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29.01.2022
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Mit dem Selbstverständnis des Serienmeisters: wie YB den FC Zürich unter Druck setzt
Die Berner nehmen die Rückrunde mit acht Punkten Rückstand auf den Leader FCZ in Angriff. Aber der Meistertitel bleibt das Ziel – «alles andere wäre nicht glaubwürdig», sagt der Sportchef Christoph Spycher.
Bevor die Meisterschaft losging, wollte ein Journalist vom YB-Sportchef Christoph Spycher wissen, ob er dem Goalie David von Ballmoos eine Super-League-Saison zutraue. Und Spycher sagte: «Wenn nicht, hätten wir einen anderen Goalie verpflichtet.»
Es war der Sommer 2017, von Ballmoos galt als unbekannter Torhüter, 22 Jahre alt. Aber YB startete mit ihm in die Saison. Und was vor allem aus Spycher sprach: dieses unbedingte Vertrauen in seine Spieler, in seine Ideen. Von Ballmoos war ein eigener Junior, den die Berner in Winterthur hatten Erfahrungen sammeln lassen – und 2017 warfen sie ihn ins kalte Wasser der höchsten Liga.
Seither ist YB vier Mal Meister geworden, von Ballmoos fiel wiederholt verletzt aus, aber der Stammgoalie ist er. Auch momentan fehlt er nach einer Schulteroperation, in dieser schwierigsten Phase seit Jahren: YB nimmt die Rückrunde im dritten Rang in Angriff, acht Punkte hinter dem Leader FC Zürich. Doch was auffällt: wie wenig dieser Rückstand die Berner zu kümmern scheint. Als YB am Dienstag zur Pressekonferenz bat, sagte Spycher, der Meistertitel bleibe das Ziel, «alles andere wäre nicht glaubwürdig». Der Trainer David Wagner sagte: «Es wäre ja total Quatsch, wenn ich nach der Hälfte sage: Nein, da machen wir nicht mehr mit.»
0 Franken für Ersatz
YB sei angriffslustig, sagt Wagner, aber: «Wir sagen das heute einmal – und dann ist auch gut.» Fortan, ab dem ersten Rückrundenspiel gegen Lugano vom Samstag, will Wagner einfach spielen und spielen lassen – und nicht immer wieder rechnen und sich vorrechnen lassen, wie gross der Rückstand ist. Beziehungsweise: wie klein. Denn die Berner scheinen fest davon auszugehen, dass diese Hypothek gegenüber dem FCZ zunehmend kleiner wird. Die «Berner Zeitung» zitierte den YB-Spieler Sandro Lauper so: «Wir haben noch zwei Direktbegegnungen, dann bleiben noch zwei Punkte Rückstand.» Es klingt nach bemerkenswert viel Selbstvertrauen für eine Mannschaft, die im Herbst nie eine längere Baisse aufwies – aber in der Liga wiederholt leichtfertig Punkte vergab.
Diese Nachlässigkeit werden sie sich fortan nicht erlauben dürfen; eigentlich braucht es eine Konzentrationsleistung wie bei einem Abfahrer, der das Lauberhornrennen gewinnen will und für zweieinhalb Minuten mehr oder weniger fehlerlos bleiben muss.
Der Glaube, den Rückstand aufzuholen, sei gross, sagt Spycher. «Es hat auch sehr viel mit dem Glauben an die Mannschaft zu tun.» Daraus spricht all das Selbstverständnis, das sich die Berner in den letzten Jahren erschaffen haben. Sie reden vom Vertrauen ins Team und leben es vor. Gleich zwei Leistungsträger gaben sie im Winter an Serie-A-Klubs ab: Silvan Hefti (fix zu Genoa) und Michel Aebischer, der zu Bologna wechselt, vorerst leihweise, aber mit einer Kaufpflicht, falls gewisse Kriterien erfüllt werden.
Für Ersatzlösungen gaben die Berner null Franken aus. Den Aussenverteidiger Lewin Blum, einen eigenen Junior, riefen sie zurück aus Yverdon, wo er zuletzt leihweise gespielt hatte. Und auf Aebischers Position im zentralen Mittelfeld wähnt sich YB mit Lauper, Vincent Sierro, Christopher Martins und Fabian Rieder so gut besetzt, dass es erst recht keinen Handlungsbedarf sieht.
Traut die Führung dem Team die Aufholjagd zu? Wenn nicht, hätte sie andere Spieler verpflichtet. Einzig einen neuen Goalie engagierte sie, Anthony Racioppi, nachdem im Herbst oft Notstand geherrscht hatte und total fünf Torhüter zum Einsatz gekommen waren.
Und so erstaunt es nicht, dass eine gewisse Kongruenz herrscht zwischen dem Handeln der Führung und dem Vokabular der Fussballer. Die Spieler spüren, dass die Chefs ihnen viel zutrauen – also reden sie auch so. Zwei Direktbegegnungen mit dem FCZ, sechs Punkte.
Ihr Leben, ihr Traum
YB scheute sich immer etwas vor Parolen, wer nun die Nummer 1 sei im Schweizer Fussball. Nach diesen legendären 32 Jahren ohne Meistertitel, von 1986 bis 2018, wollten sie einfach ihr Leben und ihren Traum leben und wiesen gern darauf hin, dass der FCB bessere Voraussetzungen habe, gerade mit dem Nachwuchscampus.
Aber der Umgang mit dem grossen Rückstand auf den FCZ zeigt, was sich entwickelt hat: YB traut es sich zu, den Leader zu überholen. Damals, 2017, als YB auf den Rookie von Ballmoos setzte, fragte jemand, was Spychers Ziel sei. In der Vorsaison waren die Young Boys Zweite geworden, nun müssten sie doch Erste werden wollen, oder? Doch der Sportchef sagte: «Was möglich ist, hängt davon ab, was die Konkurrenz zulässt.»
Was möglich ist, hängt auch heuer davon ab, was die Konkurrenz zulässt. Aber so reden die Berner nicht mehr. Es ist ihre Art, das neue Selbstverständnis zu zeigen. Und den FCZ unter Druck zu setzen.
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29.01.2022
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Analyse zum Rückrundenstart
Der Erfolgszwang bei YB ist vielleicht kleiner, als man denkt
Erstmals seit 2017 starten die Young Boys nicht als Leader in eine Rückrunde. Die Aussichten sind dennoch gut – solange Christoph Spycher am Ruder bleibt.
Am 28. Januar 1961 brachen die Young Boys zu einer einmonatigen Asienreise auf. Nach vier Meistertiteln und einem Cupsieg stiegen die selbstbewussten Berner in der Winterpause ins Flugzeug. Sie machten halt in Bangkok, Colombo, Karachi, Saigon, Hongkong, Singapur, Kuala Lumpur und Kairo, spielten das eine oder andere Freundschaftsspiel. Das Abenteuer blieb für die Mannschaft um den damaligen Trainer Albert Sing gewiss unvergesslich, als optimale Vorbereitung für die Rückrunde erwies es sich nicht. Müde von den Strapazen, satt vom Erfolg, kam YB vom dritten nicht mehr auf den ersten Rang, der Titel war weg, die Dynastie vorbei. «So komisch es vielleicht tönen mag: Der Asientrip war uns wichtiger als der fünfte Titel in Serie», gab der mittlerweile verstorbene Verteidiger Heinz Schneiter später im «Bund» zu.
Am 29. Januar 2022 eröffnen die Young Boys das Fussballjahr gegen den FC Lugano. Nach vier Meistertiteln und einem Cupsieg stiegen die selbstbewussten Berner in der Winterpause nicht ins Flugzeug – Corona verhinderte das gewohnte Trainingslager. Aber auch diesmal steigt YB als Dritter in die Rückrunde. Dass es trotz acht Punkten Rückstand auf den FCZ für den Titel reicht, ist gut vorstellbar – und dass die Berner nicht auf Asienreise waren, ist nur ein Grund dafür.
YB hat nach wie vor das stärkste, breiteste Kader. Nach einer Hinrunde mit 33 Spielen und zahlreichen Verletzten könnte diese Qualität im Frühling wieder den Ausschlag geben.
YB hat nach wie vor das stärkste, breiteste Kader. Nach einer Hinrunde mit 33 Spielen und vielen Verletzten stehen die Chancen mit zahlreichen Rückkehrern und Fokus auf die Liga gut, dass diese Qualität im Frühling wieder den Ausschlag gibt. Unter den Mitstreitern um den Titel ist der Zwang zum Erfolg unterschiedlich gross. Der Leader FCZ darf, muss aber nicht Meister werden. Der Zweite FCB will unbedingt zurück zum Erfolg finden, droht von der krampfhaften Umtriebigkeit seiner Besitzerschaft aber zuweilen mehr gelähmt als angetrieben zu werden.
Und die Young Boys? Mit dem fünften Titel vor Augen bewegen sie sich längst in einem auch historisch aussergewöhnlichen Bereich. Mit dieser Marke würden die gerne so glorifizierten 50er- und 60er-Jahre endgültig als YB-Vorzeigezeit abgelöst. Und sie würde die zweitlängste Serie im Schweizer Fussball bedeuten, hinter den acht Titeln des FCB zwischen 2010 und 2017.
YB steigt zum ersten Mal überhaupt in der «Ära Mühelos» nicht mehr als Leader in eine Rückrunde (zuletzt 2017), steht als Meister unter Druck und alles andere als die Titelverteidigung wäre eine Enttäuschung. Und doch ist der Zwang zum Erfolg nicht unbedingt grösser geworden. Nach einem weiteren Herbst in der Champions League und zwei Spielerverkäufen stimmen die Zahlen trotz Pandemie. Die Besitzverhältnisse sind geklärt, die zweite Generation der Besitzerfamilie Rihs im Verwaltungsrat vertreten. Bleibt auch noch Sportchef Christoph Spycher am Ruder, sind die Aussichten gut.
Wie der Erfolg kann auch Spycher nicht ewig im Club bleiben. Und irgendwann wird die Serie von YB reissen.
Und dort liegt für den Verein der Knackpunkt. Der 43-jährige Könizer ist nach wie vor die Schlüsselfigur beim derzeit erfolgreichsten Schweizer Fussballverein. Sein Vertrag läuft Ende 2022 aus, vor zwei Jahren wollte ihn das Nationalteam als Manager, jüngst fragte ihn Borussia Mönchengladbach als Nachfolger für Max Eberl an. Wie der Meistertitel kann auch Spycher nicht ewig im Club bleiben.
Die Asienreise von 1961 übrigens wurde in einem Dokumentarfilm festgehalten – «mit den Young Boys der Sonne entgegen». Verfilmen lässt der Verein heute jede Meistersaison. Nur blenden lassen sollte man sich davon nicht. Brille auf, dann kann die Rückrunde kommen.
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29.01.2022
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Neues Selbstverständnis in Bern
YB machts vor der Rückrunde wie die Bayern
Acht Punkte Rückstand auf den FCZ. Und doch sind die Zweifel an der Titelverteidigung bei YB gering. In Bern herrscht bayerisches Selbstverständnis.
Zweifel? Ein fussballerisches Fremdwort in München. Da ist das Favoritsein in den Genen. Mia san mia. Punkt.
Auch in Bern hat sich in den letzten Jahren, wenn auch stiller und leiser als im lauten München, etwas Ähnliches entwickelt. Selbst wenn YB acht Punkte Rückstand auf den FCZ hat – beim Meister hat man kaum Zweifel, zum fünften Mal in Serie den Titel zu holen.
Das beginnt beim Boss. Sportchef Christoph Spycher, weiss Gott kein Selbstinszenierer, formuliert die Ausgangslage vor der zweiten Saisonhälfte so: «Es wäre nicht glaubwürdig, wenn wir das im Sommer ausgegebene Ziel nun ändern würden. Es fällt ja immerhin die Doppelbelastung durch die Champions League weg, und wir haben weniger Verletzte.»
Wenn der oberste Chef das schon so vorgibt, können die Schäfchen bedenkenlos folgen. Das tönt dann bei Trainer David Wagner so: «Es wäre doch Quatsch, wenn wir sagen würden, da machen wir nun nicht mehr mit, nur weil wir acht Punkte Rückstand haben.» Und er meint natürlich das Meisterrennen. Und die direkte Frage, ob YB Meister wird? Wagner: «Ja.» Punkt. Nicht mehr. Nicht weniger.
Spieler mit klarer Kante in der Meisterfrage
Und die Spieler? Etwas zögerlich heisst es bei Christopher Martins, dem luxemburgischen Aggressivleader, auf die Frage, ob YB den Titel hole: «Ja, natürlich. Wir werden zumindest alles dafür tun. Es ist ein schwierig zu erreichendes Ziel, aber mit uns ist alles möglich.»
Weiter gehts mit dem neuen Goalie Anthony Racioppi. «Acht Punkte sind nichts. Das kann man aufholen.» Und dann gibts den Titel? «Ja klar, das ist das Ziel.» Eine etwas weich-bechrige Antwort. Das geht schon noch klarer, bayerischer. Ab ins Wallis, zu Vincent Sierro, auch schon zweifacher Meister. Wird YB also Meister? «Ich hoffe, ja.» Wo ist da das spychersche Bayern-Gen abgeblieben?
Nächster Versuch. Ein Zürcher. Natispieler Christian Fassnacht. «Ich bin absolut überzeugt, dass wir diese acht Punkte wegmachen können.» Also wird YB Meister? «Ja. Mehr muss ich dazu nicht sagen.» Klare Kante. Kampfansage mit Überzeugung. Bayerisch. Und zum Schluss noch ein Einheimischer, Sandro Lauper aus Konolfingen BE. YB Meister? «Ja.» Ein Ja wie ein Schuss. Direkt. Zielsicher. Bayerisch. FCZ? Warm anziehen!
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29.01.2022
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Wer gewinnt das Meisterrennen in der Super League – YB, Basel oder tatsächlich der FCZ?
Alles bereit für die Super-League-Rückrunde. Und die Meisterfrage wird ab sofort immer spannender. Bleibt der FCZ bis zum Schluss an der Spitze? Meldet sich Basel zurück? Oder landet der Pokal am Ende doch wieder in Bern? Die blue-Experten Montandon, Bregy und Gygax machen den Check.
Philippe Montandon sieht trotz 8-Punkte-Rückstand die Young Boys im Vorteil. «YB hat in der Kaderbreite die grösste Qualität in der Mannschaft. Da können Basel und Zürich nicht ganz mithalten. Auch in der zweiten Reihe haben die Berner torgefährliche Spieler, die unberechenbar sind», so Montandon. «In der Hinrunde hatte YB mit vielen Verletzten gelitten, doch die sind jetzt wieder da. Lustenberger etwa tut der Mannschaft sehr gut.»
Mit Michel Aebischer und Silvan Hefti hat YB zwar zwei wichtige Spieler verloren. Trotzdem ist sich Montandon sicher: «YB brennt richtig auf den Saisonstart.»
«Doppelbelastung für den FCB kein Nachteil»
Gewichtige Abgänge muss auch der FC Basel verkraften. Arthur Cabral und Edon Zhegrova sind weg, genauso wie Jordi Quintilla und Eray Cömert. «Die Abgänge sind ein Handicap», sagt Georges Bregy. Er betont aber auch, dass der FCB über ein grosses Kader verfügt und Patrick Rahmen rochieren kann. «Es ist ein eingespieltes Team mit vielen Routiniers, die Erfahrung im Meisterrennen haben und wissen, wie es funktioniert. Und auch einige junge Wilde hat der FCB. Insgesamt eine gut durchmischte Mannschaft.»
Als einziges Team ist Basel noch international vertreten. Die Doppelbelastung sieht Bregy aber nicht als Nachteil, im Gegenteil: «Das ist ein Ansporn für jeden Spieler, damit er sich international zeigen kann. Ausserdem bleibt Basel so im Rhythmus und kann das Tempo mit in die Meisterschaft nehmen.»
«Understatement des FCZ ist sexy»
Daniel Gygax sieht natürlich seinen FCZ im Vorteil. «Der grosse Pluspunkt der Zürcher ist, wie die Spieler miteinander und mit dem Trainer umgehen. Das ist wirklich eine Einheit.» Am Ende sei wohl entscheidend, wie viele Verletzte der FCZ in der Rückrunde zu beklagen hat, meint Gygax, «damit sie so wenig wie möglich verändern müssen. Das aktuelle Konstrukt und das Mannschaftsgefüge finde ich extrem interessant».
Vom Meistertitel spricht in Zürich trotz Tabellenführung und 7-Punkte-Vorsprung noch niemand. Das gefällt Gygax: «Dieses Understatement finde ich sexy. Der Trainer und der Präsident gehen voran und finden momentan immer die passenden Worte, um den Ball flach zu halten.» Damit nehmen André Breitenreiter und Ancillo Canepa den Druck von der Mannschaft.
Den Auftakt in der Rückrunde darf der FCZ machen und könnte mit einem Sieg am Samstag (18 Uhr) gegen Servette den Vorsprung vorübergehend sogar auf zehn Zähler erhöhen. YB empfängt am späten Samstagabend Lugano (20.30 Uhr) und Basel gastiert am Sonntagnachmittag in Luzern (16.30 Uhr). Alle Spiele der Super League siehst du wie gewohnt live auf blue Sport.
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31.01.2022
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Turbulenter Transferschluss bei YB
Nsame wechselt zu Venezia – und was ist mit Martins?
Bei den Young Boys überschlagen sich am letzten Tag der Transferphase die Ereignisse. Jean-Pierre Nsame wechselt in die Serie A, auch für Christopher Martins gibt es lukrative Angebote.
Der 31. Januar ist der Deadline-Day in Fussballeuropa – und für YB wird es kein Montag wie jeder andere. Der letzte Tag der internationalen Transferphase beginnt für YB mit dem Leihgeschäft von Verteidiger Nicolas Bürgy – und er endet mit dem sich in den Stunden zuvor abzeichnenden Abgang von Jean-Pierre Nsame.
Dass mit Bürgy der dritte Spieler im aktuellen Kader verliehen wird, ergibt Sinn. Der 26-jährige Belper nimmt ein Jahr nach seinem Versuch in der zweiten Bundesliga bei Paderborn einen neuen Anlauf beim dänischen Viborg. In der Abwehrzentrale scheint der Abgang verkraftbar: Mit Captain Fabian Lustenberger, Cédric Zesiger, Mohamed Camara und dem jüngst aus dem Nachwuchs nachgerückten Aurèle Amenda verblieben YB für die zwei Positionen auf der Innenverteidigung noch immer vier Spieler, der polyvalente Mittelfeldspieler Sandro Lauper wird wohl künftig eher eine Reihe weiter vorne benötigt.
Am Vormittag verdichten sich die Anzeichen, dass Jean-Pierre Nsames Wechsel zu Venezia bald über die Bühne gehen könnte, am Vorabend ist der Transfer des 28-jährigen Stürmers fix. Es ist ein überraschender Zug – der in Frankreich aufgewachsene Kameruner, der nach seinem Riss der Achillessehne noch nicht zum Comeback für YB gekommen ist, entscheidet sich im letzten Moment für einen Abgang in die Serie A, zum Tabellen-Siebzehnten. Dies, nachdem er noch vor einer Woche bekräftigt hatte, sein Comeback beim Meister geben zu wollen.
Bei den Young Boys sieht man den zweifachen Torschützenkönig der Super League nach der langen Verletzung noch nicht bei vollen Kräften und entsprechend nicht gerüstet für den Konkurrenzkampf im Sturm – «ihm fehlen 10, 15 Prozent», sagte Trainer David Wagner noch vor dem Rückrundenauftakt. Im YB-Angriff verbleiben nach Nsames Abgang Jordan Siebatcheu, Wilfried Kanga, der derzeit verletzte Meschack Elia, Felix Mambimbi und der erst gerade von einer Verletzung genesene Joel Monteiro.
10 Millionen für Martins?
Nsame wechselt vorerst leihweise, den Vertrag mit ihm hat YB bis 2024 verlängert. Dass er im Sommer nach Bern zurückkommt, ist denkbar, die Situation soll nach der Rückrunde neu beurteilt werden. Sportchef Christoph Spycher sagt, Jean-Pierre Nsame sei jener Spieler bei YB, der in den letzten Jahren am meisten Angebote erhalten habe. «Wir mussten mehrmals kurz vor Ablauf der Transferfrist aus sportlichen Gründen Nein zu einem Transfer sagen. Jean-Pierre hat dies immer verstanden und sich bei YB von seiner besten Seite gezeigt.»
Ein Angebot soll auch für Christopher Martins vorliegen, und zwar ein lukratives. Spartak Moskau interessiert sich für den luxemburgischen Nationalspieler, dessen Abgang im zentralen Aufbau der Young Boys vor allem eine Lücke in puncto Physis hinterlassen würde – die Russen sollen 10 Millionen Euro bieten. Weil die russische Liga noch bis 22. Februar Wechsel erlaubt, könnte der Transfer auch noch in den nächsten Tagen erfolgen. Für einen Einsatz in der Europa League, wo Spartak noch vertreten ist, müsste der Spieler allerdings bald gemeldet werden.
Im zentralen Mittelfeld sind die Young Boys nach wie vor am stärksten bestückt, viel Marge aber hätten sie mit einem Verlust von Martins und nach den Abgängen von Aebischer und Jankewitz (an St. Gallen verliehen) nicht mehr. Es ist gut vorstellbar, dass YB da noch nachrüstet. Das Schweizer Transferfenster ist noch bis Mitte Februar geöffnet, Transfers können also noch aus allen Ligen ankommend getätigt werden.
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Christoph Spycher über die Abgänge bei YB
YB-Sportchef Christoph Spycher äussert sich gegenüber YB-TV zu den Abgängen von Jean-Pierre Nsame und Christopher Martins und erklärt die Gründe hinter diesen Entscheiden.
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31.01.2022
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Der Luxemburger geht für fast 10 Millionen zu Spartak Moskau
Martins-Deal macht YB noch reicher
Noch nie hat YB ein derart turbulentes Winter-Transferfenster erlebt wie heuer. Die letzten Deals: Martins geht zu Spartak Moskau, Bürgy nach Dänemark, und auch der Nsame-Abgang zu Venezia ist fix.
Nach Michel Aebischer (25) verliert YB einen zweiten Mittelfeld-, Aggressiv- und Schlüsselspieler: Christopher Martins (24) wechselt in die russische Premier Liga zu Rekordmeister Spartak Moskau, der katastrophal schlecht auf Platz 9 steht. Die Russen leihen Martins bis Ende Saison aus. Danach kommt eine bindende Kaufpflicht zum Zug, die einen Vertrag bis 2027 vorsieht und YB fast 10 Millionen Franken einbringt. Eine Wahnsinnssumme, die den finanziell ohnehin am besten dastehenden Meister noch reicher macht. «Christopher hat sich den Transfer redlich verdient», sagt Sportchef Christoph Spycher väterlich. «Wir werden darum bemüht sein, einen Spieler zu holen, um das physische Element, das nun fehlt, zu ersetzen.»
Nsame bringt mindestens sieben Millionen ein
Auch über die Bühne gegangen ist der Transfer von Jean-Pierre Nsame (28) zum FC Venezia. Er wird fix bis Ende Saison ausgeliehen. Danach ist alles offen. Die Optionen: Rückkehr zu YB (weshalb der Vertrag des Kameruners gestern vorsorglich bis 2024 verlängert wurde) oder ein Kauf durch den FC Venezia. Beide Optionen sind möglich im Fall von Ligaerhalt oder Abstieg des Aufsteigers. Sicher ist: Zieht der FC Venezia die Option, kriegt YB richtig fett Geld in der Höhe einer bereits fixierten Summe. Man kann von mindestens sieben Millionen Franken ausgehen.
Erstaunlich am Deal: Für YB ist Nsame noch nicht genügend fit, um sofort helfen zu können. Es fehlen laut Trainer David Wagner zehn bis 15 Prozent. Den Serie-A-Klub kümmert das wenig. Man könne damit leben, wenn Nsame erst im März hundertprozentig fit sei. YB hat da mit offenen Karten gespielt. Name sagt nicht «adieu», sondern «au revoir»: «Ich bin überzeugt, dass dieser neue Impuls bei mir viel bewegen kann. Ich möchte mit Venezia die Serie A erleben und bin froh, dass er Transfer zustande gekommen ist.»
Bürgy wird nach Dänemark ausgeliehen
Auch Nicolas Bürgy (26) geht. Der Berner ist in der Innenverteidigung nur die Nummer 5 hinter Lustenberger, Camara, Lauper und Zesiger und würde kaum mehr zum Einsatz kommen. In der Vorrunde hatte er einige Einsätze, sogar in der Champions League gegen Atalanta Bergamo wie auch bei Villarreal, weil viele Innenverteidiger verletzt fehlten. Bürgy wechselt leihweise bis Ende Saison zu Viborg FF, dem Achten der dänischen Superliga. Die Dänen besitzen eine Kaufoption.
YB auf der Höhe des FCB – mindestens
Machen wir also die Buchhaltung: YB kassiert für Silvan Hefti 5 Millionen Franken von Genoa. Bologna lässt sich die Dienste von Aebischer (Leihe plus Kaufpflicht im Fall des Ligaerhalts im Sommer) in etwa gleich viel kosten. Bei Nsame streicht YB rund 7 Millionen ein, wenn ihn Venezia kauft. Und nun für Martins 10 Millionen. Unter dem Strich: 27 Millionen. Womit YB dem FC Basel (die Haupttransfers: 7,5 Millionen für Zhegrova an Lille und 16,5 für Cabral an die Fiorentina, macht 24) plötzlich die Stirn bietet …
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31.01.2022
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Turbulenter Transferschluss bei YB
«Wenn ein Angebot in dieser Dimension kommt, muss man sich das gut überlegen»
Bei den Young Boys überschlagen sich am letzten Tag der Transferphase die Ereignisse. Jean-Pierre Nsame wechselt in die Serie A, Christopher Martins für viel Geld nach Russland.
«Au revoir», sagt Jean-Pierre Nsame am Ende eines langen Tages, als er sich via Social Media ein letztes Mal an die YB-Fans wendet. Am späteren Nachmittag ist es fix, der YB-Goalgetter vom Dienst, Meistertorschütze von 2018 und Hoffnungsträger vieler Fans für die Aufholjagd in der Rückrunde wechselt zu Venezia in die Serie A.
Es ist ein überraschender Zug – der 28-jährige Stürmer, der nach seinem Riss der Achillessehne noch nicht zum Comeback für YB gekommen ist, entscheidet sich im letzten Moment für einen Abgang zum Tabellen-Siebzehnten in Italien. Dies, nachdem er noch vor einer Woche bekräftigt hatte, sein Comeback beim Meister geben zu wollen. Er geht leihweise, sein Vertrag mit YB wird bis 2024 verlängert, im Sommer wird entschieden, wie es mit ihm weitergeht. Im YB-Angriff verbleiben nach Nsames Abgang Jordan Siebatcheu, Wilfried Kanga, der derzeit verletzte Meschack Elia, Felix Mambimbi und der erst gerade von einer Verletzung genesene Joel Monteiro.
Christoph Spycher, Jean-Pierre Nsame scheint gut genug für die Serie A zu sein – traut man ihm bei YB keine gute Rückrunde zu?
So ist es nicht. Es spielt sehr vieles mit hinein bei diesem Transfer. Es gab in diesem Winter erstaunlicherweise auch für den aus einer Verletzung kommenden Jean-Pierre viele Angebote. Das zeigt einfach, wie verrückt der Stürmermarkt spielt. Wir sagen: Er ist auf einem guten Weg, er wird auch zurückkommen. Aber man kann auch eine Konkurrenz haben, die die Mannschaft tötet. Wenn Jean-Pierre bei uns schnell zurückkommt, haben wir drei typenähnliche Stürmer, die den Anspruch haben, über 90 Minuten zu spielen.
Was schaut denn jetzt für YB heraus, so, wie das Geschäft aufgegleist ist?
Ein Nullsummenspiel wird es definitiv keines. Es gibt eine Leihgebühr, es gibt das Gehalt, das übernommen wird. Aber bei dem Geschäft war jetzt der finanzielle Anreiz nicht am grössten. Für Jean-Pierre haben wir in der Vergangenheit schon einige Angebote abgelehnt. Manchmal wollte er nicht, dann passte es für uns nicht. Jetzt haben wir die Situation zusammen angeschaut, auch er fragte für diesen Schritt an.
Nsame hat als zweifacher Torschützenkönig der Super League schon so etwas wie Angst verbreitet in der Liga.
Mit Angstverbreiten hat noch niemand Spiele gewonnen. Am Schluss müssen wir entscheiden, was das Beste ist für uns. Man kann auch vier Stossstürmer haben und am Ende hast du einen zu wenig. Oder zwei zu viel. Das ist alles nicht kontrollierbar.
Es ist an diesem Deadline Day für YB kein Montag wie jeder andere. Der Tag beginnt mit der Bekanntgabe des Leihgeschäfts von Verteidiger Nicolas Bürgy, er geht weiter mit Nsames Abgang – und er endet mit dem Transfer von Christopher Martins zu Spartak Moskau.
Auch für den luxemburgischen Nationalspieler gab es in diesem Winter mehrere Angebote, YB hat nun das lukrativste angenommen, die Russen sollen für den defensiven Mittelfeldspieler 10 Millionen Euro zahlen. Der 24-jährige Martins wechselt ebenfalls zunächst auf Leihbasis, die Kaufpflicht im Sommer aber ist fix.
Im zentralen Mittelfeld sind die Young Boys nach wie vor am stärksten bestückt, viel Marge aber haben sie nach dem Verlust von Martins und den Abgängen von Michel Aebischer und Alexandre Jankewitz (an St. Gallen verliehen) nicht mehr. Und so will YB nachrüsten. Das Schweizer Transferfenster ist noch bis Mitte Februar geöffnet, Transfers können also noch aus allen Ligen ankommend getätigt werden.
Der Transfer von Christopher Martins ist sehr lukrativ – aber er hinterlässt im Kader eine grosse Lücke punkto Physis.
Für Martins gab es von Beginn weg die meisten und die besten Angebote. Wir jubeln jetzt nicht, wir würden ihn gerne behalten. Aber wenn ein Angebot in dieser Dimension kommt, muss man sich das schon sehr gut überlegen. Einen Tag vor der Saisonvorbereitung hätte ich da kaum eingewilligt. Aber wir sind auch da noch immer ausreichend gut besetzt, mit gestandenen Fussballern.
Muss sich YB jetzt verstärken?
Wir schauen uns um, nach einem physisch starken Spieler, wie es Martins einer war. Die Priorität bei der Spielersuche liegt im zentralen Mittelfeld. Und wir haben viele polyvalente Fussballer, die mehrere Positionen spielen können.
Mit Aebischer, Martins und Hefti hat YB in dieser Transferphase drei Leistungsträger aus der Vorrunde abgegeben, dazu kommen der Abgang von Nsame und weitere Leihgeschäfte. Das Kader der Young Boys ist weiterhin breit, nach Heftis Abgang kam Lewin Blum, ohne Nsame verbleiben zwei ähnliche Stürmertypen, ohne Martins noch immer drei Zentrumsspieler, ohne Bürgy vier Innenverteidiger. Und doch ist beim Meister Substanz verloren gegangen.
Vor einem Jahr wären die vielen Wechsel wohl auf mehr Verständnis bei den Fans gestossen als jetzt, mit acht Punkten Rückstand in der Liga. Können Sie das verstehen?
Klar verstehe ich das. Aber ich lasse mich nicht von Emotionen leiten. Ich spüre die Kabine, aufgrund dessen muss ich entscheiden. Es gilt, eine Balance zu halten zwischen positivem Konkurrenzkampf und kontraproduktivem Konkurrenzkampf. Ich hätte all diese Transfers auch lieber gut verteilt, zwei im Sommer, zwei im Winter. Aber man kann das nicht alles so direkt beeinflussen.
Hat YB seine Titelambitionen verkauft?
Wir haben keine Garantie auf den Meistertitel. Die gibt und gab es nie, auch mit acht Punkten Vorsprung. Titel holt man mit Vertrauen in diese Mannschaft, und das haben wir.
Sind die vielen Leihgeschäfte Ausdruck der fehlenden Liquidität im europäischen Fussball? Oder warum häufen sie sich bei YB gerade so?
Also ich bin noch nie in die Verhandlung gegangen und habe gesagt: Ich will euch den Spieler nur ausleihen. Das sollen Ausnahmen bleiben, wir wollen prinzipiell nicht ausleihen – ausser es geht um Spielpraxis. Aber es ist gerade in Italien gang und gäbe zurzeit, die Transfers so aufzugleisen.
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31.01.2022
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Analyse zum YB-Transfer-Tag
Verkauft YB seine Meisterambitionen?
Einzeln sind die vielen Abgänge bei Meister YB gut begründbar – in der Summe indes sind sie ein schlechtes Signal an die Konkurrenz.
eider (Keystone)
Im ersten YB-Heimspiel des Jahres lachte ein Gesicht von der Tribüne, welches unlängst noch auf dem Platz zu sehen war. Silvan Hefti, seit wenigen Wochen Spieler von Genoa, nutzte die kurze Pause in der Serie A, kam für die Partie gegen Lugano, einen Blumenstrauss und ein paar warme Worte nach Bern.
Wenn die Young Boys alle ihre Abgänge einzeln verabschieden, dauert das noch bis in den Frühling an. Die letzten, geschäftigen Tage haben beim Meister aus einem einigermassen übersichtlichen Transferwinter eine der ereignisreichsten Pausen überhaupt gemacht: Hefti zu Genoa, Marvin Spielmann zu Lausanne, Michel Aebischer zu Bologna, Jean-Pierre Nsame zu Venezia. Christopher Martins zu Spartak Moskau. Dazu wurden Nicolas Bürgy, Alexandre Jankewitz und Yannick Toure für mehr Spielpraxis verliehen. Acht Spieler haben YB verlassen. Ist das, nur Tage nach dem Start zur Jagd auf den acht Punkte enteilten Leader FCZ, ein Ausverkauf der Meisterambitionen?
Bei 10 Millionen Euro dürfte Christoph Spycher keine zwei Minuten über eine Zusage nachgedacht haben.
Für jeden einzelnen der vielen Transfers gibt es gute Argumente. Bleibt man bei den Stammspielern: Bei Hefti stimmte der Preis, bei Aebischer war nach fünf Jahren YB ein Transfer der nächste Schritt. Bürgy ist nicht der beste der vielen Innenverteidiger im Berner Kader, Spielmann war aussen vor. Falls die Ablösesumme bei Martins wirklich um die 10 Millionen Euro betragen soll, dürfte Sportchef Christoph Spycher keine zwei Minuten über eine Zusage nachgedacht haben, er sieht sich ebenso bereits nach Ersatz um. Und Nsame?
Den Abgang des Goalgetters gilt es differenziert zu betrachten. Einerseits hat Spycher nach Jahren der Wertsteigerung und dem abrupten Zerfall der Aktie Nsame mit der Verletzung letzten Mai die vielleicht letzte Möglichkeit, mit dem Stürmer etwas zu verdienen – wenn Venezia im Sommer denn die Kaufoption zieht. Trainer David Wagner hatte mit Jordan Siebatcheu, Wilfried Kanga und Nsame drei typenähnliche Spieler zu führen, wobei YB in dem Zusammenhang anführt, dass er nach sechs Monaten Verletzungspause noch weit von seinem Leistungsmaximum entfernt sei. Was aber immerhin gut genug für einen Serie-A-Club ist.
Jetzt verlieren die Young Boys mit dieser Politik ohnehin nicht gerade im Übermass vorhandenes Selbstvertrauen.
Andererseits bekundeten die Young Boys in der Vorrunde des Öftern Probleme im Abschluss, und die erste Partie der Rückrunde war auch spielerisch noch keine Offenbarung. Würde der 98 YB-Tore schwere Nsame auch nur ansatzweise zu seiner Treffsicherheit zurückfinden, wäre er seinem Verein damit im Meisterrennen sehr dienlich.
Vor einem Jahr hätte dieser Ausverkauf eine andere Wirkung gezeitigt. YB war souveräner Leader, stand dort, wo jetzt der FCZ steht: acht Punkte vor der Konkurrenz. Jetzt verlieren die Young Boys mit dieser Politik ohnehin nicht gerade im Übermass vorhandenes Selbstvertrauen – und womöglich an Achtung der Gegner im Dreikampf um den Titel. Sportchef Christoph Spycher setzt Prioritäten und orientiert sich auch als Verfolger in der Tabelle klar an der absoluten Wirtschaftlichkeit. Es ist ein heikles Signal.
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31.01.2022
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Aderlass beim Meister
YB leiht Nsame an Venezia aus – auch Martins und Bürgy gehen
- Jean-Pierre Nsame wechselt leihweise bis Ende Saison in die Serie A. - Auch Christopher Martins und Nicolas Bürgy verlassen den Meister am internationalen Deadline-Day. - Mit Michel Aebischer und Silvan Hefti verloren die Berner schon letzte Woche wichtige Teamstützen.
YB-Stürmer Jean-Pierre Nsame wird die laufende Saison in Italien beenden: Die Young Boys haben eingewilligt, dass Nsame bis Saisonende an den Serie-A-Klub Venezia ausgeliehen wird. Nach dieser Spielzeit werde die Situation neu beurteilt, wobei zum jetzigen Zeitpunkt sowohl eine Rückkehr nach Bern als auch eine definitive Übernahme von Venezia in Frage komme, schreiben die Young Boys. Der Super-League-Torschützenkönig der letzten beiden Saisons hat seinen Vertrag mit YB gleichzeitig bis 2024 verlängert.
Der 28-jährige Nsame hatte sich im letzten Mai einen Achillessehnenriss zugezogen und hat seither kein Pflichtspiel mehr mit YB bestritten. Beim Rückrunden-Auftakt gegen Lugano (1:0) fehlte Nsame aufgrund einer Corona-Erkrankung.
Martins nach Russland ...
Der Luxemburger Christopher Martins wechselt von Bern zum russischen Rekordmeister Spartak Moskau. Der physisch starke 24-Jährige, der mit YB noch einen bis im Sommer 2023 gültigen Vertrag besass, wird die Saison mit den Russen auf Leihbasis zu Ende spielen, anschliessend kommt eine Kaufoption zum Tragen. Sein neuer Vertrag mit Spartak läuft bis im Sommer 2027. Martins war vor zweieinhalb Jahren von Olympique Lyon zu YB gewechselt und absolvierte seither 68 Pflichtspiele (5 Tore).
... Bürgy nach Dänemark
Der 3. YB-Spieler, der am Deadline-Day den Klub verlassen hat, ist Nicolas Bürgy. Er wechselt leihweise bis zum Saisonende zu Viborg FF. Der dänische Klub besitzt anschliessend eine Kaufoption für den Innenverteidiger. Bürgy kam bereits als 12-Jähriger vom FC Belp zu YB und durchlief danach alle Juniorenstationen. 2015 unterschrieb er bei den Young Boys seinen ersten Profivertrag. Nach verschiedenen leihweisen Gastspielen kehrte er zu den Gelb-Schwarzen zurück und wurde 2020 mit YB Schweizer Meister.
"Es ist auch so, dass wir noch einen Spieler verpflichten werden." Autor: Christoph Spycher YB-Sportchef
Vor Nsame, Martins und Bürgy verliessen in der Winterpause schon namhafte Spieler wie Michel Aebischer (Bologna) und Silvan Hefti (Genoa) die Berner Richtung Ausland.
YB-Sportchef Christoph Spycher hält aber fest: «Wir sind noch immer sehr gut aufgestellt.» Und er ergänzt: «Es ist auch so, dass wir noch einen Spieler verpflichten werden.» Die Abgänge seien kein Zeichen von einer Aufgabe im Meisterrennen sondern vielmehr Ausdruck davon, dass man Vertrauen in die verbliebenen Spieler habe, so Spycher.
Winter-Transfers in der Schweiz
In der Schweiz ist das Transfer-Fenster noch bis zum 15. Februar geöffnet. Lokal ausgebildete Spieler unter 21 Jahren dürfen gar noch bis Ende März den Klub wechseln.
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