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BZ, 22.11.2004
YB: Partyschreck und jetzt Cupfavorit
YB steht im Cup-Viertelfinal. Vor 16 100 Zuschauern siegten die Berner in Sion nach einer abgeklärten Vorstellung 2:1.
Francisco Neri trifft zum 1:0 gegen den FC Sion / Keystone »YB-Dossier
Es ist die Horrorvision jedes Partyveranstalters. Alles ist vorbereitet, das Ambiente festlich, das Programm feierlich, der Anlass legendär. Und dann erscheint ein Gast und mimt die Rolle des Partyschrecks, der Spassbremse. Der Abend ist gelaufen, Begeisterung und Fröhlichkeit der Ernüchterung gewichen. So ein Pech aber auch.
Am Samstagnachmittag sollte im Wallis wieder einmal Cupgeschichte geschrieben werden. Eine lokale Zeitung verglich Sion-Spielmacher Manuel Bühler mit dem unvergessenen Diego Armando Maradona …, vor dem Stadion wehte ein feiner Hauch von Käse durch die kalte Luft, der Fendant floss zum feinen Raclette – die Ambiance wurde von Minute zu Minute freudiger, erregter. 16 100 Zuschauer pilgerten ins Tourbillon. Die Party konnte beginnen.
Das Tor kurz vor der Pause
Unglücklicherweise kalkulierten die Gastgeber nicht, dass die Gäste aus Bern keineswegs die Absicht hatten, die Euphorie noch zu steigern. Abgeklärt und mit einer gehörigen Portion Coolness agierten die Young Boys im Kühlschrank Tourbillon. Anfänglich liessen sie die «vifen, schnellen, agilen, quirligen» (YB-Trainer Hans-Peter Zaugg) Einheimischen austoben, und als der Wirbel nachliess, da schlugen sie eiskalt zu. Drei Minute vor der Pause stand Torjäger Francisco Neri nach einem abgewehrten Schuss Thomas Häberlis dort, wo ein Torjäger zu stehen hat. Neri schob locker zum 0:1 ein. «Wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore geschossen», sagte Zaugg, der den Spielverlauf als «ideal» für sein Team bezeichnete.
«YB ist nicht Servette»
Sion konnte einem – je länger die Partie dauerte – immer mehr leidtun. Die vielen kleinen Akteure versuchten alles. Sie dribbelten, kombinierten, wirbelten, sie kämpften, grätschten, arbeiteten, doch der Funken zum Publikum vermochte nur vereinzelt zu zünden. Etwa als der 21-jährige «Mini-Maradona» Bühler unmittelbar nach dem 0:1 den Innenpfosten traf. Der Rahmen des Spiels blieb zwar prächtig, doch man spürte mit zunehmender Spieldauer die Resignation der Walliser Supporter. «YB ist nicht Servette», sagte Sions kauziger Coach Gilbert Gress nach dem Spiel. Die zusammengewürfelte Multikultitruppe aus Genf scheiterte in der letzten Runde in Sion mit 2:4. «Das war ein anderes Spiel», erklärte Sions Mittelfeldspieler Alain Gaspoz, «denn YB wirkte heute souverän und sattelfest.»
Sion wie Don Quichotte
Es spricht für den Underdog, dass Wille und Leidenschaft nie erlahmten. Wie Don Quichotte einst gegen die Windmühlen kämpfte der Challenge-League-Verein gegen die physisch überlegenen Berner. «Wir haben gewusst, dass wir körperlich stärker sind», sagte Zaugg, «aber in der Offensive haben wir dies nur einmal ausgenutzt.» Thomas Häberlis Kopftor in der 70. Minute nach einem Eckball drehte den Strom der Walliser scheinbar endgültig ab. Erneut traf der Favorit aus der Hauptstadt zum perfekten Augenblick – YB erfüllte seine Rolle als ungebetener Gast eindrücklich.
Fünf Minuten vor Schluss allerdings erhellten sich die Mienen der Partyveranstalter, Präsident Christian Constantin und Trainer Gilbert Gress, wieder. Gaspoz erzielte mit einem spektakulären Volleyschuss das 1:2 und leitete eine wilde, aber erfolglose Schlussoffensive Sions ein. «Wir haben es verpasst, das dritte Tor bei einem der zahlreichen Konter zu erzielen und damit für Ruhe zu sorgen», sagte Zaugg hernach. Trotzdem war dem Trainer die Freude über das Weiterkommen anzusehen.
Das Feld im Cup ist vor den Viertelfinals ausgedünnt. YB darf nach dem Ausscheiden Basels getrost als Favorit bezeichnet werden. Gilbert Gress jedenfalls wünschte Zaugg bereits «viel Glück im Final in Basel.» Der Weg zum Titel sei für YB frei, witzelte Gress, «wir sind ja ausgeschieden.»
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Sion – Young Boys 1:2 (0:1)
Tourbillon. – 16 100 Zuschauer. – SR Meier. – Tore: 41. Neri (Vorarbeit Häberli) 0:1. 70. Häberli (Melunovic) 0:2. 85. Gaspoz 1:2.
Sion: Borer; Sarni, João Pinto, Skaljic (76. Kante); Gaspoz, Di Zenzo, Delgado; Ahoueya (67. Langlet), Bühler, Regazzoni; Thurre.
Young Boys: Bettoni; Geiser, Knez, Disler, Rochat; Magnin, Aziawonou, Häberli, Melunovic; Neri, Chapuisat (84. De Napoli).
Bemerkungen: Sion ohne Leandro (rekonvaleszent) und Meoli (krank). Young Boys ohne Carreño (gesperrt) sowie Eugster, Coubadja, Berisha, Wölfli, Maksimovic und Urdaneta (alle verletzt). – 44. Schuss von Bühler an den Pfosten. 82. Tor von Thurre wegen Abseits aberkannt. – Verwarnungen: 23. Regazzoni (Foul). 40. Delgado (Foul). 80. Magnin (Reklamieren).
_________________ For Ever
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