Registriert: Montag 24. Mai 2004, 18:21 Beiträge: 3440 Wohnort: In der Brauerei
Miralem Sulejmani vor dem Spiel gegen Ajax
Fünf Jahre hat Miralem Sulejmani für Ajax Amsterdam gespielt. Nun trifft er am Donnerstag mit dem BSC Young Boys im Achtelfinal der Europa League auf den holländischen Meister.
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
10.03.2021
Zitat:
Ein Herz für Amsterdam
Das sagt YB-Sulejmani vor dem Kracher gegen Ajax
Sowohl in Amsterdam wie auch in Bern ist YB-Star Miralem Sulejmani Meister und Vater geworden. In beiden Städten gewann er gleich viele Titel. Nun kehrt er zurück. Und ist emotional bewegt.
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
10.03.2021
Zitat:
Achtelfinal in Europa League
Mutig, aggressiv, solidarisch: der YB-Matchplan gegen Ajax
YB wird im EL-Achtelfinal-Hinspiel bei Ajax Aussenseiter sein. Doch in dieser Rolle fühlen sich die Berner wohl.
Die Hauptstärke Ajax Amsterdams hat YB-Trainer Gerardo Seoane vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Europa League schnell eruiert: «Sie pflegen das totale Offensivspiel. Alle greifen an. Dieses Konzept verfolgen sie seit Jahren – und sie rekrutieren ihre Spieler auch dementsprechend.»
Wenn wir den Ball haben, müssen wir mutig nach vorne spielen. Autor:Gerardo Seoane
Das schlägt sich auch in der Tabelle nieder. Ajax führt die niederländische Eredivisie souverän an und verbucht im Schnitt 3,16 Tore pro Spiel. Wie also lautet in der Johan-Cruyff-Arena Seoanes Strategie zum Erfolg?
«Wichtiger als das System ist für mich die Einstellung. Wir müssen kompakt, aggressiv und solidarisch auftreten. Zugleich dürfen wir unsere eigenen Qualitäten nicht vergessen: Wenn wir den Ball haben, müssen wir mutig nach vorne spielen, selbst etwas kreieren.»
Stammgoalie David von Ballmoos wird die Partie aufgrund einer Hirnerschütterung verpassen. «Er ist eine wichtige Stütze und ein wichtiger Baustein des YB-Erfolgs in den letzten Jahren. Es tut sicher weh», so Fabian Lustenberger, der sogleich anfügt: «Aber es können nun andere in die Bresche springen. Sie werden ihre Chance nutzen», ist er überzeugt.
Wir haben keine Angst vor der Ajax-Offensivmaschinerie. Autor:Fabian Lustenberger. YB-Captain
Auch der 32-jährige Abwehrspieler spricht den Niederländern die Favoritenrolle zu, doch das soll keineswegs ein Nachteil sein: «Gegen Leverkusen haben uns auch nur wenige eine solche Leistung zugetraut und wir haben es geschafft.»
Überhaupt könne man viel vom Coup gegen den Bundesligisten mitnehmen. «Im Rückspiel haben wir sensationell verteidigt. Wir haben deshalb keine Angst vor der Ajax-Offensivmaschinerie.»
Sulejmani gegen den Ex-Klub
Besonders ist die Begegnung mit dem Champions-League-Halbfinalisten von 2019 für die Berner ohnehin. Für Miralem Sulejmani schwingt bei der Affiche jedoch auch reichlich Nostalgie mit: Der Mittelfeldakteur spielte von 2008 bis 2013 bei Ajax, stemmte dort 3 Mal die Liga-Trophäe und einmal den Cup-Pokal in die Höhe. «Ich habe dort 5 wunderschöne Jahre verbracht. Ich freue mich, zurückzukehren.»
Live-Hinweis
Verfolgen Sie das Hinspiel des Europa-League-Achtelfinals zwischen Ajax Amsterdam und den Young Boys am Donnerstag ab 18:45 Uhr live auf SRF zwei und in der Sport App.
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
10.03.2021
Zitat:
Der YB-Goalie vor Ajax
Absturz und Aufschwung: Faivre steht vor seinem grössten Spiel
Im Sommer stieg der 34-Jährige als Torhüter des FC Thun ab. Jetzt bestreitet er mit YB gegen Ajax Amsterdam die grösste Partie seiner Karriere.
«Wahnsinn», entfährt es Dennis Hediger, «da steigst du mit Thun ab, und nicht einmal ein Jahr später stehst du mit YB im Achtelfinal der Europa League gegen Ajax.»
Es ist eine Geschichte, wie sie der Fussball schreibt, dieses volatile Geschäft, in dem Aufschwung und Absturz so eng beieinanderliegen können.
Das hat Hediger erfahren müssen, der als Captain mit dem FC Thun vor zwei Jahren auf dem dritten Rang lag, als er sich schwer am Knie verletzte und nie mehr auf den Platz zurückkehrte. Das hat Guillaume Faivre erlebt, Hedigers langjähriger Teamkollege in Thun, der einst nach einer Gehirnerschütterung seine Rückkehr forciert hatte und bei dem sich dann die Folgen der Verletzung lange bemerkbar machten. Deshalb trägt er noch heute, viele Jahre später, einen Kopfschutz.
Nun wird Faivre am Donnerstag in Amsterdam David von Ballmoos ersetzen, der aufgrund einer Gehirnerschütterung, die er sich am Samstag gegen Vaduz zuzog, die Reise nach Holland nicht angetreten hat. Nebst dem Cupfinal 2019 mit Thun gegen Basel ist es die grösste Partie in der langen Karriere des Neuenburgers, in der er über 350 Partien bestritten hat (davon 19 im Europacup).
«Gui lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen.» Dennis Hediger über Guillaume Faivre
Man würde gerne wissen, wie sich der 34-Jährige fühlt. Doch die Young Boys wollen ihren Goalie schützen, er steht den Medien nicht zur Verfügung. Deshalb Nachfrage bei Hediger, der für den Bezahlsender Blue die Super League analysiert. Er sagt: «Vor einer solchen Partie wird er sicherlich nervös sein. Aber wie ich ihn kenne, wird das keinen Einfluss auf seine Leistung haben. Gui lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen.»
Faivre kennt Drucksituationen
Faivre war nie ein Überflieger, seinen Platz in der Super League musste er sich hart erarbeiten und ihn dann immer wieder verteidigen. In Thun wurden ihm mehrmals jüngere, scheinbar talentiertere Goalies vorgezogen. Aber bald entschieden sich die Trainer wieder für Faivre, der für eine Solidität stand, die aufgrund von wenigen bösen Fehlern gerne unterschätzt wurde.
So war es im Frühjahr 2018, als Thun 2:7 in Sitten verlor und ans Tabellenende rutschte. Faivre ersetzte Nikolic, der nun beim FC Basel ist. In seiner ersten Partie, einem 0:0 gegen Lausanne, die von den Thunern zuvor zum wichtigsten Spiel der Saison hochstilisiert worden war, wehrte Faivre einen Penalty ab. Er avancierte bei der erfolgreichen Mission Ligaerhalt zu einer überragenden Figur. Hediger findet, sein langjähriger Teamkollege sei immer dann am besten gewesen, wenn er sich habe beweisen müssen oder viel auf dem Spiel gestanden sei.
Das trifft auch auf die Partie in Amsterdam zu: Die Young Boys stehen zum ersten Mal überhaupt im Achtelfinal der Europa League. Wobei der Druck ein anderer, positiverer ist. In Thun hiess es jeweils, der Abstieg könnte gleichbedeutend mit dem Ende des Vereins sein. «Das gab im Team natürlich zu reden», sagt Hediger. Und gerade wenn man wie Faivre Familienvater sei, könne das enorm belastend wirken. «Aber er liess sich nie etwas anmerken.»
Hediger bildet sich mit Ajax weiter
YB ist in Amsterdam Aussenseiter und kann gegen Ajax nichts verlieren. Gegen einen Gegner, von dem auch Hediger schwer angetan ist. Der 34-Jährige hat seine Trainerkarriere lanciert, seit Sommer trainiert er die U-15 des FC Thun, um sich weiterzubilden, schaut er sich fast jede Partie des holländischen Tabellenführers an.
Das Positionsspiel und die Ballbesitzphasen von Ajax seien fantastisch, findet Hediger, nach Manchester City biete das Team von Trainer Erik ten Hag europaweit mit den besten Fussball. Wobei zwei Ausfälle schmerzen: jener von Goalie André Onana, der kürzlich wegen Doping für ein Jahr gesperrt worden ist, sowie jener von Rekordtransfer Sébastien Haller, den die Holländer im Winter für knapp 23 Millionen Euro von West Ham verpflichteten, aber es verpassten, ihn für die Europa League zu melden. Mit Haller fehle der vielleicht beste Kopfballspieler, sagt Hediger. «Das wird Gui zumindest bei Cornern beruhigen.»
Hediger freut sich auf das Spiel von Ajax gegen YB. Und er freut sich für Faivre.
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
10.03.2021
Zitat:
Ajax-Kenner Sitek im Interview
«Keiner will so blöd sein und gegen Ajax offensiv spielen»
Wie soll YB im Achtelfinal der Europa League gegen Ajax bestehen? Niederlande-Kenner André Sitek hat Tipps auf Lager.
«Tut mir leid meine Schweizer Freunde, YB hat keine Chance», stellt André Sitek gleich zu Beginn klar. Die Schweiz habe zwar nach wie vor einen grossen Platz in seinem Herzen, doch Ajax Amsterdam sei aktuell einfach zu gut drauf, um sich vom Schweizer Meister im Achtelfinal der Europa League stoppen zu lassen.
In den Sechzehntelfinals habe Lille gegen die Niederländer keinen Stich gehabt. «Und Lille ist kein kleiner Verein. Es führt die Tabelle in Frankreich 2 Punkte vor PSG an.» Die Franzosen haben gegen Ajax auf ein Defensivkonzept gesetzt. Das sei ein Fehler gewesen, meint Sitek. Für SRF nimmt er den Rekordmeister aus Amsterdam genauer unter die Lupe.
Was sind die Stärken von Ajax?
«Viele Vereine wollen gegen Ajax mauern. Keiner will so blöd sein und Fussball spielen. Doch YB muss genau das machen. Wenn du nur verteidigst, wirst du verlieren», so Sitek. Ajax habe mit Dusan Tadic einen Spieler, der seine Teamkollegen auch in Szene setzen könne, wenn nur wenig Räume vorhanden seien. Überhaupt gerät Sitek ins Schwärmen, wenn er an das Ajax-Kader denkt.
Wie muss YB gegen Ajax spielen?
«Ajax spielt immer nach dem gleichen Prinzip», sagt Sitek, viel Ballbesitz und Kombinationen, «wie Bayern München». YB soll sich aber nicht erdrücken lassen, sondern seinerseits sein Heil in der Offensive suchen, denn: «Die Verteidigung von Ajax ist nicht so stark.»
Setzt Ajax auf die Meisterschaft oder die Europa League?
Sitek glaubt nicht, dass Ajax alles einem Triumph in der Europa League unterordnen würde. Der komfortable Vorsprung in der Liga (6 Punkte auf PSV Eindhoven bei einem Spiel weniger) lässt aber zu, den Europacup entsprechend zu gewichten. Und schliesslich sei man im Cup ja auch noch dabei, «warum nicht alle 3 Wettbewerbe gewinnen?»
Wie gehen die Spiele aus?
Natürlich lässt sich Sitek auch einen Tipp entlocken: «2:0 zuhause für Ajax, auswärts 4:1.» Fussball habe bei ihm aber angesichts der weltweiten Corona-Krise im Augenblick nicht den obersten Stellenwert. «Von mir aus könnt ihr gewinnen, wenn ich nächste Woche in die Kneipe darf», lacht er zum Abschluss.
Zur Person
Aus seiner Zeit als aktiver Fussballer ist André Sitek in Basel noch immer als «Bruder Lustig» bekannt. Er spielte zwischen 1988 und 1995 für Chur, Baden, den FCB und Locarno. Der 57-Jährige arbeitet seit mehreren Jahren als Sportjournalist bei der niederländischen Tageszeitung De Telegraaf in Amsterdam und kennt sich bestens im niederländischen Fussball aus.
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
10.03.2021
Zitat:
Auch die Goalie-Rochade bringt die Young Boys nicht aus der Ruhe
Der Schweizer Meister tritt am Donnerstag im Achtelfinale der Europa League bei Ajax Amsterdam an. Die Berner wollen sich so wenig wie möglich als Aussenseiter präsentieren und stattdessen die nächste Überraschung schaffen.
Gerardo Seoane und Silvan Hefti sitzen im Presseraum der Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam, und lauscht man den Worten des YB-Trainers und seines Rechtsverteidigers würde nichts darauf hindeuten, dass für die Young Boys am Donnerstag (18:55 Uhr) eines der grössten Spiele der Vereinsgeschichte ansteht. Wenn die beiden über die Europa-League-Achtelfinalpremiere gegen Ajax Amsterdam sprechen, strahlen sie ihre gewohnte Ruhe aus. Und auch eine gewisse Forschheit, wenn Seoane sagt: «Wir sind nicht gerne in der Aussenseiterrolle, aber in einem solchen Spiel ist es legitim. Wir wollen trotzdem möglichst oft Ball und Gegner kontrollieren.».
In der Meisterschaft spielten die Berner zuletzt dreimal in Serie unentschieden. Seoane gewährte vielen Akteuren Einsatzminuten und schonte Stammpersonal. Es sind Indizien dafür, dass der Fokus längst auf das Aufeinandertreffen mit dem holländischen Rekordmeister gerückt ist. Hefti verneint dies nicht, deutet es aber positiv, wenn er sagt: «Alle sind fit und bereit, sowohl physisch als auch psychisch.»
Faivres unverhoffter Auftritt auf grosser Bühne
Auf einen trifft dies freilich nicht zu. Goalie David von Ballmoos hat die Reise nach Holland nicht angetreten und kuriert seine am Samstag im Spiel gegen Vaduz (1:1) erlittene Gehirnerschütterung aus. Das eröffnet einem das Tor zur grossen europäischen Bühne, der sich einen solchen Auftritt vor kurzem nicht einmal zu erträumen gewagt hätte: Guillaume Faivre. Der 34-Jährige stieg im letzten Sommer mit dem FC Thun ab und suchte nach acht Saisons im Berner Oberland eine neue Herausforderung. Er fand sie bei YB und sollte in die Rolle des erfahrenen, verlässlichen Ersatzgoalies schlüpfen, die in Bern über Jahre Clublegende Marco Wölfli bekleidet hatte.
Bisher kam der Neuenburger in drei Pflichtspielen und während insgesamt lediglich 211 Minuten zum Einsatz. Es sind nicht die besten Voraussetzungen für das grösste Spiel seiner langen Karriere, aber die Young Boys sind bemüht, ihren Goalie zu schützen und unterstützen. Medienanfragen zu Faivre wurden im Vorfeld alle abgelehnt, um den Druck von aussen zu reduzieren. Seoane sagt: «Wir haben Gui genau für solche Situationen geholt, und ich bin überzeugt, dass er sich mit seiner Erfahrung und Ruhe top präsentieren wird.»
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
11.03.2021
Zitat:
Miralem Sulejmani – der Old Boy der Young Boys
Vor dem Europa-League-Achtelfinal zwischen Ajax und YB erkundigen sich die Niederländer vor allem nach dem erfahrensten YB-Spieler: Miralem Sulejmani. Die Verletzungsserie des Serben begann schon, als er ein junger Spieler bei Ajax war.
Wenn sich die Niederländer nach ihrem Schweizer Europa-League-Gegner erkundigen, kann es um den gewöhnungsbedürftigen Vereinsnamen gehen. Die «Young Boys» sind im europäischen Fussball nicht Allgemeingut. Ein anderes Thema ist der Vergleich mit Ajax, weil YB in der heimischen Super League der Konkurrenz ähnlich entschwebt wie der Traditionsklub aus Amsterdam in der Eredivisie. Und da ist ein inzwischen langjähriger YB-Spieler, den sie in Amsterdam nicht vergessen haben: Miralem Sulejmani.
Der Serbe kam 2008 als damaliger Rekordtransfer für über 16 Millionen Euro als noch nicht 20-Jähriger aus Heerenveen zu Ajax und blieb bis 2013. Auf der Ajax-Website sind vor dem Match gegen YB zehn seiner schönsten Ajax-Tore zu sehen. Er bot mit seinem feinen linken Fuss bisweilen grosses Kino. Einige Szenen erinnern an YB-Tore. Auf dem Rasen jubelte er mit Christian Eriksen, auf der Trainerbank klatschte Marco van Basten in die Hände. Die Zeit war gut, aber kein Rausch. Sulejmani lässt auch schlechtere Zeiten in Amsterdam Revue passieren, schon damals plagten ihn Verletzungen. Im vierten Jahr warf ihn ein lädierter Meniskus aus der Bahn, das wurde zum Anfang seines Ajax-Endes.
Wenn der 32-jährige Sulejmani länger über diese Zeit spricht und an jene in Bern denkt, fällt ihm irgendwann selbst auf, dass «es immer wieder um Verletzungen geht». Der Körper ist ein Grund dafür, dass der Serbe die letzten Jahre in Bern verbracht hat und nicht woanders. In den Niederlanden feierte er drei Meistertitel, in der Schweiz ist er auf dem Weg zum vierten.
Kommt er in Amsterdam zum Einsatz, ist er mit seinen 85 Europacup-Partien nach Daley Blind (89) der international erfahrenste Spieler auf dem Rasen. 2014 verlor er mit Benfica Lissabon gegen den FC Sevilla den Europa-League-Final; er musste da nach einem rüden Foul bereits nach 25 Minuten vom Platz, es war nicht die letzte Verletzung. 2020 verlängerte Sulejmani den Vertrag in Bern bis 2022. Das ist als Vertrauensbeweis des Klubs zu werten. Im Gegenzug soll der Spieler, der zu den Topverdienern gehört, auf Geld verzichtet haben. Jedenfalls haben die Young Boys einen Old Boy dabei, der in Amsterdam nicht ganz unbekannt ist.
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
11.03.2021
Zitat:
Europa League: Der YB-Gegner Ajax Amsterdam möchte oben auf der Welle bleiben
Die Niederländer schreiben an einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte. 2019 erreichten sie fast den Final der Champions League. Wegen eines personellen Aderlasses ist der Höhenrausch zwar vorbei, doch Ajax hat auch Modellcharakter.
Ajax Amsterdam habe immer wieder Wellen gehabt, sagt Edwin van der Sar, der CEO des Klubs. Die Cruyff-und-Neeskens-Welle in den siebziger Jahren, später die Wellen mit Rijkaard und van Basten, mit Overmars und Seedorf, mit Sneijder und van der Vaart. Ajax weit oben. Wie 2019, als der Champions-League-Final zum Greifen nahe war. Doch Ajax scheiterte im Halbfinal gegen Tottenham im eigenen Stadion in der 96. Minute. 2:3, und dies nach einer 2:0-Führung. Die Spieler lagen am Boden. Schockstarre.
Schon vor dem Drama hatte Edwin van der Sar zu einer internationalen Journalistenrunde gesagt: «Jetzt liegt es an uns, oben auf der Welle zu bleiben und nicht zu tief mit ihr nach unten zu fallen.» Der CEO wusste, dass das Team auseinanderfallen würde. Nur zwei Fragen blieben übrig: In welchem Ausmass? Und wann? Ajax war zu gut unterwegs, als dass die besten Spieler hätten gehalten werden können. Was in der Schweiz für einen Leader wie YB gilt, gilt in den Niederlanden für Ajax.
Das war schon in den Zeiten mit Cruyff so. Spieler kommen, Spieler ziehen weiter. Wobei Ajax 2019 und 2020 zweimal den Jackpot knackte. Frenkie de Jong (FC Barcelona), Matthijs de Ligt (Juventus Turin), Donny van de Beek (Manchester United) und Hakim Ziyech (Chelsea) brachten mit ihren Transfers über 250 Millionen Euro Erlös ein.
Inventar der Champions League
Doch der sportliche Preis dafür ist, dass Ajax 2021 nicht in der Champions League unterwegs ist, sondern in den Achtelfinals der Europa League gegen YB. Dennoch: Der Klub bleibt ziemlich weit oben auf der Welle und ist zumindest in der Gruppenphase zum Inventar der Champions League geworden. In dieser Saison klassierte sich Ajax hinter dem FC Liverpool und Atalanta Bergamo auf dem dritten Platz. Der Höhenrausch ist sozusagen transferiert. Aber noch ist die Welle nicht verebbt.
Das hat auch damit zu tun, dass die Ajax-Verantwortlichen – der CEO van der Sar und der Sportdirektor Marc Overmars – ihrem Personal anschaulich näherzubringen versuchen, welches der beste Weg ins Ausland sein könnte. Beide verliessen als Spieler irgendwann Amsterdam, van der Sar zunächst Richtung Turin (Juventus), Overmars Richtung London (Arsenal).
2019 wurde schnell deutlich, dass die Niederländer neben de Jong auch de Ligt verlieren würden. Zu hoch waren die gebotenen Summen, zu klingend die Klubnamen, zu stark der Drang. Gleichzeitig gelang es van der Sar, Donny van de Beek zumindest noch ein Jahr zu halten. Die Supporter dankten es dem Spieler, indem sie ihm einen Song-Ausschnitt widmeten, in Anlehnung an «Give it up» von KC and the Sunshine Band – «Donny nog een jaar» («Donny noch ein Jahr»). So zog van de Beek erst 2020 von dannen.
Wenn jemand geht, gilt es Lücken zu füllen, sei es in Amsterdam oder sei es in Bern. Oder in den Worten van der Sars: «Man beginnt schnell zu kämpfen.» 2019 befand er: «Es gibt keinen zweiten Frenkie de Jong.» Als Ersatz für de Jong kam der Rumäne Razvan Marin, für 12 Millionen von Standard Lüttich. Van der Sar prophezeite: «Er wird anders spielen.» Marin spielte anders, aber auch wenig, fühlte sich in Amsterdam nicht wohl und wechselte 2020 zu Cagliari. Da Ajax 10 Millionen erhielt, hielt sich wenigstens die Rechnung in der Balance.
Ähnliches gilt für die Personalie Quincy Promes. Der Stürmer war 2019 dafür vorgesehen, Lücken zu füllen. Doch lange blieb der Niederländer nicht. Er kam 2019 für 16 Millionen aus Sevilla und ging ein Jahr später für deren 9 weiter zu Spartak Moskau.
Geld ist mitten in der Corona-Krise vorhanden, von einem Einbruch ist Ajax weit entfernt. Zwar ist ein Champions-League-Zauber wie 2019 derzeit kaum denkbar, aber die Flughöhe lässt sich sehen. Amsterdam ist eine Nummer grösser als Bern oder Basel. Mindestens eine. Nicht nur wegen der Johan-Cruyff-Arena, nicht nur wegen 2019, nicht nur wegen der Vergangenheit des Klubs, der 1995 die Champions League gewann und 1996 im Final war. Ajax generierte 2018/19 allein dank der Königsklasse fast 80 Millionen Euro von der Uefa – YB: 27. 2019/20 waren es deren 45 – YB: 11. Auch Ajax leidet wegen Corona, aber weniger als andere Klubs. Dank Transfers, dank Uefa-Prämien.
Kratzer im Ajax-Lack
Anfang Jahr wurde der für über 20 Millionen verpflichtete Sébastien Haller zum Rekordtransfer. Allerdings ist ausgerechnet der teure Spieler wegen eines administrativen Fehlers im Europacup nicht spielberechtigt. Lokale Beobachter verstehen nicht, weshalb der 19-jährige Brian Brobbey hinter Haller anstehen muss und den Klub im Sommer erst noch ablösefrei verlassen kann. Das talentierte Eigengewächs wird vom Agenten Mino Raiola beraten. Obschon der Abgang als definitiv gemeldet ist, scheinen noch nicht alle Türen geschlossen zu sein. Das sind Kratzer im Ajax-Lack.
Wie die Episode um den Torhüter André Onana. Der noch nicht 25-Jährige wäre wohl zum nächsten Transferkandidaten geworden, wenn ihn die Uefa kürzlich nicht wegen eines Dopingvergehens für ein Jahr gesperrt hätte. Ajax und der Spieler gelangen an das Internationale Sportschiedsgericht TAS, weil sie von einem Missverständnis ausgehen. Wie auch immer: Onana steht vorderhand nicht mehr zur Verfügung.
Um einen kommt bei Ajax niemand herum. Auch van der Sar beruft sich auf den 2016 verstorbenen Johan Cruyff, der ihn 2011 zum Klub gelotst hatte. Der CEO spricht von der Klub-DNA, von der «vertikalen und nicht horizontalen Richtung». Vorwärts soll es gehen, à la Cruyff. Doch van der Sar sagt auch: «Es geht auch darum, Geld zu verdienen, das hat wenig mit Johan zu tun.» Cruyff war in Amsterdam und in Barcelona in seinen späten Jahren als Einflüsterer für vieles bekannt, nicht aber fürs Sparen.
Der grosse Johan hätte Freude an der neusten Ajax-Welle. Aber er würde van der Sar mit der Forderung nach Investitionen im Ohr liegen. Um mit der Welle oben zu bleiben.
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
11.03.2021
Zitat:
YB spielt gegen Ajax Amsterdam
Wie Ajax zum Mythos wurde
Johan Cruyff, die legendäre Nachwuchsarbeit und ein schmerzhaftes 0:13 – vier Exponenten erzählen von ihren Erlebnissen mit Ajax.
Erstmals überhaupt stehen die Young Boys im Achtelfinal der Europa League. Ihr Gegner im heutigen Hinspiel in Amsterdam (18.55) hat eine ruhmreiche Geschichte: Ajax ist 34-facher niederländischer Meister, gewann 3-mal den Europapokal der Landesmeister und einmal die Champions League. Vier Erinnerungen.
John Bosman: «Leverkusen als Warnung»
«Ich hatte das Glück, bei Ajax ab 1985 den grossen Johan Cruyff als Trainer zu haben. Zweieinhalb Jahre lernten wir Junge von ihm, was es heisst, richtige Profis zu sein. Cruyff war damals schon eine Ikone, alle bei Ajax profitierten enorm von ihm. Aus den unbekümmerten Talenten wurden seriöse, zielstrebige Fussballer, die den Stil des Trainers verinnerlichten: Schön spielen, auch angriffig, wir legten ständig den Vorwärtsgang ein.
Mit Cruyff gewannen wir 1987 den Europacup der Cupsieger, im Final schlugen wir Lokomotive Leipzig 1:0. In jener Zeit hatten wir eine starke Gruppe beisammen. Rijkaard, Winter, Witschge, Bergkamp, Van Basten – es machte Spass. Speziell war es für mich ein Vergnügen, mit Van Basten in der Offensive zusammenzuspielen.
Anfang 1988 wechselte Cruyff zu Barcelona. Wenig später trafen wir im Viertelfinal des Europacups der Cupsieger auf YB. Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich im Hinspiel das Tor zum 1:0-Sieg erzielte. Wir gewannen die zweite Partie in Amsterdam ebenfalls 1:0, schafften es erneut in den Final, verloren aber gegen Mechelen.
Die Mannschaft der Gegenwart macht Freude. Sie ist noch in drei Wettbewerben dabei. Sie hat beste Chancen, Meister zu werden, kann am 18. April den Cup gewinnen – und in der Europa League bietet sich die Möglichkeit, weit zu kommen. Ajax ist gegen die Young Boys der Favorit, aber Leverkusen muss eine Warnung sein. Ich kenne YB nicht gut, aber wer einen ambitionierten Bundesligisten eliminiert, muss über reichlich Qualität verfügen.»
Percy van Lierop: «Leider gibt es immer weniger Strassenfussballer»
«Für alle, die bei Ajax arbeiten, sind zwei Dinge selbstverständlich: Es gilt, jede Partie zu gewinnen. Und gleichzeitig Kapital zu kreieren, indem Spieler weiterentwickelt werden. Die Ausbildung und der Verkauf von Talenten sind elementar für Ajax.
Als ich 2015 nach Amsterdam wechselte, hatte der Club in Europa den Anschluss verloren. Doch mittlerweile ist er wieder ein Magnet für Talente, weil sie sehen: In Amsterdam lässt sich eine grosse Karriere lancieren. Natürlich helfen die Beispiele von Frenkie de Jong und Matthijs de Ligt, die 2019 zu Barcelona respektive Juventus Turin gewechselt haben. Und natürlich helfen dem Club die Hunderten von Millionen, die er in den letzten Jahren mit dem Verkauf von Spielern eingenommen hat.
Leider gibt es auch in Holland immer weniger Strassenfussballer, auch dort sitzen die Kinder lieber vor der Playstation. Das bedingt, dass der Club sein Sichtungsfeld ausweitet. Als ich bei Ajax war, holten wir einen 9-Jährigen, der knapp drei Stunden entfernt von Amsterdam lebte. Wir bezahlten den Eltern ein Haus in Amsterdam. Aber das war eine Ausnahme: Bei ihm war offensichtlich, dass er alles mitbringt für eine grosse Karriere.
Was Ajax im Vergleich zu den meisten Vereinen unterscheidet: Der Club investiert viel Geld in die Allerkleinsten. Ab der U-9 sind alle Trainer hauptberuflich tätig. Auswertungen haben gezeigt, von jenen Spielern, die es aus dem eigenen Nachwuchs zu den Profis schaffen, spielten achtzig Prozent schon vor ihrem zwölften Lebensjahr für Ajax.
Die Spielweise und die Trainingsphilosophie sind bei der Ausbildung zentral, sie ziehen sich wie ein roter Faden durch sämtliche Altersstufen. Ajax will dominant agieren, jede Aufgabe soll spielerisch gelöst werden. Bis zur U-15 hat kein Spieler eine fixe Position, das soll das Spielverständnis fördern, die Flexibilität. Erst danach beginnt allmählich die Spezialisierung.»
René van Eck: «Erfolgreich – und schön»
«Ajax ist seit je berühmt für seine Talentförderung. Auch jetzt stehen wieder Junge in der Mannschaft, die alle Voraussetzungen für eine grosse Karriere mitbringen. Ryan Gravenberch ist 18 wie Devyne Rensch, Jurien Timber und Brian Brobbey sind 19, und dahinter drängen schon die Nächsten nach. Die zweite Mannschaft, die in der zweithöchsten Liga des Landes spielt, wird von lauter 17- und 18-Jährigen geprägt.
Aber Ajax besteht nicht nur aus Jugend: Danny Blind, Davy Klaassen, Maarten Stekelenburg im Tor und vor allem auch Dusan Tadic sind erfahrene Leistungsträger. Die Mischung ist ideal. Und Trainer Erik ten Hag lässt einen Fussball spielen, der hohen Ansprüchen gerecht wird: Die Resultate sind gut – und das, was geboten wird, sieht schön aus.
Als Ten Hag die zweite Mannschaft des FC Bayern betreute, lernte er einiges von Pep Guardiola, der damals noch in München war. Er hat Kritiker, die ihm die Aufgabe Ajax nicht recht zutrauten, schnell eines Besseren belehrt. Der ganze Verein ist hervorragend aufgestellt. Edwin van der Sar ist Geschäftsführer, Marc Overmars Sportdirektor, für beide war der Verein Ausgangspunkt einer grossartigen Spielerkarriere. Auch im Nachwuchs werden Leute beschäftigt, die von Ajax den Sprung ins Ausland schafften.
Die Mannschaft ist für mich Favorit gegen YB. Aber mich würde es für Gerardo Seoane und seinen Assistenten Patrick Schnarwiler freuen, wenn die Berner eine Runde weiter kämen. Als Rotterdamer kann ich ja nicht darauf hoffen, dass sich Ajax durchsetzt...»
Roy Gelmi: «0:13 – Das Highlight wurde zum Albtraum»
«Als ich nach einer Stunde bei VVV Venlo eingewechselt wurde, stand es 8:0 für Ajax. Es kam viel zusammen in dieser Partie letzten Oktober. Wir hatten einen extrem schlechten Tag, und Ajax spielte sich in einen Rausch. Die Offensivspieler wechselten unablässig die Positionen, sie fanden freie Räume, wo es keine zu geben schien. Als Verteidiger hatte man das Gefühl, es würden immer drei bis vier Ajax-Spieler um einen herumstehen. Wir wussten nicht, wie uns geschieht. Am Ende verloren wir 0:13, es ist die höchste Niederlage in der Geschichte der Eredivisie.
So verlief mein erstes Spiel überhaupt gegen Ajax, jenen Club, von dem ich schon als Kind Fan gewesen war. Mein erstes Trikot, das ich erhielt, war das von Ajax, mit meinem Namen hintendrauf. Das Highlight wurde zum Albtraum.
Meine Mutter stammt aus Holland. In den Ferien besuchten wir oft Spiele von Ajax. Der Club ist noch eine Nummer grösser als PSV Eindhoven und Feyenoord Rotterdam, entsprechend viel Aufmerksamkeit erhält er in Holland. Und in den letzten Jahren wurde er seinem Ruf wieder gerecht, 2019 stand Ajax im Halbfinal der Champions League.
Und doch glaube ich, YB kann weiterkommen. Leverkusens Trainer Peter Bosz war ja zuvor bei Ajax tätig, die Teams ähneln sich in ihrer offensiven Spielweise. Diese führt dazu, dass gerade in der Defensive Räume frei werden. Sofern es YB gelingt, sich nach Balleroberungen dem Pressing zu entziehen und schnell umzuschalten, werden die Berner Chancen erhalten.»
Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot] und 26 Gäste
Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.