Berner Zeitung, 19.09.05:
Die Nervosität wich der Erlösung
YB brauchte in Orpund einen langen Atem. Erst die Einwechslung von Gürkan Sermeter nach 45 Minuten brachte gegen die grandios kämpfenden Gastgeber die Entscheidung. Mit 8:0 fiel der YB-Sieg dann zu hoch aus.
«Wie lange noch?», fragte YB-Verteidiger Tiago zehn Minuten vor Schluss in Richtung Spielerbank. 4:0 stand es zu diesem Zeitpunkt für die Young Boys, und der Brasilianer wollte angesichts der kühlen Witterung und des deutlichen Resultats wohl nichts lieber als endlich unter die Dusche.
Hätte die Begegnung da allerdings schon geendet, die 3150 Zuschauer wären um vier weitere Tore des Super-League-Vereins gebracht worden. Erst in den letzten zehn Minuten sorgten die Stadtberner für das deutliche Schlussresultat von 8:0. «Dieses Ergebnis ist letztlich etwas gar brutal», sagte Orpunds Trainer Thomas Allemann. Bis auf die letzten Minuten sei die Partie für sein Team allerdings ein Fest gewesen.
Scheurer hielt grossartig
«Wie lange noch?», hatte Tiago bereits unmittelbar vor der Pause gefragt. 0:0 stand es zu diesem Zeitpunkt, und der Abwehrspieler wurde wie die gesamte YB-Entourage langsam nervös, angesichts des ausbleibenden Torerfolgs. Die Oberklassigen waren zwar überlegen, doch im Abschluss scheiterten die YB-Spieler mit ihren Schüssen entweder am grossartig parierenden Orpunder Torhüter Peter Scheurer oder an der eigenen Unpräzision.
Thomas Allemann hatte seine Amateurfussballer vom Land aber auch nahezu perfekt auf die Profis aus der Stadt eingestellt. Die Seeländer gewährten dem Gegner im Mittelfeld eine Halbzeit lang wenig Platz und zwangen YB so das Spiel über die Flügel zu forcieren. Dort allerdings konnten jedoch weder Urdaneta noch Raimondi viel bewirken. Orpund seinerseits kam im ersten Umgang zu exakt einer reellen Torchance. Der Schuss der einzigen Orpunder Sturmspitze Michel Dysli in der 41. Minute war zwar präzis, doch zu wenig hart getreten, um Marco Wölfli im YB-Tor beunruhigen zu können.
Dann kam Sermeter
Der verletzungsbedingten Absenz von Hakan Yakin und der Sperre von Carlos Varela zum Trotz sass YB-Routinier Gürkan Sermeter während 45 Minuten auf der Bank. Die Antwort auf die Nichtberücksichtigung gab der Musterprofi mit dem erlösenden Treffer zum 1:0. Sermeter spielte fortan mit seinen Gegenspielern Katz und Maus, konnte von den zunehmend ermattenden Orpundern jedoch nie gefangen werden und war schliesslich an sechs der acht YB-Treffer beteiligt. Sermeter sorgte damit für klare Verhältnisse und dafür, dass bei YB die Partie umgehend abgehakt werden konnte. Länger dürfte dieser Höhepunkt der Vereinsgeschichte in Orpund haften bleiben.
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Der Bund, 19.09.05:
Party an der Aarefield Road
Zweitligist Orpund verliert im Swisscom-Cup gegen die Young Boys 0:8 (0:0)
Die Young Boys haben im ersten Auftritt im Schweizer Cup 2005/06 gegen Orpund mehr Mühe bekundet als erwartet. Erst die Einwechslung Gürkan Sermeters nach der Pause verlieh den Stadtbernern Flügel. Acht Tore waren die Folge.
Der FC Orpund hatte sich am Samstag zum Fest gerüstet. Die Kapazität des eigens für das Cupspiel gegen YB in «Aarefield Road» umbenannten Fussballplatzes war durch eine Stahlrohrtribüne vervielfacht worden. Im Festzelt wurde fürs leibliche Wohl gesorgt und während des Einspielens blies die lokale Musikgesellschaft den beiden Teams sowie den 3150 Zuschauern den «Berner Marsch». «Es ist unglaublich, was die Helfer alles geleistet haben. Ihnen gebührt eine riesiges Dankeschön», sagte Orpund-Captain Michel Dysli. Dieses lieferten die Gastgeber vor allem vor der Halbzeit in Form einer formidablen Leistung. Am Schluss sprach das Resultat trotzdem eine deutliche Sprache.
Doch den Gesichtern der Orpunder waren die acht Gegentore nicht anzumerken. Sie strahlten und zeugten eher vom Stolz, dem prominenten Gegner in der ersten Halbzeit «Paroli geboten und unseren Teil zu einer lange Zeit spannenden Partie beigetragen zu haben», wie Trainer Thomas Allemann sagte. Dazu kam die Freude, «einmal einen Tag im Leben eines Profis geführt zu haben», wie Dysli anfügte. «Wir besammelten uns schon am Morgen, dann gab es Teambesprechung, ein leichtes Training, gemeinsames Mittagessen, dann Ruhe, Kaffee und Kuchen und zum Schluss die Partie.» Nur das i-Tüpfelchen in Form eines Treffers verpassten die Orpunder. Die besten Chancen vergaben Dysli, der in der 71. Minute übers Tor schoss, und Reto Maurer, dessen Weitschuss Marco Wölfli in der 88. Minute sicher parierte.
Der YB-Goalie hatte bedeutend weniger zu tun als sein Gegenüber Peter Scheurer. Der 35-Jährige zeigte in der ersten Halbzeit eine beeindruckende Leistung und machte mit seinen sicheren Interventionen mehrere YB-Chancen zunichte. Er profitierte aber auch davon, dass die Stadtberner vor dem gegnerischen Tor alles andere als zwingend auftraten.
Das änderte sich nach der Pause, als der eingewechselte Gürkan Sermeter frischen Wind in den Angriff brachte und in der 52. Minute mit dem 1:0 den Bann brach. Danach fiel den Young Boys das Toreschiessen leicht. Und als sie in den letzten zehn Minuten aus dem 0:4 ein 0:8 machten, konnten einem die tapfer kämpfenden Orpunder fast ein wenig leid tun. «Diese letzten zehn Minuten wären nicht nötig gewesen», meinte Allemann. «Abgesehen davon war der ganze Tag für uns aber ein einziges Fest.»
Sermeter gut und frustriert
Allerdings stand im Seeland nicht ganz allen der Sinn nach einem fröhlichen Fest. So wurden einige YB-Fans nach der Partie beim Besteigen des Cars von 15 bis 20 Personen angegriffen, die genauso schnell wieder im Wald verschwanden, wie sie aufgetaucht waren. Gegenüber der Polizei sagten Involvierte, es habe sich um «Fans» aus dem Basler Umfeld gehandelt.
Keinen allzu glücklichen Eindruck machte nach dem Spiel auch Sermeter. Dabei hätte er aufgrund seiner Leistung allen Grund dazu gehabt – er erzielte drei Tore, bereitete drei weitere vor und sorgte zusammen mit Magnin für das Highlight des Spiels: Erst hob Sermeter den Ball bei einem Freistoss gefühlvoll über die Mauer, dann traf Magnin mit einem Fallrückzieher nur die Latte. Doch Sermeter konnte seinen Frust nicht verstecken, dass er auch in Orpund nicht in der Startformation gestanden hatte. Nach seiner Einwechslung zeigte der 31-Jährige jedoch, wie wertvoll er für die YB-Offensive sein kann, und lieferte Hans-Peter Zaugg nicht den geringsten Grund, am Donnerstag in Basel nicht von der ersten Minute an auf ihn zu bauen.
Orpund - Young Boys 0:8 (0:0)
«Aarefield Road». – 3150 Zuschauer (Stadionrekord). – SR Studer. – Tore: 52. Sermeter 0:1. 66. Häberli 0:2. 68. Häberli 0:3. 73. Magnin 0:4. 82. Sermeter 0:5. 89. Joao Paulo 0:6. 92. Sermeter 0:7. 93. Joao Paulo 0:8. – Verwarnungen: 20. Däppen, 61. Häberli, 76. Loigerot (alle Foul). – Bemerkungen: Orpund ohne Bürki, Heuri, Oliveira und Schär (alle verletzt); YB ohne Yakin (verletzt), Varela (gesperrt).
Orpund: Scheurer; Granitto, Meister, Schmid, Loigerot; Däppen (78. Joel Scheidegger), Arni, Maurer, Manuel Scheidegger (87. Krebs); Hänzi (63. Jauch); Dysli.
Young Boys: Wölfli; Eugster, Tiago, Portillo, Hodel; Schwegler; Häberli (68. Magnin), Urdaneta; Neri (46. Sermeter), Joao Paulo, Raimondi (73. Schneuwly).