22.09.2011

Zitat:
Zu Hause angekommen
Super League YB feiert mit einem 4:1 über Xamax den ersten Heimsieg dieser Saison. Neuenburg zerfällt in Einzelteile.
Es wird kühl im Berner Stade de Suisse, der Herbst zieht ins Land. Doch erst jetzt wird es den YB-Anhängern so richtig wohl in ihrem Haus. Am Mittwochabend lief bereits das sechste Heimspiel in Europa League und Super League in dieser Saison. Fünfmal hatten die Berner ihre Spielstätte mit unguten Gefühlen wieder verlassen. Dreimal hatte YB Unentschieden gespielt – gegen Basel, Servette und Braga. Zweimal gingen die Berner gar als Verlierer vom Platz – gegen Thun und den FC Zürich.
Man sah es allen an: Die Berner wollten gestern gegen das krisengeschüttelte Xamax das sechste Heimspiel unbedingt gewinnen. Raphaël Nuzzolo wirbelt auf der Seite gegen seinen ehemaligen Verein. Auf dem anderen Flügel macht David Degen wie gewohnt Dampf. In der Mitte räumen die Nordlichter Silberbauer und Farnerud resolut auf und lancieren ein agiles YB immer wieder vor das Tor der Gäste aus Neuenburg.
Es dauert nicht lange. Nach zwanzig Minuten steht es dank Nassim Ben Khalifa und Christoph Spycher 2:0. Ein brillanter Emmanuel Mayuka hatte U17-Weltmeister Ben Khalifa nach 16Minuten zu seinem ersten Tor im YB-Dress bedient. Und der Sambier Mayuka wurde später endgültig zum Mann des Spiels, als er mit einem Doppelpack die Tore drei und vier an diesem Galaabend zum 4:1 für YB erzielte (59./70.).
Der neue Berner Trainer Christian Gross setzte sich nach Spielschluss sichtlich entspannt vor die Medien, als sei er nach langen Irrwegen endlich heil zu Hause angekommen. «Ich freue mich sehr über diesen ersten Heimsieg», sagte der Trainer mit den grossen Ambitionen, «wir haben das Spiel sehr entschlossen begonnen. Der Anfang hat mir gut gefallen.» Nicht zufrieden konnte er in der Tat mit der Chancenauswertung sein. Denn einmal mehr liessen die Berner zahlreiche Gelegenheiten aus. Gegen die Neuenburger, die schon in der 8. Minute verletzungsbedingt ihren Aggressivleader Marcos Gelabert verloren hatten und ab der 33. Minute nach der gelb-roten Karte gegen Bastien Geiger nur noch zu zehnt spielten, hatte YB viel Platz. «Mit mehr Entschlossenheit und mehr Technik hätten wir mehr Tore erzielen können», sagte Christian Gross, «auf dem Kunstrasen muss man extrem präzis sein.»
So präzis etwa, wie seine Mannschaft in der Defensive arbeitete, die mit ihrem Anführer Alain Nef fast fehlerlos blieb. Einzig in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit gestand sie den Neuenburgern eine Chance zu, als Goalie Marco Wölfli einen Schuss Damphas nach vorne abprallen liess und Geoffrey Tréand den 1:2-Anschlusstreffer erzielte. Doch Xamax konnte nicht mehr als das bieten.
Während YB auf Platz 3 vorstösst und seinen Anhängern das feiern lehrt, wird es in Neuenburg immer garstiger, wird die Kluft zwischen dem despotischen Besitzer Bulat Tschagajew und der Stadt Neuenburg immer grösser. Neulich hatte der Patron auch die Zusammenarbeit mit langjährigen Gönnern gekündigt, vor zwei Tagen machte der ehemalige Pressechef in einem Interview mit «20 minutes online» bekannt, dass Tschagajew von Genf aus sogar die Trainingspläne des Teams bestimmt und sich um jegliche Ruhepausen foutierte. Das soll auch zum Bruch mit dem relativ erfolgreichen Trainer Joaquim Caparros geführt haben. Tschagajew ist nicht nur in Neuenburg nicht zu Hause. Auch in Bern wurde er feindlich empfangen: «Liebe den Fussball, hasse Bulat», so das Spruchband der YB-Fankurve.