Tagblatt, 27.05.2011
Zitat:
«Was hätte ich denn machen sollen?»
FUSSBALL. Der frühere St.Galler Moreno Costanzo hat mit seinem Treffer zum 2:1 viel dazu beigetragen, dass der FC St.Gallen absteigen muss. Im Interview äussert er zwar Bedauern für seinen Ex-Club und die Ostschweiz, sagt aber auch: «Ich gebe alles für den Verein, bei dem ich spiele.»
Moreno Costanzo, was ging Ihnen nach Ihrem Treffer gegen den FC St.Gallen durch den Kopf?
Moreno Costanzo: Natürlich überlegte ich kurz, was dieser Treffer für meinen Ex-Verein bedeuten kann. Ich hatte auch mitbekommen, dass Bellinzona in Führung war. Aber: Es stand erst 2:1 für YB - die St.Galler hatten auch nach meinem Tor noch genügend Zeit, um zu reagieren. Zudem haben sie den Ligaerhalt meiner Meinung nach nicht gestern verspielt, sondern bei der Niederlage in Neuenburg.
Sie jubelten nach Ihrem Tor nicht...
Costanzo: Ja, und zwar aus Respekt gegenüber meinem früheren Verein und dessen Spielern. Der Verein liegt mir nämlich nach wie vor am Herzen. Ich habe zwölf Jahre für St.Gallen gespielt, hier die Juniorenabteilungen durchlaufen. Es tut mir leid, dass der FCSG nun abgestiegen ist, ich habe diese Nacht nicht gut geschlafen. Aber was hätte ich denn tun sollen?
Beispielsweise einen Querpass spielen statt abdrücken. Das zumindest finden jetzt gewisse FCSG-Fans, wenn Ihnen der Club schon so viel wert sei.
Costanzo: Ich bin Profisportler und gebe alles für den Verein, bei dem ich spiele. Und das ist jetzt YB.
Ihr Weggang im vergangenen Sommer war ein wichtiger Faktor, welcher den sportlichen Niedergang beim FCSG ausgelöst hat. Hätten Sie sich überhaupt in St.Gallen halten lassen, wenn der Verein Sie nicht des Geldes wegen verkauft hätte?
Costanzo: Für mich war klar, dass ich zu einem ambitionierteren Verein wechseln wollte. Und davon gibt es in der Schweiz drei: Basel, Zürich und die Young Boys. YB hatte sich lange um mich bemüht. Von daher war für mich klar, dass ich diese Herausforderung annehmen wollte.
Der FC St.Gallen wechselte Trainer Uli Forte nach einigen Spielen in der Rückrunde gegen Jeff Saibene aus. Überflüssig, finden die einen; viel zu spät, sagen die anderen. Haben Sie bereits gegen Schluss Ihres Engagements in St.Gallen Anzeichen dafür gehabt, dass die Dinge unter Uli Forte aus dem Ruder laufen könnten?
Costanzo: Nein. Und ich finde es völlig fehl am Platz, die Schuld jetzt bei Uli Forte zu suchen. Er hat mit dem FCSG den direkten Wiederaufstieg geschafft und den Verein in der Folgesaison souverän in der Super League gehalten. Im Sommer hatte er dann nicht die Möglichkeit, gute Transfers zu tätigen.
Was ist Ihre Botschaft an die St.Galler Spieler und Fans?
Costanzo: Ich hoffe, dass der FC St.Gallen auf direktem Weg wieder aufsteigt. Wenn er das Team einigermassen beisammen halten kann, sollte es diesbezüglich nicht schlecht aussehen. Ich wünsche diesen Wiederaufstieg dem ganzen Verein und der Region.
http://www.tagblatt.ch/nachrichten/spor ... 92,2573779