Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
16.02.2021
Zitat:
Leverkusen-Sportchef Rudi Völler exklusiv
«YB hat in der Schweiz keine Rivalen»
Zwei Runden lang war Leverkusen Bundesliga-Tabellenführer. Nun gehts munter auf und ab. «Dennoch sind wir gegen YB favorisiert», sagt Rudi Völler, Geschäftsführer Sport und Legende des deutschen Fussballs.
as letzte Spiel in der Schweiz ging ja für Leverkusen ziemlich in die Hosen. Das war 2018 ein 2:3 gegen den FC Zürich im Letzigrund. Rudi Völler: Oh ja, stimmt. Ist gar nicht so lange her. Die Zürcher haben das damals super gemacht.
Erstaunlich ist: Von der damaligen Startformation sind nur drei Spieler nicht mehr dabei. Lars und Sven Bender, Bellarabi, Dragovic, Jedvaj, Hradecky, Wendell, Bailey – alle noch im Kader! Spricht das für die Kontinuität in der Arbeit bei Bayer? Es ist wahr, dass wir ein paar Spieler haben, die schon einige Jahre hier sind. Aber es gab in den letzten zwei Jahren doch einen Umbruch. Es sind viele neue, junge Spieler dazugekommen. Ich kann ihnen versichern: Die von damals werden diesmal nicht alle spielen. Nun ist ein neuer Wettbewerb mit neuen Spielern.
Und neuer Unterlage: Kunstrasen! Es ist darauf anders, klar. Aber man kann das nicht ändern. Also bringt es auch nichts, rumzujammern. Wir werden einen Tag vorher drauf trainieren. Und dann versuchen so zu spielen, dass wir erfolgreich sind. Da unsere Mannschaft gerne den Ball laufen lässt und Ballbesitz liebt, hat das einen Vorteil: Die Bälle springen nicht weg. Wir hatten zuletzt ein paar Spiele, wo die Rasenplätze nicht so gut waren. Man muss sich mit den Begebenheiten zurechtfinden. Das werden wir so handhaben.
Ein pragmatischer Ansatz, gut. Einige Grosse wie Manchester United, Juventus, Porto haben da viel mehr lamentiert. Klar: Wünschen tut sich das keiner. Aber es darf keine Entschuldigung sein. Es ist so, wie es ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur ein Spieler der Young Boys die La-Ola-Welle gemacht hat, als sie damals den Kunstrasen bekamen. Wir spielen nur einmal in der Saison auf Kunstrasen. Da muss das machbar sein.
Wo steht denn Bayer im Moment? Näher beim peinlichen Pokal-Out bei Viertligist Rot-Weiss Essen oder bei der 5:2-Gala gegen den VfB Stuttgart? Oder bei diesem Auf und Ab wie beim 2:2 gegen Mainz? Im Fussball ist im Lauf der Jahrzehnte alles schneller und moderner geworden. Was aber geblieben ist und sich nie ändern wird: Du musst deine Chancen nutzen! Wir hatten in Essen dreimal so viele Torchancen wie gegen Stuttgart. Aber gegen eine richtig gute Mannschaft wie Stuttgart haben wir fünf Tore gemacht und im Pokal nur eines. Man kann der Mannschaft keinen grossen Vorwurf machen, wie sie das Spiel auf diesem Katastrophenplatz angenommen hat. Wir haben uns Torchance um Torchance erarbeitet, viermal gegen Pfosten und Latte geschossen – aber der Ball wollte nicht rein. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Auch in der Vorrunde, als wir sechs Spiele in Folge gewannen und zwei Runden lang Tabellenführer waren, war nicht alles Gold, was glänzte. Da gab‘s Spiele, die wir nicht unbedingt hätten gewinnen müssen. Und zuletzt, als wir nicht so erfolgreich waren, hätten gewisse Spiele auch anders ausgehen können.
Aber Bayer ist gegen YB schon Favorit? Ja. Das ist für mich Fakt, und diese Rolle nehmen wir auch an. Aber YB ist eine gute Mannschaft, die in der Schweiz nun die Rolle innehat, die Basel jahrelang spielte. YB hat keine Rivalen. Das zeugt von guter Arbeit in Bern.
Wie gut kennen Sie die Mannschaft? Ich habe ja einst in Rom gespielt und die Gruppenspiele von YB gegen die AS Roma verfolgt. Und ich weiss natürlich, dass mit Nsame und Camara zwei Topspieler gesperrt sind. Aber die Mannschaft ist gut. Auch wenn wir die Favoriten sind, gibt es keinen Grund, sie zu unterschätzen. Wir wollen weiterkommen, das ist unser Anspruch. Aber wir müssen Respekt haben und definitiv alles abrufen, um weiterkommen.
Ist Jean-Pierre Nsame einer, den sie sich bei Bayer vorstellen könnten? Er ist ein Topstürmer, das in jedem Fall. Einerseits bin ich froh, dass er fehlt, andererseits hätte ich ihn gerne spielen sehen.
Mit Barnetta, Zuberbühler, Drmic, Pirmin Schwegler, Derdiyok und Mehmedi haben einige Schweizer in Leverkusen gespielt. Was haben Sie da für Erinnerungen? Wir haben eine grosse und auch sehr gute Schweizer Vergangenheit. Die waren alle super. In den letzten Jahren haben wir mehr zu Österreichern gewechselt. Doch unabhängig von der Nationalität geht es um Qualität. Mal gucken, vielleicht ist bald wieder ein Schweizer hier. Aber momentan ist wohl Gladbach der klassische Abnehmer für eure Fussballer geworden. (schmunzelt)
Ist es symptomatisch, dass Österreicher nun überwiegen, weil die im Moment einfach besser sind? Nein. Das ist Zufall. Das darf man nicht verallgemeinern. Die Nationalmannschaften bewegen sich ja auf demselben Niveau.
YB-Sportchef Christoph Spycher achtet bei der Verpflichtung von Spielern enorm auf den Charakter, darauf, wie ein Spieler auch neben dem Platz ist. Wie wichtig ist das für Sie? Ja, natürlich ist das auch für mich wichtig. Bei YB war die Idee, Fabian Lustenberger in die Schweiz zurückzuholen, ein genialer Schachzug. Ich habe ihn bei der Hertha genau verfolgt. Er hat dort Superjahre gehabt.
Doch noch eine Frage zur «Situation». In der Schweiz sind bisher über 6000 Virus-Mutations-Fälle registriert worden. Hat man da keine Bedenken hierherzukommen Die Fälle gibt es doch in ganz Europa. Bei einem etwas mehr, beim anderen weniger. Wir leben in einer Blase, mit einem Hygienekonzept. Das wird in der Schweiz ähnlich sein. Wir werden jedenfalls alle sehr vorsichtig sein und uns an die Vorgaben halten. Das ist in der Bundesliga so, das ist in Bern nicht anders.
Bayer ist ein Pharmagigant. Ist man da irgendwie näher bei der Pandemie? Nein. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
Was ganz anderes zum Thema Schweiz: 2012 haben sie sich über eine Niederlage gegen Eintracht Frankfurt geärgert – und sind dann als Tatort-Fan gnadenlos über den Schweizer Tatort hergezogen, den sie als «beschissensten Tatort aller Zeiten» verunglimpften… Ui, da holen einen unwichtige alte Dinge wieder ein…
Das Luzerner Duo von damals ist weg. Nun gibts zwei Zürcher Ermittlerinnen. Haben Sie deren ersten Tatort gesehen? Nein. Damals habe ich das aus der schlechten Laune heraus gesagt, weil wir im Klub ein grausames Wochenende gehabt hatten. Und dann noch dieser Tatort… Die Schauspieler konnten ja gar nichts dafür. Das beste Team kann nichts machen, wenn das Drehbuch bescheiden ist.
Ist das im Fussball auch so, dass die Protagonisten auf dem Feld nichts dafür können, wenn die taktischen Vorgaben des Trainers falsch sind oder das Team vom Sportchef schlecht zusammengestellt ist? Vielleicht kann man das vergleichen. Aber die Spieler auf dem Platz können dann doch noch sehr viel beeinflussen. Die können den Ball immer noch ins Tor schiessen. Aber wenn die Geschichte schlecht ist, können selbst die besten Schauspieler der Welt nichts mehr retten.
Das ist Rudi Völler
Den Durchbruch schafft der im hessischen Hanau geborene Rudolf «Rudi» Völler (60) bei Werder Bremen, wo er Vizemeister und Torschützenkönig wird. Via AS Roma geht er zu Olympique Marseille, wo er die Erstausgabe der Champions League gewinnt. Seine Karriere beendet er bei Bayer Leverkusen. Für Deutschland macht Völler 90 Länderspiele und schiesst 47 Tore. Höhepunkte: Weltmeister 1990, Vizeweltmeister 1986, Vizeeuropameister 1992. Von 2000 bis 2004 ist er deutscher Teamchef und wird 2002 Vizeweltmeister. Von 2005 bis 2018 war er Sportdirektor bei Bayer. Seitdem ist er Geschäftsführer Sport. Legendär ist seine Wutrede 2003 nach einem 0:0 gegen Island, als er ARD-Moderator Waldemar Hartmann an den Kopf warf, dieser habe drei Weizenbier getrunken und könne locker auf seinem Stuhl sitzen…
Registriert: Montag 24. Mai 2004, 18:21 Beiträge: 3440 Wohnort: In der Brauerei
Bayer-04-Sportdirektor Simon Rolfes im Interview
imon Rolfes bestritt für Bayer Leverkusen 377 Partien, für Deutschland 26 Länderspiele. Der 39-Jährige, seit Dezember 2018 Sportdirektor von Bayer 04 Leverkusen, spricht über seinen Klub, seine Erfahrungen mit Schweizer Fussballern - und den Europa-League-Sechzehntelfinal gegen die Young Boys.
***
Für welchen Fussball steht Bayer Leverkusen in der Saison 2020/21? Da haben wir im Klub eine ganz klare Vorstellung, und die gilt natürlich nicht nur für die aktuelle Saison: Bayer 04 Leverkusen steht grundsätzlich für Ballbesitz, für technischen und offensiven Fussball, für Zielstrebigkeit. Diese Attribute sind sozusagen unsere DNA, nach der wir uns schon über viele Jahre hinweg ausrichten. Wir wollen attraktiven Tempofussball bieten und damit erfolgreich sein.
Ist die Schweizer Super League eine Liga, die Sie verfolgen? Der Schweizer Fussball ist für uns hochinteressant. Die Spieler werden in den Klubs hervorragend ausgebildet. Es ist doch klar, dass wir uns das im Nachbarland anschauen. Wie sie es dort machen, welche Spieler, welche jungen Talente sie entwickeln. Da ist in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet worden.
Welchen Ruf haben Schweizer Spieler in Deutschland? Schweizer Spieler passen natürlich allein schon wegen der Sprache sehr gut zu deutschen Klubs. Die Integration ist in diesem Sinne nicht allzu schwer. Sie bringen auch eine beeindruckende Mentalität mit. Wenn man sich die Entwicklung der vergangenen Jahre anschaut, auch den Weg der Nationalmannschaft – da sieht man internationale Klasse. Schweizer Spieler setzen sich in der Bundesliga durch, in der Premier League, auch in Italien. Das hat qualitative Gründe.
Auch Schweizer Trainer stehen hoch im Kurs. Wer macht Ihnen am meisten Eindruck? Die Geschichte Schweizer Trainer im deutschen Fussball ist schon beeindruckend. Lucien Favre oder Marcel Koller haben über viele Jahre hinweg deutsche Klubs geprägt, Christian Gross ist gerade erst wieder in die Bundesliga zurückgekehrt. Richtig gut macht es aktuell natürlich Urs Fischer bei Union Berlin. Er bringt mit seiner Art eine ganz besondere Note ein, und der Erfolg gibt ihm recht.
Sie spielten bei Bayer mit einigen Schweizern zusammen: Pirmin Schwegler, Tranquillo Barnetta, Eren Derdiyok, Josip Drmic. Welche Erinnerungen haben Sie an diese ehemaligen Kollegen? Ganz besondere Erinnerungen habe ich an Tranquillo Barnetta. Er war in Leverkusen mein erster Zimmerpartner, wenn wir auf Reisen gingen oder im Trainingslager waren. Ein toller und total anständiger Kerl, der es aber auch faustdick hinter den Ohren hatte. Ich denke gern an diese Zeiten zurück, als wir mit Bayer 04 gemeinsam so richtig durchstarteten.
Bayer trifft im Februar im Sechzehntelfinal der Europa League auf die Young Boys. Was wissen Sie über den Gegner? Das ist eine Top-Mannschaft, die den FC Basel, der über Jahre hinweg alles bestimmte, als dominantes Team abgelöst hat. Die Titelgewinne der vergangenen Jahre sprechen für sich. Wir treffen also auf einen sehr starken Gegner, vor dem wir Respekt haben. Aber keine Angst. Wir haben das Selbstvertrauen und den klaren Willen, uns in zwei Spielen gegen die Young Boys durchzusetzen und in die nächste Runde einzuziehen.
Ihr Amtskollege in Bern ist einer, gegen den Sie mehrmals gespielt haben. Gibt es Kontakte zu Christoph Spycher? Ja, zuletzt hatten wir schon einmal Kontakt. Als Spieler haben wir uns häufiger getroffen, jetzt freue ich mich, ihn in seiner neuen Funktion wiederzusehen.
Er sagt, dass YB klarer Aussenseiter ist. Kann Leverkusen nur verlieren? Nein. Wir können gewinnen. Und das wollen wir auch. Ganz egal, ob YB Aussenseiter ist oder nicht.
Registriert: Montag 24. Mai 2004, 18:21 Beiträge: 3440 Wohnort: In der Brauerei
Alles zum Spiel YB - Bayer 04 Leverkusen
Pressekonferenz mit Gerry Seoane und Michel Aebischer
Gerry Seoane und Michel Aebischer stellten sich den Fragen der Journalistinnen und Journalisten vor dem Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen.
Letztes Aufeinandertreffen
YB und Bayer 04 Leverkusen sind vor rund sieben Jahren anlässlich eines Trainingslagers in Lagos (Portugal) in einem Testspiel aufeinandergetroffen. Am 10. Januar 2014 trennten sich die beiden Teams mit einem 2:2-Unentschieden.
Eren Derdiyok brachte Bayer früh in Führung, danach entwickelte sich ein intensives und abwechslungsreiches Spiel. YB vermochte mit dem damaligen Champions-League-Achtelfinalisten gut mitzuhalten und ging durch zwei Tore von Michael Frey in Führung. In der Schlussphase gelang Julian Brandt (heute Borussia Dortmund) der Ausgleich, ehe Leonardo Bertone seinen Penalty von Goalie Andrés Palop gehalten sah.
Eine weitere Begegnung gab es im Jahr 2004 anlässlich des Uhrencups. Damals bezwang YB die «Werkself» dank eines Kopfballtreffers von Hakan Yakin (Vorarbeit Gürkan Sermeter) mit 1:0.
Bayer 04 Leverkusen – Eine feste Grösse der Bundesliga
Der Bundesligist gehört seit Jahren zur Spitzengruppe der Bundesliga. In diese Saison startete die Mannschaft von Trainer Peter Bosz beeindruckend, nun fiel sie auf Platz 5 zurück.
Bayer Leverkusen befindet sich nach 21 Runden in einer Tabellenregion, die für den Verein Normalität geworden ist: Die Mannschaft von Trainer Peter Bosz belegt Platz 5 und gehört einmal mehr zur Spitzengruppe der Bundesliga. In den vergangenen 35 Jahren verpasste Bayer nur dreimal die Top Ten. Was im Palmarès noch fehlt, ist ein Meistertitel.
In diese Saison starteten die Leverkusener beeindruckend. Ihre ersten zwölf Partien brachten sie ohne Niederlage hinter sich und führten Mitte Dezember die Rangliste vor dem FC Bayern an. Fünf Niederlagen in den letzten neun Runden führten allerdings dazu, dass Bayer auf Platz 5 zurückfiel. Zuletzt gab die Mannschaft auf heimischem Terrain gegen Mainz einen 2:0-Vorsprung in den letzten Minuten preis - das 2:2 verärgerte sowohl den Trainer als auch die Spieler. Sven Bender, einer der Routiniers, sagte: «Wir haben gekriegt, was wir uns in der zweiten Halbzeit im negativen Sinn erarbeitet haben.»
Zwischen Mainz und der Fortsetzung der Meisterschaft am Sonntag in Augsburg steht nun das Hinspiel im Europa-League-Sechzehntelfinal bei YB an. Die Qualifikation für die K.-o.-Run¬de gelang auf souveräne Weise: In der Gruppe mit OGC Nice, Slavia Prag und Hapoel Beer Scheva entschied Leverkusen fünf seiner sechs Begegnungen für sich.
Treffsicherster Spieler ist bislang Lucas Alario. Der 28-jährige Argentinier steht in der Bundesliga bei 9 Toren, in der Europa League und im DFB-Pokal erzielte er je zwei. Auf sich aufmerksam macht zudem wiederholt Florian Wirtz: Der erst 17-Jährige liess sich in den drei Wettbewerben schon siebenmal als Torschütze notieren.
Trainiert wird Bayer seit Weihnachten 2018 von Peter Bosz, sein Vertrag läuft bis 2022. Der 57-jährige Holländer ist ein ehemaliger Profi, der in den Neunzigerjahren acht Länderspiele bestritt. Allerdings ist Bosz nicht jemand, der seine fussballerischen Qualitäten hervorhebt. In einem Interview sagte er einmal über sich: «Der Trainer Bosz würde den Spieler Bosz in seiner Mannschaft nicht aufstellen.» Warum? «Weil ich ein verteidigender Mittelfeldspieler war, und weil ich auf dieser Position lieber einen kontrollierenden Mittelfeldspieler sehe. Fußballerisch war das, so wie ich es mir heute vorstelle, bei mir nicht gut genug.»
Die Geschichte von Bayer 04 Leverkusen haben verschiedene berühmte Namen geprägt. Das Leverkusener Trikot trugen Grössen wie Michael Ballack, Bernd Schuster, Bernd Schneider, Oliver Neuville, die Bender-Zwillinge Lars und Sven, Stefan Kiessling, Ulf Kirsten (Rekordtorschütze), Simon Rolfes, Dimitar Berbatov, Carsten Ramelow, Lucio, Zé Roberto und nicht zuletzt Rudi Völler, der heute als Geschäftsführer Sport auch eines der Gesichter des Vereins ist.
Leverkusen war in der Vergangenheit regelmässig auch für Schweizer eine begehrte Adresse. Tranquillo Barnetta etwa verbrachte sieben Jahre bei Bayer, der frühere YB-Mittelfeldspieler Pirmin Schwegler, Admir Mehmedi, Eren Derdiyok, Josip Drmic oder der ehemalige YB-Goalietrainer Pascal Zuberbühler trugen ebenfalls einmal das Trikot der Werkself.
Ulf Kirstens Besuch bei YB im Jahr 2012
Vor neun Jahren stattete Bayer Leverkusens Rekordtorschütze Ulf Kirsten den Young Boys anlässlich seiner Trainerausbildung einen rund einwöchigen Besuch ab.
Der 46-jährige Ulf Kirsten kam von 1990 bis 2003 zu 350 Bundesliga-Einsätzen für Bayer Leverkusen, wobei er 182 Tore schoss. Gesamthaft erzielte er 238 Pflichtspieltore für Bayer 04.
Auch in der Nationalmannschaft war er sehr erfolgreich: Mit den Nationalteams der ehemaligen DDR und Deutschlands kam er auf 100 Länderspiele (34 Tore).
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
17.02.2021
Zitat:
Vor dem Duell mit Leverkusen
Diesmal erstarren die Young Boys nicht vor Ehrfurcht
YB steht erstmals seit 2015 im Sechzehntelfinal der Europa League. Wie damals gegen Everton sind sie auch jetzt Aussenseiter. Das ist aber die einzige Gemeinsamkeit.
Als YB vor sechs Jahren letztmals den Sechzehntelfinal der Europa League bestritt, durfte nach dem 1:4 in Bern im Rückspiel bei Everton Marco Wölfli im Tor stehen, es war ein Zückerchen für seine Loyalität. Trainer Uli Forte schonte im Goodison Park Yvon Mvogo, Renato Steffen und Alexander Gerndt. Captain Steve von Bergen trat die Reise nach Liverpool gar nicht erst an.
Man muss sich das vorstellen: Da steht YB mit Everton auf der europäischen Bühne, und der Fokus gilt der Partie gegen den FC Thun am darauffolgenden Wochenende. In der Umgangssprache der sozialen Medien hat sich für diese Herangehensweise ein ziemlich treffender Begriff herausgebildet: «Small Team Mentality».
«Es war ein Highlight, die ganze Kampagne war für uns sehr aufregend», erinnert sich der damalige YB-Trainer Uli Forte. Mit dem 2:0 in der Gruppenphase im Heimspiel gegen Napoli erlebten die Young Boys eine kleine Sternstunde, verdienten sich so im abschliessenden Gruppenspiel gegen Sparta Prag eine Partie, in der es um alles ging. Sie gewannen 2:0. «Hoarau und Steffen», diktiert Forte die Torschützen ins Telefon.
In der K.-o.-Runde gegen Everton hatte YB dann vor allem ein Problem: Romelu Lukaku. «Er war nicht zu stoppen, er schoss uns ab», sagt Forte. Noch heute erinnert er sich an damals, wenn er Lukaku zuschaut, wie er mittlerweile für Inter in der Serie A an den Verteidigern vorbeizieht. Der schmächtige Yuya Kubo bekam es ein paarmal mit dem belgischen Koloss zu tun – ein ungleiches Duell. «Er schüttelte ihn ab wie eine lästige Fliege», sagt Forte. YB ging in Führung, dann traf Lukaku einmal, zweimal, dreimal. Nach einer Stunde stand es 1:4. Die Sache war schon vor dem Rückspiel gelaufen.
So war das im Februar 2015. Die Episode zeigt, wie sich der Club verändert hat. Die Young Boys sind dreimal in Folge Meister geworden. Sie haben den Cup gewonnen. Sie steuern mit der Geradlinigkeit eines Güterzugs, der durch die Steppe donnert, auf den vierten Meistertitel en suite zu. Ein Kunststück, das dem Verein in seiner bald 123-jährigen Historie nur einmal gelungen ist, zwischen 1957 und 1960.
YB ist national das Mass aller Dinge. Und wenn der aktuelle Trainer Gerardo Seoane auf fünf bis sechs Positionen rotiert, tut er dies nicht, um Zückerchen zu verteilen, sondern um die Belastung und Zufriedenheit in seinem für Schweizer Verhältnisse exquisiten und breiten Kader zu managen.
YB wartet auf den europäischen Exploit
Mit dem Berner Aufstieg zum Ligakrösus haben sich Anspruchs- und Erwartungshaltung verändert. Einfach europäisch mitzuspielen, ist nicht mehr gut genug. Ein 1:4 am Donnerstag daheim wie 2015 gegen Everton, und es würde wohl mit Häme über die Berner geurteilt werden.
Von den Young Boys wird erwartet, dass sie Punkte für die Fünfjahreswertung sammeln, diese ist massgebend für die Startplätze im Europacup. Die Schweiz ist im Ranking auf Rang 17 abgerutscht, hinter Länder wie Zypern und Serbien, obwohl die Super League im Benchmark-Report der Uefa 2018 die Liga mit der elftgrössten Umsatzkraft war (deutlich vor dem serbischen und zypriotischen Championat).
Der Absturz hat auch mit den europäischen Darbietungen der Young Boys zu tun. Sie waren in den letzten Jahren immer im Europacup, sie schlugen sich in teils schweren Gruppen passabel. Aber ein Exploit ist ihnen – anders als dem FC Basel – nie gelungen.
Das prägt das Bild, wie YB in Europa wahrgenommen wird. Wanja Greuel erlebt das immer wieder. Der YB-CEO sitzt im Vorstand der Interessenvertretung der europäischen Fussballvereine (ECA). Oft genug hat Greuel die Frage gehört, wie es möglich gewesen sei, die Basler hinter sich zu lassen. Das sei ja Wahnsinn. Als ob die Young Boys bei ihren drei Titeln nicht immer mindestens 14 Punkte Vorsprung auf den FCB gehabt hätten.
Diese verzerrte Wahrnehmung zeigte sich auch im Dezember, als der Sechzehntelfinal ausgelost wurde. Vereinsvertreter und Fans von Leverkusen einigten sich zur Aufgabe YB auf die Devise: machbar. Wäre dem Werksclub der FC Basel zugelost worden, wäre die Reaktion eine andere gewesen. Auch unter dem Eindruck, dass der FCB letzten Winter im Achtelfinal der Europa League Eintracht Frankfurt rauskegelte.
Greuel findet, bei YB habe europäisch in den letzten Saisons oft nicht viel zu einem Exploit gefehlt, hier mal ein Punkt, da mal ein Tor. «Aber natürlich, wir haben den Ehrgeiz, auch international erfolgreich zu sein.»
Lustenberger glaubt an die Überraschung
Diese veränderte Anspruchshaltung zeigte auch Gerardo Seoane, nachdem sich sein Team im Herbst erneut für die Gruppenphase qualifiziert hatte. Da sagte der YB-Trainer ungewöhnlich forsch: «Wir haben selbstverständlich die Ambition, das zu machen, was Basel letzte Saison gemacht hat. Das wäre sensationell.» Der FCB erreichte den Viertelfinal. Und Captain Fabian Lustenberger sagt nun, das Ziel sei gewesen, die Gruppenphase zu überstehen. «Das haben wir erreicht. Aber wir wollen uns damit nicht zufrieden geben.»
Es liegt etwas Unaufgeregtes in den Worten des Routiniers, wenn er über die kommende Aufgabe spricht. Die Stimmung sei nicht anders als vor einem Match gegen Lausanne, sagt Lustenberger. Er will dies nicht als Ansage verstanden haben, dass es nun gelte, die Hürde Leverkusen zu nehmen. Die Deutschen seien eine starke Mannschaft, mit sehr guten Spielern und einem sehr guten Trainer. «Aber wir sind in der Lage, für eine Überraschung zu sorgen, wenn uns zwei Topleistungen gelingen.»
2015 erstarrte YB vor Ehrfurcht. Everton war damals kein Spitzenteam der Premier League, aber dennoch ein grosses Los für YB. «Die haben 35 Millionen Euro für einen Stürmer ausgegeben», sagte Forte damals. «Wir waren beeindruckt», sagt Forte heute.
Seoane im Schaufenster
2021 sind keine solchen Voten zu hören. Lustenberger spricht nun von der Möglichkeit, sich gegen einen grossen Gegner europäisch zu präsentieren. Das gilt natürlich auch für Trainer Seoane, der als ein Kandidat für die Nachfolge von Marco Rose gilt, der im Sommer von Mönchengladbach zu Borussia Dortmund wechseln wird.
Lustenberger bedauert, dass Jean-Pierre Nsame und Mohamed Camara beide Partien gesperrt verpassen. «Aber das bietet anderen Spielern die Möglichkeit, sich zu zeigen.» Auch das ist der Unterschied zu 2015: Da standen etliche Spieler im Kader, für die es das höchste der Gefühle war, überhaupt bei YB zu sein. Spieler wie Rochat, Sutter, Vilotic, Gajic, Lecjaks und Gerndt.
Everton und Leverkusen sind ähnlich stark einzuschätzen. Auf dem Papier ist die Ausgangslage klar. Aber: Im Kopf haben die Young Boys diesmal nicht schon vor Anpfiff verloren.
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
17.02.2021
Zitat:
Trotz Aussenseiterposition zuversichtlich: YB gegen Bayer Leverkusen in der Europa League
Die Berner Young Boys stehen seit 2015 zum ersten Mal wieder im Sechzehntelfinal der Europa League und begrüssen Bayer Leverkusen im Berner Wankdorf-Stadion. Wie auch schon vor sechs Jahren gegen Everton, sind sie auch dieses Mal wieder in der Aussenseiterposition.
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
17.02.2021
Zitat:
1/16-Finals der Europa League
Trotz «umgekehrter Statistik»: YB will Leverkusen ärgern
Die Young Boys haben erstmals seit 6 Jahren wieder europäisch überwintert. Am Donnerstag empfangen sie Leverkusen.
Der letzte Auftritt der Young Boys auf der europäischen Bühne liegt gute zwei Monate zurück. Im Wankdorf hätte den Bernern damals schon ein Punkt gegen Cluj zum Weiterkommen gereicht. In einer turbulenten Schlussphase und dank zwei späten Treffern sicherte sich der Schweizer Meister zum Abschluss der Gruppenphase aber noch einen 2:1-Erfolg.
Lohn für das letztlich souveräne Weiterkommen ist die erstmalige Teilnahme an den Sechzehntelfinals der Europa League seit 2015. «Für den Klub hat das einen hohen Stellenwert. Wir haben lange nicht mehr europäisch überwintert», sagte Trainer Gerardo Seoane.
Gegner im Sechzehntelfinal am Donnerstag im Wankdorf wird nicht wie vor 6 Jahren Everton sein (Gesamtskore 2:7). Doch auch gegen Bayer Leverkusen liegt die Rolle des Aussenseiters bei den Young Boys. Oder wie es Mittelfeldspieler Michel Aebischer sagt: «Sie sind der Favorit, aber ich gebe uns 40 Prozent.»
YB und die wohl «umgekehrte Statistik»
Er verfolge die Bundesliga praktisch jedes Wochenende, sagte Aebischer. Entsprechend glaubt er, die Stärken des Gegners zu kennen. «Sie haben schnelle Umschaltspieler auf den Flügeln und im Zentrum technisch starke Spieler, die Bälle in die Tiefe spielen können», so der 24-Jährige.
Aebischer und Seoane haben aber auch klare Vorstellungen davon, wie sie das Spiel gegen die «Werkself» angehen wollen:
- Aebischer: «Wir müssen die Duelle annehmen. Das mögen sie nicht so, das haben wir analysiert. Wir müssen uns nicht verstecken. Wir haben einen super Lauf und Selbstvertrauen, das dürfen wir zeigen.» - Seoane: «Diese Mannschaft wird uns alles abverlangen. Wir haben sonst oft mehr Ballbesitz und viel mehr Abschlüsse aufs Tor. Es ist gut möglich, dass diese Statistik gegen Leverkusen eher umgekehrt sein wird. In der Zeit, in der wir den Ball haben, müssen wir den Gegner vor Probleme stellen.»
Live-Hinweis
Das 1/16-Final-Hinspiel von YB in der Europa League gegen Leverkusen übertragen wir am Donnerstag ab 18:35 Uhr auf SRF zwei und in der Sport App live aus Bern.
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
17.02.2021
Zitat:
Leverkusens Nummer 1 kann in Bern nicht spielen
Fehlt Hradecky auch in Augsburg? Bosz: "Die Möglichkeit besteht"
Bayer 04 muss am Donnerstag beim Hinspiel in der Europa League bei Young Boys Bern auf Torhüter Lukas Hradecky verzichten. Leverkusens Nummer 1 könnte zudem auch in Augsburg fehlen, wie Peter Bosz am Mittwochabend erklärte. Und der Trainer erwägt außerdem, auf den einen oder anderen Profi freiwillig zu verzichten.
Mit 16 Punkten Vorsprung dominieren die Young Boys die Schweizer Liga. Doch nicht nur aufgrund der sportlichen Qualitäten der Berner wird die Partie für Bayer 04 eine besondere Herausforderung. Schließlich findet sie auf Kunstrasen statt. Peter Bosz ("Das ist kein Problem") sieht dies recht gelassen. Aleksandar Dragovic, der einst für den FC Basel spielte, weiß aber, dass dieser Untergrund trotz seiner ebenen Beschaffenheit zum Solperstein werden kann. "Als ich mit dem FC Basel hier gespielt habe, war es immer ein kleiner Vorteil für den Gegner, aber das soll und darf auch keine Ausrede sein", erklärt der Innenverteidiger.
Dragovic warnt vor der Offensive von den Young Boys ("Vorne haben die ein paar Raketen"), sieht aber auch in der riskanten Spielweise des Gegners, der Räume preisgibt, und in dem Untergrund eine Chance. "Das kann auch ein Vorteil sein, denn der Ball wird sehr, sehr schnell auf Kunstrasen", so Dragovic, "da müssen wir unsere Stärken ausspielen."
Zuletzt gelang dies Bayer kaum bis gar nicht. Zusätzlich muss die Bosz-Elf in Bern auf ihre Nummer 1 verzichten, nachdem Lukas Hradecky am Samstag beim 2:2 gegen Mainz zur Halbzeit mit Problemen an der Achillesferse vom Platz gegangen war. "Lukas wird morgen nicht dabei sein", erklärte Bosz. In Bern wird Niklas Lomb an Stelle des Finnen das Leverkusener Tor hüten. Und das womöglich auch drei Tage später in der Partie beim FC Augsburg tun dürfen. Denn auch für das Liga-Spiel am Sonntag konnte der Werkself-Trainer bezüglich Hradecky keine Entwarnung geben. Bosz: "Es besteht die Möglichkeit, dass wir auch am Sonntag auf ihn verzichten müssen."
Bosz will verletzungsanfällige Spieler womöglich schonen
Verzichten - und zwar freiwillig - wird der Trainer in Bern auf einen oder mehrere Akteure, die eine ungünstige Verletzungsgeschichte vorweisen. "In spielerischer Hinsicht kommen alle meine Spieler zurecht auf Kunstrasen, aber es kann sein, dass der eine oder andere nicht anfängt wegen dieses Kunstrasens", bestätigt Bosz, dass verletzungsanfällige Akteure womöglich geschont werden.
Abwehrchef Sven Bender, der gerade erst aus einer langen Verletzungspause zurückgekehrt ist, ist hier der erste Kandidat. Ähnliches könnte auch zumindest für einen der beiden Mittelstürmer gelten: Patrik Schick, ohnehin immer wieder angeschlagen, kämpft regelmäßig mit Sprunggelenkproblemen. So dürfte Lucas Alario den Vorzug erhalten, dessen Knie allerdings auch regelmäßig leichte Überlastungssignale sendet.
Registriert: Samstag 8. Mai 2004, 12:12 Beiträge: 3258 Wohnort: Bern
Bern-Trainer Seoane: „Bayer 04 hat wahnsinnig viel Potenzial“
Der Doublesieger wartet: Im Sechzehntelfinale der Europa League gastiert die Werkself am Donnerstag, 18. Februar (Anstoß: 18.55 Uhr), bei Young Boys Bern. Der Schweizer Spitzenklub hat zuletzt drei Meistertitel in Serie geholt und 2020 zudem den nationalen Pokal gewonnen. Auch in dieser Saison führen die Young Boys die Super League wieder souverän an. Vor dem Duell in Bern spricht Cheftrainer Gerardo Seoane über die Philosophie des Klubs, das Faible der Schweizer für die Bundesliga und die Stärken der Werkself.
Gerardo Seoane, wie erklären Sie einem Fremden, mit welcher Philosophie die Young Boys arbeiten? Wir sind ein ambitionierter Klub in einer Ausbildungsliga. Ambitioniert bedeutet: Wir haben den Anspruch, national um Titel mitzuspielen und uns regelmäßig für internationale Wettbewerbe zu qualifizieren. Bei uns sollen die Spieler die Möglichkeit erhalten, sich im bestmöglichen Licht zu präsentieren und sich unter optimalen Bedingungen so zu entwickeln, dass sie eines Tages den nächsten Schritt machen können. Und der nächste Schritt ist ein Transfer ins Ausland. Wenn ein Spieler begehrt ist, heißt das, dass gute Arbeit geleistet wurde.
Stört es Sie als ehrgeizigen Trainer nicht, wenn Sie immer wieder ihre besten Spieler verlieren? Nein, weil das Teil unserer Philosophie ist und bedeutende Einnahmen generiert. Ich trage den Plan der Clubleitung bedingungslos mit. Wichtig sind eine überzeugende Nachwuchsarbeit und ein sehr gutes Scouting. Wir möchten mit YB die erste Adresse für die besten Talente in der Schweiz sein, das heißt: Wir wollen so gute Arbeit leisten, dass Junge mit Perspektiven zu YB wechseln und sich bei uns weiter ausbilden lassen. Und wenn einer so weit ist, dass er es im Ausland packen kann, sind wir auch stolz darauf. Beispiele gibt es einige von Spielern, die es in die Bundesliga geschafft und sich dort durchgesetzt haben: Kevin Mbabu in Wolfsburg, Denis Zakaria in Mönchengladbach oder Djibril Sow in Frankfurt sind drei davon.
Die Schweizer schauen sehr gerne in die Bundesliga. Woran liegt das? Vor allem den Fußballfans in der deutschsprachigen Schweiz ist die Bundesliga sehr nahe, was sicher auch geographische und sprachliche Gründe hat. In meiner Kindheit gab es neben der Sportschau auf ARD die Sendung „ran“, daran erinnere ich mich gut. Und für uns Schweizer war gerade ein Stéphane Chapuisat bei Dortmund mit Trainer Ottmar Hitzfeld ein Vorbild. „Chappi“ hat sozusagen Pionierarbeit für unser Land in Deutschland geleistet. Ich schätze es sehr, mit ihm als Chefscout bei YB zu arbeiten.
Wo ordnen Sie die Bundesliga im Vergleich zu anderen Spitzenligen ein? Das Gesamtpaket ist wahnsinnig attraktiv. In normalen Zeiten herrscht in den Stadien eine tolle Atmosphäre, und der Fußball ist meines Erachtens vielfältiger geworden. Er beinhaltet alle Facetten und verschiedene Stile. Die Liga hat Teams, die mehr Wert auf Kampfstärke und Laufbereitschaft legen, und solche, die stets spielerische Lösungen anstreben. Interessant sind auch die verschiedenen taktischen Ausrichtungen. In Europa spielt die Bundesliga eine sehr gute Rolle. Aber Vergleiche mit anderen Ligen anstellen und daraus ein Ranking zu machen, das halte ich für sehr schwierig.
Sie treffen nun mit YB im Sechzehntelfinale der Europa League auf Bayer 04. Worauf stellen Sie ihre Mannschaft ein? Auf eine Mannschaft mit wahnsinnig viel Potenzial und einer klaren Spielphilosophie. Die spielerische Kultur wird gepflegt, die Offensive überzeugt mit Dynamik und Schnelligkeit. Ich schaue Bayer 04 sehr gerne zu. Außerdem ist es ein Verein, der seit Jahren zum ersten Drittel der Liga gehört. Spannend finde ich zudem, dass es Leverkusen immer wieder schafft, junge Spieler so vorzubereiten, dass sie bei den Profis eingesetzt werden können. Ich denke da nur schon an den 17-jährigen Florian Wirtz.
Bei Bayer 04 standen schon verschiedene Schweizer Spieler unter Vertrag. Tranquillo Barnetta, Pirmin Schwegler, Admir Mehmedi, Eren Derdiyok - ihretwegen haben viele Schweizer oft nach Leverkusen geschaut. Auch ich. Es ist immer spannend zu beobachten, wie sich die Landsleute im Ausland schlagen.
Trainiert wird Bayer 04 von Peter Bosz. Gab es schon einmal eine Begegnung zwischen ihnen beiden? Nein, wir kennen uns leider noch nicht. Aber ich habe von ihm einen sehr positiven Eindruck. Anfang des Jahres habe ich ihn auf ZDF im „Sportstudio“ gesehen. Er wirkt ruhig und kann doch Klartext sprechen. Und der attraktive Fußball, den Bayer 04 spielt, trägt die Handschrift von Peter Bosz.
Was rechnen Sie sich mit YB gegen Leverkusen aus? Wir sehen uns eindeutig in der Rolle der Außenseiter. Aber das heißt nicht, dass wir uns nichts ausrechnen. Wir wollen uns so teuer wie möglich verkaufen und die Chance packen, wenn sie sich bietet.
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 22 Gäste
Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.