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 Beitrag Verfasst: Montag 18. Mai 2015, 17:20 
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18.05.2015

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Routiniert im Titelsammeln und Meisterfeiern

Mit einer Nullnummer gegen YB sichert sich der FC Basel den 18.Titel der Vereinsgeschichte. Meisterliche Stimmung aber kommt im St.-Jakob-Park nicht auf.

Auch das Ankündigen der Nachspielzeit kann ein Weckruf sein. 2 Minuten, so leuchtet es oben auf der Anzeigetafel, soll die Partie nach der regulären Spielzeit noch dauern. Es ist der Moment, als sich das Publikum in der zweiten Halbzeit doch noch bemerkbar macht.

Auch das Ankündigen der Nachspielzeit kann ein Weckruf sein. 2 Minuten, so leuchtet es oben auf der Anzeigetafel, soll die Partie nach der regulären Spielzeit noch dauern. Es ist der Moment, als sich das Publikum in der zweiten Halbzeit doch noch bemerkbar macht.

Die Leute, sofern sie es mit dem FC Basel halten, stehen auf, fast ein wenig unentschlossen, sie klatschen rhythmisch, fast ein wenig schüchtern, sie bewegen sich schunkelnd, fast ein wenig zögerlich. Die ganz grosse Partylaune kommt noch nicht auf.

Bald ist Schluss, endlich Schluss aus Basler Sicht. Mit einer Nullnummer gegen YB sichert sich der FCB den 6. Meistertitel in Serie. Er hat nicht mehr getan als nötig, aber es war genug, um den letzten Punkt zu holen, der zum Meisterfest fehlte. Die Spieler umarmen sich jetzt auf dem Rasen, sie tanzen ein bisschen vor der Fankurve, Bierduschen und Meisterleibchen fehlen nicht, alles wirkt routiniert. So feiert ein Titelhamsterer. Der St.-Jakob-Park ist mit 34'231 Zuschauern nicht ausverkauft.

Drei Stunden vorher, auf dem Weg ins Stadion, ist die Stimmung unter den FCB-Aficionados ausgelassener. Vorfreude ist die schönste Freude, die Menschen diskutieren aufgekratzt, wie Abendprogramm und Meisternacht aussehen könnten. Kurz darauf, im Stadion, halten sie rot-blaue Ballons in die Höhe, auf der Videoleinwand bezeugen Fans im Alter von 1 bis 103 ihre Liebe für den FCB.

Und für wenige Sekunden ist die Ambiance in der Arena beim Einmarsch der Akteure elektrisierend, zumal die YB-Anhänger fleissig Pyros zünden. Viele Freunde der Young Boys sind jedoch nicht nach Basel gekommen. Es ist bitter, dabei zu sein, wenn der Rivale feiert.

Der Start in den Spitzenkampf ist intensiv. Harte Zweikämpfe und grobe Fouls prägen das Geschehen, die Akteure gehen aufeinander los, als gelte es, alte Rechnungen zu begleichen. Draussen an der Linie stehen die Trainer, Uli Forte im dunklen Anzug, Paulo Sousa mit schwarzer Trainerhose und engem, schwarzem Leibchen. Der Portugiese ist sehr schlank und sieht aus wie ein 800-Meter-Läufer. Das passt zur Veranstaltung, eine Anlaufphase benötigt das Gipfeltreffen nicht.

Nach rund 20 Minuten allerdings flacht die Begegnung rapide ab, das Tempo erinnert jetzt eher an einen 10'000-Meter-Lauf. Es ist ruhig geworden im Stadion, man hört sogar, wie YB-Stürmer Guillaume Hoarau seinem Teamkollegen Sékou Sanogo eine Kurzlektion in Sachen Pressing erteilt. Die Gäste sind nicht zum Spalierstehen nach Basel gekommen, sie wollen Spassbremsen sein. Ihre Leistung ist mehr als ordentlich, aber nach vorne gelingt auch ihnen nicht besonders viel.

Und so steht die Partie zur Halbzeit 0:0, nach 60 Minuten 0:0, nach 75 Minuten 0:0. Es ist, als ob der FCB Kraft und Offensivgeist zur Pause in der Kabine gelassen hätte. Nur nicht zu viel Energie verschleudern vor der Freinacht. Die Young Boys wissen nicht so recht, wie sie mit dem unerwarteten Sonderangebot an Raum und Zeit im St.-Jakob-Park umgehen sollen. Man erhält das Gefühl, dass nur ein Eckball zu einem Tor der Gäste führen könnte – und Hoarau setzt einen Kopfball nach einem Corner tatsächlich nur knapp neben den Pfosten.

Das ist Mitte der zweiten Hälfte, nachdem kurz zuvor beinahe Yvon Mvogo zum unfreiwilligen Basler Korkenöffner der Bier- und Champagnerflaschen geworden wäre. Einen harmlosen Schuss Fabian Schärs, der keine Anspielstation gefunden hatte und aus 40 Metern einfach mal abzog, liess der junge YB-Goalie durch die Hände gleiten. Dabei lenkte er den Ball leicht ab und um Zentimeter am Tor vorbei.

Und so wartet Basel weiter. Auf ein Tor. Vor allem auf den Schlusspfiff. Und den Beginn der Festivitäten. Es ist in der zweiten Halbzeit manchmal gespenstisch still im Basler Fussballtempel. Höhepunkte aus FCB-Sicht bilden ein 5-Meter-Sprint Strellers, der frenetisch bejubelt wird, sowie die Auswechslung Strellers, die endlich einen guten Grund bietet, ein wenig begeistert zu sein.

Die Captainbinde wandert zu Fabian Frei, und als dieser in der Nachspielzeit ausgewechselt und Matias Delgado zum Spielführer werden sollte, pfeift Schiedsrichter Sascha Amhof um 17.53 Uhr kurzerhand ab. Er hat genug gesehen und erlöst die Basler Feiergemeinschaft. Wie in einem Marathon hat sich der FCB über die Ziellinie gequält, meisterlich ist sein Auftritt am Sonntag nicht. Aber wen interessiert das um 17.54 Uhr noch?

Die ganz grossen Emotionen werden noch nicht freigesetzt. Wer im Championat so überlegen ist wie der FC Basel, jubelt anders, als wenn der Triumph in einer Finalissima errungen wird. Am Sonntag ists bestenfalls ein Finalissimächen. «Wir dachten schon in der Winterpause, dass wir gegen YB Meister werden könnten», sagt Streller. Und der feierfeste Captain verspricht: «Jetzt geben wir richtig Vollgas.»

Jung und alt, fast von 1 und fast bis 103 Jahre, würdigt und begiesst den Titel am Abend und in der Nacht in der Basler Innenstadt. Bier und Champagner helfen sicher, um in angemessene Meisterlaune zu kommen.

Basel schwebt in eigenen Sphären

Der FC Basel bleibt das Mass aller Dinge im Schweizer Klubfussball. Er feiert sogar, wenn keine Tore fallen. Dank der Nullnummer gegen YB gewinnt er bereits in der viertletzten Runde den sechsten Titel in Serie – und die 18. Meisterschaft der Vereinsgeschichte.

Der Branchenleader dominierte die Saison nach Belieben und hatte den grössten Rivalen YB schon Anfang November um elf Punkte distanziert. Und als die Young Boys eine beeindruckende Serie starteten, leisteten sich die Basler keine Blösse – und strebten an der Spitze ungefährdet zum nächsten Triumph. Die grosse FCB-Fanbasis hat sich längst an Meisterfeierlichkeiten im Mai gewöhnt.

Man darf provokativ behaupten, dass es kaum eine Rolle spielt, wer in Basel an der Seitenlinie steht – mit diesem glänzend besetzten Team kann am Ende nur der Titel die Konsequenz sein. Gleich vier verschiedene Fussballlehrer (Thorsten Fink, Heiko Vogel, Murat Yakin und Paulo Sousa) mit völlig unterschiedlichen Philosophien trainierten in den letzten fünf Jahren den FCB. Unumstritten im Umfeld war keiner, aber die Mannschaft ist viel zu stark, um national in Turbulenzen zu geraten.

Klasse und Konstanz des FC Basel sind bemerkenswert. Er ist, neu ist diese Erkenntnis nicht, fast zu gut und zu gross für die Super League geworden. Der Abstand zur Konkurrenz ist noch einmal gewachsen, Basel schwebt sportlich und wirtschaftlich in eigenen Sphären. Im letzten Kalenderjahr nahm der Verein für Schweizer Verhältnisse schier unfassbare 105 Millionen Franken ein, was auch mit den ausserordentlich hohen Erträgen in der Champions League sowie den lukrativen Spielerverkäufen ins Ausland zusammenhing. Dank ausgezeichneter Transferpolitik vermag Basel den heiklen personellen Umbruch Jahr für Jahr elegant zu moderieren.

Die enorme Breite im Kader ist ohnehin ein Hauptgrund für die Überlegenheit in der Meisterschaft, jede Position ist auf hohem Niveau doppelt besetzt. Mit Abwehrchef Fabian Schär, Mittelfeldstratege Fabian Frei, Torjäger Shkelzen Gashi und dem grossen Offensivtalent Breel Embolo stehen aber die nächsten Akteure eher früher als später vor einem Wechsel in eine grosse Liga.

Am schwersten treffen wird den FCB jedoch der Rücktritt von Marco Streller. Der Captain war in den letzten Jahren Skorer und Leistungsträger, Vorkämpfer und Identifikationsfigur, der beliebte Basler stabilisierte das Team auf und neben dem Rasen mit seiner Persönlichkeit. Man darf – mal wieder – gespannt sein, wie die Verantwortlichen Abgänge kompensieren werden. Wenn es den Young Boys, einziger ernsthafter Konkurrent des FCB, im Sommer gelingen wird, alle Stammkräfte zu halten und sich zu verstärken, können die Berner den FC Basel nächste Saison möglicherweise herausfordern.

Die Hoffnung der Konkurrenten Basels stirbt zuletzt. Aber ein 7.Meistertitel in Serie in einem Jahr würde niemanden überraschen. Denn die Veränderungen im Kader werden beim FCB auch wieder für neue Reize sorgen.


http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/29622766

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 Beitrag Verfasst: Montag 18. Mai 2015, 17:36 
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18.05.2015

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YB-Noten: Steffen stark, Gerndt blass

Die Akteure der Young Boys agierten beim 0:0 in Basel fast alle ordentlich.

Yvon Mvogo, Note 4
Zweimal unsicher bei Flanken und mit viel Glück bei einem Weitschuss Fabian Schärs, der dem YB-Goalie durch die Hände glitt – und sehr knapp am Tor vorbeiging. Mvogo überzeugte aber auch mit starken Paraden.

Florent Hadergjonaj, Note 4,5
Solid, ballsicher, liess gegen wenig inspirierte Basler kaum etwas zu. Nach vorne mit einigen guten Aktionen, holte aber letztlich zu wenig aus den Möglichkeiten heraus, die sich ihm boten.

Milan Vilotic, Note 5
Kopfballstark, robust, sehr souverän, ohne übermässig gefordert zu werden. Einmal liess er Marco Streller nach einem Eckball zu viel Raum, doch der Kopfball des FCB-Stürmers verfehlte das Tor haarscharf.

Steve von Bergen, Note 4,5
Musste oft in Kopfballduelle mit Streller. Erledigte auch das ordentlich, war aber insgesamt einen Tick weniger stark als Nebenmann Vilotic in der Innenverteidigung.

Jan Lecjaks, Note 4
Am Anfang mit Mühe gegen den wirbligen Breel Embolo. Steigerte sich, ohne zu glänzen.

Milan Gajic, Note 4,5
Einige kluge Pässe, hatte das Geschehen im Zentrum im Griff, tauchte aber teilweise ab.

Sékou Sanogo, Note 4,5
Hielt mit seiner Wucht einige Basler auf, in der Vorwärtsbewegung jedoch wenig kreativ.

Renato Steffen, Note 5
Der beste Berner. Lieferte sich viele intensive Zweikämpfe, wurde mehrmals hart gefoult, war aber selber auch kein Flügel von Traurigkeit. Wenn er in Fahrt war, konnte er kaum mit legalen Mitteln gestoppt werden. Sein Pech war, dass die Basler ihm oft noch ein Bein in den Weg stellten und ihn zu Fall brachten. Musste deshalb auch angeschlagen ausgewechselt werden.

Alexander Gerndt, Note 3
Zuerst aktiv, später aber kaum mehr gesehen. Blieb – wie zuletzt regelmässig – blass, kämpfte aber aufopferungsvoll.

Gonzalo Zarate, Note 3,5
Der Argentinier war bemüht, drängte sich diesmal aber nicht, wie in den vergangenen Wochen, für eine Vertragsverlängerung bei YB auf. Unglückliche Aktionen, war zudem nicht immer ins Aufbauspiel integriert.

Guillaume Hoarau, Note 4,5
Der Stürmer verarbeitete viele hohe Bälle bemerkenswert stark, wurde aber selten in Szene gesetzt. Die beste YB-Chance hatte Hoarau Mitte der zweiten Halbzeit, als er nach einem Eckball mit dem Kopf nur knapp das Siegtor verpasste.

Raphael Nuzzolo, Note 3,5
68. Minute für Zarate. Setzte sich kaum durch, hatte es aber schwer, weil Basel gegen Ende der Partie nur noch in der Defensive auf den Schlusspfiff wartete.

Yuya Kubo (73. für Steffen) und Matias Vitkieviez (78. für Gerndt) waren für eine Benotung zu kurz im Einsatz.

6=herausragend; 5=gut; 4=solid; 3=ungenügend; 2=schlecht; 1=sehr schlecht.


http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/18961497

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