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 Beitrag Verfasst: Montag 30. September 2019, 10:28 
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30.09.2019

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Gewinnen statt lamentieren

Das 3:2 gegen den FC Sion zeigt, dass die Young Boys trotz riesigem Verletzungspech über viel Potenzial verfügen. Trainer Gerardo Seoane sieht die Absenzen gar als Chance.

Diese eine Frage, sie hätte den Weg ebnen können in einen Monolog des Lamentierens. In eine Replik, in welcher sich der ganze Frust bündelt ob des Verletzungspechs der Young Boys in dieser Saison, schliesslich fallen momentan nicht weniger als acht potenzielle Stammspieler aus.

Doch als Gerardo Seoane am Samstagabend auf dem Podium gefragt wird, ob die vielen Verletzten ein Problem seien im Hinblick auf das strenge Programm mit dem Heimspiel in der Europa League gegen die Glasgow Rangers am Donnerstag, gibt sich der YB-Trainer gewohnt ruhig und besonnen - weit weg vom Lamentieren.

Klar, meint er, wäre es wünschenswert, wenn das Lazarett seiner Mannschaft kleiner wäre. «Aber wir arbeiten mit den Spielern, die da sind.» Der 40-Jährige ist in diesem Moment trotz aller Widrigkeiten ein zufriedener Coach. Weil eben die Spieler, die da sind, gegen den FC Sion 3:2 gewonnen haben.

Nachwuchsspieler auf der Bank

In der ersten Saisonphase hatte sich Seoane als Tüftler gezeigt, als einer, der nicht nur in punkto System äusserst variabel und experimentierfreudig ist, sondern vor allem auch was das Personal angeht. Nicht weniger als 22 Spieler sind in dieser Saison für den Meister schon zum Einsatz gekommen, zum Teil auch begünstigt durch die vielen Verletzten, aber generell verteilt Seoane die Verantwortung gerne auf möglichst viele Schultern.

Je länger die Absenzenliste wurde, desto weniger konnte Seoane wie gewünscht rotieren. Ein Umstand, der angesichts der Dreifachbelastung aus Meisterschaft, Cup und Europa League suboptimal ist und sich auch darin manifestiert, dass gegen Sion mit Esteban Petignat, Felix Mambimbi, Pascal Schüpbach und Samuel Ballet vier Nachwuchsspieler auf der Bank sassen.

Aber eben: es gibt in der figurativen Sprache immer mindestens zwei Perspektiven: die des halbleeren und die des halbvollen Glases, und Seoane wählt Letztere. Weil er die Situation als Chance sieht für die jungen Spieler, Verantwortung zu übernehmen und in eine tragende Rolle hineinzuwachsen.

Vor der Saison war lustvoll debattiert und spekuliert worden, wie das zentrale Mittelfeld der Young Boys wohl besetzt sein würde. Derart zahlreich schienen die Optionen, derart breit aufgestellt schien der Meister.

13 Pflichtspiele später lässt sich konstatieren: Einzige Konstante in diesem Mannschaftsteil ist Michel Aebischer. Der Freiburger, der vor der Saison noch mit Oberschenkelproblemen zu kämpfen hatte und deshalb nicht die ganze Vorbereitung mitmachen konnte, hat bisher alle Spiele bestritten.

Und gegen Sion zeigte der 22-Jährige, der gerne unterschätzt wird, welches Potenzial in ihm steckt, erzielte das erste Tor nach einer Eckballvariante mit einem wuchtigen Schuss selber und legte wenig später auf für Jean-Pierre Nsame und dessen achtes Saisontor.

Der Stürmer ist ein weiterer Profiteur in der Verletztenmisere. Schon in den beiden Meistersaisons hatte der Kameruner in Abwesenheit Guillaume Hoaraus brilliert, nun ist er gar Leader der aktuellen Torschützenliste. Am Samstag stürmten die beiden wieder einmal Seite an Seite und harmonierten erstaunlich gut.

Lob für den Gegner

Da ist auch Gianluca Gaudino, Edeltechniker und Freistossspezialist. Der Deutsche demonstrierte die Fähigkeiten seines rechten Fusses mehrmals, war der Kreativkopf und der Mann für die Überraschungsmomente. Gaudinos gelungener Vortrag überraschte insofern leicht, als dass sich die Partie vorab in der zweiten Halbzeit zu einer entwickelte, die ihm eigentlich nicht behagt.

Die Duelle nahmen zu, es war umkämpft, Sion glich nach dem Doppelschlag der Berner erneut aus, die 24'384 Zuschauer sahen ein Hin und Her mit Chancen auf beiden Seiten, ein Verfolgerduell zwischen dem Zweit- und dem Drittplatzierten, als welches es im Vorfeld angepriesen worden war, und das für YB dank Christian Fassnachts erstem Saisontor zum 3:2 einen glücklichen Ausgang nimmt.

Wobei die Young Boys in der Schlussphase noch gehörig ins Zittern gerieten - auch, weil Hoaraus viertes Tor - nach massgenauer Flanke Gaudinos - wegen eines vorangegangenen Handspiels von Nsame aberkannt wurde.

«Sion ist verdient oben mit dabei, weil sie immer für Gefahr sorgen», sagt Seoane, nachdem sein Antipode Stéphane Henchoz gemeint hat, er könne seinem Team keinen Vorwurf machen. Es ist ein nettes Schlusswort an einem Abend, an dem dann irgendwie alle zufrieden scheinen.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/15994337

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