08.05.2013

Zitat:
Von wegen Jagdsaison
GC droht den Leader FC Basel frühzeitig aus den Augen zu verlieren. Besiegt der FCB am Mittwoch den FC Zürich, wächst sein Vorsprung auf sechs Punkte an.
Das YB-Vokabular liess nur ein Fazit zu: Für GC lagen im Kampf um den Meistertitel drei Punkte auf dem Silbertablett. Weil die neuste YB-Masche darin besteht, sich klein- statt starkzureden, sagte der Sportchef Fredy Bickel vor dem Spiel gegen GC doch tatsächlich: «Die Mannschaft ist nichts anderes als krank.» Fehlte bloss, dass er bei einem Kostümverleih ein Kellner-Gewand und ein Silbertablett organisiert hätte.
Doch als das Spiel vorbei war, hätten sich wohl am liebsten die Grasshoppers verkleidet und unkenntlich gemacht. Leere Hände, hängende Köpfe, vier Gegentore. Bei den offenbar eingebildeten YB-Kranken resultierte ein 0:4, was nicht unbedingt zu hoch war, weil sich GC am Schluss kaum aufbäumte. Der GC-Coach Forte erlebte «eine bittere Stunde»; er ortete das Übel in der ersten Halbzeit, als Spycher in Fortes Augen wegen eines Notbremsefouls hätte Rot sehen müssen und GC die Effizienz fehlte. Nach der Pause waren die GC-Angriffe fast inexistent, davor hatten sie viel zu zaghaft gewirkt, obwohl die Verwundbarkeit von YB offensichtlich war. Mit Veskovac und Nef fehlten zwei YB-Innenverteidiger; für sie spielten Marco Bürki und Spycher, der als Profi nie zuvor auf dieser Position gespielt hatte. Der Altersunterschied der beiden beträgt 15 Jahre – Ende der neunziger Jahre spielte Spycher noch im selben Erstligateam des FC Münsingen wie Bürkis Vater. Als möchten sie diese nostalgische Note nicht trüben, gaben sich die Grasshoppers vor der Pause zunehmend handzahmer. Mehr Druck hätte YB ins Wanken gebracht – doch derzeit ist GC nicht stark genug, gegnerische Schwächen auszunutzen. Mehr noch: In der 33. Minute brachte Afum YB in Führung.
In der zweiten Halbzeit zeigte GC sogar Ansätze von Zerfall und Selbstaufgabe. Nach einer knappen Stunde musste Vilotic wegen zweier Verwarnungen den Platz verlassen, und bevor es dem Trainer Forte gelang, die Vierer-Abwehrkette neu zusammenzusetzen, hatte YB durch Farnerud (62.) und Nuzzolo (70.) schon auf 3:0 erhöht.
Forte nimmt Bürki in Schutz
GC sicherte sich aus den letzten fünf Partien bloss fünf Punkte, das Team scheint das Guthaben an Fortschritten verbraucht zu haben. Als benötige es einen Beweis für seine momentane Unbelehrbarkeit, pflückte der Goalie Roman Bürki (Marcos Bruder) einen Ball erneut in so diskutabler Manier aus der Luft wie jüngst in Luzern. Damals hatte er Kasami mit den Beinen am Hals getroffen, in Bern berührte er Nuzzolo am Oberkörper. Solche Interventionen mögen nicht Rot-würdig sein, sollten aber nicht zu Bürkis Markenzeichen werden. Forte nahm Bürki mit markigen Worten in Schutz und sagte, man solle sich ein Vorbild an England nehmen – in der Premier League bleibe keiner liegen, bevor er nicht das Bein gebrochen habe.
Nach dem 2:0 am Samstag gegen Servette war der GC-Captain Salatic auf die Idee gekommen, die Jagd auf den FCB für eröffnet zu erklären. Vielleicht war ihm zuvor von einem PR-Profi eingeflüstert worden, ein Zeichen der Stärke sei angebracht – doch mit der Wirklichkeit hatte diese Parole nichts zu tun. Gewinnt der FC Basel am Mittwoch beim FC Zürich, wächst der GC-Rückstand auf sechs Punkte an. Der FCB-Trainer Murat Yakin sass am Dienstag im Stade de Suisse – und vielleicht dachte er sich, GC serviere den Seinen den Titel auf dem Silbertablett.
Young Boys - Grasshoppers 4:0 (1:0).
Stade de Suisse. - 15 069 Zuschauer. - Schiedsrichter: Pache. - Tore: 33. Afum (Raimondi) 1:0. 62. Farnerud (Corner Costanzo) 2:0. 70. Nuzzolo (Gerndt) 3:0. 93. Gerndt (Frey) 4:0.
Young Boys: Wölfli; Zverotic, Spycher (70. Sutter), Marco Bürki, Raimondi (79. Gonzalez); Farnerud; Christian Schneuwly (83. Frey), Afum, Costanzo, Nuzzolo; Gerndt.
Grasshoppers: Roman Bürki; Lang, Vilotic, Grichting, Bauer; Salatic; Hajrovic, Abrashi (63. Rocha), Gashi, Feltscher (63. Zuber); Ben Khalifa (63. Ngamukol).
Bemerkungen: 57. Gelb-Rote Karte gegen Vilotic (Foul). 78. Lattenschuss Zuber. Young Boys ohne Nef, Veskovac (beide gesperrt), Doubaï, Affolter, Simpson und Zarate (alle verletzt), Grasshoppers ohne Pavlovic und Toko (beide verletzt). Verwarnungen: 25. Vilotic (Foul). 27. Spycher (Foul). 34. Costanzo (Reklamieren). 52. Salatic (Reklamieren). 52. Christian Schneuwly (Reklamieren). 93. Ngamukol (Reklamieren).
http://www.nzz.ch/aktuell/sport/fussbal ... 1.18077819