiv und attraktiv spielen, aber auch damit, dass die Young Boys hervorragende Stürmer stellen – gleichzeitig aber eine nicht immer solide Abwehr. Am Sonntag im Spitzenkampf im St.Galler Tollhaus kam ein weiterer emotionaler Faktor dazu: der Videoschiedsrichter.

Er griff ein, als das hochstehende Spiel mit Goalie Lawrence Ati Zigi eigentlich seinen grossen Helden gefunden hatte. Nach dem späten 3:2 durch Lukas Görtler, das den Kybunpark aus den Angeln hob, trat Guillaume Hoarau in der 94. Minute für die Young Boys zu einem Handspenalty an – und scheiterte an Zigi, der sich in die rechte Ecke warf. Das St.Galler Publikum lag sich in den Armen, als der Bescheid aus dem Videoschiedsrichterraum in Volketswil kam: Zigi hatte bei Abgabe des Penaltys beide Füsse vor der Torlinie. Der Penalty musste wiederholt werden. Diesmal traf Hoarau zum Ausgleich.

Schwer verständlicher, aber nicht falscher Entscheid

Das Bittere: Auch der Penalty selbst, nach einem umstrittenen Handspiel von Miro Muheim, war erst nach Videoentscheid fällig geworden. So gingen am Ende die Emotionen hoch: Co-Trainer Ioannis Amanatidis erhielt nach Spielschluss eine rote Karte wegen Reklamierens und Sportchef Alain Sutter suchte aufgebracht das Gespräch mit dem Schiedsrichtergespann. Tatsächlich war es ein schwer verständlicher Entscheid. Aber streng genommen kein falscher. Im Stadion war man sich allerdings einig: Ähnliche Situationen gibt es bei Penaltys immer wieder, geahndet werden sie kaum einmal.

Interpretationsspielraum habe es für ihn nach der VAR-Intervention nicht gegeben, sagte Schiedsrichter Alain Bieri, auch wenn er bedauerte, dass am Ende vor allem jene Szene zum Schluss der hochstehenden Partie diskutiert wurde. Auch Zeidler versuchte an der Pressekonferenz, das Spiel an sich in den Fokus zu rücken – was ihm aber nicht so richtig gelingen wollte.

Zeidlersches Startfurioso mit zu kleinem Ertrag

Dabei gab es genügend andere Geschichten an diesem Nachmittag im ausverkauften Stadion, die es zu erzählen lohnt. Da war die grandiose Kulisse, die Choreos der St.Galler und Berner Fans. Die Geste der St.Galler, die beim Einlaufen Shirts mit der Nummer 34 ihres verletzten Kollegen Boris Babic trugen. Dann aber vor allem das Zeidlersche Startfurioso, das die Berner in Nöte brachte, in der vierten Minute zu einem Pfostenschuss Cedric Ittens und in der zehnten Minute zum St.Galler Führungstor durch Betim Fazliji führte.

Da war aber auch jene Phase nach einer halben Stunde, in der das St.Galler Spiel nicht mehr wie gewünscht ineinandergriff. Vielleicht hatte es mit Yannis Letards Ausfall zu tun. Er zog sich nach gut 30 Minuten in einem Zweikampf eine Gehirnerschütterung zu und hatte auch nach dem Spiel noch Erinnerungslücken, wie Zeidler sagte. Die Berner konnten sich in der Folge immer besser aus der St.Galler Umklammerung lösen, die Klasse der Stürmer Jean-Pierre Nsame und Moumi Ngamaleu kam zum Tragen. Beide trafen noch kurz vor der Pause zum 2:1 für die Berner.

St.Gallens Beharrlichkeit zahlt sich aus

Als die St.Galler nach der Pause nicht auf Anhieb den Tritt fanden, schien das Spiel immer mehr auf die Seite der Young Boys zu kippen. Mit stilsicheren Vorstössen wurden sie einige Male gefährlich, dem Publikum schwante Böses. Doch dann kam die aus St.Galler Sicht bemerkenswerteste Phase. Beharrlich kämpften sie sich zurück – wie sie es in dieser Saison schon oft getan haben. Angetrieben von Silvan Hefti und Görtler auf der rechten Seite kam es zur erneuten Wende, auch weil die Berner sich plötzlich weit zurückzogen und passiv wirkten. Görtler war, mit der entscheidenden Hereingabe vor dem 2:2 und dem umjubelten 3:2 in der 91. Minute, der wichtigste Faktor im St.Galler Spiel.

Vorwerfen müssen sich die Ostschweizer, dass sie wie bereits beim 3:4 in Bern in der überlegenen Startviertelstunde nicht höher in Führung gegangen waren. Und dass sie vor der Pause nicht kompakt verteidigten. Doch St.Gallen bleibt an der Spitze der Tabelle. Was Zeidler noch mehr freut:

«Wir wollten zeigen, dass wir den Bernern nicht nur nähergekommen, sondern resultatmässig ebenbürtig sind. Das ist uns gelungen.»

Trotz der verlorenen zwei Punkte: St.Gallens Meisterambitionen haben sich am Sonntag weiter konkretisiert. Weil das Team den spielerischen Vorteilen der Berner etwas entgegenzusetzen hat und auf einen Dämpfer vor der Pause reagieren konnte. Nach dem Fussballfest gibt es keinen Grund, weshalb das St.Galler Stadion nicht auch in zwei Wochen wieder voll sein sollte. Dann gastiert Zürich im Kybunpark. Zunächst aber steht die Reise nach Sitten an.


https://www.tagblatt.ch/sport/fcstgalle ... ld.2105185

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 Beitrag Verfasst: Dienstag 23. Februar 2021, 22:10 
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Die Werdegänge der YB-Talente

Was machen eigentlich Alioski, Frey und Co?

Einige konnten sich bei den Young Boys nicht durchsetzen, andere wollten sich im Ausland profilieren: Das wurde aus ein paar namhaften Junioren.

Ezgjan Alioski

Die Geschichte von Ezgjan Alioski erinnert an den Tellerwäscher, der zum Millionär aufstieg. 2013 stand der in Flamatt aufgewachsene Mazedonier am Scheideweg. Der Sprung vom YB-Nachwuchs in die erste Equipe gelang nicht, stattdessen wurde ihm mitgeteilt, sein Talent reiche höchstens für die 1. Liga. Er wechselte zum FC Schaffhausen, der damals in der Promotion League spielte. Mit dem FCS schaffte er als Aussenverteidiger den Aufstieg in die Challenge League. Nach zwei Jahren in Schaffhausen folgte Alioski dem Lockruf des FC Lugano. Im Tessin nahm die Karriere Fahrt auf.

Coach Zdenek Zeman funktionierte ihn zum Aussenstürmer um – mit Erfolg. Er sammelte in der Super League in 54 Partien 36 Skorerpunkte, weckte Begehrlichkeiten. 2017 schlug Leeds United zu und holte den flinken Flamatter in die zweithöchste englische Liga. In der physisch anspruchsvollen Meisterschaft stand Alioski unter der argentinischen Trainerlegende Marcelo Bielsa seinen Mann und avancierte zum Publikumsliebling bei den «Peacocks». Im Sommer 2020 stieg er in die Premier League auf. In dieser Saison stand der mittlerweile 29-jährige Alioski in der schillerndsten Liga der Welt in 22 von 24 Spielen auf dem Platz.

Michael Frey

Er hat in seiner Karriere nichts unversucht gelassen. Gerade mal 20 Jahre alt war Michael Frey geworden, als er im Sommer 2014 kurz vor Ende des Transferfensters zu Lille ging. Ein Wechsel, den ihm die YB-Fans nie verziehen haben. Zwei Jahre später und nach einer kurzen Leihe zum FC Luzern kehrte Frey nach Bern zurück. Unter Trainer Adi Hütter gab es keinen Platz für den 26-jährigen Münsinger. Er ging zum FC Zürich, mit dem er den Cupfinal gegen YB gewann. Zu diesem Zeitpunkt ist der ehemalige Publikumsliebling in Bern längst zur Reizfigur geworden.

Seit 2018 unternimmt der Stürmer den zweiten Versuch im Ausland. Frey gehört dem türkischen Grossclub Fenerbahçe Istanbul an, für den er aber nur 23 Spiele absolviert hat. Er wurde zuerst nach Nürnberg in die 2. Bundesliga ausgeliehen, nun spielt er auf Leihbasis bei Waasland Beveren. Für den Tabellenletzten der belgischen Erstliga hat er in 21 Spielen 7 Tore erzielt.

Leonardo Bertone

Michael Frey ist nicht der einzige Berner bei Waasland Beveren. Nach dem Abstieg mit dem FC Thun machte Leonardo Bertone von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch und wechselte ebenfalls nach Belgien. Dort hat sich der 26-Jährige auf der Position im zentralen Mittelfeld behaupten können – und damit etwas erreicht, was ihm bei YB am Ende verwehrt blieb.

Bertone, aufgewachsen in Wohlen bei Bern, kam als 10-Jähriger zu den Young Boys, kämpfte sich im Club Schritt für Schritt hoch, war zwischenzeitlich sogar Captain, wurde Meister, spielte in der Champions League. Aber als er in der Saison 2018/2019 kaum eingesetzt wurde, in der Hierarchie der Zentrumsspieler abrutschte, war die Zeit für einen Wechsel gekommen – nach 14 Jahren bei YB. Er wagte das Abenteuer USA, spielte bei Cincinnati, wo es drunter und drüber ging; Trainer und Sportchef mussten bald nach Bertones Ankunft gehen. So nahm auch seine Reise in Amerika ein Ende: Er kam im Januar 2020 zurück in die Schweiz. Dem FC Thun sollte er als Leader im Mittelfeld zum Ligaerhalt verhelfen, was bekanntlich nicht gelang.

Yvon Mvogo

Der steile Aufstieg des Yvon Mvogo kam nach seinem Abgang bei YB ins Stocken. Der Goalie wechselte 2010 als 16-Jähriger zu den Young Boys, etablierte sich in U-18 und U-21 und gab im Dezember 2013 seine Premiere in der ersten Mannschaft, nachdem sich Marco Wölfli verletzt hatte. Mvogo spielte, als wäre er schon lange dabei gewesen. So konnte er sich selbst dann als Nummer 1 behaupten, als Wölfli genesen war. 2017 und nach 154 Partien für YB entschied sich Mvogo zum Schritt ins Ausland, RB Leipzig lockte ihn in die Bundesliga.

Dort hat er die meiste Zeit auf der Bank verbracht, kam nie an Stammtorhüter Peter Gulacsi vorbei und absolvierte nur 19 Pflichtspiele. Trotzdem hat er im Sommer seinen Vertrag bis 2023 verlängert, gleichzeitig wurde er für zwei Jahre nach Eindhoven verliehen, wo er unter anderem mit Weltmeister Mario Götze spielt. Bei PSV, dem ersten Verfolger von Leader Ajax, ist Mvogo die unbestrittene Nummer 1. Hier will der 26-Jährige seinem Aufstieg neuen Schwung verleihen.

Florent Hadergjonaj

Die Flanken von Florent Hadergjonaj im YB-Dress waren legendär. Punktgenau zirkelte der Langnauer die Bälle mit Vorliebe auf den Kopf von Guillaume Hoarau. Die Spielstärke Hadergjonajs blieb auch Talentspähern aus den Topligen nicht verborgen. 2016 erhielt er in der Bundesliga beim FC Ingolstadt die Chance. Schnell avancierte er zum Stammspieler, überzeugte mit guten Leistungen. Den Abstieg konnte er aber auch nicht verhindern.

2017 zog er weiter in die Premier League zu Aufsteiger Huddersfield. Erneut setzte sich der Nationalspieler des Kosovo im rechten Couloir durch und half mit, den Klassenerhalt zu schaffen. Ein Jahr später stieg Huddersfield ab. Und mit der Relegation veränderte sich auch das Standing des Langnauers, der 2020 in die Türkei wechselte. Bei Kasimpasa Istanbul hat der 26-Jährige seinen Platz als rechter Aussenverteidiger wieder auf sicher und macht das, was er am besten kann: Flanken schlagen.

Haris Tabakovic

Im YB-Nachwuchs war auf den Torinstinkt von Haris Tabakovic Verlass. Tor um Tor erzielte der schlaksige Stürmer in der 1. Liga und drängte sich für Einsätze in der ersten Equipe auf. Doch die Konkurrenz im Sturm von YB war für den ehemaligen U-21-Nationalspieler zu gross. 2016 heuerte Tabakovic bei GC an. Trotz vier Toren wurde er bei den Zürchern nicht glücklich und sah sich nach Alternativen um.

Ein Jahr später wagte er ein Experiment und zog in eine exotische Liga. Bei Debrecen in Ungarn fand der Grenchner zu seiner Gefährlichkeit zurück und traf oft ins Schwarze. Seit dieser Saison steht der 26-Jährige bei Austria Lustenau unter Vertrag. In der zweithöchsten österreichischen Liga ist Tabakovic im Begriff, sich nochmals für höhere Aufgaben aufzudrängen. In 12 Partien gelangen ihm 9 Tore.

Grégory Wüthrich

Er war oft nahe dran, Stammspieler bei den Young Boys zu werden. Richtig durchsetzen konnte sich Grégory Wüthrich allerdings nicht. Der 26-Jährige, im Steigerhubel aufgewachsen, hat während einer Saison nie mehr als 12 Partien in der Super League bestritten. Im Sommer 2020 wäre sein Vertrag bei den Young Boys ausgelaufen, bereits im September 2019 wurde dieser im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst.

Der Innenverteidiger wechselte zu Perth Glory in die australische A-League, wo er nur knapp ein Jahr war, ehe es ihn zurück nach Europa zog. Seit August spielt er bei Sturm Graz, dem viertplatzierten in der österreichischen Bundesliga. Dort ist er nun das, was er bei YB immer werden wollte: Stammspieler.

Marco Bürki

Verteidiger Marco Bürki bestritt für YB mehr als 30 Spiele. Er stand auch in der Saison 2017/18 im Kader und wurde Schweizer Meister. Einen Stammplatz ergattern konnte sich der Bruder von Dortmund-Goalie Roman in der Abwehr von YB aber nie, die meisten Partien in der Super League absolvierte er als Leihspieler beim FC Thun.

2018 wechselte Bürki überraschend zu Zulte Waregem. Bei den Belgiern unterschrieb der Münsinger einen Vertrag über drei Jahre. Nach 43 Einsätzen in der Jupiler League kehrte Bürki im Februar 2020 in die Schweiz zum FC Luzern zurück. Bei den Innerschweizern kam der 27-Jährige zuletzt nicht oft um Zug. In dieser Saison stand er lediglich 254 Minuten auf dem Platz.

Linus Obexer

Gerne verleihen die Topclubs wie YB ihre Talente, um ihnen auf kleinerer Bühne Spielpraxis zu gewähren. Aussenverteidiger Linus Obexer ist so ein typisches Beispiel. Er spielte von 2016 bis 2020 leihweise bei Xamax, Aarau, Lugano sowie Vaduz und gewöhnte sich Schritt für Schritt an die Gangart im Profifussball.

Anfang Jahr wurde der 23-jährige Linksfuss vom FC Vaduz mit einem fixen Vertrag ausgestattet. Für die Liechtensteiner stand der ehemalige Schweizer Juniorennationalspieler in dieser Spielzeit in 13 Partien auf dem Platz.

Thierry Doubai

Als der 19-jährige Ivorer Thierry Doubai 2007 zu YB wechselte, sollte er im Nachwuchs aufgebaut werden. Doch Doubai war schlicht zu gut für die U-21. Schnell ergatterte sich der technisch brillante Mittelfeldspieler einen Platz im Profiteam und verzückte die Fans mit seiner Leichtigkeit. Die Experten überschlugen sich mit Lobeshymnen, und Arsenal London wollte das Juwel auf die britische Insel locken.

Doch der 27. April 2008 veränderte alles. Doubai riss sich das Kreuzband. Er kämpfte sich zurück, stand sieben Monate später vor dem Comeback und riss sich das Kreuzband ein zweites Mal. Erst im September 2009 gab er sein Comeback. 2011 wechselte er zu Udinese, kam aber nicht mehr wie gewünscht auf Touren. Via Sochaux, Luzern und Bne Jehuda Tel Aviv landete Doubai 2017 in seiner Heimat bei AFAD Djékanou. Es war die letzte Profistation des heute 32-jährigen Ivorers.

Yannick Touré

Sein Name dürfte nicht allen geläufig sein. Yannick Touré galt als grosser Hoffnungsträger im YB-Nachwuchs. Zwischen 2011 und 2018 durchlief der Stürmer mehrere Juniorenstufen der Young Boys und erzielte Tore am Laufmeter. Ihm traute man viel zu. So haben die Berner 2018 dem damals 17-jährigen Touré einen Platz in der ersten Mannschaft angeboten. Der Stürmer entschied sich aber gegen YB und für das Ausland. Newcastle United sicherte sich die Dienste des Talents. Beim englischen Club, für den auch Kevin Mbabu in jungen Jahren tätig war und nun Fabian Schär spielt, wird Touré im U-23-Team eingesetzt und trifft regelmässig.


https://www.bernerzeitung.ch/was-machen ... 1408052694

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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 24. Februar 2021, 16:12 
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