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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2020/2021
 Beitrag Verfasst: Donnerstag 15. Oktober 2020, 00:13 
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Kasami macht den FC Basel zum Sieger

Nun ist auch in der Schweizer Super League das Transferfenster geschlossen. Wer hat auf dem Mercato geglänzt – und wer gezaudert? Wir ziehen Bilanz.

10. Rang: Servette

Seit September ist Philippe Senderos Sportchef. Als Abwehrspieler hat er die grosse Welt des Fussballs gesehen, nun wird er lernen müssen, aus wenig viel zu machen. Für Servette ist es schon ein Erfolg, sind fast sämtliche Leistungsträger geblieben, allen voran Offensivkraft Miroslav Stevanovic und der 20-jährige Schweizer Mittelfeldstratege Kastriot Imeri. Neu im Team sind vorab Billigkräfte aus Frankreich. Ob das erneut für Rang 4 genügt, ist mehr als fraglich.

9. Rang: Vaduz

Kaum ein Club verhielt sich auf dem Transfermarkt zurückhaltender. Die 5 Zugänge sind günstig und auf höchster Stufe fast ungeprüft. Der kürzlich von YB geholte Linksverteidiger Linus Obexer taugt da mit 19 Einsätzen in der Super League schon fast zum Routinier. Vaduz geht konsequent seinen Weg, ohne finanzielle Eskapaden, mit Spielern, die sich mit dem Aussenseiterdasein identifizieren können. Das ist ehrenwert, wird aber kaum genügen, die Klasse zu halten.

8. Rang: Lugano

Ein Zugang sticht bei Lugano heraus, wortwörtlich: Jens Odgaard, gross gewachsener Angreifer, 2017 aus Dänemark in die Nachwuchsabteilung Inter Mailands gekommen und mit dem Prädikat Supertalent versehen. Nach einer starken Saison in der U-19 verkaufte ihn der Topclub 2018 für rund 5 Millionen Euro an Sassuolo. Die letzte Saison verbrachte Odgaard leihweise in Holland bei Heerenveen, wo er in 24 Einsätzen in der Ehrendivision 7 Treffer erzielte. Seit Anfang Oktober ist er nun leihweise in Lugano, wo er weitere Fortschritte machen soll. Er könnte ein bisschen Grandezza in ein Team bringen, das keine Stützen verlor und vor allem eines ist: grundsolide.

7. Rang: Lausanne

Auf die Frage, wer YB in den nächsten Jahren gefährlich werde könnte, nannte YB-Sportchef Christoph Spycher im Sommer auch Lausanne. Er dachte an die Möglichkeiten, die der Club seit dem Einstieg des englischen Chemiegiganten Ineos hat. Doch auf den Aufstieg folgte keine Transferoffensive, es kamen vornehmlich und leihweise Talente vom Partnerclub Nizza. Gerade der 19-jährige französische Stürmer Evann Guessand könnte diese Saison zur Attraktion werden, bei seinem ersten Einsatz für Lausanne gegen den FCZ traf er wenige Minuten nach seiner Einwechslung. Seine Tore wird das Team benötigen, verkaufte es doch kürzlich U-21-Nationalspieler Andi Zeqiri für rund 5 Millionen Franken an Brighton.

6. Rang: Luzern

Es drohte ein trister Herbst zu werden. Das Werben um Valentin Stocker brachte nichts ein – ausser dem Basler Captain einen neuen Vertrag beim FC Basel. Und Francesco Margiotta, der beste Stürmer, verpokerte sich bei den Vertragsverhandlungen und steht nun ohne Arbeitgeber da. Nach schlechtem Start haben die Innerschweizer nachgebessert. Von Servette kam Flügel Varol Tasar, zudem kehrte Dejan Sorgic, einst beim FCL ausgebildet, nach einem Jahr in Auxerre zurück. Und am letzten Tag der Transferphase wurde der frühere tschechische Nationalspieler Martin Frydek für die linke Aussenbahn geholt. Vielleicht wird der Herbst ja doch nicht so trist.

5. Rang: St. Gallen

Letzte Saison durfte Sportchef Alain Sutter den Titel des Transfersiegers für sich beanspruchen. Lukas Görtler, Ermedin Demirovic und Lawrence Ati Zigi hatten kein Renommee, wurden aber sofort zu Stützen eines Teams, das mit YB bis zuletzt um den Titel kämpfte. Demirovic ist wie sein kongenialer Sturmpartner Cedric Itten und Captain Hefti nicht mehr da. Gekommen sind erneut etliche Billigkräfte ohne Vorschusslorbeeren. Dass diese einschlagen wie ihre Vorgänger, darf bezweifelt werden.

4. Rang: Zürich

Mit Lasse Sobiech könnte der FC Zürich endlich einen Abwehrchef haben, der diese Bezeichnung tatsächlich auch verdient. Der kurz vor Ablauf der Wechselfrist von Winterthur verpflichtete Mittelfeldspieler Ousmane Doumbia dürfte sich zudem sofort einen Platz im Team erobern. Simon Sohm und Kevin Rüegg verkauften die Zürcher für Millionenbeträge nach Italien. Und da ist immer noch Wilfried Gnonto, im Frühling aus dem Nachwuchs von Inter Mailand verpflichtet. Der 16-Jährige hat in zwei Partien für die U-21 des FCZ 2 Tore erzielt. Der «Guardian» nahm ihn kürzlich in der Liste der 60 grössten Talente der Welt auf.

3. Rang: YB

Es war diesmal eine ruhige Transferperiode bei YB. Silvan Hefti hat in den ersten Partien angedeutet, hinten rechts ein Gewinn gegenüber seinem Vorgänger Saidy Janko zu sein. Er kostete nur 1,5 Millionen Franken. Zudem konnten Jordan Lotomba und Roger Assalé mit schöner Marge verkauft werden, was YB neben dem FCZ das grösste Transferplus einbrachte. Jordan Siebatcheu, als Ersatz für Hoarau von Rennes ausgeliehen, hat in seinen ersten Einsätzen vor allem eines gezeigt: dass er noch Zeit benötigt.

2. Rang: Sion

Guillaume Hoarau war der Zuzug, der alles überstrahlt. Matteo Tosetti, Serey Dié, Dennis Iapichino und der am Montag verpflichtete Musa Araz sind Transfers, an denen es in Sion in den letzten Jahren mangelte: nicht aufregend, aber zweckdienlich. 12 Spieler verliessen den Club, darunter die Stützen Kasami, Bastien Toma und Ermir Lenjani, 10 neue sind gekommen. Sion ist homogener geworden – und dank Hoarau auch aufregender.

1. Rang: Basel

Es schien, als sei Bernhard Burgener erneut ein kommunikativer Fauxpas unterlaufen. Anfang Oktober kündigte der FCB-Präsident Investitionen ins Team an. Es kam dann leihweise Timm Klose, der Abwehrchef Omar Alderete ersetzen soll. Und weil gleichzeitig mit Alderete auch Stürmer Kemal Ademi den Club verliess, lag die Vermutung nahe, dass Burgeners Ankündigung vor allem eines war: heisse Luft. Doch Stunden bevor das Transferfenster schloss, verpflichteten die Basler Pajtim Kasami. Nimmt man die definitiven Übernahmen von Edon Zhegrova und Arthur Cabral hinzu, blicken die Basler auf eine gute Wechselperiode, auch wenn Goalie Jonas Omlin wohl nicht annähernd ersetzt werden kann. Auf dem Papier hat der FCB eine Mannschaft, die YB gefährlich werden kann. Die Frage ist: Hat er auch den Trainer und den Präsidenten dazu?


https://www.bernerzeitung.ch/transferpe ... 2256933091

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2020/2021
 Beitrag Verfasst: Samstag 24. Oktober 2020, 10:44 
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YB-Chef im Interview

«…dann wird es auch für uns existenziell»

Die Corona-Krise dauert im Fussball weiter an. Hanspeter Kienberger, Verwaltungsratspräsident von YB, beurteilt die finanziellen Auswirkungen der nächsten Monate mit sehr wenig Zuschauereinnahmen. Er spricht von einem Millionenverlust.

Am Freitag hat der Kanton Bern entschieden, dass ab sofort keine Zuschauer bei YB-Partien zugelassen sind. Wie beurteilen Sie den Entscheid?

Wir haben die Entscheide der Kantonsregierung zur Kenntnis genommen und wollen sie nicht kommentieren. Wir haben in Anbetracht der Fallzahlen Verständnis, dass gehandelt werden muss.

Derweil lassen andere Kantone wie etwa St. Gallen und Zürich Spiele mit mehr als 1000 Zuschauern noch zu.

Da muss man natürlich aufpassen, dass es nicht zu einer Wettbewerbsverzerrung kommt.

Vor einer Woche hat YB den Kanton noch massiv kritisiert.

Wir wurden am letzten Sonntag ohne Vorwarnung auf dem falschen Fuss erwischt und verstanden nicht, dass wir unsere Argumente gar nicht erst vorbringen konnten. Wir haben viel Geld und Zeit in unser Schutzkonzept investiert und sind überzeugt, dass das Konzept gut ist.

Mit bis zu 20’000 Zuschauern im Wankdorf?

Nein. Nach dem markanten Anstieg der Corona-Fälle in den letzten Tagen ist diese Dimension im Moment nicht realistisch. Wir müssen nun ohne Zuschauerinnen und Zuschauer auskommen, wünschen uns aber, dass es dann auch Zwischenschritte geben wird – zum Beispiel mit einem Minimum von 10 Prozent der Stadionkapazität. Dann würde man auch der Grösse des Stadions und der Tatsache, dass die Partien draussen stattfinden, Rechnung tragen. Die differenzierte Beurteilung hat vor einer Woche gefehlt.

Inwiefern nehmen Sie die Diskussion rund um Zuschauer an Sportanlässen als Politikum wahr, in denen es nicht mehr nur um eine sachbezogene Beurteilung der Infektionsgefahr geht?

Wir alle sind von dieser Pandemie betroffen. Und wir müssen auch Verständnis und Anerkennung für die Regierung und die Behörden aufbringen. Sie hat eine sehr schwierige Gratwanderung zu vollziehen: Einerseits gilt es, die Pandemie zu bekämpfen, andererseits Wirtschaft und Arbeitsplätze zu schützen.

Anfang Woche entschieden Sie sich zusammen mit dem SCB für einen offenen Brief an den Regierungsrat. Warum?

Wir haben unserem Unmut Luft verschafft, zu Recht, wie ich finde, weil wir das Vorgehen als unfair taxierten. Die Bedeutung des Profisports im Kanton ist gross, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Zudem unterhalten wir eine sehr grosse Nachwuchsabteilung. Der Erfolg, den YB in den letzten Jahren hatte, trug zu einem positiven Lebensgefühl der Bernerinnen und Berner bei. Wir haben einen gewissen Respekt verdient. Wir haben unseren Wunsch klar geäussert, dass der Dialog verbessert werden sollte. Nun gibt es mit dem Regierungsrat und den Proficlubs im Kanton bald einen runden Tisch für einen besseren Austausch.
Unter der Woche tauchten wieder Bilder vom ersten Spiel mit Zuschauern gegen Vaduz auf, die Menschenmassen beim Anstehen vor dem Stadion zeigen, und den Sektor D, in dem die Zuschauer eng beieinander sitzen. Liess YB die Chance ungenutzt?

Es sind Fehler passiert, dazu stehen wir. Aber Sie dürfen nicht vergessen, dass an diesem Tag für sämtliche Beteiligten alles neu war. Wir gingen davon aus, auf den Erfahrungen aus diesem Spiel aufbauen zu können, wir hätten beim nächsten Spiel etwa den Prozess der ID-Kontrolle verbessert. Da ging viel Zeit verloren. Aber der Entscheid des Kantons hatte nichts mit dem Schutzkonzept zu tun, sondern mit der rasch steigenden Zahl der Corona-Ansteckungen.

Welche nähere Zukunft sehen Sie für den Fussball in der Schweiz?

Wir sind zurück auf Feld eins, wie im Sommer, als man nach dem Lockdown die Saison fortsetzte. Bei YB müssen wir nun den Betrieb wieder runterfahren und in gewissen Bereichen Kurzarbeit anmelden.

Wir werden wohl einen einstelligen Millionenverlust schreiben. Das ist eine enorme Differenz zu den Vorjahren.

Wie sind die finanziellen Auswirkungen für YB?

Grob geschätzt, erhöht sich in jedem Monat, in dem 1000 oder nun sogar keine Zuschauer zugelassen sind, unser Verlust um eine Million Franken. Ein, zwei Monate können wir das verkraften. Danach wird es auch bei uns grössere Fragezeichen geben. Für andere Vereine wird es noch viel schwieriger.

Das Hilfspaket für den Profisport ist nach Monaten nun bald geschnürt. YB-CEO Wanja Greuel sagte im Sommer, man beabsichtige nicht, ein Darlehen zu beanspruchen. Muss der Club diese Meinung revidieren?

Das können wir nicht ausschliessen. Das Darlehen kann eine Überlebenshilfe sein, wenn auch eine, die wir ganz zuletzt in Anspruch nehmen wollen.

YB hat in den letzten zwei Jahren je rund 20 Millionen Franken Gewinn gemacht. Wäre die Situation ohne dieses Polster existenziell?

Wenn schon nur die 1000er-Regel bis in den Frühling Bestand hat, dann wird es auch für uns existenziell.

YB nimmt an der Europa League teil und hat Jordan Lotomba und Roger Assalé für mehrere Millionen verkauft. Bald geht das Geschäftsjahr zu Ende, beeinträchtigt durch rund zehn Monate Corona. Wie wird das Ergebnis aussehen?

Wir werden wohl einen einstelligen Millionenverlust schreiben. Das ist eine enorme Differenz zu den Vorjahren.

Sie sind Treuhänder und Wirtschaftsprüfer, wie oft mussten Sie in den letzten Monaten leer schlucken, wenn Sie sich die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie vor Augen führten?

Es gibt Branchen und mit ihnen einzelne Unternehmen, die wahnsinnig stark betroffen sind. Da läuft fast nichts mehr, und da hat es fatale Auswirkungen.

Wo siedeln Sie da den Fussball an?

Im Emotionsbusiness Fussball können wir auf eine hohe Identifikation aller Beteiligten zählen. Unsere Fans, Partner, Sponsoren zeigen riesige Solidarität, kommen uns entgegen, das ist höchst erfreulich. Viele fordern nicht alles wieder zurück, dass sie eigentlich zugute hätten. Das gibt es in der Wirtschaft nicht, und dafür sind wir enorm dankbar. Auf der anderen Seite können wir genau solche Dinge eigentlich nicht fix einplanen. Diese Solidarität kennt auch Grenzen, auch im Privaten spüren die Leute die Pandemie.

Gibt es denn die Überlegung, dass man die Fans entschädigt?

Dafür ist es noch etwas früh. Entscheidend ist jetzt für uns, wie lange die Zuschauerbeschränkung gilt.

Wie gross ist der Unterschied zwischen 1000 und 0 Zuschauern aus wirtschaftlicher Sicht?

Es geht ja da um 1000 Anwesende, also nicht um 1000 zahlende Zuschauer. Aber obwohl es für uns eine sehr starke Einschränkung ist, konnten wir wenigstens ein paar Sponsoren und Partnern etwas bieten und einigen Fans einen Eintritt ermöglichen. Wir waren und sind froh um jeden einzelnen Zuschauer. Aber ein Gewinn ist so niemals zu erzielen.

Bei den Fans kam Unmut auf, wenn sie sahen, dass von den wenigen Tickets die Hälfte an Sponsoren ging.

Das konnten wir verstehen. Aber wir müssen dort auch die wirtschaftlichen Fakten anschauen. Von den Einnahmen her ist es genau so, wie wir die Plätze zuletzt verteilt haben: Die Sponsoren generieren die eine Hälfte der Ticketing-Einnahmen, das Publikum generiert die andere. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das für mich fair. Aber es geht um Emotionen, und für die habe ich immer Verständnis.

Die Young Boys mussten in der letzten Dekade auch durch Jahre des sportlichen und wirtschaftlichen Misserfolgs. Die Investoren haben Millionenverluste ausgeglichen. Wie steht die Investorenfamilie Rihs jetzt, in diesen schwierigen Zeiten, zu YB?

Die Familie Rihs hat uns vor unserer Hochkonjunktur der letzten Jahre enorm gestützt und immer an uns geglaubt. Ab 2017 und mit dem sportlichen Erfolg, verbunden mit wirtschaftlichem Aufschwung, konnten wir ihr etwas zurückgeben. Hans-Ueli Rihs und sein Sohn Stefan, die beide als Aktionäre im Verwaltungsrat sitzen und sich stark mit YB identifizieren, konnten das enorm geniessen. Und auch aktuell stehen sie wie ein Fels in der Brandung hinter dem Club, ich telefoniere fast täglich mit ihnen. Sie sind eine von drei Säulen, die YB tragen.

Welches sind die anderen?

Die zweite ist die Leistung der operativen Führung, inklusive allen Mitarbeitenden. Sie befinden sich seit Monaten im Krisenmanagement und leisten hervorragende Arbeit. Und die dritte ist die Identifikation und somit die starke Verankerung von YB in der Region mit dem überaus treuen Publikum und das Vertrauen unserer Partner und Sponsoren. Wir hatten vor dem Lockdown einen Zuschauerschnitt von über 26’000. Das ist phänomenal.

Wir waren und sind froh um jeden einzelnen Zuschauer. Aber ein Gewinn ist so niemals zu erzielen.

Das haben Sie sich mit Erfolg erarbeitet.

Das stimmt. Und deswegen muss unser Fokus immer auf der ersten Mannschaft liegen. Denn sie ist es, die für die Emotionen sorgt, welche die Leute an YB so faszinieren.

Das ist ja eigentlich ein enormer Vorteil für einen Sportclub. Einem Unternehmen in der Wirtschaft laufen in der Krise einfach die Leute davon.

Absolut. Wir als Fussballclub versuchen, diese Emotionen hervorzurufen und ein Stück weit auch zu verkaufen. Allerdings gehören dazu sowohl die positiven als auch die negativen Emotionen. Es gab zuletzt Meistertitel und grosse Siege. Jetzt gehen wir zusammen durch eine schwere Krise. In normalen Zeiten liegen wir uns nach Siegen in den Armen, nun stehen wir noch näher zusammen, aber natürlich mit 1,5 Metern Distanz (lacht).

Sie selbst fungieren als Bindeglied zwischen Besitzerschaft, Verwaltungsrat und Organisation. Möchten Sie gern mehr Aufmerksamkeit?

Auf keinen Fall. Der Fokus soll auf der Mannschaft liegen, der sportlichen Leitung und dem Staff. Da wird die tägliche Arbeit für YB verrichtet. Der Verwaltungsrat ist im Hintergrund tätig und auch nicht vollamtlich involviert. Wir sind in den letzten Jahren sehr gut damit gefahren.

Als Sie 2012 VR-Präsident wurden, sprach Andy Rihs von einer interimistischen Lösung. Nun sind Sie immer noch im Amt.

Solange ich das Vertrauen der Beteiligten und den Auftrag der Aktionäre habe, mache ich gern so weiter. Ich bin sehr geprägt von meinem Beruf als Treuhänder, von diesem Verständnis, einem Kunden zu dienen. So sehe ich meine Aufgabe auch bei YB.

Viele Clubs treten mit der Hierarchie Trainer, Sportchef, Präsident auf. Bei YB ist das anders. Über Sportchef Christoph Spycher spielt sich niemand als Patron auf.

Das passt zu den Werten von YB. Die haben wir verhandelt und vereinbart, und jetzt leben wir sie. Vielleicht sind es auch Berner Werte: Bescheidenheit, Bodenständigkeit, dazu Beharrlichkeit. Zusammen mit dem sportlichen Ehrgeiz und den hohen Ambitionen, die wir haben, ergibt sich das Konstrukt YB. Aber diese Philosophie passt nicht zu jedem Club. Ich verstehe, dass etwa Christian Constantin beim FC Sion als Eigentümer bestimmter auftritt.


https://www.bernerzeitung.ch/dann-wird- ... 6468913902

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2020/2021
 Beitrag Verfasst: Samstag 31. Oktober 2020, 11:38 
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Eine Woche spielfrei

Verschnaufpause für YB – braucht es mehr Spieler, die vorneweg gehen?

Auch die Partie zwischen Lugano und YB wird verschoben. Das gibt den Young Boys etwas Zeit im dichten Programm – und die Möglichkeit, nach dem schlechten Spiel in Cluj etwas Ursachenforschung zu betreiben.

Abhaken, bessermachen. Ein gewisser Wille zur schnellstmöglichen Korrektur war bei den Young Boys nach dem Schlusspfiff im Spiel gegen Cluj am Donnerstagabend spürbar. Gewiss, sie hatten ein mühseliges Spiel in der europäischen Fremde nach einem Rückstand noch ausgeglichen, sie flogen mit einem Punkt zurück in die Schweiz, wo sie am Freitagmittag in Bern landeten. Aber auch sie wussten: Das war zu wenig.

Die Chance auf Besserung erfolgt nun später, als gedacht. Anstatt am Sonntag im Tessin beim FC Lugano in der Meisterschaft tritt YB jetzt erst am Donnerstag in der Europa League wieder an, zuhause gegen Sofia. Das Spiel gegen Lugano ist von der Liga verschoben worden.

Auch bei Lugano waren unter der Woche Coronafälle aufgetreten, bei Mittelfeldspieler Mattia Bottani und Goalie Sebastian Osingwe fiel der Test positiv aus. Das Tessiner Kantonsarztamt schickte daraufhin nebst den Infizierten noch sechs weitere Spieler in Quarantäne, die mit den Erkrankten engeren Kontakt gehabt haben sollen. Mit acht fehlenden Akteuren erfüllt Lugano somit die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Antrag auf eine Spielverschiebung – bei mehr als sechs fehlenden Fussballern heisst die Liga solche Gesuche gut.

Die Spieler brauchen die Winterpause

Wann die Partie nachgespielt wird, ist noch offen. Die Liga wird das Spiel in den nächste Tagen neu ansetzen. Viel Raum bleibt im engen Kalender insbesondere für das einzige Schweizer Europacup-TeamsYB nicht. Bis Ende Jahr bestreiten die Young Boys fast ausschliesslich englische Wochen – gut möglich also, dass sie erst im neuen Jahr wieder ins Tessin reisen werden.

«Wir hätten unbedingt spielen wollen, weil wir in Anbetracht der Europa-League-Gruppenphase praktisch keine Ausweichdaten haben», sagt YB-Sportchef Christoph Spycher und hat bezüglich Nachholtermin schon erste Bedenken. «Im letzten Sommer hatten unsere Spieler nur eine sehr kurze Pause. Auch im Winter werden sie kaum dazu kommen, die Batterien richtig aufzuladen. Es wäre mit Blick auf die Gesundheit der Spieler fatal, den ohnehin schon sehr kurzen Winter-Unterbruch der Meisterschaft nochmals zu verkürzen.»

Damit gilt die Konzentration nebst der Erholung ab sofort dem Spiel am Donnerstag gegen Cluj. YB verbringt für einmal eine Woche ausschliesslich in der Europa League. Gegen den bulgarischen Hauptstadtclub Sofia, der mit dem überraschenden 0:0 gestern gegen Roma ebenso bei einem Punkt in der Gruppe steht, wird es ein wegweisender Vergleich. Wollen die Berner den Anschluss an den zielgesetzten Rang 2 halten, müssen sie wohl gewinnen.

«Die Chance auf ein Weiterkommen haben wir noch. Aber dazu müssen wir uns steigern», sagte Gerardo Seoane noch am späten Donnerstagabend in Cluj im Stadion. Der YB-Trainer fand deutliche Worte für den Auftritt seiner Mannschaft, deutlichere vielleicht, als die Teamexponenten selber, die, zumindest gegen aussen, die eigenen Leistung etwas weniger kritisch analysierten. «Ich hatte heute nie das Gefühl, dass wir uns durchsetzen konnten, weder einzel noch im Kollektiv», sagte Seoane. «Wir sind gut gestartet», sagte Torschütze Christian Fassnacht zur sehr bescheidenen ersten Halbzeit, «wir haben dominiert», meinte Cédric Zesiger zu einem über weite Strecken uninspirierten Auftritt.

Braucht es mehr Spieler, die vorneweg gehen?

Es beschlich einem beim Spiel am Donnerstag einmal mehr das Gefühl, dass die Young Boys derzeit noch mit angezogener Handbremse insbesondere durch den europäischen Herbst fahren. Das mag an der auch vom Trainer schon erwähnten, nach dem eigentlich unfassbaren Programm der letzten Monate nicht mehr ganz einwandfreien mentalen Frische liegen. Es mag aber in Teilen auch ein Mangel von Figuren sein, die in solchen Situationen vorneweg gehen und von der Mannschaft mehr verlangen.

«Es ist unser Anspruch, mehr Torchancen zu kreieren», sagte Seoane noch – und verglich damit den Aufttritt gegen Cluj indirekt auch mit anderen Partien der letzten Wochen, als die Young Boys genau solche Torchancen reihenweise ausliessen. «Mich würde es mehr beunruhigen, wenn wir uns keine Chancen erspielen würden», sagte Seoane damals. Am Donnerstag war so ein Spiel, entsprechend unzufrieden wirkte der Trainer.Gerade auf fremden Plätzen tut sich YB europäisch sehr schwer. Zum letzten Mal in der Gruppenphase gewannen die Young Boys auswärts bei Slovan Bratislava (3:1). Das war 2014, als noch kein einziger der aktuellen Kaderspieler im Team war.

Die Chance zur Besserung folgt auf dem Fuss. Europäisch erst zu Hause gegen Sofia, Ende November dann auch auswärts in Bulgarien. Abhaken, bessermachen.


https://www.bernerzeitung.ch/verschnauf ... 2600550369

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2020/2021
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 4. November 2020, 11:18 
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Wenn die Maske alleine nicht mehr taugt

Quarantäne-Anordnungen bedrohen die Meisterschaft im Fussball wie im Eishockey. Während YB zuversichtlich ist, den Worst Case zu vermeiden, verschärfen etwa die SCL Tigers ihr Schutzkonzept.

Wo sich nach dem Spiel die Menschen tummelten, stehen jetzt lauter Tische, dazwischen meterweite, Corona-gerechte Abstände. Was aussieht wie der Prüfungssaal einer Mittelschule, ist die umfunktionierte Valiant-Lounge im Wankdorf. Einen Stock höher mischte sich nach Partien das YB-Team zum Essen unter die VIP-Fans. Die Nähe zur gut zahlenden Kundschaft bezeichnete YB-CEO Wanja Greuel einst als ein «Unique Selling Point».

Jetzt ist nicht einmal mehr Nähe zwischen jenen erlaubt, die kurz davor noch gemeinsam auf dem Feld standen, rannten, jubelten. Jeder YB-Spieler hat seinen eigenen Tisch, wer seinen Platz verlässt, muss eine Maske tragen. Es sind spezielle Zeiten, die kuriose Bilder schaffen.

Die Abstände beim Essen sind eine Massnahme, mit der die Young Boys versuchen, das Worst-Case-Szenario zu verhindern. Die Mannschaft in Quarantäne wäre für die Berner noch folgenreicher als für die Konkurrenz. Sie sind als einziges Schweizer Team europäisch engagiert, der Terminplan der Uefa sieht keine Verschiebungen vor. Die Quarantäne könnte gleichbedeutend mit einer Niederlage und dem möglichen Ende der europäischen Träume sein. Das kann Millionen kosten. Dementsprechend vorsichtig sind die Young Boys. Angesichts rasant ansteigender Fallzahlen und reihenweise Profimannschaften in Quarantäne verschärfte der Club die Regeln zuletzt noch einmal.

Die halbe Liga ist betroffen

In der Super League konnte am Wochenende eine von fünf Partien stattfinden. Für Mittwoch und Sonntag musste schon wieder je ein Match verschoben werden, weitere dürften folgen. Beim FC Sion sind am Montag 22 Mitglieder der Profiequipe positiv getestet worden, St. Gallen, Lausanne vermeldeten am Dienstag Fälle. Challenge-League-Vertreter Xamax muss in Quarantäne.

Im Eishockey wurden übers Wochenende in der National League nur zwei Partien ausgetragen, die halbe Liga ist von Corona-Fällen betroffen. Die Kantonsärzte beeinflussen mit ihren Quarantäne-Entscheiden den Ausgang der Meisterschaft. Und es braucht keine Erfahrung als Spielplangestalter, um zu wissen, dass, wenn es so weitergeht, die Saisons nicht zu Ende gespielt werden können.

Wie schnell eine Mannschaft aus dem Verkehr gezogen wird, erlebten vergangene Woche der EHC Biel und die SCL Tigers. Beide wurden je wegen eines positiv getesteten Spielers in die zehntägige Quarantäne geschickt. Weshalb die Frage aufgeworfen werden kann, wie wirkungsvoll die Schutzkonzepte der Clubs sind, wenn dann doch das ganze Team pausieren muss.

«Wir müssen unser bestehendes Schutzkonzept überdenken.»
Nik Hess, Athletik-Coach und Covid-19-Verantwortlicher der SCL Tigers

Zumal es widersprüchliche Beispiele gibt: Vor zwei Wochen wurde der Bieler Spieler Tino Kessler positiv getestet, er musste anschliessend in Isolation, seine Teamkollegen durften aber weiterspielen. Nun erwischte es Petteri Lindbohm. Doch diesmal verhängte das Kantonsarztamt eine Quarantäne für das ganze Team. Auf Anfrage schreibt die Berner Kantonsärztin Linda Nartey: «Jeder Covid-Fall wird einzeln abgeklärt.» Die entscheidende Frage dabei lautet: Mit wem hatte ein Spieler engen Kontakt? Verhindere das Schutzkonzept diese engen Kontakte in allen Bereichen, müsse keine Quarantäne angeordnet werden, schreibt Nartey. Andernfalls schon. In Biel heisst es, Kessler wie Lindbohm hätten sich unter Einhaltung des Schutzkonzepts im Team bewegt. Allerdings herrscht bei den Seeländern – angesichts der aktuellen Situation – auch Verständnis für die Anordnung.

Der Kantönligeist beeinflusst den Wettbewerb

In Biel und Langnau herrscht in den Innenräumen strikte Maskenpflicht. Überdies müssen etwa die EHCB-Spieler jeden Morgen ihre Temperatur und ihren Gesundheitszustand in eine App übertragen. Die Resultate gehen direkt an den Club. Wer sich nicht gut fühlt, bleibt zu Hause. Anders als etwa beim SCB teilen sich die Bieler und auch die Langnauer aber nach wie vor eine Garderobe. Einerseits, weil die Infrastruktur begrenzt ist. Andererseits, weil sich gerade in Biel die Spieler dafür einsetzten, räumlich nicht getrennt zu werden. «Dafür tragen sie konsequent Maske», sagt Sportchef Martin Steinegger.

Zumindest die SCL Tigers überlegen nun aber, die Spieler auf weitere Räumlichkeiten zu verteilen. Denn: Mittlerweile wurden trotz Schutzmassnahmen einige Spieler positiv getestet – die letzten Freitag verhängte Quarantäne erwies sich also als richtige Massnahme. «Wir müssen unser bestehendes Schutzkonzept überdenken», sagt Nik Hess, Athletik-Coach und Covid-19-Verantwortlicher der SCL Tigers.

Angedacht ist etwa die Anschaffung sogenannter PET-Boxen, wie sie schon auf den Spielerbänken im Zürcher Hallenstadion installiert wurden, um die Akteure besser voneinander zu trennen. Und die Langnauer überlegen sich, eine spezielle Lampe anzuschaffen, die mittels UVC-Strahlen die Luft entkeimt – entsprechende Geräte kommen etwa in Operationssälen zum Einsatz. Der EHC Biel wird eine solche Anlage bereits diese Woche installieren. OP-Geräte in der Garderobe: auch so ein kurioses Bild.

Nicht überall jedoch handeln die Kantonsärzte so strikt wie im Kanton Bern. So hat etwa der Tessiner Kantonsarzt im Fall von Ambri-Piotta verfügt, dass sich nur infizierte Spieler in Isolation begeben müssen, negativ getestete Spieler dürfen unter gewissen Bedingungen trainieren. Solch ungleiche Massnahmen können zu einer Wettbewerbsverzerrung führen, den Spielplan zum Flickwerk werden lassen, weshalb Eishockey- und Fussball-Liga auf einheitliche Quarantäne-Regeln drängen. Der oberste Kantonsarzt Rudolf Hauri äusserte am Dienstag an der Medienkonferenz in Bern Verständnis für die Forderungen der Ligen, kündigte aber vorerst keine Veränderungen an.

Die Ligen setzen ihre Hoffnungen zudem in Schnelltests, die bald zur Verfügung stehen sollen. Davon erhoffen sie sich, dass jeweils nicht gleich das gesamte Team in Quarantäne geschickt wird. Nur gibt es bezüglich der Schnelltests in der Medizin auch kritische Stimmen, die an deren Zuverlässigkeit zweifeln.

Die vielen Tests als Vorteil für YB

YB-Mannschaftsarzt Jan Montagne ist derweil zuversichtlich, dass der Worst Case Quarantäne bei YB nicht eintreten wird. In den Stadioninnenräumen herrscht Maskenpflicht. Die Garderobenfläche ist viermal grösser als vor Corona. Und beim Aufwärmen gilt ein Abstand von mindestens zwei Metern. Während der Partie hält der YB-Arzt die Ansteckungsgefahr für sehr gering, die Kontaktzeit zwischen den Spielern sei jeweils kurz.

Die heikelsten Momente, sagt Montagne, seien vor und nach einem Match, etwa beim gemeinsamen Essen. Beim FC Lugano mussten deshalb zuletzt sechs Spieler in Quarantäne, woraufhin die Partie gegen YB verschoben wurde. Montagne glaubt, würde das Schutzkonzept so strikt wie bei den Young Boys umgesetzt, hätten die Kantonsärzte keinen Grund, ein Team in Quarantäne zu schicken. Allerdings hat nicht jeder Club den Vorteil so grossräumiger Stadioninfrastruktur wie YB.

In Biel wie in Langnau sind die Spieler angehalten, maximal zu viert an einem Tisch zu sitzen. Zudem essen die Langnauer nicht mehr im öffentlichen Bistro, sondern im geschlossenen Tiger-Saal. Biel-Sportchef Steinegger sagt, man sensibilisiere die Spieler. «Aber ein Restrisiko bleibt.» Weil sich die Spieler bei Partnerinnen oder Kindern anstecken und das Virus danach ins Team tragen können. «Dass sich aber nur Kessler und Lindbohm infiziert haben, zeigt, dass unser Schutzkonzept funktioniert.»

Auch Montagne fühlt sich durch die letzten Wochen bestätigt. Die Young Boys beklagten zwar positive Fälle, Spieler steckten sich aber nicht gegenseitig an. Und was erst wie ein Nachteil anmutete, könnte jetzt ein Vorteil sein: YB wird deutlich häufiger kontrolliert als die nationale Konkurrenz. Das Uefa-Protokoll sieht vor, dass zwei bis drei Tage vor jedem Spiel in der Europa League Mannschaft und Trainerstab getestet werden. Das kann zwar zu positiven Ergebnissen führen, die sonst vielleicht beim Ausbleiben von Symptomen verborgen geblieben wären. Es kann aber auch verhindern, dass sich das Virus im Team ausbreitet.

Am Dienstag ist es wieder so weit. Ein von der Uefa beauftragtes Labor hat sich in einem Raum im Wankdorf eingerichtet. In Schutzkleidung machen Mitarbeiter bei jedem Teammitglied einen Abstrich: noch so ein kurioses Bild, das die Corona-Pandemie geschaffen hat.

Am Abend dann die Nachricht: Sämtliche Tests fielen negativ aus.


https://www.bernerzeitung.ch/wenn-die-m ... 3536373576

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2020/2021
 Beitrag Verfasst: Montag 9. November 2020, 18:29 
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Zwischenfazit vor Länderspielpause

Der Trend zeigt bei YB nach oben

Die Gewinner und Verlierer bei den Young Boys. Und warum Trainer Gerardo Seoane Grund zur Zuversicht hat.

Eigentlich ist Peter Zeidler gefragt worden, wie er die Leistung von Lawrence Ati Zigi bewerte. Doch bevor St. Gallens Trainer ein Loblied auf seinen Goalie anstimmt, spricht er über dessen Reiseroute. Zigi fliege am Montag über Zürich und Amsterdam nach Ghana, um zwei «eminent wichtige» Spiele in der Qualifikation zum Afrika-Cup gegen den Sudan zu bestreiten. Zeidlers sarkastischer Unterton ist unüberhörbar. Es ist offensichtlich: Er hat keine Freude an der Zigi-Pause.

Zwei Wochen ruht der Clubfussball. Für die Nationalspieler bedeutet das nicht nur eine Zusatzbelastung, sondern aufgrund der Reiserei auch ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. YB-Innenverteidiger Mohamed Camara kehrte im Oktober von Guineas Nationalteam mit positivem Corona-Test zurück.

Insofern dürften die Young Boys gar nicht so unglücklich darüber sein, erreichten sie in den letzten Tagen weniger Aufgebote für ihre Spieler als auch schon. Camara etwa zog sich am Donnerstag in der Europa League gegen ZSKA Sofia eine leichte Verletzung am Oberschenkel zu, er verpasste deshalb die Partie gegen St. Gallen und reist nicht zum Nationalteam.

Für YB-Trainer Gerardo Seoane hat das den positiven Nebeneffekt, dass er mit seinem Team in Ruhe arbeiten kann. Bevor am 21. November mit dem Spiel gegen Basel der enorm intensive Schlussspurt mit 10 Partien bis zu Weihnachten beginnt. Nachfolgend einige Erkenntnisse vor der Pause.

Nur ein Neuer ist ein Faktor

Nur Captain Fabian Lustenberger und Goalgetter Jean-Pierre Nsame haben mehr Minuten absolviert als Silvan Hefti. Das verdeutlicht, welchen Wert sich der Zugang bei YB schon erarbeitet hat. Beim 0:0 gegen seinen früheren Club St. Gallen ist der Rechtsverteidiger am Sonntag überragend, macht er so weiter, dürfte bald das erste Aufgebot fürs Schweizer Nationalteam folgen.

Hefti ist so die Ausnahme unter den neuen Feldspielern bei YB. Aussenverteidiger Quentin Maceiras durfte in der Europa League gegen die AS Roma und Cluj zwar beginnen, in der Super League kam er aber erst zu zwei Teileinsätzen. Und Jordan Siebatcheu, als Ersatz von Guillaume Hoarau geholt, wartet immer noch auf seinen ersten Treffer für YB. Gegen St. Gallen stand der Franzose nicht einmal im Aufgebot.

Gaudino hat das Nachsehen

Das Beispiel Siebatcheu zeigt, wie gross die Konkurrenz im YB-Kader ist. Und im Gedränge um die Plätze hat es zuletzt weitere Verlierer gegeben. Gianluca Gaudino etwa, der in der Rangordnung der Mittelfeldspieler hinter Nachwuchskraft Fabian Rieder zurückgefallen ist und erst einmal von Beginn an spielen durfte – daheim gegen Aufsteiger Vaduz. Oder Innenverteidiger Nicolas Bürgy, der trotz ansprechender Leistung gegen die AS Roma vornehmlich auf der Tribüne Platz nehmen muss. In der Super League stehen für ihn erst 14 Minuten zu Buche.

Die offensive Wucht

Allerdings gibt es für Seoane keinen Grund, sein Team durcheinanderzuwirbeln. Der Trend zeigt nach oben. Zwar ist die Ausbeute mit zwei Siegen aus sechs Partien seit der letzten Länderspielpause im Oktober durchzogen, sie widerspiegelt aber nicht das Dargebotene. Bei Servette zeigte YB auswärts seine beste Leistung seit langem, kam zu 27 Schüssen, aber keinem Tor und nur einem Punkt. Und zuletzt gegen Sofia und St. Gallen spielten die Berner ähnlich dominant wie in Spitzenzeiten. YB sei die stärkste Mannschaft der Schweiz, sagt Zeidler nach dem 0:0 am Sonntag, auch weil die Young Boys mit ihren Offensivspielern eine enorme Wucht entwickeln könnten.

Das eine leidige Thema

Damit zum letzten Punkt: der Chancenauswertung. Es ist mittlerweile fast zur Gewohnheit geworden, dass die Young Boys nach einer Partie wortreich zu erklären versuchen, warum das Toreschiessen längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Nach 6 Ligaspielen hat YB erst 5 Treffer erzielt, zum Vergleich: Vorletztes Jahr waren es zum selben Zeitpunkt 19, vergangene Saison 13. Christian Fassnacht, der gegen St. Gallen im Abschluss mehrmals sündigte, glaubt, vor dem Tor fehle es an Überzeugung und Vertrauen. «Daran gilt es in der Länderspielpause zu arbeiten.»


https://www.bernerzeitung.ch/der-trend- ... 9011089124

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 Beitrag Verfasst: Samstag 5. Dezember 2020, 10:56 
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Super League zu uninteressant

Adidas und Nike verschwinden aus dem Schweizer Fussball

Die zwei Giganten geben so viel aus wie noch nie. Ihr Geld investieren sie aber nur in die europäische Spitze, zusammen rüsten sie noch drei Schweizer Teams aus. Bald könnten es noch weniger sein.

Der Mythos wird von Jahr zu Jahr neu beschworen. Wenn Juventus Turin 100 Millionen Euro für Cristiano Ronaldo investiert, PSG für das doppelte Neymar kauft. Die Vereine werden, so sagt man sich, diese Unsummen in wenigen Wochen wieder eingenommen haben, nur schon mit den Trikotverkäufen auf der ganzen Welt. So einfach ist es aber nicht.

«Wer glaubt, dass er mit dem Einkauf eines Stars ein Geschäft machen kann, der ist auf dem Holzweg», sagt Peter Rohlmann, seit Jahren im Sportmarketing tätig. Natürlich bringe Ronaldo eine grosse Fangemeinde nach Turin, genauso wie Neymar nach Paris, essenziell ist der Ertrag aus den Trikotverkäufen aber nicht für die Vereine.

Die Profiteure sind die Ausrüster, Adidas bei Juventus, Nike bei PSG. Der Club erhält nur Kommissionen, im Normalfall sind das weniger als 10 Prozent des Verkaufspreises. Damit bezahlt Juventus nicht einmal das Gehalt Ronaldos. Auch dass Adidas seinen jährlichen Beitrag nach dem Wechsel des Portugiesen im Sommer 2018 von 25 auf 40 Millionen Euro erhöht hat und die Turiner 50 Prozent mehr Trikots verkaufen als davor, rechtfertigt die Ablösesumme von 100 Millionen noch nicht.

Adidas und Nike in Spendierlaune – aber nur bei den Grossen

Nike und Adidas sind die grössten Player, sie dominieren den Markt. Zusammen geben sie in den 15 grössten Ligen Europas jährlich mehr als eine Milliarde Franken aus, um Teams auszurüsten – das sind 75 Prozent des gesamten Volumens.

Ihr Geld fliesst aber vor allem in die Spitze des europäischen Fussballs. Bayer Leverkusen zum Beispiel musste sich 2016 von Adidas trennen. Leverkusen ist ein Verein mit einer einigermassen grossen Strahlkraft und hat das Potenzial, in der Champions League zu spielen. Das ist zu wenig für Adidas, neu wird die Mannschaft von Jako ausgerüstet. Es gilt die Regel: Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer.

Das ist in der Schweiz nicht anders. Während die Nationalmannschaft international an Bedeutung gewinnt, schlittert der Clubfussball im Uefa-Ranking immer weiter nach unten. Hand in Hand geht damit der Trikotmarkt. Die Schweiz ist für die zwei Giganten uninteressant geworden.

Noch vor zehn Jahren, als die Challenge League aus 16 Teams bestand, rüsteten Adidas und Nike 10 von 26 Teams aus, 2020 sind es noch 3 von 20 – Basel, YB und der FCZ. Gut möglich, dass auch sie sich nach dem Auslaufen der Verträge neue Ausrüster suchen müssen. Das öffnet die Tür für kleinere Ausrüster wie Jako (St. Gallen), Gpard (Aarau, Winterthur, Schaffhausen) oder Macron (Sion, Thun, Chiasso).

Die Super-Ligisten verkaufen 30’000 Trikots jährlich

Die Vereine veröffentlichen keine Zahlen, von 20 angefragten will niemand sagen, wie viel der Ausrüstervertrag jährlich wert ist. Rohlmann schätzt, dass die Young Boys und der FC Basel die besten Verträge abgeschlossen haben, sie dürften jährlich über eine Million Franken kassieren. Auch der FC Zürich genoss einmal einen solchen Geldsegen von Nike, die Zahlungen sind jedoch mitunter an Erfolgsprämien geknüpft. Darum hat YB den FC Basel auch im Bereich Merchandising klar überholt.

Für kleinere Super-League-Teams gibt es noch um die 300’000 Franken jährlich. Dies hänge auch mit dem überschaubaren Markt zusammen, erklärt Rohlmann, das Geschäft sei hierzulande nicht sehr lukrativ. Die zehn Super-Ligisten zusammen verkaufen jährlich gut 30’000 Trikots. Zum Vergleich: Selbst die Zweite Bundesliga verkauft dreimal mehr. Noch grösser ist der Unterschied zur Premier League, dort gehen jährlich 600’000 Trikots über den Ladentisch.

Dafür gibt es offensichtliche Gründe, die Grösse des Landes und die Strahlkraft der Liga zum Beispiel. Kinder tragen lieber Trikots von Neymar als von Pascal Schürpf. Rohlmann hat noch weitere Erklärungen: «Die Identifikation mit dem Verein ist in der Schweiz eine andere, Deutsche tragen ihre Trikots auch im Urlaub, Engländer gehen damit ins Pub.» In der Schweiz trage nur ein Trikot, wer am Spieltag auch ins Stadion gehe. Zudem gebe es andere Sportarten mit hohem Stellenwert.

Was dieses Jahr überall dazukommt, ist der Faktor Corona. In der vergangenen Saison sind die Clubs noch mit einem blauen Auge davongekommen. Zwei Drittel aller Trikots würden nämlich in der Hinrunde verkauft, sagt Rohlmann, er sei bei einem Querschnitt durch 15 Clubs aus ganz Europa auf einen durchschnittlichen Rückgang von nur 8 Prozent gekommen.

Doch Rohlmann ist aufgefallen, dass viele Vereine bereits jetzt Preise reduzierten. «Das ist unüblich für das Weihnachtsgeschäft.» Er rechnet mit höheren Einbrüchen für die Saison 2020/21. Denn vor einem Jahr war Corona weit weg und die Hinrunde noch nicht vom Virus dirigiert.


https://www.bernerzeitung.ch/adidas-und ... 7147296560

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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 10. Dezember 2020, 12:28 
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Berner Stadtrat

Knatsch um YB im Schatten der Festhalle

Bei der Stadtratsdebatte um die neue Festhalle befürchten Sportfans ein folgenschweres Foul: Sportlern – inklusive der Profis von YB – könnte auf der Allmend der Trainingsplatz abhandenkommen.

Der FDP-Stadtrat Tom Berger ist Sportpolitiker, YB-Fan und Rugbyspieler, der mitunter auf der Grossen Allmend trainiert. In allen drei Funktionen schluckte er leer, als er einen Antrag zu einem ganz anderen Geschäft las, das am Donnerstag in den Stadtrat kommt: «Wenn dieser Antrag angenommen wird, mache ich mir um die Sportstadt Sorgen.»

Es kam so: Vor einer Woche hiess das Parlament bereits den A-fonds-perdu-Beitrag der Stadt von 15 Millionen Franken an die neue Festhalle gleich neben der Grossen Allmend gut. Zu diesem Paket gehört eine Überbauungsordnung, die baurechtliche Voraussetzung für den Neubau, die diesen Donnerstag an die Reihe kommt. Es ist eigentlich eine Formsache – doch urplötzlich lässt sie die Stadtberner Sportwelt bis hinauf zu den Spitzen des BSC Young Boys erzittern.

Was der Stapi sagte

Anlass für die Aufregung ist das Vor-Wahlporträt über Alec von Graffenried (GFL) in dieser Zeitung. Dort liess der Stapi die Bemerkung fallen, dass «irgendwo auf der Allmend auch YB-Trainingsfelder geschaffen werden könnten». Ein Stich in ein Stadtberner Wespennest, der die Mehrheit der vorberatenden Kommission nachhaltig alarmierte. Als Folge davon legte sie dem Stadtrat einen Ergänzungsantrag nahe, und der ist so explizit formuliert, dass die Clubführung der Young Boys befürchtet, dass alle lang gehegten Wünsche für neue Trainingsfelder auf der Allmend vom Tisch gewischt werden.

Was das mit der Festhalle zu tun hat? Mit dem Neubau ändert die Stadt auch den Autoparkiermodus namentlich auf der Allmend vis-à-vis dem Wankdorfstadion, 210 oberirdische Parkplätze werden ins vergrösserte unterirdische Expo-Parking verlegt, was zusätzliche Grünfläche bringt. Doch genau da zieht die Stadtratskommission nun mit dem ominösen Antrag präventiv die Handbremse: «Der Umstand, dass auf dem BEA-Areal Parkplätze frei werden», fordert sie, «darf nicht dazu führen, dass die auf der Allmend frei werdenden Parzellen ausschliesslich oder mehrheitlich einem Sportclub zukommen.» Mit dem Sportclub ist YB gemeint. Und: Rein politisch gesehen hat der Antrag der vorberatenden Kommission grösste Chancen, nun auch im Plenum angenommen zu werden.

Sportstadt Bern?

YB ist höchst besorgt: «Mir fehlt das Verständnis dafür, dass man auf dem Nebenast eines anderen Geschäfts ohne vertiefte Diskussion langjährige Anstrengungen einfach abwürgen will», sagt YB-CEO Wanja Greuel auf Anfrage. YB macht seit Jahren politischen Druck, weil es zusätzliche Trainingsplätze benötigt, um die Infrastruktur auf ein Niveau zu bringen, das ein Super-League-Verein mit internationalen Ambitionen braucht.


Wie Greuel betont, stellt der nationale Fussballverband angesichts des Mangels an Trainingsrasen inzwischen sogar das Label von YB als Ausbildungszentrum für den Nachwuchs infrage. «Und gleichzeitig will Bern eine Sportstadt sein», merkt Greuel kritisch an. Es könne doch nicht sein, dass Buben und Mädchen, die gerne Fussball spielen würden, sich in Bern in einer Warteliste eintragen müssten – nicht weil die Trainer fehlten, sondern die Trainingsplätze.

Drei Plätze, selber bezahlt

Über 60 Sitzungen habe er mit städtischen Verwaltungsstellen und anderen Stakeholdern schon absolviert, um Lösungen in Stadionnähe auf der Allmend zu erarbeiten, sagt Greuel. Auch von Alec von Graffenried spüre er nach wie vor viel Verständnis. Der Stadtpräsident sagte in dieser Zeitung mehrfach, «auf der Grossen Allmend sind zusätzliche Trainingsfelder nicht realisierbar». YB müsse sich auch für die Kleine Allmend öffnen.
Nun steht aber wieder die Grosse Allmend im Vordergrund. Die Abteilung Stadtgrün der Direktion von Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) hat Machbarkeitsstudien für YB-Trainingsfelder an verschiedenen Standorten auf der Allmend angefertigt.

Darunter befindet sich auch die Variante, die YB am Herzen liegt: Drei neue Trainingsfelder anstelle der heutigen Parkplätze direkt an der Papiermühlestrasse, ganz am Rand der Allmend, nur ein paar Schritte von den Garderoben des Stadions entfernt. «Die Stadtkasse würde nicht belastet», verspricht Greuel, YB würde die Plätze auf eigene Kosten erstellen und bewirtschaften. «Wir sehen das als Aufwertung der Allmend», sagt Greuel, zumal ihm auch eine Buvette neben den Spielfeldern und Toiletten vorschwebt, heute ein grosses Manko für alle Nutzerinnen und Nutzer der Allmend.

«Auch YB nicht»

YBs Ambition, auf der Allmend eigene Trainingsplätze zu realisieren, kollidiert mit der in der rot-grünen Stadt sehr verbreiteten Vorstellung, dass eine Allmend allen Bewohnerinnen und Bewohnern uneingeschränkt zugänglich sein soll – von Hündelern bis zu Hornussern. Die in dieser Frage engagierte SP-Stadträtin Bettina Stüssi geht davon aus, dass der Ergänzungsantrag in ihrer Fraktion angenommen wird. «Wir haben weder vertieft über YB noch über die Frage der Allmend-Nutzung gesprochen», sagt sie. Für die SP gehe es einfach darum, zu garantieren, dass der neu gewonnene Platz, der durch die Aufhebung der Parkplätze entstehe, nicht bereits jetzt an einen vorbestimmten Interessenten vergeben sei.

Selbstverständlich, so Stüssi, müsse die Diskussion über die Nutzung der Allmend erst noch breit und offen geführt werden. Für sie sei allerdings klar, dass Exklusivnutzungen mit dem Allmend-Gedanken nicht vereinbar seien, «auch wenn es um YB geht». Für Hobbysportler, die ihren Platz bei Bedarf auch anderen zur Verfügung stellen, hat sie allerdings Verständnis. Als Rugbyspieler kann Tom Berger beruhigt sein.


https://www.bernerzeitung.ch/knatsch-um ... 5106532036

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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 10. Dezember 2020, 22:51 
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Überbauungsordnung

Stadtrat lehnt «Anti-YB-Antrag» ab

YB darf weiter auf Trainingsfelder auf der Allmend hoffen. Der Berner Stadtrat hat am Donnerstag einen Antrag abgelehnt, der diesem Vorhaben einen Riegel schieben wollte.

Eigentlich befasste sich das Parlament mit der Überbauungsordnung Mingerstrasse-Papiermühlestrasse. Diese wird nötig, damit die Festhalle durch einen Neubau ersetzt werden kann.

Wird das Vorhaben wie geplant umgesetzt, werden rund 220 Parkplätze auf der Allmend vis-à-vis Wankdorfstadion ins vergrösserte unterirdische Expo-Parking verlegt. Das rief die vorberatende Kommission auf den Plan.

Antrag als sachfremd kritisiert

Werde Platz auf der Grossen Allmend frei, müsse dieser der Allgemeinheit erhalten bleiben. Dass frei werdenden Parzellen ausschliesslich oder mehrheitlich einem Sportclub zugeschlagen würden, komme nicht in Frage. YB habe beim Stadion-Neubau aus freien Stücken auf ein Trainingsgelände verzichtet.

Der «Anti-YB-Antrag» wurde mit 15 zu 34 Stimmen bei 17 Enthaltungen abgelehnt. Für ein Ja warben nur die Fraktionssprecher von SP und SVP. Nein sagten FDP-, GFL/EVP- und GLP-Fraktion. Die GB/Ja-Fraktion enthielt sich der Stimme.

Mehrere Redner kritisierten, es handle sich um einen sachfremden Antrag. Die Überbauungsordnung ebne den Weg für den Bau einer neuen Festhalle. In Sachen Trainingsplätze für YB seien Gespräche zwischen Klub und Stadt im Gang. Geregelt werde diese Frage erst später im Rahmen des Projekts Neuordnung Kleine und Grosse Allmend.

«Trojanisches Pferd»

Maurice Lindgren (GFL/EVP) bezeichnete den Antrag als «Trojanisches Pferd». Wer Nein stimme, sage nicht automatisch Ja zu Trainingsfeldern für YB, aber Ja zu Gesprächen.

Timur Akçasayar betonte namens der SP-Fraktion, die Allmend solle in erster Linie der Bevölkerung zugute kommen und nicht einem gewinnorientierten Sportverein. So sahen es auch Alexander Feuz und die grosse Mehrheit der SVP-Fraktion: YB habe Grosses geleistet für Bern, aber auch der Breitensport habe legitime Bedürfnisse.

Stadtpräsident Alec von Graffenried betonte, die Verschiebung von Parkplätzen weg von der Allmend schaffe bloss die Voraussetzung, um danach über die Neuordnung der Allmenden zu sprechen. Diese Frage werde in einem partizipativen Prozess erörtert. Jetzt die Tür zuzuschlagen, sei der falsche Weg.

Volk entscheidet

Die Überbauungsordnung wurde mit 45 zu 12 Stimmen genehmigt. Sie wird dem Volk voraussichtlich im März vorgelegt, zusammen mit einem Investitionsbeitrag von 15 Millionen Franken für den Bau der neuen Festhalle. Für den städtischen Beitrag hatte sich das Parlament schon letzte Woche ausgesprochen.

Die bestehende Festhalle stammt aus dem Jahr 1948. Die Messepark Bern AG und die Bernexpo AG wollen sie durch eine neue, multifunktionale Eventhalle für 9000 Besucher ersetzen. Die Baukosten werden auf 95 Millionen Franken veranschlagt. Stadt und Kanton Bern sollen je 15 Millionen Franken beitragen.


https://www.bernerzeitung.ch/stadtrat-l ... 2968895118

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 Beitrag Verfasst: Samstag 12. Dezember 2020, 13:13 
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Die drängendsten Fragen rund um YB

Was auf das Chaos folgt

Warum in der Europa League kein Videoschiedsrichter im Einsatz stand. Weshalb die Sperre gegen Jean-Pierre Nsame kaum aufgehoben wird. Und wieso die letzten Spiele des Jahres zu einer echten Prüfung für YB werden.

Erst einmal einen Espresso trinken.

Es ist nach 21.30 Uhr am Donnerstagabend im Wankdorfstadion. Die Medienkonferenz mit Gerardo Seoane steht an. Bevor der YB-Trainer auf dem Podium Platz nimmt, steuert er die Kaffeemaschine an, deren Hersteller die Young Boys in den vorherigen Jahren auf Verlangen der Uefa auch schon mit Klebeband verdecken mussten, weil die Firma kein Sponsor ihrer Wettbewerbe ist.

Doch der europäische Fussballverband hat derzeit andere Sorgen als solche Details. Er kann froh sein, ist die Gruppenphase der Europa League mitten in der Corona-Pandemie mit 144 Spielterminen kreuz und quer über den Kontinent und noch darüber hinaus (Israel) verstreut ohne grössere Zwischenfälle (einzig die Partie Qarabag gegen Villareal musste wegen Covid-19-Fällen abgesagt werden) und damit regulär über die Bühne gegangen. Auch wenn das Cluj nun anders sieht. Dazu gleich.

Seoane trinkt den Espresso, plaudert dazu mit den Jungs von Radio Gelb-Schwarz. Er wirkt so, als hätte es die dramatische Schlussphase nicht gegeben.

Ein paar Minuten zuvor ist die Stimmung im Medienraum eine andere, wütendere. Clujs Trainer Edward Iordănescu sitzt auf dem Podium. Seine Stimme ist ruhig, aber er spricht vom «grossen Fehler» des Schiedsrichters Bastien Benoit und deutet eine Verschwörung an. Schon beim 0:0 in der Vorwoche daheim gegen ZSKA Sofia sei ein Franzose Referee gewesen, sagt Iordănescu, eine unglückliche Auswahl, findet der Trainer – auch wenn er keine Korrelation zwischen den Ereignissen erkennen könne, wie er sogleich nachschiebt.

Als ob der Schiedsrichter schuld daran gewesen sei, dass seinem Team gegen den Gruppenletzten Sofia daheim kein Tor gelingen wollte. «Zämehang wie Vorhang», pflegt der Schweizer zu sagen. Der Ton ist dennoch gesetzt, über die Facebook-Seite der Young Boys ergiessen sich nach dem Spiel niveaulose Einträge. Die Frage eines Nutzers, wie viel ein französischer Schiedsrichter koste, ist noch einer der freundlicheren Beiträge.

Natürlich, auch Seoane hätte sich nicht ganz cool einen Espresso genehmigt, hätte er an diesem Abend nicht auf der Seite des Siegers gestanden. Nicht nach diesen Schlussminuten, in denen sich die Ereignisse überschlugen und man erstmals, seitdem die erste Corona-Welle über die Schweiz geschwappt ist, vergass, dass keine Zuschauer im Stadion sind. So fesselnd war das Geschehen.

Wo also beginnen?

Deshalb kam der VAR nicht zum Einsatz

Vielleicht beim Videoschiedsrichter (VAR) und der Tatsache, dass dieser in der Super League bei Vaduz gegen Lugano zum Einsatz kommt, nicht aber bei Milan gegen Celtic Glasgow (einer der 144 Termine). In der liechtensteinischen Provinz ja, im Scheinwerferlicht Europas nein. Das wirkt … nun ja: befremdlich.

«Dieser Abend hat gezeigt, warum der Videoschiedsrichter gut für den Fussball ist.»
YB-Trainer Gerardo Seoane

Der VAR hatte es nie einfach. Hielten sich Gegner und Befürworter die Waage, scheint die Stimmung gekippt zu sein – und nicht weil der Tod Diego Armando Maradonas und all die berührenden Nachrufe einem vor Augen geführt haben, dass sein 1:0 für Argentinien gegen England während der WM 1986 vom Videoschiedsrichter aberkannt worden wäre. Und es deshalb die Hand Gottes nie gegeben hätte.

Liverpools Trainer Jürgen Klopp sagte diese Woche, er sei einmal ein Befürworter des VAR gewesen. «Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher.» Und auch der allseits beliebte englische Moderator Gary Lineker, eine weitere einflussreiche Stimme, hat sich gegen den Videoschiedsrichter gewendet. Doch Seoane sagt, nachdem er den Espresso getrunken hat: «Dieser Abend hat gezeigt, warum der VAR gut für den Fussball ist.»

Eigentlich hätte der VAR heuer schon in den Gruppenspielen zum Einsatz kommen sollen und nicht erst in der K.-o.-Phase, das Projekt wurde auf nächste Saison verschoben. Anders als in der Schweiz sitzen die Videoschiedsrichter im Europacup nicht an einem zentralen Standort, sondern in einem Übertragungswagen vor dem jeweiligen Stadion. Bei 24 Partien am selben Abend bedeutet das einen enormen Aufwand.

Zudem nehmen in der Europa League, anders als in der Champions League, wo der VAR in der Gruppenphase zum Einsatz kam, Krethi und Plethi teil. Europäische Exoten, denen es an der nötigen Infrastruktur fehlt. Diese anzuschaffen, kosten Geld. Geld, das der Uefa schon lockerer von der Hand ging als während der Corona-Pandemie.

Wohl hätte der Videoschiedsrichter am Donnerstag das 1:0 für Cluj in der 84. Minute aberkannt, weil Torschütze Gabriel Debeljuh beim Schuss von Mario Rondón womöglich Millimeter im Abseits stand. Ziemlich sicher hätte der VAR den Penalty für YB, der zum 1:1 durch Jean-Pierre Nsame führt, in der Nachspielzeit annulliert, weil die Bilder zeigen, dass Clujs Goalie Cristian Bălgrădean nicht nur die klare Absicht hatte, den Ball zu spielen, sondern dies auch tat – bevor er YB-Verteidiger Cédric Zesiger am Kopf traf. Als letzten Sommer der Videoschiedsrichter bei der Partie Sion gegen Basel in der Super League erstmals zum Einsatz kam, griff der VAR bei einer ganz ähnlichen Szene ein, woraufhin der Schiedsrichter seinen Penaltyentscheid zurückzog.

Und wahrscheinlich hätte der Videoschiedsrichter auch bei der Roten Karte Nsames kurz darauf, die der YB-Stürmer für ein übermotiviertes, aber nicht böses taktisches Foul sah, interveniert. Wenn dem VAR im Übertragungswagen nicht schon längst der Kopf geraucht hätte.

Deshalb dürfte Nsames Sperre bestehen bleiben

Und damit zum nächsten Punkt. Denn wenn sich der Qualm gelegt hat, sehen sich die Berner ohne Nsame in den Sechzehntelfinal steigen, ihren Stürmer, der mit 12 Treffern (davon vier in der Europa League) in 18 Partien wie letzte Saison ihre Lebensversicherung ist.

Oder?

In der Schweiz könnten die Young Boys bei der Swiss Football League gegen die Sperre vorgehen. Der Rekurs wäre nicht chancenlos, sagt einer, der sich mit der Materie auskennt. Im Disziplinarreglement der Uefa steht im Artikel 9 allerdings, dass eine vom Schiedsrichter auf dem Spielfeld getroffenen Entscheidungen endgültig ist und nicht überprüft wird – ausser es handelt sich dabei um einen offensichtlichen Fehler wie die Verwechslung des bestraften Spielers. Das ist im Fall von Nsame nicht gegeben, deshalb wird die automatisch ausgesprochene Spielsperre sehr wahrscheinlich bestehen bleiben.

Im Falle von Mohamed Camara, der in Rom die Rote Karte gesehen hatte, konnte YB bis am Donnnerstag eine Stellungnahme einreichen. Es ist davon auszugehen, dass der Verteidiger mindestens für ein weiteres Spiel gesperrt wird und damit das Sechzehntelfinal-Hinspiel verpassen dürfte. Mit einem Urteil ist in nächster Zeit zu rechnen.

Servette läutet happiges Restprogramm ein

Und damit in die Zukunft. Am Montagmittag erfahren die Young Boys, auf wen sie im Sechzehntelfinal treffen (13 Uhr), mögliche Gegner sind Schwergewichte wie Arsenal, Napoli, Milan, Tottenham und Manchester United. Davor empfängt der Meister am Sonntag Servette. Die Westschweizer, die sich kürzlich mit dem prominenten französischen Linksverteidiger Gaël Clichy verstärkt haben, befinden sich im Aufwärtstrend.

Die Partie gegen die Genfer läutet das happige Restprogramm ein. Innert 9 Tagen spielt YB danach in Basel, zu Hause gegen Lugano und beim Vizemeister St. Gallen – und damit noch gegen die Besten der Liga. Eine echte Prüfung für die angeschlagenen Young Boys. Eine, welche die Restschweiz mit dem Zusammenschluss an der Tabellenspitze liebäugeln lässt.

Der FC Lugano jedenfalls, der hierzulande über den vielleicht erfrischendsten Twitter-Auftritt verfügt, gratuliert am Freitag den Bernern zum Weiterkommen, verbunden mit der Hoffnung, dass YB in der Liga nun Müdigkeit verspüre.

Zumindest gegen mentale Müdigkeit soll ein Espresso ja helfen.


https://www.bernerzeitung.ch/was-folgt- ... 9782985052

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 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2020/2021
 Beitrag Verfasst: Donnerstag 17. Dezember 2020, 17:41 
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